Nordlande - Rudolf A. Feichtinger - E-Book

Nordlande E-Book

Rudolf A. Feichtinger

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Beschreibung

Vor drei Jahren wurde Ghorza gen Süden, nach Eisenheim geschickt. Nun rufen sie die Ahnen erneut. Das Böse konnte damals zwar aufgehalten werden, doch offenbar hat sich die Ankunft der Betrogenen damit nur verschoben. Dieses Mal muss sie zu den Wyrajken ziehen, denn Orks, Wyrajken und Zwerge müssen eine Allianz formen, alten Zwist beiseitelegen. Nur so hat der Norden eine Chance, der Ankunft der Betrogenen standzuhalten. Nordlande ist das dritte Buch, welches die Geschichte um die fiktive Welt Agahma weiterspinnt. Ein Buch welches in den hohen Norden entführt, zu neuen Kulturen und einem fremdartigen Bösen.

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Seitenzahl: 608

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Der Ebenseer Autor Rudolf A. Feichtinger lebt seit zehn Jahren in Salzburg, hat hier Pädagogik studiert und ist als Sozialarbeiter tätig. Der gebürtige Oberösterreicher ist begeisterter Tabletop- und Rollenspieler sowie Schwertkämpfer. Schon seit seinem siebten Lebensjahr, als er mit Star Wars in Berührung kam, war er fasziniert von dem Fantastischen. Mit den Dark Fantasy Roman „Eisenheim“ begann das Veröffentlichen der „Agahma“ Reihe, welche sechs Bücher umfassen wird. „Ostheim“ ist der zweite Band dieser Reihe, in welcher er versucht aktuelle gesellschaftliche Themen wie Religion und Rassismus zu verarbeiten. Die Inspiration hierfür stammt vor allem von H.P. Lovecrafts und Robert E. Howards Werken, sowie von dem Tabletop Spiel Warhammer und der Epoche des dreißigjährigen Krieges.

Ich möchte allen voran Rafaela Fürlinger danken, welche erneut das Lektorat und Korrektorat übernommen hat und ohne die meine Werke niemals veröffentlicht werden könnten.

Ein ebenso großes Dankeschön an meinen Testleser Raphael Wellmann, welcher mir Feedback zum ersten Entwurf gegeben und mir mit Kritik und guten Tipps zur Seite gestanden hat.

Dem Verein INDES, historische europäische Kampfkunst, gilt ebenso ein großer Dank, da er mir nun schon seit etlichen Jahren die Kunst des Schwertkampfes beibringt. Zu guter Letzt möchte ich wieder meiner Familie danken, ohne die all dies niemals möglich gewesen wäre.

Die Menschen haben uns verraten! Sie sind uns in den Rücken gefallen, haben Zwergenblut vergossen, und nun schlagt Ihr vor, dass wir nichts dagegen unternehmen sollen? Die Menschen treiben uns in den Untergang! Unser Volk steht kurz vor der Auslöschung, Kathré, das letzte Königreich, ist gefallen und wir sollen nichts tun? Ich werde meine Leute sammeln und gen Norden zu den alten Thrés gehen. Die Rache wird unser und wenn ich Euch so höre, bei Ranuul, dann schäme ich mich schon fast dafür, ein Zwerg zu sein!“

General Yufrel Malathin bei der letzten Versammlung der Minenfesten der Nordlande nach dem Untergang Kathrés im Jahre 2.

„Sveigur ist das Land, das uns umgibt, das Leben und der Tod, das Schöne wie das Hässliche, er ist das Natürliche und wir sind seine Auserwählten. Wir sind die Wyrajken und dies ist unser Land und es versorgt uns mit dem was wir brauchen, wir brauchen nicht mehr und wir brauchen nicht weniger. Die Menschen und die Zwerge, sie streben nach mehr, kennen ihren Platz nicht, erfinden unnatürliche Gerätschaften und verwenden stinkende Pulverwaffen, all dies ist gegen Sveigur, denn er ist das Natürliche. “

Runeninschrift eines unbekannten Wyrajken, Alter ebenfalls unbekannt.

Inhaltsverzeichnis

PROLOG

IM JAHRE 238 NACH DEM UNTERGANG KATHRÉS

DRAMATIS PERSONAE

GÖETTER

WYRAJKEN

ORKS

ZWERGE

ANDERE

HISTORISCHE PERSONEN

AKT 1

KAPITEL 1

KAPITEL 2

KAPITEL 3

KAPITEL 4

KAPITEL 5

AKT 2

KAPITEL 6

KAPITEL 7

KAPITEL 8

KAPITEL 9

KAPITEL 10

AKT 3

KAPITEL 11

KAPITEL 12

KAPITEL 13

KAPITEL 14

KAPITEL 15

AKT 4

KAPITEL 16

KAPITEL 17

KAPITEL 18

KAPITEL 19

KAPITEL 20

AKT 5

KAPITEL 21

KAPITEL 22

KAPITEL 23

KAPITEL 24

KAPITEL 25

EPILOG

DREI JAHRE SPÄETER

PROLOG

IM JAHRE 238 NACH DEM UNTERGANG KATHRÉS

Finsternis umhüllte sie als sie langsam in die Kaverne vorstießen. Der sichere Pfad war schon längst hinter ihnen und nun mussten sie durch erst vor Kurzem gehauene Gänge und Tunnel, die weder ausgeleuchtet noch verziert oder zusätzlich gestützt waren. Die Langflinten hatten sie vor sich, zitternd und nervös hielten sie diese in den Händen. Als Zwerge waren sie in der Lage, in der Dunkelheit zu sehen. Ihre Augen waren an das Leben unter Tage angepasst, jedoch konnten sie keine Farben unterscheiden, lediglich Abstufungen von Grau.

Der Stein war warm, nicht allzu weit von hier war ein Magmasee, sie nutzten dessen heiße Luft um Schaufelräder und so ihre Maschinen anzutreiben. Doch sie waren nicht hier um sich um den Magmasee zu kümmern, sie waren hier um auszukundschaften. Grindol wandte sich seinem Begleiter zu, sein Name war Boldin, er war noch recht jung, gerade erst einmal vierzig und somit erst vor ein paar Jahren erwachsen geworden, und noch neu beim Militär.

Grindol musterte seinen Begleiter. Wie er selbst, war auch dieser in eine leichte Halbplatte gehüllt und hatte einen Umhang aus dunklem Grau samt Kapuze. Anders als Grindol hatte Boldin jedoch noch einen kurzen, nicht ausgeprägten Bart, der ihm kaum bis zur Brust reichte. Als er den Bart des Jungspunds betrachtete, musste er sich unweigerlich seinen eigenen kraulen, welcher von hellbrauner Färbung war und den er zu vielen Zöpfen geflochten trug. Sein Haar hatte, ebenfalls braun, und war derzeit zu einem einzelnen Zopf gebunden und unter der Kapuze seines Umhanges versteckt.

Boldin und er waren Kundschafter, die Vorhut, und sie konnten sich trotz der Rüstung beinahe lautlos bewegen. Mit Flinte und Kurzschwert bewaffnet schlichen sie durch den Gang. Die wallenden Umhänge in Grau ließen ihre Konturen in der Dunkelheit verschwinden, so dass sie mit der Umgebung verschmolzen und kaum zu erkennen waren. Grindol war mit seinen einhundertneun Jahren in der Blüte seines Lebens und nun schon über sechzig Jahre beim Militär, doch dennoch war er bei solchen Einsätzen immer nervös. Die Vorsicht war es, die einem Kundschafter das Leben rettete, denn weit von der Hauptstreitmacht entfernt näherte dieser sich dem Feind um herauszufinden, was dieser plant.

Grindol hörte etwas. Es klang wie Schritte, konnten aber genauso gut nur herunterfallende Steine gewesen sein. In der Zeichensprache des zwergischen Militärs teilte er Boldin mit, stehenzubleiben. Der Jungspund gehorchte sofort. Beide legten ihre Flinten an, welche über einen verlängerten Lauf sowie ein Zielfernrohr verfügten, um über größere Distanzen zielgenau zu treffen. Mit geübten Bewegungen zogen sie das Schloss auf, welches die Zündnadel spannte.

Seit dem letzten großen Orkkrieg vor über zweihundert Jahren, jenem schicksalshaften Krieg, an dessen Ende ihnen die Menschen in den Rücken gefallen waren und somit den Untergang Kathrés zu verantworten hatten, waren die Zwerge nicht mehr geeint. Fünf Thrés, gleichbedeutend mit Schutz in der zwergischen Sprache und die gängige Endung für Städte, Festen und Länder, unterhielten sie derzeit. Ein jedes war ein autonomer Staat und sie waren ständig im Krieg miteinander über die letzten Erzvorkommnisse.

Grindol und Boldin stammten aus der Minenstadt Dorathré und allem Anschein nach schien ein Krieg mit der Minenstadt Remthré zu drohen. Im letzten halben Jahr waren immer mehr Minenarbeiter Dorathrés verschwunden, alle nördlich der Drachengipfel an der Grenze zu den Erzfeldern Remthrés und dieses antwortete derzeit auf keine Nachrichten, nicht einmal die Boten, die sie überbringen hätten sollen, waren zurückgekommen. König Alron, König von Dorathré, und der Rat der Handwerker waren sich einig, Remthré steckte dahinter und es wollte Krieg. Grindol und Boldin waren deswegen unterwegs, sie waren auf dem Weg zu einem Erzfeld, von dem vor über zwei Wochen der Kontakt abgerissen war und sie sollten auskundschaften, was dort vor sich ging.

