NOVA Science-Fiction 26 -  - E-Book

NOVA Science-Fiction 26 E-Book

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Beschreibung

NOVA Storys: Moritz Greenman: Façonneurs | Marc Späni: Die fünfte Stufe der Entspannung | Thorsten Küper: Confinement | Michael K. Iwoleit: Die Seelen | Michael Friebel: Quantentanz | Bernhard Kempen: Die Geschlechter der Leonen | Norbert Stöbe: Wir kommen | Klaus Berger-Schwab: Ein Job für Krüppel NOVA Sekundär: Thomas Sieber: "Bedenke deine Handlungen vom Ende her!" Ein Interview mit Prof. Harald Lesch, Teil 1 | Dirk Alt: Der entmythologisierte Kosmos. Stanislaw Lems Katastrophenprinzip | Vandana Singh: Wahre Reise ist Heimkehr. Zu Ehren von Ursula K. Le Guin | Christopher Priest: Ursula | Ursula K. Le Guin (1929–2018): Ich stelle mich vor | Horst Illmer: Kate und ich. Ein Nachruf auf Kate Wilhelm (1928–2018)  Mit einem Editorial von Thomas Sieber und einem Titelbild von Andreas Schwietzke.

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Seitenzahl: 310

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Michael K. Iwoleit & Michael Haitel (Hrsg.)

Science-Fiction

Ausgabe 26

Michael K. Iwoleit & Michael Haitel (Hrsg.)

NOVA Science-Fiction

Ausgabe 26

NOVA ist ein Projekt des World Culture Hub:

www.worldculturehub.org

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

© dieser Ausgabe: Juni 2018

p.machinery Michael Haitel

Titelbild: Andreas Schwietzke

Redaktion Storys: Michael K. Iwoleit, [email protected]

Redaktion Artikel/Essays: Thomas A. Sieber, [email protected]

Layout & Umschlaggestaltung: global:epropaganda, Xlendi

Lektorat: Michael K. Iwoleit, [email protected]

Korrektorat: Dirk Alt, Michael Haitel

Herstellung: global:epropaganda, Xlendi

Verlag: p.machinery Michael Haitel

Ammergauer Str. 11, 82418 Murnau am Staffelsee

www.pmachinery.de

www.nova-sf.de

www.facebook.com/novamagazin

www.twitter.com/novamagazin

ISSN: 1864 2829

ISBN der Printausgabe: 978 3 95765 136 5

Thomas Sieber: Editorial

Liebe Leser,

wer kennt ihn nicht, den berühmten Satz des Heraklit: »Die einzige Konstante im Leben ist die Veränderung«? Michael K. Iwoleit, letztes verbleibendes Gründungsmitglied und Urgestein von Nova kann davon dieser Tage ein Lied singen. Außer dem Vorsatz, dem Leser weiterhin erstklassige Science-Fiction-Storys und Sekundärartikel zu bieten, hat sich im Laufe des letzten Jahres bei Nova so ziemlich alles verändert. Wie Sie am Umschlag der vorliegenden Ausgabe feststellen können, ist zum einen der Verlagswechsel zu p.machinery erfolgt, zum anderen zeichnet für die Nr. 26 eine komplett neue Redaktionsmannschaft verantwortlich, mit Michael »My.« Haitel als Verleger und Mitherausgeber (neben MKI), Christian Steinbacher als Grafikredakteur, einer nicht näher benannten Person D. A. (zusammen mit Marc Späni, falls Not am Mann ist) als Gegenleser und schließlich mir selbst als Redakteur für den Non-Fiction-Teil.

