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Im zweiten Abenteuer wird Herr K. daran erinnert, dass selbst seine robuste, altgediente Technik nicht ewig klaglos funktioniert. Mittlerweile vermählt mit Beate, der Frau seines verschollenen Nachbarn, offenbart sich ihnen in der heimischen Garage, kurz vor dem gemeinsamen Einkauf, eine kleine Tragödie; der geliebte Wagen versagt seinen Dienst! Im weiteren Verlauf muss sich Herr K., nebst Frau nicht nur mit den technischen Feinheiten eines neuen Gefährts befassen. Auf dem Weg zum sorglosen Betrieb des rollenden Familienmitglieds, sind unliebsame Überraschungen, etliche Hindernisse mit Langmut und Einfallsreichtum zu überwinden. Zudem muss viel Geld für Baumaßnahmen bereitgestellt werden. Mit erwartungsvoller Freude blickt der Leser auf eine Zeit, in der Technik scheinbar alle Probleme des Menschen lösen soll! Wird die neu erworbene Technik sein Leben wirklich leichter machen? Oder wird dadurch sein beschauliches Leben völlig auf den Kopf gestellt? Wie viel Technik braucht der Mensch? Unmengen an Fragen, aber kaum Antworten! Aber eins ist sicher: An Übertreibungen wird in der Geschichte nicht gespart!
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Seitenzahl: 136
Veröffentlichungsjahr: 2024
Mirko Krumbach
Neuigkeiten aus der Nachbarschaft
Immer in Bewegung bleiben
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Ein friedliches Fleckchen Erde
Jedoch, nichts bleibt
Der Tag fängt ja gut an!
Und was nun?
Autokauf mit Hindernis
Eine Probefahrt gefällig?
Vorbereitung ist alles
Bange Wochen folgten
Endlich, der Termin
Abenteuer Heimfahrt
Erste Neugierige
Moderne Technik braucht ein bauliches Update
Kleiner, großer Umbau
Die Bauarbeiten gehen wohl bald dem Ende entgegen
Die Energiebranche steckt in der Krise
Ein Sturm zieht auf
Zu guter Letzt, aber in Kürze
Impressum neobooks
„Der Fortschritt nimmt uns alle mit...
Manchmal nur ein kleines Stück, oder aber bis zum bitteren Ende!“
- Anmerkung des Autors -
Und wieder einmal schoben sich die ersten Sonnenstrahlen schüchtern, über den morgendlichen Horizont, in die friedvolle Umgebung hinein. Ein wundervoller Tag entfaltete daraufhin seine einzigartige Pracht. Denn ein besonderes Leuchten des Lichts verlieh der ruhigen, beschaulichen Landschaft ein bemerkenswertes Antlitz. Die artenreiche Vielfalt der unberührten Natur, sowie die frische, saubere Luft machten das kleine Örtchen mit dem drolligen Namen Sumpfsteinbach zu einem besonderen Ort!
Die vielen kleinen Häuser der Gemeinde wurden auch weiterhin, ausschließlich in traditioneller Handwerkskunst, sorgsam mit viel Liebe zum Detail errichtet. Selbstverständlich gehörten raffiniert gestaltete Vorgärten, mit kurz geschnittenen, ordentlich gepflegten Rasenflächen dazu – die von spitzbübisch grinsenden Gartenzwergen bewacht wurden. Und drum herum verlief ein traditioneller Lattenzaun, in dunkelbrauner Färbung – aus dem Holz einheimischer Forstbetriebe gefertigt.
Gesunde Laubbäume, mit ihren saftig grünen Blättern, säumten so manchen Fußweg und hielten im Sommer die Gegend rund um den kleinen Marktplatz angenehm kühl. Manche dieser riesenhaften Gewächse waren älter als die Siedlung selbst und wirkten stets wie gutmütige Titanen, welche anscheinend ewig über das Wohl dieser menschlichen Ansiedlung wachen wollten.
