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Neues von der Märchenküste Vol. 2 ist das zweite Buch zum lustigsten Podcast Schleswig-Holsteins mit Frank Bremser. Weil der Fachkräftemangel auch an den Gebrüdern Grimm nicht vorbeigeht, ist das Märchenpersonal an der schleswig-holsteinischen Märchenküste chronisch unterqualifiziert und kann sich einfach nicht benehmen. Prekäre Proletenprinzen, zärtliche Gutwölfe, schwer erziehbare Zwerge und pralle Prinzessinnen stolpern durch rasant erzählte Abenteuer voll witziger Wendungen und abstruser Pointen. Kein Wunder, dass die Gebrüder Grimm im Kontrollraum der Märchenmatrix da alle Hände voll zu tun haben, um wenigstens einen halbwegs geordneten Märchenbetrieb zu gewährleisten... In "Neues von der Märchenküste Vol. 2" sind neue Geschichten - allesamt Neufassungen der größten Märchenklassiker - versammelt. Zum Lachen, Lesen und auch ideal zum Verschenken! Mit einem sehr zeitgemäßen Vorwort der Gebrüder Jacob und Wilhelm Grimm. Enthaltene Märchen: König Trottelbart Hänsel und Brezel Das tapfere Webdesignerlein Doofröschen Supersterntaler Klappstuhl und Rosenrot Jorinde und Joringelpiez
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Seitenzahl: 91
Veröffentlichungsjahr: 2022
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Vorwort
König Trottelbart
Hänsel und Brezel
Das tapfere Webdesignerlein
Doofröschen
Supersterntaler
Klappstuhl und Rosenrot
Jorinde und Joringelpiez
der Gebrüder Wilhelm und Jacob Grimm
Liebe Leserinnen, liebe Leser!
Herzlichen Glückwunsch zum Kauf des Buches »Neues von der Märchenküste Vol. 2«!
Ihr Vertrauen bestärkt uns in unserem Bemühen, »Grimms Märchen« – die beliebteste Märchenmarke auf dem schleswig-holsteinischen Globus – für Sie stetig weiterzuentwickeln und Ihr Märchennutzererlebnis zu verbessern.
Viel ist seit der letzten Ausgabe geschehen: Wir haben zahllose Säcke voll Gold und überquellende Schatzkisten voller wertvollem Tinnef und Tüddelkram investiert, um uns den Herausforderungen der Zukunft zu stellen.
So haben wir die bis dato mechanischen Server der Märchenmatrix, die noch mit dem Betriebssystem »Butzenfenster 1695« liefen, gegen nagelneue Geräte aus Silicon-Valley-Düsterdeich ausgetauscht.
Unseren Märchendioxidaustoß konnten wir um 84 % verringern, indem wir von Holzvergaser auf einen zeitgemäßen, ökologischen Wichtelmann-Strampelantrieb umgestellt haben.
Bei der Lösung aller weiteren Zukunftsaufgaben wenden wir eine sehr effektive neue Methode an, die wir in der nicht so märchenhaften Welt der ganz realen Menschen gelernt haben: Wir ignorieren die Probleme einfach und betrachten stattdessen Katzenvideos!
Bitte bedenken Sie, dass sich die neu ausgerollte Märchenmatrix 3.0 noch in einem Beta-Stadium befindet. Sollte es an der einen oder anderen Stelle zu intellektuellen Ausfällen der Märchendarsteller kommen, bitten wir, dies zu entschuldigen!
Wenn die technischen Probleme überhandnehmen, schließen Sie bitte das Buch und starten es einfach neu.
Und wenn Sie nicht gestorben sind, dann können Sie jetzt anfangen zu lesen!
Ihre Gebrüder
Wilhelm & Jacob Grimm
Vorstandsvorsitzende
der Gebrüder Grimm Märchenholding AG
und geschäftsführende Gesellschafter
der Märchenmatrix-BetriebsGmbH
Es war einmal vor gar nicht allzu langer Zeit, da regierte an der schleswig-holsteinischen Märchenküste der kugelrunde König Klaus Klops der Cholerische. Und der König hatte eine Tochter namens Schackeline, die war so schön wie ein frisch lackiertes Schleusentor.
