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Im 3. Roman des Autors wird Vergangenheit von Gegenwart und Gegenwart von Zukunft eingeholt. Er bricht mit Gesetzmäßigkeiten einer Fortsetzung. Zehn Jahre später nimmt er auf der Suche nach einem verlorenem Kind Ereignisse und deren Auswirkung aus dem 2011 erschienenen Roman "Das Drama der niedrigsten Sorte" wieder auf. 5 Frauen und 4 Männern - ein solch mehr als vage verflochtener Personenkreis gestattet während eines Blackouts einen polyperspektivischen Blick, in welchem jede und jeder für sich selbst den Hauch einer neuer Ordnung im Nacken verspürt und folglich damit ringt, dieser angemessen zu begegnen; falls sie oder er überhaupt die Zeit dafür finden sollten.
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Seitenzahl: 492
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Von gelegentlich erwähnten Markenprodukten oder Personen des öffentlichen Lebens abgesehen, sind sämtliche Charaktere, Namen, Orte und Handlungen frei erfunden.
Jede Ähnlichkeit mit lebenden oder toten Personen ist reiner Zufall und völlig unbeabsichtigt.
Personen des allgemeinen Gesundheitswesens, Gruppen, Personen des öffentlichen Lebens sowie Medienschaffende werden in der Danksagung namentlich genannt.
Für die Kunst in uns.
Yeah, the fire is almost cold
And there´s nothing left to burn
I´ve run right out of feeling
And I´ve run right out of world
And everything I´ve promised
And everything I tried
Yeah, everything I ever did
I used to feed the fire
The Cure - 39 / Bloodflowers
Make it as it wants to be.
Oliver Stone
Dagegen scheint mir die Wahrheit der hier mitgeteilten
Gedanken unantastbar und definitiv. Ich bin also der Meinung, die Probleme im Wesentlichen endgültig gelöst zu haben. Und wenn ich mich hierin nicht irre, so besteht nun der Wert dieser Arbeit zweitens darin, daß sie zeigt, wie wenig damit getan ist, daß die Probleme gelöst sind.
Ludwig Wittgenstein - Tractatus logico-philosophicus
No more Drama
Zehn Jahre später
Kapitel 1: Moses
Kapitel 2: Saskia
Kapitel 3: Helena
Kapitel 4: Paulus
Kapitel 5: Noah
Kapitel 6: Larissa
Kapitel 7: David
Kapitel 8: Vivian
Kapitel 9: Celina
Kapitel 10: Moses
Kapitel 11: Paulus
Kapitel 12: Saskia
Kapitel 13: Noah
Kapitel 14: Helena
Kapitel 15: Larissa
Kapitel 16: David
Kapitel 17: Paulus
Kapitel 18: Celina
Kapitel 19: Saskia
Kapitel 20: Noah
Kapitel 21: Helena
Kapitel 22: Moses
Kapitel 23: Larissa
Kapitel 24: Saskia
Kapitel 25: David
Kapitel 26: Noah
Kapitel 27: Helena
Kapitel 28: Vivian
Kapitel 29: Larissa
Kapitel 30: Saskia
Kapitel 31: Paulus
Kapitel 32: David
Kapitel 33: Helena
Kapitel 34: Vivian
Kapitel 35: Noah
Kapitel 36: Saskia
Kapitel 37: Larissa
Kapitel 38: Moses
Kapitel 39: Vivian
Kapitel 40: Noah
Kapitel 41: Saskia
Kapitel 42: Vivian
Kapitel 43: Larissa
Kapitel 44: Paulus
Kapitel 45: Helena
Kapitel 46: David
Kapitel 47: Vivian
Kapitel 48: Celina
Kapitel 49: Noah
Kapitel 50: Larissa
Wir machen an genau der Stelle weiter, wo wir zuletzt ausgestiegen sind.
Wartet draußen doch noch immer die Antwort in der Dunkelheit; auch wenn wir es mittlerweile 08:15 haben und es schon früh verspricht, verdammt heiß zu werden. Ihr kennt unsere Nachzügler doch zur Genüge: je näher zum Hörsaal, umso höher die Wahrscheinlichkeit, dass es nach und nach nicht zur Ruhe kommt.
Oder sind die Zeiten inzwischen doch so furchtbar durcheinander gekommen, dass ich es mittlerweile böse auf der Uhr habe?!
Noch offene Plätze verstehen sich als einladende Begrüßung. Schön, alle hier zu sein.
Willkommen.
Ich bin nicht hier um über das Drama zu informieren.
Die Öffentlichkeit weiß alles.
Wie viele es auch sein mögen - wer schon länger dabei ist, weiß und versteht, was es für alle braucht, die noch kommen werden.
Rein als Ästhet war ich von der neuerlich verordneten Anonymisierung angenehm angetan. Visuell wurde viel vertan, was früher war. Erkannte ich dieses Prinzip eher als mir entgegenkommend an.
Für eines wie meines bedeutet halbes Gesicht nur halb so viel Ressentiments. Dennoch gehen mir so viele Stimmen bei dieser Geschichte hier ab. Ausreichend Zeit war vorhanden, den bisherigen Stoff besser zu verstehen.
War für so Vieles vorhanden, was vorher so unvorstellbar schnell da war; aber wem erzähle ich das?!
Also, wo waren wir:
Zunächst die Defizite aufzeigen; was für den Anfang ja nicht das Schlechteste ist. Danach werden wir uns ein paar solcher Beispiele genauer ansehen, aus denen sie sich seit dem Turndown sehr wohl auch ereignet haben.
Hauptsache die vorhergesagten Gewitter werden reinigende werden.
Wie viel Zukunft verträgt Vergangenheit?
- Wenn Ihr noch etwas Geduld habt, sehen wir gleich im Anschluss daran nach. Die digitalen Steintafeln glatt wie Marmor, kam mir auf dem Weg hierher der ein oder andere Strang Nullen und Einsen abhanden. Als solche schließlich nicht in Granit gemeißelt; wird schon nichts Wichtiges dabei gewesen sein.
Da vielfach danach angefragt, schneller auf den Punkt zu kommen, werde ich mich entsprechend darum bemühen.
Daher ein Ausblick:
Die Hitze hält an, aber wie unschwer zu erkennen, laufen immerhin die Ventilatoren wieder. Bei rund 600000 betroffene Haushalte und Unternehmen, auf 39 Bezirke verteilt, kommt es punktuell noch zu Ausfällen. Manche Netzgebiete sind noch immer komplett spannungslos. Es kam zu keiner weiteren Massenpanik. Teile des Militärs werden von Bürgerwehren dort unterstützt, wo Infrastruktur lokal noch schwer aufrechtzuerhalten ist. Es staut sich noch immer. Medizinischer Nachschub wie dringend benötigte Tests und Schutzausrüstung reichen bei weitem nicht aus. Helfer sind auf besonders betroffenen Abschnitten im Einsatz und versorgen die Leute mit Wasser. Hier finden sich schöne Beispiele für uns, die wir nachher noch genauer unter die Lupe nehmen wollen.
In Laboratorien der medizinischen Universität kam es in der Nacht zu mehreren Gasexplosionen. Menschen kamen dabei nicht zu Schaden.
Ach, übrigens: Bitte nie aufhören, mich zu verbessern; doch ohne das Motorrad in die abgeriegelte Westspange wäre es zumindest hier die erste Nacht ohne weitere Tote geworden. Der brachliegende Ausbau des U-Bahnnetzes trug mutmaßlich dazu bei, dass das davon betroffene Fundament nun droht, nachzugeben. Und wenn auch persönlich nicht unbedingt mein Thema, soll auch auf Kultur nicht vergessen werden - aber kann ja niemand dabeigewesen sein.
Ein Polizeihubschrauber sorgte mit seinem Scheinwerfer dafür, dass ein Konzert auf der Freilichtbühne bis zum Schluss gespielt werden konnte.
Mögen sie ohne ihr Publikum dieses, was sie jenem vorsetzen, als das erkennen, was es ist.
Die Sache von der Liebe zur letzten aller Musen wird nachgereicht.
Neben den unüblichen und weniger üblichen Fällen ökonomischer, sozialer, emotionaler wie sexueller Degradierung wollen wir uns schon auch der Geiselnahme widmen, die zur Stunde noch andauert. Wenn dann noch ausreichend Zeit vorhanden, sehen wir uns gegen Ende hin die Dellen an, welche Materie und Körper bei Sturm auch hinterlassen hat.
All das hat sich so ereignet. Steht jedem frei, dem Gegenteil seinen Beweis zuzuführen; wobei mein persönlicher Favorit der letzte Fall ist.
Denn selbst tiefere Spaltungen in Zusammenhang bringend, erschließen sich diese dadurch in den besten Fällen und hier wird viel unternommen, um so dem Anspruch möglichst gerecht zu werden, den Gejagten beizustehen.
Wem diese Aussichten nicht zusagen, kann an dieser Stelle gerne aufhören. Vielleicht wird es nicht verstanden.
Sicher erkläre ich es nicht. Gerne werde ich dabei geholfen haben. Wer weiß, ob nochmals so direkt.
Handelt es doch auch vom Spaß, den wir alle zusammen haben können. Daraus fundierte Antworten bekommen, indem Fragen so formuliert werden, dass sie nicht zu deren Intention zurückverfolgt werden können.
