4,99 €
Erzählungen aus dem hohen Norden
Reich und alt ist das Märchenerbe der skandinavischen Völker. Vor allem in den unwirtlichen Wintern rückten die Menschen zusammen und wärmten sich an den überlieferten Geschichten, die sie so weiterreichten von Generation zu Generation. Von den Erzählungen der berühmten »Edda« über Geister- und Trollmärchen bis hin zu Fabeln und Pfarrer-Schwänken reicht diese unterhaltsame Sammlung nordischer Märchen und Sagen, deren Vielfalt auch den heutigen Leser noch verzaubert.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 450
Veröffentlichungsjahr: 2013
Erich Ackermann (Hg.)
Nordische Märchen und Sagen
Herausgegeben von Erich Ackermann
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliographie; detaillierte bibliographische Daten sind im Internet unter http://dnb.d-nb.de abrufbar.
© 2008 Anaconda Verlag GmbH, KölnAlle Rechte vorbehalten.ISBN 978-3-86647-224-2eISBN [email protected]
Märchen aus Norwegen
Per Gynt
Peter und Paul und Esben Aschenbrödel
Die Mühle, die auf dem Meeresgrund mahlt
Von Aschenbrödel, welcher die silbernen Enten, die Bettdecke und die goldne Harfe des Trollen stahl
Von dem Burschen, der zum Nordwind ging und sein Mehl zurückverlangte
Der Bursche, der sich in einen Löwen, einen Falken und eine Ameise verwandelte
Aschenbrödel, der mit dem Troll um die Wette aß
Die drei Prinzessinnen aus Witenland
Aase, das kleine Gänsemädchen
Der weiße Bär König Valemon
Der Pfarrer und der Küster
Von den Burschen, die die Trolle im Hedalwalde trafen
Der Bursche, der beim König diente
Märchen aus Schweden
Die drei Großmütterchen
Das Schloß, das auf Goldpfählen stand
Der Knabe, der das Kind des Riesen in den Brunnen fallen ließ
Das schöne Hirtenmädchen
Das Goldpferd, die Mondlampe und die Jungfrau im Zauberkäfig
Silfwerhwit und Lillwacker
Die kleine Rosa und die lange Leda
Märchen aus Dänemark
Die Prinzessin im Hügel
Der Salbyer Rabe
In des Wolfes Bau und Adlers Klau’
Hans und Grete
Das Siebengestirn
Einer, der’s faustdick hinter dem Ohr hat
Der filzige Lars
Der Lohn guter Taten
Drei rote Ferkelchen
Der treue Svend
Märchen aus Island
Der Küster von Mörkaa
Das Seemännchen
Der Mann von Grimsö und der Bär
Der Bräutigam und das Gespenst
Der Huldrekönig auf Selö
Nordische Sagen
Thiassi und Skadi
Die Kleinode der Asen
Thors Riesenabenteuer
Balders Tod
Lokis Bestrafung
Helgi und Sigrun
Rolf Kraki und seine Mannen
Alf und Alfhild
Hagbard und Signe
Ottar und Sigrid
Amleth
Beowulf
Frithjof
Nornagest
Nachwort
Quellenverzeichnis
Literatur in Auswahl
In alten Zeiten lebte in Quam ein Schütze, der hieß Per Gynt. Er lag beständig droben im Gebirge und schoß dort Bären und Elche, denn damals gab es noch mehr Wälder auf den Bergen, und in ihnen hielten sich derartige Untiere auf. In einem Jahre nun, spät im Herbst, nachdem das Vieh schon längst von den Bergweiden herabgetrieben war, wollte Per Gynt wieder einmal hinauf ins Gebirge. Mit Ausnahme von drei Sennerinnen hatten schon alle Hirtenleute das Gebirge verlassen. Als Per Gynt die Hövringalm erreichte, wo er in einer Sennhütte übernachten wollte, war es schon so dunkel, daß er die Hand nicht vor den Augen sehen konnte. Da fingen die Hunde plötzlich so fürchterlich zu bellen an, daß es Per Gynt ganz unheimlich zumute wurde. Plötzlich stieß sein Fuß an etwas an, und als er es befühlte, war es kalt und groß und schlüpfrig. Da er aber nicht vom Wege abgekommen zu sein glaubte, konnte er sich gar nicht erklären, was das sein könnte; aber es kam ihm gar nicht geheuer vor.