Die Ortsansässigen pflegten, trotz des rasenden Fortschritts um sie herum, ihre ökologisch nachhaltige Lebensweise und einen übersichtlichen platzsparenden Wohnstil, der sich möglichst auf das Notwendige beschränken sollte. Das friedliche Wesen dieser Menschen und ihre Bescheidenheit, suchte in der gesamten Republik auch weiterhin ihresgleichen.
In regelmäßigen Abständen fanden auf dem Gemeindeplatz gesellige Treffen mit reichlich Alkohol statt, die jedoch mehr dem sozialen Zusammenhalt dienten. Es wurde eben gefeiert, weil die Bürger das gut konnten.
Es war tatsächlich ein wohl behütetes, fast schon familiäres Kleinod – wie aus einem farbigen Bilderbuch. Alles schien so zu bleiben, wie es immer schon gewesen war. Nichts deutete darauf hin, dass sich in der kleinen Gemeinde etwas außergewöhnliches verändert hätte – in dem beschaulichen Ort, mit seinem angrenzenden Bachlauf und einem uralten Sumpfgebiet.
Und da war ja auch noch die kleine Gemeindehalle! Selbstverständlich durfte man sie nicht vergessen! An dem ehrenwerten Ort wo Urkunden und Auszeichnungen, für ein ökologisches Leben und Handeln, in den Regalen und Vitrinen still und leise vor sich hin staubten!
Aber der einst so helle Schein in diesem Idyll, aus unberührter Natur und niedrigen Einfamilienhäusern, in denen genügsame Menschen wohnen, verblasste immer mehr! Denn vor einiger Zeit hatte ein gefährlicher Virus erfolgreich Fuß gefasst – und das, vor den Augen aller Bewohner!
In dem Ort, in Mitten der kleinen, beschaulichen Einfamilienhäuser, befand sich ein fremdartiger Koloss, der so gar nicht in diese ruhige, natürliche Gegend zu passen schien. Seit seiner Errichtung wurde das sonderbare Bauwerk von den Einheimischen respektvoll, die Festung genannt! Stolz und unantastbar lag der riesenhafte Wohnkomplex einfach nur da. Einstmals errichtet, in der irrigen Annahme auf eine friedliche, nutzbringende Koexistenz von Mensch und Maschine, in einem modernen Wohngebäude.
Edel schimmernd weilte seine gräulich silberne Bungalow Fassade im satten Morgenlicht des erwachenden Tages. Gepflegt ragte das architektonisch - technologische Meisterwerk stolz empor. Umgeben von seinem ebenso vorzüglich gepflegten Vorgarten – als sei dieser eben erst angelegt worden!
Kaum zu glauben, aber in der Festung wohnten nur noch die voll automatischen Hausangestellten, sowie eine herrische Betriebseinheit, welche in einem anthrazitfarbenem Turm mitten im Wohnbereich, wie selbstverständlich die Leitung übernommen hatte.
Der Besitzer aus Fleisch und Blut hingegen – rechtmäßiger Eigentümer des Hauses und der smarten Betriebseinheit – ein besonderer Homo Technicus, lebte schon längst nicht mehr in diesem kleinen Ort. Der visionäre Unternehmer, namens Manfred Kleist und seine Frau Beate, mussten vor der unerbittlichen Technik flüchteten... Flüchten?.. Ja, flüchten!.. Vor jener Technik, welche er zuvor mit seiner eigenen Intelligenz erschaffen hatte! Ein wahrhaft aufstrebender, ehrgeiziger Mann war er, der die Festung zu einem Hort der Moderne und des zukunftsweisenden Wohnens gestalten ließ. Auch die friedliebende Gemeinde wollte er auf den Pfad der zukunftsweisenden Technik und digitalen Tugend führen. Aber dazu bekam er leider keine ausreichende Gelegenheit mehr! Denn der Schöpfer dieser modernen Welt, wurde schließlich durch seine smarte Technik schmählich aus seinem Haus vertrieben. Bei seiner übereilten Flucht musste er das gesamte Hab und Gut, einschließlich seiner Ehefrau einfach zurück lassen!
