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Die neue Ausgabe des nn-literaturmagazins mit Beiträgen von SAID, Tobias Pagel, Robin Baller, Fabian Spang, Sebastian Hage-Packhäuser, Martin Piekar, Katrin Wälz & Peter Hoffmann, Matthias Engels, Cornelius Reitmayr & Julia Huber und blume (michael johann bauer)
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Seitenzahl: 28
Veröffentlichungsjahr: 2015
SAID - ostende, im schatten
Tobias Pagel -
Fotografie
Robin Baller - Petrópolis
Fabian Spang -
Fotografie
Sebastian Hage-Packhäuser - Ungewiss
Fabian Spang -
Fotografie
Martin Piekar - Schwarzwind
Katrin Wälz & Peter Hoffmann - Die Schwelle
Matthias Engels - seehundstreue
Cornelius Reitmayr & Julia Huber -
Fotografie
blume (michael johann bauer) - Entropie
Beitragende
dort würde er mich berühren.
ich sah mich in seinen armen. seine küsse und die sanfte tristesse des meeres.
wir fuhren dorthin durch die nacht. die lichter fuhren mit. mein kopf lag in seinem schoß.
jetzt hatten wir keine verwendung für den hausverstand – wir suchten ein anderes terrain.
café flore bei wein und crevetten.
draußen glühte der sommer, drinnen schatten.
arthur vertrug das helle licht nicht – mit seinen dünnen augenlidern.
ich konnte den blick von ihm und seinen gesten nicht abwenden.
im parlando wurde das tier eingekreist.
zu viel zeit verging, ehe er auf irgend etwas antwortete. er hatte einen raum in sich, einen betrachtungsraum.
vielleicht machte mich erst der verzicht reif für ihn.
arthur beschwor immer wieder, ich würde nichts zerstören, nichts.
im café steckte er mir eine notiz in die bluse – wenn ich atmete knisterte es.
ich hörte es, ich schämte mich, ich wollte zu ihm.
- zuletzt bin ich von einem älteren nachbarn genommen worden.
- er mußte eine reife frau mit schwingungen nehmen.
draußen ein wagen. darin niemand. der scheibenwischer war angestellt.
- ist das ein zeichen für uns?
arthur schaute geradeaus.
- wollen sie mit ins hotel kommen?
ich zog die schuhe aus und war überzeugt, meine nacktheit würde mir kraft geben. die satin-bluse voller geschenke antwortete auf jeden schritt.
eine junge frau schlenderte umher. die silbernen träger ihres kleids überm rücken. sie würde alles hinnehmen, woran man sie teilnehmen ließ. sie lächelte und bat um beachtung. doch arthur nahm das geschenk nicht an.
die jalousien wird er heruntergelassen haben. in irgendeinem kleid werde ich dem verächtlichen augenaufschlag ausgeliefert sein – bis das kleid von selbst herabfällt.
ich werde die augen schließen und murmeln. dann werde ich mich vorbeugen, um den kuß zu erreichen.
er hatte zwei zimmer genommen.
ich lag in meinem bett, den arm über den augen und dachte an die männer, die mich in der vergangenheit genommen hatten. jetzt glaubte ich an eine knisternde macht, die mich suchte.
ich konnte weder beten noch schweigen.
jemand klopfte an die tür.
der boy brachte in seinem auftrag einen stapel frischer zeitungen.
da lag ich nun, ausgebreitet auf dem zeitungspapier. der geruch der druckerschwärze konnte meine nacktheit nicht besänftigen. ich wimmerte und wartete. draußen die verstümmelten birken. ihr geheimnis haben wir monate später erfahren.
zwei körper brauchen viel zeit, um zu einem rhythmus zu finden.
(april 2011)
1
»So! Erledigt!«, sagt der Mann zu sich selbst, dem, was kommt, ist nicht mehr zu entgehen. Er blickt auf das Schachbrett, die Dame hat er scharf nach vorne geschoben, der König, von einem letzten Bauern mehr schlecht als recht gedeckt, ist in größter Gefahr.