Schackeline liebte es schon als Kind, König Klaus Klops den Cholerischen auf die Palme zu bringen. Einmal setzte sie einen klebrigen Froschkönig in sein Müsli und ein andermal, als gerade der Papst und seine Frau zum Grillen da waren, platzierte sie auf dem goldenen Campingstuhl des Königs ein Furzkissen. Deshalb musste die Palme im Burghof zweimal jährlich wegen Abnutzung erneuert werden – so oft war König Klaus Klops der Cholerische daran heraufgestiegen.
Doch als das Mädchen heranwuchs und eines Tages so schön ward wie zwei frisch lackierte Schleusentore, da mietete der kugelrunde König Klaus Klops das Internet der gesamten schleswig-holsteinischen Märchenküste. Und er rollte vor seinen Rechner, ging live bei seinem facevolk bei facebook, und er sprach: »Zwei Tage soll im schleswig-holsteinischen Internet nichts anderes geschrieben stehen, als dass mein hinreißendes Töchterlein, Prinzessin Schackeline, die so schön ist wie zwei frisch lackierte Schleusentore, einen Gemahl sucht, zwecks sofortiger Eheschließung! Spätere Heirat nicht ausgeschlossen!«
»Hähä!«, lachte da Prinzessin Schackeline »Das war ja voll peinlich, Papa!«
Und der kugelrunde König Klaus Klops der Cholerische rollte unflätig fluchend die Wand hoch, die Decke des Thronsaales entlang, einmal um den Kronleuchter herum und auf der anderen Seite des Raumes wieder herunter, so sehr ärgerte er sich über seine freche Tochter. Den Rest des Tages verbrachte er auf der Palme im Burghof.
Bald kamen viele heiratslustige Männer zur prächtigen und wehrhaften Burg des Königs irgendwo inmitten der saftigen, schleswig-holsteinischen Botanik. Und sie staunten über all den Prunk, über den goldenen Zementmischer der königlichen Burgbaustelle, sie staunten über all die edelsteinverzierten Bettler, die vor dem Burgtore lungerten, und sie staunten vor allem über das goldene Dixi-Klo des Königs.
Nun wurden die Freier in der prächtigen Thronstube alle nach Rang und Stand geordnet; erst kamen die Könige, dann die Reeder und Werftbesitzer, die Lottogewinner, die Start-up-Unternehmer, die Ölscheichs und dann die Influenzer, zuletzt die Thermomixvertreter. Und die Webdesigner wurden gar nicht erst eingelassen.
Darauf schritt die Prinzessin die Reihen ab, und wenn sie auf einen zeigte, so musste er vortreten und dem Prinzesschen artig einen Antrag machen. Doch weil sie es liebte, ihren cholerischen Vater zu ärgern, hatte sie sich vorgenommen, alle Bewerber abblitzen zu lassen.
Bald zeigte sie auf den ersten, und der trat vor und sprach: »Moin, moin, ich bin Dr. Mahnegold, Martin. Ich bin Vorstandsvorsitzender vom Zeitungskiosk in der Scharnhorststraße. Meine Hobbys sind: Zu Hause Volkstanz und in der Firma Affentanz.«
»Jaja«, sagte da die Prinzessin Schackeline. »Aber im Schlafgemach is’ dann Totentanz! Palastwache! Der Dr. Mahnegold hat sich ’ne Erfrischung verdient!«
Und die zwei Meter großen, grunzenden Brutalos von der Palastsecurity ergriffen den armen Dr. Mahnegold, führten ihn auf die höchste Zinne der Burg und warfen ihn in hohem Bogen in den Wassergraben. Und Dr. Mahnegold sprach: »Ahhhhhhhhh!« Platsch.