Nach diesem ungemein ereignisreichen aber erfolglosen Versuch, den Bewohnern eine moderne, heile Welt zu präsentieren, schien der dröge Alltag in das verschlafenen Dorf zurückgekehrt zu sein! So, als hätte es dieses lästige Experiment Moderner Wohnen niemals gegeben. Und zunächst blieb dieses Idyll aus reiner Natur was es war und bleiben wollte, ohne diesen technologischen Schnickschnack. Ein einzigartiger Ort, mit rundum zufriedenen und glücklichen Menschen, wohin man auch schaute. Und niemand hätte vermutet, gar kühn behauptet, dass etwas entscheidendes in der kleinen Gemeinde fehlen würde!
Und während die göttliche Schöpfung immer demselben Takt folgte, schlugen die Uhren in dem Örtchen im gleichen Rhythmus mit. In dieser eigenartigen Gemeinde, die wie eine Insel inmitten eines Ozeans voller neuartiger Technik, Wandel und Digitalisierung stand.
Und doch hatte sich etwas verändert – wenn auch nur unscheinbar!
Ein bis dahin unbekannter Virus technicus, der wie schon erwähnt, mit in diesen Ort verbracht worden war, verbarg sich still und schlummerte unentdeckt und unscheinbar mitten unter den friedliebenden Menschen der Gemeinde. Und als jeder Einwohner geglaubt hatte, dass der Spuk vorbei sei, begann dieser unselige Keim langsam erste Früchte zu entwickeln.
Denn die Göttin des technologischen Fortschritts hatte bei ihrer genialen Planung ganz hervorragende Arbeit geleistete – in einem Ort, wo sich Hunde und Katzen Gute Nacht zuriefen und der Fortschritt an der Gemeindegrenze abrupt abbremste!
Tag für Tag schauten die einfachen Leute auf das wohl behütete, sehr gepflegte Grundstück! Sogar Mitbürger, die gar keinen Garten sondern nur einen Balkon besaßen, wurden von dem seltsamen Zauber erfasst. Dann, für scheinbar endlose Sekunden, folgten ihre verträumten Blicke einem flinken Mähroboter, der sich ohne Mühe und Klagen an den zierlichen Halmen abarbeitete.
Manch ein begnadeter Gärtner, der mit Muskelkraft den Spaten in die Erde trieb – unter dem Grinsen seiner Gartenzwerge sich redlich und verschwitzt mühte, sein überschaubares Areal zum Blühen zu bringen – schaute ebenfalls schmachtenden Blickes hinüber. Herüber auf das verwaiste Grundstück des geflüchteten Nachbarn! Und in einem unbedachten, höchst gefühlsbeladenen Moment hätte diese bescheidene Gärtnerseele gerne seine gesamte Gartenzwergkompanie gegen eine nützliches Gerät der Gartenhausserien Grün und Knospen eingetauscht!
„ Einer dieser emsigen, stillen Kobold wäre bestimmt eine sinnvolle Ergänzung, in meinem Geräteschuppen“, dachte sich der eine oder andere Gartenbesitzer. Während dieser sich im eigenen Vorgarten den perligen Schweiß aus dem Angesicht wischte! Ein Aufstand der genüsslich grinsenden Gartenzwerge sei ganz bestimmt nicht zu befürchten!
Und so keimte die teuflische Saat, die vor geraumer Zeit in dem beschaulichen Ort gesät wurde und brachte langsam sehr, sehr sonderbare und bedenkliche Triebe hervor!
Viele Bewohner mochten schon gerne die moderne, nutzbringende Technologie ihr Eigen nennen – nur um sie einfach zu besitzen! Des Nachts quälten sich ihre armen Seele in abstrusen Träumen umher. Am Tage jedoch sannen sie nach verwegenen Möglichkeiten, sich der neuesten, jedoch fremden Technologie unrechtmäßig zu bemächtigen.
