Norby Eine dramatische Dichtung - Bonsels, Waldemar - kostenlos E-Book

Norby Eine dramatische Dichtung E-Book

Bonsels, Waldemar

0,0
0,00 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Gratis E-Book downloaden und überzeugen wie bequem das Lesen mit Legimi ist.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 92

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



The Project Gutenberg EBook of Norby, by Waldemar BonselsThis eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and mostother parts of the world at no cost and with almost no restrictionswhatsoever.  You may copy it, give it away or re-use it under the terms ofthe Project Gutenberg License included with this eBook or online atwww.gutenberg.org.  If you are not located in the United States, you'll haveto check the laws of the country where you are located before using this ebook.Title: Norby       Eine dramatische DichtungAuthor: Waldemar BonselsRelease Date: February 20, 2016 [EBook #51254]Language: German*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK NORBY ***Produced by Norbert H. Langkau, Norbert Müller and theOnline Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net

Norby

Eine dramatische Dichtung

von

Waldemar Bonsels

1921

Verlegt bei Schuster & Loeffler Berlin und Leipzig

Die Dichtung ist in den Jahren 1908 bis 1915 entstanden. Die vorliegende Ausgabe ist die dritte Auflage. Die erste Auflage ist unter dem Titel: »Der Pfarrer von Norby« im Verlag von Walter Schmidkunz in München im Jahre 1916 erschienen. Copyright 1919 by Schuster & Loeffler. Gedruckt in der Spamerschen Buchdruckerei in Leipzig. Alle Rechte vorbehalten.

Viertes und fünftes Tausend.

Die Personen der Dichtung

Bernd Oerlsund, Lotse

Holger, sein Sohn

Naemi, Oerlsunds Pflegetochter

Arne, Pfarrer von Norby

Der Kirchenrat

Der Knecht Jörgen

Der Amtmann von Norby

Der Küster

Die Moorvettel

Zwei Moormännchen

Ein Fischer

Eine Pflegefrau, Burschen, Gesinde, Volk

Ort: irgendwo, Zeit: irgendwann, am Meer.

Erster Aufzug

Wohnraum des Lotsenhauses der Oerlsunds auf Norby. Nacht. Sturm. Mond und die wechselnden Lichter des Leuchtfeuers an den Scheiben. Auf dem Kamin Kerzen. Auf seinem Lager der sterbende Bernd Oerlsund. Holger Oerlsund. Der Großknecht Jörgen. Eine Pflegefrau. Am Kamin Gesinde.

Jörgen

Ihr habt noch keinen Sturm gehört wie diesen!Und zwiefach bringt sein Brausen Licht und Tod.Ich sah den Tod im düstern Abendrot,nun hat ihn Gott in dieses Haus gewiesen.Solang ich denke, brach der Sturm noch nieso fessellos und so allmächtig ein.Gott soll dem Haus der Oerlsund gnädig sein.Und die in Seenot sind, Gott schütze sie. —Der Kranke schläft. Der Sturm wiegt seinen Traum.

Holger

Sein starkes Angesicht verrät es kaum,daß er uns läßt. Er stirbt, wie er gelebt.Nie hat der Tod ihm Graun und Furcht gemacht.

Jörgen

Sprich leise, daß er nicht erwacht.

Holger

Im Frühling, in diesem bösen Jahr,als Hög den letzten Seeadler erlegt,der auf den Norbyer Klippen war,war ich erzürnt und tief bewegt,als sei nun eine große Zeit,ihre freie und wilde Herrlichkeitfür immer dahin. Glutrot hinter den Hügelnversank der Tag. Der Schuß traf gut.Der Vogel peitschte mit zornigen Flügelndas Meer, das aussah wie Blut.Lang hinhallend über die Seeklagte sein letztes Geschrei,dann sanken die Schwingen. Es war vorbei.Mir tat sein Tod in der Seele weh,und immer war mir ums Herz bis heute,als ob das Unheil für uns bedeute.

Jörgen

So darfst du nicht denken. Wie kann das sein.

Holger

Das Unglück brach bald genug herein.Zwei Wochen darauf ohne Dank und Grußverließ Naemi im Trotz das Haus.Die Dirne des Pfarrers wurde daraus!

Jörgen

Kein Herz weiß, was ein anderes muß.

