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Nik und seine Freunde erfahren, wie der Fasching in Bayern, sprich München, gefeiert wird. Tja, fast. Sie landen unverhofft auf Maohadod, aber gefeiert wird trotzdem, oder erst recht. Die Lehrerin Dorothea Watzlawik lässt sich ihre geliebte fünfte Jahreszeit auch von den Obersten nicht nehmen. Die Befreiung eines Wilddrachen muss noch etwas warten, dafür lernen die Kinder alles über die Brutalas. Der König der Avalans braucht die Zauberkräfte der Kinder, um ...
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Seitenzahl: 590
Veröffentlichungsjahr: 2024
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jeden einzelnen von euch. Wer mit mir in meine Welten eintauchen mag, ist herzlich willkommen :-)
Fortsetzung von Kapitel 78: Asche des Todes
Kapitel 79. Untn
Kapitel 80. Ein Blumenhaus entsteht
Kapitel 81. Bunte Dämonen
Kapitel 82. Kalt
Kapitel 83. Eine Krisensitzung mit Folgen
Kapitel 84. Byrb
Kapitel 85. Ein bairischer Fasching
Kapitel 86. Oder doch nicht in München
Kapitel 87. In Gretls Hausbaum
Kapitel 88. Bonsai
Kapitel 89. Faschingsdienstag
Kapitel 90. Aschermittwoch
Kapitel 91. Ein voller Neumond
Kapitel 92. Befreiungspläne
Kapitel 93. Kleiner
Kapitel 94. Eine Kirchenmaus
Kapitel 95. Ein kirchenfreier Sonntag
Kapitel 96. Anyds Geschichte
Kapitel 97. Ein Plan entsteht ...
Kapitel 98. … und wird umgesetzt
Gottfried legte seine Zeichenmappe zur Seite. Die Chance, all seine Freunde in einer Gruppe malen zu können, hatte er sich nicht entgehen lassen. „Danke Basti. Er hat recht. Alle Kinder kommen mit. Jetzt schauts mal auf eure Tischkarten, dann könnts erkennen, in welchem Team ihr seids. Martin, du gehst mit mir mit.“
„Gottfried?“, rief Moritz zu ihm hinüber. Er hatte erkannt, dass jetzt jeweils ein Magierkind mit einem vom Tal der Toten Kinder ein Paar bilden sollte „Wie soll des gehen? Wir sind doch kein eingespieltes Team und es könnt heut schon a weng brenzlig werden, wenn du mich fragst.“
„Des wirst dann schon sehen. Aber wir müssen langsam los. Theresa und Quirin führen die ganze Mannschaft an.
Kommts, die Zeit drängt.“ Damit war anscheinend das Signal zum Aufbruch gegeben, denn er stand auf und marschierte mit dem Martin zusammen einfach zur Tür hinaus. Es war schon eigenartig. Durch ein kurzes Aufflammen der jeweiligen Tischkarten bekamen die einzelnen Paare eine kurze Aufforderung, sich den beiden anzuschließen. Siegfried folgte als Nächster und Steindl rollte hinterdrein, wobei Siegfried höllisch aufpassen musste, sich keinen blauen Fleck einzuhandeln. Der Koloss hatte nun mal wenig für Menschen übrig.
Der stille Paul-Ernst war froh, an der Seite von Maria mitgehen zu dürfen, er spürte instinktiv, dass sie ihn beschützen würde. Ein verdächtig leuchtender Rotschopf schwebte neben dem feschen Sebastian, der zu seinem Bedauern seine Radltragn hier lassen musste. Er erklärte gerade der Gretl, dass eine Schubkarre in einer anderen Gegend auch Rouwelln genannt wurde. Sie war fasziniert, was der Bub alles wusste. Tricksi und Eva beäugten sich misstrauisch, spürten sie doch die jeweilige Boshaftigkeit der anderen. Damit war nun Tisch zwei leer und verschwand. Da sich erst einmal weiter nichts tat, stand Carola auf und schloss sich mit ihrem Bertl den anderen an. Für Nik und Ernestine wars eine wenig kompliziert, waren doch beide schüchtern und so gingen sie erst einmal wortlos nach draußen, gleich gefolgt von Marille und Ludwig, Moritz und dem Raben Balthasar. Der ließ sich auf der Schulter seines Schülers nieder, getragen zu werden ist schon ein angenehmer Luxus, fand er. In Windeseile sauste Quirin hinter die verblüffte Theresa und schob ihr den Stuhl nach hinten, eigentlich als Kavaliersgeste gemeint, nur dass sie nicht damit gerechnet hatte und sich gerade noch an der Tischkante festhalten konnte. „Spinnst du?“, zischte sie aufgebracht, musste aber gleich lachen, als sie sein zerknirschtes Gesicht sah. Sie liefen nach draußen, die anderen hatten mit dem Aufbruch zum Wald schon begonnen. Als nächstes leuchteten die Tischkarten von Franz und Leonhard auf. Beruhigend redete Franz auf den Zweigerlbuben ein, denn Leonhard hatte eine solche Angst davor, dass seine Äste bei der ganzen Aktion durcheinander geraten könnten.
Jetzt waren nur noch der Jacherl und die Katharina da, sie schlossen zusammen mit Stuggi und Caro die Gruppen ab. Zur Verwunderung des Ochsen schwebte sein schweres Leiterwagerl herbei und die dazugehörige Gurtung legte sich wie von Zauberhand an. So sanft war der geduldige Ochse noch nie angeschirrt worden. So wanderten alle aus dem Tal heraus, am geheimnisvollen Tipi vorbei, die Anhöhe hinauf und in den Wald hinein.
In einem kleinen bairischen Dorf war inzwischen pure Hektik ausgebrochen. Dorothea hatte alle Freunde und Rebellen zu einem großen Brunch eingeladen, Lagebesprechung nannte sie das. Der gesamte irdische Rat, bis auf Resederl und Caro war gekommen: Merylin und Erol, Magda und Jean. Margarete, Gretls Mama, würde noch nachkommen, sie wollte erst etwas vorbereiten.
Aufgeregt und so gar nicht die Ruhe selbst, wuselte Dorothea auf der Gred herum, sauste alle paar Minuten wieder in die Küche, um noch etwas ganz Wichtiges zu holen, bis sie der Blaschinko ausbremste und sie bat, sich endlich hinzusetzen.
Inzwischen war auch die Margarete angekommen, sie hatte Wilhelmine und Korbinian noch mitgebracht und sie konnten endlich anfangen. Schnell zählte Dohrle alle durch und kam auf die erwünschte 13, ihre Lieblingszahl. „So. Schön, dass endlich alle da san. Legen wir los. Ich hab für jeden von euch etwas von dieser Todesasche eingesammelt. Ihr wisst, wie man damit umgehen muss? Gut.“ Eifrig verteilte sie diverse Behälter und fuhr fort.
„Ich finde, der Schwarze Engel, unser Baron darf nicht ungestraft damit davonkommen, dass er das hübsche Penzkoferhaus vernichtet hat. Das geht entschieden zu weit. Wir werden ihm also seine Asche zurückgeben. Laut Biblio vom Blasius ...“, hier drehte sie sich liebevoll zu ihm um und warf ihm einen Luftkuss zu, bevor sie fortfuhr, „… müsste damit an seiner gruseligen Burg ein beträchtlicher Schaden entstehen. So als Zeichen sozusagen. Des wird der schon verstehen, was wir damit meinen. Hat noch wer Fragen?“
„Wie sollen wir denn die Asche anbringen. Hast du da eine Idee?“, fragte Wilhelmine und lehnte sich an ihren Korbinian an.
„Gut, dass du fragst. Die Behälter werden einfach an die Mauer geworfen. Da platzen die auf und die Asche sollte dann ungehindert wirken können.“
„Sollten wir uns nicht rund um die Burg herum verteilen, was meinst?“, überlegte Jean.
„Dafür ist die Burg zu groß und wir zu wenig“, erklärte der Professor, der sich schon diebisch auf diese Aktion freute. Endlich tat sich mal was im Dörfle. Nicht, dass er sich langweilte. Nur manchmal.
„Ich find, das sehen wir, wenn wir dort sind. Aber wir sollten langsam los. Wie lange es dauert, bis wir dort sind, hängt ja ned von uns ab. Wir gehen über die Weißeiche.
So, jetzt kommts.“
„Können wir nicht mit deinen feinen Avalans rüber fliegen, Eusebius?“ Cecilia hatte es nicht so mit langen Fußmärschen. Jedenfalls nicht in menschlicher Gestalt. „Dazu sind wir zu viele. Aber ich flieg eh als Eule, ich wart dann dort auf euch. À bientôt!“ Und schon war eine wunderschöne Eule zu sehen, die in Richtung Osten davon flog.
„Gut, wenn sonst keiner mehr was wissen will, geh ma los.“ Dank strengem Lehrerinnenblick wagte niemand zu widersprechen. Zufrieden hängte sich Dorothea ihre Schultertasche um, hakte sich beim Blaschinko ein und marschierte entschlossen voran.
