Neues von der Märchenküste Vol. 1 - Maximilian Reeg - E-Book

Neues von der Märchenküste Vol. 1 E-Book

Maximilian Reeg

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Beschreibung

Neues von der Märchenküste Vol. 1 ist das Buch zum lustigsten Podcast Schleswig-Holsteins mit Frank Bremser. Weil der Fachkräftemangel auch an den Gebrüdern Grimm nicht vorbeigeht, ist das Märchenpersonal an der schleswig-holsteinischen Märchenküste chronisch unterqualifiziert und kann sich einfach nicht benehmen. Prekäre Proletenprinzen, zärtliche Gutwölfe, schwer erziehbare Zwerge und pralle Prinzessinnen stolpern durch rasant erzählte Abenteuer voll witziger Wendungen und abstruser Pointen. Kein Wunder, dass die Gebrüder Grimm im Kontrollraum der Märchenmatrix da alle Hände voll zu tun haben, um wenigstens einen halbwegs geordneten Märchenbetrieb zu gewährleisten... In "Neues von der Märchenküste Vol. 1" sind die ersten Geschichten - allesamt Neufassungen der größten Märchenklassiker - versammelt. Zum Lachen, Lesen und Verschenken! Mit einem sehr zeitgemäßen Vorwort der Gebrüder Jacob und Wilhelm Grimm. Enthaltene Märchen: - Schneewittchen und die sieben schwer erziehbaren Zwerge - Die Wackener Stadtmusikanten - König Trottelbart - Der Hase und der Mettigel - Der Wolf und die sieben schleswig-holsteinischen Geißlein - Rapunzel im Homeoffice - Dr. Dr. Rumpelstilzchen - Frau Hollstein - Der gestiefelte Köter

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Seitenzahl: 118

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Inhalt

Vorwort

Aquavittchen und die sieben schwer erziehbaren Zwerge

Die Wackener Stadtmusikanten

König Trottelbart

Der Hase und der Mettigel

Der Wolf und die sieben schleswig-holsteinischen Geißlein

Rapunzel im Homeoffice

Dr. Dr. Rumpelstilzchen

Frau Hollstein

Der gestiefelte Köter

Vorwort

der Gebrüder Wilhelm und Jacob Grimm

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Oft wurde uns in den vergangenen Jahrhunderten vorgeworfen, die von uns gesammelten Märchen seien sinnlos, ihnen fehle jede Moral, sie seien grausam, blutrünstig und einfach total veraltet.

Diese Kritik haben wir uns sehr zu Herzen genommen und Grimms Märchen vollkommen neu erzählt. Die neuen Geschichten sind ebenso sinnlos, ihnen fehlt jede Moral, sie sind grausam, blutrünstig – aber total modern! Und das ist doch super!

Leider macht sich auch bei uns, an der schleswigholsteinischen Märchenküste, oft der Fachkräftemangel bemerkbar. Nicht selten müssen wir Prinzenrollen mit totalen Spacken besetzen. Was heutzutage als Prinzessin durchgeht, hätte vor zweihundert Jahren höchstens die Schweine hüten dürfen. Und auch das nur unter Aufsicht.

Bei uns bewerben sich nicht selten ein Meter neunzig große Zwerge, Hexen ohne Buckel und Besenführerschein, kleinwüchsige Riesen, vegetarische Menschenfresser und gestiefelte Köter – und wir müssen zusehen, wie wir mit diesem Sammelsurium von unterqualifizierten Torfköppen einen halbwegs geordneten Märchenbetrieb hinbekommen.

Unser Ziel ist, Ihnen ein möglichst unbeschwertes Märchenerlebnis zu bieten, wie Sie es von uns – seit hunderten von Jahren – stets erwarten durften! Wenn uns das nicht immer gelingt, so bedenken Sie bitte, wie schwer die Arbeit mit verhaltensauffälligen Märchendarstellern ist.

Und wenn Sie nicht gestorben sind, dann können Sie jetzt anfangen, zu lesen!

