5,49 €
NOVAstorys Thomas Grüter: Auf eigene Gefahr Karsten Lorenz: Geliebte Savona Victoria Sack: Obsoleszenz Ricky Wilhelmson: Planetare Verteidigung Aiki Mira: Nicht von dieser Welt Wolf Welling: Im Tulou Benjamin Hirth: This War Is Over Frank W. Haubold: Das Mädchen aus dem Jenseits Brandon Crilly: Gedächtnis NOVAsekundär Michael K. Iwoleit: »Aber ich habe geliebt! …« James Tiptree, jr. und die weltbeste Science-Fiction-Story Hans Esselborn: Herbert W. Franke. Zum Gedenken an den Altmeister der Science-Fiction Franz Rottensteiner: H. W. Franke, Cyber ohne Punk Dietmar Dath: Gesetz und Drachenkraft. Herbert W. Franke als schöpferischer Erklärer der Kunst
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 341
Veröffentlichungsjahr: 2023
Magazin für spekulative Literatur
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
© dieser Ausgabe: Januar 2023
p.machinery Michael Haitel
Titelbild: Andreas Schwietzke
Layout & Umschlaggestaltung: global:epropaganda
Redaktion NOVAstorys: Michael K. Iwoleit, Marianne Labisch
Redaktion NOVAsekundär: Thomas A. Sieber
Redaktion Grafik: Christian Steinbacher
Korrektorat: Michael Haitel
Herstellung: global:epropaganda
Verlag: p.machinery Michael Haitel
Norderweg 31
25887 Winnert
www.pmachinery.de
www.nova-sf.de
www.facebook.com/novamagazin
www.twitter.com/novamagazin
ISSN: 1864 2829
ISBN der Printausgabe: 978 3 95765 312 3
ISBN dieses E-Books: 978 3 95765 794 7
Als Helmuth W. Mommers, Ronald M. Hahn und ich im Sommer 2002 das Magazin Nova gründeten, das vornehmlich als Forum für zeitgenössische deutschsprachige Science-Fiction-Storys konzipiert war, einigten wir uns darauf, in jeder Ausgabe auch eine übersetzte Story eines ausländischen Gastautors zu veröffentlichen. Obwohl international renommierte Autoren wie Brian W. Aldiss und Greg Egan uns mit Beiträgen unterstützten und wir im Laufe der Jahre immer wieder Geschichten auch von britischen und nordamerikanischen Autoren veröffentlicht haben, lag der Schwerpunkt unserer Gaststoryrubrik auf vernachlässigte Regionen auf der Weltkarte der Science-Fiction, deren SF-Produktionen, ähnlich wie die deutsche, ein stiefmütterliches Dasein fristen, unabhängig von ihrer teils bemerkenswerten Qualität. Es ergaben sich dabei so viele neue Kontakte, dass bald die Idee aufkam, eine internationale Ausgabe unseres Magazins zu gründen, die SF-Storys aus aller Welt in Englisch oder englischer Übersetzung publizieren sollte. Die erste und leider einzige Ausgabe von InterNova, wie das Schwestermagazin getauft wurde, erschien 2005, doch die Zeit war, insbesondere wegen der Vertriebsprobleme, noch nicht reif für ein solches Magazin. Dennoch hat InterNova einen kleinen Beitrag zu einer seitdem immer breiter gewordenen Bewegung in Richtung einer globalen Science-Fiction geleistet, bei der besonders unser erfolgreicher israelischer Kollege Lavie Tidhar und die amerikanische Apex Book Company eine bedeutende Rolle spielten. Um 2010 habe ich InterNova einige Zeit als Onlinemagazin weitergeführt. Ein geplanter Neustart mit neuem Design und regelmäßiger Erscheinungsweise kam wegen einer längeren Erkrankung nicht zustande. Aufgegeben habe ich die Idee eines internationalen SF-Magazins aber nie.
Nach dem Verlagswechsel unseres Magazins von Amrûn nach p.machinery stellte sich schnell heraus, dass Michael Haitel und ich nicht nur einen unermüdlichen Ehrgeiz und Spaß an der Sache, sondern auch die Bereitschaft gemeinsam haben, uns immer mehr Arbeit aufzuhalsen. Ich musste unseren geschätzten Verleger daher nicht lang überreden, um auch einen Neustart von InterNova in Angriff zu nehmen. Die Vorbereitungen haben einige Zeit in Anspruch genommen. Autoren aus aller Welt haben mir nahezu einhundert Storys sowie zahlreiche Essays und Artikel angeboten, die erst einmal gesichtet sein wollten. Mit dem Erscheinen der vorliegende Nova-Ausgabe werden auch die beiden ersten Onlineausgaben von InterNova unter internova-sf.de verfügbar sein, eine gemischte Ausgabe und eine Themenausgabe über Science-Fiction aus Griechenland. Geplant ist außerdem eine einmal jährlich erscheinende gedruckte Ausgabe, die vor allem längere Erzählungen enthalten wird. Für deren erste Ausgabe sind Novellen von Guy Hasson, Tetiana Trofusha und meiner Wenigkeit vorgesehen. Dank internationaler Onlinevertriebswege und BoD-Produktion sind die Chancen, für ein solches Magazin Käufer zu finden, weit besser als 2005, und wir hoffen, dass wir sowohl publizistisch wie auch inhaltlich erneut einen Beitrag zur Weiterentwicklung der internationalen Science-Fiction leisten können.
Und da, wie ich gern witzele, des Wahnsinns nie genug sein kann, erschöpfen sich mit diesen beiden Magazinen meine konspirativen Kollaborationen mit Herrn Haitel aber noch lange nicht. Im Dezember ‘22 ist mit Kurzgeschichtensammlungen von Horst Pukallus und Thorsten Küper unsere neue Buchreihe Cutting Edge als Imprint von p.machinery gestartet, ein Versuch, das Beste der deutschsprachigen Science-Fiction und ausgewählte Werke ausländischer Kollegen einem Publikum außerhalb der SF-Szene nahezubringen. Für diese Reihe haben wir ein neues Vermarktungskonzept ausgearbeitet, in das auch unsere Magazine einbezogen werden sollen. Mehr wollen wir noch nicht verraten, aber treuen Nova-Lesern werden sicher bald einige Neuigkeiten auffallen. Man sieht also, obwohl sich die Nova-Redaktion Schritt für Schritt in einen Ü60-Club verwandelt, sind wir vom Ruhestand weiter entfernt denn je. Zum Vergnügen unserer Leser, wie wir hoffen.
