Neues Hambacher Fest 2019 -  - E-Book

Neues Hambacher Fest 2019 E-Book

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Beschreibung

Johann Georg August Wirth, einer der beiden Hauptinitiatoren von 1832, nannte das Hambacher Fest das "Nationalfest der Deutschen". Philipp Jakob Siebenpfeiffer, der andere Hauptinitiator, forderte eine selbstständige, demokratische, starke, deutsche Nation. Mit dem Neuen Hambacher Fest knüpften 2018 über 1.300 Bürgerinnen und Bürger an die demokratischen und patriotischen Traditionen des originalen Hambacher Festes von 1832 an. Wir führen diese Tradition auch 2019 fort und wollen darauf aufmerksam machen, dass unsere Freiheit wieder bedroht ist und dass Freiheit und Rechtsstaat permanent gegen ihre Feinde verteidigt werden müssen.

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Seitenzahl: 152

Veröffentlichungsjahr: 2019

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INHALT

Vorwort von Prof. Dr. Max Otte

Grußwort von Dr. Markus Krall

Grußwort von Imad Karim

Die Referenten

Prof. Dr. Max Otte

Dr. Daniele Ganser

Willy Wimmer

Auf einmal entdecken alle Parteien ihren „eigenen Patriotismus“

Das Hambacher Fest von 1832

Das Hambacher Fest 1832 – Persönliche Notizen

Dr. Philipp Jakob Siebenpfeiffer

Rede von Dr. Philipp Jakob Siebenpfeiffer auf dem Hambacher Fest 1832

Johann Georg August Wirth

Rede von Johann Georg August Wirth auf dem Hambacher Fest 1832

Friedrich Schüler

Joseph Savoye

Ferdinand Geib

Die Pfalz und die Weinstraße

Die Deutsche Weinstraße

Diedesfeld

Deidesheim

Bad Dürkheim

Saupferch

Das Hambacher Schloss

Annweiler am Trifels

Donald Trumps Wurzeln in Kallstadt

Lieder zum Hambacher Fest

Vorwort von Prof. Dr. Max Otte

Liebe Freunde, deutsche Mitbürgerinnen und -bürger, Demokraten!

MAX OTTE: INITIATOR DES NEUENHAMBACHER FESTES

Im Jahr 2018 haben wir gemeinsam die Tradition des neuen Hambacher Festes wieder aufleben lassen. Eintausend dreihundert deutsche Bürgerinnen und Bürger feierten friedlich bei strahlendem Sonnenschein die demokratischen Traditionen unseres Landes. Es hätten viel mehr Menschen sein können - die Nachfrage war riesig -, aber die Auflagen ließen es nicht zu.

Würdevoll wanderten wir in einem Meer von Fahnen unseres Vaterlandes zum Schloss. Diese Fahne mit den Farben Schwarz Rot Gold repräsentiert das demokratische Deutschland vom Hambacher Fest, der Paulskirche über die Weimarer Republik bis hin zur Bundesrepublik Deutschland. Den Nazis waren sie verhasst. Auf dem ersten Hambacher Fest waren die Fahnen oft anders herum gereiht - Schwarz unten. Auch Kokarden mit Schwarz Rot Gold wurden getragen. Die Farben gehen auf die Befreiungskriege gegen Napoleon ab 1813 zurück. Der preußische Major Adolf von Lützow beschrieb den Sinn der Farben wie folgt: „Aus der Schwärze (schwarz) der Knechtschaft durch blutige (rot) Schlachten ans goldene (gold) Licht der Freiheit.“ Manche machen daraus eine Grundsatzfrage. Für mich gilt: diese Farben, egal wie herum, repräsentieren das beste Deutschland.

In Reden beleuchteten Thilo Sarrazin, Imad Karim, Markus Krall, Vera Lengsfeld, Jörg Meuthen und Willy Wimmer den Zustand unseres Vaterlandes und Rechtsstaats und wiesen Wege in die Zukunft. Ein herrlicher Blick ins Rheintal zeigte uns, wie schön unser Vaterland sein kann. Den großartigen Tag schlossen wir mit einem Liederabend ab.