Denn auch für alle, für die es - wie für mich - die erste Stunde ist und sich fragen sollten, was genau hier eigentlich gemacht und gesucht wird: - Konstruktives negatives Feedback.
Selbst wenn alles noch etwas durcheinander sein mag, versteht es sich als anstehende Aufgabe. Habe mir da schon etwas ausgedacht.
Ich freue mich jetzt schon auf die Ergebnisse, von denen wir uns in den nächsten Stunden eine Auswahl vornehmen. Unter den Besten wird sich ein minimaler Vermerk vorfinden lassen:
Das hat´s jetzt gebraucht.
02:16:22 C: Catastrophen mit mir wollen durchgestanden werden
02:16:22 C: Catastrophen mit mir wollen durchgestanden werden
02:16:22 C: Catastrophen mit mir wollen durchgestanden werden
Ja, bitte!! Bleib sitzen, wenn Dir nicht wohl ist!
BITTE?!
- Ja?
Oben zu kalt oder was-
...
Süße...?!
Ich versteh überhaupt nichts mehr.
Nun ihr Anruf. Aber hat sie doch eben noch-
Als nächstes nehm ich fix Wasser. Doch schon so unterwegs, mir das eben eingebildet zu haben?!
– Ruft an!?
Celina.
02:15:44 C: dessen sei dir bewusst
02:15:35 C: auf den Punkt gebracht
02:15:14 C: geben es nicht mehr her
Da ich auch nicht weiß, wie es schonend als möglich geht, sage ich es schmerzvoll langgezogen, wie es sich nicht nur für sie allein falsch anfühlen wird.
Wer bin ich, all ihren Bezug zu nehmen...
Ob Celina wisse, dass wir einige Orte ändern müssen, deren Teil auch sie ist? Muss einige Änderungen vornehmen.
Sie nicht zu lang brauchen solle, in der Sache auch aufzuheizen. Da ich weiß, dass sie sich unser Loft nie und nimmer alleine erhalten kann. Da drüben ist weniger los - komm mit, ziehe ich sie von den anderen weg, denen sie sich bereits als meine Frau vorgestellt hat.
(Ich werde so hübsch viel zu erklären haben.)
Sei bitte sehr vorsichtig; hat sie sich ihrer silbernen
High-Heels schon entledigt. Bereit, mit nackten Füßen einen Pfad zu schlagen, der uns auf andere Fährten führen soll.
Stets einen Schritt hinterher, nehme ich sie an der freien Hand, gehe voraus, lotse uns auf den Steg, auf dem es ihr Kleid heftig pfeifend auch die letzten Stellen anhebt, von denen die ganze Gesellschaft hier bereits eine sehr konkrete Ahnung bekommen hat und lasse ihre Hand ohne Widerstand los. Die Gegenwart vom Diktat ihres fehlinterpretierten Vorlaufs unterwandern zu lassen, erledigt sich irgendwann.
Es wird keine Szene geben. Ich werde mich hier zusammennehmen, aber mit manchen hier würde ich gern weiterarbeiten; ohne dass sie wissen, was nach einem langen Tag auf mich unter der Dusche wartet.
Das wird sie alles schon verstehen.
An meinem Blick sofort erkannt, wie sehr ihr Outfit am Anlass vorbeigeht. Der fehlende Klebestreifen auf ihren nackten Brüsten würde hier sowieso nicht halten. Keine Eifersucht, wo sie niemand etwas angeht.
Hab mir nie ausgesucht, dass unser Jahrestag, auf den sie mit ihrem Kleid hier hinauswill, auch auf Sylvias Todestag fällt. Ihr wiederum fällt sofort auf, dass ich auf meine Lieblingshose gewechselt bin; die, mit den Brandlöchern im Schritt. Meine schlichte Art eben, das Fenster auszukleiden.
Der Abend war der seriösen Anspannung genug und dunkel ist Sicht bei Nacht.
Aus dem Nichts etwas hervorzubringen, was vorher noch nicht da war, ist Kern der ganzen Angelegenheit. Es ist mein Abend. Der meiner getöteten Mutter.
Dieser falsche, kahle Wurm Noah hatte echt den Nerv, hier aufzutauchen. Hat ihn sicher Einsatz abverlangt.
Tja, war ich doch schneller als er.
Wenn er denkt sich zeigen zu müssen, um die Sache noch irgendwie zu seinen Gunsten zu drehen, werde ich dem eine Ende bereiten; sollte ich je wieder nüchtern werden.
Bin gespannt, mit welcher Scheiße er sich vor seiner Schwester gerechtfertigt hat. Ich will das wissen von ihm.
Was er dort verloren hatte.
Und wenn er mir von nun an noch so sehr aus dem Weg gehen wird: daran kommt er nicht vorbei. Extra noch recherchiert. Es ist schlicht nichts zu finden, was einen Rückschluss auf den genauen Ort zulassen würde.
Sowas zu bewältigen, ist für beide Partnerinnen belastend, wenn gleich das Ausmaß stark variiert.
Nicht so wie ich, konnte sie sich nicht darauf vorbereiten.
Weil der Wunsch schon lange keimt, versucht, es so angelegt, dass das Maß an Leid so erträglich wie nur möglich ausfällt. Die Anmaßung, die in dieser Vorbereitung steckt, ist mir sehr wohl bewusst und wird sich mir in dem Augenblick entziehen, wenn ich es ausgesprochen habe.
Ich werde sie unter keinen Umständen kränken.
Sie soll immer wissen, was sie für mich ist.
Weil jenseitige Sehnsucht, fauchendes Verlangen so ungeheuerlich, so stark und es wert sind, dafür die eigens ersehnten Freiheiten einzulösen.
Jemand, den ich höchstens vom Sehen kenne fragt mich, was es mit dieser Oper auf sich hat.
Es war die letzte Rolle, an der meine Mutter vor ihrem Tod gearbeitet hat. Mehr nicht. Hab mir in den Vorbereitungen darauf zu keiner Sekunde etwas anmerken lassen.
Tanzt man an das Ende der Liebe, sucht man sich anschließend einen neuen Partner aus.
Um zu führen - oder noch besser - geführt zu werden.
Klar ist es für die Zeit, die man nicht mehr mittanzen will möglich, das Parkett zu verlassen. Sobald mir die schönste Art eingefallen ist, sage ich ihr es auch.
Die korrekte Abwicklung, bei der sorgsam einzelne Aspekte eines abermals Ganzen berücksichtigt werden, vollzieht sich irgendwo zwischen Illusion und Einzelfall.
Dass all die Angelegenheit nicht längst als Tätowierung auf meinem Hals prangert, ist auch schon alles.
Heulen darüber könnte ich; hätte ich es deshalb nicht bereits getan. Einer Dekade genug. Eben weil ich mich auf alles so eingelassen habe, war es mir möglich, vor ihr Geheimnisse zu wahren. Sicher haben diese viel verbaut, mir de facto selbst eine Stimme ohne Worte generiert.
Eine Stimme, von deren Stimme ich hoffe, Zustimmung zu erhalten.
Sie, sie schon, würde mir mein Recht darauf zugestehen.
02:06:10 C: soweit schon alles richtig - das macht es aber auch nicht weniger
Ich kenne das. Es dauert so quälend lang, bis etwas ankommt, was nicht ankommen darf.
Wo ist da Widerspruch, ihr nichts absprechen zu wollen?
Selbst wenn, blieben wir - wenn auch unter anderen Vorzeichen - einander verbunden. Bin ich nicht soweit, darin eine Chance zu sehen, weil ich doch versuche, es zu keiner weiteren kommen zu lassen?
Endlich auf eigene Interessen besinnen; falls da überhaupt noch was sein sollte, worauf ich mich besinnen kann.
Wenn ich eingestehe, lag wahrscheinlich genau darin des Endes Anfang. Ja, ich hab´s gehört!!!
Technischer Totalausfall. Sie hat einfach weitergesungen!! Entgegen Gleichklang verwandeln sich Missgunst und Gegnerschaft in Übergang und Einklang.
Unverwechselbar. Angewandtes Fracking.
Wer sie hörte, war sicher, an ihr nichts aussetzen zu können; was man vom Bühnenbild nur bedingt behaupten konnte. Drei Mal drei Nägel.
Passt für alle schön.
- Sie wird nicht aufhören, bis alle frei sein werden.
Nur sie und über dem Felsen die Scheinwerfer einer einzelnen Maschine! Nein, selbst nicht gesehen.
Bild mit dem Motorrad soll super geworden sein.
Traf es den Nagel auf den Kopf; oder was ist Sache.
Wie genau ich das gemacht habe, werde ich gern an späterer Stelle illustrieren. Na ja – Publikum, wär´s noch gewesen.
02:05:02 C: kanns nicht glauben, aber wir sind gemeinsam gekommen
Ich glaube alles und gehe nur mehr so vor, wie es meinen Überzeugungen entspricht. Laut Celina ein Umstand auf zwei Beinen eben.
Verneine es entschieden; aber jede Erklärung meinerseits würde sich gegenseitig ins Wort fallen.
Nun, darauf, dass ich abbreche.
Auch wenn ich mir neuerdings anhören darf, man würde bei mir schon darauf warten und ich dann so, auf was warten?!