Holger

Ich aber weiß, welch Unheil mir geschehn.Oh, wer begreift den Zorn, die bittere Pein,den Taumel von Erniedrigung und Not,wenn die geliebten Augen nicht mehr sehnund nicht mehr kennen, was ihr treuer Scheinnoch gestern traf als Leben oder Tod!?Ach, keine Macht auf Erden je gekannt,war groß genug, den trüben Bann zu brechen,in dem die teuren Augen nicht mehr sprechen,was einst Verheißung allen Glücks genannt.So muß ich gehen, wo ich kommen möchte,und dort entweichen, wo ich stetig bin,und alle Kraft erschöpft sich im Vergeben.Mich würgt der Haß, den ich ihr täglich brächte,wenn nicht mein Stolz ihn, im verkehrten Sinn,zu Gift vertauschte meinem eigenen Leben.

Jörgen

Wie gern ich deine Lasten auf mich nähmeund deinen Gram und deine Ungeduld.Ich bin zu alt, als daß der Menschen Schuldmir nicht erst weit nach ihren Schmerzen käme.Doch sag mir eins, auf daß ich gut empfinde,wie tief die Hoffnung noch in deiner Brustzu recht sich regt. Du gabst dem lieben Kindedein ganzes Herz, mit Willen und bewußt,doch hat auch sie dir je ein Wort gesprochen,das sie mit ihrem Abschiedsgruß gebrochen?

Holger

Was gelten Worte, wo mir jeder Blickund ihres ganzen Wesens holde Füllezu eigen war, wie ein vertrautes Glück,fernher aus unserer Kindheit erster Stille.Schlief nicht ihr Haupt an meinem Herzen ein,wenn wir am Strand, als Kinder, müde waren.Wer durfte ihr in Freuden und Gefahrenihr Freund, ihr Retter, ihre Zuflucht sein?Nur ich und niemand! Binden solche Gabenund solch Vertrauen erst nach einem Spruch?Oh, weh der Seele, der sie nicht genugund mehr als alles eingegeben haben.Wie sollt ich fordern, was ich nie erflehte,und wie verlangen, was ich tief besaß.Oh, schlechter Rat, durch den ich mich verräte,wer denkt das Licht, das er noch nie vergaß?Das Meer erwacht im unsichtbaren Wind,und wer erblickt die Kraft, in der es ruht?

Jörgen

Die Herzen der jungen Frauen sindGottes geheimnisvollstes Gut,mit dem er nach seinem Willen tut.Was uns wie Trotz und Willkür scheint,war oft von seiner Güte gemeint.

Holger

Das mögen die Alten, die nichts mehr begehren,hinter dem Ofen einander lehren.Ich finde mich nie und nie darein.Naemi war mein, Naemi ist mein.Verflucht der Tag, an dem der fremde Mannmit Satanskünsten und verstelltem Willen,im heiligen Kleid sein Gaukelspiel begann,um ihre reinen Sinne einzuhüllen.Ach, dies Gewand der Schwermut lockt die Frauen,Verrat an ihrer mütterlichen Seeleist dieses Schauspiel aus Gelüst und Grauen,das frömmelnd naht, auf daß es lüstern stehle,was niemals aus gesundem, klarem Sinn,aus Freimut oder Lust gegeben würde.Er lockte durch die priesterliche Hürdeein arglos Kind zu seinem Schandbett hin.

Jörgen

Nimm dich in acht, des Pfarrers Wertmit Ungebühr herabzusetzen!Hat er Naemi je für sich begehrt?Ein weites Herz ist leichter zu verletzen,als zu erkennen. Schweig und hüte deins!Sie ging zu ihm, er nahm sie hin,weil sie nicht leben konnte ohne ihn.

Holger

Nur umso bittrer kränkt mich ihr Geschick.

Jörgen

So manche leiden unter ihrem Glück.Bedenke wohl, Naemi ist kein Kindaus deiner Heimat und aus deinem Land.Von Meer und Sturm ward sie uns fremd gesandt,mit ihrer Seele, die in Licht und Windaus heißen Wundern unter uns erwachte.Gott, der sie einst in unsre Mitte brachte,der wußte auch, wozu er sie bestimmt.

Holger

Damit sein Diener sie zur Dirne nimmt.

Jörgen

Das hat die Niedrigkeit der Welt erfunden!

Holger

Der dort, der hat es nie verwunden. —Das war des dunklen Unheils zweiter Schlag,das ihm so jäh die Lebenskraft zerbrach.

Ein Hornruf.

Jörgen

Horch auf! Sei still! Ein Notruf durch die Nacht!

Holger

rüstet sich zur Ausfahrt

Ein Schiff in Seenot! Sollte diese Nachtvergehn und uns nicht harte Arbeit bringen,die schon soviel an Bösem aufgebracht!Seht mich bereit, das Schwerste soll gelingen!Ein Schiff in Seenot! — Vater, schlaf du still.Dich soll Gefahr das letzte Mal nicht wecken.Es soll kein Mensch in Seegefahr erschrecken,weil dich der Tod nicht steuern lassen will!Noch lebt ein Oerlsund, Norbys Ruhm bleibt wach.