Wir feierten auf dem Schloss, warfen für einen Tag die Sorgen ab, und sahen, dass es viele andere gibt, die unser Anliegen teilen - Bürger wie Sie und ich (fortab verwende ich in guter Tradition das Maskulinum für Männer, Frauen und Diverse). Menschen, an denen wir im Supermarkt vielleicht vorbeigehen, nicht ahnend, dass auch ihre Herzen von der Sorge um unser Vaterland und unseren Rechtsstaat bewegt werden.

Wir feiern das Hambacher Fest, um uns in dunklen Zeiten der großartigen Traditionen und demokratischen Kultur zu versichern, die Deutschland eben auch vorzuweisen hat: Hambach, Frankfurt, Weimar, die Traditionen der Bundesrepublik. Und insbesondere auch die großartige friedliche Revolution von 1989, mit denen das deutsche Volk im unterdrückten Teil unseres Landes seine Fesseln abschüttelte. Heute sind die neuen Bundesländer die größte Hoffnung auf Widerstand gegen eine Gesinnungsdiktatur, die sich immer weiter verfestigt. Dr. Markus Krall schreibt in seinem Grußwort darüber.

Wir feiern das Hambacher Fest, um ein Zeichen zu setzen, ein Zeichen, dass die Bürger dieses Landes die Bedrohung unseres Rechtsstaats und unserer sozialen, wissenschaftlichen und kulturellen Errungenschaften nicht tatenlos hinnehmen wollen.

Wir feiern dieses Fest, um zu zeigen, dass wir viele sind, viel mehr, als manche von uns denken.

Wir feiern dieses Fest, um Mut zu machen, uns, der Festgemeinde, und anderen da draußen.

Philipp Jakob Siebenpfeiffer, einer der beiden Hauptinitiatoren des Hambacher Festes von 1832 sagt es in seiner Rede: „Dies der Gedanke des heutigen Festes, ... - der Gedanke, der Tausende von ausgezeichneten deutschen Bürgern auf dieser Höhe versammelt und den Millionen andere Deutsche mitempfinden, der Gedanke der Wiedergeburt des Vaterlandes. Und solcher Gedanke schallt von dieser Bergruine (...) in alle Gauen des zerrissenen (...) Gesamtvaterlandes hinüber!“

In meiner Eröffnungsrede zum neuen Hambacher Fest 2018 verlas ich die stark gekürzte, aber ansonsten unveränderte Rede von Philipp Jakob Siebenpfeiffer. Es ist bezeichnend, wie viele Teile dieser mittlerweile fast 190 Jahre alten Botschaft unverändert auf die Gegenwart übertragen werden können, bis hin zu:

„Wir helfen Griechenland (...), wir trinken auf Polens Wiedererstehung, wir zürnen wenn der Despotismus (...) den Schwung der Völker in Spanien, in Italien, in Frankreich lähmt, wir blicken ängstlich nach der Reformbill Englands (....), wir beneiden den Nordamerikaner um sein glückliches Loos, das er sich mutvoll selbst erschaffen.

Aber knechtisch beugen wir den Nacken unter das Joch der eigenen Dränger (...) die eigene Reformbill entsinkt unsern ohnmächtigen Händen, ... die Wiedergeburt Deutschlands gilt uns als ein nichtiger Traum, und o! wie möchten wir fähig sein jener sittlichen Kraft, jenes heldenmütigen Entschlusses, auf dessen Wink ein freies, ein glückliches, ein ruhmvolles Vatertand sich erhöhe?“

Ja, wir haben Dränger, und viele beugen den Nacken vor Diffamierung, Ausgrenzung und ökonomischen Nachteilen. Deutschland ist 2019 zerrissen, polarisiert und gespalten. Familien und Freundschaften werden belastet und zerbrechen. Dabei haben wir immer noch ein wunderbares Land, das mit wenigen richtigen Maßnahmen wieder auf den richtigen Weg zu bringen wäre. Aber es gibt starke Kräfte, die von der Polarisierung in Deutschland und dem neuen Kalten Krieg in Europa profitieren. Lassen Sie uns ein Zeichen dagegen setzen, für einen geradlinigen, selbstbewussten und aufrechten Patriotismus, indem wir die demokratischen Traditionen unseres Landes feiern.