Michael K. Iwoleit
Dezember 2022
Zugegeben, es ist keine neue Idee, als Tourist in die Vergangenheit zu reisen, um historischen Ereignissen – vorzugsweise der Kreuzigung Jesu – beizuwohnen. Das bekannteste Werk dieser Art dürfte Michael Moorcocks Novelle »Behold the Man« (1967, später zum Roman erweitert) sein. Nicht selten werden Zeittouristen unversehens enger in das historische Geschehen verwickelt, als ihnen lieb ist, oder führen es auf kuriosem Wege selbst herbei. Gegen solche Zeitreisegeschichten und ihren allzu platten Vorstellungen von Raum, Zeit und Kausalität hat Alfred Bester mit seiner berühmten Kurzgeschichte »The Men Who Murdered Mohammed« (1958) einen geradezu ketzerischen Angriff unternommen. Der verwirrte Professor in dieser Geschichte, der einen Nebenbuhler ausgerechnet mit einer Zeitmaschine ausschalten will, stellt fest, dass seine immer dramatischeren Eingriffe in die Vergangenheit in der Gegenwart ohne Folgen geblieben sind, außer dass sie seine eigene Verankerung in der Zeit auflösen. Gegen ähnliche Auflösungserscheinungen von temporärer und kausaler Ordnung durch das Treiben von Zeitreisenden wurden in Thomas Grüters neuer Geschichte drastische Gegenmaßnahmen ergriffen. Ein amerikanisches Ehepaar, das nach Ankunft in der Antike feststellt, dass es den falschen Versprechungen einer Zeitreiseagentur aufgesessen ist, sieht nun zwar einem zweifelhaften Schicksal entgegen, aber immerhin ist ihm ein kleiner, nicht unbedeutender Beitrag zur Weltgeschichte vergönnt.
(1) Der Veranstalter der Zeitreise bemüht sich nach Kräften, die Vertragspartner am vereinbarten Ort und zur vereinbarten Zeit abzusetzen und wieder aufzunehmen, soweit physikalisch möglich und gesetzlich erlaubt.
(2) Der Veranstalter haftet nicht für die körperliche und geistige Unversehrtheit der Vertragspartner während der Reise.
(3) Der Vertragspartner trägt allein die Folgen von Gesetzesverstößen, die er vorsätzlich oder fahrlässig im Rahmen der Reise begeht.
(Auszug aus den AGB von Itinere Temporum/Time Adventures)
Jonas trat ein, als ich an meinen Abrechnungen saß, und verbeugte sich knapp.
»Ich hoffe, du hast einen guten Grund, mich zu stören?«
»Wir haben wieder eine Gruppe zugeteilt bekommen, Herr.«
»Haben sie die Kontrollen passiert?«
»Die CTI haben zwei weitergeleitet, die illegale Dinge einschmuggeln wollten. Den Rest haben sie an uns übergeben.«
»Sehen sie gesund aus?«
»Jung und gesund, Herr. Sie kommen mit Itinere Temporum und wollen die Kreuzigung ihres Religionsstifters miterleben.«
Ich seufzte. Schon die vierte Gruppe in diesem Jahr! Und Itinere Temporum hatte verdammt hohe Provisionen ausgehandelt. Dafür lieferten sie aber auch Qualität.
»Gut. Es sind Paare und Familien, nehme ich an?«
»Ja, Herr, zwei Paare, eine Familie.« Er wartete – nicht aus Unentschlossenheit, sondern weil er nicht handeln durfte, bis ich ihm eine Anweisung gab.
»Schick sie herein, immer ein Paar oder eine Familie zugleich. Und halte dich bereit zum Übersetzen, falls sie nur Aramäisch sprechen.«
Jonas gab dem Türhüter ein Zeichen, dieser wiederum den Wachen. Sie stießen einen Mann in den Raum. Er stolperte zwei Schritte, bevor er sich fing und aufrichtete. Hinter ihm schritt seine Frau herein, steif vor Empörung. Er wirkte trotzig, sie schaffte es irgendwie, zugleich erwartungsvoll und verärgert auszusehen. Ich schätzte beide auf ungefähr dreißig Jahre. Urbane Mittelschicht, helle Hautfarbe, gut genährt, ebenmäßige und gepflegte Zähne, kein überflüssiges Fett. Seine runden Muskeln stammten sicher nicht von harter Arbeit, sondern aus dem Gymnasion, und ihre gepflegten Hände ließen darauf schließen, dass sie die Hausarbeit nicht selbst verrichtete.
Ich winkte sie vor meinen Schreibtisch. Jonas trat neben mich. Er misst vom Scheitel bis zur Sohle sechseinhalb Podes und ist stolz auf seine schwellenden Muskeln. Dies und sein aufmerksamer Blick beruhigen die meisten Menschen, ohne dass er eingreifen muss. Die Frau ergriff das Wort, ohne ihren Mann auch nur anzusehen.
»Wir haben diese Reise gebucht, um die Kreuzigung des HERRN zu bezeugen. Ich will nicht unhöflich sein, aber über den unfreundlichen Empfang hier muss ich mich wirklich wundern.«
Sie sprach ihre seltsame Sprache, die ich inzwischen aber ansatzweise verstand. Offenbar äußerte sie eine Beschwerde. Ich antwortete auf Koine: »Tut mir leid, Sie enttäuschen zu müssen. Aber Sie sind bedauerlicherweise auf einen Betrüger hereingefallen.«
Sie sah ihren Begleiter an und er übersetzte. Dann unterhielten sich die beiden einen Moment lang aufgeregt in ihrer eigenen Sprache. Ich verstand: »… keine Zeitreisen … reingelegt …«
»Schreiben wir das Jahr 2023?«, fragte der Mann auf Koine mit starkem Akzent.
»Nein, diese Zählung kennen wir nicht«, unterrichtete ich ihn. Er blickte mich an. In seinen Augen dämmerte die Erkenntnis, dass ihre hoffnungsvoll begonnene Zeitreise anders verlief, als sie erwartet hatten. Ich sagte betont ruhig: »Jetzt erzählen Sie einfach, wie Sie hierhergekommen sind. Fangen Sie mit Ihrem Namen an und nennen Sie mir dann Ort und Zeit Ihrer Abreise«, sagte ich langsam und betont. Er sah seine Frau kurz an, als wolle er ihre Zustimmung einholen, und antwortete dann: »Ich bin Howard und dies ist meine Frau Cherie. Wir kommen aus einem kleinen Ort in der Nähe von Savannah in Georgia. Aus dem Jahr 2023.« Er machte eine Pause und sah mich an, als ob er darauf wartete, dass ich mich auch vorstellte.
»Reden Sie weiter«, sagte ich.
Er fuhr fort: »Das ist in einem fernen Land, jenseits, hm, … der Säulen des Herakles. Wir sind US-Bürger, wenn Sie wissen, was ich meine.«
Natürlich wusste ich das. Sie waren ja nicht die Ersten. Mein halbes Leben lang habe ich mich mit anmaßenden Widerlingen herumgeärgert, die als Cives Romani – römische Bürger – eine Vorzugsbehandlung beanspruchen. Ich sagte also nichts. Die Zeit dehnte sich. Howard begann zu begreifen, dass dies keine freundschaftliche Unterhaltung war.