Cecilia eilte an ihre andere Seite, der Rest kam hinterdrein und alle machten automatisch einen kleinen Bogen um das äußerst gewöhnungsbedürftige Wirtshaus. Es passte nun mal so gar nicht in ein kleines bairisches Dorf. Zusammen mit dem Rathaus und der Barocken Kirche war es immer harmonisch, wenn auch etwas vergagelt, ein Teil vom ursprünglichen Weiler gewesen. Gut, bis auf das Rathaus. Das hatten die Lichtgestalten entstehen lassen. Nun gut, auch das alte Kirchlein war auf Wunsch vom Amsel Toni entstanden. Ganz genau genommen hatte eigentlich nur der Huber Bauer seinen alten Generationenhof hier gehabt. Aber trotzdem. Das pinke Etwas mit Haaren anstelle eines Daches und so ganz ohne jegliche Symmetrie? Am besten, man schaute nicht zu genau hin. An der Amerikanischen Weißeiche angelangt, verschwand Cecilia kurz hinter dem mächtigen Stamm, um als rotes, kleines Eichkatzerl wieder hervorzuturnen. Es kletterte geschickt auf die Schulter der Frau Ran und gab ihr ein zufriedenes Bussi auf die Backe.
„Dacht ich mir schon, dass du des bist“, reagierte die Chinesin gelassen und erklärte sich bereit, Cecilia in dieser Form die ganze Strecke zu tragen.
„Schauts nur, der Weg ist schon da!“, freute sich der Herr Pfarrer, der ganz in Gedanken von der Umwandlung nichts bemerkt hatte. Und tatsächlich. Für alle deutlich sichtbar hatte sich ein gemütlicher, breit angelegter Waldweg entwickelt. Zufrieden und mit dem sicheren Gefühl, dass man sich auf den alten Baum aus Maohadod verlassen konnte, marschierten die Freunde los und diskutierten eifrig, wie genau man heute vorgehen sollte.
Der sportliche Korbinian hatte eine etwas waghalsige Idee, wurde aber sogleich von seiner Frau, der Wilhelmine ein wenig ausgebremst. „Korberl, nicht ein jeder ist in der Lage, mit einem Spitzensportler wie dir mitzuhalten. Ein ‚die Burgwände hochkraxeln‘ kommt für mich nicht in Frage. Wie ist des mit euch?“, rief sie nach vorne und erntete heftigste Zustimmung.
„Toni, was ist mir dir?“, rief Jean, dem aufgefallen war, dass sich der Herr Pfarrer immer wieder besorgt umdrehte und wen zu suchen schien.
„Wo ist denn die Cilli abgeblieben?“, rief der zurück und wunderte sich schon ein wenig, dass die anderen das gar so lustig fanden. Frau Ran war so lieb und klärte ihn auf. Verwundert betrachtete er das kleine Eichkatzerl, es hatte so gar keine Ähnlichkeit mit der Cecilia. Merylin und Erol gingen schweigend und hoch konzentriert, sie schienen sich mental zu unterhalten. Und dabei ging es sichtlich um ein sehr ernstes Thema. Ganz im Gegensatz zur immer fröhlichen Margarete, die in einer Tour in irgendeiner Form Geräusche von sich gab. Am Anfang fiel es gar nicht so auf, aber mit der Zeit, als nach und nach die Gespräche verstummten und jeder seine Kraft fürs Gehen brauchte, durchaus. Wenn Maggie nicht auf die geduldige Magda einredete, dann sang sie. Und wenn ihr nicht so nach singen zumute war, pfiff sie fröhlich vor sich hin. Sie war nie still. NIE. Auch auf dezente Hinweise reagierte sie nur mit einem erfrischenden Lachen und sang weiter. Jean wars ja gewohnt, er kannte seine Tochter nicht anders. Erst als Dorothea sie mit einem Schweigezauber belegte, konnte sich die Gruppe wieder entspannen. Margarete war verblüfft. Mental versuchte sie zu ergründen, wofür das nun wieder war, bekam aber keine Antwort, ein jeder hatte sich abgeblockt. Das war ihr zu viel, also eilte sie an die Spitze der Gruppe und hielt alle an. Mit verschränkten Armen stand sie da und wartete grimmig auf eine Antwort. Seufzend entbannte Dorothea sie, nickte ihr zu und wartete erst mal ab.
„Was soll das? Ich hab doch gar nichts gemacht!“, empörte sich Margarete und stampfte wütend mit dem Fuß auf.
„Maggilein, du redest ohne Punkt und Komma. Kannst du bitte einfach mal leise sein? Ich weiß nicht, wie der Sean das aushält, aber bitte sei leise. Versuchs wenigstens. Uns zuliebe. Ok?“, erklärte Dorothea mit ihrer besten Lehrerinnenstimme.
„Ich sag doch eh nix! Aber bitte, wennsd meinst. Das nächste Mal sagst halt was. Kannst mir doch ned einfach einen Bannzauber drauf legen. Sag amal, gehts no?!“
Verärgert schüttelte sie ihre Mähne und marschierte weiter. Sean eilte ihr nach, er wusste, wie er sie besänftigen konnte.
Und plötzlich war der Weg zu Ende. Eine kaum verschneite Wiese senkte sich vor ihnen in einem sanften Bogen hinab zu einem Bächlein, das von einer windschiefen, uralten Holzbrücke gekrönt wurde. Der Weg führte direkt dorthin, legte sich gleich danach nach rechts, um sich anschließend in einem weiten Linksbogen der Rabenburg zu nähern. Denn die stand da ganz oben auf dem Hügel und schien ein wenig grantig zu ihnen herüberzublicken. Wie gesagt, gruslig.
„Himmel, wir sind schon da“, entfuhr es Margarete, die sich doch gerade fest vorgenommen hatte zu schweigen. „Habt ihr auch das Gefühl, es schaut uns an?“, fragte Wilhelmine leise und war froh, dass die anderen dabei waren.
„Ich nehm an, das gehört zum Abschreckzauber dazu“, erklärte Amsl Toni und marschierte entschlossen voran. Etwas zögernd folgten die anderen und überquerten die alte Brücke, die viel zu laut protestierte. Eine Eule huschte herbei und entpuppte sich, wie erwartet, als Professor Dr. Gagl. „Seids halt leise,“ zischte er. „Sonst könn ma gleich mit Trompeten und Posaunen unser Kommen ansagen.“ „Sag das lieber der Brücke“, fauchte Margarete zurück und schüttelte den sie beruhigen sollenden Arm ihres Vaters entnervt ab. Da sie sich inzwischen darauf geeinigt hatten, die Burg vom Haupttor her anzugreifen, marschierten sie möglichst unauffällig den Weg hinauf und verschnauften an der Stelle, an der sie einst der Schwarze Hund so ungut empfangen hatte.
„Ich hab des Gefühl, wir werden erwartet“, murmelte Cecilia, die sich wieder zurück verwandelt hatte.
„Kann schon sein“, flüsterte der Herr Pfarrer nervös.
„Stellt euch so auf, wie besprochen“, zischte Dorothea und überprüfte streng, ob auch jeder an seinem angedachten Platz stand. Die Asche des Todes hatte sie vorher verteilt. Auf ein Zeichen stürmten alle nach vorn und schleuderten die Asche, die in kleinen magischen Schutzbehältern untergebracht war, gegen das Burgtor. Dort sollte sie zerstäuben und ihr Zerstörungswerk dort fortsetzen, wo sie begonnen hatte. Gleichzeitig intonierte der Amsl Toni einen Rückwandlungszauber. Die geplante Beschädigung an der Burg würde das kleine Haus der Penzkofers wieder entstehen lassen. So der Plan. Die kleinen Wurfgeschosse flogen auch brav in gelenktem Bogen und zerschellten ordentlich. Das herausquellende rauchige Etwas dachte aber gar nicht daran, die Burg seines Herrn und Meisters zu zerstören. Vielmehr verband es sich zu schwarzen Schlieren und Schleiern und näherte sich den Angreifern. Schnell errichtete ein jeder seinen eigenen Schutzschild und keiner wusste, was jetzt zu tun war, als das Resederl herbei rauschte und mit donnernder Stimme brüllte: “Scheidsch deppert? Habtsch de Asche ned umdraht?
Schowasch weischsch man dosch!“ Frustriert über soviel Unverstand drehte es sich in der Luft und brüllte zum Waldrand: „Jetscht!“ Und heraus strömten die Kinder, angeführt vom Caro, der nun mal der Schnellste war. Auch sie hatten die Asche des Todes dabei, wie vom Resederl erwünscht, nur dass diese inzwischen weiß geworden war. Das Einhorn hatte seine helle Freud und beeilte sich, die Kinder zu den Erwachsenen zu dirigieren. Viel Zeit hatten sie nicht, denn wenn auch die schwarzen Schleier sich recht langsam bewegten, so hatten sie doch fast ihr Ziel erreicht. „Schutschkugeln runter und schprühen!“
kommandierte das heute goldene Einhorn begeistert und war glücklich, weil ein jeder folgte. Manch einer kam sich absolut lächerlich vor, mit so einer kleinen Sprühflasche diese Monstergebilde anzugreifen, aber es wirkte sofort. In dem Moment, in dem Schwarz auf Weiß traf, verpuffte die gesamte Aschenwolke. Da die Kinder genügend Vorrat dabei hatten, konnte auch dem Burgtor erheblicher Schaden zugefügt werden. Und dann war er da, der Schwarze Hund. Blitzschnell fuhr er seine Tentakeln aus und peitschte sie wirbelnd durch die Luft. So konnte er verhindern, dass allzu viel Asche auf der Mauer landete.
