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Überraschungspunkte vom KBA; Love-Toys der Beate Uhse; Rum der Windstärke 12; das gute „Flens“ mit dem PLOPP und Geschichten des Flensburger Autorentreffs. OB LIEBESTOLL OB KRIMINELL – ALLE GESCHICHTEN GANZ SPEZIELL
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Seitenzahl: 125
Veröffentlichungsjahr: 2015
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NORDLICHTER ERZÄHLEN
Band II
Anthologie
Gesammelt von
Jutta Dethlefsen, Sigrid Dobat und Angela Dumrath
Engelsdorfer Verlag
Leipzig
2015
Bibliografische Information durch die Deutsche Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.
Copyright (2015) Engelsdorfer Verlag Leipzig
Alle Rechte bei Herausgebern und Autoren!
Cover: Tobias Grzesiak
Hergestellt in Leipzig, Germany (EU)
www.engelsdorfer-verlag.de
Unser großes „Danke schön!“ geht an Hans-Jürgen Vosgerau, den Gründer unseres Flensburger Autorentreffs,
und er geht auch an die emsigen Mitarbeiterinnen, die für das Entstehen dieser Anthologie gesorgt haben:
Jutta Dethlefsen, Sigrid Dobat und Angela Dumrath
Cover
Titel
Impressum
„Föhr, Insel des Lächelns” – Lorenz-Peter Andresen
Der Maulwurf – Lorenz-Peter Andresen
Mein kreatives Element – Birgitte Arker
Rabenmutter – Marita Arndt
Blütengeflüster – Britta Bendixen
Auf den Hund gekommen – Ulrich Borchers
Banküberfall – Ulrich Borchers
Haustürgeschäfte – Ulrich Borchers
Das Mädchen im Fenster – Jutta Dethlefsen
Käferglanz – Sigrid Dobat
Himbeeren, Sommer 1947 – Sigrid Dobat
Eis, Winter 1947 – Sigrid Dobat
Ein Mann mit Prinzipien! – Angela Dumrath
Im Einkaufscenter – Angela Dumrath
Wer hat denn an der Uhr gedreht …? –Angela Dumrath
CHRISTA † 3.3.45 Köslin/Pommern – Anna Fietz
IRMGARD † 8.3.45 Rosenhof/Bublitz – Anna Fietz
Spuren im Herzen – Anna Fietz
Unterm Abendstern – Anna Fietz
Ein Augenblick – Anna Fietz
Kriminaltango – Lilian Grzesiak
Abgeliebt – Lilian Grzesiak
Sieben Wochen ohne … – Lilian Grzesiak
Er heißt nicht Grabowski – Jürgen Hargens
Familienwelten – Jürgen Hargens
Liebe, die nicht sein darf – Frauke Lind
Montag ist Ruhetag – Sylvia Ullmer
Typisch … – Peter Zylmann
Blütenzauber – Peter Zylmann
Etwas über uns AutorInnen
Eigentlich wollte ich ja meine Chinareise vom letzten Jahr fortsetzen, bis man mir erzählte, Asien läge eigentlich direkt vor meiner Tür, und zwar mitten in der Nordsee.
Zu dieser Auffassung waren zwei meiner Freunde gekommen, die auf der Insel Föhr ihre Zelte für eine Woche aufgeschlagen hatten. Sie verbrachten dort scheinbar recht seltsame, aber auch sehr amüsante Tage. Ich wollte den Vermutungen der beiden auf den Grund gehen und buchte kurzentschlossen drei Tage Inselfeeling im „friesischen China”.
Schon bei der Überfahrt, wie von meinen Kumpels bereits vorhergesagt, bemerkte ich, dass etwas sehr ungewöhnlich war. Auf der Fähre „Uthlande” hatte ich das Gefühl, auf einem Luxusliner gelandet zu sein mit großen Panoramafenstern, Liegestühlen davor und freier Sicht auf die See.