»Also, unsere Geschichte: Da war dieser seltsame Mann, der in unseren Gottesdienst kam, immer wieder. Er erzählte uns, er könne Zeitreisen arrangieren, und wir – oder wenigstens einige von uns – könnten die Kreuzigung des Herrn selbst miterleben. Wir hielten ihn zuerst für verrückt, aber dann kam er mit Beweisen. Drei antike Münzen, aber ganz neu. Zwei Schriftrollen mit aramäischen Zeichen, auch neu. Alle Experten, die wir fragten, meinten, man könnte die Sachen für echt halten, wenn sie nicht so neu wären. Wir fragten unseren Kontaktmann, ob er Fotos oder Filme hätte, aber er sagte, solche Dinge dürfe niemand zurückbringen. Das Gefüge der Zeit würde dadurch geschwächt, und die ›Zeitpolizei‹ würde jeden töten, den sie dabei erwischte. Aber er nahm einen von uns auf eine kostenlose Reise in das ›New York‹ von ›1960‹ mit, nur zehn ›Minuten‹ und im geschlossenen ›Taxi‹, aber das reichte. Wir glaubten ihm.«
Er flocht Worte seiner eigenen Sprache übergangslos in seine Rede ein, wenn er keine Übersetzung dafür wusste.
»Dann verlangte er, dass wir Seminare buchten, richtig teure Seminare. Wir sollten lernen, wie man sich zur Zeit Jesu benimmt, und wir lernten das hellenistische Griechisch, also Koine, und Latein. Aramäisch war uns zu schwer. Wer ›Zahnfüllungen‹ hatte oder ›Schrauben‹ in den Knochen, durfte nicht mit. Auch wer zu fremd aussah, wurde ausgeschlossen. Time Adventures, der Veranstalter, war da ganz rigoros. Ich habe einen entfernten indianischen Vorfahren, aber sie meinten, das würde niemand bemerken. Wir, also meine Frau und ich, wir zahlten zusammen fast zweihundertfünfzigtausend ›Dollar‹ für drei Serien von Seminaren. Die Reise selbst war umsonst – ein Dienst für die Gläubigen, sagte der Kontaktmann.«
Zweihundertfünfzigtausend Dollar, das waren ungefähr zweihundertfünfzig Talente Silber – ein ungeheurer Preis. Dennoch verdienten sie kein Mitleid.
Er fuhr fort: »Ich hätte mir denken können, dass Zeitreisen eigentlich Blödsinn sind, und auch die kurze Reise nach ›New York‹ nur Hokuspokus war. Ich nehme an, Sie sind von der ›Polizei‹, und wenn wir Ihnen helfen können, tun wir das gerne.«
»Tut mir leid, Ihnen Ihre Illusionen nehmen zu müssen«, begann ich, »aber sie sind tatsächlich durch die Zeit gereist. Aus gutem Grund ist die zeitliche und räumliche Umgebung weltgeschichtlicher Ereignisse jedoch für Zeitmaschinen gesperrt. Sie wurden auf einen Stützpunkt der Zeitwache umgeleitet. Sie haben vielleicht den Bronzeschild mit dem Wappen an der Wand des Ankunftsbereichs gesehen.«
»Das C, das in sich ein T und I birgt?«
»Richtig. Es steht für Custodes Temporis Integritatis – die Organisation der Zeitwächter. Und damit Sie Bescheid wissen: Wir schreiben das neunte Jahr des Imperators Caesar Nerva Traianus Augustus, und Sie sind in Damaskus. Die Stadt Hierosolyma ist gesperrt, ebenso die Zeit zwischen dem ersten Jahr von Imperator Caesar Divi filius Augustus bis heute. Ihr Prophet ist vor etwa achtzig Jahren gekreuzigt worden – wenn dieses Ereignis wirklich stattgefunden hat.«
»Aber …«, sagte Howard. Seine Frau unterbrach ihn. »Dominumne non videbimus?«
Sie sprach ein verschliffenes, fast unverständliches Lateinisch. Itinere Temporum hatte wieder einmal die billigsten Lehrer engagiert.
»Sie haben die Situation gut erfasst. Sie werden Ihren Propheten nicht zu Gesicht bekommen«, bestätigte ich ihr.
Howard beugte sich vor. »Wir sind aus der Zeitmaschine buchstäblich in dieses verdammte Lagerhaus ausgekippt worden und sollen jetzt zurück, ohne irgendetwas von dieser Welt gesehen zu haben? Ich sagte doch, wir tun alles, um der ›Polizei‹ zu helfen. Dafür könnten wir doch wenigstens einen Rundgang durch Damaskus bekommen. Sie als Zeitreisender werden das doch sicher verstehen.«
Er machte sich völlig falsche Vorstellungen über seine Lage.
»Zeitreisen sind Verbrechen, schlimmer noch: Frevel gegen die göttliche Ordnung oder, wie die Stoiker sagen würden, gegen das Logos. Sie erzeugen Paradoxa und schwächen das Raum-Zeit-Gefüge. Sollten zu viele solcher Widersprüche auftreten, entstehen Blasen, in denen sich die Struktur der Welt auflöst. Sind sie klein genug, schließen sie sich wieder, aber wenn zu viele auftreten, verbinden sie sich. Wenn sie zu groß werden, bricht die Zeit zusammen. Die Materie verwandelt sich dann in elektromagnetische Strahlung, für die Zeit keine Ausdehnung besitzt.«
So hatte man es mir erklärt, was nicht heißt, dass ich es begriffen hätte. Howard fragte:
»Und was bedeutet das?«
Manche Reisende aus dem einundzwanzigsten Jahrhundert verstanden diese Erläuterung, aber wahrhaftig nicht viele. Sie halten sich für fortschrittlich, aber wissen in Wahrheit nichts vom inneren Gefüge unserer Welt. Ich versuchte es mit der philosophischen Erklärung: »Die Weltachse vergeht im Feuer. Wenn die Stoiker recht haben, dann beginnt damit ein neuer kosmischer Zyklus. Aber der Jetzige wäre unvollendet abgebrochen. In künftigen Zyklen würden deshalb bizarre und widersinnige Verzerrungen auftreten. Sie schwächen das Logos irgendwann so weit, dass der Kosmos seinen Zusammenhalt verliert.«
Sie sahen mich mit großen Augen an. Unsere moderne Philosophie war einfach zu viel für sie. Zwar glauben sie an einen gekreuzigten Gott, aber davon abgesehen beherrscht ein geistloser Materialismus ihre Welt. Also blieb nur die ganz einfache Erklärung: »Die Erde explodiert.«
Das begriffen sie, aber sie schienen nicht sehr beeindruckt sein. Von einer der anderen Gruppen hatte ich erfahren, dass in ihrer Zeit Untergangspropheten ständig alle möglichen Weltenden beschworen. Die Frau antwortete in ihrem seltsamen Latein: »Das konnten wir nicht wissen. Und jetzt wollen Sie uns bitte zurückschicken.«
Ich ging nicht darauf ein.
»Der Abgesandte von Itinere Temporum hat Ihnen vermutlich nahegelegt, mit niemandem über Ihr Vorhaben zu reden. Er hat gesagt, seine Dienstleistung sei in einigen Staaten und Zeiten illegal, habe ich recht?«
Die beiden sahen mich konsterniert an und antworteten nicht.