Die Frage von Michael Iwoleit – irgendwann Mitte des letzten Jahres –, ob ich mir vorstellen könnte, bei Nova einzusteigen, hat mich ungefähr genauso überrascht, wie die berühmten Kolben, die bei der Spazierfahrt am Sonntagnachmittag vor einem durch die Motorhaube geschossen kommen. Meine Veröffentlichungen hielten (und halten) sich in Grenzen, die deutsche SF-Szene hatte ich bisher von außen – zugegeben nicht ganz unkritisch – als eine eher in sich geschlossenen Vereinigung gesehen. Umso mehr hat mich die Offenheit beeindruckt und gefreut, mit der man mir bei Nova seit der allerersten Einsendung einer Story begegnet ist – schön, wenn man seine Vorurteile gegen echte Erfahrung eintauschen kann. Wie auch immer, in Anbetracht der in Aussicht gestellten Reichtümer (ich rede hier natürlich nicht von der banalsten Variante des Reichtums) und den fesselnden Erlebnisberichten aus der Kleinen Klappse fiel es mir nicht schwer zuzusagen, und ich habe es bisher – trotz des Formel-1-artigen Starts mit Nr. 26 – nicht bereut.

Überschattet wurde die Arbeit an dieser Ausgabe durch den Tod von zwei der ganz großen Schriftstellerinnen der SF-Literatur, Ursula K. Le Guin und Kate Wilhelm. Wir hoffen, es ist uns einigermaßen gelungen, das Wirken und Werk dieser großartigen Autorinnen hinreichend zu würdigen. Im Falle von Ursula Le Guin hat sich die Agentur erstaunlicherweise bereit erklärt, uns einen – in gewisser Weise – autobiografischen Essay für eine deutsche Erstübersetzung zu überlassen. Ich zweifle nicht daran, dass wir dies zu großen Teilen ihrer außergewöhnlichen Persönlichkeit, insbesondere ihrem Verständnis von schriftstellerischer Freiheit, verdanken.

Neben den Nachrufen enthält diese Nova-Ausgabe – man verzeihe mir die Fixierung auf den Non-Fiction-Teil – ein Novum, nämlich ein Interview mit Prof. Harald Lesch, das aufgrund seiner Länge zweigeteilt ist. Dies ist der großen Themenbreite und der damit einhergehenden Vielzahl an Fragen geschuldet sowie einer von Herrn Lesch augenzwinkernd eingestandenen »rhetorischen Inkontinenz«, über die wir uns keinesfalls beschweren. Wir hoffen, diese kleine Neuerung (die keineswegs zur Regel werden soll) findet den Zuspruch des Lesers, zumal Teil zwei sich thematisch hervorragend in die als nächste geplante Themenausgabe »Utopien und positive Zukunftsbilder« einfügt. Abgerundet wird der Non-Fiction-Teil durch einen exzellenten Artikel über Lems Katastrophenprinzip von Dirk Alt, dessen Initialen nur zufällig mit denen weiter oben übereinstimmen und den wir auch keineswegs als Spion in die Exodus-Redaktion eingeschleust haben.

Last, not least ist es wohl Tradition, am Ende des Vorworts einige Patzer aus der vorangegangenen Ausgabe auszubügeln. Allen voran müssen wir uns ausdrücklich bei René Moreau entschuldigen, der in Nova 25 einen Nachruf auf Christian Weis verfasst hat. Leider ging seine Kurzbiografie in den Wirren des Verlagswechsels verloren. Um dies wiedergutzumachen, findet sie sich nunmehr auf einem Ehrenplatz in der aktuellen Ausgabe. Des Weiteren wurde konsequenterweise bei der internationalen Gaststory (Gustavo Bondoni, »Die zehnte Umlaufbahn«) nicht angegeben, von wem die Übersetzung stammt. Gustavo ist ein Englisch schreibender Argentinier, und seine Geschichte wurde von Tommi Brem übersetzt.

Mir bleibt nur, Ihnen viel Vergnügen mit dieser Ausgabe zu wünschen, besonders natürlich mit den ausgezeichneten Storys, die in Nova die Hauptsache sind und bleiben.