Der kleine kugelrunde König Klaus Klops der Cholerische rollte vor Ärger im Dreieck und er brüllte: »Ja so ein Schiet mit dem Schiet! Zweihundert Puls hab’ ich bald, Duuuu! Tut das Not, dass Du meinen Dr. Mahnegold so behandelst? Der hat mir quasi schon mal das Leben gerettet mit seiner Bude, als die königliche Bierkammer leer war! Du bist wohl ramdösig geworden!?« Und vor Wut biss er einen Zacken aus seiner goldenen Krone.
Doch seine ungezogene Tochter hatte schon auf den nächsten heiratslustigen Mann gezeigt. Und es trat ein glutäugiger Araber mit einem prächtigen, edelsteinverzierten Krummsäbel vor: »Ich bin der Hadschi ...«, und alle im Saale riefen wie aus einer Kehle: »Gesundheit!!«
Doch der Araber sprach: »Danke! Ich fang noch ma’ an: Ich bin der Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawuhd al Gossarah. Von Beruf bin ich Ölscheich in Festanstellung. Und in meiner Freizeit sammle ich Frauen! Und weil die Schackeline so schön is’ wie zwei frisch lackierte Schleusentore, biete ich gleich mal 27 Kamele!«
»Los! Schackeline! 27 Kamele! Das machen wir!«, rief da der König Klaus Klops der Cholerische. »In der arabischen Schwackeliste stehst Du für 18!«
»Aber, Papi! Der hat doch ’n viel zu langen Namen. Wenn ich den zum Mittagessen mit seinem vollen Namen anspreche, dann is’ das Labskaus kalt, bevor ich fertig bin. Und außerdem: Wie kann man nur mit ’nem derart verbogenen Säbel rumlaufen? Palastwache! Der Hadschi Halef Dingsbums kriegt ’ne Ehrenkarte für’n Streichelzoo!«
Und die Palastwächter, die so breit waren wie eine Schrankwand mit Vitrine und so dämlich wie ein Kartoffelknödel im Kochbeutel, ergriffen den armen Hadschi Halef Omar und warfen ihn in den Bärenzwinger.
Der kugelrunde König Klaus Klops der Cholerische hatte indessen vor Wut zwei weitere Zacken von seiner Krone abgebissen und brüllte: »Das kannst Du doch nich’ machen! Die Bären sind doch auf Diät! Und außerdem: Wo soll ich denn jetzt das Heizöl für unsere Burg herkriegen, wenn Du mal eben den einzigen Ölscheich an der schleswig-holsteinischen Märchenküste als Bärenchappi verfütterst? Du Torfkopp!« Und wieder biss er einen Zacken aus seiner Krone.
Seine Tochter hatte indessen schon auf den nächsten Freier gezeigt.
Doch weil er beim Vortreten stolperte, sagte Prinzessin Schackeline: »Haha! Zu töffelig zum Laufen! Freikarte für den Escape Room!« Und die Palastwache warf ihn in Ketten in den Kerker.
So ging es in einer Tour fort, und König Klaus Klops der Cholerische biss einen Zacken nach dem anderen aus seiner goldenen Krone. Und er fluchte wie eine alleinerziehende Mutter im Home-Office.
Schließlich kam die Schackeline zu einem König. Der war so schön gewachsen wie eine Sylter Seegurke und hatte doch einen Makel: Er hatte von einem Reitunfall ein ganz schiefes Kinn und dazu einen albernen Zwirbelbart wie Horst Lichter. Und Schackeline sprach: »Du siehst ja aus wie ’n Trottel! Für mich bist Du der König Trottelbart! Und tschüss!«
Und der König bekam von der Palastwache einen Tritt in sein edelsteinverziertes Hinterteil und flog in hohem Bogen aus der Burg. Und alle lachten über den verschmähten und entehrten König und nannten ihn fortan nur noch den König Trottelbart.