Ihre Gebrüder

Wilhelm & Jacob Grimm

Vorstandsvorsitzende

der Gebrüder Grimm Märchenholding AG

und geschäftsführende Gesellschafter

der Märchenmatrix-BetriebsGmbH

Aquavittchen und die sieben schwer erziehbaren Zwerge

Es war einmal mitten im Winter, und die Schneeflocken fielen wie Federn vom Himmel herab.

Da saß die liebe Kinderärztin Frau Dr. Bärbel Butterblume in der Hansestadt Kotzenbühl an einem Fenster, das einen Rahmen von schwarzem Ebenholz hatte und sortierte ihre Impfstoffspritzen.

Und wie sie so sortierte und nach dem Schnee aufblickte, stach sie sich mit einer Spritze in den Finger, und es fielen drei Tropfen Blut in den Schnee. Da rief sie: »Also Masern und Mumps krieg ich jetz’ schon mal nich’ mehr.«

Und weil das Rote im weißen Schnee so schön aussah, dachte sie bei sich: »Ach hätte ich doch ein Kind, so weiß wie Schnee, so rot wie Holsteiner Blutwurst und so schwarz wie der nette Schornsteinfeger, der mich immer besuchen kommt, wenn mein Mann nicht da ist. Das wäre schön!«

Bald darauf bekam sie ein Töchterlein, das war so weiß wie Schnee, so rot wie Holsteiner Blutwurst und so schwarz wie der nette Schornsteinfeger. Und weil der Name Schneewittchen von den Gebrüdern Grimm schon besetzt war, nannte sie es fortan nach ihrem Lieblingsgetränk: Aquavittchen. Und weil sie manchmal aus Versehen die Milch- und die Aquavit-Buddel verwechselte, wurde es ein sehr fröhliches Kind. Aber wenig später ward die liebe Kinderärztin Dr. Bärbel Butterblume krank. Und alsbald starb sie an allem, außer Masern und Mumps.

Ein Jahr später nahm sich der verwitwete Dr. Butterblume eine neue Frau: die Direktorin des Pizzalozzi-Gymnasiums in Hamburg-Herzegowina, die Oberstudienrätin Dörte Eisenpferd.

Sie war schön wie der Sommerwind, und duftete so lieblich wie eine Bockwurst von der Tanke, aber sie war stolz und übermütig und konnte gar nicht leiden, wenn jemand mehr Follower bei Instagrimm hatte als sie selbst.

Sie hatte ein funkelndes iPad, schaltete es an, öffnete das Nachrichtenmagazin Spieglein online und fragte:

»Spieglein online auf ’m Pad,

wer hat die meisten Follower im Net? «

Sogleich antwortete das iPad:

»Moin, Oberstudienrätin Dörte Eisenpferd,

Ihr habt die meisten Follower im Net.«

Da war sie zufrieden, denn sie wusste, daß Spieglein online immer die Wahrheit sagte.

Aquavittchen aber wuchs heran und als sie ihr erstes Handy bekam, hatte sie 5 Minuten später mehr Follower bei Instagrimm als Dörte Eisenpferd bei bösestiefmutter.de.

Eines Tages fragte die böse Stiefmutter erneut ihr iPad:

»Spieglein online auf ’m Pad,

wer hat die meisten Follower im Net?«

Und Spieglein online antwortete:

»Moin, Frau Eisenpferd,

ihr habt die meisten Follower,

aber Aquavittchen hat hunderttausend mehr.«

Da erschrak die Oberstudienrätin und sah vor Neid aus wie ein kleines grünes Kotz-Smiley. Von Stund an, wenn sie Aquavittchen erblickte, bekam sie zweihundert Puls, so sehr hasste sie das Mädchen! Und der Neid und Hochmut wuchsen wie ein Dispokredit in ihrem Herzen, immer höher, dass sie Tag und Nacht keine Ruhe mehr hatte. Da rief sie den Hausmeister vom Pizzalozzi-Gymnasium und sprach: »Bring das Mädchen hinaus in den Wald und nimm ihr das Handy wech, so dass sie auf der Stelle stirbt, wie jedes andere Balg, dem man das Handy wegnimmt! Zum Beweis bringst Du mir ihren Akku und die Sim Karte! Und jetzt schwing die Hufe!«

Der Hausmeister gehorchte und führte Aquavittchen in das tiefste und dunkelste Funkloch, mitten im schleswig-holsteinischen Märchenwald.