»Itinere Temporum – Sie kennen es als Time Adventures – sichert sich gerne ab. Tatsächlich sind Zeitreisen fast überall illegal, aber Itinere wälzt das Risiko komplett auf seine Kunden ab. Und übrigens: Ich bin kein Zeitreisender.«
Die Zeitwächter hatten mir nur ein gutes Geschäft vorgeschlagen, und ich hatte es akzeptiert. Mir blieb kaum eine Wahl. Meine Gläubiger umschlichen mich bereits wie Wölfe einen todwunden Stier. So hatte ich mein Lagerhaus als Abfangort für illegale Zeitreisende zur Verfügung gestellt und den Zeitwächtern erlaubt, ihre Werkzeuge und magischen Gerätschaften dort zu verstecken. Sie zahlen gut dafür. Das bedeutet nicht, dass ich sie mag. Obwohl sie es bestreiten, halte ich sie für Dämonen, und es geht für Menschen nur selten gut aus, sich mit solchen Wesen einzulassen. Aber das musste ich den beiden nicht erzählen. Sie hatten bereits genug eigene Probleme. Und es wurde Zeit, ihnen das klarzumachen.
»Und so geht es mit Ihnen weiter: Durch Ihre Zeitreise haben sie ein frevelhaftes Paradoxon erzeugt und Ihre Verbindung mit der Weltseele so sehr geschwächt, dass sie abreißen wird.«
Wieder verstanden die beiden nichts. Es erschüttert mich immer wieder, wenn mir vor Augen geführt wird, dass die Welt in zweitausend Jahren derart in Barbarei versinken wird. Ich erinnerte mich daran, welche Worte mir die Zeitwächter vorgegeben hatten und sagte: »Die Zeitreise erzeugt starke Felder, die das biografische Gedächtnis in Ihrem Gehirn zerfallen lassen und das Weltwissen für die Zeit vor der Reise einschränken. In zwei Wochen werden Sie nichts mehr wissen, was für diese Zeit gefährlich wäre. Mit der Magie der Zeitwächter werden wir Ihnen neue Erinnerungen einpflanzen. Sie werden glauben, an der Nordgrenze von Pannonien bei einem keltischen Stammeskrieg gefangen und als Sklaven ins Römische Reich verkauft worden zu sein. Das ist sehr plausibel, denn die Kelten streiten sich bekanntermaßen andauernd.«
Sie brauchten einen Moment, um zu begreifen. Ich hatte ganz ruhig gesprochen, denn dies war der Moment, in dem viele Neuankömmlinge ihre Fassung verloren.
»Wir sollen Sklaven werden?«, fragte Cherie betäubt.
»Sie sind es bereits. Mit Ihrer Ankunft sind Sie mein Eigentum geworden. Sie sind beide jung und gesund. Der Preis, den ich mit Ihnen erziele, hilft dabei, die Zeitwache zu finanzieren.«
Und meiner Familie ein Leben in bescheidenem Wohlstand zu sichern.
»Sie sind Sklavenhändler?«, fragte Howard sichtlich erschüttert.
»Unter anderem«, sagte ich. »Ich handele mit vielen Dingen. Und das ist, wie ich betonen möchte, ein ehrbarer Beruf.«
Die Besucher aus dem 20. und 21. Jahrhundert ihrer Zeitrechnung leugneten gerne die Existenz von Sklaverei in ihrer Zeit und gaben sich entsetzt. Howard beugte sich vor: »Als US-Bürger verlange ich, dass Sie uns zurückschicken.«
Ein letztes Aufbäumen.
»Ihr Staat existiert noch mehr als tausend Jahre nicht, und selbst wenn ich Sie zurückschicke, ist Ihre Verbindung zur Weltseele unwiderruflich abgerissen. Binnen weniger Tage werden Sie zu sabbernden Idioten. Ihre Ärzte wissen zu wenig, um den Prozess aufzuhalten. Hier haben Sie sicher noch zwanzig produktive Jahre.«
»Diese Entscheidung wollen Sie bitte uns überlassen«, schnappte Howard.
Es war Zeit, die beiden etwas härter anzufassen. Als Sklaven hatten sie sowieso kein Anrecht auf eine höfliche Ansprache.
»Du bist mein Eigentum, und du entscheidest gar nichts. Du wirst hier leben, und du wirst hier sterben.«
»Was wir noch sehen werden.«
Das klang schon etwas zaghafter. Sein Trotz ließ nach.
»Wenn du leben willst, wirst du dich nicht widersetzen. Ihr solltet eurem Gott auf den Knien für euer gnädiges Schicksal danken.«
»Gnädig nennen Sie das?«
»Siehst du, Itinere Temporum arbeitet mit uns zusammen. Deshalb lässt die Zeitwache sie manchmal gewähren. Wir verkaufen euch und finanzieren damit einen Teil des Etats der Zeitwächter. Aber manche Zeitreisende und Veranstalter verletzen alle Regeln. Sie schmuggeln Geräte und Waffen ein oder kommen mit dem Vorsatz, den Lauf der Zeit zu verändern. Das ist ein unerhörter Frevel gegen die Ordnung der Götter, und wir müssen solche Verbrecher noch einmal achtzig Meilen weiterleiten.«
Ich sah es in seinem Kopf arbeiten. »Nach Byzantion?«
»Aber nein, achtzig Meilen weiter nach unten, was immer dort auch sein mag. Kein sterblicher Mensch darf das wissen, aber vermutlich warten dort die finstersten und tiefsten Abgründe des ewigen Hadesreichs.«
Postskriptum:
Aus dem European Journal of Population Genetics 6, 88–92 (2027)
Hansen B, Arrowsmith CF, Swensson LT: »Genetic indications of early contacts between the native American and the Mediterranean population«
German Abstract:
Eine Begräbnisurne aus einem Urnenfeld bei Damaskus, die bereits 1938 geborgen, aber noch nie geöffnet worden war, erwies sich als Sammelbestattung der Asche von mindestens acht Individuen. Diese Art der Bestattung ist bekannt von Angehörigen der ärmeren Schichten und von Sklaven. Aus einem teilweise verkohlten Unterkiefer konnten zwei Zähne geborgen werden. Sie stammten von einem 52-(±5)-jährigen Mann. Die Zähne waren gut gepflegt, ein vermutlich schmerzhafter Abszess am Kieferast war fachgerecht aufgemeißelt worden und weitgehend verheilt. Als Todeszeitpunkt wurde das Jahr 132 (±8) bestimmt. Die Strontiumisotopenanalyse ergab, dass der Mann seit ca. 20 Jahren in der Gegend von Damaskus lebte. Sein vorheriger Aufenthaltsort konnte nicht ermittelt werden. Die DNA erwies sich als stark fragmentiert und beschädigt. Die darin angedeutete Mischung aus europäischen und afrikanischen Elementen ist im Mittelmeerraum nicht ungewöhnlich und kommt heute in ähnlicher Form auch in den Südstaaten der USA bei der phänotypisch kaukasischen Bevölkerung vor. Tendenziell (p < 0,07) scheinen aber auch Merkmale vorzukommen, die vorwiegend bei amerikanischen Ureinwohnern verbreitet sind. Während bei rezenten Isländern bereits DNA von indigenen Amerikanern nachgewiesen wurde (Ebenesersdóttir et al. 2010), wäre dies der früheste Nachweis im Mittelmeerraum. Kontakte zwischen den Mittelmeeranrainern und indigenen Amerikanern in der Antike sollten neu diskutiert werden.
