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Diese Serie von der Erfolgsschriftstellerin Viola Maybach knüpft an die bereits erschienenen Dr. Laurin-Romane von Patricia Vandenberg an. Die Familiengeschichte des Klinikchefs Dr. Leon Laurin tritt in eine neue Phase, die in die heutige moderne Lebenswelt passt. Da die vier Kinder der Familie Laurin langsam heranwachsen, möchte Dr. Laurins Frau, Dr. Antonia Laurin, endlich wieder als Kinderärztin arbeiten. Somit wird Antonia in der Privatklinik ihres Mannes eine Praxis als Kinderärztin aufmachen. Damit ist der Boden bereitet für eine große, faszinierende Arztserie, die das Spektrum um den charismatischen Dr. Laurin entscheidend erweitert. Wenn er an Maja dachte, fühlte sich Benedikt Zöllner elend, aber es war ihm vorher schon klar gewesen, dass es so sein würde. Natürlich war es das. Maja würde leiden, wenn sie ihr sagten, dass ihre Scheidung bevorstand, Christines und seine. Sie würde es nicht verstehen, sondern mit allen Mitteln versuchen zu verhindern, was nicht mehr zu verhindern war. Jedenfalls, soweit es ihn betraf. Als er eine Bewegung an der Tür wahrnahm, sah er auf. Christine stand dort, blass und schmal, mit dunklen Ringen unter den Augen. Christine hatte sich lange gegen die Scheidung gewehrt, dabei, das glaubte er zu wissen, hatte er sie so wenig glücklich gemacht wie sie ihn. Sie hatten zu früh geheiratet, zwanzig und einundzwanzig Jahre waren sie erst alt gewesen, unsterblich verliebt und taub für alle warnenden Worte. Und dann war Christine schwanger geworden, sie hatten es in ihrem jugendlichen Überschwang darauf ankommen lassen. Daraufhin waren die warnenden Worte verstummt, stattdessen hatten bei beiden Elternpaaren in stillschweigender Übereinkunft hektische Vorbereitungen für eine Hochzeit eingesetzt. Und nicht einmal zwei Jahre später hatten sie gewusst, dass ihre Ehe ein Fehler war. Nein, das war nicht ganz richtig: Er hatte es gewusst. Christine hingegen leugnete es im Grunde heute noch. Sie hätte weiter an dieser Ehe festgehalten, allen Unstimmigkeiten zum Trotz. Er hatte schon vor Majas erstem Geburtstag über Trennung gesprochen, sie hatte sich mit Händen und Füßen gewehrt. Dass er damals nicht einfach gegangen war, hatte natürlich mit Maja zu tun. Sie war sein Ein und Alles, ein Leben ohne sie konnte er sich nicht vorstellen. Dennoch war sein Unglück gewachsen, dieses Gefühl, am falschen Ort zu sein, an seinem Leben, wie es eigentlich hätte sein sollen, vorbeizuleben, und so hatten sie eine Abmachung getroffen: Er würde bleiben, bis Maja zehn Jahre alt war und sie vernünftig mit ihr reden konnten. Er wusste, dass Christine im Stillen hoffte, er würde diesen Zeitpunkt tatenlos verstreichen lassen, aber ein paar Monate vor Majas zehntem Geburtstag hatte er sie an die Abmachung erinnert und ihr gesagt, er sei bei einem Anwalt gewesen.
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Seitenzahl: 117
Veröffentlichungsjahr: 2022
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Wenn er an Maja dachte, fühlte sich Benedikt Zöllner elend, aber es war ihm vorher schon klar gewesen, dass es so sein würde. Natürlich war es das. Maja würde leiden, wenn sie ihr sagten, dass ihre Scheidung bevorstand, Christines und seine. Sie würde es nicht verstehen, sondern mit allen Mitteln versuchen zu verhindern, was nicht mehr zu verhindern war. Jedenfalls, soweit es ihn betraf. Als er eine Bewegung an der Tür wahrnahm, sah er auf. Christine stand dort, blass und schmal, mit dunklen Ringen unter den Augen. Christine hatte sich lange gegen die Scheidung gewehrt, dabei, das glaubte er zu wissen, hatte er sie so wenig glücklich gemacht wie sie ihn. Sie hatten zu früh geheiratet, zwanzig und einundzwanzig Jahre waren sie erst alt gewesen, unsterblich verliebt und taub für alle warnenden Worte. Und dann war Christine schwanger geworden, sie hatten es in ihrem jugendlichen Überschwang darauf ankommen lassen. Daraufhin waren die warnenden Worte verstummt, stattdessen hatten bei beiden Elternpaaren in stillschweigender Übereinkunft hektische Vorbereitungen für eine Hochzeit eingesetzt.