Was hatten Fred und Jochen da so alles behauptet? Viele der Alteingesessenen sprächen nur „außerfriesisch”, oder meinten sie vielleicht, sie sprächen nichts anderes außer „friesisch”? Vielleicht hatten die beiden aber auch nur nicht genau hingehört und es handelte sich hierbei um einen noch unbekannten altchinesischen Dialekt? Ich nenne ihn als Entdecker schon mal im Vorwege „Föhrdarin“ oder „Mandafriesisch“. Und in dem kleinen Dorf Alkersum gäbe es „Eisenbesohlte mit tragenden Eigenschaften“. Aber noch ein viel größeres Geheimnis verbarg sich wohl tief verborgen im Inneren dieser kleinen Gemeinde. Meine Hoffnung stieg, dort vielleicht einen versteckten Ableger des chinesischen Kaiserpalastes zu finden.
Die nächste der unbeantworteten Fragen war: Warum lächeln hier eigentlich ständig alle Insulaner und was bedeutet das mir noch unbekannte „Insel Jing & Jang”? Wieso gibt es hier einen großen Drogenreichtum, der auf der Insel in all seinen Variationen offen an den Mann und vor allem an die Frau gebracht wird? Hat damit auch der sagenumwobene friesische Deichgraf etwas zu tun, oder ist es vielleicht ein chinesischer Deichkaiser? Ich musste in meiner Ahnungslosigkeit zugeben, dass mir doch ein wenig mulmig wurde, in einem Vorort von Shanghai zu landen, im Land des Lächelns mit seinen asiatischen Lebensweisheiten und den berühmt berüchtigten Opiumhöhlen.
Dann konnte ich aus meinem Panoramafenster auch noch deutlich die scheinbar harmlosen Halligen in Reih und Glied am Horizont erkennen. Ich spürte plötzlich Angstschweiß auf meiner Stirn. Diese Miniinselkette sah für mich ganz eindeutig aus wie die extreme Verlängerung der chinesischen Mauer mit ihren Wachttürmen. Hatte sich die ostasiatische Grenze etwa unbemerkt so weit in unseren hohen Norden verschoben?
Kurz bevor wir im Hafen von Wyk anlegten, erhielt ich dann meinen ersten echten Kulturschock. Nur wenige Meter von der Fähre entfernt konnte ich einen alten Kutter entdecken, der mich doch wirklich sehr an eine umgebaute Dschunke erinnerte. Neben seinen wohl nur zur Tarnung aufgehängten Fischernetzen beherbergte er auch noch etwas ganz Unerwartetes an Deck, nämlich jede Menge Flüchtlinge. Es mussten mindestens zwei Dutzend dieser armen Menschen gewesen sein, die sich an Deck drängelten und in ihrer Not heftig zu uns herüberwinkten. Auch deren große Sonnenhüte erinnerten mich sehr an die der chinesischen Bauern auf den Reisfeldern. Später wollte man mir tatsächlich weismachen, es handelte sich dabei lediglich um Ausflügler, die das Treiben der hiesigen Unterwasserwelt erkunden wollten und uns freundlich gesinnt einen schönen Tag gewünscht hätten. Überzeugt war ich davon jedenfalls nicht.
Übrigens, wenn Sie die Gelegenheit dazu haben, dann müssen Sie sich die neuen Fähren „Uthlande” und „Schleswig-Holstein” unbedingt einmal ganz genau vom Strand aus anschauen, wenn sie fahren. Dann sehen die beiden fast so aus, als ob dicke Wollkrabben (übrigens eine Leibspeise der Asiaten) seitlich übers Watt laufen. Doch zurück zu meinem eigentlichen Problem.
Auch die Menschenmassen, die Föhr nach unserem Anlegen geradezu fluchtartig und mit traurigen Gesichtern wieder verließen, machten mir Angst. Na, wenn das keine Flüchtlinge waren, wer denn dann? Irgendetwas Eigenartiges musste sie ja schließlich von hier vertrieben haben. Allerdings konnte ich keine Zeichen der chinesischen Triaden am Fähranleger oder am Eingang zur Stadt finden. Auch hier wollte man mir weismachen, dass es sich lediglich um Menschen handeln würde, die ihren Urlaub beendet hatten. Ich wollte das Abenteuer auf jeden Fall bestehen und nicht als Hasenfuß zu Fred und Jochen zurückkehren. So betrat ich schließlich mit wackeligen Füßen diese fremdartige Insel.