Erneut erklang das Geräusch. Dieses Mal schien es auch Boldin gehört zu haben, da sich auch seine Atmung beschleunigte.

„Ruhig bleiben!“, flüsterte Grindol ihm zu, doch auch er ertappte sich, dass er selbst dabei nervöser wurde.

Vorsichtig blickte er durch das Zielfernrohr seiner Flinte, spähte tiefer in die Dunkelheit der Kaverne, die sich ihnen darbot, und konnte in der Ferne etwas erkennen. Etwas schimmerte, reflektierte, wenn auch nur schwach, das Licht, welches durch eine Luftspalte in der Decke hereindrang.

Dieses Erzfeld lag nordöstlich der Drachengipfel, beinahe eine ganze Woche zu Fuß durch die sicheren Gänge von Dorathré entfernt, und es lag sehr hoch. Nicht einmal zehn Meter trennten sie hier von der Oberfläche und allem Anschein nach schien die Sonne in der Welt über Tage.

Grindol fokussierte sich wieder auf das, was er erspäht hatte. Vorsichtig und so leise wie möglich drehte er an der Einstellung des Fernrohres, dass er auf diese lange Distanz von über zweihundert Meter, sein Ziel schärfer erblicken konnte. Kaum, da er es geschafft hatte, bereute er es auch sogleich. Das Schimmern wurde von einer Rüstung verursacht, welche am Boden lag. Doch war es nicht die Rüstung oder die Tatsache, dass sie dalag, was ihn verstörte. Es war die Zwergenleiche, die sie trug.

Das Leben unter Tage war gefährlich, es gab viele Raubtiere, Tunnelgräber, Tiefenräuber und Schattenläufer, die einem nach dem Leben trachteten, weswegen jeder Minenarbeiter mit Rüstung und Waffe versorgt wurde.

Grindol bemerkte, wie Boldin neben ihm noch schwerer zu atmen begann. Es war der erste Auftrag für den Jungen und demzufolge war dieser noch nervöser, beinahe schon ängstlich, als er auch allem Anschein nach die Leiche entdeckt hatte.

„Sind sie das?“, fragte er leise.

„Vermutlich“, antwortete Grindol geflüstert.

Dies musste einer der Minenarbeiter sein und er befürchtete, dass auch die anderen ein ähnliches Schicksal ereilt hatte.

„Siehst du noch etwas anderes?“, murmelte er kaum hörbar nach einer gefühlten Ewigkeit an Boldin.

„Nein und du?“

„Nein“, antwortete er und deutet dem Jungspund, dass sie sich weiter vorwagen mussten, leise und vorsichtig.

Für die zweihundert Meter zu der Leiche benötigten sie beinahe fünfzehn Minuten. Langsam, einander Schutz und Deckung gebend, sowie immer auch alle Flanken absichernd, schlichen sie vorwärts. Staub tanzte im Licht, das von dem Spalt in der Decke hereindrang und die Rüstung, verschmutzt und blutbefleckt, schimmerte in diesem. Die beiden hielten sich von der Öffnung fern, blieben am Rande des Lichtkegels in den Schatten verborgen, denn Heimlichkeit war das wichtigste Werkzeug eines Kundschafters.

Zehn Meter trennten sie von der Leiche und trotz der Entfernung konnte Grindol erkennen, woran der einstige Minenarbeiter gestorben war. Zwei Schusswunden zierten seinen Rücken, der aufgrund der Tatsache, dass er auf dem Bauch lag, gut sichtbar war. Es war die einzige Leiche in der Kaverne, sie hatten sich zuvor noch umgesehen, bevor sie hier verharrten. Sie waren alleine, vorerst, und keine Anzeichen von weiteren Toten waren zu erkennen.

„Er ist durch Zwergenhand gestorben“, sprach schließlich Boldin geflüstert, als auch er die Schusswunden erkannte.

„Aye, das ist er. Dem Anschein nach will Remthré wirklich Krieg.“

„Aber wo sind die anderen?“

„Ich weiß es nicht“, Grindol blickte ans Ende der Kaverne, „Wir werden tiefer vordringen müssen. Das eigentlich Erzfeld ist noch etwas entfernt.“

Vorsichtig wagten sie sich vor, gingen durch den anderen Ausgang der Höhle, als sie plötzlich ein Geräusch vernahmen. Dieses Mal waren es eindeutig Schritte, es klang wie ein Donnergrollen und konnte nur durch eine größere Anzahl von Zwergen verursacht worden sein.

Ganz ihrer Ausbildung entsprechend zogen sie sich tiefer in die Schatten zurück, verschmolzen mit diesen und legten ihre Flinten an. In der Ferne konnten sie das orange Glühen von Lampen erblicken und gleich dahinter einen Wachtrupp aus einem halben Dutzend Zwergen. Doch, etwas passte nicht. Die Rüstungen der Zwerge wirkten grotesk, fehl am Platz und waren über und über mit Symbolen verziert, die Grindol nicht kannte, deren Anblick ihn aber selbst durch das Fernrohr hindurch schmerzte. Diese Zwerge waren falsch, eine Perversion, etwas an ihnen, einer Aura gleich, umhüllte sie und selbst die Realität schien unter dieser zu leiden.

Bewaffnet waren sie mit Flinten und Schilden, doch einer trug eine seltsame Waffe. Sie glich einer Muskete, deren Mündung der Kopf eines Untieres zu sein schien, doch war die Waffe mit einem Tornister am Rücken des Trägers verbunden. Dunkle Energie in Form einer violett schimmernden, zähen Flüssigkeit, tropfte aus der Mündung und verätzte den Stein darunter. Kein Thré verwendete solch eine Waffe, Grindol war diese völlig fremd. Bei genauerer Betrachtung fiel ihm ebenfalls auf, dass die Schusswaffen der Zwerge veraltet waren. Es waren tatsächlich noch Musketen mit Steinschlössern, Vorderlader und keine neueren Flinten, wie sie die Thrés seit fünfzig Jahren verwendeten. Grindol wusste weder, wer diese Zwerge waren, noch woher sie stammten oder warum sie hier waren, jedoch schienen sie feindselig und eine Gefahr zu sein.

Für eine Weile beobachteten sie den Wachtrupp noch und erst nachdem dieser abgebogen war, einen anderen Weg eingeschlagen hatte und in sicherer Entfernung war, blickten Grindol und Boldin sich an. Kleine Bewegungen, sie wagten ob der möglichen Anwesenheit von Feinden nicht mehr, nutzten sie um mittels Zeichensprache über den Rückzug zu sprechen. Sie mussten zurück, mussten in Dorathré Meldung machen, denn egal wer diese Zwerge waren und woher sie stammten, Remthré hatte offenbar mit der Sache nichts zu tun.

DRAMATIS PERSONAE

GÖETTER

Ranuul: Gott des monotheistischen Glaubens der Zwerge, Gott des Handwerks, der Stärke, der Erde und des Feuers

Sveigur: oberster Gott der Wyrajken, Gott der Kraft, der Künste, der Wildnis und der Jagd

Kjarkur: Vater von Sveigur und Bruder von Heraja, Gott der Handwerker, des Krieges, des Handels, des Wissens, des Fortschrittes und der Diplomatie

Heraja: Mutter von Sveigur und Schwester von Kjarkur, Göttin des Friedens, der Liebe, des Schutzes, der Heilung, der Ernte und des Lichtes

WYRAJKEN

Ragnar Haraldson: Thane von Jarl Snorri Thorvaldson

Snorri Thorvaldson: Jarl vom Stamme der Sturmsegler

Arnvidur Agnesdottir: Jarlin vom Stamme der Feuerwerfer

Ulvhild Sigriddottir: Kriegerin und gute Freundin von Ragnar

Sigurd Völundson: Druide

Sören Ulfbertson: Jarl vom Stamme der Formighirten

Svantje Ylviedottir: Jarlin vom Stamme der Wyrmtöter

Holga Irmgardsdottir: Jarlin vom Stamme der Bärenjäger

Sven Ericsson: Jarl vom Stamme der Udyrschlächter

Thanin Frieda Runadottir: Thanin von Jarl Harald Ragnarson vom Stamme der Nebelfischer

ORKS

Ghorza Feuermähne: Schamanin und Geistseherin im Dorf von Gnarok Steinbrecher

Gnarok Steinbrecher: Häuptling vom Dorf der Steinbrecher

ZWERGE

Grindol Malin: Kundschafter im Militär von Dorathré

Werhuna Malin: Frau von Grindol Malin

Boldin Therel: Kundschafter im Militär von Dorathré

Alron Thagal: König von Dorathré

Hermak Findolin: Priester von Dorathré

ANDERE

Schwarzgeist: Rabe und Totemtier von Ghorza Feuermähne Sturmschwinge: Greif von Ragnar Haraldson

HISTORISCHE PERSONEN

General Yufrel Malathin: letzter General des zwergischen Königreiches Kathré

KARTE DER NORDLANDE AGAHMAS

KARTE DER MITTELLANDE VON AGAHMA, EINGEFÄERBT NACH NATIONALITÄET

AKT 1

KAPITEL 1

Freudig erklang die Melodie einer Sackpfeife in der Nähe ihrer Jurte. Das fröhliche Liedchen, das ob des Anlasses angestimmt wurde, kämpfte sich vorwärts, durch etliche Fetische und Schmuckstücke, die von den Holzstreben von der Decke hingen, ehe es zu ihren schlafenden Ohren gelangte. Ghorza drehte sich in dem Haufen Felle, der ihre Bettstatt darstellte, und wurde sanft von der Musik geweckt.