Thomas Sieber

für die Nova-Redaktion

Darmstadt, 17.05.2018

NOVA Storys

Moritz Greenman: Façonneurs

Nachdem Olivier aufgelegt und sein Telefon im Sakko hatte verschwinden lassen, hörte Grace ihre Absätze nun umso lauter über den Parkettboden klappern. Sie zögerte kurz, hakte sich dann aber doch bei ihm unter, als sie, gefolgt von der Kuratorin, eine Treppe hinaufstiegen und vor Grace ein Plakat mit dem Titel der Ausstellung erschien: Façonneurs.

Grace mochte es nicht, wenn er in ihrer Gegenwart telefonierte. Noch weniger, wenn das andere Leute sahen. Aber bei einem Mann wie ihm hatte sie eben zu akzeptieren, dass sie nicht ständig seine ungeteilte Aufmerksamkeit genoss. Selbst wenn sie ihr türkises Chanel-Kostüm trug.

Um ihre Wirkung machte sich Grace jedoch keine größeren Sorgen. Bereits im Auto hatte Olivier ihr mehr als ein Kompliment gemacht, und sie hatte ja seinen Blick gesehen. Genauso wie den des Fahrers und die der Museumsbesucher. Gerade verdrehten wieder ein hübscher junger Mann und seine weniger hübsche Frau, die vor einem scheußlichen Gemälde standen, den Kopf nach ihr. Dann betraten Grace und Olivier den Ausstellungsraum.

»Es tut mir sehr leid, Sir«, hörte Grace einen der Ordner hinter sich. »Hier findet im Moment eine Privatführung statt.«

Grace drehte sich um und sah, dass sich die zwei schwarz gekleideten Männer mit dem Logo der Tate Moderne auf der Brust in den Eingang gestellt hatten. Sie lächelte.

»Du hast eine Exklusivführung für mich bestellt, Schatz? Lieb von dir.«

Olivier zwinkerte ihr zu. »Exklusiv für uns. Ich habe es ja auch noch nicht gesehen. Obwohl ich die Projekte natürlich schon kenne.«

»Das ist richtig, Miss Robert«, sagte die Kuratorin und trat neben sie. »Ihr Gatte hat nicht nur diese einmalige Ausstellung hier in London möglich gemacht, sondern auch von Anfang an sehr großes Interesse gezeigt und seine kreative Seite eingebracht.«

Olivier schüttelte den Kopf. »Glaub ihr kein Wort, Chérie. Miss Hendricks hier ist eine fantastische Kuratorin. Sie und David Miller haben die ganze Arbeit gemacht, ich habe ihnen nur Geld gegeben. Deswegen müssen sie uns jetzt auch kostenlos reinlassen, obwohl wir keine Ahnung von Kunst haben.«

Kein Flirt, dachte Grace. Nur die übliche Lobhudelei. Hendricks lachte nervös und rückte ihre Brille zurecht. Als sie sich den Schweiß von der Stirn wischte, tat sie Grace für einen Moment fast ein bisschen leid. Eigentlich sah sie nicht schlecht aus, nur passte die Frisur nicht zu ihrem schmalen Gesicht, und der Hosenanzug saß auch nicht gut. Falls sie sich bei Olivier irgendwelche Hoffnungen gemacht hatte, musste ihr spätestens jetzt klar sein, dass sie nicht sein Typ war.

»Sehen Sie sich doch erst einmal um«, sagte Hendricks. »Danach kann ich Ihnen mehr über die einzelnen Projekte erzählen.«

Grace folgte der Geste der Kuratorin und ging an Oliviers Seite in die Mitte des rechteckigen Raumes. Er maß ungefähr fünfundzwanzig mal fünfzehn Meter, war gute zehn Meter hoch, und an der Decke hingen vier Leuchten. Deren grelles Licht mochte zu den weißen Wänden passen, nicht aber zu ihrem Kleid, fand Grace.

»Das ist alles?«, fragte sie, nachdem sie sich in dem fast leeren Saal umgesehen hatte.

