Nordsee-Voodoo. St. Peter-Ording-Krimi - Angelika Singer - E-Book

Nordsee-Voodoo. St. Peter-Ording-Krimi E-Book

Angelika Singer

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Beschreibung

Der pensionierte Polizist Jan Magnusson weiß nicht so recht, was die Bekanntschaft mit den beiden interessanten Herren aus Malawi und die geheimnisvollen Andeutungen seiner ehemaligen Haushälterin miteinander zu tun haben. Als letztere von der Spökenkiekerei nicht mehr nur redet, sondern einen okkulten Selbstversuch startet, bringt sie ihn auf eine Spur. Aber, welche Verbindung gibt es zwischen dem Toten am Strand und seinem aalglatten, zukünftigen Schwiegersohn? Wie bereits in seinem ersten Fall nutzt Magnusson die im Polizeidienst erworbenen Fähigkeiten und beweist, dass er noch lange nicht zum alten Eisen gehört.

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Inhalt

Titelseite

Impressum

Widmung

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Angelika Singer

NORDSEE-VOODOO

St. Peter-Ording-Krimi

Engelsdorfer Verlag 2011

Das vorliegende Buch ist ein fiktives Werk. Alle Namen, Figuren und Vorkommnisse entspringen der Phantasie der Autorin. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig.

Bibliografische Information durch die Deutsche Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothele verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.

eISBN: 978-3-86268-307-9

Copyright (2011) Engelsdorfer Verlag Leipzig

Alle Rechte bei der Autorin

Coverfoto © frenta - Fotolia.com

www.engelsdorfer-verlag.de

Für Michael

1.

Ferdinand Egelmann goss gerade die Hortensien, als die Biene ihn ins Genick stach.

In der einen Hand weiter die Gießkanne haltend, schlug er mit der anderen nach dem Insekt, welches in den wulstigen Speckfalten seines Nackens steckengeblieben war.

Zu seiner Verwunderung ertastete er eine unerwartete Form zwischen seinen Fingern. Er zog das Insekt heraus. Dann hielt er es mit ausgestrecktem Arm – die Lesebrille lag irgendwo im Wohnzimmer – etwas von sich weg, fokussierte das Ding und erkannte überrascht, dass es keine Biene, sondern eine fein geschnitzte, hölzerne Pfeilspitze war. Diese war mit einer klebrigen Flüssigkeit überzogen, von der ein nicht geringer Teil soeben über seinen Nacken in den Blutkreislauf gelangte. Da, wo die elegant geschwungene Spitze sich wieder zum Holz verjüngte zierten fremdartige Zeichen das Teil. Ohne Brille vermochte er die Schrift, oder was immer das sein sollte, nicht entziffern. Egelmann wusste nicht, was er davon halten sollte. Er wollte sich umdrehen, den Garten nach dem Schützen absuchen, aber seine Gedanken wurden merkwürdig zäh, die Hand reagierte nicht mehr auf die Anweisungen des Gehirns und ließ die Pfeilspitze einfach fallen. Seine Motorik war nicht mehr kontrollierbar. Die Beine knickten ihm weg, als sei er eine fallengelassene Marionette. Da lag er nun zwischen Clematis und Hortensien, der Kopf schweißnass, die nachgefärbten, spärlichen dunklen Haare klebten am Schädel. Ein Schlaganfall, dachte er, das musste ein Schlaganfall sein. Wenigstens diese logische Verknüpfung des Geschehens brachte sein Gehirn noch zustande. Er konnte wie gewohnt Hören und Sehen, aber nur noch zähflüssig Denken und sich nicht mehr bewegen.

Die Wirtschafterin! Die hatte eben noch die Terrasse mit Seifenlauge geschrubbt! Er brauchte also nur rufen: Frau Brausewetter – sofort hierher! Jedoch, die zurechtgelegten Worte formten sich nicht in seiner Kehle, stattdessen drang nur ein erstickter, gurgelnder Laut heraus. Keine Chance, dass die ihn hörte. Ratlos blickte Egelmann auf die über ihn wippenden Blütenköpfe der zartlila Clematis. Es hatte ihn also erwischt. Ein Irrer schoss hier mit Pfeilen herum und löste damit einen Schlaganfall bei ihm aus. Sicher waren das irgendwelche Lümmel. Feriengäste, die ihre nervenden Plagen durch das Reetdachviertel stromern ließen, um selbst Ruhe vor ihnen zu haben.

