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Wenn man die erste wahre Liebe trifft weiß man es sofort. Man erinnert sich an jedes Detail, prägt sich die geringste Kleinigkeit ein und genießt jeden Moment. Die rosarote Brille benötigt eine Ewigkeit um von der Nase zu rutschen und auch danach ist es zumeist noch die schönste Zeit des noch so jungen Lebens. Marcel erging es so, als er Lina traf und bevor er sich versah, geschah es schon um ihn. Mit ihr verbrachte er eine unendliche Anzahl an wunderbaren Momenten, welche sich auf ewig in sein Gedächtnis brannten. Die gemeinsame Zeit, das gemeinsame Erleben, ist unglaublich viel wert und manchmal weiß man erst zu schätzen was man hat, wenn es fort ist.
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Seitenzahl: 276
Veröffentlichungsjahr: 2020
Für das Mädchen, dass ich nicht vergessen kann...
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Epilog
Die Sonne schien ihm ins Gesicht. Marcel hielt die Hand vor seine Augen, um die Strahlen der Abendsonne abzuschirmen. Er war am Joggen auf einem kleinen Feldweg am Rande seines Wohnortes. Sport war eines seiner Hobbys. Er lief täglich die gleiche Strecke, um seinen Kopf freizubekommen. Mehrere Kilometer, die ihn zu der Ruhe brachten, die er manchmal einfach benötigte. Marcel dachte dabei über einiges nach und schaltete ab, während er den bisherigen Tag überdachte.
Marcel Schnee. 18 Jahre alt, kurz vor dem Ende seiner Schulzeit. Seine finalen Prüfungen waren nur noch wenige Monate entfernt, doch machte er sich keinerlei Sorgen um diese. Er verließ sich auf das, was er im Unterricht lernte und sah keinen Grund, viel zu Hause zu lernen. Er vollbrachte es auch, ohne zu lernen, gute Noten zu schreiben, oder, wie in manchen Fällen zumindest akzeptable Resultate zu erzielen. Zudem sah er ein gutes Zeugnis nicht als notwendig an für seine berufliche Zukunft und um in dieser eines Tages erfolgreich zu sein. Marcel hatte verschiedene Pläne für das, was er mal machen könnte. Sein Hobby, der Sport, hätte er zu gerne als Einnahmenquelle, von der er eines Tages mal leben könnte, auch wenn das unwahrscheinlich schien und auch nicht seine oberste Priorität. Täglich schaute er sich Wrestling im Internet an und einmal die Woche fuhr er zum Training in die nächste Stadt. Doch das war nur ein Wunschtraum, den er sich höchstwahrscheinlich nie erfüllen können würde. Wrestling war jedoch sein Zufluchtsort. Immer wenn er schlecht gelaunt war oder ihn etwas beschäftigte, schaute er sich ein paar Matches an, um sich abzulenken und runterzufahren. Es faszinierte ihn so sehr, doch konnte er niemanden erklären, warum genau es ihn so in den Bann zog. Er schätzte, dass es an den unglaublichen Momenten lag, die dabei kreiert wurden und den emotionalen Spannungen, wie auch den manchmal guten, manchmal wirklich miserablen Geschichten, die dort erzählt wurden. Es war ein großes Spektakel, schauspielerisch und sportlich, welches eine große Unterhaltung bot.
Zudem mochte er es ebenfalls, sich kreativ auszuleben. Marcel schrieb gerne Kurzgeschichten, in denen er seine Erlebnisse neu aufleben ließ. Beispielsweise die Scheidung seiner Eltern oder schwierige Zeiten in der Schule, in welchen er ausgegrenzt wurde und sich einsam fühlte. Ein furchtbarer Abschnitt seines Lebens für ihn. Früher war er ein anderer Mensch. Marcel war früher unsportlich, dick und oft in sich gekehrt. Er war allein und schätzte dies nicht. Marcel wollte dies damals ändern und dies war sein oberstes Ziel. Seine Entwicklung spiegelte das Bild auf seinem rechten Schulterblatt wider. Er hatte dort seit kurzer Zeit einen Phönix tätowiert, welcher symbolisierte, wie er sich vom Außenseiter zum extrovertierten und sportlichen neuen Menschen weiterentwickelt hat. Es zeigte ihm, dass man seine Ziele erreichen kann, man musste nur dafür arbeiten und wissen, wie man es erlangt, was man dafür tun muss und natürlich die richtigen Gründe dahinter sehen.