»Das ist alles, Chérie. Und es ist eigentlich ziemlich viel.«

Grace drehte sich noch einmal im Kreis. An den langen Seiten des Raums standen jeweils drei Objekte, an der Stirnseite zwei. Zwei Plastiken, ein Bild, das an einem Stuhl lehnte, verschiedene Gegenstände auf Tischen oder Podesten, alle in zirka drei Meter Abstand zur Wand.

Olivier griff nach Grace’ Hand und zog sie mit sich. »Das hier zum Beispiel. Schau dir das an.«

»Eine alte Landkarte und ein Tintenfass auf einem Holztisch?«

»Ganz genau, und noch mehr.«

Olivier zeigte auf die Wand hinter dem Tisch, und als er sich direkt vor das Ausstellungsstück stellte, erschien am oberen Ende der Wand ein Name.

Sergej Tarassow.

Ein zwei Meter breites Band aus schwarzen Buchstaben, von denen Grace nicht genau sagen konnte, ob sie auf der Wand oder aber ein Stück davor im Raum standen. Doch bevor sie sich umdrehen und nach einem Projecteur Ausschau halten konnte, lösten sich aus dem Schriftzug weitere Buchstaben heraus. Wie ein Wasserfall floss der Text an der Wand hinab bis zum Boden und dann über den Boden bis kurz vor den Tisch.

Olivier wandte sich an Hendricks. »Sehr schön gemacht, wirklich.«

»1867«, las Grace laut vor, »leitete der damalige US-Außenminister William H. Seward den Kauf Alaskas von Russland ein. Für siebenkommazwei Millionen US-Dollar …« Sie sah Olivier an und zog einen Mundwinkel hoch. »So viel Text, Schatz.«

Olivier zog nun seinerseits einen Mundwinkel nach oben, dazu eine Augenbraue. Dann lachte er und legte einen Arm um Graces Schultern. »Pass auf, Chérie. Dieser Typ ist durch die Seidl-Kammer ins Jahr 1867 und hat die Russen davon überzeugt, Alaska nicht an die USA zu verkaufen. Dafür musste er ihnen nur zeigen, wo es Öl zu finden gibt. Schau, hier auf der Karte die Tintenflecke.«

Grace nickte. »Und die Amis haben ihn das machen lassen?«

»Die Amis von heute haben ihn das machen lassen«, sagte Hendricks, »weil sie ja in diesem Universum keinerlei Auswirkungen zu befürchten haben. Wie Sie sicher wissen, ist seit letztem Jahr bewiesen, dass das InsTech der Sorbonne Menschen auf Zeitreisen schicken kann. Nur gibt es leider weder Rückflugscheine noch die Möglichkeit der Kontaktaufnahme. Denn sobald die Reisenden ihren Fuß auf vergangenen Boden setzen, befinden sie sich in einem Paralleluniversum, in einem separaten Zeit- beziehungsweise Realitätsstrang.«

»Den sie dann formen können, wie sie wollen«, sagte Grace. »Ich weiß. Deswegen habt ihr sie Façonneure genannt.«

»Ganz richtig, Miss Robert. Und jetzt stellen Sie sich mal die Auswirkungen dieses einen nicht zustande gekommenen Kaufvertrages vor. Russland nicht nur mit mehr Öl und noch mehr unberührter Wildnis in seinem Besitz, sondern auch mit einem riesigen Stück Land auf dem amerikanischen Kontinent. Was hätte das für den Kalten Krieg bedeutet? Wäre es überhaupt zu einem kalten Krieg gekommen, wenn Russland – auch durch den Rat Tarassows – schon früher alles daran gesetzt hätte, sein Territorium in Amerika zu vergrößern? Die Welt wäre heute mit Sicherheit eine andere.«

»Nur dass der Mann das nicht mehr erlebt.«

Hendricks nickte ganz euphorisch, so als ob Grace gerade etwas Geniales gesagt hätte. »Ja, so ist es, Miss Robert. So ist es. Genau darin liegt ja die Tragik des Projektes, und auch seine Schönheit. Man könnte sagen, der Oligarch Tarassow hat nicht nur mit einem großen Teil seines Vermögens für diese Reise bezahlt, sondern auch mit seinem Leben. Der Schritt in eine andere Zeit kostete ihn alles. Alles für die Idee, verstehen Sie?«

Olivier löste seinen Arm von Grace und drehte sich um. »Joanne, wo sind die Woodvilles?«

Die Kuratorin zeigte auf eines der Podeste am anderen Ende des Raums und bedeutete Grace und Olivier, ihr zu folgen.