Doch in dem Moment, als er ihr das Handy entreißen wollte, fing Aquavittchen an zu weinen und sprach: »Ach, lieber Hausmeister, laß mir mein Handy! Ich will mich auch nie wieder blicken lassen. Ich bleib einfach hier sitzen und halte mir die Augen zu! Dann kann mich auch niemand mehr seh’n!«

Da hatte der Hausmeister Mitleid und seufzte: »Dann mach Dich doch durch Augen zuhalten unsichtbar, du armes, dummes Kind!«

Er dachte, ihr Akku würde ohnehin bald leer sein, und so wäre ihr Tod nur eine Frage der Zeit, und doch war's ihm, als wäre ihm die lange Anna zu Helgoland von seinem Herzen gebröckelt, und er dachte bei sich: »Ach, schietegal! Hauptsache, ich war das nich’!«

Und als gerade ein knapp achtzehnjähriger Grundschüler von der Märchenwaldschule für Schwerstbegabte des Weges kam, da zog ihm der Hausmeister das Handy ab und schnell brachte er der bösen Oberstudienrätin Akku und SIM-Karte zum Beweise.

Da war Dörte Eisenpferd zufrieden und postete vor Freude von sich einen vierstündigen Flossen-Dance auf bösestiefmutter.de

Nun war das arme Mädchen in dem großen Funkloch mutterseelenallein, und es irrte umher auf der Suche nach Empfang. Aquavittchen lief so lange, bis sich ihr Handy an der Märchenküste in ein dänisches Mobilfunknetz einbuchte.

Da sprach sie zu sich: »So’n Schiet, hier bin ich falsch, was will ich denn bei den Dänen?«

So drehte sie geschwind um und rannte dahin zurück, woher sie gekommen war.

Als es dunkel ward, da fand sie hinter sieben kokelnden Autoreifenbergen eine kleine, reetgedeckte Kate und wollte hinein, um sich auszuruhen. Es war eine sehr niedrige Kate mit einer Haustür, kaum größer als eine Katzenklappe. Sie kroch auf allen Vieren hinein und innen war es so unordentlich, versifft und stinkig, dass sie erstmal eines der winzigen Fensterlein öffnen musste.

Da stand ein schmuddeliges Tischlein mit sieben kleinen Papptellerlein voller Essensreste. Jedes Tellerlein mit seinem Plastiklöffelein, ferner sieben Messerlein und Gäbelein und sieben Döslein Red Bull. Auf dem Boden lagen sieben Matratzen, die waren so alt, dass man selbst im Matratzenmuseum keine älteren findet. Darauf lagen löcherige Decken, in denen die Bettwanzen ausgelassenen Polka tanzten.

Aquavittchen, weil es so hungrig und durstig war, aß von jedem Tellerlein ein paar alte, kalte Pommes und trank aus jedem Döslein ein paar Tröpflein Red Bull. Und weil sie für Speis und Trank so dankbar war, machte sie sich gleich daran, alles fein säuberlich aufzuräumen. Dann wurde sie müde und legte sich auf eine der prähistorischen Matratzen, wobei ihr Kopf und ihre Füße weit über das Ende hinausragten.

Als es ganz dunkel geworden war, kamen die Bewohner der reetgedeckten Kate heim. Das waren die sieben schwer erziehbaren Zwerge. Die komplette letzte Reihe der Klasse 5b des Pizzalozzi-Gymnasiums in Hamburg-Herzegowina, die von der bösen Oberstudienrätin Dörte Eisenpferd zur Erlebnistherapie ins Ölkreidebergwerk Heide geschickt worden war, wo die schwer erziehbaren Zwerge tagein, tagaus nach Ölkreide hackten und gruben.

Sie starteten auf ihren sieben Handys ihre sieben Grubenlampen-Apps und wie es nun hell in der Kate ward, sahen sie, dass jemand darin gewesen war und alles picobello aufgeräumt hatte. Und da ärgerten sich der Klaas, der Hein, Piet, Hauke, Fiete, der Helga und der Leif-Lasse, die sieben schwererziehbaren Zwerge.