Die Insekten brummten und summten weiter um ihn herum, der leichte Seewind bewegte die Blumenköpfe und jenseits der Thujenhecke hörte er den Rasenmäher des Doktors. Das Geräusch des Motors erstarb, eine Autotür klappte und kurz danach entfernte sich das Fahrzeug. Der pensionierte Mediziner eilte bestimmt wieder seinem Hobby entgegen und würde stundenlang auf dem Golfplatz herumhampeln. Nicht ahnend, dass sein Nachbar gerade jetzt dringend medizinische Hilfe benötigte. Egelmann wohnte gerade mal zwei Jahre in seinem schmucken Reetdachhaus am Hummergrund und hatte bisher jeden Kontakt zur Nachbarschaft gemieden, aber nun, in seiner misslichen Lage, wünschte er sich nichts sehnlicher, als einen aufmerksamen und hilfsbereiten Nachbarn mit medizinischer Ausbildung. Also so einen wie Dr. Eichenwald. Beim Besichtungstermin registrierte Egelmann damals zufrieden die gut zwei Meter hohen, das Grundstück vollkommen abriegelnden Hecken. Natürlich nicht ahnend, dass er die einmal verfluchen würde.

Keine Chance auf schnelle Hilfe – die Brausewetter klapperte mit dem Schlüsselbund und schloss, wie ihr von Frau Egelmann aufgetragen, das Tor sorgfältig von außen ab. Er musste also ausharren, bis seine Frau Sonja nach Haus kam und ihn finden würde.

Seine bedeutend jüngere Frau ging tagsüber allein ihren Interessen nach. Manchmal konnte er sich des Eindruckes nicht erwehren, sie zeige sich nicht mehr so gern mit ihm in der Öffentlichkeit. Seit er sich der Siebzig näherte, wurde der Altersunterschied immer deutlicher sichtbar, auch wenn er immer mehr Tuben, Tiegel und Haarfarbe nutzte und die Spuren der Zeit zu verwischen suchte. Dreißig Jahre ließen sich nicht einfach kaschieren.

Wie würde Sonja auf seine missliche Lage reagieren? Ein angejahrter, vielleicht gar pflegebedürftiger Gatte blieb letztendlich nur eine Last. Unnützer Ballast, dessen man sich am besten schnell entledigte. Sie war eine egoistische und in erster Linie ökonomisch denkende Frau. Sentimentale Anhänglichkeit durfte er von ihr nicht erwarten.

Sie hatte viel von ihm gelernt.

Der Gartenboden dröhnte unter sich nähernden Schritten. Sonja. Nun würde er wenigstens in die Klinik kommen. Wenn dies schnell genug geschah, konnte viel gewonnen werden.

Die Hortensien neben ihm teilten sich und zwischen die blassblauen Blütendolden schob sich ein Gesicht. Das war nicht Sonja. Wer ist diese Alte, dachte er wütend, was wollte sie in seinem Garten und warum half sie ihm nicht wenigstens? Mühsam versuchte sein Gehirn, wüste Beschimpfungen zu produzieren, stattdessen drangen aus der Kehle wieder nur die gedämpften Gurgellaute. Die Alte blickte ungerührt auf ihn herab. In ihren Augen sah er etwas wie Genugtuung. Zum Teufel, warum setzt die sich nicht endlich in Bewegung und alarmiert den Rettungsdienst?

Aus der anderen Seite des Beetes schob sich ein schwarzer Kopf in sein Blickfeld. Ein Neger! Ein Neger in meinem Garten! Er glaubte, seinen Augen nicht zu trauen. Wie war der herein gekommen, die Brausewetter hatte doch eben deutlich hörbar das Tor abgeschlossen? Nun nickte der auch noch der Alten zu und ein weiterer Schwarzer tauchte hinter ihnen auf. Er, Ferdinand Egelmann, lag bewegungs- und sprachunfähig im Blumenbeet und in seinem Garten spazierten ungeniert die Nigger herum. Die Alte hob etwas vom Boden auf und reichte es dem ersten Neger. Der betrachtete es, nickte wieder und ließ es dann in die Jackentasche seines hellen Leinenanzuges gleiten. Während dessen trat der andere einen Schritt zurück und zog ein undefinierbares Stück Stoff aus dem Gebüsch. Die Schwarzen entfalteten das Teil und zu seinem Entsetzen erkannte Egelmann, dass es sich dabei um ein Art Leichensack mit Reißverschluss handelte. Die beiden Afrikaner bewegten sich lautlos und gleitend, scheinbar knochenlos grazil. Sie hoben ihn auf das Stück Stoff, Egelmann versuchte einen letzten protestierendgurgelnden Laut, dann zog die Alte ungerührt den Reißverschluss über ihn zu. Es wurde dunkel. Er fühlte sich hochgehoben, über das Grundstück getragen und in einem Fahrzeug wieder abgelegt. In einer ihm fremden Sprache verständigten sich die beiden Männer kurz vor dem Fahrzeug stehend und fuhren los. Das einzige, was Ferdinands benebeltes Gehirn registrierte, war der Name des Einen. „Chinayi“ hatte ihn die Alte genannt.