Das hüfthohe Podest erinnerte an eine griechische Säule. Auf der Ablagefläche stand ein silbernes Pendel. Während dieses Mal zwei Textwasserfälle über Wand und Boden liefen, musterte Grace die an der Schnur hin- und herschwingende Pistolenkugel.

»Marcus und Sinclair Woodville sind zwei Brüder aus Chicago«, hob Hendricks an. Am Glanz in ihren Augen war deutlich zu erkennen, dass sie diese Façonneure besonders bewunderte. »Der Plan des einen war Tyrannenmord«, fuhr sie fort. »Marcus ist mit einer Waffe zurück ins Jahr 1933, um Adolf Hitler zu erschießen. Sein Bruder reiste währenddessen in eine andere Realität dreißig Jahre später und nach Dallas. Dort hat er den Mord an John F. Kennedy verhindert. Eine Kugel, die ihre Flugbahn ändert, wenn Sie so wollen.«

»Aber haben sie es auch geschafft, die Flugbahn zu ändern?«, fragte Grace. »Man weiß es ja nicht.«

Olivier nickte und lächelte. »Man weiß es nicht. Und noch etwas: Wenn es keinen Hitler gegeben hätte und damit keinen Zweiten Weltkrieg, wäre die Geschichte völlig anders verlaufen. Also vielleicht auch kein Präsident Kennedy. Ein Pendel schwingt immer sowohl nach vorne als auch zurück. Und was wäre passiert, wenn Kennedy nicht in Dallas umgekommen wäre? Welche guten Folgen hätte das gehabt? Und welche schlechten?«

»Sehen Sie, welch scharfen Blick ihr Mann hat, Miss Robert«, sagte Hendricks, ihren eigenen Blick immer noch fest auf die Kugel gerichtet.

Grace dachte kurz darüber nach, ob sich Hendricks gerade nicht zu viel erlaubt hatte, schmunzelte dann aber. »Das weiß ich bereits, Miss Hendricks. Sie erzählen mir nichts Neues.«

»Na gut, aber vielleicht kann ich Ihnen über das Projekt gleich hier neben Ihnen etwas erzählen. Sagt Ihnen der Name Alexandrine Nebrija etwas?«

»Nein.«

»Nebrija nennt ihre Arbeit Religionsdesign«, erklärte Hendricks, woraufhin Grace vor die Plastik trat. Erst jetzt erkannte sie, dass es sich um zwei Menschen handelte. Hand in Hand hoben die ungefähr einen Meter großen stilisierten Lehmfiguren ihre freien Hände und auch ihre Blicke zum Himmel, womit sie Grace direkt anzusehen, sie geradezu anzubeten schienen.

»Was für eine Religion hat sie denn designt?«

»Verschiedene. Ihr Reiseziel war das Jahr 1000 nach Christus, und in ihrem Gepäck befanden sich Gegenstände wie zum Beispiel eine starke Taschenlampe, reflektorbestickte Kleider, fluoreszierende Schminke, Chansonneur und Verstärker sowie eine moderne Schusswaffe. Auf ihrem Weg von Norwegen nach Spanien besuchte sie etliche Völker, um ihnen als ›Göttin‹ zu erscheinen und neue, auf diese Völker individuell zugeschnittene Glaubenssysteme zu implementieren. Alle mit dem Ziel, einen maximalen Grad an Friedfertigkeit und Achtung vor Mitmenschen und Natur zu erzeugen. Wenn Sie Interesse haben, kann ich Ihnen die Details von ein paar …«