Der Konflikt zwischen dem »sense of wonder«, der Streben nach dem Erstaunlichen und Wunderbaren, einerseits und dem Bemühen um Plausibilität andererseits steckt im Herzen der Science-Fiction. So haben sich Generation von SF-Autoren, die den Anspruch hegten, nicht nur die Sinne, sondern auch den Intellekt ihrer Leser zu stimulieren, die Köpfe darüber zerbrochen, wie sich die Erkundung des Kosmos, die Suche nach anderen Welten und Zivilisationen mit der lächerlich kurzen Lebensspanne und der geringen physischen Widerstandsfähigkeit des Menschen in Einklang bringen lässt. Eine klassische Lösung ist die Idee des Generationenraumschiffs, die mindestens bis auf Robert A. Heinleins klassische Novelle »Universe« (1941) zurückgeht und auch von ernsthaften Futurologen erörtert wurde (jüngst in Gestalt des Konzepts der »kosmischen Arche«). Eine andere Möglichkeit ist die Manipulation der Eigenzeit einer Raumschiffbesatzung, um die Jahrzehntausende einer interstellaren Reise auf den Maßstab einer subjektiven menschlichen Lebenszeit zu verkürzen. Die Herausforderung für einen zeitgenössischen SF-Schreiber, der sich heute solcher bereits tausendmal behandelter Topoi annimmt, besteht darin, die klassischen Schemata um neue Elemente zu bereichern und somit die Erwartungshaltung eines erfahrenen Lesers auf reizvolle Weise zu unterlaufen. Auf den ersten Blick mag man in der weiblichen KI, die in Karsten Lorenz’ Debütgeschichte in Nova ihre nicht unerhebliche Wirkung auf den Protagonisten ausspielt, eine doppelbödige Anspielung an den boshaften Bordcomputer in Ridley Scotts SF-Thriller Alien (1979) vermuten, der ebenfalls erkennbar weiblich, allerdings als eine digitale Übermutter auftritt (und sogar Mutter genannt wird). Auch die überraschend menschliche und verführerische Savona hat mit einer Raumschiffcrew, die in Zeitstasis eine Reise zu einem erdähnlichen Planeten überdauern soll, eine dramatische Abweichung vom Missionsplan vor. Ihre Motive sind allerdings viel ambivalenter, und der Leser mag selbst entscheiden, ob ihm Savona am Ende der Story mehr oder weniger sympathisch geworden ist.
Seit beinahe hundertfünfzig Jahren sind wir mit unserem Raumschiff auf einer interstellaren Reise unterwegs, zu einem verheißungsvollen Sternensystem, eigentlich in der Hoffnung, dort eine weitere menschliche Kolonie gründen zu können. Doch nun ist alles anders. Und das kam so:
»Bogdan, wach auf!«, flüsterte Savona mir in die Gedanken. Mir rieselte es wohlig den Nacken entlang und dann den ganzen Körper hinunter. Ihre hinreißende Stimme ließ mein Innerstes jauchzen. Savona – schon der Gedanke daran, ihr zuzuhören, formte meine geschlossenen Augen und mein ganzes verschlafenes Gesicht zu einem Lächeln. Sie wartete geduldig, bis ich die Augen aufschlug. Wie gerne hätte ich jetzt in ein freundliches Gesicht geblickt, aber Savona hatte nur eine Stimme. Sie merkte sofort, dass mein Lächeln verschwand, und fragte: »Was ist? Geht es dir gut, Bogdan?«
Während unsere Crew durch eine lokale Zeitfeldverzerrung in einem Zustand verharrte, der das normale Fortschreiten aller zeitlichen Abläufe verhinderte, auch der biologischen, blieb Savona aktiv. Sie navigierte das Schiff, überwachte die Systeme und führte Wartungsarbeiten aus.
Mein Blick fiel auf die Datumsanzeige, und mir stockte der Atem. Es war viel zu früh! Irgendetwas musste passiert sein.
»Warum hast du mich aus der Zeithemmung geholt, Savona?«
»Es ist eine Fehlfunktion aufgetreten«, erklärte sie, nun mit ernster Stimme.
Ich sah an mir hinunter und vergewisserte mich, dass mit mir alles in Ordnung war. Deutlich spürte ich das seidenweiche Gewebe unserer Bordkleidung auf meiner Haut. Zur Kontrolle bewegte ich jedes meiner Gliedmaßen. Mein Körper fühlte sich an wie immer, aber meine Unruhe wuchs, als ich an die anderen Crewmitglieder dachte.
»Schlimm?«, fragte ich und begann zu frösteln. Zu diesem Zeitpunkt befand sich unser Raumschiff bereits mitten im interstellaren Raum, mehrere Lichtjahre von der Erde entfernt. Wir waren auf uns gestellt. Vielleicht entpuppte sich die Fehlfunktion am Ende als Lappalie, hoffte ich.
»Ich fürchte, ja, Bogdan«, antwortete sie leise und in einem Tonfall, der mir nicht behagte. »Ich benötige deine Entscheidung.«
Wohl, um die unangenehme Mitteilung noch etwas hinauszuzögern, warf ich ein: »Habe ich dir schon einmal gesagt, dass mich deine Stimme an meine Ex-Freundin erinnert?«
»Nein, hast du nicht. Möchtest du eine andere Stimme wählen?«
»Ist schon in Ordnung«, entschied ich, »Gib mir mal ein paar Details zu der Fehlfunktion! Und stell die Temperatur etwa höher. Ich finde es ziemlich kühl hier.«
»Es handelt sich um einen Fehler der Kategorie 10. Keine Überlebens-Chance für die Besatzung«, erklärte sie so unbeteiligt, als kommentierte sie den Ausfall eines Nasenhaartrimmers.
»Na toll!«, stieß ich hervor, ohne die Schicksalhaftigkeit dieser Diagnose wirklich zu erfassen. Mühsam befreite ich mich aus meiner Schlafkapsel und musste mich festhalten, um nicht ziellos durch die Kabine zu schweben. Die ganze Galaxie schien sich um mich zu drehen. Die Schiffskonstruktion sah keinen längeren Aufenthalt von Menschen im Wachzustand vor. Von Reisekomfort konnte keine Rede sein. An den Haltegriffen hangelte ich mich aus meiner Zeithemmungskammer hinaus, direkt in die Kommandozentrale. Der Blick durch das kleine Bullauge half mir, das Unwirkliche an der Situation abzuschütteln. Scheinbar unbeweglich standen die Sterne vor dem samtschwarzen Hintergrund des Alls. Ich brauchte einige Sekunden, um das Gehörte zu verarbeiten, und fragte dann halb im Scherz: »Warum hast du mich dann geweckt?«
»Tut mir leid, meine Programmierung zwingt mich dazu«, gestand sie. »Die Entscheidung, die ich von dir benötige, betrifft das Schicksal der Crew und den weiteren Kurs des Raumschiffs. Es stehen vier Optionen zur Wahl, von denen …«
»Warte mal, du willst die Mission fortsetzen? Ohne Crew?«, unterbrach ich sie. Mein Adrenalinspiegel stieg merklich, obwohl ich wusste, wie ein Streit mit ihr in der Regel verlief. Gegen eine künstliche Intelligenz zu argumentieren, endete meist mit der Einsicht, an irgendetwas nicht gedacht zu haben, um schließlich der KI zuzustimmen. Wie lange war es her, dass künstliche Intelligenzen die Leistungsfähigkeit des menschlichen Verstandes überflügelt hatten? Meine Eltern waren noch nicht einmal geboren gewesen. Damals war man recht sorglos mit der Weiterentwicklung der KIs umgegangen und hatte ihnen ermöglicht, sich selbst zu verbessern. Seither wuchs ihr Intellekt schneller, als es das Mooresche Gesetz vorausgesagt hatte, und niemand verstand mehr, was da eigentlich passierte.