»Wer ist denn das?« fragte Per Gynt, denn er fühlte, daß es sich bewegte.
»Ei, ich bin der Böig*, der Krumme«, lautete die Antwort. Damit war aber Per Gynt so klug wie vorher. Er ging nun daran entlang, »denn schließlich muß ich doch daran vorbeikommen«, dachte er.
Im Weitergehen stieß er plötzlich wieder mit dem Fuß an etwas, und als er es anfühlte, war es wieder kalt und groß und schlüpfrig.
»Wer ist das?« fragte Per Gynt.
»Ich bin der Krumme«, lautete aufs neue die Antwort.
»Ei, ob du gerade oder krumm bist, du sollst mich doch weiterlassen«, sagte Per Gynt, denn er merkte, daß er im Kreise herumging und der Krumme sich um die Sennhütte herumgeschlängelt hatte. Bei diesen Worten schob sich der Krumme ein wenig auf die Seite, so daß Per Gynt an die Sennhütte hingelangen konnte. Als er hineinkam, war es da drinnen nicht heller als draußen; er stolperte und tastete an den Wänden umher, denn er wollte seine Flinte abstellen und seine Jagdtasche ablegen. Aber während er so suchend umhertappte, fühlte er wieder das Kalte, Große und Schlüpfrige.
»Wer ist denn das nun?« rief Per Gynt.
»Ach, ich bin der große Krumme«, lautete die Antwort. Und wohin er auch faßte und wohin er den Fuß setzte, überall fühlte Per Gynt den Ring, den der Krumme um ihn gezogen hatte.
»Hier ist nicht gut sein«, dachte Per Gynt, »weil dieser Krumme ebensogut hier drinnen als draußen ist; aber ich werde diesem Ruhestörer bald ein Ende machen.« Er nahm seine Flinte, ging wieder hinaus und tastete an dem Krummen entlang, bis er den Kopf fand.
»Wer bist du denn eigentlich?« fragte er.
»Ach, ich bin der große Krumme von Etnedal«, sagte der große Troll. Da machte Per Gynt kurzen Prozeß und schoß ihm drei Kugeln mitten durch den Kopf.
»Schieß noch einmal!« rief der Krumme. Aber Per Gynt wußte es besser, denn wenn er noch einmal geschossen hätte, wäre die Kugel auf ihn selbst zurückgeprallt. Als dies getan war, faßten Per Gynt und die Hunde fest zu und zogen den großen Troll aus der Sennhütte hinaus, damit sie es sich in der Hütte bequem machen könnten. Währenddessen lachte und höhnte es von allen Bergen ringsum.
»Per Gynt zog viel, aber die Hunde zogen mehr!« ertönte es.
Am Morgen wollte Per Gynt hinaus auf die Jagd. Als er tief in die Berge hineinkam, sah er ein Mädchen, das Schafe und Ziegen über einen Berggipfel trieb. Als er aber den Gipfel erreicht hatte, war das Mädchen mit seiner Herde verschwunden, und Per Gynt sah nichts als ein großes Rudel Bären.
»Ich habe doch noch nie Bären in Rudeln beisammen gesehen«, dachte Per Gynt. Als er aber näher kam, waren bis auf einen einzigen alle verschwunden. Da klang es von einem Berge dicht neben ihm:
»Nimm in acht den Eber dein,
Per Gynt steht draußen
Mit dem Stutzen sein!«
»Ach, dann widerfährt Per Gynt ein Unglück, nicht aber meinem Eber, denn er hat sich heute nicht gewaschen«, klang es aus dem Berge. Schnell wusch sich Per Gynt die Hände mit seinem Wasser und schoß den Bären tot. In den Bergen erhob sich ein schallendes Gelächter.
»Du hättest auf deinen Eber achtgeben sollen«, rief die eine Stimme.
»Ich habe nicht daran gedacht, daß er die Waschschüssel zwischen den Beinen hat«, erwiderte die andere.
Per Gynt zog dem Bären die Haut ab und vergrub den Körper im Geröll; aber den Kopf und das Fell nahm er mit. Auf dem Rückweg traf er mit einem Bergfuchs zusammen.