»Das ist sehr interessant, Miss Hendricks. Wirklich. Aber ich verstehe ehrlich gesagt nicht ganz, was diese Projekte mit Kunst zu tun haben sollen. Eigentlich geht es doch hauptsächlich um das Privatvergnügen der wohlhabenden Zeitreisenden, oder? Wir werden nie sehen, was aus ihren Universen wird. Und die Kunstwerke hier, Olivier. Also, ich bezweifle, dass die Ausstellung genug Besucher anziehen wird, um die Kosten zu decken … Jetzt schau mich nicht so an, Schatz. Das ist eben meine Meinung.«

Hendricks schob sich wieder die Brille zurecht. Beinahe hatte sie es geschafft, zu verbergen, dass auch sie nicht gerade viel von Graces Meinung hielt. Aber Grace nahm sehr wohl wahr, wie falsch das Lächeln war, mit dem die Kuratorin sie nun bedachte.

»Auf der einen Seite haben Sie sicher recht«, sagte Hendricks. »Die Stücke hier sind bewusst so gewählt, dass sie den Geschichten nicht in die Quere kommen. Das heißt, sie sind auf den ersten Blick wenig aufsehenerregend. Und wie schon gesagt, wir können keinen Kontakt zu den Façonneuren aufnehmen. Wer weiß, ob sie ihre Pläne in die Tat umgesetzt haben. Aber, Miss Robert«, jetzt hob sie ihren Zeigefinger, »es geht noch um viel mehr. Denn was bedeutet denn Façonneure?«

Sie ließ die Frage einen Moment im Raum stehen, dabei fiel Grace die Gravur auf ihrem Ehering auf.

»Der Begriff bezieht sich zum einen auf die Zeitreisenden, die völlig neue Welten kreieren. Ganze Universen als höchst komplexe Kunstwerke. Wobei man über diesen Kunstbegriff natürlich streiten kann. Aber darüber hinaus sind auch wir selbst Façonneure. Sie und ihr Mann und ich. Denn wir hören von den Projekten, und in unseren Köpfen wachsen die Ideen der Künstler zu unseren eigenen Universen heran. Sie stellen sich vor, was alles passieren könnte, und damit werden auch Sie zu einer Künstlerin, die alternative Realitäten erschafft. Doch nicht nur das. Indem Tausende Menschen diese Werke hier kennenlernen, denken sie automatisch über unsere aktuelle Realität nach. Sie machen sich plötzlich Gedanken über die Dinge, fragen sich, wieso die Welt so geworden ist, wie sie ist, und auch, wie man sie heute, hier und jetzt verbessern könnte. Das ist die Idee hinter dieser Ausstellung. Wir alle formen unsere Welt, Miss Robert. Wir alle sind Façonneure.«

»Genau, Chérie. Stell dir mal vor, wie diese Menschen leben, denen Alexandrine Nebrija eine Philosophie der Achtung und der Liebe vermittelt hat. Wie schwierig wäre es für uns, freundlicher zu sein? Nicht so sehr, oder?«

Grace hatte bereits die Arme verschränkt und räusperte sich nun, bevor sie antwortete. »Jedenfalls gefällt mir weder dein Ton noch Ihrer, Miss Hendricks. Ich bin kein Schulmädchen mehr und ich war übrigens selbst an der Sorbonne. Dort habe ich auch meinen Mann kennengelernt, falls es Sie interessiert. Und zwar nicht als Studentin, sondern als analyste financière. Ob Sie es glauben oder nicht, ich war sogar Teil des Komitees, das der Gruppe um Dolph Johannson die Gelder für die Forschung zu den Seidl-Gleichungen bewilligt hat. Ich verstehe also sehr gut, worum es geht. Aber ich halte die Frage, ob das Kunst ist, nach wie vor für völlig berechtigt.«