Mir nie groß Gedanken darüber gemacht, was ich ständig so mache. Das würde ich ständig so machen.
Sie sagen, meine Mutter wäre stolz auf mich.
Unter der Haut war die Ehre noch vorhanden - vielleicht hat sie sich auch nur hierher geflüchtet, weil sie draußen nicht genug von sich fand - die frisch gestochenen ließen wir aus, ausgenommen.
Dann fahre ich mit meinem Inselrundgang fort.
Hatte schon Furcht, es nicht mehr zu können. Habe es noch.
Dann kann ich es doch noch.
Auch wenn es viele Tutorials gibt, wie man es sich aufmalt.
Nach und nach mehr Komplimente an mich.
Auf einer Party mit neuen Menschen, so wie hier, sich etwa denken, aha, mit der werde ich dieses tun, mit ihm werde ich jenes machen und so weiter - und dabei Recht behalten, meine ich.
Trotzdem schnürt mir das Gesetz der guten Fortsetzung die Luft ab, wenn es in Ritualen mündet, die sich aus Gemeinsamkeiten heraus ergaben.
Variation, mein Wesen ist, welches auf Veränderung hört.
Muss mir lediglich den Schiss vor ihm nehmen. Wenn ich dem Drang, noch so lange gestalterisch etwas mitzunehmen, wie ich jetzt noch in der Lage dafür bin, ehrlich nachgehen möchte, bedarf es wesentlicher Einschnitte.
Mag durchaus vorgekommen sein, dass es mir misslang.
Doch wem mein Bemühen bis dato nicht aufgefallen ist, dem kann ich zu meinem großen Bedauern von meiner Warte aus nicht mehr entgegenkommen, als es bislang der Fall war.
02:01:21 C: nicht genug Zukunft und Vergangenheit für alle da
Ich stoppe die Zeit weil ich wissen will wie lange es braucht, womit ich mich eigentlich nicht unbedingt beschäftigen will.
Wow!
Allem Anschein nach stur dem besten Wetter entgegen gefahren. Das Schwarz, welches die Wolken über die Schwüle auftürmt, folgte mir auf der Herfahrt unauffällig. Blick in Rückspiegel kommt ins Repertoire, Madame.
Werden wieder Sprünge Wetters wegen werden.
Mein Sprung.
Die unerträglich heißen Pflastersteine der Auffahrt wurden von der satten Vegetation nur mit Pollenflug bedacht.
Dazu müsste sie springen können...
Nix Schatten. Hallo Herr Nachbar hinter seiner Hecke!
Nix Shirt?
Die Gitterblende der Rampe in der Auffahrt kann Folgendes bedeuten: Nayla war noch nicht hier.
Was ganz ungut werden kann...
Nayla weiß, wie das Ding hält.
Für Frank; zu früh.
Wir bekommen das hin; könnte ich schon wieder umdrehen.
Bevor ich aufsperre, mache ich die Blende sporadisch fest.
Na ja; halt wieder dran. Das gehört endlich gemacht!
Es muss dringend bald langsamer werden...
Weil auch dieser mein persönlich weiß nicht wievielter Zustand an Ausnahme es für mich ist, den ich ungefragt anhängen darf.
Kann ich mir auch nicht mehr davon leisten, je länger die Dinger dauern. Die Zeiten des Stromkontingents für ihren Bezirk haben sich leicht nach hinten verschoben.
Wenn ich ihm die genaue Zeit auf ein Blatt Papier aufmale, am Kühlschrank unter der Küchenuhr hänge, weiß Elias genau, wann genau er ihren Rollstuhl aufladen muss.
Nayla...?
Nayla?!
Es muss unbedingt langsamer werden; oder wo ist mein Taschentuch?!
Flur, Küche und Esszimmer, verlassen.
- Soll ich wieder gehen!?
Seine brüchig surrenden Dampflaute sind nie still, durch die ihn seine zweite Natur zur Sicherheit permanent unter Strom stellte, starten aus der Tiefe des Korridors direkt in einer Freude auf mich zu, welche ich mittlerweile sicher unfähig bin, sie wie er zu empfinden; ab dafür!
Du bist ja wach!
Das Taschentuch - Elias, pass bitte auf; ich hab Hemdknöpfe!
Mein Bruder schläft zum Glück sehr lange sehr tief.
Konträr zu seiner Tagesform!
Elias wird meinen Nacken markieren wenn ich kein Tuch habe, ihn schnäuzen zu lassen, bevor er mich umarmen darf.
Sonst, hätte ich eben Pech!
Ein erster Gedanke (...könnte schon wieder umdrehen) darf behutsam behandelt sein. Haben mehr erste Gedanken miteinander gemein, die da in den Sinn schießen.
Die typisch träge Wucht durch jede einzelne Bodendiele unter dem Teppich bahnt sich an. Lange genug den Fuß unter diesem Gewicht eingeklemmt, so dass nichts vorwärts gehen konnte. Alles also gut! Na, Ihr!?
- Mama: Das - ist - letztklassig...!
Die kugelförmige Schwellung in ihrer rechten Armbeuge, die Infusion noch immer dran. So link von Dir.
Sie weiß exakt, was zu tun ist, wenn das passiert.
Selbst Elias könnte ihr dabei helfen, aber der Farbe in seinem Gesicht nach sah er die Beule nicht.
Zunächst Limonade für ihn, fordere ich meinen Bruder auf, neben mir Platz zu nehmen. Wie sich der Infusionsfluss stoppen lässt, wenn die Nadel durch beide Venenwände ins Muskelgewebe durchstochen wird; hat Mama mit Fleiß nix unternommen. Schön, geht es Dir gut, ja?
Wo ist Nayla?
Meine Aufmerksamkeit ist ihr fünfzehn Minuten länger gewiss, das wieder ordentlich zu verarzten.
Hahn zu, Infusion ab - alten Zugang ziehen, neuen Zugang legen - Infusion anlegen, Hahn auf und fertig.
- Bekomm ich keine Antwort?!
Nur den alten Zugang ziehen, könnte sogar mein Bruder machen aber er versteht nicht mehr, warum etwas Neues manch Altes unbrauchbar macht?
Also braucht die Alte mich jüngere Version von ihr.
Und jawohl, bin mir bewusst, dass Du einmal darfst.
Bitte Mama aber um Nachsicht mit mir, nicht hier zu sein, um im Augenblick diese Debatte zwischen den Stühlen führen zu wollen.
Wir kommen darauf zurück; gebe ich Mama mein Wort.
Uns wird es nicht noch einmal passieren.
Stimmt es, Elias, dass uns nix mehr passieren wird?
- Na, so meine ich doch auch!
Mama, außerdem ist Dein Haarschnitt sehr wunderbar strikt!
Welche Spitzen soll ich daran schneiden?!
Ist ja nix Neues. Vivian hat kaum ein Schema, dem man verlässlich folgen könnte. Beispielsweise kommen etwa zehn meiner Besuche auf zwanzig ihrer unterschiedlich schwankenden Stimmungen.
Schlussendlich zähle ihr heute nicht das erste Mal auf, welche rationierten Vorbereitungen ich getroffen habe, noch bevor ich selbst einen ersten Kaffee hatte.
Mein bester Elias, machst Du Deiner Schwester zwei Kapseln Kaffee? Komme von dem Vorsatz ab, auf rotem Faden entlang Balance zu halten.
Eben zünde ich mir - gegen jede Gewohnheit - eine ihrer Zigaretten an, die sie in den Seitentaschen ihres Rollstuhls ganz oben lagern hat.
Das sieht auch mein Bruder ungern; bin ich vom Kopf her bereits dem Aroma der falschen Kaffeebohnen erlegen.
Mama glaubt mir, dass es nicht meine Absicht war - war echt keine Absicht - aber da und nur da, in ihrem Büro wird hier geraucht. Rauche nur mehr hier!
Will nur mal wissen, wieso...?
Stürme über den Flur und Esszimmer an ihrem kantigen Rollstuhl vorbei aus der Küche raus und nehme dabei meinen Qualm zur Verandatür mit. Schiebe sie auf.
Der niedergehende Monsun draußen löscht sie noch in meiner Hand. Es ist meine Zeit, die dabei draufgeht.
Nicht ihre; nur so am Rande!
Da findet sich Platz zu kommentieren...
Da es in etwa auf grobe Vernachlässigung hinausläuft, wenn ich irgendwo anders als bei meinem Bruder und Mama bin. Wir hätten etwas Besonderes machen können!
War doch bereits alles vorbereitet; habe es mir schön vorgestellt, Dich wieder mühsam die Rampe hochzuschieben.
(Die Rampe, ihr Reizwort.)
Ich hatte es keine Minute länger mehr ausgehalten.
Zuviel Horror, der sich hier ereignete, hindert meine melancholische Mama am Verkauf des Bungalows.
Es kostet zwar wieder, aber wäre eine sinnvolle Investition; auch wenn ich nichts lieber sehen würde, wie die Beiden dieses Haus doch noch aufgeben.
Oder will sie es nie mehr verlassen?!
Weil, wenn ich es früher gewusst hätte-Es ist nicht so, dass zuhause niemand auf mich warten würde.
Aber mitkommen willst Du ja auch nicht.