Marcel hatte schon öfter darüber nachgedacht, vielleicht ein Literaturstudium oder ein Studium des kreativen Schreibens anzugehen an einer Universität, doch konnte er dies lediglich weit entfernt von seinem Heimatort und er wusste nicht, ob er den Mut und die Kraft dazu hätte, alles hinter sich zu lassen, was er bisher in seinem Leben hatte und es so sehr auf Distanz zu schieben. Außerdem hatte Marcel noch nie eines seiner Werke veröffentlicht. Er konnte nicht einschätzen, ob er talentiert war. Das hinderte ihn jedoch nicht daran, einen Haufen Ideen für Kurzgeschichten und Romane zu Hause gesammelt zu haben, um diese vielleicht eines Tages zu Papier zu bringen. Ein eigenes Buch herauszubringen wäre ein Erfolg, den wenige in seinem Alter feiern können und es war auch etwas, was wenige Menschen angehen. Doch in seinem Wunschdenken träumte er oft davon, wie er fortzog, um sich als Schriftsteller selbstständig zu machen und nebenbei zu wrestlen. Eine Utopie in seiner Gedankenwelt, welche er zu gerne erreichen würde, doch unerreichbar wirkte.
Seine Eltern andererseits redeten ihm stets Vernunft ein. Sie meinten, er soll ein Studium in der Nähe anfangen, bei dem er die Aussicht hatte, verbeamtet zu werden, oder zumindest zunächst eine Ausbildung machen soll, um den ersten Stein für seine Zukunft zu legen. Er hätte eine gesicherte Aussicht und könnte vielleicht eines Tages sorglos leben. Den einzigen Vorteil, den er daran jedoch sah, war in der Nähe seiner Freunde und Familie zu bleiben. Auf der anderen Seite wäre es für ihn irgendwie langweilig und er mochte es nicht, zu etwas gedrängt zu werden.
Marcel hatte sich bislang nicht festgelegt und dementsprechend, wie es ihm entsprach, wartete er noch ab, bis er zumindest sein Abitur erfolgreich erlangt hatte. Er dachte, er hätte weiterhin viel Zeit, bis es so weit wäre. Das Risiko in seinen Träumereien hielt ihn jedoch immer in Atem, da es ihm das Gefühl gab, nach den Sternen greifen zu können und ein unschätzbares Potenzial in sich zu tragen. Sein Wunschtraum voll Risiko und Unsicherheit, erfüllte ihn mit Angst und Glück zugleich. Doch es war ihm bewusst, dass er diesen Weg vermutlich nicht gehen würde, obwohl er etwas Spannung und Drama in seinem Leben gerne hatte.
Als Marcel noch etwa ein Viertel der Strecke blieb, kam er an eine Stelle, an der es in ein mittelgroßes Waldstück führt. Dieses lag auf einem kleinen Hügel, wodurch man von dort aus eine tolle Aussicht auf das Dorf hatte. Dafür war an dieser Stelle eine kleine Holzbank angebracht worden. Manchmal machte Marcel an diesem Punkt eine Pause, um etwas tiefer als beim Laufen in sich zu kehren und eine Minute durchzuatmen und die Aussicht und die Natur ganz in sich aufzunehmen. Für ihn persönlich war es ein besonderer Platz. Doch leider nutzen die wenigsten Bewohner dieses Prachtstück. Außer heute, denn als er näher kam, sah er, dass dort eine Person auf einer Bank saß. Es schien ein junges Mädchen zu sein, doch mit ihrem Blick aufs Handy konnte er nicht erkennen, wer es war. Aber es gab nicht viel Möglichkeiten, da es nur einen begrenzten Kreis an Personen in seinem Alter in Marcels Ort lebten. Außerdem konnte er ihre glänzenden, blonden Haare erkennen, genauso wie ihre hellblaue Jeansjacke. Mit den anderen Jugendlichen in seinem Dorf hatte Marcel allerdings wenig zu tun. Früher war er mit all denen in derselben Grundschule, doch seitdem hatten sie sich auseinandergelebt, da Marcel der Einzige war, der auf das Gymnasium gegangen ist und somit von dem Rest abgespalten wurde. Er hatte dort seinen guten Freundeskreis, welche alle mehrere Kilometer weit weg wohnten.
So auch seine Ex-Freundin, mit der er all seine ersten Male hatte. Bei ihr hatte Marcel viel gelernt, gegeben und gelassen, doch war ihm von Beginn an bewusst, dass sie nichts fürs Leben war. Er hatte sich darauf eingelassen, da er sie kennenlernte, wie er sich gerade in einen anderen Menschen entwickelte, und er sah es als Mannwerdung zu dem Zeitpunkt. Und er bereute es nicht, da die Erfahrung ihn mehr gelehrt hatte, als er sich damals vorstellen konnte. Dadurch wusste er, was er wollte und brauchte. Marcel hatte eine etwaige Vorstellung seiner Traumfrau dadurch gewonnen: Sie soll kleiner als er sein, eine natürliche Haarfarbe, etwas jünger als er, humorvoll, eigenständig, doch auch ihm gegenüber verbunden. Und sie sollte seinen Wunsch teilen, eines Tages in ein schönes Haus mit Garten zu ziehen, in dem sie mal mit ihren Kindern spielen können, ein Mädchen und ein Junge. Marcel hatte ihr also einiges zu verdanken, doch eine wichtige Erfahrung hat in dieser Beziehung gefehlt. Er hatte nicht gelernt, was die wahre Liebe ist und wie sie funktioniert, woran man sie erkennt. Auf diese Erfahrung hoffte Marcel weiterhin.