Dr. Siebenpfeiffer endet mit den Worten, die ich ebenfalls zitiere:

„... o lasset auch uns aller Spaltungen vergessen (...) lasset uns nur eine Farbe tragen, damit sie uns stündlich erinnere, was wir sollen und wollen, die Farbe des deutschen Vaterlands; auf ein Gesetz nur lasset (...) uns schwören, auf das heilige Gesetz deutscher Freiheit; auf ein Ziel nur lasset uns blicken, auf das leuchtende Ziel deutscher Nationaleinheit, deutscher Größe, deutscher Macht: und wenn einst alle deutschen Männer dieser eine Gedanke voll und lebendig durchdringt, dann wird in strahlender Gestalt sich erheben, wonach wir alle ringen und wozu wir heute den Grundstein legen - ein freies deutsches Vaterland.

Es lebe das freie, das einige Deutschland!

Hoch leben die Polen, der Deutschen Verbündete!

Hoch leben die Franken (Franzosen), der Deutschen Brüder, die unsere Nationalität und Selbstständigkeit achten! (Anmerkung, die ich in meiner Rede machte: „Wenn Sie unsere Nationalität und Selbständigkeit achten!“)

Hoch lebe jedes Volk, das seine Ketten bricht und mit uns den Bund der Freiheit schwört!

Vaterland - Volkshoheit - Völkerbund hoch!“

Das ist die Botschaft des Hambacher Festes, und sie ist 2019 so aktuell wie sie es 1832 war. Ich glaube, wir können uns ganz beruhigt in diese Tradition stellen.

Ich stelle fest: das Hambacher Fest von 1832 war eine zutiefst patriotische Veranstaltung, eine Veranstaltung von Menschen, die ihr Vaterland, das es damals nur als Idee gab, herbeisehnten und die für ein friedliches Miteinander souveräner Staaten in Europa eintraten. Johann Georg August Wirth, der andere Hauptinitiator, nannte es „das Nationalfest der Deutschen“. Das Fest war eine Veranstaltung die den Zuständen kritisch, ja teilweise fundamentalkritisch gegenüberstand. Auf dem Hambacher Fest feierten Bürger, die ihr Geld größtenteils selber verdienten und eben nicht in der Fürstenherrschaft gebunden waren.

Ich stelle fest: wir halten uns an das Original.

Kann es sein, dass viele andere die Geschichte uminterpretieren wollen?

Ich stelle fest: wir sind Hambach!

Holen wir uns das Hambacher Fest dahin, wo es hingehört, als Protestveranstaltung gegen die Obrigkeit, als Fest der Freiheit,

und als Nationalfest der Deutschen!

MAX OTTE: ERÖFFNUNGSREDE AUF DEMNEUEN HAMBACHER FEST 2018

DR. MARKUS KRALL AUF DEM NEUEN HAMBACHER FEST 2018

Grußwort von Dr. Markus Krall

Der promovierte Volkswirt verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Bank- und Versicherungswirtschaft. Er war Redner beim Neuen Hambacher Fest 2018 und sorgte zuletzt mit seinem Buch „Wenn schwarze Schwäne Junge kriegen“ für Furore.

Lieber Prof. Otte, verehrte Hambacher Festgesellschaft, Patrioten,

Ich darf zunächst Ihnen, lieber Prof. Otte danken, dass Sie in ihrem unermüdlichen Bemühen, die freiheitliche Sache und die unveräußerlichen Rechte des Souveräns, des Volkes, zu schützen im Angesicht aller ungerechten Anfeindungen und Widrigkeiten nicht nachlassen. Sie geben damit vielen Bürgern ein Vorbild an Zivilcourage.

Auch danke ich Ihnen herzlich für die erneute Gelegenheit und die Ehre, auch in diesem Jahr, 2019, ein Grußwort an die Festgesellschaft richten zu dürfen!