Das Tor löste sich allerdings auf und heraus trat der Baron zusammen mit Sylvynnya. Spöttisch deutete sie eine Verbeugung an: „Ihr glaubt doch nicht, dass ihr ohne mein Wissen meine Burg angreifen könnt! Wenn euch euer Leben lieb ist, gehts lieber gleich heim. Ach, wenn das nicht meine liebe Theresa ist! Na? Sehnsucht nach ein bisschen Schmerz?“, rief sie mit honigtriefender Stimme, denn sie hatte die Toten Kinder entdeckt, die erst jetzt sichtbar wurden. Das war Dorothea zu viel. Jede Vorsicht außer Acht lassend, stürmte sie laut schreiend nach vorn; ihre ganze Wut schrie sie heraus. Sie verwandelte sich binnen Millisekunden in die vollständige Hexe und … lief genau in die Fangarme des Schwarzen Dämons, der sich schützend vor seine Leute gestellt hatte. Dorothea kreischte vor Überraschung und Schmerz laut auf und versuchte verzweifelt, sich vor den einschneidenden Tentakeln zu schützen. Theresa gab sich vollkommen entspannt und gab einem ihrer Freunde ein Zeichen. Es war merkwürdig mitanzusehen, wie eine Verbindung entstand zwischen Siegfried und dem grauen Steinkoloss. Während die Kinder sich hinter den Erwachsenen aufgereiht hatten, waren die Zauberkinder, wie sie sich gerne nannten, langsam aber stetig auf die Burg zugegangen.
„Hey, Wuffi, lass die Omma von der Theresa los. Wir zwei beide haben noch eine Abrechnung offen, stimmts?“ Und schon rollte die Steinkugel auf den Schwarzen Hund los, in einer atemberaubenden Geschwindigkeit. Da der nicht gleichzeitig den restlichen Aschenregen von der Burg abhalten, die arme Dorothea bändigen und der schweren Steinkugel standhalten konnte, musste er sich entscheiden. Wütend warf er Dorothea in einem weiten Bogen von sich und versuchte den Stein zu zerschneiden. Bei einem normalen Stein wäre ihm das auch gelungen. Es handelte sich hier aber um einen Buben, der vor vielen Jahren bereits gestorben war. Und zweimal sterben geht halt nun mal nicht. Steindl schien eine rechte Freude an diesem Zweikampf zu haben, man hört ihn jubeln, je mehr er den Schwarzen Hund zur Verzweiflung treiben konnte.
Als der Baron und seine Tochter Sylvynnya erkannten, dass ihr bester Verteidiger ausfiel, griffen sie aktiv in den Kampf ein. Der Rabe Balthasar, der sich strategisch günstig auf einen in der Luft schwebenden, wunderschön blühenden Kirschzweig niedergelassen hatte, erkannte die Gefahr als Erster und rief dem Resederl etwas zu.
Woraufhin dieses erfreut auf den Baron zuflog, es wusste ja, welchen Respekt dieser vor ihm hatte. Nur dass der einfach schneller war und es dadurch dem Einhorn unmöglich machte, erwischt zu werden. Und man kann nicht sagen, es hätte sich nicht bemüht. Nach ein paar vergeblichen Fangversuchen gab es auf.
„Na, desch isch mir tschu anschtrengend, desch maschtsch ohne mi“, rief es ihnen noch fröhlich zu und verschwand. Balthasar war verblüfft, damit hatte er nicht gerechnet.
Dorothea hatte sich inzwischen wieder aufgerappelt und sich an ihren ursprünglichen Platz gestellt. Aus verborgenen Mauerspalten begann es plötzlich zu rauchen, Qualm tauchte auf und begann sich langsam auf die Angreifer zuzubewegen.
„Schutzkugeln verstärken!“, rief Blaschinko und konnte damit schwere Verletzungen verhindern. Allerdings war es jetzt auch unmöglich, aktiv etwas zu tun. Die Kinder hatten teilweise Schwierigkeiten, sich zu schützen, diesen Zauber hatten sie noch nicht gut genug geübt. Also wichen alle langsam zurück und mussten sich verspotten lassen. „Gehts heim, gegen mich und meine Tochter habt ihr keine Chance. Seids froh, dass ich heute so überaus gut gelaunt bin“, rief ihnen Friedhelm, Baron von Rabenfels spöttisch zu.
Da geschah etwas Merkwürdiges. Wie auf ein Wort gingen die Toten Kinder in einer geschlossenen Linie nach vorn. Weder der Schwarze Hund, noch die Asche des Todes konnten ihnen was anhaben. Sie stellten sich vor den Baron und blickten ihn an. Mit sehr ernsten Gesichtern.
Und irgendetwas passierte zwischen ihm und den Kindern. Während der ganzen Zeit hatte der Amsl Toni seine Sprüche gemurmelt und Linien in die Luft gemalt. Was auch immer er da gezaubert hatte, es zeigte endlich seine Wirkung. Dorothea eilte nach vorn und ordnete zusammen mit Tante Cilli die sieben Siegel neu und verschloss sie für den Moment. Der Hund erstarrte und rührte sich nicht mehr. Mit einem schrillen Kreischen verschwanden die Rauchfahnen, stürzten sich auf den Schwarzen Hund und verschwanden in ihm.
„Schad“, murmelte Steindl und rollte ganz dicht zum Baron. Und aus einem unerklärlichen Impuls heraus, gesellten sich die anderen Kinder dazu. Und alles, was sie taten, war dem Burgherren jetzt aus allernächster Nähe tief in die unsteten Augen zu schauen.
„Wir müssen da auch hin“, flüsterte Carola, die verstand, was da gerade passierte. Und so standen sie nun alle zusammen vor dem Burgherrn.
Ernestine und Nik. Marille und Ludwig. Moritz und Balthasar, der sich dazu auf die Schulter seines Schülers gesetzt hatte. Theresa und Quirin. Franz und Leonhard. Katharina und Joachim. Tricksi und Eva. Sebastian und Gretl. Gottfried und Martin. Siegfried und Steindl. Paul-Ernst und Maria. Und dicht hinter ihnen der Sean, der so gern seinen Feuerzauber eingesetzt hätte, die Margarete, die immer noch ein wenig beleidigt war, der Blasius, der seinen Arm schützend um seine Dohrle gelegt hatte, die Frau Ran, die immer noch hochkonzentriert wirkte, Merylin und Erol, die stolz auf ihren mutigen Buben waren, die Engel Magda, die sich Sorgen um die Blessuren der Dorothea machte, Eusebius, der ein wenig grantig war, hätte er die Schlacht so ganz anders geführt, der Amsl Toni, der sich freute, weil seine Zaubersprüche heute so gut gelungen waren, die Tante Cilli, die den Herrn Baron mit ganz anderen Augen betrachtete, und zu guter Letzt Wilhelmine und Korbinian, die einfach nur froh waren, dass nichts Schlimmeres passiert war. Stuggs hatte sich zusammen mit dem Caro aus dem ganzen Zauber heraus gehalten, der Rabe hatte ihnen das dringend angeraten. Aber jetzt gesellten sie sich zu den anderen und unterstützten damit die Kinder allein durch ihre Anwesenheit. Alle standen sie da und wurden ganz ruhig.
Die Toten Kinder konnten diese enorme Belastung nur überstehen, da die Kinder von Maohadod ihnen Beistand leisteten. Gerade beim Leonhard konnte man das deutlich erkennen, zitterte er doch am ganzen Leibe, der nun mal aus vielen kleinen dünnen Ästchen bestand. An den Ort der Grauens zurückzukehren, in dem ihnen schreckliches Leid zugefügt worden war, ging fast über ihre Kräfte. Der Franz hatte als Erster verstanden, was seine eigentliche Aufgabe war. Also stand er ruhig und zuversichtlich an Leonhards Seite und half diesem dadurch, die Belastung zu ertragen. Bei der Tricksi stand die Eva und murmelte bairische Flüche in einer Endlosreihe vor sich hin. Und auch wenn das Mädchen mit dem blutigen Nachthemd und dem Messer in der Hand immer so tat, als hätte sie vor nichts und niemandem Angst, war sie doch insgeheim schrecklich froh, dieses wütende, Stärke ausstrahlende Mädchen neben sich zu wissen. Dem Paul-Ernst, der doch erst seit kurzem zum Dorf gefunden hatte und der gerade damit begann, sich von seinen Schrecken zu erholen, war die sanfte Maria eine große Hilfe. Nur durch ihre selbstsichere Art schaffte es Paul, dem Schwarzen Engel in die Augen zu blicken. Beim Steindl wars eher umgekehrt. Er war furchtlos und darum hatte er als Begleiter den Siegfried bekommen, damit ihn der ein wenig ausbremsen konnte. Der sonst so souverän wirkende Sebastian war von sich selber überrascht, wie sehr ihn die Nähe zur Burg zu schaffen machte. Die Feuermagierin half ihm, bei sich zu bleiben und in ihrer heute leuchtenden Nähe verspürte er die Kälte nicht, die der Baron ausstrahlte. Bei Quirin und Theresa schien es eher eine Art Synergie zu ergeben, was ihrer beider Ideenreichtum und Unbekümmertheit anbetraf. Sie schickten kleine Wortspielereien hin und her und konnten damit den Ernst der Lage für sich entschärfen. Der kleinen Ernestine war mit dem Nik sehr geholfen. Sie fühlte sich in seiner Nähe absolut sicher. Sie wusste instinktiv, dass dieser Bub ihr niemals absichtlich weh tun würde und darum konnte sie mithelfen bei der für alle so schweren Aufgabe, dem Baron die Stirn zu bieten. Gemeinsam blickten sie dem Baron in die Augen. Lange standen sie da und nichts geschah, bis plötzlich mit einem gewaltigen Donnerschlag die Erde erbebte und alles verschwand.
Verblüfft standen die einen jetzt unter der Amerikanischen Weißeiche wieder, die Toten Kinder waren wieder sicher in ihrem Tal und der Herr Baron nahm wütend seine Tochter bei der Hand und verschwand in der etwas ramponierten Burg.