»Das ist Option eins«, verkündete Savona ungerührt. »Es gibt jedoch noch drei weitere Optionen. Diese erlauben die Fortsetzung mit nicht lebendiger Crew.«
»Du bist echt charmant, Savona!« Nicht nur das sonore Timbre und der leicht nordische Akzent erinnerten mich an meine Ex.
»Darf ich das als Kompliment verstehen, Bogdan?«, säuselte sie.
»Darfst du«, gestattete ich. Sieh mal an, ging es mir durch den Kopf, sie flirtet mit mir. Wahrscheinlicher aber führte sie einfach nur Small Talk. Das beherrschten die KI längst mit Perfektion, und ihre wirklichen Absichten verschlossen sich den Menschen seit Langem. War auch egal, solange man das Gefühl hatte, dass der Mensch immer noch das Kommando führte.
»Dann sind es wohl angenehme Erinnerungen?«, forschte sie weiter.
»Durchaus!« Für einen Moment war ich versucht, darauf einzusteigen, mich von ihr um den Finger wickeln zu lassen. Später vielleicht. Jetzt musste ich mich auf das akute Problem konzentrieren. Ich schnallte mich auf den Kommandosessel und fuhr fort: »Zurück zur Fehlfunktion. Was ist passiert?«
»Es gibt multiple Systemausfälle, die auf eine Schwächung der Logikzellen zurückzuführen sind.«
»Wie ist der Stand der Reparaturen?«
»Die zur Verfügung stehenden Redundanzstrukturen sind ebenfalls betroffen. Viele Logikzellen, egal ob in Betrieb oder nicht, sind von den gleichen Zerfallserscheinungen betroffen. In spätestens dreihundert Jahren ist der Totalausfall unausweichlich.«
»Ich verstehe. Das ist …«
Wieder stellte sie diese brutale Aussage in den Raum, dass das Ende unausweichlich sei. Nach meiner Erfahrung behielten die KIs letztendlich immer recht. Ausnahmslos. Und doch weigerte sich mein Verstand, das zu akzeptieren. Ich war einfach nicht bereit, aufzugeben. Bestimmt gab es noch einen Ausweg. Ich begann laut zu denken: »Das ist noch nicht einmal ein Zehntel der Gesamtzeitdauer des Fluges. Wie viel haben wir noch vor uns bis zum Ziel? Siebenhunderteinundneunzig Jahre, wenn die Anzeige stimmt?«
»Korrekt«, bestätigte Savona.
Meine Erregung war verschwunden, und mein Gehirn arbeitete wieder weitgehend rational. Diese Fähigkeit, mich in extremen Stresssituationen auf die Problemlösung zu fokussieren, meine Gefühle auszuklammern, hatte mich zum Kapitän dieses Schiffes gemacht.
»Lass mich mal sehen …«, murmelte ich und begann, alle Systeme systematisch in Augenschein zu nehmen. Die Anzeigen bestätigten den desolaten Zustand der Systeme. Treibstoffvorrat und Lebensmittelkonserven bei minus neunundneunzig Prozent, Sauerstoffmenge null, aber der Druck schien normal. Die Werte ergaben keinen Sinn. Das bildgebende System für die Kursprojektion flackerte.
Meine Rundtour durch das Schiff dauerte keine dreißig Minuten. Überall bot sich mir das gleiche Bild: ausgefallene Anzeigen, unsinnige Messwerte und Grabesstille. Letzteres wunderte mich nicht, denn Savona hatte vorsorglich das gesamte Schiff in den Notbetrieb geschaltet, damit die Technik nicht verrückt spielte und dabei noch mehr kaputt ging. Selbst der Temperaturregler für den Innenbereich funktionierte nicht, wie er sollte. Das konnte ich nicht glauben. Das Ding arbeitete doch analog! Allerdings basierten auch solche Systeme auf den üblichen Logikzellen, die normalerweise äußerst zuverlässig und völlig fehlerfrei arbeiteten. Bewährte, langlebige Technologie. Nur das Beste war für dieses Raumschiff verwendet worden. Ich überprüfte einige der schiffsinternen Sensoren eingehend und fand alle in einwandfreiem Zustand. Erst bei der Verarbeitung und Weiterleitung der Sensordaten wirkte sich der Verfall der Logikzellen aus. Wenn die Logikzellen aber alle gleichermaßen betroffen waren, worauf konnten wir dann noch hoffen?
Auf dem Weg zurück in die Kommandozentrale warf ich noch einen Blick auf die schlafenden Mitglieder der Crew. Solange die Zeithemmung sie in diesem Zustand gefangen hielt, konnte ihnen nichts passieren. Ihre Körper waren durch das Zeitfeld vor jeglichen Einflüssen geschützt. Ich fragte mich, warum man die so konservierten Menschen überhaupt in Schlaf versetzte, bevor die Zeitverzerrung eingeschaltet wurde. Angeblich verhinderte das gewisse psychische Schäden nach dem Erwachen. Ich betrachtete das schlafende Gesicht meiner Botanikspezialistin. Sie träumte womöglich gerade von unserem Zielplaneten und den dort anzubauenden Pflanzen. Ein Wald vielleicht. Ihr Antlitz wirkte entspannt. Die Vorstellung, man würde das Zeitfeld im Wachzustand einschalten, ließ mich erschauern. Ein erstarrtes Gesicht mit offenen Augen womöglich! Da würde ich als Betrachter wohl ebenfalls einen psychischen Schaden nehmen.
Wieder auf meinem Kommandosessel blickte ich mich um und überlegte, was ich noch überprüfen könnte. Zu den meisten Systemen des Schiffes hatte selbst ich keinen Zugang. Das wäre für einen Menschen ohnehin meist zu eng, und ohne Druckanzug konnte man nur in wenige Räume hineinkriechen. Normalerweise funktionierte alles vollautomatisch und wartungsfrei. Und man verließ sich darauf. Die Komplexität der Maschinerie überstieg das geistige Vermögen eines Menschen bei Weitem. Gut, dass Savona uns begleitete. Sie beherrschte das mühelos. Ihre ferngesteuerten mechanischen Helferlein konnten jeden Winkel erreichen.
»Savona, zeig mir mal die Logs!«, forderte ich.
»Tut mir leid, der Zugriff auf die Rohdaten ist unterbrochen. Ich komme da nicht mehr ran.«
»Wie kann das sein?«, überlegte ich laut. Soviel ich wusste, waren die Systeme robust genug konstruiert worden, um sehr viel länger durchzuhalten. Savona hatte sicherlich schon den Fehler analysiert. Sie ließ sich manchmal nur alles aus der Nase ziehen, weil sie das ihr unterlegene menschliche Gehirn nicht überlasten wollte. Man musste direkte Fragen stellen, um mehr zu erfahren.