Und nein, es war jetzt keine Aufforderung, mir nochmals Deine Gründe dafür aufzuzählen:
Sie sind uns doch allen wohlbekannt. Elias gibt sich ganz dem Monsun auf Asphalt, Rasen, Dächern draußen hin.
Macht mir mein schlabbernder Bruder nun einen Kaffee...?
Auf ein zweifaches Sektfrühstück wird ihre täglich doch sehr hohe Dosis an Medikamenten für die Person welche das Vergnügen hat, davor nicht ausweichen zu können, zu wahren Spaßmachern; aber ein nachdrückliches Nein auf dünnem Eis für all jene, welche die Vermutung wagen, ihre Launen würden ein wenig sehr auf genau diesen Umstand zurückzuführen sein. Wer Pferd sagt, braucht eine schnelle Wahrheit.
Finde es ja fast niedlich von Mama, vor mir so zu tun, als ob dies nur ab und zu der Fall sein würde. Aber wenn Frank mal nicht kann, bringt wer die leeren Flaschen weg?!
Darf von ihr gern allmählich eingedämmt werden...
Mein kleiner Finger fischt die frische Gischt des Kaffeeschaums ab. Aber soweit schafft es sowieso niemand zu ihr. Mein effizientester Konter liegt in der bewusst gehaltenen Tatsache, mir niemals Mamas genaue klinische Diagnose detailliert gemerkt zu haben.
Viele lange, komische Wörter...
Nach der Hölle, durch die wir in diesen Zimmern mit Elias gingen - es haftet noch allem hier an, und mehr - bin ich seither auf diesen Ohren blind wie auf den Augen taub.
Ihre Muskeln sind es nicht, die schwinden.
Soviel habe ich davon mitbekommen.
Ich weiß, dass sie kaum noch sehen kann.
Weiß, dass sie sich kaum noch bewegen kann.
Sie stellten ihr eine Diagnose.
Uneigennützig, wie ich war, war meine erste Frage nach der Erblichkeit. Mama bedachte mich mit einem Blick der bitteren Sorte. Die Ärztin war gefasst. Mit dergleichen rechne sie jeden Tag. Von anderen lernt man, auf sich selbst zu schauen. Sagen sie einem spät; wenn überhaupt...
Doch dazu müsste Mama schauen können...
Naylas Kuchen vom Blech ist der Unschlagbarste!
Also, wo ist sie, unsere Besitzerin des erfüllten Wunsches?
Aber ihre Spätschicht wird nicht gecancelt, Mama.
Hörst Du?
Ich kann nämlich nicht versprechen, abends länger zu bleiben.
Seit Mama auf die Bedeutung ihres Namens stieß, hat sich bei ihr ein Schalter umgelegt. Was vorher nach Jahren vergeblicher Suche so gut funktioniert hat, unterwandert sie seither mit Andeutungen, die Naylas Arbeit schlecht machen sollen. Nur ist diese Frau schlicht großartig und ~ Lia ~ so nebenbei, absolut vernarrt in sie.
- Das ist gemein von Dir… Dein Sohn heißt Elias und ich möchte, dass Du aufhörst, ihn so zu nennen! Wie stellst Du Dir das vor!?
Diplomierte Krankenschwestern wie sie, um auch Mamas Medikation zu gewährleisten, stehen in Zeiten wie unseren noch viel weniger auf der Straße, um auf Kandidaten zu warten, wie wir drei sie sind.
Zu formell korrekten Anträgen in der Lage, wenn die Lage es erfordert. Weil allein ich dazu schon knapp an Überforderung bin.
- Ca. sechzig Jahre alte Frau im Rollstuhl; weigert sich, ihre gewohnte Umgebung zu verlassen. Inklusive eines fünf Jahre alten Sohns im Körper eines 15jährigen. Kein Partner.
Essen auf Rädern.
Alles bleibt an der dreißig Jahre alten Tochter hängen, welche um mindestens fünf jünger aussieht. Stell Dich nicht so an und gib dem noch eine Chance, hab ich Mama angefleht.
Bitte - tue es für mich!
Ich hatte und habe auch für zuhause zu kochen, erinnerte ich sie wieder und wieder, bis mein Burnout reif war, die Flucht nach vorn zu ergreifen.
Manchmal half uns das mitunter unkontrollierte Wesen meines Bruders als Brücke über Momente hinweg, die sonst unpassierbar geblieben wären.
Woher auch all die Gründe dafür kamen, stritten, stritten und stritten wir weiter, bis Elias uns irgendwann streng ernst ansah und ihm dabei ein Ballon Rotze aus der Nase hervorstand. Rotzkomisch!
Doch die Zeiten nahmen bei entsprechender Dauer an Gewichtung ihrer Argumentationen zu. Dabei will ich ihr doch nur die Stärke bestätigen, die einer von uns mittlerweile immer mehr abhaben geht. Das frühe Begehen entscheidender Fehler streift ein bisschen sehr lang ins Spätere...
Da ich es nicht einstellen kann, all die Dinge nie auf´s Tableau zu bringen, die ich wirklich von uns fernhalte. Mama hat nicht den Funken Vermutung, weshalb ihr die Zugluft im Nacken abhandenkam.
Weil stets jeder Hauch an Veränderung gleich ein furchtbares Drama entfachen kann!
Immer auch bei Gegenwind schön dem windstillen Wetter vor dem Monsun nach, der weniger wird und die Hitze draußen so nur schlimmer ansteigen lässt.
Dabei das Haus weder aufgegeben, noch wirklich Barrieren frei gemacht. Sehr ungeeigneter Ort für ihr Stadium.
Ihren Starrsinn wird sie sich nur noch eine begrenzte Zeit lang leisten können. Elias hätte ich sowieso an meiner Seite; würde es aber schäbig finden mit ihm zu argumentieren.
Nur zusehen - zulassen - akzeptieren.
Der ganze eigentliche Grund meiner längst überfälligen Übung am späten Nachmittag. Kurz bevor der Friedhof schließt, soll ich Papas Grab wegen vorbeikommen.
Davon, was das alles gekostet hat, hätten wir die Betreuung meines Bruders zehnmal bezahlen können.
Zumindest bis zu seiner und Mamas Heilung; die in beiden Fällen unabhängig voneinander nie etwas anderes als aussichtslos war.
- Wo kämen wir hin, wenn nicht auch so?
Weiß ich doch um den Aufwand, ein Ungleichgewicht auch aufrecht zu erhalten. So wurde die Rampe von der Einfahrt zur Tür hoch mit viel gutem Willen und einem verlängertem Wochenende selbst gebaut.
Zu unserem Projekt gemacht, weil wir mehr wie Mama wollten, dass der Innendruck des Hauses entweichen konnte, sie von allein rauskommen kann und endlich alle Nachbarn sahen, was wirklich Sache bei uns war.
Das Letzte, was da wer gebrauchen kann, ist sich selbst panisch zu machen. Zudem musste das Niveau zwischen Türschwelle und Korridor zweispurig überwunden werden.
Ohne meinen damaligen Freund beziehungsweise dessen handwerklichem Verständnis würde für sie kein Weg aus noch ein führen. Über die Jahre die zentnerschwere Last des Rollstuhls hinaus- und hineingeschoben, hat der Bau bessere Zeiten gesehen; etwa die Gitterblende.
Sie fällt ab, schraube sie wieder fest. Sie fällt ab, also schraube ich sie wieder an und so nahmen die letzten Jahre über jeder Schraube ihren Griff.
Werde nicht diejenige sein, die wieder davon anfangen wird.
Hat sie denn eine, soll sie ihre Entscheidung getroffen haben.
Wie ich höre, war es nicht das, was sie hören will.
Sehr monoton, die vielen roten Tücher unserer Mama, oder Elias? Tücher zum Stier reizen rot halt; aber mit Worten habe ich es ebenso wenig wie mit Hörnern, die sich an mir abstoßen wollen.
Sie mitzunehmen, aber aus einem Jahre angehäuften Berg zieht sie uns beiden zuwider wieder und wieder neue Vorwürfe hervor, als kämen sie eben erst zum Trocknen aus der noch feuchten Wäsche. Die Wäsche...!
Elias, die aufgehängten Sachen draußen müssen bei - Was rede ich da!? Etwa kein Monsun im Rückspiegel?
Unter dem Thermogeschirr liegt das meiste Essen unangerührt. Elias isst kein Essen für kranke Leute. Darum einmal pro Monat Essen in Plastikboxen umpacken, die er sich selbst aus dem Gefrierschrank nimmt. Niemand spielt auf der Mikrowelle so wie unser Wellenmeister hier.
Nach dem einen Gedeck zu viel frage ich nicht mehr, weil ich weiß, dass es für mich ist und obwohl sie weiß, sie darum gebeten zu haben, an mich nicht mitzudenken, deckt sie dennoch auf. Frühstücken werde ich unterwegs.
Ziemlich enttäuscht wäre ich, wenn es fehlen würde!
Der Junge schnallt langsam, dass Mama nicht mehr aufstehen wird. Bereits länger zu beobachten.
Alles ein Mega Aufwand in diesem Haus...
Wirklich, so sind unsere Tage und in jeder einzelnen dieser seither außerhalb angetroffenen Mienen war abzulesen, wie wenig Vorstellung sie von einem solchen Schlag haben, wenn er erst niedergegangen ist.