„Himmel, is des spät. Gut hamma des gmacht. Freunde, was ist mit euch? Also, ich für meinen Teil brauch mindestens eine Sachertorte. Mit Schlagrahm. Viel Schlagrahm. Außerdem ist so einiges zu besprechen, scheint mir“, erklärte resolut Cilli und marschierte einfach los. Zuviel Emotionen machten sie immer hungrig. Und was beruhigt besser als eine wohldosierte Portion Kuchen mit himmlischem Kaffee?
„Du hast vielleicht Nerven!“, rief Dorothea aufgebracht. „Wie kannst du nur so schnell umschalten?“ Ein wenig schmerzverzerrt humpelte sie ihrer Freundin nach.
„Dorothea, wart, ich mag mir erst deine Verletzungen anschaun“, versuchte die Engel Magda sie auszubremsen, aber ohne Erfolg. Dickkopf Dohrle halt.
„Alle ins Café, wir müssen tatsächlich einiges erklären, glaub ich“, meinte Carola ungewohnt kleinlaut und scheuchte die ganze Bande vor sich her. Sie kamen nicht besonders weit. Denn zwischen den beiden Angeberbauten der Sylvynnya und der Familie Schur stand nun ein wunderschönes, schmuckes Häuschen, ganz in Blau. Von vielen freiwilligen Leuchtkugerln erhellt, erstrahlte das Penzkoferhaus in neuem Glanze und da das Resederl am Umwandlungszauber nicht ganz unbeteiligt gewesen war, glitzerte es zusätzlich. Das Gebäude wurde gebührend bewundert und manch mutiger Dorfbewohner versuchte einen Blick ins Interieur zu erhaschen, wurde aber von feschen Vorhängen daran gehindert. Etwas indigniert ging Dorotheas Blick zwischen der Monstrosität namens Wirtshaus und dem Glitzerhaus hin und her. „Unser Dorf muss schöner werden“, murmelte sie und bekam einen ihrer bekannten Lachanfälle. Trotz aller Blessuren fand sie die Ironie des Textes umwerfend und kam absolut gut gelaunt im Café an.
„Na sixt!“, rief Bertl glücklich, „da hat sich der ganze Aufwand doch gelohnt.“ Um einiges zufriedener hakte er sich bei seiner klugen Frau unter und marschierte entschlossen den anderen hinterdrein zum Wintercafé.
Stuggi wanderte mit dem Blaschinko erst einmal heim, dort wurde endlich abgeschirrt und durfte eine Sonderration ‚Futter für besonders tapfere Ochsen‘ genießen. Das Leiterwagerl blieb derweil im Innenhof stehen, die Kinder konnten ja ihre Sachen später abholen.
Denn auch wenns schon recht spät war, ans Schlafen wollte jetzt keiner denken. Schnell eilte Blaschinko ins Café zurück und setzte sich zu seiner Dohrle, die sich inzwischen etwas beruhigt hatte, aber immer noch heftig schimpfte. Er kam gerade rechtzeitig, um sie bei ihrer Strafpredigt zu unterbrechen. „Dohrle, lass gut sein, es ist doch alles gut ausgegangen. Komm, lass dir noch einen Kuchen bringen. Ich bin mir sicher, die Carola hat wieder was ganz besonders Gutes gezaubert.“
„Blasius! Unterbrich mich nicht, ich war grad so schön in Fahrt!“, rügte sie ihn und wehrte sich gegen seinen Versuch, sie zum Hinsetzen zu bewegen.
„Kann man wohl sagen“, stimmte ihr Carola zu, die ihren Mann beneidete, der die Flucht in die Backstube angetreten war. „Sie schimpft in einer Tour. Aber warum wir den Kindern geholfen haben, des fragts ned.“ Ein wenig verstimmt dirigierte Carola ihre kleinen Kugeln, die eifrig an die einzelnen Tische sausten, um die jeweilige Bestellung aufzunehmen. Der Rest vom Dorf war inzwischen auch eingetrudelt, alle wollten wissen, was genau passiert war. Nur für den Huber Bauern und seine Schwester hörte sich das Ganze mehr wie ein Theaterstück an. So recht verstehen konnten sie die Geschehnisse nicht.
„Na gut, nachad erzähl halt“, meinte Dohrle grantig und attackierte beinahe schon wütend ihren Guglhupf.
Zufrieden lehnte sich Carola zurück. „Weißt, ihr wärds da einfach so ohne weiteres“ – eigentlich wollte sie sagen, ohne Sinn und Verstand, aber dafür war sie viel zu gut gelaunt – „losgezogen. Die Kinder haben das gewusst und instinktiv gespürt, dass es ohne sie nicht geht. Und weil mir nichts entgeht, was mein Marillchen so treibt“, hier musste sie unterbrechen, um einen Schluck heißer Schokolade zu sich zu nehmen, „oh, heiß – moment, hab ich zu meinem Bertl gesagt, da müss ma mit, des is sonst zu gefährlich.“ Ohne Vorwarnung hob sie ihre weit tragende Stimme und brüllte in Richtung Backstube: „Gell, Bertl, hab ich doch?!“ Das Café und seine späten Gäste stöhnten auf. „Ja, und weil ich meine Tochter kenne und weiß, wenn die mal was unbedingt machen will, dann kann sie nichts und niemand davon abhalten, haben wir von Anfang an mit geplant. Außerdem waren ja Caro und Resederl als Berater dabei.“ Zufrieden nahm sie einen weiteren Schluck Kakao und entspannte sich.
Der Zauber vom Guglhupf tat seine Wirkung. Dohrle winkte einfach nur ab und konzentrierte sich auf die notwendige Energiezufuhr.
„Aber toll wars schon, wie die ganzen Kinder zusammen geholfen haben“, meinte Jean, der ein wenig Mitleid mit seiner Tochter hatte, die sich immer noch in eisiges Schweigen hüllte. Auch wenns ihr unwahrscheinlich schwer fiel.
„Balthasar hat mir erklärt“, begann Moritz, der sich die soeben erlebte Szene immer wieder durch den Kopf gehen ließ, „er hat gemeint, dass das mit den Synergien zu tun hat und dass das ein Zauber ist, der mich ausmacht.“
„Da hat der Bub schon recht“, erklärte die Luft über ihnen und ein Rabe wurde sichtbar. Da er mit Kuchen weniger an der Feder hatte, wurde ihm von Katharinas Mama, der Susanne, schnell etwas Nicht-Vegetarisches aus der Metzgerei herbeigezaubert. „Wenn euer Moritz sich konzentriert, dann arbeiten bestimmte Zaubereien in einer besonderen Harmonie zusammen. Darum hat das am Ende auch so gut funktioniert. Mein Schüler halt.“ Moritz hatte den Anstand etwas verlegen zu wirken, aber insgeheim freute er sich riesig über das Lob.
„Trotzdem wärs besser gewesen, wir hätten das von Anfang an zusammen geplant“, murmelte Dorothea in ihre Kaffeetasse. Sie würde die ganze Nacht nicht schlafen können, aber ein Guglhupf ohne Kaffee in einem Café, das geht nun mal gar nicht.
„Ja glaubst denn du im Ernst, du hättest des erlaubt?“,
fragte Carola und schaute sie sehr direkt an.
„Eher nicht“, musste Dorothea zugeben.
„Frau Watzlawik?“, meldete sich Eva von einem der kleinen Nebentische, die Zeichen ihrer Mutter elegant ignorierend. „Kann ich die Tricksi ...?“ Plötzlich verstummte sie und hob überrascht den Kopf.
„Welche Tricksi?“, reagierte Barbara prompt und hatte so etwas Gieriges im Blick. „Bernd, das hast du doch auch gehört?“ Ihr Gatte reagiert nicht, seine Frau dominierte ihn so sehr, dass er beinahe schon unsichtbar geworden war. Er war der Typ Mann, den man sofort vergaß, wenn er vorbeigegangen war. Seinen Kummer ertränkte auch er in illegalem Bier und in jeder Art von erreichbarer Süßigkeit. Warum er damals ausgerechnet diese Frau geehelicht hatte, wusste er heute nicht mehr.
Wahrscheinlich war seine Mutter daran schuld. Sie hatte ihn damals mehr oder minder energisch in diese Ehe geschubst. Über seine Mutter könnte man ein Buch schreiben. Aber Kuchen backen, das konnte sie. Kuchen waren eine wunderbare Erfindung der Menschheit. Darum fand ers ja auch im Café so schön. Seine vielen Pfunde betrachtete er als notwendige Schutzmauer gegenüber seiner schrecklichen Frau. Am liebsten war er hier oder in seiner kleinen Beamtenstube, in der er nichts anderes zu tun hatte, als haufenweise Aktenordner zu digitalisieren.
„Wieso?“, reagierte Eva etwas zeitverzögert. „Ich wollt sagen, kann ich den Trick sieben lernen. Wie man die Asche umwandelt.“ Ihre Mutter wirkte immer noch argwöhnisch, gab sich aber mit der Erklärung zufrieden.
Beinahe unbemerkt, verschwand eine von Evas größeren Straußenfedern und hinterließ ein besonders wohltuendes Gefühl auf ihrer Kopfhaut.
Plötzlich hörten manche ganz klar die Stimme vom Silk Dragon im Kopf: „Erzählt nichts von den Geisterkindern, geht nicht jeden was an.“
„Eva, kommst du mal?“, rief die Gretl hinüber, die zusammen mit Siegfried und Martin in ein leises, aber intensives Gespräch vertieft war.