Vor einem Jahr sind wir Ihrem Ruf an den Symbolort des deutschen Freiheitskampfes, Schloss Hambach, gefolgt und die Reden, die fröhliche, unverkrampfte Haltung der Teilnehmer – übrigens eine echte Haltung und nicht die Art von Kriechgang vor der Obrigkeit, die uns einige Medien als „Haltung“ verkaufen wollen - und die Bereitschaft Gesicht zu zeigen, haben ein Signal in diese Republik ausgesandt. Dieses Signal sagte: „Wir sind noch hier und wir werden nicht tatenlos bei der Erosion unserer Bürgerrechte, unserer Freiheit und der Zukunft unseres Landes zusehen!“

Wer ist mit „wir“ gemeint? Bürger, fleißige, demokratie- und verfassungstreue Menschen, die durch ihre tägliche Arbeit, durch ihre Steuern, durch die Erziehung ihrer Kinder, durch das tägliche Leben von angeblichen Sekundärtugenden wie Fleiß, Pünktlichkeit, Bürgersinn, Pflichtbewusstsein und Gesetzestreue dieses Gemeinwesen am Laufen halten. Kurz: Der treudoofe Michel, ohne dessen guten Willen die sozialistischen Umverteiler der KlegroKaZ, der kleinsten großen Koalition aller Zeiten sehr schnell wie Dumbo am Gitter stehen würden und feststellen müssten, dass ihnen das Geld anderer Leute ausgeht.

Sowohl Hambach als auch Neustadt sind Traditionsorte deutschen Freiheits- und Bürgersinns. Und dies möchte ich – mit Ihrer freundlichen Erlaubnis - zum Anlass nehmen, heute mein Grußwort nicht nur an die hier Anwesenden zu richten, sondern besonders an die Bürger eines Teils unseres Vaterlandes, das zurzeit geographisch betrachtet in gewisser Weise die Herzkammer des Freiheitswillens deutscher Provenienz darstellt.

Ich will damit sagen: Wäre Hambach heute ein Bundesland, würde es wohl Sachsen heißen.

Der deutsche Michel ist nicht gerade das, was man einen Berufsrevolutionär nennen könnte. Was Frankreich an Zuviel hat beim Thema Neigung zum allmorgendlichen Aufstand, hat Deutschland zu wenig. Es ist aber entgegen dem zur Schau gestellten Skeptizismus bezüglich der Fähigkeit der Deutschen, ihre ureigensten Interessen notfalls auch auf der Straße zu verteidigen nicht so, dass es überhaupt keine Tradition des zivilen Wiederstands, Ungehorsams und Protestes in diesem Land gäbe. Es verhält sich ja schließlich auch so, dass Demonstrations- und Streikrecht, wie sogar das Recht zum – in besonderen Notfällen – sogar gewaltsamen Widerstand gegen den Versuch einer Abschaffung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung im Grundgesetz verbrieft sind. Kein Parlament, keine Regierung, kein von seiner Aufgabe abgefallenes Verfassungsgericht kann diese Rechte zurücknehmen oder einschränken.

Deutschland hat die revolutionäre Bewegung des Vormärz im frühen 19. Jahrhundert hervorgebracht. Es hat 1848 eine – wenn auch am Ende nicht erfolgreiche – bürgerliche Revolution gesehen auf deren Traditionen sich selbst solche Parteien berufen, die gar nicht an die Werte der damaligen aufständischen Bürger glauben. Es hat 1918/19 die Monarchie gestürzt und durch eine unvollkommene aber gemessen an den Herausforderungen gar nicht so schlechte Demokratie etabliert, die sich ohne die Prüfungen durch einen selbst in den Augen der angelsächsischen Alliierten ungerechten Versailler Vertrag und die Folgen der Weltwirtschaftskrise möglicherweise erfolgreich gegen den Angriff der Sozialisten und Nationalsozialisten hätte verteidigen können.

Und Deutschland hat 1989/90 dank der Bürger der jungen Bundesländer und durch ihren Mut allein in einer erfolgreichen und vor allem gewaltfreien Revolution den „real existierenden Sozialismus“ aus der von außen betrachtet scheinbar so unglaublich gefestigten und auf Gewehrläufen und Bajonetten ruhenden Macht verjagt. Wer wissen will, wie Revolution geht, der muss unsere Mitbürger in Ost- und Mitteldeutschland fragen. Die wichtigste Waffe dabei war das Rückgrat. Mit diesem Akt der Auflehnung gegen ein Unrechtsregime haben die Bürger zwischen Ostsee und Sachsen eine tiefe demokratische und politische Reife unter Beweis gestellt.

Ich möchte es einmal etwas bildhaft formulieren: Dieser Stahl namens Freiheitsliebe wurde nicht im Lotterbett des Konsums geschmiedet und gehärtet, sondern zwischen dem Hammer der Stasi und dem Amboss der Unterdrückung, Manipulation und Propaganda des Apparates. Der Sachse, um es mit den Worten Ciceros zu sagen, schätzt den Geschmack der Freiheit um so mehr, da er sich noch an den Geschmack der Tyrannei erinnern kann.