Sie blinzelte mehrfach. Durch eine kleine Öffnung im Dach, welche als Rauchabzug diente, drangen Sonnenstrahlen und tünchten das Innere ihrer Jurte in ein dämmriges Zwielicht. Der Tag war noch jung, dessen war sie sich sicher, doch war er sehr wichtig und er konnte nicht zu früh beginnen.

Noch nicht ganz wach erhob sie sich von ihrem Schlafplatz, ging nackt auf den Tisch, der neben den Fellen stand, zu und wusch sich mit dem Wasser, das sich in einer Schüssel darauf befand, das Gesicht. Die Müdigkeit wurde mit dem kalten Nass abgespült und als sie sich danach in dessen spiegelnder Oberfläche betrachtete, wirkte sie fast schon fit. Es kostete ihr ein müdes Lächeln, welches die zwei kleinen

Hauer in ihrem Unterkiefer entblößte, Hauer, wie sie jeder Angehörige ihres Volkes hatte. Das feuerrote Haar, welches ihr ihren Beinamen Feuermähne einbrachte, war etwas zerzaust und ihre gelben Augen, sowie die unzähligen roten Tätowierungen, die ihren ganzen Körper zierten und die ihre magischen Kräfte verstärken sollten, bildeten einen schönen Kontrast zu ihrer blaugrauen Haut. Sie wusch sich noch ein paar Mal mit dem eiskalten Wasser, vertrieb die Müdigkeit immer mehr aus ihrem Körper, ehe sie sich etwas rohes Fleisch nahm und sich an die Feuerstelle in die Mitte der Jurte setzte.

Schwarzgeist, ihr Rabe, flog von seiner Stange auf ihre Schulter und rieb seinen Kopf an dem Ihren. Ghorza ließ ihn gewähren, denn Schwarzgeist war für sie nicht einfach nur ein Haustier, der Vogel war ihr Totemtier. Jeder Schamane ging im Laufe seiner Ausbildung mit einem Tier ein mystisches Band ein, ein andersweltliches Band, ein Band, das nicht einmal die Schamanen selber ganz verstanden. Es war ihr möglich, wenn es auch mit Anstrengung verbunden war, durch Schwarzgeists Augen zu sehen, ebenso spürte sie was er spürte und derzeit spürte sie den Hunger des Raben. Sie riss kleine Stücke von dem rohen Mammutfleisch und reichte sie dem Vogel, ehe sie ihre Zähne in dem saftigen Stück vergrub.

Heute war ein großer Tag, denn heute würden sie aufbrechen. Khegala, Thoruk, Harlog und sie würden heute abreisen, würden in die Mitte des Schwarzwaldes gehen, zu dem heiligen Plateau, wo jedes Jahr zur selben Zeit die Spiele der Ahnen abgehalten wurden. Ghorza freute sich schon. Sie würde all die anderen Geistseher wiedertreffen, würde bewundern können, wie die drei Auserwählten jedes Dorfes sich in den drei Disziplinen maßen und sie würden wundervolle Feste feiern. Jedes Orkdorf musste daran teilnehmen und für die Dauer der Spiele durfte kein Blut zwischen den Dörfern und Stämmen vergossen werden, denn so wollten es die Ahnengeister und so wollte es das unausgesprochene Gesetz.

Sie musste kurz an die Geister der Ahnen denken, jene, die ihr immer wieder Visionen und Warnungen zukommen ließen, denn als Geistseherin verfügte sie über die seltene Gabe, mit den Ahnen zu sprechen. Jedes Orkdorf hatte einen Schamanen und diese waren stets gefragt, ihr Rat war wichtig und ihr Beistand unbezahlbar, Ghorza wusste dies. Sie wusste um die Privilegien, die von ihrer Position ausgingen, aber auch um die damit verbundene Verantwortung und die Bürde. Es war ihre Aufgabe, den Willen der Geister zu interpretieren und es war ihre Aufgabe, die anderen Orks von diesem zu überzeugen und das konnte manchmal durchaus schwierig sein.

Etliche Streitereien, die teilweise kurz davor gestanden hatten, in Handgreiflichkeiten zu enden, fielen ihr wieder ein. Es waren hitzige Diskussionen gewesen, mit ihrem Häuptling Gnarok, der sein Herz am rechten Fleck trug, aber für Ghorza teilweise zu kurzsichtig war. Sie musste lachen als sie an eine Auseinandersetzung zurückdachte, bei der sie ihm letztlich hatte drohen müssen, ihn in einen Terrorvogel, ein großer zweibeiniger Laufvogel, zu verwandeln. Es waren gute Erinnerungen und sie wollte keine davon missen, denn letztlich dienten sie immer den Ahnen und auch heute würden sie deren Ruf wieder folgen.

Ghorza trank noch einen kräftigen Schluck Wasser, ehe sie sich erhob und sich bereit machte für die Reise. Das wilde, ungebändigte und zerzauste Haar kämmte sie noch mit einem Kamm, gefertigt aus dem Horn eines Raadams, ehe sie begann, es zu kleineren Zöpfen zu flechten, an dessen Ende sie Federn, Bernsteinperlen und magische Steine einflocht. Nach etwa zehn Minuten war ihr Haar so, wie sie es für richtig hielt und nun begann sie damit, sich einzukleiden.

Sie trug Stiefel aus Leder, gefüttert mit Fell, ebenso waren der Rock und das Oberteil, das sie für gewöhnlich und auch heute trug, aus der Haut eines Mammuts und mit Fell geschmückt. Etliche Fetische, Steine mit magischen Symbolen, Federn, Schmuckstücke und andere für sie wichtige Utensilien baumelten von ihren Gewändern oder waren in einem Beutel sicher an ihrem Gürtel. Neben ihrem kunstvoll geschmiedeten Messer, dessen Griff aus dem Knochen eines Säbelzahntigers gemacht worden war, nahm sie noch ihren Langspeer, dessen Spitze ebenso mit Gegenständen verziert war, denen sie magische Wirkung nachsagte, und trat schließlich aus dem Zelt.

Frische Luft begrüßte sie und vertrieb den Geruch von dem Räucherwerk und den ätherische Ölen, der die Luft im Inneren ihrer Jurte geschwängert hatte, ebenso wie ihr ein strahlend blauer Himmel zulächelte. Schwarzgeist flog durch die kleine Öffnung im Dach, freute sich, dass er seine Flügel ausbreiten konnte und zog seine Bahnen, jedoch nie weit weg von ihr.

Ein kleines Lächeln erschien auf Ghorzas Gesicht. Das Dorf war in Aufregung, viele der Orks liefen umher, hatten Dekorationen aus Blumen und geschnitzten Fetischen angefertigt und wollten sie den drei Auserwählten, welche bei Gnaroks Hütte warten würden, darbieten. Aus der Richtung dieser, welche relativ im Zentrum des Dorfes lag, drang auch die Musik, allen voran die Melodie der Sackpfeife, welche die anderen Instrumente, die Trommeln und die Rahdak übertönte. Ghorza atmete ein letztes Mal tief durch, genoss diese Atmosphäre, ehe sie sich Schritt für Schritt gemächlich auf den Weg zu Gnaroks Behausung machte.

Verschiedenste Gesichter lächelten sie freundlich auf den Weg dorthin an. Ein jeder Ork, eine jede Orkin, sowie jedes Kind waren auf den Straßen, feierten mit den Auserwählten und freuten sich. Ein jeder der drei hatte sich als würdig erwiesen, hatte in kleinen dorfinternen Wettstreiten bewiesen, dass er der Beste der jeweiligen Disziplin war. Thoruk würde zu den Proben der Kraft antreten, Khegala hatte sich mit ihrer Schmiedekunst für die Proben des Handwerks qualifiziert und der junge Harlog würde bei dem Tanzwettbewerb teilnehmen. Sie alle würden ihr Dorf würdig vertreten und den Ahnen die Ehre zukommen lassen, die sie verdienten.

Voller Vorfreude, welche mit jedem Schritt wuchs, ging Ghorza auf die große, längliche Hütte ihres Häuptlings zu. Zwei Stockwerke war diese hoch und deren Eingang, welcher über eine kleine Treppe erreicht werden konnte, war geschmückt mit zwei riesigen Mammutstoßzähnen. Felle und Trophäen waren an der Wand zu sehen und die Musiker standen davor und spielten. Ein großes Feuer brannte am Platz im Zentrum des Dorfes und Kräuter und Räucherwerk erfüllten die Luft mit einem angenehmen Duft. Die vier Musiker, einer mit Sackpfeife, zwei mit Trommeln und der letzte mit einer Rahdak, einem Saiteninstrument, spielten freudige Lieder und viele der Orks tanzten im Takt. Selbst die sonst so ernsten und schweigsamen Krieger freuten sich für Thoruk und wippten rhythmisch.

Gnarok stand in seiner schönsten Rüstung, einem silbrig glänzenden Kettenhemd, da. Anstelle eines Helmes trug er den ausgehöhlten Schädel eines Säbelzahntigers, dessen ockerfarbenes Fell er als Umhang verwendete. Der Häuptling war ein guter Freund von Ghorza, allem voran nachdem sie vor drei Jahren zu den Menschen aufgebrochen war und mit diesen Frieden geschlossen hatte. Wenngleich sie seitdem von ihren südlichen Nachbarn nichts mehr gehört hatten, versuchte sie eben dies als gutes Omen zu deuten, da ansonsten immer wieder Patrouillen der Menschen in den Roten Bergen Jagd auf die Orks gemacht hatten.