Und nicht einmal zwei Jahre später hatten sie gewusst, dass ihre Ehe ein Fehler war. Nein, das war nicht ganz richtig: Er hatte es gewusst. Christine hingegen leugnete es im Grunde heute noch. Sie hätte weiter an dieser Ehe festgehalten, allen Unstimmigkeiten zum Trotz. Er hatte schon vor Majas erstem Geburtstag über Trennung gesprochen, sie hatte sich mit Händen und Füßen gewehrt.
Dass er damals nicht einfach gegangen war, hatte natürlich mit Maja zu tun. Sie war sein Ein und Alles, ein Leben ohne sie konnte er sich nicht vorstellen. Dennoch war sein Unglück gewachsen, dieses Gefühl, am falschen Ort zu sein, an seinem Leben, wie es eigentlich hätte sein sollen, vorbeizuleben, und so hatten sie eine Abmachung getroffen: Er würde bleiben, bis Maja zehn Jahre alt war und sie vernünftig mit ihr reden konnten.
Er wusste, dass Christine im Stillen hoffte, er würde diesen Zeitpunkt tatenlos verstreichen lassen, aber ein paar Monate vor Majas zehntem Geburtstag hatte er sie an die Abmachung erinnert und ihr gesagt, er sei bei einem Anwalt gewesen. Sie war leichenblass geworden, hatte sich umgedreht und das Zimmer verlassen, und sofort war es wieder da gewesen, sein schlechtes Gewissen, obwohl er sich als Ehemann nichts vorzuwerfen hatte.
Sie hatten es ganz gut hingekriegt, die Fassade einigermaßen aufrechtzuerhalten. Und er mochte Christine ja auch nach wie vor. Er liebte sie nur nicht, und er wollte nicht mit ihr verheiratet sein. Natürlich hatte es Zeiten gegeben, da sie einander wieder nähergekommen waren, aber irgendwann war ihm aufgegangen, dass Christine jede noch so kleine zärtliche Geste als Hinweis darauf auffasste, dass er seine Meinung geändert hatte. Nun, das hatte er nicht.
»Maja ist jetzt da«, sagte Christine leise. »Ich habe ihr gesagt, dass wir mit ihr sprechen wollen.«
»Gut, dann gehen wir es an«, erwiderte er.
Majas Zimmertür stand offen. Als Benedikt den fragenden Blick seiner Tochter sah, zog sich sein Herz zusammen. Er wollte, dass sie glücklich war, er wollte ihr keinen Kummer bereiten – und doch würde er gleich genau das tun. Er hatte sich diesen Moment schon oft vorgestellt, und immer hatte sich sein Herz zusammengezogen, auch vor Angst vor dem, was nun folgen würde.
Er dachte an Dr. Laurin, den Leiter der Kayser-Klinik im Münchener Südwesten, der ihn vor Kurzem am Bruch operiert hatte. Eines Abends waren sie ins Gespräch gekommen. Wie es dazu gekommen war, wusste er nicht mehr, aber jedenfalls hatte er Dr. Laurin sein Herz ausgeschüttet. Und Dr. Laurin, der vielleicht zehn, zwölf Jahre älter war als er, hatte ihm aufmerksam zugehört, wie es ein großer Bruder getan hätte.
»Ich merke, dass ich emotional erschöpft bin.« Das waren Benedikts letzte Worte gewesen, daran erinnerte er sich genau.