Die gleichmäßigen Motorengeräusche der Fahrt machten ihm endgültig den Ernst der Lage bewusst. Der Schlaganfall schon eine Katastrophe an sich – die Entführung durch die Alte und ihre schwarzen Knechte unerklärlich. Egelmann kannte überhaupt keine Afrikaner.

Sonja Egelmann fuhr schwungvoll die Einfahrt zur Garage hinauf. Ihre Gedanken kreisten immer noch um die Gespräche mit der Kosmetikern. Botox ja oder nein? Das Zeug war eigentlich ein hochwirksames Gift, zur Faltenlahmlegung geradezu ein Segen. Nur – es galt die Prozedur halbjährlich zu wiederholen, sonst konnte man es gleich lassen. Es war nicht die Kostenfrage der Behandlung die sie beschäftigte, sondern die Gewissheit, dass sie, einmal damit angefangen, nicht einfach wieder damit aufhören konnte. Dann sah jeder erst recht, was los war.

Sie ärgerte sich, dass Ferdinand das Tor offen gelassen hatte, obwohl gerade er immer wieder darauf drängte, dass alle Zugänge geschlossen blieben. Sie nutzte die Fernbedienung und das Tor schloss sich wie von Geisterhand bewegt. Der Platz vor der Garage blieb durch die Biegung der zugewachsenen Hecke von außen uneinsehbar. Diese Gestaltung hatte sich positiv auf ihre Kaufentscheidung zugunsten des Grundstückes ausgewirkt. So konnten Einkäufe und Lieferungen ungesehen von der Nachbarschaft ausgeladen werden. Das Haus selbst entsprach dem für diese Gegend üblichen Baustil im hochklassigen Bereich.

Als Sonja und Ferdinand vor wenigen Jahren auf die Suche nach einem geeigneten Wohnsitz gingen, richtete sich ihr Interesse zunächst auf Sylt. Ernüchtert von den astronomischen Preisen ließen sie sich bereitwillig von einem Makler nach St. Peter-Ording umdirigieren.

Traumhafte Lage an der Westküste und im Vergleich zur Prominenteninsel geradezu erschwinglich.

Das Reetdachviertel machte seinem Namen alle Ehre – hier wurde nur gediegen im friesischen Stil gebaut. Die Nachbarschaft bestand überwiegend aus Managern der Wirtschaft, erfolgreichen Freiberuflern, Selbständigen und wohlhabenden Pensionären. Manches Haus stand zehn Monate im Jahr leer und beherbergte nur in der Hauptsaison seine gestressten Besitzer. Der Vorbesitzer des Hauses – ein Hamburger Reeder – führte sie selbst durch Haus und Grundstück und setzte anschließend die Verkaufsverhandlungen bei einem Essen im Ortsteil Bad fort. Der seriöse Reeder mit den feinen Manieren verlor fast die Haltung, als Ferdinand in seine ausbeulenden Hosentaschen griff, die geforderte Summe in eng zusammengerollten Scheinen zutage förderte und kommentarlos auf den Tisch legte.

So etwas war ihm noch nie passiert. Wieso bezahlte dieses ein wenig spießig wirkende Ehepaar eine solche Summe in bar? Völlig unübliches Geschäftsgebaren. Der Reeder reagierte schnell wieder gewohnt souverän, bat einen befreundeten Banker sowie seinen Notar hinzu und nachdem ersterer die Echtheit des Geldes bestätigt und ein handschriftlicher Vorvertrag unterzeichnet war, konnten Egelmanns bereits die Schlüssel in Empfang nehmen.

Sonja fand auch die Haustür unverschlossen vor. Demzufolge musste ihr Mann im Garten sein, denn die Lesebrille lag auf dem Fenstersims und auch die Straßenschuhe im italienischen Stil standen neben der Garderobe. Das großzügig geschnittene Haus verfügte im Erdgeschoss über einen Wohnraum mit Kamin neben einer blau-weiß lackierten offenen Einbauküche. Die zweiflügelige, mit Sprossen unterteilte Terrassentür öffnete sich zu einem mit Backsteinen belegten Sitzplatz, eingefasst von Blumenbeeten und Gehölzpflanzungen. Sie entriegelte die beiden Flügeltüren und schritt Richtung Garten. Die Backsteine der Terrasse glänzten noch etwas feucht, Frau Brausewetter schrubbte sie immer besonders gründlich, um jeden Anflug von Moos zu verhindern. Die Egelmann fand ihren Gatten weder bei den Hortensien, noch bei den Rosen. Auch ein wiederholter Gang durch die Garage sowie die oberen Räume des Hauses blieb erfolglos. Weder im geräumigen Bad noch in der Sauna hielt Ferdinand sich auf. Das Schlafzimmer schien er seit dem Morgen nicht mehr betreten zu haben, die Zimmer der Kinder unberührt. Ratlos setzte sie sich in den Teak-Holz-Liegestuhl, blinzelte in die Sonne und beschloss, einfach mit dem Essen so lange zu warten, bis er wieder auftauchte.