Jörgen

Fahr nicht hinaus, es sind genug am Ort.Wenn er erwacht, ein letztes Mal, er littezu schwer, dich nicht an seinem Bett zu sehn.Laß andre fahr’n. Geh du nicht fort!Versteh mich, weil ich für den Vater bitte.

Ein zweiter Hornstoß nah am Haus.

Holger

Weiß er, daß ich sein Erbe treu begann,stirbt er am leicht’sten, der getreue Mann.

Zum Gesinde

Was starrt ihr tatlos in die laute Nacht?Schafft die Geräte, weckt mir, die noch ruhn.Holt mir den Teerrock, Seile, geht mir sacht.Die Ruder von den Stangen! Christen soll es tun.

Ein Schiffer tritt auf, Licht und Sturm im Nacken.

Der Schiffer

Vor Attang liegt ein Schoner auf den Klippen!Der Sturm riß uns das letzte Feuer aus!Das beste Boot zerbrach die Eichenrippen.Ich lief nach Norby, Oerlsunds Lotsenhauswar unsre Hoffnung. Helft uns, wenn ihr könnt!Was muß ich sehn?! Bernd Oerlsund liegt darnieder?Wenn Sturm und Tod dies letzte Haus berennt,sieht draußen keiner je die Küste wieder.Sie sind verloren! — Gott sei ihnen nah.

Jörgen

Seid ihr verraten, wenn ein Oerlsund euchnicht Mut in die verzagten Knochen brüllt,daß ihr dies Haus mit eurer Klage füllt?Nehmt Mann und Boot und denkt an eure Pflicht.Wenn diese Nacht nur einer schlafen mag,ruft rasch das Horn die Schläfer wach!Die besten unserer Leute gehn zur Handund auch ich selbst — ein Weilchen nur —

Der Schiffer

Bernd Oerlsund stirbt!

Holger

Dort draußen sterben Viele!Das Rettungsboot von Norby ist bereit.Hier kommt der Tod gewiß zu seinem Ziele,dort draußen ist für uns noch Zeit!

Jörgen

zu Holger

So geh. Gott sei mit dir. Ich fühl’s mit Leid,oft nimmt die große Pflicht der kleinen Kleid,die nächste aber zwingt.

Bernd Oerlsund

Ich höre Sturm und Schrein!Es muß ein Schiff in Seenot sein.Gebt mir die Hand. Helft mir, ich muß in See.Daß ich nicht kann ... mich quält kein andres Weh.

Jörgen

Wenn der im Sterben seine Pflicht vergißt,hab ich für meine meinen Lohn dahin.Auf, Holger! Eh die Zeit vorüber ist.Das Boot vom Balken nach des Vaters Sinn,jag’ den Verzagten Feuer in die Seele,doch du komm wieder, daß dein Angesichtdem letzten Trost des Sterbenden nicht fehle.

Der Schiffer

Herr, zögern wir, kommt nur der Tod zur Tat,kommt mit hinab, das ist mein Bitt’ und Rat.Und habt auch Dank. Von Attang kamenfünf Leute mit mir. Kommt in Gottes Namen.

Er geht ab. Die Tür bleibt geöffnet. Sturm und Licht in der Nacht.

Holger

Soll ich dich, Vater, nicht mehr lebend sehn,so wird mit mir an deinem Lager stehnder stumme Jubel der vom Tod Befreiten.

Zu den Knechten

Wer ihn geliebt hat, wird uns gern begleiten.

Holger, das Gesinde ab.

Es bleibt eine Weile still. Von draußen klingt der Lärm und die Rufe der Arbeitenden. Jörgen verriegelt die Tür.

Die Pflegefrau

Ich ließ den Pfarrer rufen. Es tut not.Wie wünsch ich, daß ihn diese Stunde bringt.Oh, steht mir bei! Bernd Oerlsund ringtmit seinem letzten Funken Leben.

Jörgen

Gebt ihm den Trank, der Anfall wird sich geben.Daß auch die Botschaft, die er eben hörte,dem Sterbenden die letzte Kraft empörte.Ach, ich bin traurig. Dieses weiße Haaran meinen Schläfen ist mit ihm erbleicht.Ach einst, als er ein kleiner Knabe war,hab ich die ersten Ruder ihm gereicht.Die Kunst des Schwimmens hab ich ihm gezeigt,ich hab bewacht, in dienender Geduld,sein ganzes Leben, ohne Ruh und Schuld.