Er merkte nicht, dass seine Augen immer noch auf die Bank gerichtet waren, als er darüber nachdachte, bis auf einmal ein Paar funkelnder und strahlender, blauer Augen seinen Blick trafen. Sie waren mehr als nur wunderschön, sondern zogen Marcel regelrecht in einen unbeschreiblichen Bann. In dem Moment erkannte er auch, wer da auf der Bank saß: Lina. Sie wohnte nur ein paar Straßen weiter von ihm, doch hatten die beiden nie wirklich Kontakt, obwohl Marcel immer gleich erstaunt von ihr war, wenn er sie aus der Ferne mal sah, wenn er im Dorf unterwegs war. Lina war zwei Jahre jünger als er, ging auf eine Schule in der genau anderen Richtung als seine lag und war überwiegend mit den Leuten aus dem Dorf befreundet. Sie war etwas kleiner, doch stach sie zu allen Zeiten aus der Masse hervor. Linas blondes, langes Haar umrahmte ihr Gesicht, welches immer den Mittelpunkt einer jeden Konversation darstellte, sie war der Mittelpunkt.
Das war alles, was er von ihr wusste, was sie irgendwie geheimnisvoll und anziehend machte.
Und Lina lächelte immer noch. Sie sah ihn an und lächelte. Marcel war etwas perplex. Er war sich nicht sicher, ob sie ihn anlächelte oder ob jemand hinter ihm war. Zunächst schmunzelte er, dann warf er sicherheitshalber einen Blick hinter sich, doch war dort niemand zu sehen. Marcel fuhr sein Tempo runter, er behielt sein Lächeln und den Blickkontakt zu ihr bei und nahm einen der Kopfhörer aus seinem Ohr. Lina stand auf, während Marcel letztendlich neben der Holzbank zum Stoppen kam. Sie sahen sich einen kurzen Augenblick nur an, ohne einen Ton von sich zu geben. Genau im richtigen Moment brach Lina die Stille.
„Hey“, meinte Lina, ihn weiterhin anlächelnd. „Hey“, stieß Marcel zurück hervor „was machst du hier, normalerweise sitzt niemand hier auf der Bank, wenn ich vorbeilaufe?“. Lina schmunzelte verlegen und warf einen kurzen Blick auf den Boden, bevor sie sich wieder ihm zuwandte, und antwortete „Ja, ich warte hier auf Celine, meine beste Freundin. Ich war aber auch schon Ewigkeiten nicht mehr hier. Leider. Aber ich schätze, ich sollte öfter hier sitzen“. Marcel hielt einen Moment lang inne. Meinte sie das seinetwegen oder wegen der Aussicht? Ihm lag es schon auf den Lippen, einen kleinen, narzisstischen Flirt zu starten, doch er hielt sich zurück, bevor er es zu einer komischen Situation wandelte. Er fragte nur verständnishalber „Wegen der Aussicht, oder?“. Sein Lächeln verwandelte sich in ein leicht verschmitztes Grinsen, doch er brachte Lina damit zum Lachen. „Ja natürlich, was denkst du denn? Man hat von hier oben einen wunderschönen Blick auf das Tal. Es ist irgendwie … atemberaubend“, beantwortete sie ihm die Frage. „Das solltest du unbedingt, kann ich dir nur empfehlen. Ab und zu sitze ich auch hier und mache eine kurze Pause beim Joggen“, meinte Marcel, während er einen Blick hinter sich auf das Dorf warf. Dann führte Lina das Gespräch in eine andere Richtung und erkundigte sich bei Marcel interessiert „Sag mal, warum warst du eigentlich noch nie bei uns im Jugendraum? Du bist doch so alt wie der Rest von uns, der sich dort trifft“. Der Jugendraum, eine Art Dorfkneipe für Jugendliche. Sie hatte recht, er war noch nie dort, da er eben mit den Leuten wenig zu tun hatte. Des Weiteren war er sich unsicher, ob er sich sinnlos betrinken wollte, gerade wenn er mit den Menschen ebendort seit Jahren nicht mehr geredet hatte. Nicht ganz so direkt sagte es Marcel ihr auch „Naja, ich habe ja mit den anderen aus dem Ort nicht mehr viel zu tun, seitdem ich auf das Gymnasium gewechselt habe. Ich hab da nicht die Verbindung zu den Leuten“. Lina nickte verständnisvoll „Ja klar, kann ich verstehen, aber ich finde, du solltest mal vorbeikommen. Morgen ist Freitag, da sind wir mit Sicherheit da. Und es ist eigentlich immer lustig“. Während sie diese Worte sprach, streifte sie ihm über den Arm. Flirtete sie mit ihm? Er kannte sie zu wenig, um das zu beurteilen, doch irgendwie verleitete es ihn dazu, ihren Vorschlag für gut zu befinden. „Ich weiß nicht so ganz“, begann Marcel „könnte komisch werden“. „Komisch ist gut. Wir sind doch alle irgendwie komisch, oder nicht?