»Dann ist es Zeit, dass Sie gehen, Herr Zöllner. Es ist Ihr Leben. Hier geht es ja nicht nur um Ihre Tochter, sondern auch um Sie. Und vielleicht überrascht Ihre Frau Sie damit, dass sie viel besser mit der Scheidung zurechtkommt, als Sie jetzt denken. Und wenn Sie in der Nähe bleiben und ihre Tochter weiterhin oft sehen, wird auch sie mit der Situation zurechtkommen. Sie braucht einen Vater, der mit seinem Leben zufrieden ist, der sich darin zu Hause fühlt – keinen, dessen Gedanken häufig um das kreisen, was er nicht gehabt, wonach er sich aber immer gesehnt hat.«
Das waren Dr. Laurins Worte gewesen, und sie hatten Benedikt in seiner Absicht bestärkt, das, was er sich schon bald nach Majas Geburt vorgenommen hatte, in die Tat umzusetzen und nicht etwa einen Rückzieher zu machen, wie er es durchaus überlegt hatte.
Es war ihm gelungen, eine Wohnung in der Nähe zu finden – ein unglaublicher Glücksfall. Es war keine tolle Wohnung, aber ihm genügte sie, und Maja würde dort ihr eigenes kleines Zimmer haben. Erst einmal reichte das. Alles Weitere hatte Zeit. Christine und er hatten die Scheidung schon vor einiger Zeit eingereicht, sie würde in wenigen Tagen rechtskräftig werden. Nun also würden sie Maja informieren.
Sie war blond, wie er, sie hatte seine blauen Augen, aber das herzförmige Gesicht ihrer Mutter. Er hatte immer gefunden, dass sie eine sehr gelungene Kombination aus Christine und ihm war. Auch ihr Charakter spiegelte sie beide wider: Christine war viel geduldiger als er, und sie war künstlerisch begabt. Das hatte sie an Maja weitergegeben. Von ihm jedoch hatte Maja ihre Hartnäckigkeit, ihre offene Art, ihren Witz. Christine war eher schüchtern, und sie fühlte sich am wohlsten, wenn sie allein war. Maja und er jedoch waren gern unter Menschen, sie suchten Kontakte und fanden sie auch schnell.
Das, fiel Benedikt in diesem Moment auf, da Christine und er Majas Zimmer betraten, war der größte Unterschied zwischen ihnen: Er war gesellig und hätte am liebsten jedes Wochenende Gäste gehabt, während Christine lieber allein war. Sie fühlten sich in so unterschiedlichen Situationen wohl, dass es schwer gewesen war, einen Kompromiss zu finden.
»Was ist denn?«, fragte Maja. »Wieso guckt ihr so ernst? Ist jemand gestorben?«
Benedikt wusste, dass Christine ihm das Reden überlassen würde, denn das hatte sie angekündigt. »Du wolltest dich unbedingt scheiden lassen, also erklär du es ihr«, hatte sie gesagt.
»Wir lassen uns scheiden, deine Mama und ich«, sagte er, denn er wusste, lange Vorreden würden in diesem Fall nicht helfen. Maja war klug und schnell im Kopf. ›Um-den-heißen-Brei-Reden‹ konnte sie nicht ausstehen. »Du weißt, wir haben sehr früh geheiratet, und heute denke ich, dass es zu früh war, Maja. Wir gehen nicht im Streit auseinander, und ich werde in der Nähe wohnen, sodass wir uns jederzeit sehen können.«
Nach diesen Worten blieb es still. Christine sagte nichts, wie erwartet, und Maja sah ungläubig von ihr zu ihm und wieder zurück. »Aber du kannst nicht gehen«, sagte sie. »Du bist mein Papa.«
»Der bleibe ich bis an mein Lebensende«, erwiderte Benedikt. »Und ich werde auch kein Wochenendpapa werden, der bald nicht mehr weiß, was sich in deinem Leben gerade abspielt, das verspreche ich dir.«
»Aber wieso …« Majas Blick glitt zu ihrer Mutter hinüber. »Willst du das auch, Mama? Hast du gesagt, Papa soll ausziehen?«
»Nein«, antwortete Christine mit brüchiger Stimme. »Aber wenn zwei Menschen nicht mehr glücklich miteinander sind, ist eine Trennung die bessere Lösung. Das ist nicht schön, aber Glück lässt sich nicht erzwingen.«
»Aber ihr seid glücklich!«
Benedikt stöhnte innerlich. Die Beharrlichkeit hatte Maja von ihm. Normalerweise freute er sich darüber, in diesem besonderen Fall wäre es ihm lieber gewesen, sie hätte schneller aufgegeben.