Erstaunt setzte sich die Eva um und freute sich einfach, mit dabei sein zu dürfen.
„Warum musste denn die Asche umgedreht werden?“,
erkundigte sich nach einer kaum wahrnehmbaren Stille der Franz, der mit Schaudern daran dachte, wie sich die schwarzen Schlieren gegen sie gerichtet hatten. „Das Resederl hat furchtbar geschimpft und der Balthasar auch, wie der das Zeug gesehen hat.“
„Ich hab noch nicht einmal gewusst, dass es so etwas wie eine Asche des Todes überhaupt gibt“, tröstete Wilhelmine die anderen, weil die gar so schuldbewusst reagierten. „Du, Korbi?“ Ihr Angetrauter schüttelte nur sein Haupt und verzichtete heldenhaft auf jede Art von Süßigkeit. Ein leises Summen lenkte kurz die Aufmerksamkeit auf die Margarete, die aber gleich erschrocken verstummte, als sie die spöttisch hochgezogene Augenbraue ihres Vaters sah. „Daran hätt ich denken müssen“, meinte der Pfarrer Amsel etwas kleinlaut.
„Stimmt, aber des ist halt ein sehr altes Wissen“, bestätigte Blaschinko. Er gab der Magda ein Zeichen, sich unauffällig die Verletzungen der Dorothea anzuschaun und wenn möglich auch gleich zu heilen. Cilli, der wie immer nichts entging, konnte die beiden Damen überreden, sich dazu in die hinteren Räume der Backstube zu begeben und holte auch gleich die Maria mit dazu.
„Und die is immer des Eichkatzerl?“, fragte Eusebius schnell, kaum waren die vier außer Hörweite.
„Hast du des noch nicht gewusst? Schwache Leistung für eine Eule“, zog ihn Blasius auf und schob dem Caro einen Käsekuchen zu. Weil der gar so traurig schaute.
„Nik, was is mit deim Hund? Der mag keinen Käsekuchen nicht!“, rief Quirin, ders nicht fassen konnte, dass dieser Appenzeller das etwas angeschlazte Stück Kuchen auf den Boden legte und sich gleich mit dazu.
Besorgt eilten Nik, Katharina und Marille dazu und setzten sich zu ihm.
„Caro? Was is denn mit dir? Bist am End no krank?“, ganz sanft fragte die Katharina und Caro schwieg. Erst als sie anfing ihn behutsam hinterm Ohr zu kraulen, war er bereit zu antworten.
„Ich hab nix machen dürfen. Rein gar nix. Nur zuschaun. So als Hintergrundsfigur. Nur weil die gesagt haben, ich soll mich raushalten. Des war so gemein. Ich bin ein Schattenhund. Warum hast mich ned lassen, Balthasar?“
Anklagend richtete er seinen Blick auf den großen Raben, der soeben sein letztes Fleischstück verschlang.
„Weil des eine Sache der Kinder war. Weder ich noch des Resederl noch du hätten da was ausrichten können. Die Erwachsenen übrigens auch nicht unbedingt. Und noch dazu mit der puren Asche des Todes. Wie dumm kann man sein. Glaub mir, Schattenhund. Das da heute war etwas zwischen dem Baron und den Kindern. Mehr wirst von mir nicht erfahren. Ich bin dann eh weg. Benehmts euch!“
Balthasar erhob sich und verschwand von einer Sekunde auf die andere.
„Na schau“, tröstete Katharina den armen unverstandenen Schattenhund. „Und ich hab mich viel sicherer gefühlt, weil du dabei gewesen bist, weißt?“
„Ehrlich?“, fragte Caro nach und äugte zum einsamen Käsekuchen hinüber.
„Ich auch“, meinte Nik und schob den Kuchen rein zufällig in Richtung Hundeschnoffel.
„Geh, du alte Flauschikugel, ohne dich geht gar nix, des weißt doch“, ermunterte ihn Marille und freute sich, als der Kuchen endlich verspeist werden konnte.
„Das mit dem Umkehren der Todesasche war mir auch neu. Hab noch nie davon gehört, du, Erol?“, nahm Merylin den Faden wieder auf. Die anderen nickten, anscheinend hatte das keiner der Anwesenden gewusst.
Woher auch. Man hatte nun wirklich nicht allzu oft damit zu tun.
„Aber das steht doch in dem einen Buch“, meinte DaSchmied vorsichtig. Er war immer noch am Verarbeiten der unzähligen Eindrücke des heutigen Tages.
„In welchem Buch und warum sagst denn des erst jetzt?“,
erkundigte sich Frau Ran sanft.
„Na, in der Bibliothek da oben.“
„Was genau hast denn da gelesen, Joachim?“, hakte Dorothea nach und schaute schon wieder so komisch. Allerdings schien es ihr um einiges besser zu gehen, anscheinend hatten Magda und Maria ihr gut helfen können.
„Moment, ich habs gleich. ‚Asche des Todes kann man nur gegen den Verursacher verwenden, wenn man sie vorher in ihr Gegenteil verwandelt hat. Ansonsten besteht die Gefahr, dass sie sich gegen einen selbst wendet.‘ So stand da zu lesen. Ich versuch die wichtigen Sachen auswendig zu lernen, weil doch mit meinem Gedächtnis was ned stimmt.“
„Und warum sagst uns des ned früher?“ Irgendwie war die Stimme der Lehrerin schärfer geworden.
„Ja, es hat mich doch keiner gefragt und ich dachte, ihr kennt euch da aus“, verteidigte sich der Wanderer.
„Zwasch hab isch dir desch Busch hinglegt, dummer Bub, dummer“, hörte man das Resederl. Sehen konnte mans allerdings nicht. Dafür hätte Nik schwören können, dass sich gerade eine der Torten in der Auslage in Luft aufgelöst hatte.
Die kleine goldene Kugel über dem zugedeckten Brunnen begann leise zu schwingen und ein sehr klarer Ton breitete sich aus. Zeitgleich begann es zu regnen. Keine Schneeflocken, sondern ein sonderbarer Regen aus – Blütenblättern?
Verblüfft schauten alle automatisch zum Brunnen. Bis jetzt hatten alle den glitzernden Ball für eine reine Dekoration gehalten und ihm daher wenig Beachtung geschenkt. Aber anscheinend hatte der noch eine andere Bedeutung.
„Carola, weiß du, was des heißt? Ist ja schließlich dein Brunnen“, fragte die gruselige Blumschein Claire vom Nachbartisch. Sie war heut dazu gekommen, zusammen mit ihrem Mann, dem Friedrich, in der Hoffnung mehr über den Boandlwald herauszufinden. Während sie wie das blühende Leben wirkte, schien ihr Mann nur mehr wie ein Schatten seiner selbst. Er murmelte irgendetwas Unverständliches vor sich hin und begann plötzlich eifrig verschiedene Kuchenstücke in ein seltsames Muster zu verwandeln. Seine Bewegungen waren zerfahren und hektisch.
„Keine Ahnung. Der Brunnen samt Kugel ist von selber entstanden. Hat nix mit uns zu tun. Gell Bertl?“ Letzteres brüllte sie in Richtung Backstube, ihr war grad danach.
„Quirin? Was hast du vor?“, fragte Moritz besorgt, denn sein Freund schien wie ferngesteuert in Richtung Brunnen unterwegs.
„Frag nicht, ich muss da hin.“
„Frau Watzlawik?“, rief Nik besorgt, irgendwie hatte er plötzlich ein ganz ungutes Gefühl.
Dorothea reagierte sofort und stellte sich einfach dem Quirin in den Weg. „Da bleibst, Bub, für heut ist wirklich genug passiert. Jetzt wird entspannt.“ Überrascht hielt sie inne und schien in sich selbst hinein zu horchen. „Ach du Schande“, hörte man sie murmeln. Verwundert drehte sie sich zur nun aufmerksam lauschenden Zuschauerschar.
„Der muss tatsächlich dahin. Nik, Marille, Moritz und Caro? Ihr vier sollt ihn begleiten.“
„Sagt wer?“, fragte Carola, die für heute langsam genug von jeglicher Art von Abenteuern hatte.
„Der Silberdrachen“, murmelte Dorothea beinahe schon automatisch.
Inzwischen hatte Quirin seine Lehrerin umrundet und stand vor dem zugedeckten Brunnen. Er schien auf etwas zu warten. Als aber zunächst nichts geschah, drehte er sich um und winkte seinen Freunden. Das alte Kleeblatt aus Maohadod, einschließlich einem Schattenhund sollte anscheinend mit zur goldenen Kugel kommen. Nik erhob sich als Erster und gesellte sich zu ihm. Dank seiner Superkräfte wars ihm ein Leichtes, die schwere Brunnenabdeckung wegzuschieben. Moritz kam dazu, er liebte Abenteuer und neue Welten. Was keiner wusste, war, dass er dabei durchaus eine gehörige Portion Angst verspürte, dies aber eher als Herausforderung an seinen Geist verstand. Zu guter Letzt kam die Marille zusammen mit dem Caro hinzu. Sie hatte noch klugerweise ein wenig Proviant eingepackt. Zusammen blickten sie in den Brunnenschacht hinein und erkannten eine Wendeltreppe, die in eine schier endlose Tiefe führte.
„Hat wer eine Taschenlampe?“, fragte Nik, dem dieser ihn fast magisch anziehende Schacht so gar nicht gefallen wollte.