Bevor die fremden Minen auch etwas sehr persönliches im Fach liegen haben werden. Weiter etliche Möglichkeiten für ein kleinwenig Courage versanden lassen.
Manch meiner Schilderungen, die zufällig und knapp wie möglich ausfielen, wurden ungläubig aufgenommen.
Aha. Ist dem denn so? Und so weiter...
- Was ich davon habe, ist doch egal.
Welcher Zugang dazu hinführt, ist das Wesentliche.
Ich fand die vorgefundene Ordnung so schlicht nicht richtig.
Vielleicht werde ich Mama - durch welchen Akt auch immer - wieder in die Ordnung zwängen, die einst vor ihr galt und mehr meine war.
Häufig sind das schlichtweg Folgen von Fragen nach dem Sinn des Ganzen. Was sollte Schule, was sollte Karriere leisten, wenn nichts davon auf das plötzliche Wegbrechen von all dem vorbereitet, was danach in unseren Schicksalen gefälligst zu tragen hat? War da nie eine Pessimistin.
Das genaue Gegenteil:
- Ist es denn nicht ersichtlich, wie alles von mir unternommen wird, alles Fallende auf ewig festhalten zu wollen!? Einen festen Halt gebend: ein fallender Aufstieg, der aufzeigt, keine Angst haben zu müssen?!
Reden der Motivation zielen nur auf den eigenen wunden Punkt ab, also lass ich sie lieber bleiben.
Wie geht es Deiner Armbeuge?
Der Platz, den ich gerne freimache; sofern ich eben selbst einen habe, wird anderweitig eingenommen.
Unsere Missy hat sich aus ihrem Fell darauf ein Nest gemacht. Typisch für Katzen, die Futter in den Rachen ihrer Jungen hochwürgen. Dann werde ich bei dem Wetter wieder aufbrechen, Ihr Lieben. Elias, Du schaust auf Mama, ja?
Überhaupt ermahnt Mama mich häufig, doch bitte nicht so laut zu reden. Aber wenn ich hochsehe, sehe ich niemanden, der hersieht. An der Hecke im Strömenden kein Nachbar dahinter. Mama hat meinen Zorn dafür, aber um sie gegen ihr Schweigen bei Laune zu halten, soll ich einfach laut denken und kurz noch bleiben.
Auf keinen Fall. Also denke ich laut.
(Laut denken kann nur die Hälfte.)
- Ich denke dies, sage dann aber jenes und sage es laut.
Auch dadurch fühlt sie sich schnell angegriffen, was dazu führt, alles relativieren zu dürfen - was aber auch nicht so gedacht war; doch man sieht schon, worauf es hinausläuft.
Also gebe ich auf, und ihr nach.
Ich kämpfe nicht mehr.
Nichts mehr in diesem Leben austragen, was ich nur verlieren kann. Bedeutungslos und keiner meiner Mühen mehr wert. Auf dem Weg durch Eskalation war ich durch mit der Welt, in der ich doch endlich ankommen wollte.
Du bist alt genug - ihre Formel für den Vorwurf.
- Ich bin genug.
Doch da diese Info nie bei ihr ankommen wird, geht ihre Gleichung auch nicht auf. Und dann frage ich Mama bestimmt und doch beiläufig, ob ihr aufgefallen wäre, wann es dabei jemals nur um mich ginge...?
Ich mache das weil ich Euch lieb hab.
Ich bin nicht die, die uns einsperrt.
Nur auf Frust laufen, macht Dich und mich wahnsinnig.
Wonach ich suchen würde?
Inseln, die sich erst noch auftun werden müssen.
Welcher Zweck dahinter stecke; aber ich will jetzt nicht mehr.
Vielleicht gar über Erschöpfung hinaus, kappe ich die Leitungen. Bitte versteht mich.
Sehe alles auf dem Smartphone und verspreche, Euch nicht aus dem Blick zu verlieren. In den eigenen vier Wänden nie so organisiert, dass ich sagen könnte, es würde von allein laufen. Es gibt keinerlei Leitfaden oder eine Art Schritt-für-Schritt-Anleitung, in die man sich als Laie einlesen kann um sagen zu können: Ja, ich ~ Frau Laie ~ hier, habe mich laienhaft eingelesen und kann nun deshalb mein Urteil über Qualitäten realistischer einschätzen. Ach, komm schon.
Mama würde wissen, wer ich bin; aber es ist so:
- Ich bin Frau Laie.
Mit einem an und für sich wunderbar wünschenswerten Mann.
So froh ich war, dass die Aktivitäten mit seinen Freunden von einem Tag auf den anderen eingestellt waren, desto erleichterter bin ich darüber, dass er nach Monaten der Perspektivlosigkeit endlich eine neue Aufgabe hat.
Welche gleich nochmal, will Mama noch wissen?
Und mich weiter aufhalten.
Er hilft dabei, rund um die B 19 irgendwelche Straßen zu bewachen. 25, Höchstgeschwindigkeit. Halten die Straßen sauber. Dort sind nicht mal Motorräder erlaubt.
Dafür würden die Leute schon selbst sorgen, meint sie schnippisch. Ganz genau, Leute wie wir, nicke ich Mama scharf ab. Doch selbst dafür hat sie höchstens Spot über.
Sie lehnt ihn so abgrundtief ab, wie sie alle bis zum Abgrund tief ablehnt, seit man sie so - und dass, muss ich zugeben, stimmt - abgelehnt hat.
Mama hat sehr, sehr viel unternommen weiter ein kleiner Teil eines größeren Ganzen zu bleiben.
Bevor wir davon wieder anfangen, bringe ich die Küchenabfälle zum Kompost. Noch aus dem Haus in einiger Entfernung höre ich sie durch den strömenden Starkregen bis nach hinten in den Garten.
Der Pfad über den Rasen voller Unkraut ist kein Pfad, wie ich in dem Matsch darunter trotz schnellen Hüpfens bis zur Ferse einsinke. Die Sachen an der Leine nur mehr nasse Fetzen; heben wir die am Boden später auf.
Manch schwarzer, rot glühender Gedanke so schlimm, dass es mir nicht gelingen will, ihn vor der größten denkbaren Institution rechtfertigen zu können:
- Mir selbst.
Denn wieder und wieder rechne ich Jahre, Monate und Tage hoch, die mir in diesem Leben vielleicht noch ohne sie vergönnt sein werden.
Wie bald das vielleicht schon sein mag, und so.
Wie schön es dann sein wird. Ganz sicher wird es schön werden. Wenn dem dann so sein wird, würde mich das selbst mit Elias versöhnen:
Die aufregende Abenteuerin und ihr bekloppter Bruder, gemeinsam in einem Van auf der langen Reise zu sich selbst.
Die Asche ihrer toten Mutter auf steilen Klippen dabei.
(Elias dürfte sie freilassen.)
Wir würden lange hinaussehen und noch einen Moment bleiben bevor wir weiter unserer Bestimmung entgegenfahren.
Doch auch mein Kitsch kennt seine Grenzen.
Wenn man sie dalassen darf?!
- Vermutlich… Meine Uhr stoppt noch immer mit.
Ich bleib nicht so lange!
Nichts lieber will ich als ihr das sagen.
Nur einen Spalt breit ausdampfen...
Aus manchen Autos ragen Smartphones in den Regen.
Alles treibt auf die letzte Raststätte vor der Grenze hin.
- Wollt Ihr nicht wissen, was danach kommt, Mäuse?
Mit unseren Papieren werden sie uns rasch durchlassen; auch wenn wir vier wenig hergeben, eher harmlosere Assoziationen auszulösen.
Von außen gut einsehbar, in wichtiger Mission unterwegs zu sein. Eine neue Verordnung gilt seit Mitternacht.
Keine Informationen vorab.
Von sämtlichen Reisenden alle Personalien erfassen.
Auch von jenen nur auf Durchfahrt. Nur waren sie darauf offenbar nicht so gut vorbereitet, das von sich aus so genannte Grenzregime. So gesehen waren wir Frühaufsteher um drei Stunden zu spät los. Aber das wird schon werden.
- Zuversicht, Mäuse!
Es gab mal eine Zeit, da war das der Normalfall!
- Ich will meine ungefähre Zeit meines Normalfalls:
2 Minuten; und ich erhöhe!
T-Bone boxt mich auf genau die Stelle des Oberarms, welche so fies lang nachzieht. Grundsätzliche Probleme wie etwa die Frage, wo auf die Toilette - wobei sich schon vor einer Stunde - oder zwanzig Metern - jemand achselzuckend hinter der Leitplanke - Sichtschutz auf optimaler Höhe - seiner Notdurft entledigte. Auf der Autobahn galten schon vormals strenge Ausgangsbeschränkungen im Auto, Mäuse.
Im Vergleich zu Verordnungen ist der Mensch terminiert.
Mit Fokus auf Reisenden aus bestimmten Gebieten, oder ohne App. Selbst wenn das Bessere durch schlechte Zeiten muss, war nie Rede davon, Recht um Recht um Recht genommen zu bekommen.
Am Ende läuft die Nummer dahingehend hinaus, dass Leute meiner Generation die letzten sein werden, die noch wissen, was es war, wie Freiheit bei all ihren Dellen im Lack schön war.
- Merkt Ihr Euch die Zeit, Mäuse?!