Im Laufe des Nachmittages wich die leichte Verärgerung einer immer deutlicher werdenden Wut. Nicht genug, dass Ferdinand es für unnötig erachtete, sie über seine Abwesenheit während der Mittagszeit zu informieren, nein, nun begann es bereits Abend zu werden und noch immer meldete er sich nicht. Ihre Anrufe und Kurznachrichten blieben unbeantwortet.

Höchstwahrscheinlich war jemand vorbei gekommen, dem er sich eiligst anschloss. Aber wer? Sie pflegten in dem Nordseeheilbad weder Bekanntschaften noch Kontakte. Doch: neulich im Strandkorb! Sie kam gerade vom Zigarettenholen zurück, als sie ihren Gatten im angeregten Gespräch mit einer Dame antraf. Die gepflegte Erscheinung musste so etwa in seinem Alter sein und anscheinend nicht unvermögend. Sonja taxierte unauffällig deren Schmuck und musste zugeben, dass die Kombination Badeanzug zu Brillanten zwar ungewöhnlich aber wirkungsvoll war. Jedenfalls kam die Dame aus Frankfurt. Frankfurt am Main, versteht sich. Verwitwete Unternehmergattin. Leider kinderlos. Sie riet Ferdinand, nachdem sie dessen breitgliederige, in den Speckfalten seines Nackens ruhende Goldkette begutachtet hatte, zu Platin. In ihren Kreisen trug man Platin. Sonja registrierte mit Verwunderung, wie ihr sonst so maulfauler Gatte munter Konversation machte. Beim Thema Gesundheit stellten die beiden schließlich fest, dass sie quasi Leidensgenossen waren. Auch Egelmanns Leber machte Probleme. Ob bei der Witwe ebenfalls ein erhöhter Alkoholkonsum die Ursache des Übels war wollte Sonja gar nicht mehr wissen. Mitten in der Diskussion, ob nun Karlovy Vary oder das italienische Montecatini das Leiden wirksam zu lindern vermochte, beendete sie mit einem Blick auf ihre Uhr kurz angebunden die Plauderei der beiden und dirigierte ihren Gatten nach Hause.

Denkbar, dass diese Frau, zufällig hier entlang schlendern, Egelmann in irgendein Cafe abgeschleppt hatte. Sonja war sein Interesse an dieser Witwe gleich verdächtig vorgekommen. Zugegeben, sie selbst ging mehr oder weniger eigene Wege, seit die beiden Kinder im Badischen Internat untergebracht waren und auch für sein zunehmendes Gejammer über die altersbedingten unangenehmen Begleiterscheinungen des fortgeschrittenen Lebens zeigte sie kaum Einfühlungsvermögen. Sie befand sich in den besten Jahren und konnte endlich tun und lassen was sie wollte. Trotzdem stieg Eifersucht in ihr hoch, denn wenn schon einer von ihnen amourösen Abenteuern nachging, dann stand das ja wohl altersmäßig ihr zu. Direkt unverschämt von ihm, sich mit dieser schmuckbehangenen alten Dohle eine schönen Tag zu machen.

Das Erste, was Egelmann wieder sah, war der Sternenhimmel.

Klar und deutlich konnte er einzelne Sternbilder erkennen. Er lag zwischen den Hortensien, es war dunkel und die Blüten über ihm gaben ihren nachtschweren Duft ab. Vorsichtig versuchte er, sich auf die Seite zu drehen. Es gelang. Ächzend stemmte er sich hoch, mühsam das Gleichgewicht haltend. Sein Kopf brummte wie nach einem schweren Rausch. Mühsam versuchte er, sich zu erinnern. Sein Gehirn gab keine Bilder der letzten Stunden frei. Lediglich der Bienenstich war ihm bewusst und dass er wohl im Blumenbeet umgefallen sein musste.

Durch die Terrassentür erblickte er sein hell erleuchtetes Wohnzimmer. Sonja saß auf dem breiten Ledersofa und schaute fern. Er schleppte sich zur Tür, klopfte, sie öffnete und schaute ihn wütend an.

„Warum …?“, Egelmanns Stimme klang brüchig und schwach, er musste sich erst ein paar Mal räuspern, „Warum hast Du mich nicht gesucht?“

„Ich? Ich, Dich suchen? Spinnst Du?“ Sonjas Tonlage erreichte gefährliche Höhen. „Du treibst Dich mit dieser Alten sonst wo herum und ich soll Dich suchen?“ Verärgert warf sie die Fernbedienung des Fernsehers auf den Tisch und stemmte die Fäuste in die Hüften.