„Moment, Kinder, so geht des aber nicht“, bremste Dorothea den Tatendrang der Jugend etwas aus. „Quirin, ich sag deinen Eltern Bescheid. Die machen sich sonst Sorgen.“
„Eltern? Was für Eltern. Ach, DIE Eltern. Die machen sich keine Sorgen. Also selten. Fast gar nicht. Aber wenn Sie unbedingt meinen, bitteschön. Sagen Sie dene, dass all meine Sachen der Jacherl kriegt. Ich mein, falls ich nicht wiederkomme. Weiß man ja nie. Können wir jetzt endlich los? Mich ziehts da hinunter, warum auch immer.“
„Was krieg ich?“, verwirrt blickte Joachim auf, er verstand nicht so recht, was der Quirin da von sich gab.
„Nix, sei stad“, wies ihn die Blumschein Claire zurecht und blickte kalt in seine Richtung. „Friedrich, hör auf damit!“, zischte sie gleich darauf zu ihrem Mann, der inzwischen versuchte, mit einer Kuchengabel hübsche symmetrische Muster in das geduldige Tischtuch zu piksen.
„Ludwig, dummer Bub, setz dich wieder her. Was willst denn da!“, konnte man plötzlich den Erich vernehmen. Dadurch aufmerksam geworden, schauten sofort alle automatisch zum Ludwig, der sich ganz weit über den Brunnenrand beugte und zu lauschen schien. „Tante Cilli? Können Sie das auch hören?“
Cecilia eilte zu ihrem Schützling, konzentrierte sich kurz und jetzt war es für alle wahrnehmbar. Ein seltsame Melodie schwebte aus den Tiefen des Brunnens herauf. Sehnsucht gewürzt mit einer starken Prise Schabernack. „Interessant“, murmelte Cilli und setzte sich wieder, um die nächste Torte professionell in Angriff zu nehmen.
„Na, Hauptsach der Anna ihra Heisl steht wieder da, a wenns mir a weng arg glitzert“, meinte der Hartl Anton und tätschelte seiner Antonia die Hand, was diese sichtlich genoss. Die Musik zerplatzte wie eine schillernde Seifenblase und der Alois zog seinen Kopf etwas ein. Er fand seine Eltern einfach nur peinlich.
„Wo sind die eigentlich, die Penzkofers?“, misstönte die schneidende Stimme der Milan.
„Sagen Sie mir lieber, warum Sie auf die Silvia nicht aufgepasst haben“, rief Dohrle zurück, die die beiden nun mal auf den Tod nicht ausstehen konnte.
„Das geht Sie gar nichts an!“, keifte Milan sofort los.
„Alles in Absprache mit dem Baron“, erwiderte Alfons gleichzeitig.
„Warum erzählst denn des, des braucht keiner zu wissen“, fuhr sie ihren Mann an.
„Wenn oaner sMei haltn soiad, nachad gwieß du!“,
schimpfte der sofort zurück. Das Café lauschte ergriffen. DaSchmied allerdings wirkte etwas ratlos. Er würde diese Sprache nie verstehen.
„Das würde uns schon auch interessieren“, rief Mechthild hinüber und ihr Mann, der Marinus nickte zustimmend.
Auf einen Wink seiner Eltern erhob sich Martin und fragte mit eigenartig betonter Stimme, ob wer wüsste, wo die Anna mit der Doris denn nun sei. Da die Tante Cilli aber gleichzeitig einen kleinen Gegenzauber wirkte, verpuffte dieser Betörungsversuch wirkungslos. Martin zuckte mit den Schultern und vertiefte sich wieder ins Gespräch mit seinen Freunden.
„Dorothea? Wo ist mein Bub?“ Eine etwas aufgebracht wirkende Irmengard eilte herbei. „Grad will ich meinen Sohn ins Bett bringen und dann ist der gar nicht da.
Niemand ist da, ned amal eine Katz. Dafür ist das ganze Dorf im Café. Um diese Uhrzeit! Blaschinko? Was ist hier los?“ Dorothea geflissentlich übersehend, baute sich Irmengard vor dem verdutzten Blasius auf.
„Dein Sohn steht am Brunnen“, erklärte er genervt und deutete hinter sich. Nur dass der schon verschwunden war.
Unbemerkt von allen hatten die Kinder samt Caro die Reise in den Untergrund bereits begonnen.
Noch bevor sich jemand unnötig Gedanken machen konnte, hatte sich die goldene Kugel aus ihrer magischen Halterung gelöst und schwebte nun allen voran in die Tiefen des Brunnens. Ohne auch nur im Geringsten zu zögern, war Quirin hinterdrein geklettert. Eine schmale Wendeltreppe machte es ihm und seinen Freunden leicht, weiter zu gehen, sofern man schwindelfrei war. Was ja keine Selbstverständlichkeit ist. Für Caro allerdings war das nichts. Er schaute sich das Ganze an und verschwand mit einem eleganten Satz wieder nach oben.
„Nik, des schaffst schon ohne mich. Ich bin zu groß für die kleine Treppe da und klein machen mag ich mich heut nicht.“ Dass dies eventuell an zu viel Käsekuchen liegen könnte, verschwieg er lieber. Nik seufzte.
Schon nach zwei Umrundungen konnten sie ein klägliches Maunzen vernehmen, das eindeutig aus Quirins Kapuzenjacke kam.
„Oh nein, sag bloß, du hast sie mitgenommen“, stöhnte Marille. Ein zweites, noch viel lauteres Jammern ließ sie kurz innehalten. Sie blieben auf den Treppenstufen stehen und warteten, bis Quirin die kleine Katze aus seiner Kapuze geangelt hatte. Zum Dank haute sie ihre Krallen in ihn hinein. Festhalten hieß die oberste Devise.
„Balance? Was machst du denn da. Komm, geh wieder nauf, des is nix für dich“, tröstete Quirin die kleine Wetterkatze und wollte sie wieder hinauf tragen. Um an den anderen vorbeizugehen, war die Treppe zu schmal.
Auch der Versuch, Balance einfach weiterzureichen scheiterte an einem herzzerreißenden Miauen. Zu allem Überfluss glitt die schwere Steinplatte über ihnen mit einem hörbaren Rums wieder an ihre alte Stelle.
„Na, super. Balli, des hilft jetzt alles nix, jetzt musst mit uns mit. Aber tu uns allen einen riesen Gefallen. Mach die Augen zu und sei bitte bitte still. Wir müssen uns hier konzentrieren.“ Behutsam setzte er die kleine Katze wieder in seiner Kapuze und stieg entschlossen weiter nach unten, der kleinen goldenen Kugel hinterdrein, die brav gewartet hatte. Ihr goldener Schimmer tauchte die uralten Wände in ein warmes Licht und verbreitete sogar etwas Zuversicht. Es roch ein bisschen modrig, aber das störte keinen. Ein paar Meter weiter unten, Marille taten so langsam die Füße weh, öffnete sich ein hoher runder Seitengang. Die Kugel schwebte dort hinein und durchaus erleichtert eilten sie ihr nach.
„Kinder, was seidsn gar so stad“, unterbrach Quirin die ihn belastende Stille und kniete sich nieder, um den Boden zu untersuchen.
„Da brauchst gar ned nachschaun“, erklärte Moritz. „Des is alles aus Stein. Schau mal.“ Er hatte sein Smarty dabei und mithilfe einer mApp, einer magischen App, konnte er das Material um sie herum untersuchen. Der ganze Gang bestand aus uralten Steinquadern, die perfekt aneinander gefügt worden waren. Er war groß genug, dass auch Erwachsene bequem darin aufrecht gehen konnten. Sogar das nicht ganz schlanke Resederl hätte hindurch gepasst.
„Ab wann darf man ein Picknick machen?“, erkundigte sich Marille hoffnungsvoll, erntete aber nur erstaunte Blicke. „Ich frag doch bloß. Kunstbanausen. Ein Picknick kann man überall machen. Aber es macht viel mehr Spaß, wenns an ungewöhnlichen Orten stattfindet“, belehrte sie ihre Freunde. „Habts Lust? Wir könnten mal mit dem Zug nach München fahren und im Zug eins machen.“ Leider schien sie die Einzige zu sein, die sich für dieses Thema zu interessieren schien. Missmutig stapfte sie weiter.
Auch hier endete der Weg bereits nach ein paar Minuten.
Er mündete in einer großen Rotunde, von der mehrere Gänge abzweigten. Gleich der nächste auf der linken Seite schien der richtige zu sein, denn in dem verschwand die Kugel und da die Kinder nicht im Dunkeln bleiben wollten, eilten sie ihr nach. Wieder dauerte es nicht lange und das Licht blieb leise vibrierend in der Luft stehen. Es schien auf etwas zu warten.
„Und jetzt?“, fragte Nik und versuchte, irgendetwas in dem vor ihnen liegenden Gang zu erkennen, allerdings ergebnislos.
„Tja.“, kommentierte Quirin überraschend kurz angebunden.
„Picknick?“
„Du, Kugel? Wie gehts weiter?“, versuchte es Moritz.
Aber keine Reaktion.
„Wohin ziehts dich denn, Quirl?“, piepste es aus der Kapuze.
Mit geschlossenen Augen versuchte Quirin diese Frage zu beantworten und erklärte verblüfft: „nach unten.“
Mit einem erschrockenen Quietschen – er konnte nur hoffen, dass das niemand gehört hatte – hupfte Nik ein Stück nach hinten, denn gerade in diesem Moment öffnete sich unter ihren Füßen eine Art Falltür. Nur dank dem Quirin seiner enormen Geschwindigkeit konnte verhindert werden, dass eines der Kinder hinunter fiel.