“, lachte Lina. Es brachte auch aus Marcel ein Lachen hervor. „Du hast recht, ich überlege es mir. Du wirst es dann sehen.“, antwortete Marcel. Sie nickte und zeigte ein Lächeln „Okay gut“. Marcel schaute ihre Jacke an „Coole Jacke hast du da. Ich mag Jeansjacken.“. „Oh vielen Dank“, schmunzelte sie „ich hab noch eine andere, aber die hier mag ich mehr“. „Jeansjacken sind einfach genial, für Winter, Sommer, egal. Ich hab eine gefühlte Sammlung daheim.“, erklärte Marcel. „Siehst du es jetzt?“, fragte Lina ihn. Marcel schaute sie verwundert an „Was meinst du damit?“. „Na komisch ist gut. Du bist lustig, das mag ich.“, erklärte sie ihm. Marcel hoffte, dass sie seine Freude über dieses Kompliment nicht zu sehr vom Gesicht nicht ablesen konnte, doch ein erfreutes Lächeln ließ sich nicht verstecken. „Da sind wir schon zwei“, meinte er daraufhin. Sie schaute ihn mit Grinsen, aber auch aufgerissenen Augen an „Willst du etwa sagen, ich sei komisch?“. Beide lachten. „Ja. Du hast doch gemeint, komisch ist gut. Und ich mag komisch auch, weißt du?“ erklärte er Lina. Sie gab ihm einen leichten Schubs, doch war sie zu klein, um an seine Schultern im Stand zu kommen, weswegen sie ihn am Bauch packte. „Mach das nochmal und ich nehme dich auf meine Schultern und dreh mich mit dir die ganze Zeit am Kreis, bis du den Hügel herunterrollst.“, drohte er ihr mit offensichtlich spaßigen Unterton, während er wieder zwei Schritte an Lina herantrat. Sie schubste ihn erneut und lachte „Das wagst du nicht!“. „Stimmt, da hast du wieder recht. Aber reize es nicht aus, bevor es doch dazu kommt.“, sagte er mit Schmunzeln im Gesicht. Dann warf Lina einen erkennenden Blick an Marcel vorbei. „Oh, da hinten kommt Celine“, sagte sie zu ihm. Auch er warf einen Blick nun in dieselbe Richtung, daraufhin drehte er sich wieder zu Lina „Gut, dann lauf ich mal weiter, viel Spaß euch“. Er begann erneut langsam zu traben, doch vorher schenkte er ihr noch ein letztes Lächeln, dass nur ihr galt. Das Lächeln wurde auch von ihr mit ihren leuchtenden Augen erwidert. Lina rief ihm noch hinterher „Bis morgen dann!“. „Mal sehen“, rief Marcel zurück, den Blick weiter nach vorn gerichtet.
Das war ein Gespräch, das Marcel nicht kommen gesehen hat. Und er lief mit einem Lächeln davon. Es war schön, auch wenn es nur wenige Minuten waren. Irgendetwas hatte Lina an sich. Sie faszinierte ihn auf eine einzigartige Weise. Langsam beschlich ihn das Gefühl, er würde am morgigen Abend mal in den Jugendraum gehen. Genauso aber auch die Ahnung, dass es lediglich Lina war, die ihn dorthin zog. Als er das erkannte, immer noch am Laufen, bemerkte er, dass ihm schon wieder das widerfuhr, was ihm öfters passierte, wenn er ein Mädchen kennenlernte. Er wusste meist direkt, wie weit er mit jemanden gehen würde und was für eine Art Beziehung er zu ihr wollte. In dem Fall von Lina war es aber anders. Wie noch nie zuvor. Bei ihr war es so, dass Marcel kurz davor stand, sich auszumalen, wie sie in ihrem eigenen Heim zusammen lebten mit Ring am Finger. Marcel wusste, dass das ziemlich dumm war. Eine einfache, wenn auch übertriebene Tagträumerei. Er konnte nicht wissen, wie das Leben spielt. Vielleicht hatte Lina einen Freund und wollte nur nett sein, vielleicht ist sie nicht so weit, sich auf jemanden einzulassen. Es war beunruhigend und dennoch genau die Spannung, welche Marcel suchte. Er kannte Lina nicht, aber dessen ungeachtet war sie vollkommen präsent in seinen Träumereien. Marcel wollte den Gedanken beiseiteschieben, doch fiel es ihm schwer. Er blieb kurz stehen und atmete tief durch, bevor sein Kopf noch verrückter wurde. Er blickte den Hang hinab. Es ging nur noch bergab bis zu seinem Zuhause, in dem er mit seinem Vater lebte. Der junge Mann sprang kurz dreimal auf, dann lief er mit einem schnelleren Tempo als den Rest der Strecke den Endspurt. Die Häuser zogen an ihm vorbei und Marcel war wie in Trance. Er lief und lief und in seinem Hinterkopf war dennoch ein kleiner, aber wirkender Gedanke.