Natürlich hatte ich mich reichlich mit allem möglichen Infomaterial eingedeckt und wagte zu behaupten, hier schon jetzt nahezu jeden Stein und jede Muschel zu kennen. Doch weit gefehlt. Kennenlernen muss man das Eiland, das auch schon die Piraten gern heimsuchten, wohl direkt vor Ort, um es zumindest teilweise zu verstehen.
Auf dem Programm für mich stand jedenfalls eine Inselrundfahrt wie auch der Besuch der Seehundsbänke und anderer Sehenswürdigkeiten. Wieder musste ich meinen Freunden Recht geben. Die Seehunde, wie auch die allgegenwärtigen Schafe hier, schienen genauso wie die Einheimischen ein ständiges Lächeln auf den Lippen zu tragen. Einen Grund hierfür sah ich im bereits erwähnten übermäßigen Genuss von Drogen, … die ich allerdings noch nicht gefunden hatte. Doch das sollte sich bald ändern.
Auf einer Landkarte erkannte ich schnell das besagte „Insel Jing & Jang”, denn Föhr teilt sich wirklich in zwei Gebiete auf. Einmal in die mit und in die mit ohne Deich. Einmal in die mit und in die mit ohne Menschen … oder Schafe, Kühe, Strand, Seehunde usw.
In der Mitte der Insel macht sie tatsächlich diesen komischen Schlenker, den man durchaus und mit etwas Fantasie als Trennungslinie zwischen Schwarz und Weiß, Menschen und Schafen und all dem anderen erkennen konnte. Auf der Strecke habe ich sogar einen von den beiden Punkten, ich glaube den von Jing (oder war es doch der von Jang?), entdeckt. Die Lembecksburg oder -warft oder so.
Betrachtet man diese Anhäufung von Erde und Gras zu einem großen Kreis allerdings etwas genauer, könnte es durchaus auch ein Ufo-Landeplatz gewesen sein. Ich denke dabei an die unheimlichen Reisfeldkreise, die ich schon in China vergeblich erforscht habe. Und so ist es vielleicht doch nicht, wie bescheidenerweise beschrieben, nur ein ehemaliger Zufluchtsort der Inselbewohner vor Störtebeker und seinen Spießgesellen. Trotz der Ungewissheit war ich von diesem Ringwall schwer beeindruckt. Plötzlich meinte ich Störtebeker rufen zu hören: „Rum oder Leben!“, bis ich hinter mir einen vor Wut schnaubenden riesigen Bullen entdeckte, der bereits mit seinen Hufen scharrte. Er erinnerte mich sofort an einen feuerspeienden chinesischen Neujahrsdrachen. Da gab es für mich nur noch eines: „Scheiß auf den Rum und ab durch die Mitte!”
Mitte – da war doch auch noch was?
Weiter auf der Rundfahrt vorbei an einigen anderen kleinen Ortschaften kommt wohl keiner um den Ankerplatz des kleinen Dorfes Nieblum herum, wo auch bekannterweise der Drogenkonsum und dessen Verkauf in ungeahnter Höhe betrieben wird. Weltweit werden von hier aus kleine Pakete verschickt, ohne dass dem verbotenen Treiben Einhalt geboten würde. Kein Inselpolizist war weit und breit zu sehen. Vielleicht hatten die ja gerade wieder einmal mit illegalem Schafhandel zu tun. Ich schätze außerdem, dass das Gebiet vollständig in den Händen der Inselmafia ist. Noch während sich meine Nackenhaare aufstellten, konnte ich bereits die erste Opiumhöhle geruchsmäßig entdecken. In diesem Falle gut getarnt als Teekontor. Innen wurde ich fast erschlagen von den wunderbarsten und herrlichsten Düften aus aller Welt. Ich spürte bereits nach wenigen Minuten die ersten typischen Anzeichen für einen Drogenrausch. Meine Sinne vernebelten sich, als ich von der natürlich ebenfalls dauerlächelnden Verkäuferin eine Sorte nach der anderen zum Berauschen vor die Nase gesetzt bekam. Dann flößte man mir das Zeug auch noch aufgelöst in heißem Wasser ein. Irgendwelche süßlichen braunen Würfelstücke machten mich zusätzlich recht benommen. Alles in allem ebenfalls eindeutig ein Indiz dafür, dass meine Freunde schon wieder recht behalten haben. In jedem der zahlreichen schönen Ortschaften gab es solche Schlürfoasen, allesamt getarnt als kleine, schnuckelige Cafés. Wer hier nicht süchtig wurde, der war wohl resistent dagegen.