„Jetzt is mir schlecht“, verkündete Balance und begann zu würgen. Marille beruhigte sie, liebe Worte murmelnd. Das Wort ‚Flauschikugel‘ konnte Nik deutlich heraushören.
„Himmel, das war knapp. Danke Quirl“, meinte Moritz und schaute gespannt in das dunkle Loch unter ihnen.
„Du hast mich geschubst!“, beschwerte sich Marille, so der Form halber.
Mit einem deutlich hörbaren Wusch sauste ihre Laterne in die Öffnung hinein und beleuchtete den Raum unter ihnen.
Nur, dass das kein Raum war. Es handelte sich sichtlich um einen unterirdischen Fluss aus kristallklarem Wasser.
Noch während sie versuchten, mehr davon zu erkennen, löste sich aus der halbrunden Decke eine seltsame Schale, die aller Logik zum Trotz nicht mit dem Strom davon brauste, sondern auf sie zu warten schien.
„Oh, nein. Mich kriegt ihr da nicht rein“, stöhnte Marille, die als Erste verstand, was da auf sie zukam.
„Schifferlfahren?“, fragte Quirin und turnte geschickt hinunter. Die kleine Nussschale war groß genug, um für alle reichlich Platz zu bieten. „Jetzt kommts schon, a bissl mehr Optimismus da oben. Was anderes bleibt euch eh ned über. Oder wollts in der Dunkelheit wieder den ganzen Weg zurück gehen?“
„Warum immer ich“, hörte man den Nik murmeln, der sich als Nächster bereit machte, da hinein zu klettern.
„Jetzt komm halt, Marille. Schau, ich lass dir den Vortritt und helf dir.“ Erst als Balance sie anflehte, doch bitte gleich zu ihr zu kommen, weils ohne Marille halt ned geht, wenn man eine Katze ist, gab sie sich einen Ruck und ließ sich ins Boot helfen. Moritz kraxelte ihr gleich hinterher und schon hörten sie, wie sich die Falltür wieder verschloss.
„Na dann los!“, rief Quirin und wieder tat sich erst einmal nichts. Der Fluss bewegte sich relativ träge flussaufwärts, also entgegen jede Logik, aber das Licht wanderte ein wenig nach unten. Und wie aus dem Nichts polterten lange hölzerne Riesenlöffel auf die überraschten Kinder herunter.
„Oh, ich würde sagen, das bedeutet, wir müssen rudern“, erklärte Moritz, nachdem er dieses unverhoffte Überraschungsgeschenk genauer untersucht hatte.
„Nik, für dich“, kommentierte Marille zufrieden und lehnte sich entspannt zurück. Ist schon recht praktisch, wenn man einen Freund mit Superkräften hat.
Brav ergriff Pumpernikl die Ruder und legte los. Jetzt machte es sich bezahlt, dass sein Papa, der verkappte Seeräuber, ihm schon sehr früh rudern und segeln beigebracht hatte. Verbunden mit seiner magischen Kraft musste er sich kaum anstrengen, das Boot gegen die Strömung vorwärts zu bringen. Genauer gesagt, vorwärts abwärts. Es irritierte alle enorm, dass das nun blau schimmernde Wasser bergauf floss. Man konnte immer nur ein paar Meter weit sehen, die goldene Kugel hatte es sich inzwischen auf dem Bug bequem gemacht. Langsam ging es voran. Sehr langsam.
„Täusch ich mich, oder wird der Fluss da vorn ein wenig schmaler?“, fragte Moritz ein paar Minuten (?) später. Die ließ sich erstaunlich schwer einschätzen. Er klang ein wenig nervös, fand Nik.
„Keine Ahnung“, meinte Marille. „Ich hab mir überlegt, obs hier eine Insel geben könnt. Wär halt ideal fürs Picknick.“
„Wie spät ist es denn?“, wollte Moritz wissen, dem sein Smarty anscheinend auch Schwierigkeiten hatte, hier unten die korrekte Zeit anzuzeigen.
„Habts ihr schon was zum Essen für mich eingepackt?“,
maunzte es aus einer Kapuze heraus.
„Es wird enger, Moritz. Du hast schon recht“, erklärte Nik. „Vorher konnte man die Wände nicht sehen, jetzt aber schon.“
Die gerade beginnen wollenden Gespräche kamen abrupt zum Stillstand.
Stoisch ruderte Nik weiter. Der Fluss wurde schmaler.
Sehr langsam zwar, aber nun eindeutig für jeden wahrnehmbar.
„Aber die Luft ist gut. Das Wasser riecht so gut, wie des von daheim“, verkündete Moritz und tauchte probeweise eine Hand in die kühle, blaue Flüssigkeit und begann, vorsichtig zu kosten. „Hey, probierts mal! Es schmeckt sogar nach daheim!“
Etwas zögerlich folgten die Freunde seinem Beispiel und waren überrascht, wie erfrischend dieses Wasser war. Und die Wände rückten noch ein wenig näher.
Aus dem breiten Fluss war inzwischen ein kleines Bächlein geworden und wer wollte, konnte die Wände zu beiden Seiten berühren. Ein Rudern war aus Platzmangel nun auch nicht mehr möglich. Das seltsame Floß, blieb einfach stehen und es blieb den Kindern nichts anders übrig, als auszusteigen und durch das nur mehr knietiefe Wasser zu waten. Leider war nun ein aufrechtes Gehen etwas erschwert geworden. Da aber die kleine, goldene Lichtkugel weiter wanderte und niemand in der Dunkelheit bleiben wollte, gingen sie etwas gebückt tapfer hinterdrein.
„Na, wenigstns hamma noch ein Licht“, murmelte Moritz und prompt verschwand die goldene Kugel.
„Danke, Moritz“, zischte Marille wütend, um gleich darauf zu kreischen. „Was zur Hölle, ist das?!“
„Spinnweben?“, schlug Quirin freundlich vor und tastete vorsichtig nach oben.
„Des kriegst zruck, sollt ich hier jemals wieder lebend heraus kommen“, zischte Marille wütend. Mit ekligen Spinnweben wollte sie auf gar keinen Fall in Berührung kommen.
„Moment, hamma gleich!“, rief Moritz und versuchte die Taschenlampenfunktion seines Smarties zu aktivieren. Mit einem spürbaren Windstoß wurde ihm sein geliebtes Spielzeug aus der Hand gefegt und weg wars.
„Hey, ich habs, haltet euch einfach an diesen komischen Schnüren fest“, ertönte nun Quirins Stimme von etwas weiter oben.
„Ich denk gar nicht dran!“, rief Marille empört und musste zu ihrem Entsetzen feststellen, dass sich dieses Ding einfach um ihre Hüfte wand und sofort damit begann, sie nach oben zu ziehen. Sie war nicht die Einzige, die erschrocken aufschrie.
„Hey, jetzt seids amal tiefenentspannt. Tut doch gar ned weh!“, rief Quirin zu ihnen fröhlich herüber und stieß sich in dem Moment den Kopf heftig an. „Für was war das denn?“, beschwerte er sich automatisch und erntete ein etwas kleinlautes: “Entschuldigung.“ Von wem das kam, wusste niemand.
Und endlich konnten sie wieder etwas sehen.
Grau in grau und in düsterem Nebel verhangen tat sich eine neue Landschaft auf. Sie befanden sich urplötzlich in einem wie verstorben wirkenden Wald. Hinter einem verdorrten, jungen Baum saß etwas. Bedrohlich, finster und unnahbar. Bei genauerem Hinschauen konnte man erkennen, dass dieses Wesen, oder lieber doch Unwesen, auf einem halb vermoderten Baumstumpf saß. Sie wirkte wie eine uralte Frau, wenn sie denn etwas Menschliches war. Die Kinder waren sich da nicht so sicher. Sie starrte sie boshaft an und sagte kein Wort.
„Du bist schuld“, entfuhr es Marille, die sich hier so gar nicht wohl fühlte.
„Wieso ich? Was hab ich denn diesmal getan?“, erstaunt drehte sich Quirin zu ihr um.
„Weil wir immer wegen dir in so ungute Situationen kommen“, giftete sie ihn an. „Des war schon immer so.
Daheim auf Maohadod. Weil du immer so Ideen hast und nie werd ich gefragt, ob ich überhaupt mitmachen mag. Jedes Mal fall ich drauf rein.“
„Himmel, jetzt benehmts euch“, unterbrach Moritz die beiden. Er hatte in einem kleinen Moosnest etwas entdeckt. Was es war, wusste er nicht, aber irgendwie schien es wichtig zu sein.
„Is doch wahr. Wegen dir sind wir jetzt hier in diesem schaurigen Wald bei dieser, was auch immer das ist.“ Die letzten Worte flüsterte sie lieber. Sicherheitshalber.
„Seids stad, des bringt doch jetzt nix“, unterbrach Nik die Schimpferei.
Das menschenähnliche Wesen oder eben Unwesen bückte sich langsam und hob eine hässliche Kröte aus dem kleinen Nest. Die Kinder nicht aus den Augen lassend, legte sie das Ding in ihren Schoß und begann es sacht zu wiegen. Die spinnwebenartigen Seile lösten sich und zerfielen zu Staub. Erst jetzt wurde es den Kindern bewusst, dass sie damit über eine Öffnung nach oben gezogen worden waren, direkt hierher in diesen Düsterwald.
Beherzt machte Quirin einen Schritt nach vorn und verbeugte sich höflich.
„Verehrteste, wer auch immer ihr seid, ich grüße euch.“
Gespannt wartete er auf eine Reaktion, bekam aber keine. „Lass mich mal“, piepste Balance und ließ sich vom Buben aus der Kapuze heraushelfen. Er setzte sie behutsam auf den verrotteten Waldboden und schaute mit gemischten Gefühlen dabei zu, wie sich seine Wetterkatze ungeniert der gruseligen Gestalt näherte.