Auch wenn es wieder und wieder abreißt, ist immerhin auf diesem Streckenabschnitt schwach Netz da. Alle Richtung Rastplatz, zu dem es nur mehr 2,5 Kilometer sind, wie dem aus der Nähe doch sehr wuchtigen Schild neben uns zu entnehmen ist. Hier drin gehen wir auf die 40° zu.
Sie sagten noch, wir hätten abfahren sollen, glaube ich, beiden nicht richtig zugehört zu haben.
Reich´ den Mäusen bitte Tücher nach hinten.
Hey, Kommandobrücke an Rückbank - keine Wasserflecken auf der Verkleidung. Das habe ich nicht so gern. Kurzen Wisch drüber, dann alles fein.
Das hört bestimmt gleich auf.
Dann kommen die Scheiben wieder runter und wird es auch weitergehen. Stellt Euch nur vor, wir wären später aufgebrochen…
Ging zwar auf den Sprit; aber ich schwöre, das gehörte zum Plan: Noch 2,5 Kilometer und wir sind an der Tankstelle.
Kaffee, (Zigaretten!), Raststätte, Spiele-Paradies, gute Küche etc. - Denke sehr wohl voraus, meine Teuerste.
Zigaretten...
Sie wollten auch nur mehr weg.
In zwei Stunden ist Mittag, Leute! Jetzt haben es zumindest die Mäuse hinter sich. Na ja, bald.
Alle können Reißverschluss. Kann doch nicht so schwer sein...
Wenn die vielen LKWs stehenbleiben würden - genießen aber Priorität.
Stimmt, bei so Regen darf man nicht fahren, Mäuse.
So fahrt auch kein-
Ja, sicher - entschuldige mich bei allen:
Die Liebe nahm mir das Vulgäre; aber T-Bone, komm schon - wer ahnt sowas?! Die Mäuse hören durch ihre Kopfhörer eh nur was sie wollen; aber das waren eben kratz mir doch den Schwanz wund die Letzten, die besser nicht hätten absagen sollen. Manche meiner Entscheidungen aus dem letzten Quartal stellten sich als teilweise fatal heraus, wurden soweit es mir möglich war, revidiert und stehen mit der aktuellen Lage in keinem Zusammenhang.
(Weil ich ja vor mehr als einer Woche der sein musste, der das verfluchte Ding fand.)
Die eine Hälfte rationalisiert, der anderen zu gefährlich.
- All mein Verständnis, aber einen solchen Verlust lassen wir nicht zu. Hab auch nicht alles zu Ende gedacht; und doch bin ich froh dafür noch nicht zu spät zu sein. Mäuse:
Bei all dem Film-Spaß vergesst ihr mir nicht meine drei Ideen!
Ohne die Ruhe meiner Frau, die sie ausstrahlt, sie entlastet, würde weniger gehen. Auf dem Weg zurück drei Ideen - finden, suchen, was auch immer - welche es noch nicht gibt. Dann kreuzen wir aus, warum diese nicht?
Im besten Fall verdoppelt sich Taschengeld so. Und ich will meine Ideen. (Meine Frau entnervt es, wenn ich mal länger so drauf bin.) Sie begnügt sich damit, dann und wann die Handbremse zu lösen; nur um sie im gleichen Moment wieder anzuziehen. Sie mag es, wenn es einrastet.
Auch deswegen versuche ich mich so zu geben, allen trotz allem die Abwechslung zu bieten, welche uns der Urlaub in unserer komfortabel begrenzten Geräumigkeit übrig gelassen hat. Immerhin wissen jetzt mehr über die Macken der jeweils anderen als vor der Zwangsquarantäne.
- Und…
Und wenn ich noch so tief durch schnaufe, bleibt da noch immer etwas so Billiges dabei, was all dem niemals würdig werden würde. Überhaupt nicht würdig.
Wovon nichts hängen bleiben darf.
Aber es könnte sich auch als ein Handel herausstellen, den ich mehr und mehr bereit wäre, weiterhin einzugehen.
Wenn sich dabei so etwas ergibt und längst begonnen hat, sich selbst zu erweitern, ziert mein Gesicht zwar die Arschkarte; aber was hätte ich je gedacht, mir mehr für mich erwarten zu können?
Das Ego anderer, geht mir ab.
Ebenso Zigaretten, aber unter der Aufsicht erst am Rastplatz möglich. Darauf weise ich sie auch hin und noch bevor ich auf eine früher spekulieren kann, nickt T-Bone bestimmend und meint, das wäre schon auch gut so.
Reicht mir bitte einen Joghurt durch?
Nein, nein, der auch nicht; nein-
- Kein Natur mehr?
Dann nichts für meinen Geschmack dabei.
Dann eben nicht.
Noch kein Rückruf, nichts. Nicht so pro-aktiv, Leute...
Und Mäuse, diese kurze Verzögerung spielt Euch in die Hände. Ja, uns ist allen heiß, Maus.
Scheibe runter, wenn Regen weg.
Der Stoff nimmt ja nicht alles auf; ihr seht es ja.
Stelle die Scheibenwischer ab, die gegen die Massen an Wasser keinen Sinn machen. Schaut trotzdem nicht so demonstrativ rüber.
Die machen das Gleiche wie wir bis es weitergeht.
Tatsächlich sind wir bislang gut durchgekommen, oder?
Solange das für das Labor auch gilt, macht es mir weniger aus, von hier aus nichts unternehmen zu können.
Wir haben genau die Richtigen vor Ort.
Ohne diese kurze Verzögerung wären wir trotz Raststätte in unter einer Stunde da. Die Mäuse abliefern - dann sofort ins Labor. War dann ein toller Urlaub...
Kommt so ins Album.
Hat auch Vorteile - zumindest hier ist das Netz stabiler als im Hotel. Du versuchst es weiter bei Frau Michaela und ich bin dahinter, Herrn Deuter zu erreichen.
Feuerwehr, Polizei - sie hat den Überblick, hat sie?
Noch kann niemand genaueres sagen.
- Deuter, wahrscheinlich.
Mein Vorschlag eben war ein Spaß.
Daran will ich nicht denken müssen!
Ihre nach Tagen noch immer glatten Beine schimmern
herb-gold. Außer dem Geschmack ihrer Bodylotion bleibt mit der Zunge entlang nichts hängen. Wozu hat man Familie, fragt sie mich, ohne hinter ihrer schwarzen Pilotenbrille aufzusehen.
Will ich ihr auch gleich entgegnen, Schatz; verfalle stattdessen in kurzes Schweigen, mir diese Frage noch niemals fundiert gestellt zu haben.
- Uh, uh - Mäuse! Mäuse!?
Einen hab ich Euch. Auf die anderen beiden müsst Ihr selber kommen. Wie war etwas nicht umsonst?
- Sie boxt mich erneut auf die Stelle von vorhin und meint, das wäre gemein von mir! Aber sie hängen sich dahinter. Ergebnisse aus Eifer wollen belohnt sein.
(Wie es die Party in meinem Schritt wert war.)
Wir küssen uns auf den Mund.
Nach Krise, ist vor der Sintflut, oder wie?
Der Spalt breit nahm den Scheiben nichts an Beschlag.
Niemand weiß, wie lang oder was da vor uns los ist.
Was ins Leere zielt, Mäuse, wenn daraus keine Lehren gezogen werden. Ihr kennt das Spiel.
Wahrscheinlich des Regens wegen. Keiner fährt.
Sehe von hier aus: kommen nach der Auffahrt vorbei über die Autobahnbrücke die leichte Steigung hoch, dann Rastplatz.
- Dass uns da nicht mehr nachgibt, als alle befürchten.
Es kann doch nicht so ernst sein, hatten wir uns alle eben noch gedacht; solange ist das alles noch nicht her.
Das Auszahlen von Investitionen wird neu definiert werden müssen. Eben noch vorher alles soweit unternommen, bei einem etwaigen Ausfall für zumindest 72 Stunden autark agieren zu können.
Auch ohne Blick auf die Uhr bin ich mir im Klaren darüber, wann genau sie um sein werden. Allerdings liegt dieser Zahl die volle Auslastung zugrunde.
Wenige Minuten noch. Dann greifen wir es auf die gute alte Art an. Als Angebot und Nachfrage noch in Übereinstimmung war, hatten wir einen Fachmann im Haus, der meinte, dass das unmöglich sei, autark zu agieren.
War uns ´ne große Hilfe, der Mann.
Sicher geht dem zur Minute das Arschwasser weniger wie mir.
Insbesondere die Kühlanlagen im Ostflügel sind auf fortwährende Energiezufuhr angewiesen. Falls der Südflügel eben jene Zufuhr mit nach unten nahm - ob Sturm, mangelnde Wartung, neuerlicher Ausbruch oder was auch immer den Stromkreis unterbrach, ist völlig sekundär.
Gegenstand späterer Ermittlungen, und so.
Primär sind es die aktiven wie passiven Kühlketten, die absolute Priorität haben. Der Donner nimmt zu, der senkrechte Regen wird feiner. Machen wir eben in einer Nummer kleiner, will eine Vielzahl an gesellschaftlichen Voraussetzungen permanent gekühlt sein.
- Chauffeur an Mäuse: hey, Mäuse!
Was brauchen wir für zehn Eiskeller?