Ihr Mann hangelte sich zur Couch, saß dort wie ein Häuflein Unglück und wischte sich mit der Rechten immer wieder über das Gesicht.

„Ich … ich war ohnmächtig. Mich hat eine Biene gestochen und dann …, dann bin ich im Hortensienbeet umgefallen und erst jetzt wieder aufgewacht, meine ich jedenfalls …, mehr, mehr weiß ich nicht!“

Sie stieß ein höhnisches Lachen aus. „Eine Biene gestochen, haha! Die Biene kenne ich! Den ganzen Garten und das Haus habe ich nach Dir abgesucht, solche Märchen kannst Du erzählen wem Du willst, mir nicht!“

Sie drehte sich abrupt um und setzte den rechten Fuß auf die erste Treppenstufe zum Obergeschoss, dann wendete sie noch einmal kurz den Kopf: „Schau Dich doch mal im Spiegel an! So, wie Du aussiehst, habt ihr nicht nur eine Flasche Schampus geköpft, Du und Deine Frankfurterin!“

2.

Jan wusste nicht wohin mit seinen Händen. In der verkrampften Rechten hielt er Marlenes Brautstrauß. Wenn er die Hände mit dem biedermeierlich gestaltenen Rosengesteck vor der Brust faltete, kam er sich vor wie ein Junge am Muttertag. Baumelten seine Arme locker am Körper herab, schleiften die zarten Seidenbänder des Straußes im Staub. Schließlich legte er beide Hände mit dem Strauß auf den Rücken, bereit, Marlene die Blumen im rechten Moment zu überreichen.

Pastor Brüsekamp nickte im beruhigend zu. Der konnte ja auch gelassen bleiben. Trauungen gehörten für den zum normalen Tagesgeschäft. Etwa so gewöhnlich wie für Jan, wenn er früher Falschparker abstrafte. Mit ‚früher’ bezeichnete er neuerdings sein Polizistenleben vor der Pensionierung. Zuerst bei der Drogenfahndung in Hamburg, später, nach der Messerattacke des Dealers, als Dienststellenleiter hier in St. Peter-Ording.

Seit gestern befand er sich in Pension und heute heiratete er. Zum zweiten Mal in seinem Leben. Die Ereignisse überschlugen sich geradezu. Die feierliche Verabschiedung aus dem Polizeidienst lief genauso ab, wie er sich das immer vorgestellt hatte. Sein Vorgesetzter rückte in Begleitung zweier ehemaliger Fahndungskollegen an und hielt eine markige Rede, in der Jans Aufopferung für den Polizeidienst im allgemeinen und der Verlust seiner rechten Niere während eines Einsatzes im speziellen gewürdigt wurden. Es folgte der obligatorische Präsentkorb nebst Blumenbukett, daraufhin servierte Wencke Schnittchen, während Sören die Sekt- und Saftgläser füllte. Zum Schluss noch ein paar wohlwollende Bemerkungen über die Vorzüge des Frührentnerlebens an sich sowie aufmunternde Worte für Sören, der, nunmehr befördert, die Dienststelle samt Jans Posten übernahm.

Dann rückte das Gratulationskommando wieder ab.

Jan Magnusson war jetzt sechzig Jahre alt. Seit etwa einem Jahr kannte er Marlene. Sie waren sich sehr schnell einig, für den Rest ihres Lebens zusammenbleiben zu wollen. Wieviel gemeinsame Zeit ihnen beschieden war, wusste nur Gott. Überrascht stellte Jan fest, dass ‚Zeit’, trotz exakter Messung mittels Uhr und Kalender, an sich keine Konstante war. In den Jahren nach seiner Scheidung von Sabine wiederholten sich die immer gleichen, eintönigen Tagesabläufe. Das Warten auf Einsätze kam ihm manchmal endlos vor. Jetzt im Nachhinein aber, im Rückblick auf diese Zeit, schienen ihm die Jahre nur so verflogen zu sein. Inhaltsleer mit immer den gleichen dienstlichen und privaten Gegebenheiten. Zusammengeschrumpft auf eine kurze, bedeutungslose Zeitspanne.

Das letzte Jahr allerdings, jenes, in dem sich sein Leben durch Marlene noch einmal von Grund auf veränderte, war in seinem inneren Zeitgefühl als deutlich länger gespeichert. Ihre erste Begegnung am Böhler Strand lag für ihn sehr weit zurück. Inzwischen geschah ständig Neues, Überraschendes, so dass ihm sein Gehirn einen viel ausgedehnteren Zeitraum suggerierte. Zeit verkürzte sich rückblickend also, wenn wir in den immer gleichen Abläufen eines eintönigen Lebens gefangen sind und sie verlängerte sich scheinbar, wenn Abwechslung und rasch aufeinander folgende Eindrücke auf uns wirkten.