Nachdem ich mich, natürlich beim Asiaten, mit Reis und knuspriger Ente gestärkt hatte, führte mich meine Tour auf ganz andere Wege. Ich war einem der größten deutschen Rätsel auf der Spur und landete hierbei im bereits erwähnten Alkersum, einer eher beschaulichen Gemeinde im Herzen dieses sonderbaren Fleckens in der Nordsee. Hier gibt es, wie bereits scherzhaft von meinen beiden Freunden erwähnt, so einige „Eisenbesohlte mit tragenden Eigenschaften“, womit Fred und Jochen natürlich einen Teil der Alkersumer Bevölkerung meinten, nämlich deren Pferde. Ein wirklich lächerliches Rätsel, wobei das zweite wahrlich viel interessanter und weitaus schwieriger zu lösen war. Alkersum hat nämlich ein wunderbares Museum mit unendlich vielen tollen Bildern von allen möglichen bekannten Künstlern wie Emil Nolde usw. (zugegeben, die restlichen kannte ich allesamt nicht). War Nolde nicht auch einmal in Asien gewesen?
Wie mir meine Bekannten verraten hatten, wähnten sie dort ebenfalls noch einen großen Geheimraum, der bestens für das seit Jahrzehnten verschwundene Bernsteinzimmer geeignet wäre. Schließlich passen Bernstein und Nordsee ja wunderbar zusammen, oder? Und wer würde schon in einem Inseldorf wie Alkersum danach suchen? Ich bin mir gar nicht mal so sicher, dass die Chinesen nicht auch hierbei ihre Finger im Spiel haben! Schließlich lieben sie diesen geheimnisvollen, brennbaren Stein und benutzen ihn bestimmt zum Anzünden ihrer Opiumpfeifen!
Während meiner kurzen Zeit auf der Insel habe ich noch viele Ungereimtheiten gesehen: Menschen, die nicht nur im Watt herumliefen, sondern bei Utersum im Schlick auch noch Golf spielten. Oder Muscheln sammelten im Regen. Die gibt es schließlich in jedem Souvenirladen auf der Insel in kleinen Netzen. Bei der Gelegenheit bin ich gleich in Utersum geblieben und verstand am Abend, warum Föhr neben „friesischem China“ auch noch die „friesische Karibik” genannt wird. Denn der Tag endete mit einem gewaltigen Sonnenuntergang vor prachtvoller Kulisse, nämlich den Schwesterinseln Amrum und Sylt. Apropos Sylt, sieht diese Insel nicht ein wenig wie Japan aus?
Ich glaube, ich muss wohl doch noch einmal hierher zurückkehren, denn zu vieles blieb ungeklärt auf Föhr, der Insel des Lächelns.
„Der Maulwurf“
Ein Maulwurf mutig unverdrossen
der hatte einst einmal beschlossen
den Turm zu fällen der dort stand
wo früher sich sein Bau befand
er wühlte und er schaufelte
sich unter diesen großen Turm
bis dieser endlich strauchelte
sich neigte wie ein Baum im Sturm
kein Maulwurf war wie dieser da
und so entstand der Turm von Pisa
Mein Leben als Kuh hat mich immer mit Stolz erfüllt. Wie gern schaue ich über die Felder und grüße meine Verwandten, die genau wie ich die frische Luft durch ihre Nüstern ziehen, die grüne Fläche mit ihren kleinen Hügeln so in sich aufnehmen, dass sie ansatzweise Glücksgefühle entfalten.