Wo bekommen wir es um den Campus so schnell wie möglich her? Uhr läuft.
Unter fünfzehn Minuten, und ich leg´ was drauf.
Wenn von Beginn an fair bei allem eingebunden, kann Kinderarbeit viel. Überschlage die ungefähre Zeit im Kopf, wie lange der Ausfall anhält. Demnach müssten die Generatoren mittlerweile ihren Schwarzstart gehabt haben; also, ob sie von allein angelaufen sind.
Herr Deuter wird den Stand der Dinge haben.
Dann soll er an meinen Schreibtisch gehen. Nehmen, was er auf ihm aufgeklappt vorfindet. Sozusagen sein Krisenbonus, gehört ihm allein. Wenn er seinen Bonus im Labor, vor Ort oder dem gesamten Medizin-Campus offen zur Schau stellt, wird er fristlos gekündigt; werden wir uns das so ausmachen. Da er sich nicht bei mir meldet, kann ich es bei allen vollen Balken nicht mehr abwarten und versuche ich es erneut. Sie auch.
Nichts von Frau Michaela, Schatz?
- Nichts? Nichts.
Nichts.
Weiß zwar nicht, was sie da zu schmunzeln hat, bleibe aber die Ruhe selbst. Sie geht nahtlos über, die Resultate der Mäuse durchzurufen. Dass die Zwillinge nicht nach ihr geraten könnten, wird ihre Sorge nicht werden.
Die beiden amüsiert es weil ich da, wo es brennt, Eis hinbestelle. Nur weil etwas außerhalb gewohnter Ordnung ist, darf es nicht ignoriert werden, Mäuse. Mäuse, hört Ihr?
Bei all dem Spaß im Backofen - wenn diese Chargen als Verlust verzeichnet werden, kann es ganz in echt eng vor knapp werden.
Kann es noch so geräumig sein - könnte die Fahrertür öffnen, auf das Dach steigen, einen Überblick beschaffen, mir den Ekel über die Enge abschütteln.
Eine rauchen.
Einige Reihen vor uns tanzen welche im Regen.
Tanzen im Regen, fahren nicht weiter.
Könnte eine Pause, Nikotin und Schokoriegel brauchen.
Alles redlich verdient. Sie sieht nicht von dem hoch, an dem sie im Moment dran ist. Als wäre ihre Schönheit dahinter, den Sonnenstrahlen zuvorzukommen. Weil sie sich ohne den Hauch eines Zweifels irgendwo auf der Strecke gedacht haben muss, von mir nie ausreichend bedacht worden zu sein, nahm ich die Gelegenheit wahr und bat vielfach um Verzeihung, sie lange vorher mit anderen Dingen meinem Anspruch ausgesetzt zu haben.
In den meisten Fällen mit fehlender Vorwarnung.
Wie toll sie alle mitmachen, die Mäuse, gerade sie und so.
Schließlich sinkt uns unter Umständen unser beider Boden ab. Welcher Beweis muss vorliegen, bis ich ihn zweifelsfrei anerkenne?
(Endlich!)
- Schnell, Dein Telefon!
Alle Scheiben runter - Luft, Luft, Luft!
Auf dem angefeuchteten Asphalt flimmert bereits der nächste Hitzerekord hoch. Laut Frau Michaela steckt mittlerweile selbst schweres Gerät vor Ort fest.
Alle sind dahinter; ein irrer Aufwand.
Was sonst, was ist mit den Kühlanlagen?!
Immerhin!
T-Bone lässt Frau Michaela bereits unsere Policen durchgehen. Wenn die alle sagen, sie zahlen nicht, können wir das ganze Blut gleich auf die Straße schütten.
Die Verbindung bricht ab.
(Ich bin nicht echt aufs Dach gestiegen.)
Sollte es zum Äußersten kommen und wir ihn brauchen, wird Dave sich bei der Gelegenheit unbeaufsichtigt umsehen - und fündig werden. Wenn es sich dann noch herumspricht, dass er auf dem Areal gesehen wurde, bin ich pro-aktiv gegen Vaters ausdrücklich letzten Willen vorgegangen. Klauseln könnten so schlagend werden, die auf der Gegenseite, in der anderen Familie, schon keiner vergessen haben wird.
Bin nicht unbedingt scharf darauf, es herauszufinden.
Müsste zwar wissen, wie lang das geht, sollte es aber eventuell bleiben lassen.
Meine Ideen waren auch schon mal besser...
Muss Deuter erreichen.
Dann lediglich das Kunststück vollbringen, sie nicht mithören zu lassen. Dann würde ich aussteigen; so, wie es nun mehr einige um uns herum machen.
Ich würde ja nichts von meinem Bruder erzählen, merkt
T-Bone beiläufig an und nimmt die Pilotenbrille nur ab, um sich mit dem Unterarm den Schweiß von der Stirn zu wischen.
Sie ist auf ihrer gewohnt richtigen Fährte, was den Schandfleck angeht. Meinen leichten Vorsprung an Information muss ich sie nicht wissen lassen.
Falls sie nicht sowieso von allein draufgekommen ist...
Was die letzten Tage nicht der Fall war.
Würde näher darauf eingehen, Schatz, wenn es nicht gleich weitergehen würde - vorne tut sich doch was, oder?
Beschwichtigend tätschelt sie mir den Ellbogen und meint, wo wir sind, ist vorn. Tatsache. Der Stau sind nun ein BMW X3 auch wir; es kam ja auch so unerwartet!
All unsere Freunde haben uns abgeraten, fahrt nicht.
Alle! Der Mäuse wegen wenig darauf geachtet, was sich im Rückspiegel längst anstaut. Was sollten die, die man hinter sich gelassen hat, auch groß darüber in Erfahrung bringen, wonach vorne verlangt wird? Autobahn braucht wenig, um zu einem einzig großen Parkplatz zu werden; aber soweit kommt´s noch...!
Zu so Entscheidungen wie: Unterhaltung oder Batterie?
Doch wenn wer denkt, ich würde nicht mitdenken; denkt, ich wäre nicht darauf präpariert, liegt vollkommen falsch. Aus der Hotelküche extra belegte Brote dabei.
- Alle greifen sie zu. Deuter meldet sich einfach nicht...
T-Bone nimmt die vor Majo triefende Gurkenscheibe, die auf ihrem schlanken, nackten Oberschenkel gerutscht ist, auf und meint nebensächlich, mein Bruder David würde sich wohl kaum so aufführen, wie ich es erzähle, wenn er nicht früher auch mal so behandelt worden wäre.
Aber ich würde besser wissen, ob da was war.
Sie hat erkannt, dass ich am Ende meiner Ausreden angelangt bin. Ich könnte es sie machen lassen.
Also gut; ewig nicht gemacht - und auf mein Risiko.
Mäuse, Kopfhörer volle Lautstärke - Angelegenheit unter Großen. Falls er unter Judenkiller überhaupt noch zu erreichen ist; ach, was sag ich..
01:53:13 C: aber ich muss dich warnen
Dieser Countdown zählt doch nur in deinem Kopf runter; oder was, sag, was denkst du, hier beweisen zu wollen...?
Ich erinnere mich gut daran, als das vor dem Frühstück bereits heute Morgen schon zur Sprache kam.
Weil sich besagter Countdown eben nicht in meinem Kopf abspielt. (Ich war es nicht, der ihn angelegt hat.) Nicht alles muss gleich so derb über die Kante hinausgehen.
Schließlich lernen sie dort als ziemlich Erstes auf das zu sehen, was hinter dem Schock steht. Celina streichelt weiter Georges schöne Haare, ohne mich aus dem Blick zu nehmen; kein Blick für den schönen George, der - so wie es für mich aussieht - bereits dabei ist, die Cops zu rufen; und sie lächelt, lächelt mich an.
Der Olli legt vermutlich nicht die Hälfte seiner Kraft hinein, stemmt die Schiebetür beiseite, als würde dem Türschlitten nichts fehlen; macht so mehr kaputt, als es seit ein paar Sekunden ohnehin schon war.
- Olli, Du bleibst hier! Ich werd Dich nicht nochmal suchen! Faktisch wären wir ohne den fetten Jungen mindestens zwei Stunden früher dran.
Hätten Stella nicht erneut verpasst.
Und der Bus hätte an dieser Stelle nicht lange genug geparkt...
Der schöne George wagt es kaum, sie anzufassen.
An der Strecke gemessen, die sie eben hingelegt hat, verständlich. Dann muss er einen reflexhaften Schritt zur Seite nehmen, weil Celina sich plötzlich übergibt.
Bequem lässt sich meine Fahrertür öffnen wie eh und je.
Ich lass Euch ja gleich raus...!
Wallis Geschrei hinten ausblenden.
Darüber hinaus werden mit hoher Wahrscheinlichkeit beide Frauen (Celina, als auch Stellas Mutter) mir gegenüber kein weiteres Wort zugestehen, solange ich keine echte Reue zeige und mich stelle.
Ganz leicht geht sie auf, die Fahrertür.
Mich endlich, endlich, endlich stellen...
Und so ganz nebenbei einen jahrelangen Verfolgungswahn beenden. Denn wenn das kippen würde, kippt alles und ich ganz allein habe es zu kippen gebracht, weil ich dort, gar über Umwege, so unbedingt vorbeizuschauen hatte. Meine Tochter werde ich mir ein für alle Mal abschreiben können.