»Sieh mein Lämmchen, wie fett du bist!« rief es von einem Hügel her. »Seht nur, wie hoch Per Gynt den Stutzen trägt!« tönte es von einem andern Hügel, als Per Gynt die Flinte zum Schießen an die Wange legte und den Fuchs erschoß. Er zog auch diesem den Balg ab und nahm ihn mit; und als er an der Sennhütte ankam, nagelte er die Köpfe mit aufgesperrten Rachen außen an die Wand. Darauf machte er Feuer und stellte einen Suppentopf darüber; aber es rauchte so fürchterlich, daß Per Gynt kaum die Augen offenhalten konnte, und er mußte deshalb eine in der Wand befindliche Luke öffnen. Da kam gleich ein Troll herbei und steckte seine Nase durch die Luke herein, die Nase aber war so lang, daß sie bis an den Schornstein reichte.
»Da kannst du einmal ein ordentliches Riechhorn sehen«, sagte er.
»Und du kannst Suppe versuchen«, sagte Per Gynt und goß ihm den ganzen Topf Suppe über die Nase. Der Troll stürzte davon und jammerte laut; aber ringsum von allen Höhen lachte und spottete und ertönte es: »Suppenrüssel, Suppenrüssel!«
Hierauf war eine Weile alles still; doch dauerte es nicht lange, da erhob sich draußen wieder Lärm und Getöse. Per Gynt sah hinaus, und da erblickte er einen mit Bären bespannten Wagen; der große Troll wurde aufgeladen, und dann ging es hinauf ins Gebirge mit ihm. Während Per Gynt dem Wagen noch nachsah, wurde plötzlich ein Eimer Wasser durch den Schornstein herabgegossen; das Feuer erlosch, und Per Gynt saß im Dunkeln. Da begann es in allen Ecken zu lachen und zu spotten, und eine Stimme sagte:
»Jetzt wird es Per Gynt gerade so gehen wie den Sennerinnen in der Val-Hütte.«
Per Gynt zündete das Feuer wieder an, rief seine Hunde herbei, verschloß die Sennhütte und ging weiter nach Norden bis zu der Val-Hütte, in der die drei Sennerinnen waren.
Als er eine Strecke zurückgelegt hatte, sah er ein Feuer lodern, als wenn die ganze Val-Hütte in hellen Flammen stünde, und in demselben Augenblick stieß er auf ein Rudel Wölfe, von denen er die einen niederschoß und die anderen erschlug. Als er die Val-Hütte erreicht hatte, war es da stockfinster und von einer Feuersbrunst keine Spur zu entdecken, aber es waren vier fremde Männer in der Hütte, die die Sennerinnen belästigten; das waren vier Bergtrolle, die hießen Gust i Väre, Tron Valfjeldet, Tjöstöl Aabakken und Rolf Eldförpungen.* Gust i Väre stand vor der Tür und sollte Wache halten, während die andern bei den Sennerinnen drinnen waren und zudringlich werden wollten. Per Gynt schoß auf Gust iVäre, verfehlte ihn aber, und da lief Gust iVäre davon. Als dann Per Gynt in die Stube hineinkam, waren die Sennerinnen in großer Not; zwei von ihnen waren ganz außer sich vor Schrecken und flehten zu Gott um Hilfe und Rettung, die dritte aber, die man die tolle Kari nannte, hatte keine Angst. Sie sagte, sie sollten nur kommen, sie hätte wirklich Lust zu sehen, ob solche Kerle auch Schneid hätten. Als aber die Trolle merkten, daß Per Gynt im Zimmer war, fingen sie zu jammern an und sagten zu Eldförpungen, er solle Feuer anmachen. In demselben Augenblick fielen die Hunde über Tjöstöl Aabakken her und warfen ihn kopfüber auf den Herd, daß Asche und Funken umherstoben.
»Hast du meine Schlangen gesehen, Per Gynt?« fragte Tron Valfjeldet – so nannte er die Wölfe.
»Ja, und nun sollst du denselben Weg gehen wie deine Wölfe!« rief Per Gynt und erschoß ihn. Dann schlug er Tjöstöl Aabakken mit dem Flintenkolben tot; aber Eldförpungen war durch den Schornstein entflohen. Nachdem Per Gynt dieses getan hatte, begleitete er die Sennerinnen nach ihrem Dorfe, denn sie wagten nun nicht länger in der Hütte zu bleiben.