Olivier schüttelte den Kopf. »Natürlich bist du kein Schulmädchen, und niemand zweifelt an dir oder will dich belehren. Aber stell dir doch wirklich mal vor, wie ein russisches Amerika heute aussehen würde. Oder …«

»Oder ein Amerika mit Kennedy im Ruhestand.« Hendricks war wieder der Schweiß ausgebrochen. Sie ließ sich davon jedoch nicht beirren. »Oder ein Amerika, wenn Cristoforo Colombo 1490 dort …«

»Sie meinen wohl …«, begann Grace, doch die Kuratorin hatte tatsächlich die Nerven, sie zu unterbrechen.

»Ganz genau, Miss Robert. Stellen Sie sich vor, Christophe Colombe, wie wir ja normalerweise sagen, wäre angekommen und hätte gewusst, wo er sich wirklich befand und welche weitreichenden Folgen seine sogenannte Entdeckung haben würde.«

Grace zuckte mit den Schultern und sah zu Olivier hinüber. Ihn zu faszinieren war Hendricks jedenfalls gelungen. Wie er immer die Augen zusammenkniff, wenn er etwas interessant fand.

»Ich glaube, du hättest dein Geld vielleicht lieber Christophe Colombe geben und nicht in eine Ausstellung investieren sollen.«

Olivier sah Grace wortlos an, dann ging sein Blick kurz zur Decke, während er nach seinem Telefon griff. Wieder kniff er die Augen zusammen. »Hm«, sagte er, und tippte etwas auf den Bildschirm.

»Weißt du was, Olivier, ich habe hier alles gesehen, glaube ich.«

Olivier steckte sein Telefon wieder in die Innentasche und nickte. Dabei hatte er ein seltsames Lächeln auf den Lippen.

»Vielen Dank, Miss Hendricks«, sagte Grace und drehte sich um.

»Ich danke Ihnen, Miss Robert«, hörte Sie Hendricks hinter sich. »Ich danke Ihnen.«

Marc Späni: Die fünfte Stufe der Entspannung

1.

Die Frau mit den langen blauen Haaren steht auf, verdreht theatralisch ihre violetten Augen und schreitet an QM Sergeant Cor Drystan vorbei durch die Offiziersmesse und hinunter zum Restaurantdeck.

»Was war denn das eben?«, fragt Brut Melwas, erster Leutnant, nachdem sie weg ist. Auch die anderen zwei Offiziere am Tisch wenden den Blick von der Nachrichtensendung an der Bildwand zu Sergeant Drystan, der sprachlos vor dem Tisch stehen geblieben ist und der Blauhaarigen nachblickt. Es dauert einige Sekunden, bis er sich wieder den Offizieren zuwendet. Dann lächelt er verlegen, packt ein Tablett, das hinter seinem Rücken einen Meter über dem Boden schwebt, und stellt es auf den Tisch. Fünf braune Flaschen mit goldumrahmten Etiketten stehen darauf und ebenso viele hohe, altmodisch geschwungene Gläser. »Eine kleine Aufmunterung«, erklärt er mit dem leichten Akzent des Südostens.

»Das kann auch nur einem Pemboner einfallen, in dieser Lage«, sagt Melwas, schüttelt missbilligend den Kopf und verfolgt weiter die Nachrichten: Kleine, bullige Terraner schlagen mit Stöcken und bloßen Fäusten auf Menschen der neuen Erde ein; Häuser werden geplündert, Habseligkeiten unter wildem Gebrüll aufgeschichtet und verbrannt.

»Sagt man nicht bei euch: Am hellsten ist der Sternenglanz, je dunkler die Winternacht?«, fragt Drystan.

»Sternenpracht, nicht Sternenglanz«, korrigiert ihn Leutnant Dromu Cain, »am hellsten die Sternenpracht, je dunkler die Sternennacht.«

»Wie dem auch sei. Die Nachrichten werden nicht besser, wenn ihr das stehen lasst«, wiederholt Drystan und weist auf die Flaschen und Gläser.