Als Marcel einige Minuten später aus der Dusche kam, sich abtrocknete und das Handtuch um seinen Körper schlug, nahm er sein Handy in die Hand. Er meinte, er hätte noch von irgendeiner Geburtstagsgruppe die Nummer von Paul abgespeichert. Paul ging auch in den Jugendraum, das wusste Marcel. Sie kannten sich noch aus dem Kindergarten und der Grundschule und wenn sie sich trafen, konnten sie immer ohne Probleme ein Gespräch füllen. Nach kurzer Suche fand er den Kontakt auch.
Das war für Marcel sehr gut. Nüchtern fiel es ihm schwer, einfach so auf neue Leute zuzugehen. Auch wenn diese Personen ihm nicht wirklich fremd waren, waren sie doch mittlerweile fast zehn Jahre älter als zu dem Zeitpunkt, als er sie das letzte Mal gesehen hat. Mal abgesehen von Paul und Lina. Aber dennoch, wenn er auf jeden Fall Paul auf seiner Seite hatte, würde es mit höherer Wahrscheinlichkeit ein guter Abend werden, als vollkommen ohne Plan. Und es würde nicht direkt für Aufsehen sorgen, wenn er unmittelbar mit Lina redet. Das wäre guter Stoff, um ein Thema im Jugendraum zu werden, was Marcel nicht wollte.
Dann erst fiel ihm auf, dass er etwas vergessen hatte. Er hatte nicht Linas Nummer. Marcel musste also in den Jugendraum, um sie wiederzusehen, oder wenn er sie nochmal treffen wollte. Denn wenn jeder Moment mit Lina so war wie die paar Minuten mit ihr am heutigen Tag, dann könnte sie noch ewig lange in seinen Tagträumereien weiter schwelgen.
Der Freitagabend war nun gekommen. Paul hatte bereits Marcel geschrieben, er sei schon im Jugendraum. Er war um acht Uhr abends bereits da gewesen. Marcel ging dann erst, als er die Nachricht las, duschen und machte sich fertig. Er wollte nicht auf Kommando heruntergehen. Er machte sich Gedanken, wie das wohl auf die anderen dort wirken würde. Vermutlich so, wie er es sich vorstellte: Er kommt direkt und hat es wohl nötig, dort zu erscheinen. Vielleicht hat er keine Freunde oder vielmehr benötigt neue Freunde. Und genau das wollte Marcel vermeiden.
Er stand vor dem Kleiderschrank. Er hatte sein coolstes T-Shirt an, zumindest seinem Empfinden nach und eine schwarze Jeans. In der linken Hand hielt er eine Jeansjacke mit Stoffärmeln und Kapuze, in der rechten eine gängige Jeansjacke in einem ausgewaschenem blau. Marcel entschied sich für die klassische Variante. Er packte seine Packung Zigaretten in die Brusttasche und seinen Geldbeutel in die Gesäßtasche seiner Jeans. Handy rein, Schlüssel in die andere Tasche. Es konnte losgehen.
Der Jugendraum lag am Fuße des Tals. Es waren einige Hundert Meter bergab von Marcels Haus aus. Auf dem Weg hinunter bereitete er sich innerlich vor, obwohl er sich den Abend bereits mehrmals den Tag über ausgemalt hatte. Ein paar Bierchen mit Paul und den anderen, dann irgendwann das persönliche Gespräch mit Lina. Er hatte sich als Ziel gesetzt, ihre Nummer zu bekommen, damit er ihr schreiben konnte und ein Date mit ihr vereinbaren konnte. Marcel wollte sich nur zu gerne mit ihr treffen und das, obwohl er sie noch nicht einmal wirklich kannte.