Als nun die Weihnachtszeit herankam, war Per Gynt wieder unterwegs. Er hatte von einem Hof auf Dovre gehört, wo sich am Christabend so viele Trolle einfinden sollten, daß die Bewohner flüchten und auf anderen Höfen Unterkunft suchen müßten; dieses Gehöft wollte Per Gynt aufsuchen, denn es gelüstete ihn, diese Trolle zu sehen. Er zog zerrissene Kleider an, nahm einen zahmen weißen Bären, der ihm zu eigen gehörte, sowie einen Pfriemen, etwas Pech und Draht mit. Als er den Hof erreicht hatte, ging er ins Haus hinein und bat um Obdach.
»Gott steh uns bei!« sagte der Mann. »Wir können dir kein Obdach geben, wir müssen selbst den Hof verlassen, denn an jedem Heiligen Abend wimmelt es hier von Trollen.«
Aber Per Gynt meinte, er werde das Haus schon von den Trollen säubern. So wurde ihm erlaubt dazubleiben, und er bekam eine Schweinehaut noch obendrein. Darauf legte sich der Bär hinter den Schornstein, Per holte Pech, Pfriemen und Draht hervor und machte sich daran, aus der ganzen Schweinehaut einen einzigen großen Schuh zu machen. Als Schnürband zog er einen dicken Strick hindurch, so daß er den Schuh rundherum zuschnüren konnte, und überdies hatte er noch zwei Stöcke bereit. Kaum war er fertig, da kamen die Trolle auch schon mit Fiedeln und Spielleuten dahergezogen, und die einen tanzten, die andern aßen von dem Weihnachtsessen, das auf dem Tische stand, einige brieten Speck, andere brieten Frösche und Kröten und ähnliches ekelhaftes Zeug – dieses Weihnachtsessen hatten sie selbst mitgebracht. Inzwischen bemerkten einige den von Per Gynt verfertigten Schuh. Da er für einen großen Fuß bestimmt zu sein schien, wollten die Trolle ihn anprobieren, und als jeder von ihnen einen Fuß hineingestellt hatte, zog Per Gynt den Schuh zu, zwängte einen Stock hinein und schnürte ihn so stark zu, daß alle miteinander in dem Schuh festsaßen. Aber jetzt streckte der Bär die Nase vor und schnupperte nach dem Braten hin.
»Möchtest du Kuchen haben, mein weißes Kätzchen?« fragte einer der Trolle und warf dem Bären einen noch brennend heißen gebratenen Frosch in den Rachen.
»Kratze und schlage, Meister Petz!« rief Per Gynt. Da wurde der Bär so zornig, daß er auf die Trolle losfuhr und nach allen Seiten Hiebe austeilte und sie kratzte. Und Per Gynt schlug mit dem andern Stock in den Haufen hinein, wie wenn er allen den Schädel einschlagen wollte. Da mußten die Trolle die Flucht ergreifen; Per Gynt aber blieb da und schmauste die ganze Weihnachtszeit über von dem Weihnachtsessen, und nun hörte man viele Jahre lang nichts mehr von den Trollen. Der Hofbauer aber hatte eine weiße Stute; da gab ihm Per den Rat, von dieser Stute Füllen aufzuziehen, diese dann in den Bergen herumstreifen und sich da vermehren zu lassen.
Nach vielen Jahren war die Weihnachtszeit wieder einmal vor der Tür. Der Hofbauer war im Walde und fällte Holz zum Feste. Da kam ein Troll herbei und rief ihm zu: »Hast du deine große weiße Katze noch?«
»Ja, sie liegt daheim hinter dem Ofen«, sagte der Mann, »und sie hat sieben Junge bekommen, die noch viel größer und besser sind als sie selbst.«
»Dann kommen wir nie wieder zu dir!« rief der Troll.
* Ein gespenstisches Ungeheuer des Nordens, das sich dem Wanderer als ein unsichtbares, kaltes, schleimiges Etwas um die Füße legt.