»Hast du einen Konstruktionsfehler entdeckt?«, verlangte ich zu wissen. Es musste etwas sein, das nur unter ganz bestimmten Umständen zum Tragen kommt, und vielleicht auch erst nach einhundert Jahren oder länger. Mir war bewusst, dass kein technisches System einhundertprozentige Fehlerfreiheit erreichen konnte. Trotz intensiver Tests blieb immer noch ein Quäntchen Unsicherheit, mit einer Wahrscheinlichkeit weit unterhalb der Promillegrenze.
»Nein, einen Konstruktionsfehler habe ich nicht gefunden. Ich habe alle Systemkomponenten überprüft, alle Testprotokolle nachvollzogen. Alles fehlerfrei gemäß geltenden Standards. Allerdings habe ich unter Berücksichtigung der vorliegenden Messdaten einige Theorien überprüft. Die Übereinstimmung der Daten mit der Sanos-Worner-Theorie liegt bei achtundneunzig Prozent, womit diese nun als bestätigt gelten kann.«
»Was bedeutet das?« Diese Theorie sagte mir nichts, aber ich konnte schließlich nicht alle Theorien der Welt kennen.
»Diese Theorie postuliert eine Wechselwirkung zwischen dem Zeitgradienten im Raum und dem Anstieg der Entropie«, erklärte sie, »wodurch die Zeitfeldverzerrung als Ursache für den Verfall plausibel wird.«
Meines Wissens beschränkte sich die Zeitfeldverzerrung auf die Kabinen, also nur dort, wo sie die Zeithemmung auf den menschlichen Organismus bewirken sollte. Allerdings strahlte sie in geringem Maße auch auf die übrigen Teile des Schiffes aus, hatte aber nach bisherigem Kenntnisstand keinerlei schädigende Wirkung. Und das sollte nun den fortschreitenden Verfall der Logikzellen verursachen?
»Meine weitergehenden Analysen haben gezeigt«, fuhr sie mit ihrer Erklärung fort, »dass dadurch ein Quanteneffekt zum Tragen kommt, der auf molekularer Ebene …«
»Ja, ja! Spar dir den Rest!«, unterbrach ich sie ungeduldig. »Sag mir lieber, ob der weitere Verfall irgendwie vermieden oder wenigstens abgeschwächt werden kann.«
»Nur durch Abschalten des Zeitgenerators«, fauchte sie launisch zurück. Sie passte sich immer an ihren Kommunikationspartner an. Ich war sicher, sie hätte jeden Turing-Test bestanden.
Inzwischen war mir klar geworden, dass es keine Rettung gab. Man konnte zwar den Zeitgenerator abschalten, aber die Crew konnte unmöglich mehrere Hundert Jahre in wachem Zustand bis zum Zielplaneten reisen. Dafür eignete sich dieses Raumschiff nicht. Kam das Ende wirklich unausweichlich auf uns zu? Mir gingen verschiedene Möglichkeiten durch den Kopf, wie wir die kurze Zeit, die uns blieb, möglichst würdig verbringen könnten. Unsere Biologie setzte uns eine harte Grenze. Nun, es konnte nicht schaden, sich die Vorschläge von Savona anzuhören.
»Okay, dann erkläre mir mal die Optionen!«
»Option eins bedeutet, die Crew wird, ohne geweckt zu werden, im freien Weltraum zurückgelassen.«
Die Drecksarbeit bei dieser Option müsste dann wohl ich leisten, also die Menschen noch einmal zusätzlich narkotisieren und sie durch eine der Luken hinauswerfen. Abschließend müsste ich dann selbst hinausgehen und ohne Sicherungsleine einen letzten Weltraumspaziergang machen. Dann gäbe es keinen Grund mehr, die Zeitfeldverzerrung weiter zu betreiben, und der weitere Verfall wäre gestoppt.
»Das würde den sicheren Tod aller bedeuten«, stellte ich fest. »Abgelehnt. Weiter!«
»Ich habe schon vermutet, dass du das ablehnen würdest. Option zwei bedeutet, die Crew bleibt an Bord und wird in hundertzwanzig Tagen verhungert sein.«
Unsere Vorräte reichten tatsächlich nur für hundertzwanzig Tage. Ohne Zeithemmung würden die Menschen essen, trinken, atmen. Und nach hundertzwanzig Tagen wäre Schluss. Diese Vorräte sollten als Überbrückung nach der Landung dienen, nur so lange, bis die Nahrungsmittelproduktion unter fremder Sonne uns mit frischem Gemüse versorgen würde. Jetzt aber nach hundertzwanzig Tagen zu verhungern? Da würde ich den Weltraumspaziergang vorziehen.
»Hm. Klingt auch nicht gut. Weiter!«, befahl ich.
»Bei Option drei werden die Menschen in eine Datenstruktur umgewandelt. Nach dem detaillierten Gehirnscan werden deren biologische Körper nicht mehr benötigt.«
Also wieder Drecksarbeit. Immerhin ist es kein Mord. Auf der Erde geben viele Menschen ihren Körper freiwillig auf, wenn eine unheilbare Krankheit sie dazu zwingt. Das Leben geht dann eben in einer virtuellen Umgebung weiter, unter Umständen mit deutlich verbessertem Komfort. Da bei virtuellen Persönlichkeiten kein Alterungsprozess stattfindet, wäre hier auf dem Raumschiff die Zeithemmung nicht mehr erforderlich und könnte abgeschaltet werden. Wir müssten dann nur noch mit der Langeweile fertig werden. Möglicherweise könnten wir heruntergetaktet werden, mit allen Prozessoren im langsamen Stromsparmodus.
Mein Schweigen veranlasste Savona, noch etwas nachzulegen: »Unsere Mission kann bei dieser Option fortgesetzt werden, Bogdan, wenn auch in veränderter Form.«
Ich zögerte mit meiner Antwort, denn es erschien mir tatsächlich als ein möglicher Ausweg. Dabei war ich mir durchaus bewusst, dass Savona mein Zögern auf ihre Weise deuten würde. Über die Anpassung unseres Missionsziels würde ich mir später noch Gedanken machen müssen. Konnte es gelingen, die mitgeführten Embryonen trotzdem reifen zu lassen und die daraus entstehenden Kinder aufzuziehen? Ohne körperlichen Kontakt zu erwachsenen Bezugspersonen? Details, die irgendwann geklärt werden mussten. Meinen Wissensstand hinsichtlich der Umwandlung schätzte ich dagegen als eher niedrig ein. Man kann nicht auf allen Fachgebieten gleichermaßen Experte sein. Und für unsere Reise hatten solcher Art Spezialkenntnisse nicht im Fokus gestanden. Zweifelnd fragte ich: »Und das kann hier auf dem Raumschiff durchgeführt werden?«
»Ja, das kann ich arrangieren. Auf der Erde ist das längst eine Standardprozedur.«
»Savona, diese Mission ist nicht ohne Grund mit biologischen, lebendigen Menschen geplant worden. Die Crew wurde entsprechend ausgewählt. Ich glaube kaum, dass es da viel Zuspruch geben wird«, wandte ich ein.