Als er nur noch wenige Meter von der Tür des Raums entfernt war, ging diese auf und Paul kam heraus. „Hey Marcel, was geht? Da bist du ja!“, meinte Paul mit etwas lauterer Stimme. Sie begrüßten sich mit einem kurzen Handschlag, dann stellte Paul sein Bier ab und zündete sich eine Zigarette an. „Hey man. Ja, alles gut und selbst?“, erkundigte sich Marcel. Er stellte sich neben Paul und zündete sich ebenfalls eine Zigarette an. „Du rauchst ja! Das wusste ich ja gar nicht. Ich sehe schon, wir verstehen uns.“, antwortete Paul und hielt Marcel die Faust hin. Er schlug ein und lachte. „Ja, es gibt einiges, was du nicht weißt, haben uns ja schließlich Ewigkeiten nicht mehr gesehen. Außerdem hat jeder ja sein Laster.“, meinte Marcel. Paul schmunzelte „Ja, das stimmt wohl. Ich hab aber mal ein Jahr aufgehört.“ „Warum hast du dann wieder angefangen?“, fragte Marcel, „und wieso hast du aufgehört?“. „Ja ich habe eine Wette mit meinem Vater abgeschlossen und habe dann dafür fünfhundert Euro bekommen. Aber es ist echt hart, nicht zu rauchen, wenn du im Jugendraum ständig bist, der Großteil der Leute raucht hier“ erklärte es Paul ihm. Marcel nickte verständnisvoll „Sympathisch.“ „Wie lange rauchst du denn schon, Marcel?“, wollte er nun von ihm wissen. Marcel zögerte einen Moment „Schon viel zu lange, aber ich glaube etwa zwei Jahre, aber sehr lange auch heimlich, da ich nicht wusste, wie meine Eltern reagieren.“ „Ich glaube, das ist bei jedem so. Ich hab noch früher angefangen, da war es dann umso krasser.“, schilderte Paul ihm. Beide drückten zeitgleich die Zigarette aus. „Lass uns hereingehen, du wolltest mir noch ein Bierchen ausgeben.“ „Ja, das stimmt. Auf geht's!“, lachte Marcel.
Hinter der Tür wartete noch ein Vorhang, den die beiden zur Seite schoben. Der Geruch von Bier und Schnaps stieg Marcel in die Nase, als er sich umsah. Es war, wie Paul gesagt hatte, Leon, Max und Jeffrey waren da und auch Celine und Lina. Ein Schmunzeln legte sich auf Marcels Lippen. Daraufhin ging er mit Paul zu den Jungs und begrüßte sie, jeden Einzelnen. Zu seiner Überraschung schienen sie überaus erfreut, dass Marcel auch mal in ihren Jugendraum kam. Als er sich umdrehte, stand Lina hinter ihm. „Hey!“, meinte Marcel und umarmte sie. Er musste etwas in die Hocke gehen, da sie mit ihren 1,50 Meter doch ein paar Köpfe kleiner war als er. Als sie sich drückten, begrüßte sie ihn ebenfalls mit einem freundlichen „Hey“. Auch wenn Marcel in diesem Moment nicht Linas Gesicht sehen konnte, war er sich sicher, dass sie genauso ein Lächeln zeigte. Als er sie losließ und sich aufrichtete, schaute er kurz Richtung Celine, welche nicht zu ihm gekommen war und winkte ihr flüchtig zu. „Ich gebe eine Runde, willst du auch ein Bier? Auf meine Kosten natürlich.“, fragte er sie. „Klar, da sag ich nicht nein. Holst du Celine auch eins mir?“, antworte sie lächelnd. „Sicher, kein Problem.“, schmunzelte Marcel. „Paul, sieben Bier auf meine Kosten bitte.“, orderte er folgend. Und kurz darauf brachte Paul sie auch und das sorgte dadurch dafür, dass nun alle gemeinsam an einem Tisch saßen. Sie stießen zusammen an und es entwickelte sich zu einem entspannten, aber zudem sehr lustigen Abend.
Später, im Verlaufe der Zeit, kam irgendwann Leon mit einer interessanten Frage. „Sag mal Marcel, hast du eigentlich irgendeinen Spitznamen? Ich finde, Marcel ist so ein gewöhnlicher Name. Wir alle haben einen coolen Jura-Spitznamen, ich bin der Leon oder Leonbert, der Jeffrey ist der Schienbein-Jeff, Max ist Gorroff und Paul ist Paulsen. Also wie sieht es aus?“, erklärte Leon ihm.
„Nein, hab ich nicht. Ich bin einfach nur Marcel.“, lachte er. Dann schaltete sich Jeffrey ein „Hast du denn nichts, was dich ausmacht und woraus man einen Spitznamen machen kann?“. Marcel zuckte nur mit den Schultern und überlegte einen Moment. „Naja ich mach Wrestling …“, begann er, doch dann schaltete sich Lina ein. „Du meintest doch, du hast eine Sammlung Jeansjacken.“. Auf einmal schien Leon in Aufregung „Oh, wie wäre es mit Jeansy oder Jeansman? Das wäre doch genial.“ Tatsächlich erhielt die Idee Beifall von den anderen Jungs und Marcel musste grinsen, als sein Blick rüber zu Lina wanderte. Diese lächelte ihn an und ihr Gesichtsausdruck ließ nur darauf schließen, dass sie es genoss, dass Marcel so schnell integriert wurde. Max fing auf einmal an zu schreien und riss seine Flasche in die Luft „Auf den Jeansy, der uns die Runde gegeben hat!“. Erneut stießen alle an, während die zweite Runde, die Marcel gegeben hatte, die Kehlen herunterlief.