Gnarok lächelte Ghorza freundlich zu, als diese an das große Lagerfeuer trat, und die Musik verstummte. Die Augen und Ohren aller Anwesenden waren nun auf sie gerichtet und sie nahm sich die Zeit, ein jedes Gesicht zu mustern. Ihr Dorf war nicht sonderlich groß, hatte kaum dreihundert Einwohner, die Sklaven nicht mitgezählt, und so kannte sie jeden hier persönlich. Als Schamanin und Geistseherin war ihr Rat bei vielen Dingen gefragt und sie stand mit diesem immer kräftig und unterstützend zur Seite.

„Liebe Freunde, es freut mich, euch alle heute hier zu sehen. Erneut ist ein Jahr um, erneut ist es so weit. Wir werden in den Schwarzwald gehen, werden uns den Ahnen beweisen und vielleicht, mit etwas Glück und so die Ahnen es wollen, werden wir dieses Jahr siegreich hervorgehen!“, begann sie und kaum da sie dies gesagt hatte, begannen die Orks zu jubeln und zu klatschen, „Aber, aber liebe Freunde, noch haben wir nicht gewonnen, noch müssen wir uns beweisen und ich weiß, wenn ich die diesjährigen Auserwählten sehe, dann... dann tut es mir ehrlich leid um die anderen Dörfer.“

Gelächter war zu vernehmen und Ghorza ließ sie gewähren. Der Witz hatte die Stimmung zusätzlich gelockert und die Freude der Orks angeheizt.

„Doch nun, ohne große weitere Worte, bringt den Auserwählten die Geschenke, wünscht ihnen alles Gute, denn wir werden heute aufbrechen!“

Die Musiker begannen wieder zu spielen und die Menge brachte den Auserwählten die Blumen und geschnitzten Fetische. Ghorza musterte diese und konnte das Unbehagen im Gesicht von Thoruk erkennen. Vor drei Jahren war sie mit dem Krieger zu den Menschen gegangen und hatte ihn näher kennenlernen und dabei erfahren dürfen, dass er sich mit solchen Situationen sehr schwer tat. Er war nicht gesellig, war nicht redselig, es sei denn, er musste Dampf ablassen und nun schien er erneut überfordert zu sein. Sie musste sich ein hämisches Grinsen verkneifen, ehe sie sich Gnarok, welcher auf sie zuschritt, zuwandte.

„Ghorza!“, begrüßte Gnarok sie freundlich und umarmte sie, „Wie jedes Jahr freue ich mich, wenn du unsere Auserwählten zu den Spielen begleitest. Doch ich fürchte mich immer vor den kommenden Wochen ohne deinen Rat.“

Sie musterte ihren Häuptling kurz. Er war mit seinen vierzig Jahren gerade einmal fünf Jahre älter als Ghorza und mit seinen knapp über zwei Metern Größe durchschnittlich groß für sein Volk und nur wenige Zentimeter größer als sie. Dennoch verkörperte der Häuptling Macht. Seine Muskeln waren gestählt und in diesem imposanten Anblick mit Kettenhemd und dem Fell des Säbelzahntigers wurde seine kraftvolle Erscheinung nur noch zusätzlich unterstrichen. Wenngleich Ghorza und er in der Vergangenheit immer wieder Dispute gehabt hatten, so schätzten und vor allem respektierten sie einander sehr.

„Ha, du hast es damals als ich nach Süden ging viel länger ohne mich ausgehalten“, scherzte sie frech, würdigte aber mit einem respektvollen Nicken das versteckte Kompliment ihres Häuptlings, „Wir sehen uns in etwa einem Monat. Bis dahin wünsche ich dir viel Glück!“

„Bis in einem Monat“, erwiderte der Häuptling etwas traurig ehe sie sich ein letztes Mal umarmten und sich zum Abschied zwei Küsse auf die Wangen drückten.

Schwarzgeist drehte seine Runden über der Versammlung von Orks und Ghorza blickte zu ihm hinauf, ehe sie sich Thoruk, Khegala und Harlog zuwandte. Die drei nickten ihr zu, zeigten ihr so, dass sie aufbruchbereit waren und nun würden sie die Reise beginnen.

Die Orks begleiteten sie durch das Dorf bis sie den hölzernen Palisadenwall erreichten, neben den Ställen der Terrorvögel, Raadams und Säbelzahntiger, der diese einzäunte. Das Tor wurde geöffnet und unter Jubelrufen und der Begleitung von Musik traten die vier hinaus und auf den festlich geschmückten Streitwagen zu. Die Konstruktion war aus Holz und Horn gefertigt und über und über mit Fetischen und magischen Symbolen geschmückt. Zwei große Raadams, eines, dessen Fell in dunklem Braun, das andere in hellem Grau gehalten war, würden den Wagen ziehen.

Die Tiere waren groß und robust, beinahe fünf Meter lang und zwei Meter breit. Dichtes und langes Fell bedeckte ihre muskulösen Körper, die von einer dicken Fettschicht eingehüllt waren, die zugleich als Panzer fungierte. Zwei große nach vorne gerichtete Hauer hatten die Tiere, sie benutzten diese um Wurzeln auszugraben und zu verspeisen, sowie sie ein großes, nach oben gerichtetes Horn zur Verteidigung hatten. Hinzu kam noch das dicke, knöcherne Ende ihres Schwanzes, das über und über mit Hörnern und Stacheln übersät war. Die Tiere waren eine imposante Erscheinung und wurden von den Orks neben gezähmten Terrorvögel und Säbelzahntiger auch als Kriegstiere eingesetzt. Ghorza hatte schon des Öfteren mitansehen müssen, wie viel Zerstörung ein Raadam säen konnte. Der charakteristische Geruch, der vergleichbar mit ranziger Milch war, strömte ihr entgegen als sie sich dem Wagen und den beiden Tieren näherte.

Behutsam strich sie dem ersten Tier durch das Fell, ließ es ihre Witterung aufnehmen und suchte eine Verbindung mit diesem. Sie wiederholte diese Prozedur auch bei dem zweiten Raadam. Die Tiere akzeptierten sie, wurden ruhiger in ihrer Gegenwart und würden sich ohne Probleme von ihr kommandieren lassen. Nachdem sie nun alle auf dem Wagen standen, ergriff Ghorza die Zügel und sie nahmen die Fahrt auf.

Ihr Dorf lag im Südwesten, dort wo die Düsterberge auf die Roten Berge trafen und sie hatten nun eine sehr holprige Reise von beinahe fünf Tagen vor sich. Einen Monat lang würden die Spiele dann dauern und erst gegen Ende durften die Häuptlinge der Dörfer anreisen um die Finalrunden zu sehen und bei der Urteilsverkündung anwesend zu sein.

Ghorza musterte ihre drei Begleiter. Sie waren voller Tatendrang, doch auch nervös, das war gut und so lenkte sie, begleitet von Schwarzgeist, der über sie wachte, den Wagen hinein in den dichten Forst des Schwarzwaldes, hin zu der heiligen Stätte im Zentrum.

Sechs Stunden waren sie nun schon unterwegs, hatten in einem gemächlichen Tempo viel Weg gutgemacht, doch nun würden sie halten. Die Sonne neigte sich dem Horizont zu, würde bald verschwinden und zwei der vier Monde, die die Wacht der Sonne ablösten, waren schon zu erkennen. Sie würden hier eine Rast einlegen und ihr Nachtlager aufschlagen. Der Platz war ideal. Eine Wasserquelle war in Form eines kleinen Baches nicht weit und sie waren in einer kleinen Senke und so etwas geschützt vor Wind und Raubtieren.

Kaum da Ghorza den Wagen anhielt, sprang auch sogleich Thoruk von diesem, schnappte sich die Holzfälleraxt, die sie als Werkzeug dabei hatten, um Feuerholz holen zu gehen. Khegala und Harlog begannen indes damit, die Schlafsäcke auszubreiten und holten Proviant. Ghorza nickte zustimmend, mehr für sich als für die anderen, ehe sie damit begann, die Raadams von dem Geschirr des Streitwagens zu lösen und sie mit einem langen Seil bei einem Baum anzubinden, so dass sie genug essen konnten und Zugang zu dem Bach hatten, ohne aber weglaufen zu können.

Kaum, da sie damit zufrieden war, kehrte auch Thoruk mit Feuerholz zurück und begann sogleich ein Lagerfeuer zu entfachen. Sie brauchten etwa zehn Minuten, ehe sie ihr Nachtlager in einen für sie passablen Zustand errichtet hatten und setzten sich anschließend gemeinsam ans Feuer und stärkten sich.

„Ich bin etwas nervös“, räumte Harlog ein, als sie dasaßen und das getrocknete Fleisch verspeisten.

Ghorza musterte den jungen Ork, welcher mit seinen fünfzehn Jahren der jüngste der hier Anwesenden war.

„Keine Sorge, Harlog, die Ahnen haben dich auserwählt. Du hast dich qualifiziert, hast in dem dorfinternen Streit deine Tanzkünste bewiesen, hast bewiesen, dass du die Kunst des Geschichtstanzes beherrscht, die Legenden der Ahnen weitergeben kannst und hast dir so ihr Wohlwollen verdient“, fing Ghorza an den Jungen zu beruhigen, da sie wusste, dass ein gewisses Maß an Nervosität zwar gut, zu viel jedoch sehr schlecht sein konnte, „Also sorge dich nicht, du hast bereits gewonnen, und egal wie es ausgeht, du wirst als Auserwählter der Ahnen zurückkehren, etwas, wovon viele Orks träumen, es jedoch nie erreichen.“

Khegala umarmte Harlog von der Seite um ihn so etwas zu beruhigen und sprach ihm ebenfalls Mut zu. Lediglich Thoruk schwieg und Ghorza wusste, dass dies etwas Gutes war. Normalerweise war er nur geschwätzig wenn er Dampf ablassen musste und sie erinnerte sich nur ungern an seine ständige Meckerei zurück.