Vor ihm im Kirchengestühl saßen seine beiden Kinder – Jens und Jasmin. Jene waren allerdings unbestechliche Zeitmesser. Völlig unabhängig von Jans subjektiven Empfinden entwickelten sie sich zu reifen Erwachsenen und bildeten für ihn damit gleichsam ein „Memento Mori“. Je mehr seine Kinder im Leben verwurzelten, um so deutlicher spürte er die Zeit für sich ablaufen. ‚Wie möten Platz moken’, sagte sein Vater im Alter immer. Unwillkürlich schüttelte Jan sachte den Kopf. Noch nicht. So weit sind wir noch lange nicht. Das Beste kommt doch immer zum Schluss.

Jens hielt mit einer Hand seine von ihm weg- und zum Opa hinstrebende Tochter Gitte an den Rüschen ihres rosa Taftkleides fest, sein anderer Arm ruhte auf der Schulter seiner Frau Beate. Die beiden hatten ihren Platz im Leben gefunden. Die kleine Tischlerei im Schwäbischen war für Jens genau die richtige Entscheidung. Mit Hingabe betrieb er dort nach einem hingeschmissenen Psychologie-Studium sein Handwerk. Seine Liebe zum Holz wurde in dem von ihm gefertigten Möbeln sichtbar. Er interpretierte traditionelle Formen neu, verwendete nur ausgesuchte Hölzer und heimste so erste Preise für sein Kunsthandwerk ein. Auch das Hochzeitsgeschenk für Jan und Marlene – die Replik eines Refektoriumstisches aus duftendem, samtigen Kirchbaum, war ein hochgelobtes Stück aus seiner Werkstatt.

Neben Jens thronte Jasmin kerzengerade im Gestühl. Zur Feier des Tages trug sie einen ausladenden, mit Reiherfedern geschmückten Hut. Natürlich konnte Jens es sich nicht verkneifen, sie bei der Begrüßung zu fragen, aus welcher Inszenierung sie das gute Stück entwendet habe. Dabei war er eigentlich ganz stolz auf seine Schwester, die Theaterdramaturgin. Jan hatte sich inzwischen an Jasmins manchmal exzentrischen Kleidungsstil gewöhnt. Woran er sich nicht gewöhnte, waren die wechselnden jungen Männer, die sie ihm regelmäßig bei jedem neuen Nordseeurlaub vorstellte.

Auch diesmal war sie in Begleitung erschienen und diese gefiel Jan nun noch viel weniger als die vorausgegangen. Er gestand sich ein, dass dieser Mann zu der Sorte gehörte, die er am allerwenigsten in der Nähe seiner Tochter wissen wollte. Vorgestellt wurde der ihm als Lorenz Fraasen, Manager eines großen Bauunternehmens. Altersmäßig musste dieser Fraasen irgendwo zwischen Dreißig und Vierzig rangieren. Typisches Manageroutfit. Maßanzug, handgefertigte Schuhe und Armbanduhr im Wert eines Kleinwagens. Fehlte nur noch der branchentypische, lederne Aktenkoffer. Dazu ein herablassendes Auftreten, welches Jan nach langer Zeit wieder einmal die Lippen aufeinander pressen ließ. Er hatte den Mann ordentlich begrüßt, ein paar Höflichkeitsfloskeln vom Stapel gelassen, mehr durfte Jasmin nicht erwarten. Richtig reden wollte er mit diesem arroganten Typen auf keinen Fall.

Durch die Öffnung der Brausewetterschen Tasche schob sich der Kopf eines Beagle. Moppel! Jan schüttelte missbilligend den Kopf. Ein Hund in der Kirche! Frau Brausewetter schaute betont harmlos, machte einen spitzen Mund und richtete ihre Augen zur Decke. Warum soll Moppel nicht dabei sein, wenn Herrchen heiratet, drückte ihre Miene aus.

Keiner der anderen Gäste beachtete den Beagle. Das Anschwellen der Orgeltöne kündigte die Braut an. Sie erhoben sich von ihren Plätzen und Marlene schritt am Arm ihres Sohnes Christian durch den Mittelgang, direkt auf Jan zu. Ihr schlichtes Brautgewand bestand aus einem schmucklosen bodenlangen, cremefarbenen Kostüm. Die halblangen, hochgesteckten Haare zierten winzige Rosenknospen. Jan musste schlucken und kämpfte mit den Tränen. Was sollten denn die Leute denken! Hier trat ein altersgrauer Mann vor den Altar – kein romantischer Jüngling. Der Anblick seines Freundes, der gemessenen Schrittes der Braut folgte, holte ihn in die Realität zurück. Seiner adeligen Herkunft Rechnung tragend, steckte Friedrich von Trostorff in einem geliehenen Cut. Es musste ein gutes Stück Arbeit gewesen sein, die hünenhafte Gestalt da hinein zu zwängen. Tiefe Atemzüge ausgeschlossen.