„ Doch wie sollte es unbemerkt gelingen“, fragte sich so mancher. Und weil es dafür keine einfache Lösung gab, fuhr mancher Kleingärtner, geleitet von der brennenden Sehnsucht nach dieser angenehmen Moderne in die nächste Stadt und holte sich, was er in Technikmärkten fand und schloss es heimlich zu Hause an!
Auf diese oder ähnliche Weise enteilten die Monate und Jahre. Die unabwendbare Vorsehung nahm ihren spannenden und unvorhersehbaren Verlauf! Wie im Flug verging die Zeit und mit ihr die rasante Entwicklung der schönen, modernen Welt. Denn so mancher Zeitgenosse in der Siedlung versuchte, sich mit den offensichtlichen Annehmlichkeiten einer neuen Welt Schritt für Schritt zu arrangieren. Und während diese mutigen Vorreiter der Moderne, ganz im Verborgenen, etwas technischen Luxus genossen, hatte ein Bewohner von Sumpfsteinbach nicht das geringste Interesse daran! Dieser hatte im Gegensatz zu vielen seiner Nachbarn ein kaum messbares Interesse an frohlockender, moderner Technologie – weder aus dem Hause Kleist, noch aus dem Rest der Welt! Ihm genügte seine alte Technik, die sich bisher tadellos bewährt hatte. Diesen modernen Krimskrams brauchte er einfach nicht! Zudem war er überglücklich mit Beate liiert – Kleists Ehefrau, die bei der panischen Flucht des Ehemanns unentdeckt geblieben war. Dieser unmittelbare Nachbar Herr K., der schon das moderne Haus, die Festung von Innen betrachten konnte, wollte einfach nur sein normales, unbeschwertes Leben leben.
Aber weil das Leben so ist, wie es ist und dabei unberechenbar bleibt, hatte der genügsame, zufriedene Herr bald ganz andere Sorgen!
Jedoch bis das Schicksal sich ihm gnadenlos offenbarte, amüsierte sich Herr K.mit einer wunderschönen, sehr eleganten Ehefrau und seiner altbewährten, schrulligen Technik, die jedoch allmählich in die Jahre gekommen war!
Das Leben der beiden frisch Vermählten war eine endlose Reise des schieren Glücks und eines überaus bemerkenswert hohen Hormonspiegels. Frei von neuester Technik, nur mit ihrer Liebe und dem Verlangen nach dem Wohlergehen des Anderen ausgestattet, verbrachte das Paar gemeinsam ihre Zeit. Nichts schien dieses junge Glück trüben, gar entzweien zu können.
Hatte Beates erster Ehemann mit zukunftsweisender, nützlicher Technologie ihre Wünsche nach Geborgenheit und Komfort trefflich bedienen können, betrieb Herr K. bei seiner Angebeteten eine wohl bewährte, aber antiquierte Strategie – die der menschlichen Wärme und Herzlichkeit!
Sicherlich hatten beide Strategien einzeln betrachtet, nicht von der Hand zu weisende Vorteile. Im täglichen Miteinander moderner Paare, sollte jedoch ein ausgewogener Mix zwischen prickelnder Leidenschaft und menschlicher Nähe, aber ebenso ein kühler, hilfreicher Algorithmus mit deftiger Motorkraft zuverlässige Dienste verrichten!
Trotz des einen oder anderen Mangels, blieb der Alltag für die beiden vorerst ein leuchtendes Paradies!
Eines schönen Tages war es dann doch geschehen. Das unvermeidliche, aber vorhersehbare Unheil traf Familie K. kurz vor ihrem gemeinsamen Wocheneinkauf.
Unter derbem Schnarren und Ächzen zog der Ehemann das Garagentor hoch. Es war schon sehr verrostet und hätte längst erneuert werden müssen. Dem subtilen Wunsch seiner Frau, nach einem elektrischen Rolltor konnte Herr K. bisher mit Bravur Widerstand leisten.