Die Art und Weise, wie so einige, vor allem linke, Westdeutsche, deren härteste Kindheitsprüfung gefüllte Pampers waren und die nie in ähnlicher Weise herausgefordert und geprüft wurden und deren politisches und ethisches Rückgrat man mit dem Mikroskop suchen muss unter Hinweis auf die Wahlergebnisse und die gesellschaftlichen Ereignisse in den jungen Bundesländern mit Arroganz und Hochnäsigkeit auf die Menschen im Osten herabschauen, erfüllt mich als geborenes Kind der privilegierten westdeutschen „BRD“ mit Scham. Diesen Linken möchte ich sagen, dass ein Wort Heinrich Heines sie am treffendsten beschreibt, als er im revolutionären Vormärz 1844 schrieb:

„Sie stelzen gerade so steif herum,

so kerzengerade geschniegelt,

als hätten sie verschluckt den Stock,

womit man sie einst geprügelt.“

Das Beispiel von Chemnitz hat uns in aller Deutlichkeit vor Augen geführt, dass die sozialistische Republik der Antifa nur auf einem Lügengebäude errichtet werden kann. Diese Stadt steht deshalb für mich für den Mut und die Liebe zur Wahrheit, weil sie diesem Versuch der Realitätsklitterung die Stirn geboten hat. Daran wird man sich noch lange erinnern.

Demokratische Reife erlangt man nicht dadurch, dass man das Privileg geschenkt bekommt, in eine funktionierende Demokratie hineingeboren zu werden. Demokratische Reife erlangt man dadurch, dass man im Angesicht von Widrigkeiten, von Unbequemlichkeit und drohenden Nachteilen, ja trotz der Androhung von Gewalt, Folter und Gefängnis Rückgrat zeigt. Das ist wahre Haltung im Gegensatz zu der Art von kostenlosem Strammstehen vor der Obrigkeit, wahlweise dem Kriechgang vor ihr, welches man uns in diesen linken Kreisen frech und dreist als „Haltung“ verkaufen möchte.

Der Widerstand in der ehemaligen „DDR“ hatte den großen Nachteil, dass er in einer Ordnung massiver und von Waffengewalt getragener Unfreiheit operieren musste. Seine Prinzipien der Selbstorganisation waren daher notgedrungen dezentral. Die Vernetzung des Widerstandes erfolgte teilweise über die Kirchen, die trotz der Unterwanderung und Überwachung durch die Staatssicherheit dabei wenigstens gefühlte, wenn auch wohl nicht reale Schutzräume schaffen konnte. Teilweise erfolgte die Vernetzung auch informell, Mund-zuMund; sie war aber für jeden, der daran teilnahm durch die Allgegenwart der „informellen Mitarbeiter“, also der Stasi-Spitzel mit erheblichen persönlichen Risiken verbunden.

Es war zum Teil der Mut der Verzweiflung über die Perspektivlosigkeit der Unfreiheit im Sozialismus und zum Teil die charakterliche Festigkeit, die die Menschen animierte, sich über dieses Risiko hinwegzusetzen, als mit der Perestroika in der Sowjetunion zwei Dinge koinzidierten: Die Hoffnung auf mögliche Veränderung und die wirtschaftliche Krise, in der sich der Bankrott des sozialistischen Systems manifestierte. Das erklärt auch, warum es so lange dauerte, bis die Revolution der freien Bürger erfolgreich sein konnte: Der Unterdrückungsapparat wirkte und verzögerte ihre Entfaltung so lange, bis die äußeren Bedingungen stimmig waren.

Zugleich haben die Bürger der jungen Bundesländer in fast 60 Jahren Diktatur erst des nationalen Sozialismus, dann des internationalen Sozialismus von 1933 bis 1990 ein feines und zuverlässiges Sensorium für die Mechanismen der sozialistischen Tyrannei entwickelt. Was unsere politische und mediale „Elite“ als vermeintlich unverschämte Unbotmäßigkeit der ostdeutschen Bürger wahrnimmt, ist in Wahrheit der dort entwickelten Fähigkeit geschuldet, die Lügen, Lebenslügen und die Propaganda eines sich vom Volkswillen und damit vom Souverän entfernenden Systems zu erkennen, hinter dessen Bessermenschen-Maske zu schauen und dies mit dem Willen zu verbinden, sich nie wieder einem Unrechtsregime zu unterwerfen. Wehret den Anfängen ist ihre Devise.