Zufrieden blickte sie durch die Runde ehe sie ihr Fleisch aufaß und ihren Blick gen Himmel wandte. Tausende und abertausende Sterne sowie die vier Monde wachten über sie und sie war überzeugt, ein jeder dieser Stern war ein Ahnengeist. Die Seele eines herausragenden Orks würde im Firmament aufgenommen und so zu einem der mächtigen Ahnengeister werden.

Mit diesem Wissen und dem zufriedenen Blick im Gesicht trank sie noch etwas Wasser, ehe sie sich in ihren Schlafsack legte und versuchte Ruhe zu finden, denn sie hatten noch eine weite Reise vor sich.

Wind wehte ihm stark durch sein Haar, ließ die goldenen Strähnen, welche über seine Schulter fielen, tanzen. Er genoss den Anblick, genoss die aufgewühlte See, welche vor ihm ihre Wellen schlug. Schon oft war er mit den Drachenschiffen über das Wasser geglitten, die Segel, die den Drachen Flügel verliehen, trieben sie an und wie ein abgeschossener Pfeil schnellten sie gen Süden. Das Kaiserreich, sowie das Bojarentum Vujarsk warteten dort, mehrere Tagesreisen per Schiff entfernt. Zwischen ihm und diesen südlichen Ländereien lag lediglich die Schwarze See. Heimtückisch, so wurde dieses Gewässer auch genannt. Schon viel zu oft segelten Schiffe los um nie wieder gesehen zu werden.

Viele Mythen und Legenden rankten sich um die Schwarze See und auch wenn er diese schon oft befahren hatte, wusste er immer noch nicht, welche der Sagen wahr war und welche nur Kindern Angst einjagen sollten. Es gab Geschichten von schrecklichen Ungeheuern, die in den unendlichen schwarzen Tiefen lauern sollten. Seeschlangen von einigen hundert Metern Länge, die ganze Schiffe mit einem Bissen verschluckten, ebenso wie riesige Kraken und widerwärtige Wassergeister, welche dort auftauchten, wo viele Wyrajken starben. Diese Leichen sollten aufgebläht sein und einem nach dem Leben trachten.

Ragnar wusste nicht, was er von diesen Geschichten halten sollte. Er war sich sicher, die wenigsten davon würden wahr sein, doch reichte es zu wissen, dass einige davon wahr waren, dass es ihm erneut eiskalt über den Rücken lief.

Ragnar liebte die See, so wie es jeder Wyrajke tat, doch als Thane von Jarl Snorri Thorvaldsons Stamm, dem Stamm der Sturmsegler, liebten Ragnar und seine Stammesmitglieder das Segeln noch mehr als die anderen wyrajkischen Stämme.

Viele Handelsreisen als auch Plünderfahrten hatten die Sturmsegler schon hinter sich. Sei es nach Vujarsk und Eisenheim, über die Schwarze See oder über Norden, über das Schwarze Loch, um so gen Westen und noch weiter gen Süden vorzudringen, bis in die Stadtstaaten oder das Kalifat, oder über Osten, bis hin zu dem Jadereich der Orks und den Zwergen der Hohen Berge. Wyrajken liebten die Seefahrt, es war Teil ihrer Kultur und sie würden alle Ländereien Agahmas befahren, davon war Ragnar überzeugt, er jedoch hoffte, es würden mehr Handelsbeziehungen aufkommen und weniger Plünderfahrten.

Kurz noch genoss Ragnar den Ausblick, ließ seine Gedanken um die Seefahrt schweifen, ehe er sich seinen etwas längeren Vollbart kraulte und sich von der See abwandte. Er stand auf einem der Stege des Dorfes Hrafjen, neben ihm schaukelte ein angebundenes Drachenschiff vor sich hin und ein junger Wyrajke stolzierte zu ihm, eine Angelrute in der Hand, und schien sich seiner Kindheit zu erfreuen.

Ragnar lächelte dem Jungen freundlich zu, „Möge dir Sveigur guten Fang gewähren“, ehe er wieder zurück Richtung Hrafjen ging.

Heute würde er sich mit Jarl Snorri, seinem Anführer, treffen und sie würden über das weitere Vorgehen sprechen. Die Ernte war bisher schlecht ausgefallen. Wenngleich die Jäger gut Beute gemacht hatten, würden die Vorräte nicht mehr lange reichen. Diesen Winter würden sie überstehen, doch es würde knapp werden.

Ragnar blickte gen Himmel, er war wolkenlos und in einen wunderschönen Blauton getüncht. Drei Wasservögel flogen in der Ferne umher und einer schrie kurz auf, es war ein glücklicher Schrei. Der bevorstehende Winter machte ihnen allen Sorgen. Es war zwar noch Hochsommer, doch mussten sie planen und so wie es derzeit aussah, würden sie ihn wirklich nur knapp überstehen.

Hrafjen war belebt, viele Wyrajken waren unterwegs, vor allem hier am Marktplatz, direkt neben dem Hafen. Aberdutzende gingen umher, feilschten mit Händlern um Waren oder plauderten über Alltägliches. Zwei Wachen, in Kettenhemden gehüllt und mit Speeren und Rundschilden bewaffnet, kamen Ragnar entgegen. Er kannte sie gut, es waren beides noch junge Rekruten, gerade erst einmal zwanzig Jahre alt geworden. Wohingegen der eine ein Berg von einem Mann war, wirkte der andere beinahe schon schmächtig. Wyrajken wurden im Durchschnitt über zwei Meter groß, doch der jüngste Rekrut maß knapp über zweieinhalb Meter und war somit der größte Wyrajke im Dorf.

Ragnar lächelte ihnen freundlich zu und sie grüßten ihn respektvoll. Er erinnerte sich als er noch so jung gewesen war, gerade einmal das Kämpfen mit Speer, Axt und Schwert erlernt hatte. Das lag nun schon fast zehn Jahre zurück. Mittlerweile war er Thane und der kommende Winter würde der dreißigste sein, den er miterlebte und seitdem er Thane war, immerhin schon das dritte Jahr, spürte er auch immer schwerer die Verantwortung, die einer Last gleich auf seinen Schultern ruhte.

Er ging, alles überblickend, durch das Dorf und schnurstracks auf das Haupthaus von Jarl Snorri zu. Es glich dem Rumpf eines Drachenschiffes, welches man mit dem Kiel nach oben auf die Erde gelegt hatte. Etliche Ornamente und Schnitzereien, die Drachen, Greifen und andere Gestalten zeigten, verzierten das Gebäude, welches, bis auf das Fundament aus Stein, gänzlich aus Holz erbaut worden war.

Über eine kleine Steintreppe erreichte er das höhergelegene, zweistöckige Haus, welches auf einem kleinen Hügel über Hrafjen thronte. Zwei Wachen, beide mit Kettenhemd und Schild sowie Speer ausgerüstet, begrüßten Ragnar respektvoll. Er erwiderte den Gruß und trat ein.

Die große Methalle von Jarl Snorri bot sich ihm dar. Eine längliche Feuerstelle war in der Mitte dieser, um sie herum Tische und Bänke, auf denen schmackhafte Speisen standen. Der Jarl saß am Kopf der Tafel, gegenüber des Eingangs, auf seinem hölzernen Thron und bis auf vier Wachen war er derzeit alleine.

„In Sveigurs Namen grüße ich Euch, mein Jarl!“, sprach Ragnar und deutete eine Verbeugung an.

„Bei Sveigur, es ist schön dich zu sehen, Ragnar“, erwiderte Jarl Snorri und neigte seinen Kopf, ehe er einen Schluck aus seinem Krug nahm.

„Ihr habt mich gerufen, mein Jarl?“, sprach er sogleich, während er an den Tischen vorbei zu dem Thron ging.

„Ja, ja habe ich“, erwiderte Jarl Snorri, nahm einen weiteren Schluck und fuhr fort, „Aber zuvor, setz dich, trink etwas, iss etwas, lass es dir gutgehen.“

Ragnar setzte sich in Hörweite des Jarls an die Tafel und begutachtete die Leckereien, die darauf aufgetischt waren. Gebratenes Mammutfleisch, gegrillte Wasservögel, gedünstetes Gemüse und gebratene Fische aller Art. Während Ragnar sich das Teller mit gebratenem Mammutfleisch, einer Portion Hirsebrei sowie Krautsalat und rohem Tintenfisch füllte, hörte er, wie sein Jarl nach einer Sklavin rief.

Die Sklavin war jung, höchstens siebzehn Jahre alt und im Vergleich zu Jarl Snorri oder Ragnar wirkte sie winzig. Die Wyrajken wurden im Schnitt etwas über zwei Meter groß, wobei einige in Einzelfällen auch zweieinhalb wurden, glichen aber ansonsten Menschen. Die Sklavin war eine Kaiserliche und somit gerade einmal über einen Meter sechzig groß. Sie war vor einigen Jahren, als sie die Küsten Eisenheims und Vujarsk überfallen hatten, mitgenommen worden und diente seitdem als Kellnerin und Konkubine. Ragnar musterte sie kurz. Sie versuchte seinem Blick auszuweichen, ehe sie ihm den großen Krug voller Met hinstellte und wieder verschwand.

Ragnar nahm einige kräftige Bissen, ehe er den guten Met genoss und sich seinem Jarl zuwandte.