Pastor Brüsekamp blickte wohlwollend auf das angejahrte heiratswillige Paar herab und wollte gerade loslegen, als sich die Kirchentür nochmals öffnete und Alexa von Trostorff völlig außer Atem mit gerafftem, langem Kleid auf ihren Platz huschte.

Die anschließende Hochzeitsfeier im „Wanlick Hüs“, dem ältesten Reetdachhaus im Dorf, fand im kleinen Kreis statt. Kurz vor Platzierung der Gäste war es Jan gelungen, die Namensschilder auf der Tafel auszutauschen, so dass ihm nun glücklicherweise sein neu hinzugewonnener Sohn Christian gegenübersaß und nicht dieser ölige Managertyp von Jasmin. Die gemütliche Atmosphäre des alten Friesenhauses mit seinen niedrigen Decken und den winzigen Fenstern bildete den angemessenen Rahmen für diese Hochzeit.

Friedrich erhob sich, öffnete die spannenden Knöpfe des engen Cuts und setzte zur feierlichen Rede an. Er erzählte, wie sehr sie sich für Marlene gefreut hatten, als die verwitwete Freundin von einer neuen Liebe berichtete. Und wie erstaunt sie doch waren, dass diese bibliophile Frau sich für einen Polizisten entschied. Inzwischen sei Jan zu einem Freund geworden, den sie nicht mehr missen mochten. Jedenfalls haben die beiden sich gefunden, ohne eigentlich richtig auf der Suche gewesen zu sein. Man mag es Schicksal oder Zufall nennen, gut getan hat es beiden, wie man sieht.

Jans Dankesworte fielen, seinem Wesen entsprechend, knapp aus. Wie immer, wenn er gerührt war, verfiel er ins Plattdeutsche. Eigentlich waren ihm solch offizielle Reden zuwider, die mundartliche Einleitung verlieh ihm Sicherheit.

„Un nu sünd wi all tohoop hier“, sagte er mit Blick auf die Gästerunde. „Dat mit Marlene unn mir, dat kumm von boben, sää de Pastor“, meinte er mit spöttischen Seitenhieb auf Brüsekamp. Er glaube allerdings, dass ‚der da oben’ solche Geschichten wohl einrühren könne, aber den letzten Ruck, den Mut, noch einmal eine Ehe zu wagen, haben sie selbst aufbringen müssen. Er hob sein Glas. „Marlene, ich sage das jetzt und dann nie wieder in der Öffentlichkeit: Ich liebe Dich!“

Frau Brausewetter schluchzte ein wenig vor Rührung in ihr Taschentuch. Nee, der Herr Magnusson aber auch, wie schön er das gesagt hatte.

Nach dem Festmahl, als die feierliche Anspannung nachließ, Klein-Gitte sich unter dem Tisch mit Moppel verknäulte und Jasmin endlich dieses Wagenrad von einem Hut abnahm, lockerte sich die Tafelrunde auf. Friedrich steuerte auf die Stirnseite der Tafel zu und suchte das Gespräch mit Jasmins Begleiter.

„Sie sind in der Baubranche tätig, hörte ich. Hoch- oder Tiefbau?“

Fraasen strich sich mit einer schnellen, glättenden Handbewegung über das gegelte Haar.

„Tiefbau. Wir sind europaweit tätig. Seit einigen Jahren ist unsere Kapazität allerdings überwiegend im ostdeutschen Autobahnbau gebunden.“

Von Trostorff nickte anerkennend. „Großaufträge aus staatlicher Hand. So was erfreut das Unternehmerherz. Na ja, Geld scheint genug da zu sein, der Bund pumpt eine Milliarde nach der anderen in die neuen Länder. Manche sind allerdings der Meinung, langsam reicht’s. Mein Bruder hat das väterliche Gutshaus in Mecklenburg zurückgekauft. Die dortigen Dorfstraßen sind top saniert. Da könnten einige westdeutsche Großstädte richtig neidisch werden.“

Jens räusperte sich: „Der Straßenbau da drüben ist ein Fass ohne Boden. Nun sollen die ersten der dort vor Jahren neu ausgebauten Autobahnabschnitte schon wieder Schäden aufweisen – kein Mensch kann sich das erklären.“

„Schluderei“, klärte Herr Brausewetter auf, „wenn Sie mich fragen: ganz ordinäre Schluderei! Alles soll fix fertig werden und den Zuschlag kriegt der billigste Anbieter. Da braucht sich keiner wundern, wenn das nach kurzer Zeit wieder aufbröselt.“

Obwohl Lorenz Fraasen als Mann vom Fach hier sicher einiges zu sagen könnte, schwieg er. Jasmin spürte, dass die Herren einen Diskussionsbeitrag seinerseits erwarteten und rettete die peinliche Situation, indem sie aufstand und ihren Vater bat, ihr doch die Geschenke zu zeigen.