Ihnen allen möchte ich zurufen: Lassen Sie sich von keinem Berliner Politiker der sozialistischen Einheitsbreipartei in irgendwelche Schubladen stecken.

Gesunder Menschenverstand ist nicht „rechts“. Aber die Unfreiheit ist links.

Die sozialistischen Wölfe im Schafspelz bringen ihre verqueren und freiheitsfeindlichen Ideen immer dreister zu Gehör. Gerade so, als hätte es die „DDR“ nie gegeben. Und die große Koalition schlittert dabei immer weiter in diese Richtung, lässt sich von ihren bevormundenden Instinkten und linken Parolen leiten.

Sozialismus und Freiheit sind unvereinbar. Es gibt einen demokratischen Sozialismus ebenso wenig wie einen schwarzen Schimmel.

Wenn sie, liebe Deutsche in den jungen Bundesländern also in Bälde ihre Landtage wählen gehen, so schaut nicht nur das Land auf Sie. Unsere Kinder, unsere Zukunft, schauen auf Sie. Sie wissen also, was von ihnen abhängt und was zu tun ist.

Die Freiheit ist unser Gott gegebenes Recht. Das göttliche Geschenk des freien Willens zeichnet uns aus vor allen anderen Geschöpfen. Lassen Sie mich daher schließen mit den Worten Dietrich Bonhoeffers, eines Streiters für die Freiheit:

„Von guten Mächten wunderbar geborgen

Erwarten wir getrost was kommen mag.

Gott ist mit uns am Abend und am Morgen

Und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

IMAD KARIM AUF DEM NEUEN HAMBACHER FEST 2018

Grußwort von Imad Karim

Der libanesisch-deutsche Regisseur, Drehbuchautor und Fernsehjournalist war Redner beim Neuen Hambacher Fest 2018.

Meine Damen und Herren,

wir schreiben das Jahr 2019 – für mich das vierte Jahr, in dem ich vor unkontrollierter Migration und den Gefahren des politischen Islam, in dem ich zufällig geboren wurde, warne und aufrufe, das Grundgesetz und die Rechtsstaatlichkeit einzuhalten.

Seit vier Jahren werde ich für meine demokratisch legitimierte Position von nicht wenigen Deutschen angefeindet, von Muslimen verbal bedroht, von Linken pauschal diffamiert und gelegentlich, von einigen Zeitgenossen wegen angeblicher Volksverhetzung vor unsere Gerichte gezerrt.

Im letzten Jahr durfte ich auf dem Neuen Hambacher Fest eine kurze Rede halten. Dabei erwähnte ich, dass ich bereits im April 1979 als junger Student, der sich gerade seit 1,5 Jahren in Deutschland befand, aus Interesse an der deutschen Geschichte von Berlin hierher fuhr, einige Stunden auf dem Hambacher Schloss weilte und mich über die Vormärz-Zeit zu informieren versuchte. Natürlich hatte ich damals nicht ahnen können, dass ich 39 Jahre später, inzwischen als Vater, Großvater und Deutscher Werte-Patriot, dieses Ereignis mit anderen Demokraten und Patrioten gemeinsam feiern werde.

Meine Damen und Herren,

Die anderen reden von Integration, wir aber verwirklichen sie. Weitgereiste Menschen wie ich, die bewusst Deutschland zum Mittelpunkt ihres Lebens machten und die sich zu diesem Land und seinen Werten bekennen, sind ein Teil dieses offenen, liberalen, aber gleichzeitig traditionsbewussten Deutschlands.

Sich zu Deutschland zu bekennen und dieses Fest mit seiner geschichtsträchtigen Tragweite mit Ihnen zu feiern, ist für jemanden wie mich, der vor 42 Jahren als Student zu Ihnen kam und hierblieb, der Ausdruck einer Verschmelzung mit diesem Land und eine dialektische Folge eines höchst zivilisatorischen Prozesses.