Es war einmal ein Mann, der hatte drei Söhne, die hießen Peter und Paul und Esben Aschenbrödel; aber weiter als die drei Söhne hatte er auch nichts in der Welt, ja, er war so arm, daß er nicht einmal einen Knopf an seinem Rock hatte, und darum sagte er oft und alle Tage zu den Burschen, sie sollten fort in die Welt und sich ihr Brot verdienen, denn zu Hause bei ihm müßten sie sich doch am Ende nur tothungern. Nun sollst du mal hören, wie zuletzt die Burschen auf Trab kamen; das ging nämlich so zu:
Nicht weit davon, wo der Mann wohnte, lag ein Königsschloß, und gerade vor den Fenstern des Königs stand eine Eiche, die war so groß und so dick, daß sie alles Licht wegnahm, so daß die Sonne nicht ins Zimmer scheinen konnte. Darum hatte der König demjenigen, der die Eiche umhauen könnte, viel Geld versprochen; aber dazu taugte keiner; denn sobald einer nur einen Span von dem Stamm abhaute, wuchs gleich wieder noch einmal soviel daran. Ferner wollte der König einen Brunnen gegraben haben, der sollte das ganze Jahr hindurch Wasser halten; denn alle Großen in seinem Reich hatten Brunnen, nur er hatte keinen, und das, deuchte dem König, wäre doch unrecht. Wer ihm nun einen solchen Brunnen graben konnte, der das ganze Jahr hindurch Wasser hielt, dem hatte er Geld und auch noch viele andere Dinge versprochen; aber keiner konnte es zustande bringen, denn das Schloß lag oben auf einem Berg, und kaum hatte man einige Zoll tief in die Erde gegraben, so kam man auf den harten Felsboden. Da sich aber der König einmal in den Kopf gesetzt hatte, daß die Sache zustande gebracht werden sollte, so ließ er zuletzt weit und breit bekanntmachen in seinem ganzen Land, daß der, welcher die große Eiche vor dem Schloß umhauen und einen Brunnen graben könnte, der das ganze Jahr hindurch Wasser hielt, die Prinzessin und das halbe Reich haben sollte.
Nun kann man sich wohl denken, daß viele kamen, um ihr Glück zu versuchen; aber was sie auch hauen und sägen und hacken und graben mochten, es half alles nichts: Die Eiche wurde bei jedem Hieb nur noch dicker, und der Felsboden wurde nicht weicher. Endlich wollten die drei Brüder auch fort und ihr Glück versuchen, und damit war der Vater zufrieden; denn bekämen sie auch nicht die Prinzessin und das halbe Reich, dachte er, so könnten sie doch wohl bei irgendeinem braven Mann in Dienst kommen, und mehr wünschte er nicht; und als darum die Brüder davon anfingen, daß sie zu dem Königsschloß wollten, sagte der Vater auch gleich ja, und darauf machten Peter und Paul und Esben Aschenbrödel sich auf den Weg. Als sie ein Ende gegangen waren, kamen sie an einem mit Tannen bewachsenen Berg vorbei, und oben da haute und haute es.
»Das wundert mich, daß es da oben auf dem Berg so haut«, sagte Esben Aschenbrödel.
»Du bist immer gleich bei der Hand mit deinem Verwundern«, sagten Peter und Paul; »ist das sonderbar, daß ein Holzhauer da auf dem Berg haut?«
»Ja, ich möchte aber doch wissen, was es ist«, sagte Esben Aschenbrödel und ging hinauf.
»Wenn du ein solcher Narr bist, so sieh zu, dann wirst du’s erfahren!« riefen die Brüder ihm nach; aber Esben bekümmerte sich nicht darum, sondern ging gerade nach dem Ort hin, wo er es hauen hörte, und da sah er nun eine Axt, welche ganz allein dastand und an einer Tanne haute.
»Was stehst du hier ganz allein und haust?« fragte Esben Aschenbrödel.
»Ach, nun hab ich hier gestanden und gehaut manch lieben Tag und hab nur auf dich gewartet«, sagte die Axt.
»Gut, nun bin ich hier«, sagte Esben, trennte die Axt vom Stiel und steckte sie in seinen Schnappsack. Als er nun wieder zu seinen Brüdern kam, machten sie sich über ihn lustig und fragten: »Na, was war denn das für Schönes, was du da oben sahst?«
»Oh, es war bloß eine Axt«, sagte Esben.