Falls es gelingen sollte, einige der besonders grünen Gewächse von der Wiese in das Maul zu stecken, um sie dort durch Kauzermalmungen zu zerkleinern und zu genießen, würde ich zufrieden sein und – immer noch kauend – nachdenklich träumend in die Gegend schauen.
Was ich absolut vermeide, ist, mir Gedanken über die Zukunft zu machen. Wie Karl Valentin erkannt hat, kommt die Zukunft jedes Mal früh genug. Für mich wird sich, vermute ich, dadurch nicht viel ändern. Mein Leben bewegt sich innerhalb der Grenzen von „Grasfressen“, mit dem siebenstufigen Verdauungsprozess über alle meine Mägen verteilt, versteht sich, und des „Sich-häufig-an-der-Grenze-Befindens“ zu einer noch größeren kreativen Leistung.
Es sollte mich – statt phlegmatisch vor Glück zu werden – viel mehr beschäftigen, worüber einige Artgenossen ein engagiertes Geschrei veranstalten. Sie bilden sogar Kleingruppen von Empörten, die die Menge der Pestizide im Erdboden reduzieren wollen. Und noch mehr: Sie versuchen, Aufrufe im Sinne dieser grünen Tendenz in der Kuhzeitung zu veröffentlichen! Allerhand! Als würde das etwas gegen die Agrarlobby bewirken können.
Es hilft viel mehr, eine akzeptierende Haltung zu der Umwelt einzunehmen.
Das zeigt sich zum Beispiel, wenn in mir das Gefühl entsteht, dass eine gewisse Körpersättigung erreicht ist. Dann muss auch ich – wie meine Verwandten – von einem Teil meines Gewichts Abschied nehmen. Welche Wonne, wenn so ein Ballen Gewicht unterwegs und kurz davor ist, meinen Körper zu verlassen, um letztlich als halbflüssige olivgrüne Masse mit ihrer Wärme meine Oberschenkel herunterzulaufen.
Gewissermaßen ist dieses Erlebnis einer der Höhepunkte des Tages.
Das zu spüren, genieße ich intensiv! Ja, ich könnte noch weitergehen und von der Wonne sprechen, die durch die Temperatur der olivschwarzen Masse entsteht, und die ich in mir wirken lassen darf. Im besonderen Grade spüre ich in diesem Moment die vereinende Gemeinsamkeit mit meinen Artgenossen.
Jetzt können Sie denken, dass es Ihnen aber wirklich reicht, einer derartigen Verteidigungsrede zuhören zu müssen. Sie finden eventuell den Sermon ziemlich beschissen. Hinzuzufügen gibt es nur eines: Eine solche vulgäre Formulierung würde keine einzige Kuh in das Maul nehmen. Ein solches Wort ist arg übertrieben, nicht zuletzt durch das liebevolle Verhältnis zu den anderen Kühen, die sich mit ihrem kreativen Wirken auf dieser Wiese breitgemacht haben.
Womit ich mich vor allem brüste, wie ich zu Anfang angedeutet habe, ist, dass es mir gelungen ist, meine kreative Potenz noch zu verstärken, indem ich die restliche Flüssigkeit an meinen Oberschenkeln mit einem besonderen Muster versehen habe. Mein Schwanzwedel ist nämlich fähig, punktweise und derart mit Druck zu arbeiten, dass sowohl Punkte, waagerechte Striche als auch die Form kreisförmiger Ornamente an meinem Körper entstehen, die man kunsthistorisch als pointillistisch bezeichnen muss.
Ich bin stolz, mich vor Ihnen im Namen der Kreativität präsentieren zu können.
Mit raschen Schritten geht Hanne zu ihrem Auto. Gerade hat sie ihre Tochter Lisa zum Zug gebracht. Abschiede fallen ihr schwer, sie wird wieder für längere Zeit allein sein.
Hanne spürt die Tränen in ihren Augen. Sie steigt rasch ins Auto und ist froh, nun wenigstens vor den Blicken der Menschen geschützt zu sein.