Umgehend fädelte sich der Mann sportlich, galant in den Wagen. Das Vehikel aus fernöstlicher Produktion hatte ihm die letzten 27 Jahre sicher und zuverlässig durch dieses Land, an jedes gewünschte Ziele gebracht – oder waren es vielleicht schon 37 Jahre? Die Zeit vergeht manchmal so schnell, dass oftmals die genau Erinnerung an diesem oder jenem Detail schnell in das nebulöse, gar ins folgenschwere Nichtwissen abdriftet.
Aber es mussten schon einige Jahrzehnte vergangen sein. Denn vor zirka einem Jahr, schielte der technische Prüfer – Angestellter der regionalen Kraftfahrzeug Überwachungsstelle (KrafzÜs) – seltsam über die geschwungenen Linien der Karosserie. Hierbei zog der Mann, beim Blick auf einige bedenkliche Stellen des übersichtlichen Motorblocks, sorgenvoll die Stirn in unendliche Falten. In Begleitung eines altgedienten Automobilmechanikers, der telefonisch herbeigerufen wurde, fachsimpelten sie über die Alltagstauglichkeit des vor ihnen stehenden Automobils!
„ Ob das noch bis zum nächsten Termin gut geht“, argwöhnte der Prüfer.
Herr K., mit freundlicher Unterstützung des Mannes, der sich mit prähistorischen Vehikeln auskannte, vertrat ein entschiedenes: „ Ja, das geht noch gut!“ Denn wie bereits bekannt, lebte der freundliche Herr K. gerne mit veralteter, aber durchaus verlässlicher Technik.
Und jetzt, ein Jahr nach diesem schicksalhaften Zusammentreffen, schoss dem Besitzer in der Garage dieser Satz des gewissenhaften Prüfers, in weiser Vorahnung ausgesprochen, wie ein Wasserstrahl an den Kopf. In jenem Augenblick nämlich, als alle Lampen, einschließlich der Innenraumbeleuchtung fesch aufblitzten und gemeinsam ihre Dienste aufkündigten. Aus der halbdunklen Garage pflichtete der stolze Besitzer dieses Automobils letztlich dem besorgten Prüfer der KrafzÜs nachträglich bei.
Derweil wartete seine liebe Frau, von dem Ungemach nichtsahnend vor dem Tor, in der Einfahrt. Sie hatte bisher übersichtliche Berührungen mit veralteten Automobilen und ihren notwendigen Wartungsintervallen gehabt. Aber sie war, wie die meisten von ihren Zeitgenossen auch, lediglich ein Nutzer, jedoch kein Kenner der vielschichtigen Materie geworden.
Das Gefährt mitsamt willigem Chauffeur sollte sie ohne Mühe, zuverlässig und pünktlich im Einkaufscenter absetzen – und anschließend, nach erfolgtem Einkaufsbummel wieder nach Hause zurück bringen!
Gerade heute, und nur heute gab es, laut einem farbenfrohen Prospekt der geräumigen Einzelhandelsniederlassung Spare was das Zeug hält, alles zum halben Preis! Nebenbei bemerkt wies der schwammige Text in der bunten Werbepostille eine Reihe von Artikeln aus, die nicht unter das großzügige Angebot fallen sollten. Doch diese lächerlichen Einschränkungen überliest man allzu gerne; hofft der Kunde doch insgeheim, dass die ausgewählten Produkte nicht unter die besonderen Ausnahmen fallen!
Die nunmehr zornigen Blicke seiner lieben Frau trafen den Besitzer des gealterten, störrischen Wagens durch die Scheibe und trieben den Angstschweiß auf dessen Stirn. Dem gewissenhaften Ehemann war wohl bewusst: „ Seine Frau kommt nicht gerne zu spät, wenn es nur so von Angeboten im Konsumtempel wimmelt!“
Erneut nahm Herr K. all seine Hoffnung und Mut zusammen und drehte mit energischem Schwung den Schlüssel im Zündschloss herum – abermals jedoch ohne Erfolg! Nichts regte sich mehr unter der Haube. Nun war beherztes Handeln gefragt! So musste ohne Umschweife die wartende Gattin über die prekäre Situation in Kenntnis gesetzt werden. Gummimenschenhaft schlängelte sich der bange Ehemann aus den beengten Verhältnissen der Garage ins Freie und schüttelte bedeutsam seinen Kopf. Hier konnte er nichts weiter tun. Den prüfenden Blick unter die Motorhaube wollte der ehemalige Bankangestellte besser einem Profi überlassen.