Als sie nun ein Ende weitergegangen waren, kamen sie wieder zu einem Berg, und oben da hörten sie es hacken und graben.
»Das wundert mich«, sagte Esben, »ich möchte doch wohl wissen, was es ist, das da so hackt und gräbt.«
»Du bist immer gleich bei der Hand mit deinem Verwundern«, sagten Peter und Paul, »hast du denn nie die Vögel auf den Bäumen hacken und picken hören?«
»Ja, aber ich hätte doch Lust zu sehen, was es ist«, sagte Esben und bekümmerte sich nicht darum, daß die andern ihn wieder auslachten, sondern ging geradezu auf den Berg. Dort oben sah er nun eine Steinhacke, die stand da ganz allein und hackte und grub.
»Guten Tag!« sagte Esben Aschenbrödel. »Was stehst du hier ganz allein und hackst und gräbst?«
»Ach, nun hab ich hier gestanden und gehackt und gegraben manch lieben Tag und habe nur auf dich gewartet«, sagte die Hacke.
»Gut, nun bin ich hier«, sagte Esben, schlug die Hacke vom Stiel herunter, steckte sie in seinen Schnappsack und damit ging er wieder fort.
»Das war wohl was Schönes, was du da oben sahst«, sagten Peter und Paul zu ihm, als er sie wieder eingeholt hatte.
»Oh, es war nur eine Steinhacke«, sagte Esben Aschenbrödel.
Nun gingen sie ein gutes Ende weiter, bis sie endlich zu einem Bach kamen, und da nun alle drei durstig waren von der Reise, legten sie sich nieder, um zu trinken. »Mich wundert nur dieser Bach«, sagte Aschenbrödel, »ich möchte doch wohl wissen, wo das Wasser herkommt.«
»Uns wundert nur, daß du nicht recht im Kopf bist!« sagten Peter und Paul; »bist du aber noch nicht verrückt, so wirst du es wohl vor lauter Verwunderung bald werden. Hast du denn noch nie gehört, daß das Wasser aus der Erde quillt?«
»Ja, aber ich hätte doch Lust zu sehen, wo es herkommt«, sagte Esben Aschenbrödel, und damit ging er an dem Bach entlang und bekümmerte sich nicht darum, daß seine Brüder hinter ihm herriefen und ihn auslachten.
Als er nun ein weites Stück gegangen war, wurde der Bach schmäler und immer schmäler, und endlich sah er eine große Walnuß liegen, aus der sickerte das Wasser heraus.
»Guten Tag«, sagte Esben. »Was liegst du hier so allein und sickerst?«
»Ach, nun hab ich hier gelegen und gesickert manch lieben Tag und habe nur auf dich gewartet«, sagte die Walnuß.
»Gut, nun bin ich hier«, sagte Esben, nahm einen Flausch Moos und stopfte ihn in das Loch, so daß das Wasser nicht heraus konnte, und dann steckte er die Walnuß in seinen Schnappsack und ging wieder zurück zu seinen Brüdern.
»Nun hast du wohl gesehen, wo das Wasser herkommt; das sah wohl hübsch aus, kann ich mir denken«, sagten Peter und Paul.
»Oh, es war bloß ein Loch, wo es herausfloß«, sagte Esben Aschenbrödel, und die Brüder lachten und machten sich über ihn lustig; aber Esben bekümmerte sich nicht darum, sondern sagte bloß: »Ich hatte nun einmal meine Lust daran, es zu sehen.«
Als sie nun noch etwas weitergegangen waren, kamen sie zu dem Königsschloß. Aber da nun so viele Leute gehört hatten, daß sie die Prinzessin und das halbe Reich gewinnen könnten, wenn sie es zustande brächten, die große Eiche umzuhauen und einen Brunnen im Schloßhof zu graben, der immer Wasser hielt, so waren schon so viele gekommen, die ihr Glück versucht hatten, daß die Eiche noch einmal so groß und dick geworden war als vorher. Darum hatte der König nun die Strafe ausgesetzt, daß, wenn künftig einer sein Glück versuchen wollte und die Eiche nicht umhauen könnte, ihm beide Ohren abgeschnitten werden sollten, und danach sollte er auf eine Insel hinausgebracht werden, die mitten im Meer lag.