Der Klaas sprach: »Ja klei mi an mors, tut das Not?«

Der Hein rief: »Nu is’ aver Daddeldu! Wer hat meine alten, kalten Pommes gefuddert?«

Der Piet fluchte: »So’n Schiet! Wo sind meine Sneakers?«

Der Hauke war entsetzt: »Wer hat mit meinem Red Bull gegurgelt?

Der Fiete tobte: »Gleich is’ hier Achterbahn! Wo is’ mein Ladekabel?«

Der Helga sank auf seine Zwergenknie und reckte seine Zwergenärmchen anklagend zum Himmel: »Wieso is’n die Playstation aus? Ich habe mein Spielstand nich’ gespeichert!«

Und der Leif-Lasse fragte: »Wieso riecht das hier nach Aquavit?«

Dann sah sich der Klaas um und sah, daß über seine Matratze ein paar haarige Füße mit krebsrot lackierten Fußnägeln ragten. Da rief er die andern, die kamen herbeigelaufen und betrachteten ausgiebig das schnarchende Aquavittchen.

Da sagte der Klaas: »Kiek mo einer an, Damenbesuch hatten wir ja auch noch nich’.«

Und der Hauke sagte: »Tscha, das is’ ja auch kein Wunder, so wie Du aussiehst!«

Und der Klaas verprügelte den Hauke für seine Frechheit so leise und rücksichtsvoll, daß das schöne Mädchen nicht geweckt wurde. Und als die Nacht vorbei war, und Aquavittchen die sieben schwer erziehbare Zwerge sah, so erschrak sie wie ein Großmütterlein auf dem Zebrastreifen vor einem heransausenden Müllwagen. Doch Klaas, Hein, Piet, Hauke, Fiete, Helga und Leif-Lasse waren freundliche schwererziehbare Zwerge und bereiteten dem Aquavittchen sogleich ein üppiges Frühstück aus alten, kalten Pommes und angetrocknetem Ketchup.

Aquavittchen rieb sich die Augen und sprach: »Moin! Ja, wollt ihr denn gar nicht wissen, wie ich heiße?«

Da riefen die sieben schwer erziehbare Zwerge: »Kannste steckenlassen, Alter, wir folgen Dir doch schon lange bei Instagrimm.« Und alle sieben gaben sich gegenseitig fünf, sodass es nur so klatschte.

Sie fragten: »Was machst du denn eigentlich in unserer lütten Hütte? Bist du auch schwer erziehbar und von zu Hause abgehauen?«

Da erzählte Aquavittchen, daß ihre böse Stiefmutter sie habe umbringen wollen, aber der Hausmeister ihr das Handy gelassen und ihr somit das Leben geschenkt hätte. Außerdem wäre sie um ein Haar bei den Dänen gewesen, doch zum Glück habe sie dann die kleine Kate entdeckt.

Die Zwerge sprachen: »Von uns aus kannst du hier bleiben, aber du musst uns versprechen, dass du nich an dauernd aufräumst, Du Töffel.«

»Jaa«, sprach Aquavittchen. »Von Herzen gern!«, und blieb bei ihnen.

Von da an räumte sie nie mehr auf, sondern hielt nur noch die Unordnung sauber. Morgens gingen die sieben schwer erziehbare Zwerge ins Kinderbergwerk Heide und suchten Ölkreide, und sie sangen fröhlich:

»Wir sind die sieben Zwerge,

Das sind fünf mehr als zwei!

Und das wir schwer erziehbar sind

Geht uns am Mors vorbei!«

Und wenn sie abends wieder heimkamen, da servierte ihnen das Aquavittchen schon ihr Leibgericht, alte, kalte Pommes, so dass es für alle eine große Freude gewesen ist.