Den fragenden Blick von Ragnar richtig deutend antwortete Jarl Snorri: „Es geht um den Winter, Ragnar. Ich weiß, du hast dir darüber schon viel den Kopf zerbrochen, aber es wird zu knapp werden. Mit den Erträgen könnten wir es schaffen, vorausgesetzt der Winter wird nicht zu hart und zu lange, aber wer weiß das schon? Außerdem haben wir dann im Frühling womöglich zu wenig.“

Ragnar tank einen weiteren Schluck und musterte seinen Jarl. Jarl Snorri war um einiges älter als er, hatte ergraute, lange Haare und einen ebensolchen Vollbart, welchen er zu mehreren Zöpfen geflochten trug. Über sechzig Winter hatte der Jarl schon erlebt und beinahe die Hälfte davon auch in der Rolle als Jarl. Die edlen Gewänder, die Snorri trug, zeichneten seine Stellung aus, es waren bunte Gewänder aus Seide von den östlichen Reichen, jenseits der Reiterbarbaren in den Ostlanden. Die Orks und Zwerge dort unterhielten gute Verbindungen mit vielen wyrajkischen Händlern und auch wenn die Reise dorthin beinahe ein ganzes Jahr dauerte, flossen die Waren.

„Das bedeutet?“ fragte Ragnar schließlich und er wusste bereits, welche Antwort er erhalten würde.

„Wir werden wieder auf Plünderfahrt gehen. Wir müssen unsere Vorräte aufstocken.“

„Mein Jarl, bei allem nötigen Respekt, das halte ich für unklug.“

„Wieso, Ragnar? Wir brauchen Vorräte und wir haben sie uns schon oft von unseren südlichen Nachbarn geholt. Es ist unser Recht!“

„Mein Jarl“, Ragnar nahm einen weiteren Schluck um die letzten Bissen hinunterzuspülen, „unsere Flotte ist nicht bereit. Der letzte Winter hat uns über die Hälfte der Schiffe gekostet und nur mit Greifen werden wir es nicht schaffen.“

Der Jarl schien Ragnar nickend zuzustimmen und nachzudenken, ehe er erwiderte: „Ja, ja, da hast du recht. Wir werden neue Schiffe bauen müssen, ich werde heute noch den Befehl dazu geben.“

Ragnar biss sich kurz auf die Unterlippe, er hielt dies für keine gute Idee. Es würde viel Ressourcen und Arbeitszeit kosten und diese wären anders besser investiert, zumal er auch von dem Vorhaben von Jarlin Arnvidur vom Stamme der Feuerwerfer, einer ihrer Nachbarstämme, gehört hatte und von ihrer Idee sehr angetan war.

„Aber mein Jarl, das halte ich dennoch nicht für klug, zumal auch Jarlin Arnvidur....“

„Ach Ragnar, bist du auch schon auf ihrer Seite?“, schien Jarl Snorri ihn zu tadeln.

„Mein Jarl, sie hat nicht Unrecht. Alles um uns herum ist im Wandel, das Land, die Völker, warum sollten wir Wyrajken uns nicht auch etwas anpassen?“

„Ja, ja, in der letzten Zeit wird der Wunsch nach Wandel immer lauter und ja, auch Sveigurs Vater, Kjarkur, lehrt uns, dass Fortschritt uns voranbringt, aber die Plünderfahrten sind das was uns ausmacht. Ein jeder Wyrajke träumt davon, über die Wellen zu gleiten, an fernen Ufern anzulegen und sich mit den dortigen Leuten zu messen.“

„Ja mein Jarl, aber ich finde Jarlin Arnvidur hat nicht Unrecht. Wir müssen uns einen. Um uns herum erstarken die Völker, das Kaiserreich wird immer mächtiger, ebenso Vujarsk. Im Osten, soweit ich höre, werden die Zwerge und Orks ebenso stärker, nur hier sind sie noch schwächer. Wir sollten uns ebenfalls einen, die Stämme einen, nur so haben wir eine Chance.“

„Ja, das mag sein, aber das ist etwas für die Zukunft. Ich weiß, dass Arnvidur sich mit dem Kaiserreich gut stellen will, sie soll ja sogar den Pulverwaffen nicht abgeneigt sein, aber das ist etwas für die Zukunft. Jetzt heißt es, den kommenden Winter überstehen und dafür werden wir auf Plünderfahrt gehen. Ich habe gesprochen, Ragnar, und als mein Thane wirst du dich mir beugen.“

Ragnar blickte seinen Jarl kurz an, dieser strafte ihn mit einem scharfen und strengen Blick. Er wusste, er könnte ihn herausfordern, nur würde ihm das nichts bringen. Jarl Snorri war gut und gerecht, aber ebenso stur und konservativ. Er würde ihn so nicht umstimmen können, er musste sich ihm beugen und wie ein steter Tropfen, der den Stein aushöhlte, würde er ihn über die Zeit von den neuen Weg überzeugen.

„Natürlich, mein Jarl, ich werde gehorchen“, sprach Ragnar schließlich und neigte seinen Kopf respektvoll.

„Gut, dann werden wir die nötigen Vorbereitungen treffen. Du darfst gehen, Ragnar, ich bin mir sicher, du wirst auch noch das ein oder andere zu erledigen haben.“

Er neigte seinen Kopf zum Abschied, erhob sich und ging die Halle entlang zum Ausgang. Er hatte heute nichts mehr vor. Er würde nach Hause gehen, sich etwas kochen und es sich gemütlich machen. Anders als der Jarl es vermutete, war Ragnar immer bereit für den Kampf, wenngleich er ihn nur in den seltensten Fällen für die beste Option hielt.

Auf dem Weg zu seiner Hütte, welche gerade einmal ein Achtel der Größe von Jarl Snorris Hütte aufwies, wurde er erneut von freundlichen Gesichtern begrüßt. Seine Stimmung erhellte sich aufgrund dieser wieder etwas, ehe er zu seiner Unterkunft, ein paar Minuten zu Fuß westlich von dem Hauptplatz, kam.

Auch seine Hütte war aus Holz erbaut worden, hatte einen fast quadratischen Grundriss, war jedoch einstöckig und, wenngleich nicht so reichlich, ebenfalls mit Schnitzereien verziert. Als er zu seiner Türe kam, stellte er fest, dass diese nicht abgeschlossen war und er wusste zu gut, was dies zu bedeuten hatte Neben ihm gab es nur noch eine andere Person, die einen Schlüssel zu seiner Hütte hatte und er wusste gerade nicht, ob er dies gut oder schlecht finden sollte.

Die Feuerstelle in der Mitte brannte mit kleiner Flamme und erhellte so den Innenraum ein wenig. Sein Wohnbereich samt Kochnische begrüßte ihn, von wo aus eine Tür in den hinteren Schlafbereich seines Gemachs führte. Die Tür zu dem Schlafbereich war offen und er konnte eine Gestalt in seinem Bett erkennen. Als er sich ihr näherte grinste ihn Ulvhilds Gesicht frech an.

„Na endlich bist du da. Hatte schon Angst, ich würde mich heute mit mir alleine vergnügen müssen.“

„Wie geht es dir, Ulvhild?“, begrüßte er sie neutral. Er genoss die gemeinsame Zeit mit ihr, aber er wusste, dass dies nichts Bindendes war.

„Gut Ragnar, sehr gut sogar“, sprach sie und erhob sich und entblößte dabei ihren nackten Körper. Unweigerlich musterte er diesen.

Sie war drahtig und sportlich, hatte blaue Tätowierungen, die ihre rechte Gesichtshälfte, sowie ihre rechte Brust und ihren gesamten rechten Arm bedeckten. Diese Linien gefielen ihm, da sie ihrer weiblichen Brust schmeichelten und diese unterstrichen. Die langen Haare, welche einem Wasserfall aus flüssigem Gold glichen und an der rechten Seite ihres Kopfes kahlgeschoren waren, fielen über ihre Schultern und ihre blauen Augen funkelten ihn lustvoll an. Kaum, da er diesen Anblick sah, merkte er, wie auch seine Lust und sein Verlangen stiegen und so gab er diesem nach und fing an sich zu entkleiden.

Ulvhilds Mine erhellte sich und sie biss sich kurz auf die Unterlippe, ehe Ragnar zu ihr ins Bette stieg und die beiden sich an ihren Körpern erfreuten.

Schweißgebadet lagen sie nach dem Akt nebeneinander im Bett. Sie atmeten schwer, doch waren sie sichtlich glücklich.

„Du sagtest... es geht dir gut? Was ist passiert?“, fragte Ragnar etwas keuchend.

„Es ist geschehen... ich... ich hörte den Ruf! Morgen werde ich ihm folgen“, erwiderte sie und Ragnar hörte die Hoffnung ebenso in Ulvhilds Stimme wie die Furcht, die als Unterton mitschwang.

„Den Sveigursruf? Du gehst also nach Sveigurstatt und stellst dich einem Bären?“

„Ja. Ich werde ihm folgen, mit etwas Glück überleben und eine Berserkir werden.“

Ragnar musterte sie. Er kannte sie seitdem sie Kinder gewesen waren, sie war etwas jünger als er und er hatte im Kindesalter sehr viel auf sie aufgepasst. Es hatte eine Zeit gegeben, in der sie wie eine kleine Schwester für ihn gewesen war, doch er wusste auch, dass Ulvhild feurig und temperamentvoll war. Sie zu erzürnen war meist eine sehr schlechte Idee und sie beherrschte den Kampf mindestens genauso gut wie er selber. Sie war eine fürchterliche Gegnerin, die mit einer lodernden Inbrunst kämpfte. Sollte sie dem Ruf folgen, und natürlich würde sie das tun, jeder Wyrajke würde dies, würde sie eine Berserkir, eine wilde Kämpferin Sveigurs, werden. Sie würde nach Sveigurstatt gehen, einen Sveigurbären, einen riesigen Braunbären, der beinahe doppelt so groß wie ein Wyrajke war und über ein Hirschgeweih verfügte, so wie es Sveigur selber auch tat, mit bloßen Händen erlegen. Nur die Wenigsten kehrten lebend zurück, doch die, die es taten, durften das Fell des Bären tragen und verfügten anschließend über immense Kräfte und auch die Fähigkeit, sich von kleinen Wunden binnen Sekunden zu erholen. Sie waren gefürchtete Krieger, die tödlicher waren als alle anderen Wyrajken.