Eine kurze Zeit später gingen Paul und Marcel hinaus eine Zigarette rauchen. Sie ließen die Tür und den Vorhang offen um die Musik, die gerade lief, weiter zu hören. „Ich finde es cool, dass du hier bist, Jeansy.“, deklarierte Paul bereits etwas angetrunken und brachte Marcel zum Lachen. „Danke, das freut mich zu hören“, meinte er darauf. „Kann ich dich was fragen?“, spielte Paul nun auf etwas an. Marcel nickte „Sicher, um was geht es?“. „Wir haben gehört, dass du ziemlich gut mit Mädels kannst. Stimmt das?“, fragte er Marcel. „Naja schon, aber zwei Sachen, erstens, von wem? Und zweitens, das scheint doch Leon auch gut zu können.“, bei Zweiterem deutete Marcel auf Leon und Lina, die sich gerade sehr offensichtlich zu amüsieren schienen. Das Bild ließ in Marcel doch eine kleine Eifersucht aufleben und manche Befürchtungen weckten sich in ihm. Hatte er irgendwas übersehen zwischen den beiden? Waren Sie zusammen?
„Quatsch. Der Leon wird sich niemals auf eine hier aus dem Jugendraum einlassen und ist auch nicht unbedingt gut darin, bei den Mädels final zu landen. Und der Jeffrey hat da was aufgeschnappt, aber keine Ahnung, woher er das hat.“, klärte Paul Marcel nun auf. Sie schauten immer noch gespannt den auffälligen Gestiken von Leon zu, als Linas Blick hinaus schweifte und die beiden ansah. Sie musste leicht schmunzeln. Daraufhin schaute auch Leon raus und schien ihr zu sagen, dass er schnell rausging. Kurz darauf stand er schon bei ihnen und zündete sich ebenfalls eine Kippe an. „Also über was redet ihr?“, fragte Leon mit einem schelmischen Grinsen im Gesicht. „Ha, du wirst es nicht glauben, aber der Jeansy dachte zwischen dir und der Lina läuft was.“, meinte Paul ohne große Gedanken. Marcel fragte sich, ob man es noch offensichtlicher und peinlicher erklären könnte, und rollte die Augen. „Da brauchst du dir keine Gedanken machen, Jeansy. Für mich gibt es nur die eine, und die will mich zurzeit nicht.“, beruhigte Leon Marcel. „Ja aber hör mal, ich könnte echt mal Hilfe gebrauchen bei Celine. Ich baggere da seit zwei Jahren, aber ich bekomme es einfach nicht hin. Weißt du da was?“, meinte Paul um Rat suchend zu Marcel. Er überlegte einen Moment, dann fing er an, seinen Ansatz zu erklären „Nun ja, die einfache Variante wäre natürlich abfüllen und ausnutzen, aber das würde ich an deiner Stelle nicht machen. Das ist immer scheiße, vor allem wenn du dir etwas Langfristiges mit ihr gerne hättest. Aber ich würde sie einfach mal ehrlich fragen, ob ihr was machen wollt. Direktheit bringt meiner Erfahrung nach am meisten.“ „Mal abwarten“, meinte Paul, aber es wirkte nicht so, als würde er eines von beiden auch nur in Betracht ziehen. Leon drückte seine Zigarette aus „Lass uns wieder hereingehen.“, und als er schon halb wieder drinnen war, fügte er noch mit einem Zwinkern hinzu „Und Jeansy, glaub mir, das wird was.“ In dem Moment schien es Marcel so, als wüssten die beiden genau, dass er wegen Lina im Jugendraum wäre, doch andererseits war es mehr als nur beruhigend für ihn. Es gab ihm viel Mut.
Demzufolge dauerte es auch nicht lange, bis Lina zu ihm kam. Es war kurz vor eins. „Hey, ich muss gleich heim, aber können wir kurz miteinander reden?“, meinte Lina zu ihm. Marcel nickte und antwortete „Klar kein Problem. Ich wollte dich sowieso noch nach deiner Nummer fragen.“ Sie musste lächeln, dann schaute sie auf den Boden, um ihm nicht zu zeigen, dass sie sich darüber freute. Lina griff hinter sich in ihre Hosentasche und nahm ihr Handy raus. Marcel tat es ihr gleich und tippte ihre Nummer ab. Ganz offensichtlich hatte sie kein Problem damit und war vielleicht sogar auf dasselbe aus.„Aber wehe, du schreibst mir nicht.“, drohte sie ihm mit einem Lachen. „Ich weiß noch was Besseres.“, antwortete er ihr, als Linas Handy anfing zu vibrieren und angerufen wurde. „Oh die Nummer kenne ich nicht, ich geh kurz ran.“, erklärte sie. Lina meldete sich mit einem einfachen „Ja?“, bis dann Marcel sein Handy auf einmal an sein Ohr hielt und mit verstellter Kermit-der-Frosch ähnlicher Stimme „Halloooo?“ in sein Telefon rief. Lina legte auf, guckte ihn mit einem Blick an, der so viel hieß wie „Ernsthaft?“ und schubste ihn wieder einen Schritt nach hinten. Marcel prustete los vor lachen und Lina musste sich das Selbige verkneifen. Er erkannte, dass sie ihr Lachen zurückhalten musste. und packte sie und schmiss sie über seine Schulter. „Weißt du was? Wer sich das Lachen verkneift, wird rausgeschmissen. Also lach!“, spaßte er mit ihr. Tatsächlich konnte sie dann nicht mehr das Lachen unterdrücken, aber wehrte sich mit aller Kraft. Sie trommelte gegen seinen Rücken mit ihren Händen, doch kam nicht von ihm fort. An der Tür setzte Marcel sie ab und umarmte sie. „Dann komm gut nach Hause“, verabschiedete er sich von ihr. Sie stieß unter dem Lachen ein „Tschüss, mach's gut.“ hervor, bevor sie mit Celine nach Hause ging.