Weil aber das Aquavittchen den ganzen Tag alleine in der Zwergenkate war, so warnten es die lieben sieben schwer erziehbare Zwerge und sprachen: »Pass auf Aquavittchen, zwei Sachen: Erstens, mach bloß nich’ auf, wenn die Polente vor der Türe steht und zweitens: Nimm Dich in Acht vor deiner ätzenden Stiefmutter, der bösen Direktorin Dörte Eisenpferd, nich’, dass die am Ende längst mitgekriegt hat, dass Du immer noch Empfang auf dem Handy hast!!«

Die böse Oberstudienrätin aber, nachdem sie Aquavittchens Akku und SIM-Karte in die Wertstofftonne geworfen hatte, dachte nicht anders, als wäre das Mädchen in alle Ewigkeit offline und fragte zur Beruhigung ihr iPad:

»Spiegeln online auf dem Pad,

wer hat die meisten Follower im Net?«

Da antwortete Spieglein online:

»Moin, Frau Eisenpferd,

Ihr habt die meisten Follower!

Aber Aquavittchen hinter den sieben

Autoreifenbergen, bei den sieben

schwer erziehbaren Zwergen,

die hat noch hundertfünfzigtausend mehr!«

Da erschrak sie, denn sie wusste, dass Spieglein online immer die Wahrheit sprach und merkte, dass der Hausmeister sie betrogen hatte und Aquavittchen immer noch online war.

Und da trachtete sie aufs Neue nach ihrem Leben, denn der Neid ließ ihr keine Ruhe.

Und als sie sich endlich etwas ausgedacht hatte, färbte sie sich das Gesicht und verkleidete sich. Sie hängte sich einen langen fusseligen Bart um, zog sich ein Holzfäller-Hemd, Jeans und Hosenträger an, so dass sie gleich aussah wie ein Hipster aus der Schanze in Hamburg-Herzegowina.

Sie stopfte sich eine Pfeife mit biologisch abbaubarem Tabak aus fairem Handel, setzte sich eine dämliche, dicke Brille auf und nichts mehr an ihr erinnerte noch an die schreckliche Direktorin Dörte Eisenpferd.

Alsbald machte sich die listige Alte als Hipster mit einem Bauchladen voller Äppel-iPhones auf in den schleswig-holsteinischen Märchenwald.

Sie kam zu der Kate der sieben schwer erziehbaren Zwerge und klopfte an die Türe. Aquavittchen guckte zum Fenster hinaus und rief: »Guten Tag, lieber Hipster von der Schanze in Hamburg-Herzegowina! Was bietest Du denn feil?«

»Hipsterbedarf, feinster Hipsterbedarf!«, antwortete die böse Direktorin mit tiefer Stimme. »Ich hab alles von Äppel! Iphones, ZweiPhones, Dreiphones, was Dein Herz begehrt!«

Da freute sich das Aquavittchen, kratzte alle ihre Taler und noch viel mehr zusammen und kaufte dem Hipster seinen überteuerten Tüddelkram ab.

Ausgelassen tanzte das Aquavittchen nun mit ihrem neuen Äppelprodukt durch die Kate der Zwerge, sprang vor Freude im Dreieck, legte einen achtfachen Rittberger aufs schmuddelige Fischgrätparkett und hüpfte dabei so fröhlich auf und nieder, dass sie immer wieder mit dem Kopf volle Kanne gegen die niedrige Zimmerdecke knallte.

Das konnte nicht lange gut gehen, liebe Kinder, und als auf ihrem Kopf kein Platz mehr für weitere Beulen war, da fiel sie vor Freude tot um.

Die böse Direktorin Dörte Eisenpferd sah alles durch das kleine Butzenscheibenfenster und lachte grausig. Und sie freute sich, wie sich nur das Böse freuen kann und sprach: »Jo klei mi an mors, ist das ’n Döspaddel!! Weiß wie Schnee, rot wie Holsteiner Blutwurst, schwarz wie der Schornsteinfeger – das kannste Dir jetzt von der Backe feudeln, min Deern!«

Sie lief sogleich nach Hause ins Pizzalozzi-Gymnasium Hamburg-Herzegowina und fragte ihr iPad:

»Spieglein online auf dem Pad,

wer hat die meisten Follower im Net?«

Da antwortete Spieglein online:

»Moin, Frau Eisenpferd,

das is’ nich’ schwer,

das Aquavittchen gibt’s nicht mehr,

Ihr habt die meisten Follower.«

Da hatte ihr neidisches Herz Ruhe, so gut ein neidisches Herz eben Ruhe haben kann.