Aber die beiden Brüder ließen sich dadurch nicht abschrecken, sie meinten, sie wollten die Eiche schon umhauen, und Peter, welcher der älteste war, sollte zuerst den Versuch machen. Aber es ging ihm nicht besser als all den anderen, die vor ihm ihr Glück versucht hatten; denn für jeden Span, den er abhieb, wuchs gleich noch einmal soviel wieder nach. Da nahmen die Leute des Königs ihn beim Schlafittchen und brachten ihn hinaus auf die Insel, nachdem sie ihm vorher beide Ohren abgeschnitten hatten. Nun wollte sich Paul daranmachen; aber dem ging’s um nichts besser. Als er zwei bis drei Hiebe getan hatte und die Leute sahen, daß die Eiche nur noch größer wurde, nahmen sie ihn ebenfalls beim Kragen und brachten ihn hinaus auf die Insel; ihm aber schnitten sie die Ohren noch dichter beim Kopf ab, weil er von seinem Bruder habe lernen können, vorsichtiger zu sein.
Nun wollte sich Esben Aschenbrödel daranmachen. »Möchtest du gern aussehen wie ein gezeichnetes Schaf, so wollen wir dir lieber die Ohren gleich abschneiden, dann sparst du die Mühe«, sagte der König und war gewaltig böse auf ihn wegen seiner Brüder. »Ich hätte doch Lust, erst mein Glück zu versuchen«, sagte Esben, und das durften sie ihm denn nicht verwehren. Er nahm nun seine Axt aus dem Schnappsack, steckte sie wieder auf den Stiel und sprach dann: »Hau selber!« und sogleich fing die Axt an zu hauen, daß nur die Späne so flogen, und da dauerte es nicht lange, so war die Eiche herunter. Wie das getan war, nahm Esben seine Hacke hervor, steckte sie wieder an den Stiel und sprach dann: »Grabe und hacke selbst!« und sogleich fing die Hacke an zu graben und zu hacken, daß Erde und Steine herumflogen, und da kann man sich denn wohl denken, daß der Brunnen tief genug werden mußte. Als Esben ihn so tief und so groß hatte, wie er ihn haben wollte, nahm er seine Walnuß und legte sie unten auf den Boden, dann zog er das Moos wieder aus dem Loch und sprach: »Fang nun an zu sickern!« Da fing die Walnuß an zu sickern, daß nur das Wasser so strömte, und da dauerte es nicht lange, so war der Brunnen bis an den Rand voll. So hatte nun Esben Aschenbrödel die Eiche umgehauen, die vor den Fenstern des Königs das Licht nahm, und einen Brunnen im Schloßhof gegraben, der beständig Wasser hielt; und da bekam er die Prinzessin und das halbe Reich, so wie der König es versprochen hatte. Gut war es, daß Peter und Paul ihre Ohren verloren hatten, denn sonst hätten sie es immer und alle Tage hören müssen, daß Esben Aschenbrödel sich doch nicht so schlecht gewundert hatte.
In alten Zeiten gab es einmal zwei Brüder: der eine war reich und der andere arm. Als nun der Weihnachtsabend herankam, hatte der arme keinen Bissen zu essen im Hause, weder Fleisch noch Brot; er ging deshalb zu seinem Bruder und bat ihn im Namen Gottes um eine Kleinigkeit zu Weihnachten. Es war wohl nicht das erste Mal, daß ihm der Bruder hatte etwas geben müssen; aber er war immer etwas geizig und daher nicht sonderlich erfreut über den Besuch. »Willst du tun, was ich dir sage, dann sollst du einen ganzen Schinken bekommen«, sagte er. Ja, das wolle er gerne, sagte der arme Bruder und bedankte sich.
»Da hast du ihn, fahr nun zur Hölle damit«, sagte der Reiche und warf ihm den Schinken hin.
»Was ich versprochen habe, muß ich halten«, sagte der andere; er nahm den Schinken und machte sich auf den Weg. Dann wanderte er den ganzen Tag hindurch, bis er in der Dämmerung an ein Haus kam, aus dem es hell herausschimmerte. »Hier ist es gewiß«, dachte der Mann mit dem Schinken. Im Holzschuppen stand ein alter Mann mit einem langen weißen Bart, der zum Weihnachtsabend Holz kleinmachte.
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