„Warum machstn des?“, fragte Balli und hupfte in den nun leeren Mooskorb hinein. „Des sind fei meine Freind, da musst ned so rumzaubern. Am End ham de no Angst vor dir.“
„Soso, die Balance. Dich hab ich ja schon länger nicht mehr gesehen. Ghört der Bub da zu dir? Na, dann will ich mal hoffen, dass auf deine Menschenkenntnis noch Verlass ist.“ Und zur grenzenlosen Verblüffung der kleinen Katze wurde sie plötzlich nach oben geschwebt, wobei schon wenigste Meter ausreichten, um sie wild kreischen zu lassen. Es waren nicht einmal zwei Meter, aber wenn man halt nicht schwindelfrei ist und eine solche Höhenangst hat und eine Balance ist, dann ist das schon recht gemein.
Quirin reagierte als Erster. Er stürmte nach vorn und versuchte, seine arme Katze aus der Luft zu pflücken, was ihm aber nicht gelang. Das hässliche Etwas sorgte dafür, dass seine Balli immer ein wenig außer Reichweite blieb und weiter verzweifelt schrie. Sein Freund Moritz versuchte inzwischen das Monstrum selbst zu attackieren, indem er es, geschützt durch einen Unsichtbarkeitszauber, von allen Seiten immer wieder angriff. Nik wünschte so sehr, er wäre woanders, aber es half ja alles nichts, er musste seinen Freunden helfen. In der Not nahm er alles, was er erwischen konnte und bewarf das Ungeheuer, wobei er leider auch ab und zu den Moritz traf, so dass dieser manchmal ein wenig sichtbar wurde. Die Katzenmagierin hatte sich das Ganze erst einmal in Ruhe angeschaut. Da sie Katzen wirklich liebte, wurde sie sehr, sehr wütend. Und wenn eine Marille wirklich wirklich zornig wird, dann hat man schon ein wenig Mitleid mit dem potentiellen Opfer, auch wenns ein gruseliges Monster ist. Mit der ihr ganz eigenen Kampfmelodie auf den Lippen begab sie sich auf den Kriegspfad, wie ihre Freunde das gerne nannten. Wie ein kleiner tasmanischer Waldteufel tanzte sie geschickt auf die etwas verblüffte Scheußlichkeit zu und trat, boxte, schlug auf sie ein, ohne Rücksicht auf Verluste. Diese allerdings fing einfach an zu lachen und ließ die arme Balance wieder zu Boden schweben.
Gelassen hob das Wesen nun seine Hand und alles begann sich zu verwandeln. Die Kinder kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Wo gerade eben noch Düsterheit geherrscht hatte, lag nun eine wunderschöne Lichtung vor ihnen. Ein bunter Herbstwald lud zum Verweilen ein und hinter einem kleinen, mit rotem Herbstlaub geschmückten Baum ruhte eine Elfenkönigin. Denn um eine solche handelte es sich hier.
„Kinder, bitte hörts auf, es ist alles gut. Was seid ihr doch für eine tapfere Bande. Ich war gut beraten, mich an euch zu wenden.“ Ein wenig misstrauisch zogen sie sich zurück und warteten erst mal ab, was als Nächstes passieren würde. Quirin sammelte seine arme Balli wieder ein und tröstete sie.
„Des war sowas von gemein!“, rief diese empört und hätte so gern der da eine verpasst, aber eine Elfenkönigin haut man nicht ungestraft. Leider.
„Das mag schon sein, aber es war für mich die einzige Möglichkeit, den Mut deiner Freunde zu testen“, erklärte die Elfenkönigin gelassen.
„Und zwecks was muss man unsereiner denn testen, Verehrteste? Wenn Sie wirklich eine Elfenkönigin sind, dann wissen Sie doch auch, wer ich bin. Mich muss man doch nicht testen!“ Irgendwie war Quirin ein wenig gekränkt.
„Doch, mein tapferer Quirin, in diesem Fall schon. Es geht um euch vier. Ich brauch eure Hilfe und ich muss mich zu hundert Prozent auf euch verlassen können. Gerade im Hinblick auf manch neugierige Eltern und damit mein ich hauptsächlich deine.“
Die kleine Kröte in ihrem Schoß hatte sich auch verwandelt und nun konnte man ein allerliebstes kleines Elfenbaby erkennen, das den ganzen Tumult selig schlafend überstanden hatte. Gerade eben öffnete es ein wenig die Augen und strahlte seine Mama an. „Es geht um meine Tochter, Kinder. Sie ist auf Maohadod nicht mehr sicher. Ich hab euch hierher geholt, weil ich zuverlässige Beschützer suche. Quirin, du wirst hier in diesem Dorf eines deiner wunderbaren Blumenhäuser errichten. Ich helf dir dabei. Davon darf niemand etwas wissen. Nur ganz ausgewählte, zuverlässige Freunde. Da wird meine Tochter in Ruhe aufwachsen können, bis sie groß genug ist, sich selber zu schützen.“
Neugierig drehte die Kleine ihren Kopf und schaute sich die vier Kinder genauer an. Feenaugen sind etwas ganz besonderes. Moment. Müssten das nicht eigentlich Elfenaugen sein? Quirin war irritiert. Der Elfenkönigin war seine Reaktion nicht entgangen.
„Das siehst du schon richtig. Meine Tochter ist halb Fee, halb Elfe. Der Papa war eine männliche Fee. Sehr selten übrigens. Und da meine Kleine so etwas Besonderes und Außergewöhnliches ist, ist sie eben auch in Gefahr, von den falschen Leuten gefunden zu werden. Deine Mama ist viel zu sehr Wissenschaftler, als dass sie sich diese Gelegenheit entgehen lassen würde. Darum brauch ich einen absolut sicheren Ort, an dem sie in Ruhe aufwachsen kann. Versteht ihr?“
„Hast du deshalb die Balance geärgert? Um zu sehen, ob wir sie verteidigen?“, fragte Moritz, der es schon recht fies fand, so gelinkt zu werden.
„Ganz genau. Es tut mir leid, aber es war nun mal der beste Weg, zu sehen, wie mutig ihr seid. Ich gebe euch schließlich mein liebstes Kind. Ich werd euch jetzt wieder nach oben bringen. Wenn das Haus erst einmal fertig ist, kommt mein Kind zu euch.“
„Wie heißt sie denn?“, erkundigte sich Quirin neugierig. Er freute sich schon darauf, hier ein Blumenhaus zu erzaubern.
„Sie heißt Fänggen-Niënna. Fänggen kommt aus dem Tirolerischen, wie meine Frau Mama und heißt, dass sie eine Baum- oder Waldelfe ist und Niënna ist ein Feenname und erinnert an die Herrin von Trauer und Hoffnung, mit Betonung auf Letzteres.“
„Ich heiß Fanny“, zwitscherte die kleine ‚Elfee‘ und freute sich, als sie sah, wie wenig ihrer Mama die Idee gefiel. „Grüß dich, kleine Fanny. Fanny ist für unsereinen auch viel leichter auszusprechen“, meinte Quirin mit einem entschuldigenden Blick Richtung Frau Mama. „Aber wo soll denn das Blumenhaus entstehen? Im Haus vom Nik ist da nicht allzu viel Platz, fürchte ich. Im Wohnzimmer gings vielleicht“, fügte er noch nachdenklich hinzu. „In meinem Wohnzimmer? Wie soll des denn gehen. Des is doch viel zu klein. Und außerdem merkt des doch ein jeder, der nur am Haus vorbei geht und zum Fenster reinschaut.“
„Ja, wo denn sonst, Gscheidhaferl?“, schimpfte Quirin ungewohnt heftig. Er hatte es noch nicht verkraftet, dass seine arme Balli grad so leiden hatte müssen. Diese merkwürdige Elfenkönigin war ihm hochgradig unsympathisch.
„Ich glaub, die da hat schon eine Lösung“, meinte Marille etwas respektlos und wedelte mit der Hand in die ungefähre Richtung. Wer Katzen quält, warum auch immer, war bei ihr unten durch.
„Ja, das hab ich in der Tat. Ich weiß schon, dass ihr jetzt nicht so gut auf mich zu sprechen seid. Aber ich musste einfach ganz sicher sein, dass ihr meine Tochter gut beschützt. Ihr seid tatsächlich ein starkes Team. Ich weiß, Quirin, dass ihr einen geheimen Rosengarten habt. Der Bogengang führt über ein leeres Grundstück. Da wird der richtige Ort für mein Kind sein.“
„Kindlhaus“, zischte Nik zum Quirin hinüber.
„Nomen est Omen“, flüsterte der geschwind zurück.
„Ihr müsst euch um nichts kümmern, das übernehme ich. Aber ab und zu hinspüren, ob alles in Ordnung ist. Und, Quirin, du weißt ja, was zu tun ist, um einen geheimen Garten für Elfen und Feen zu pflegen. Genau so, wie du das auf Maohadod gelernt hast. Alle Avalanreiter dürfen Bescheid wissen, sonst niemand.“
„Und wir kommen wir jetzt wieder heim?“, fragte Marille, die allmählich müde wurde. Es musste schon recht spät sein.
„Und was sagen wir unseren Eltern, wo wir gewesen sind?“, fügte Nik hinzu, der sich nicht sicher war, ob er dieses Erlebnis für sich behalten konnte. Und lügen wollte er auch nicht.