»Heute Morgen beim Frühstück waren wir alle drei glücklich!«, fuhr Maja fort. »Ihr habt euch totgelacht über die Geschichte, die ich euch erzählt habe, und hinterher habt ihr euch umarmt. Und gestern habt ihr euch geküsst …«
Ja, dachte Benedikt, ich habe Christine umarmt und geküsst, weil ich ihre Panik gespürt habe angesichts der Tatsache, dass es solche Szenen in Zukunft nicht mehr geben würde. Und weil ich die Trauer in ihrem Blick nicht mehr aushalten konnte. Wieder einmal wurde ihm schwer ums Herz. Er wollte weg – und wollte auch bleiben. Zumindest bei Maja … Aber wie oft war er innerlich schon eingeknickt, hatte darüber nachgedacht, die zehn Jahre verstreichen zu lassen, ohne Ernst zu machen mit Trennung und Auszug und allem, was daraus folgte? Nur, um jedes Mal zu erschrecken, wenn er darüber nachdachte, was das für ihn, für sein weiteres Leben bedeuten würde.
Er dachte an Dr. Laurin und fühlte sich etwas besser. Seine Ehe mit Christine war, aus seiner Sicht, ein Fehler gewesen, aber immerhin hatte diese Ehe Maja hervorgebracht, und sie war alles andere als ein Fehler. Wenn es überhaupt so etwas wie Glück für ihn gegeben hatte in den vergangenen zehn Jahren, dann hatte es darin bestanden, Maja aufwachsen zu sehen.
Er räusperte sich. »Denkst du nicht, dass ich besser beurteilen kann als du, ob ich glücklich bin oder nicht?«, fragte er.
Maja durchbohrte ihn förmlich mit ihrem Blick, dann wandte sie sich ihrer Mutter zu. »Bist du glücklich, Mama?«, fragte sie.
Benedikt hielt den Atem an, aber Christine ließ ihn nicht im Stich. »Es gehören zwei dazu, glücklich zu sein, Maja«, antwortete sie ganz ruhig. »Und es stimmt, was der Papa gesagt hat: Wir haben sehr früh geheiratet. Damals haben wir alle Warnungen in den Wind geschlagen, das war sicherlich ein Fehler. Aber wir haben dich bekommen, und das war das schönste Geschenk, das wir uns wünschen konnten.«
Maja war natürlich mit dieser Antwort nicht zufrieden.
»Wenn es so ein Geschenk ist, dann müsst ihr beide bei mir bleiben«, erklärte sie. »Und überhaupt: Wann ist euch das denn eingefallen, dass ihr nicht zueinander passt?«
»Mir schon früh«, sagte Benedikt, der sich vorgenommen hatte, seine Tochter nicht anzulügen. Freilich ahnte er, dass es in diesem Gespräch vielleicht besser gewesen wäre, von dieser Regel abzuweichen, aber dafür war es jetzt zu spät.
»Und wie war das bei dir, Mama?«
Christine versuchte, einer Antwort auszuweichen, aber da hatte sie bei Maja schlechte Karten, und so sagte sie schließlich: »Bei mir hat es länger gedauert.«
»Und warum habt ihr mir das nicht längst gesagt?«
»Weil du es, als du kleiner warst, nicht verstanden hättest«, sagte Benedikt. »Vielleicht bist du immer noch nicht alt genug.«
Maja warf ihm einen flammenden Blick zu. Jetzt flehte sie nicht mehr, sondern schimpfte, und bald darauf wurde sie zornig, schließlich erklärte sie, sie wolle allein sein.