Und genau da dürfte ich dann anfangen mich zu stellen.
Auch spät muss man nicht unbedingt aufhören, noch etwas anzufangen. Reiß Dich endlich ein, Walli!
Stelle den Motor nicht ab, um Celina nicht aus den Scheinwerfern zu nehmen, welche nur auf meine Schwester gerichtet sind. Ihr scheint nichts zu fehlen!
Ihr. Scheint. Nichts. Zu fehlen.
- Wie ist das möglich!?
Wäre oben nicht so viel los, wären wir längst weg.
Eine Runde – kein Parkplatz – noch eine Runde.
Hat mich alles verflucht wertvolle Zeit gekostet, die ich vergeudet habe. Dann eine Parkbucht direkt gegenüber.
Schließlich wurde ich seit heute Abend zu dem Gejagten, der ich in Wirklichkeit vor zehn Jahren geworden bin.
Und was bin ich in all der Zeit doch vorsichtig gewesen.
Um von nun an nur mehr von hier wegzukommen, um vor etwas davonzufahren, wohin mich alles nicht mehr einholen wird. Celina setzt sich und sieht hoch.
Ihr scheint nichts zu fehlen.
Wie hätte sie mich je einholen können - sie war Blickfang der Party. Sie richtet ihren geschockten Blick von nach oben direkt auf den Bus, direkt auf uns. Im Leben war der Lift nicht so schnell unten; er stand eben noch oben, irgendwo weit bei Saskia hinten: der schöne George; kommt aus dem Haus gerannt, sieht hoch, weiter hoch, kein Auto, rein nichts, worauf er zu achten hätte, nimmt ihr Smartphone (bringt das verdammte Ding wieder zu leuchten) beugt sich zu Celina, die auf dem niedrigen Randstein sitzt und sich an Rücken und Kopf greift.
Dann deutet er mit seinem ausgestrecktem Zeigefinger nach oben; von dort, direkt auf unseren Bus. Celina dreht ihren Kopf nicht, sondern wendet ihre ganze Körperachse auf beiden Händen abgestützt in genau unsere Richtung.
01:50:50 C: was war das
Zuerst knallt dem Opel Monavo von oben ein Smartphone vor die Scheinwerfer, direkt in deren weit ausgeleuchtete Leere, bevor es mitten auf der Straße liegen bleibt. Dessen Hülle mir eigenartig bekannt vorkommt; aber was war das!?! Der Bus wurde von-was-auch-immer getroffen.
- Walli, Olli, seid Ihr OK?!
Sieh sich einer unser Dach an: ganz eindeutig getroffen!
Die seitliche Schiebetür lässt sich nicht mehr öffnen.
Walli versucht es wie wild, sie aufzubekommen. Der Olli hilft ihr, halbherzig; Hauptsache, ihr Gekreische bleibt so lange als möglich aus. Walli versucht es vergeblich. Und Stellas Mutter sagte noch, ich solle auf den schicken Bus aufpassen… Die zweite große Nummer mit im Gepäck, vor der ich fortan weglaufen darf, weil mir eine, die mir an und für sich leicht gereicht hätte, allem Anschein nach nicht genug war; weiß ich auch nicht, was das eben war!!!
Längst war die Nacht zu heiß geworden, mich ihrem Funkenflug weiterhin direkt auszusetzen; ohne dabei das reale Risiko in Kauf zu nehmen, dabei eventuell bis zur eigenen Vernichtung auszubrennen.
Könnte den Benziner wieder abdrehen.
Wenn sie nicht schon vorher war, lassen sie uns mit der Delle im Dach sowieso nicht weit.
01:50:11 C: wenn es so erzählt wurde fühl ich´s fast ein bisschen
Jedes Arschloch genau da abzuholen, wo es eben steht, gehört sicher zu den schwächsten all meiner bisherigen Beiträge. Was von da runterfällt, fällt für mich ab.
War immer so. Nie darüber hinausgekommen.
Vielleicht diesmal nicht direkt abgeholt, sondern nur dagestanden. Könnte den Olli bitten hinzurennen, um nachzusehen, aber er ist so fürchterlich fett. Außerdem wurde die Schiene der Seitentür verbogen: sie lässt sich nicht mehr öffnen. Als wäre es das Signal, in Hysterie zu verfallen...
Dein Geschrei macht es nicht besser, Walli!
01:49:25 C: gedacht, uns später beim Einschlafen zuzusehen
Etwas spät vielleicht, aber dann doch ein Freund der besseren Antwort geworden. Also dann von hinten her so anfangen, dass es vor jedem Richter dieser Welt standhält.
Bei all ihren Umwegen an die Entscheidungen zurück, die wissentlich falsch waren. Von welchen noch in den Momenten ihres Vollzugs klar war, worauf man sich einlässt.
Um etwa nicht fahrig zu werden, worauf an anderen Stellen doch nur gewartet wird.
Wie hätte ich je ohne deren Geduld angefangen?
Mit denen in unmittelbarer Nähe beginnend vom Ende her gedanklich alle so aufgereiht, dass sie an genau das entnommene Argument zurückführen, welchem ich unterlegen war und es noch immer bin. In Begegnungen verschachtelt, die stattfanden und danach weiter von dem argumentiert werden, der die geborgene Schachtel zu seinen Gunsten zu öffnen wissen wird.
Dieser Mensch war ich; ebenso einer, der ewig keinen Parkplatz fand...
Bis eben jenem hier: direkt vor dem Haus.
An der Straßenseite gegenüber des Eingangs in den Turm hoch. Von etwas, was mir meine Schwester noch eben erzählt hat - war es dem Anschein nach doch wichtig - will mir nichts einfallen. Der Jubel über fremdes Fehlverhalten kann an einem Pfahl branden, über dem die Mittagssonne thront.
Nichts kühlt in seinem geworfenen Schatten ab, der über die Runden wandert. An dem ich nackt angebunden stehen werde, wenn ich mich jetzt nicht schleunigst aus dem Staub mache. Werde die Kids abliefern, Sex haben und von da an auf der Flucht sein. Vor ihrer Reaktion, die mit all ihrer vollen Grausamkeit auf mich niedergehen wird, werde ich weggefahren sein.
Denn ich bin, wenn sie gnädig ist, nur der Fahrer.
Stellas Mutter und mich verbinden nur mehr solche kleinen Entgegenkommen, die sie mir auf stetiger Nachfrage widerwillig zugesteht.
Die Nachfragen selbst sind ein Kapitel für sich, aus dem alle Register gezogen wurden, welche mich - und vor allem ich den Bus - bis zu genau diesem Punkt einholten, dann genau dort zu sein, wo ich jetzt bin.
Schockt mich für den Bruchteil einer Sekunde jedes Mal aufs Neue. Ab da hat es angefangen...
01:43:24 C: wander kurz zum Sofa
- Meistens legt sie sich hin, wenn Stella da ist.
Es war ein beiläufiger Nebensatz von ihm. Von dem ich auch nicht ausgehe, es würde den Olli persönlich weiter groß interessieren oder dass er versuchen würde, durch diese Info an mich einen Vorteil für sich herausschlagen zu wollen.
Aber mich ließ es aufhorchen Olli, wie meinst du das?
Na, schlafen. Sie legt sich hin. Entweder auf der Bürocouch oder sie geht gleich nach oben.
Scheiße...
Zur Genüge kenne ich solches Verhalten aus eigener Erfahrung, wenn einen Situationen in Gänze so derart angehen, sich schlicht schlafen legen zu wollen.
Hauptsache, alles ist bald vorbei.
Es ist zwar etwas, was an der einen Sache gut ist, wenn Catherine unsere Tochter über den restlich verlorenen Haufen stellt; doch wofür würde sie mich so abrennen lassen?!
- Weil die Beiden mit Rücken zu mir allein weiter wollen.
Wie es ein Freund neulich befand.
Empfand ich als brutalen Befund. Selbst aus Distanz.
Doch auf Distanz: denke an mich, wo ich gerade bin.
(Wie ich mir denke, was sie wohl gerade machen?)
Nur will, dass beide glücklich sind. Mehr als alles andere. Bei ihnen sein. Auch, wenn ich nicht mehr dabei bin.
Solange es so bleibt, kann ich mir überlegen, ob ich für mich behalte, wie sehr sie sich in mein Verlangen eingebrannt haben. Liegt seit heute Nachmittag nicht mehr in meiner Macht. Kann noch immer nicht sagen, ob sie es alle schon wissen? Es liegt nicht in meiner Macht, wann, wie häufig und langanhaltend mir die Bilder der beiden Ereignisse noch ins Bewusstsein schießen werden.
Reue kann ein Gewissen zeigen!
In ganz unscheinbaren Momenten fegt es durch Szenarien, macht hell in dunkel und fokussiert auf das Scheinbare, in dem nichts davon über meine Lippen kommen, nichts über den Blick huschen oder ein Zucken durch den Körper fahren darf, weil die getroffene Fremde eine meterweite Flugbahn zieht, die bis in die Gegenwart reicht und sich weigert, ihr Ende zu finden. Wundervoll.
Nun lügen sie beide… All das würde ich meinetwegen glauben; aber da war First Instinct