In Jans Arm eingehenkelt, schlenderte sie mit ihm zur winzigen Diele des Restaurants, wo sich der Geschenketisch befand. Sie selbst hatte dem Brautpaar ein Abonnement für die Oper geschenkt. Lorenz legte unabgesprochen eine in schwarzem Papier eingeschlagene Gabe hinzu, welche sich beim Auswickeln als uralter schottischer Whisky erwies. Beides – sowohl die Oper, als auch den Whisky – wusste Jan nicht so recht zu würdigen. Opernbesuche zählten nicht zu der von ihm favorisierten Freizeitgestaltung und vom Alkohol trennte er sich vor Jahren in einem Gewaltakt, das Zeug konnte ihm gestohlen bleiben. Dafür schien Marlene um so begeisterter. In die Musikwelt wolle sie ihn schon einführen und sie garantiere auch, dass er sich nicht langweile. Was den Whisky betraf, urteilte sie mit Kennerblick, habe sich der Herr nicht kleinlich gezeigt, diese Abfüllung bleibe wirklichen Liebhabern vorbehalten. Sie stubste ihn in die Seite. „Jan, mach nicht so ein kritisches Gesicht. Du wirst Dich zum Kenner und Genießer entwickeln, glaub’ mir. Es ist ein bedeutender Unterschied, ob man irgendeine Spirituose aus Einsamkeit oder Langeweile in sich hineinschüttet, oder gelegentlich den Genuss von etwas Besonderem zelebriert.“

Das Geschenk derer von Trostorff umhüllte eine große rote Schleife, verziert mit Herzchen, deren Fertigung zweifelsfrei aus bastelfreudigen Kinderhänden stammte. Neugierig schaute Jasmin hinein. „Oh! Eine Reise Paps – drei Tage Kopenhagen!“

„Ja. Wir haben uns sehr gefreut. Bei der Gelegenheit besuchen wir Christian. Er hat dort oben einen alten Bauernhof gekauft.“ Jasmin spähte nach Christian, aber der befand sich in einer Fachsimpelei mit Jens. Wahrscheinlich ging es um die Restaurierung der alten Hölzer seines Hofes.

Die Brausewetters sprachen sich mit Jans jungen Polizeikollegen ab und kauften gemeinsam ein Gemälde bei einem ortsansässigen Maler. Eine Landschaft des Vorlandes mit weidenden Kühen, in den sanften Tönen der Küste gehalten. Das Bild gefiel Jasmin. Hätte sie auch gern besessen. Ihren Vater bewegte etwas ganz anderes. Er nahm ihr das Bild aus der Hand, legte es zurück und zog sie mit sich in eine dunkle Nische.

„Dieser Fraasen, Jasmin, was ist das für Einer?“

„Das weißt Du doch, Paps! Lorenz ist achtundreißig, ledig, Manager einer großen Baufirma …“

„Das meine ich nicht. Der kommt mir so aalglatt vor, wie soll ich sagen …, irgendwie … ölig … Der hat doch nicht etwa ernste Absichten, oder?

„Ölig? Also wirklich, Paps!“, Jasmin reagierte empört. „Du siehst auch in jedem der nicht in Dein Raster passt, einen potentiellen Ganoven. Du bist pensioniert, begreif’ das endlich. Das Räuber- und- Gendarm-Spiel ist vorbei, Du musst Dich nur noch um Marlene kümmern. Was Lorenz betrifft, so hat er durchaus ernste Absichten. Wir wollten es Euch eigentlich erst später sagen … Also: Er hat mir einen Antrag gemacht. Lorenz lebt in sehr guten Verhältnissen. Wie gut, das kannst Du Dir gar nicht vorstellen, Paps! Ich habe mich entschieden, meinen Beruf aufzugeben und künftig nur für meine Familie da zu sein. Unseren Wohnsitz verlegen wir übrigens auf Mallorca. Er besitzt dort eine Finca. Für Kinder ist es traumhaft.“ Ihre Augen leuchteten, während sie in Zukunftsträumen schwelgte.

Jan schwieg. Seine Lippen bildeten einen dünnen Strich und an der Nasenwurzel zeigte sich eine tiefe Falte.

„Weiß’ das Deine Mutter schon?“, fragte er endlich.

Jasmin verdrehte genervt die Augen zur Decke. Mein Gott, sie war Ende Zwanzig, die Zeit, wo sie ihre Mutter um Erlaubnis für ihr Tun fragen musste, lag lange zurück.

„Habt Ihr Geheimnisse?“, Marlene trat in die schummerig ausgeleuchtete Nische.