Ein eilig herbeigerufener, mobiler Pannendienst mühte sich redlich unter der Haube des betagten Asiaten, doch letztlich vollkommen vergeblich. Er stieß einen Seufzer in die Nähe der Doppelvergaser aus und bemerkte nebenbei: „ Mein Urgroßvater kannte sich mit solchen antiquierten Antrieben noch bestens aus... Der hätte ihnen bestimmt helfen können!“ Herr K. schaute mit einem schmachtenden Blick erste den Motorblock, dann den Mechaniker an – und das flehende Leuchten in seinen Augen überstrahlte in dem Augenblick sogar den Sonnenschein. Doch es half nichts!
„ Nichts mehr zu machen“, so das niederschmetternde Fazit des Mechanikers, während er die fettigen Finger an seinem nicht minder fettigen Tuch abwischte.
Herrn K. brach es fast das Herz. In diesem Moment tiefster Niedergeschlagenheit gab er ein selten trauriges Bild ab. Mitfühlend trat der freundliche Pannenhelfer zu ihm und zündete plötzlich wieder einen Funken Zuversicht in dem bekümmerten Besitzer.
„ Ich kenne einen entfernten Verwandten, der arbeitet im Museum für historische Fahrzeuge...Vielleicht hat er einen brauchbaren Rat?!
Das Herz des am Boden zerstörten Besitzers schrie laut: „ Ja, tu es!“ Sein Verstand aber mahnte drohend ein eindeutiges: „Nein, lass es bleiben!“.
Während Herr K. mit seinem Wunsch und der harten Wirklichkeit haderte, sogar mit einiger Mühe die ersten Tränen im Vorgarten erfolgreich verdrängt hatte, war seine Frau ins Haus geeilt und orderte eine Vielzahl von verlockenden Angeboten, bei einem hilfsbereiten Verkäufer des Marktes, telefonisch! Die Dame des Hauses hatte schon früh begonnen, nutzbringende Beziehungen zum Einzelhandelspersonal zu knüpfen, wohl wissend um die sehr unzuverlässige Transporttechnik ihres neuen Ehemanns.
Denn ihr weiblicher Instinkt warnte sie in diesem Moment: „ Madame, aus der lockeren Schnäppchenjagd wird heute nichts!“
Mit bleiernem Schwermut betrat Herr K. die Küche, wo seine Frau fleißig zwischen dem Telefon und etlichen Prospekten verlockende Angebote auswählte. Er ließ sich auf einem Stuhl nieder und war in Gedanken weitab. So hatte er sich den Nachmittag nicht vorgestellt. Statt an kilometerlangen Regalen, mit tausenden von Konsumwaren, die gewünschten herauszusuchen und in den rollenden Drahtkorb zu schlenzen, fanden sich die Eheleute K. ohne fahrbaren Untersatz am Küchentisch wieder!
Als Beate mit ihren umfangreichen Bestellungen fertig war, nahm sie seine Hand und sprach ihm Mut zu. Bei allem liebevollen Verständnis, welches sie für diese Situation aufbrachte, mahnte sie jedoch: „ Ich bestelle gerne einmal etwas über das Telefon, Hermann... Aber das kann keine Lösung für die Zukunft sein, mein Schatz! Für den nächsten Einkauf muss ein zuverlässiges Transportmittel gefunden werden!“
Nun saßen die Eheleute beisammen und beratschlagten das weitere Vorgehen. Denn wahrscheinlich nicht nur Heute und Morgen, sondern in der Zukunft würde die Familie K. auf die zuverlässigen Dienste des treuen, aber betagten Asiaten, als Transportmittel gänzlich verzichten müssen!
„ Du kaufst eben eine neuen Wagen, mein Schatz!“