„Ich...ich weiß nicht was.. ich...“, fing Ragnar an, da er sich einerseits für sie freute, anderseits aber auch befürchtete, er würde sie nie mehr wieder sehen.

„Dann sag einfach nichts“, erwiderte sie und küsste ihn innig, „Lass uns den Moment einfach genießen. Sveigur wird mich leiten, mach dir keine Sorgen.“

Dieses Mal war es Ragnar, der sie küsste, ehe sie erneut damit begannen den, Körper des anderen zu liebkosen und zu genießen, sich einem weiteren Liebesspiel hingaben und zum zweiten Mal miteinander schliefen.

KAPITEL 2

Erfüllt von verschiedensten Düften sowie einer mannigfaltigen Geräuschkulisse lag der große Marktplatz. Stände, in den festen Stein der Wände oder der dicken mittleren Säule gehauen, sowie etliche hölzerne waren aufgebaut und die Händler darin boten ihre Waren feil. Die Decke lag beinahe vierzig Meter über ihnen und war gewölbt und die Wände, ebenso der mittleren Säule, welche beinahe zwanzig Meter im Durchmesser maß, wandten sich Treppen und Laufstege empor sowie Öffnungen der verschiedenen Wohnstuben, Gasthäuser, Geschäfte und Lagerstätten.

Die Markthalle war der größte Bereich Dorathrés. Die Kaverne, in der diese gebaut war, war im Grundriss oval und maß in der Länge über einen Kilometer und an der breitesten Stelle, relativ mittig auf Achse der großen Säule, beinahe einen halben Kilometer. Neben der großen Säule waren noch unzählige kleinere Säulen in der Halle um die Decke zu stützen, welche zugleich auch als Wendeltreppen fungierten um auf die Laufstege zu gelangen, welche sich in geometrischen Mustern, einem Netz gleich, auf halber Höhe zur Decke befanden.

Werhuna blickte sich um. Wie üblich war der Markt voll und es waren mehrere hunderte, wenn nicht sogar tausende Zwerge hier, die ihren Geschäften nachgingen, sich bei den etlichen Gasthäusern und Tavernen trafen oder anderweitig ihren Tag verbrachten. Dorathré war alt, in den Chroniken des Thrés, welche in den Wänden der Ratskammer verewigt waren und monatlich aktualisiert wurden, wurde die Gründung auf beinahe zweitausend Jahre vor den Untergang Kathrés datiert. Über die Jahrhunderte wuchs das Thré immer mehr und mehr bis zu seiner heutigen Größe, in der es über einhunderttausend Zwerge sowie etliche Sklaven beherbergte. Die Wände der Markthalle waren, wie alle Wände des Thrés, reichlich verziert und etliche Lampen, welche über ein ausgeklügeltes Röhrensystem mit Gas versorgt wurden, erhellten die öffentlichen Bereiche. Neben dem Röhrensystem gab es auch noch ein Luftschachtsystem für die Belüftung und der Architektur der Hallen der Thrés war es zu verdanken, dass keine Echos entstanden und dass trotz dieser Ansammlungen von Zwergen die Geräusche sich nicht potenzierten und einem Sturm gleich über einen hereinbrachen.

Werhuna genoss den Anblick des Marktes, es war einer der wenigen öffentlichen Bereiche in denen auch Zwerginnen gehen durften. Die Geschlechterrollen waren in Dorathré, wie in allen anderen bekannten Thrés, strikt vorgegeben und als Frau hatte sie ihrem Mann zu gehorchen und den Haushalt zu führen. Es war ihr untersagt, Gasthäuser und Tavernen zu besuchen, ebenso die Ratskammer, sowie andere Bereiche. Obwohl Frauen auf dem Markt keine Seltenheit waren, mussten sie schließlich einkaufen um sich um den Haushalt kümmern zu können, bemerkte sie wie sie von einer Gruppe Wachen beobachtet wurde.

Werhuna war, wie alle Zwergenfrauen in ein Kleid gehüllt, ihres war dunkelgrün mit einer goldenen Borte in geometrischen Mustern. Ihre schwarzen Haare hatte sie, wie es sich in der Öffentlichkeit geziemte, zu einen Dutt gebunden und unter einer Bundhaube versteckt. Ihr Bart war kurz gestutzt und ohne Schmuck und ihr Blick eher gegen den Boden gerichtet. Sie wusste, warum die Wachen sie beobachteten, denn ihr Grindol war derzeit nicht zu Hause sondern als Aufklärer unterwegs, weswegen sie in dieser Zeit keinen rechtlichen Stellvertreter hatte. Sollte es zu einer Anklage gegen sie kommen hätte sie niemanden, der für sie sprechen könnte und sie hatte sich vor über einer Woche einen Fauxpas erlaubt, weswegen sie befürchtete, dass einer der Wachmänner ihr vielleicht was anhängen wollte.

Ranuul war der große Schmied, der Gott der Zwerge, jener, der aus der Essenz des Äthers in der ewigen Schmiede jeden einzelnen Zwerg erschuf und ihm einen Platz zuwies. Die Priester, welche zugleich die größten Handwerker waren, begutachten jedes Neugeborene und teilen den Eltern den Platz mit, den Ranuul für den neuen Zwerg vorgesehen hatte. Es war Ranuuls Wille und somit die natürlich Ordnung, welche die Rolle der weiblichen Zwerge vorgab, so lauteten die Überlieferungen, das wusste Werhuna und dennoch soll es in der Vergangenheit immer wieder Fälle gegeben haben, in denen Zwerginnen versucht hatten, dies zu ändern. Seit über zweihundert Jahren galt nun das Verbot, dass sich Zwerginnen in größeren Gruppen zu lange treffen und unterhalten durften und eben gegen dieses Verbot hatte sie vor über einer Woche verstoßen. Grindol hatte sie vertreten und es blieb lediglich bei einer Abmahnung, doch Werhuna fürchtete, dass dem Wachmann dies sauer aufstieß.

Mit dem Blick auf den Boden gewandt und mit leicht erhöhtem Puls sowie etwas schwitzigen Händen ging sie so unauffällig sie konnte über den Platz auf einen der Stände zu. Sie brauchte Kohlen und etwas Fleisch sowie ein paar Pilze, ihr Vorrat ging zu Ende und so suchte sie nach einem geeigneten Stand. Nach einigen Minuten sah sie einen Händler der zumindest Gemüse und auch Pilze verkaufte und stellte sich dort an. Drei Männer wollten offenbar ebenfalls etwas kaufen und so musste sie warten, denn diese hatten ein Vorrecht. Ganze fünf Minuten stand sie schweigend dar, ehe der männliche Verkäufer sie ansprach und sie nun ebenfalls reden durfte.

„Ranuul zum Gruße“, sprach sie mit leicht gesenktem Blick, „ich bräuchte zwei Kilogramm von den braunen Höhlentrichterlingen.“

„Dein Glück, ich hab' nicht mehr viele von denen, aber ja, ich pack' sie dir ein. Macht dann bitte vier Schilling.“

„Vielen Dank, mein Herr“, sprach sie sogleich dankbar und neigte ihren Kopf, ehe sie ihm das Geld reichte, „Wisst Ihr zufällig noch, wo ich gutes Brahnfleisch herbekomme?“

„Aber natürlich, mein Vetter betreibt einen Stand, der ist etwa zwei Minuten Richtung Säule von hier. Sagt ihm, dass Efindol Euch schickt.“

„Zu gütig, mein Herr, zu gütig“, erwiderte sie brav, ehe sie sich auf den Weg machte.

Aus dem Augenwinkel konnte sie sehen, wie die Wachen sie weiterhin beobachteten, doch offenbar schien es nur dabei zu bleiben. Sie musste sich ein freches Grinsen verkneifen, denn die Wachen taten natürlich gut daran, sie im Auge zu behalten.

Bis vor vierzig Jahren hatte Dorathré noch regen Handel mit den Wyrajken betrieben und Grindol, ihr Ehemann, war als Aufklärer des öfteren bei den Großen, wie ihr Volk die Wyrajken auch nannte, gewesen. Dort hatte sie erfahren, dass es sehr wohl auch Völker gab, bei denen die Frauen einen anderen Stellenwert hatten und Grindol, welcher ihr, natürlich im Geheimen, in den eigenen vier Wänden, von den wyrajkischen Kriegerinnen und Handwerkerinnen erzählt hatte, hatte ihr Feuer des Widerstandes angefacht.

Bisher hatte sie ihr Bestreben, das Leben der Zwerginnen zumindest in Dorathré zu verbessern, geheim gehalten, hatte nur sehr wenigen Zwerginnen davon erzählt, welchen, von denen sie wusste, dass deren Männer auf sie hörten. Ihr Ziel war es, dass es ihnen so gelang, so viele Zwerginnen davon zu überzeugen wie sie konnten und, dass diese dann ihre Männer überzeugen würden, allen voran die Handwerker, welche über ein Stimmrecht im Rat verfügten wovon. Mit ihren Gedanken alleine folgte sie der Richtung, die ihr der Händler gewiesen hatte, um schließlich den Stand zu finden.