Christine und Benedikt gingen in die Küche, Christine war den Tränen nahe, auch Benedikt hatte eine zugeschnürte Kehle. Es war schlimmer gewesen, als er es sich vorgestellt hatte.
»Es tut mir leid«, sagte Benedikt leise. »Ehrlich, Chris, es tut mir leid.«
Sie nickte nur, antwortete aber nicht.
Später ging er noch einmal in Majas Zimmer, um ihr ›gute Nacht‹ zu sagen. Sie drehte sich zur Wand, aber er setzte sich trotzdem auf ihr Bett. »Maja«, sagte er bittend, »willst du nicht wenigstens wieder mit mir reden? Es ist doch nicht so, dass uns dieser Schritt leicht fällt. Aber auch Erwachsene machen Fehler. Die Mama und ich sind sehr unterschiedlich, das weißt du. Zum Beispiel: Sie ist gern allein, ich bin gern in Gesellschaft. Ich reise gern, sie nicht. Sie fühlt sich hier zu Hause am wohlsten, ich will immer noch etwas entdecken. Solche Dinge bilden sich erst im Laufe der Zeit heraus, die weiß man mit zwanzig noch nicht. Wir jedenfalls haben das damals nicht gesehen – oder wenn wir es gesehen haben, fanden wir es nicht so wichtig. Wir waren unserer Sache sicher. Aber wir haben uns geirrt.«
»Du kannst doch reisen und neue Leute kennenlernen und trotzdem weiter mit uns zusammenwohnen«, sagte Maja.
»Ja, ich könnte immer so weitermachen wie bisher«, erwiderte er müde. »Aber das möchte ich nicht mehr. Deine Mama will ein anderes Leben als ich, verstehst du das? Und ich will ein anderes als sie. Das hat unsere Liebe aufgebraucht. Es war keine Absicht dahinter, es ist einfach so passiert. Niemand hat Schuld daran – oder alle. Wir waren jung und verliebt damals und haben die Gefahren nicht gesehen. Unsere Eltern schon, aber wir haben nicht auf sie gehört.«
Er wartete eine Weile auf Antwort und als diese ausblieb, stand er auf und verließ Majas Zimmer.
Christine war nicht mehr in der Küche, auch im Wohnzimmer saß sie nicht. Also war sie schon schlafen gegangen. Sie hatten schon seit Langem getrennte Schlafzimmer, daran war Maja gewöhnt, sie hatte nie nach dem Grund gefragt, für sie war es selbstverständlich, dass jeder sein eigenes Zimmer hatte.
Er holte sich noch ein Bier aus dem Kühlschrank und setzte sich damit ins Wohnzimmer. Er würde nicht viel von hier mitnehmen in seine neue Wohnung, das stand bereits fest. Ein paar Bücher und persönliche Unterlagen, sowie die Möbel, die in seinem Zimmer standen, das wars. Er brauchte nicht viel, er konnte recht gut mit einer weitgehend leeren Wohnung leben. Nur Majas Zimmer musste natürlich richtig eingerichtet werden müssen, damit sie sich wohlfühlte.
Wichtig war sowieso vor allem, erst einmal die Sache mit Maja klarzukriegen.
*
Antonia Laurin fragte sich sofort, was bei den Zöllners los war, als Christine Zöllner mit ihrer Tochter Maja das Sprechzimmer betrat. Maja war ein sehr aufgewecktes, vorwitziges Mädchen, das Antonia normalerweise mit Fragen bombardierte und sich nicht mit oberflächlichen Antworten abspeisen ließ. Sie war nicht sehr groß, eher stämmig, ohne dick zu sein, und hübsch mit ihren blonden Locken und den strahlend blauen Augen, und meistens lächelte sie, wenn sie Antonia begrüßte. Angst vor ihrer Kinderärztin kannte sie nicht, im Gegenteil, sie kam gerne her, offenbar sah sie Besuche in der Praxis als schöne Abwechslung an, jedenfalls wenn sie nicht krank war, sondern wegen einer kleinen Verletzung, einer Impfung oder zur Vorsorge kam. Krank war sie schon lange nicht mehr gewesen und schien es auch heute nicht zu sein.