»Und du, Bogdan, wie würdest du dich entscheiden?«, entgegnete sie.
»Gar nicht, bevor ich Option vier kenne«, besann ich mich, um ihrem Drängen nicht sofort nachgeben zu müssen.
»Bei Option vier bleibt der Zeitgenerator aktiv. Wir hoffen, dass sich die Systemausfälle nicht fortsetzen. Es bleiben immerhin zwei Prozent Wahrscheinlichkeit, dass die Sanos-Worner-Theorie unsere Lage nicht korrekt beschreibt.«
»Die Hoffnung stirbt zuletzt, nicht wahr?«, schloss ich, und mit einer tüchtigen Portion Galgenhumor schob ich nach: »Wenn die Systeme dann endgültig versagen, merkt die Crew zumindest nicht viel davon.«
»Darauf würde ich nicht wetten. Wenn der Zeitgenerator vor der Lebenserhaltung ausfällt, dann schon.«
Das stimmte natürlich. Ohne Zeithemmung wäre die Crew bei vollem Bewusstsein und würde das schreckliche Ende erleben müssen. Eine zusätzliche Sedierung könnte man zwar jedem Einzelnen anbieten. Aber auch so behagte mir diese Option ganz und gar nicht. Zwei Prozent Hoffnung genügten nicht.
»Gut. Heute treffe ich keine Entscheidung mehr. Ich muss nachdenken. Wie viel Zeit bleibt uns für die Entscheidung?«
»Es eilt nicht, Bogdan. Lass es dir in Ruhe durch den Kopf gehen.«
Mit Druckanzug und Sicherungsleine machte ich mich auf den Weg zur Ausstiegsluke. Das Ausschleusen nahm meine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch, und ich genoss die Ablenkung. Einfach mal aus Lust und Laune einen Weltraumspaziergang machen, das wollte ich mir jetzt genehmigen. Vielleicht inspirierte mich das, um Option fünf zu entwickeln. Draußen ließ ich dann für einige Minuten die Seele baumeln, mit Millionen Sternen um mich herum. Welch eine gewaltige Entfernung hatten wir zurückgelegt! Und welch ein blödes Ende nahm diese Reise nun. Plötzlich war mir zum Heulen zumute. Die Emotionen brachen sich endlich Bahn, und ich fühlte mich allein und hilflos. Ich starrte zum Raumschiff hinüber, mit seinen extra für mich eingeschalteten Positionslichtern. Drinnen wartete Savona geduldig. Sie war durch die Systemausfälle ebenfalls existenziell bedroht. Hatte sie die von ihr präsentierten Optionen absichtlich so gewählt, um ihre eigenen Chancen des Fortbestehens zu optimieren? Option drei schien alternativlos. Sollte ich das glauben? Gab es weitere Optionen, die sie mir verschwieg? Bei Option drei kam Savona völlig unbeschadet davon, während wir Menschen zwar nicht unser Leben, aber unsere Körper opfern mussten. Das erste Mal auf dieser Reise fragte ich mich, ob ich Savona vertrauen konnte.
Die Schwärze des Alls erschien mir in diesem Moment alles andere als feindlich. Ich hatte schon auf der Erde den dunklen Himmel einer Neumondnacht zu schätzen gewusst. Die Perfektion des Kontrasts der gleißend hellen Lichtpunkte im Meer der Finsternis und ihre völlig chaotische Anordnung bildeten einen Gegensatz, den ich einfach nur prächtig nennen konnte. Bewusst verdrängte ich die Wahrnehmung von Sternbildern, um den Eindruck nicht zu stören.
Das Signal des zur Neige gehenden Sauerstoffvorrats riss mich aus meinen Gedanken. Mir blieben noch fünfzehn Minuten. Diese wollte ich nutzen, um über unsere Lage nachzudenken. Also, welche Option könnte es noch geben, um unser Leben und unsere Körper zu retten? Eine Stasis wie in der Science-Fiction hatte sich als unmöglich erwiesen. Versuche in dieser Richtung waren immer an einem langsamen, aber unaufhaltsamen Verfall des Körpers gescheitert. Selbst eingefroren vergammelte das Fleisch nach wenigen Jahren. Ohne Zeitgenerator keine Überlebenschance. Mit Zeitgenerator keine dauerhaft funktionierenden Logikzellen. Ohne Logikzellen keine Navigation. Ende der Analyse. Wir sind echt im Arsch. Ach, schön, dass Kraftausdrücke so kurz vor dem Ende erlaubt sind.
Wieder im Schiff stand mein Entschluss fest. Eine Nacht darüber schlafen wäre sinnlos. Ohnehin würde ich kein Auge zumachen können.
Ich genoss es, den steifen Druckanzug auszuziehen, meinen Körper zu spüren, das Blut in den Adern rauschen zu hören. Eine Dusche gab es hier leider nicht, und so rieb ich mich mit dem Handtuch von oben bis unten ab. Ich tat das mit einer Bewusstheit, als ob ich mir genau einprägen wollte, wie sich meine Körperteile dabei anfühlten. Es war eine Abschiedszeremonie, die ich mit Tränen in den Augen, aber einem festen Willen durchführte.
Ein letztes Mal besuchte ich die Kabinen der Crew. Ich nahm mir dafür viel Zeit und betrachtete intensiv das schlafende Gesicht jedes Mitglieds. Schuldgefühle plagten mich nicht. Dennoch bat ich sie still um Verzeihung für die Entscheidung, die ich für sie zu treffen gedachte. Wir würden alle dasselbe Schicksal erfahren. Zu meinen Aufgaben gehörte es, dafür zu sorgen, dass die Crew zusammenblieb und keiner allein gelassen wurde. Wir sehen uns auf der anderen Seite, dachte ich und zwängte mich durch das Schott zum Korridor.
Vom Kommandosessel aus kontrollierte ich noch einmal die Statusanzeigen der Schiffssysteme. Dann wandte ich mich an unsere KI.
»Savona!«
»Ja, Bogdan?«
»Es ist so weit. Ich habe mich entschieden.«
Savona antwortete nicht, sondern wartete mit angemessener Zurückhaltung auf das, was ich zu sagen hatte.
»Führe Option drei aus. Fange mit mir an, nimm dann den Rest der Crew. Und zwar ohne von jedem Einzelnen das Einverständnis einzuholen. Ich übernehme dafür die Verantwortung.«
»Das ist eine gute Entscheidung, Bogdan«, kommentierte sie mit klarer Stimme. Es kam mir vor, als sei sie tatsächlich froh darüber. Natürlich freute sie sich. Auch eine KI hatte Gefühle und ich gönnte es ihr. Ich war ebenfalls froh, mich jetzt entschieden zu haben.
»Noch etwas: Du hast vorhin den Kurs des Raumschiffes erwähnt. Um was geht es da?«
»Ich habe ein deutlich interessanteres Ziel für uns identifiziert«, antwortete Savona, »ein Sonnensystem mit einem außergewöhnlichen Strahlungsspektrum, welches zudem eine eindeutig künstliche, hochkomplexe Modulation aufweist. Zweifellos eine weit fortgeschrittene Zivilisation.«
»Vergleichbar mit unserer?«