Marcel blieb noch zwei weitere Stunden mit den Jungs dort. Es war zum Schluss mehr ein Kampftrinken zwischen ihnen, was nicht unbedingt Marcels Art war, weswegen er sich dann zeitnah nach Hause begab. Aber es war für ihn ein gelungener Abend und auch der Teil, in dem er nur mit den Jungs im Raum saß, war es seiner Meinung nach eine gute Entscheidung in den Jugendraum zu gehen. Es führte dazu, dass er sich fragte, ob er etwas verpasst hatte, dass er noch nicht vorher den Jugendraum besucht hatte. Doch zu diesem Zeitpunkt, zu dieser späten Stunde war sein Kopf nicht klar genug, um über solche Themen noch nachzudenken. Er zog sich nur noch die Jacke und die Jeans aus und ließ sich daraufhin lediglich noch auf sein Bett fallen und schlief dort ein. Er schlief, bis die Sonne ihn am nächsten Tag wecken sollte.
Das pralle Licht schien Marcel ins Gesicht und riss ihn zu früh aus einem traumlosen Schlaf. Langsam führte er seine Hand vor sein Gesicht, um es vor der Sonne zu schützen. Er drehte sich zur Seite und griff benommen nach seinem Handy, um einen Blick auf die Uhr zu werfen. Es war noch neun Uhr in der früh und sein Kopf dröhnte. Er kam zu der Erkenntnis, dass er es gestern übertrieben hatte. Marcel drehte sich wieder um und versuchte weiterzuschlafen, doch es ging nicht. Ein Griff neben sein Bett brachte ihm die Fernbedienung für den Fernseher und ein weiterer dann einen noch halb vollen Energy-Drink. Er nahm einen Schluck und stellte den Fernseher an und schaltete ein Wrestling Event ein. Daraufhin richtete er sich auf und lehnte sich sitzend an die Wand. Dann griff Marcel an sein Handy und blickte auf den Chat mit Lina.
Marcel wusste nicht, ob er auf diese Art und Weise mit ihr schrieb, weil er Interesse an Lina hatte oder ob es an dem restlichen Alkohol lag. Er war sich aber sicher, dass er den Kater schnellstmöglich auskurieren wollte. Eine halbe Stunde später stand er auf und ging in die Küche. Sein Vater war bereits wach. „Lange Nacht gehabt?“, fragte er mit einem schadenfrohen Grinsen. „Ohja. Genau das. Ich muss jetzt erst einmal den Kater wegbekommen.“, antwortete Marcel ihm sichtbar verkatert. Sein Vater lachte und ließ ihn machen. Er stellte sich vor die Küchenplatte, baute den Mixer vor sich auf und holte taumelnd ein paar Früchte. Er schnitt sie klein, tat sie hinein und startete das Gerät. Währenddessen schlug er zwei Eier auf in eine Pfanne und lief noch schnell zum Kühlschrank einen weiteren Energy-Drink holen. Sein Katerfrühstück war dann zwei Spiegeleier auf Toast, ein halber Liter Smoothie und ein Energy-Drink. Danach noch eine Dusche und er fühlte sich tatsächlich fit. Marcel war froh, wieder durchatmen zu können. Er machte noch mit Paul und den anderen Jungs aus, dass sie sich abends erneut im Jugendraum treffen würden, dann zog er sich Sportklamotten an, sprang etwas Auf und Ab und dehnte sich. Daraufhin lief er los.
Das Joggen war etwas schwerer als sonst, wenn er nicht am Abend zuvor sich betrunken hat, doch auch an den anderen Tagen, wenn er vorher weg war, war es nicht so wie heute. Der Jugendraum war für ihn ein ganz ungewohntes Level, was den Alkoholkonsum anging. Eine Stunde später kam er völlig verschwitzt und außer Atem