Da platzte dem kugelrunden König Klaus Klops dem Cholerischen endgültig der Kragen. Und sein mit lautem Knall wegfliegender Kragenknopf schoss einen irdenen Krug entzwei, der voller klebrigem Küstennebellikör gewesen war. Und der Leibdiener des Königs sprach: »Das kann ja wohl gar nich’ angehn! Also ich mache die Sauerei nich’ weg!«
Inzwischen war der König in den Burghof gerollt und auf seine Palme im Burghof gestiegen, während sich der Himmel mit finsterem Grollen zuzog. Und mit zum Schwur erhobener Hand rief König Klaus Klops der Cholerische in das dunkle, düster-dramatisch drohende Wolkengebirge: »Beim Barte meiner Mutter! Der Blitz soll mich auf meinem goldenen Dixie-Klo treffen, wenn ich meine nichtsnutzige Tochter nicht mit dem erstbesten Plattfisch verheirate, der in meine Burg kommt!«
»Das kannst Du doch nich’ machen, Papi!«, rief Prinzessin Schackeline entsetzt. »Is’ das nich’ das gleiche wie Zwangsheirat?«
»Da musst Du die Gebrüder Grimm fragen!«, bellte König Klaus Klops der Cholerische. »Ich hab’ das Märchen ja nich’ geschrieben! Heb Dir Deine blöden Fragen für’n Ethikunterricht auf! Und jetzt mach weiter, wie’s im Text steht und wie wir’s geprobt haben!«
»Pff ... Also manchma’ bist Du ’ne richtige Diva. Iss ma ’n Snickers!«, sagte die Schackeline schnippisch. »Du nimmst Deinen saudämlichen Schwur jetzt sofort zurück! «
Doch König Klaus Klops winkte ab: »Schwüre kann man nich’ zurücknehmen! Das bleibt ein Leben lang. Genau wie ein schlecht tätowiertes Arschgeweih! OK ... Ich hab’ vielleicht vorhin büschen überreagiert. Geb ich ja zu. Aber ich hab’ halt keine Lust, bei Gewitter als gebratene Grützwurst in einem brennenden Klohäuschen zu enden! Schwur is’ Schwur. Da musst Du jetzt auch mal Verständnis haben!«
Da weinte die Prinzessin Schackeline wie ein undichter Siphon unterm Waschbecken in der Schultoilette.
Als am nächsten Tage ein ungelenker Computernerd namens Mirko Quarkbein in die Burg kam, um den mit roten Rubinen besetzten WLAN-Router des Königs gegen ein noch schöneres Modell mit grünen Smaragden auszutauschen, sprach König Klaus Klops der Cholerische: »Moin, Mirko Quarkbein, wenn ich das richtig mitgekriegt habe, dann bist Du 29 Jahre alt, hast fettige Haare und ein abgebrochenes Informatikstudium. Und Du wohnst immer noch bei Deiner Mutti in der Gartenlaube. Wie wär’s denn da zur Abwechslung mal mit heiraten?«
Da sprach der Mirko: »Schön wär’s! Aber ich hab’ ja so ein Pech mit den Frauen. Alle Frauen, die ich kennengelernt hab’, das waren überhaupt keine!«
»Tscha. Vielleicht gehst Du auch einfach bloß auf St. Pauli in Hamburg-Herzegowina in die falschen Kneipen?!«, sagte der kugelrunde König Klaus Klops der Cholerische und freute sich, dass der Mirko so dämlich war wie eine Schüssel gebratene Blutwurst. Damit war er der ideale Vollpfosten, um die ungezogene Tochter an den Mann zu bringen. Und er rief: »Schacki, komm mal her! Herzlichen Glückwunsch zum neuen Ehemann! Ich nehm jetzt sofort die Trauung vor!«
Doch die Schacki sagte: »Hast Du Schiffslack gesoffen, oder was? Du bist doch gar kein Pfarrer, Papi!«
König Klaus Klops der Cholerische, der erneut kurz vor der psychosozialen Kernschmelze stand, brüllte: »Kein Pfarrer? Darf ich mal dran erinnern, dass ich hier der König bin! Zählt das heutzutage denn gar nix mehr, oder was?«
Der Mirko gab altklug zu bedenken: »Isso. ’n König ist kein Pfarrer! Aber wenn wir zufällig ’n Kapitän da hätten, der würd’s auch tun! Der könnte uns nach Seerecht verheiraten.«