Brahne waren große blinde Reptilien, die sich von Algen und Moos ernährten und deren Haut gutes Leder abgab. Ebenso waren ihre Eier und ihr Fleisch sehr genießbar und neben Käse aus Mammutmilch, Pilzen und Wurzelgemüse die Hauptzutaten der zwergischen Küche. Der Stand war nicht so gut besucht, doch Werhuna schreckte dies nicht ab. Der Duft des rohen Fleisches wehte ihr entgegen, es roch leicht modrig und feucht, das war ein gutes Zeichen, denn dies bedeutete, dass das Fleisch noch frisch war.

Wie von ihr verlangt, stellte sie sich dort hin und wartete brav bis der Verkäufer sie ansprach, ehe sie das Wort ergriff. Sie nannte den Namen des Gemüsehändlers und dass dieser sie geschickt hätte. Wie versprochen machte ihr daraufhin der Fleischhändler einen guten Preis und sie bekam ein Kilogramm Brahnfleisch für zehn Schilling. Fehlte nur noch Kohle und sie hätte alles erledigt.

Anders als beim Fleisch, wusste sie, wo sie preiswerte Kohle herbekam und machte sich nun auf den Weg zu ihrem favorisierten Händler. Sie genoss den Gang über den Markt, sowie die Eindrücke. Die verschiedensten Düfte der rohen Zutaten sowie der Gaststätten und Imbissbuden oder der Gewürzhändler erklommen ihre Nase und sie erfreute sich an diesen. Gelächter drang aus den unzähligen Tavernen und Trinkstuben, in denen sich die männlichen Zwerge den Tag vertrieben, Bier tranken und dem Glücksspiel nachgingen. Es war Zwerginnen zwar verboten diese Stuben zu besuchen, jedoch war Kellnerin in einer solchen Stätte eine der wenigen Arbeiten, die es den Frauen gestattet war nachzugehen, vorausgesetzt ihre Männer erlaubten dies.

Sie musterte kurz wie zwei Zwerg sich offenbar gegenseitig der Betrügerei beim Kartenspielen beschuldigten und es zu einem Faustkampf kam. Unverzüglich kamen Wachen in Platte und mit Handwaffen herbeigeeilt um den Tumult zu unterbinden. Werhuna wandte ihren Blick wieder ab, es geziemte sich nicht als Frau so etwas zu beobachten, sie musste in der Öffentlichkeit den Schein wahren, sie würde sonst zu viel riskieren.

Sie ordnete ihre Gedanken wieder und fokussierte sich wieder auf die Kohle. Sie ging weiter, ließ den Ort des Streites hinter sich und konnte in der Ferne Straßenmusiker, welche auf Hörner, Trommeln und Pfeifen ein Liedchen spielten, vernehmen, während sie sich, von der Wache beobachtet, auf den Weg zu ihrem Kohlehändler machte.

Beinahe zwei Stunden war sie noch unterwegs gewesen, ehe sie wieder zu Hause ankam. Sie sperrte die Türe auf und der Eingangsbereich ihres Hauses begrüßte sie. Grindol war beim Militär und verdiente somit passabel. Ihr Heim verfügte über zwei Stockwerke, Lager-, Eingangs- und Kochbereich im unteren, Schlaf- und Wohnbereich im oberen. Sofort entzündete sie die Öllaterne neben der Eingangstüre um das Haus zu erhellen. Sie brachte die Einkäufe in die Vorratskammer und entzündete anschließend mit der Kohle den Ofen um alles zu beheizen. Lediglich die neuen Häuser, deren monatliche Miete entsprechend höher waren, waren an dem Gasnetz angeschlossen, alle anderen mussten noch mit Öl oder Kohle heizen.

Kaum, da der Ofen heizte, breitete sich die Wärme aus und Werhuna fühlte sich wieder wohl in ihrem Heim. Die eigenen Vier Wände, das Domizil der Zwerginnen, hier waren sie unangefochtene Herrscherinnen, anders als in der Öffentlichkeit. Sie hoffte, dass sich das alles bald ändern würde, sie hoffte, die Zwerge würden endlich erkennen, dass es nicht Ranuul sondern sie selbst es waren, die die Geschlechter zu diesen Rollen zwangen.

Während sie anfing, sich um den Haushalt zu kümmern und sich eine kleine Pilzsuppe zu kochen, erklang ein Klopfen von ihrer Tür. Neugierig ging sie auf diese zu und öffnete sie, nur um erstaunt festzustellen, dass es eine gute Freundin, Briani Thelin, war.

„Ranuul zum Gruße Briani, was kann ich für dich tun?“, stellte sie die Frage leicht verwirrt.

„Bitte, gewähre mir Einlass.“

„Aber natürlich“, Werhuna war etwas überfordert und überrumpelt, doch Brianis Stimme deutete darauf hin, dass die Situation ernst war.

Kaum da sie ihrer Freundin, welche mit ihren dreiundachtzig Jahren in der Blüte ihres Lebens stand und somit kaum jünger als sie war, den Einlass gewährte, huschte diese durch die Tür und deutete Werhuna, diese sofort zu schließen.

Sie musterte ihre Freundin, auch ihr blonder Bart war gestutzt und sie war in ein Kleid gehüllt. Die beige Bundhaube versteckte die ebenso blonden Haare und die grünen Augen von Briani wirkten nervös.

„Was ist los?“

„Ich, ich muss abhauen. Mein Mann hat verraten, dass ich mich für Frauenrechte einsetze, die Wache soll mich holen kommen. Lebe wohl Werhuna, keine Sorge, ich verrate dich nicht“, sprach Briani hektisch und mit Trauer in der Stimme.

„Was, aber, ich kann dich verstecken, aufnehmen...“

„Nein, dann kriegen sie dich auch noch, ich bin hier um lebe wohl zu sagen, ich werde nach Süden gehen, ich habe Verwandte bei den Menschen.“

„Aber wieso, warum hat er...“

„Wir hatten Streit, er wollte es mir heimzahlen und hat somit mein Todesurteil unterschrieben“, Briani umarmte Werhuna noch, ehe sie stürmisch das Haus verließ.

Völlig verdutzt und überrumpelt blickte sie ihr hinterher, ehe sie begriff, dass Briani ihr einen Zettel in die Hand gedrückt hatte.

„Gib nicht auf“, stand in der zwergischen Keilschrift darauf und Werhuna kamen die Tränen als sie die Tür schloss und mit ihren Gedanken alleine war.

Feuer brannte in der großen Methalle und wärmte alle Anwesenden. Nyrmlyjk lag hoch im Norden von Agahma und obwohl es über viele Geysire und Vulkane verfügte, welche den Boden erhitzten, war es immer noch ein kaltes Land. Das Knistern der Flammen, welche gierig das Holz verbrannten, erfüllte ihre Halle als sie sich etwas Met in den Hornkrug leerte. Es war süßlicher Met, mit etwas Apfelsaft vermengt, und sie genoss es, als er ihre Kehle hinunterfloss. Der Sklave mit dem Krug schenkte sofort nach, ehe sie ihm deutete, dass er sie alleine lassen sollte.

Sie blickte zu ihrem einzigen Gast auf, ihr Druide und engster Vertrauter, Sigurd Völundson, saß keine zwei Meter von ihr entfernt an der Tafel und verspeiste gerade genüsslich ein Stück Walfischfleisch. Sigurd war alt, um einiges älter als sie, wobei das wahre Alter des Druiden ein Rätsel blieb. Seit sich Arnvidur zurückerinnern konnte, war Sigurd, der zuvor auch der Berater ihres Vaters gewesen war, alt und hatte einen langen ergrauten Bart. Meist trug er eine einfach beige Robe und hatte einen Fellumhang sowie einen Stock. Er war weise, das wusste sie und es fühlte sich so an, als wäre er derzeit der einzige der sie verstand.

Arnvidur war für einen Jarl noch jung, sie war gerade erst fünfundzwanzig geworden als ihr Vater verstorben war und sie die Pflicht angetreten hatte, dies war noch keine zehn Jahre her und seitdem musste sie über den Stamm der Feuerwerfer regieren.

Arnvidur nahm sich die Keule eines gegrillten Wasservogels und genoss das zarte Fleisch, ehe sie sich an Sigurd wandte. „Danke Druide, danke, dass Ihr Euch heute Zeit genommen habt.“

Sigurd spülte seinen Biss noch mit etwas Met hinunter, ehe er ihr antwortete: „Immer wieder gerne, Jarlin, ich genieße die Zeit bei Euch, so wie ich auch die Zeit bei Eurem Vater genossen habe. Ihr seid wie er, wisst Ihr?“

Arnvidurs helle Haut, welche zu ihren langen, kupferfarbenen Haaren passte, wurde etwas rot ob des Komplimentes. Ihr Vater war von vielen geschätzt worden, war er schließlich ein weiser und gerechter Anführer gewesen.

„Danke Druide, das ehrt mich.“

Sigurd nickte zufrieden, nahm einen weiteren Bissen, ehe er fortfuhr: „Ich denke, ich weiß, warum Ihr mich gerufen habt.“

„So?“

„Aber natürlich, das Land ist im Wandel, ich spüre es. Etwas Großes wird auf uns zukommen, eine Herausforderung. Alles verändert sich, ständig, und wir Wyrajken haben uns jetzt lange genug gegen Veränderung gewehrt. Es wird Zeit, dass sich dies ändert.“

„Also wisst Ihr von meinen Plänen?“