»Was ist es überhaupt?«, fragt Melwas kritisch.

»Fullers 1845, ein leicht berauschendes Getränk aus fermentierten terranischen Süßgräsern. Restbestände vom Besuch des terranischen Botschafters vorgestern«, erklärt Drystan grinsend, »ganz exklusiv!«

»Und schmeckt es auch?«, fragt Melwas.

»Oh ja!«, meint der QM, zieht einen rund zehn Zentimeter langen Gegenstand aus der Tasche und macht sich, nicht ohne Mühe, daran, die erste Flasche zu öffnen.

»He, das sind wir!«, unterbricht Cain und zeigt zur Bildwand, wo der gigantische Linientanker Tothmarg vor der Kulisse des Mondes Nola 2 auftaucht. »Von außen sieht sie wirklich aus wie eine endoranische Riesenschrecke«, meint der Leutnant.

Mittlerweile hat Drystan die erste Flasche geöffnet, nimmt eines der großen Gläser zur Hand, hält es leicht schräg und schenkt langsam ein. »Oben muss Schaum sein, versteht ihr, eine ganz dünne Schaumschicht.«

»Sag mal, findest du das nicht etwas geschmacklos, dieses Ding da?«, fragt Melwas mit Blick auf den Gegenstand in Drystans Hand.

»Den Öffner? Warum?«

Melwas schüttelt den Kopf. »Ist das eine Replik des terranischen Weltkreuzes?«

»Was soll das sein?«

»Doch, bestimmt«, insistiert Melwas und nimmt ihm den Gegenstand aus der Hand. »Woher hast du das?«

»Muss aus Flottenbeständen sein«, meint Drystan mürrisch.

»Seltsam«, murmelt Melwas und dreht es zwischen den Fingern. »Flottenbesteck hat doch immer das Signet der Friedenstruppen drauf.«

»Zeig mal her«, mischt sich Cain ein.

Melwas zeigt ihm den Öffner.

»Tatsächlich. Eine Kopie?«

»Du hast das nicht etwa beim Empfang des Botschafters mitgenommen?«, fragt Melwas den Quartiermeister.

»Doch«, sagt Drystan zögernd.

Cain blickt zuerst Drystan, dann Melwas erschrocken an. »Du meinst, es ist das gestohlene Weltkreuz?«

»Schau selbst!«, sagt Melwas und reicht ihm den Öffner.

»Nein!«, ruft Cain. »Wenn es das ist, rühre ich es nicht an.«

»Jetzt hört aber auf«, protestiert Drystan, der noch immer vor dem Tisch steht. »Das ist ein Flaschenöffner, kein religiöses Artefakt des terranischen Botschafters!«

In den Nachrichten sieht man die Industrieanlagen auf dem Nola-Mond 2, den Ausgangspunkt des Streits um die Nutzung der Hyperraumtechnologie und der politischen Unabhängigkeit der neuen Erde.

»Ihr glaubt doch nicht wirklich, das ist das gestohlene Artefakt?«, fragt Drystan verzweifelt, dann lacht er plötzlich und zeigt mit dem Finger auf die Offiziere. »Ihr nehmt mich doch auf den Arm?!«

Aber keiner reagiert. »Dort an der Theke ist Togal«, ruft Melwas. »Der ist Kultur- und Verbindungsoffizier. He, Togal! Kannst du mal herkommen?«

Drystan wird bleich, während die anderen dem Kulturoffizier die Sache erläutern. Togal nimmt sich einen Stuhl, greift vorsichtig nach dem vermeintlichen Öffner und beginnt ihn von allen Seiten zu mustern.

»Wenn es das Ding wäre«, meint Drystan im Flüsterton zu Melwas, »warum hat dann niemand danach gefragt?«

»Keiner ist von einem Diebstahl ausgegangen«, erklärt der Kulturoffizier trocken, ohne aufzuschauen.

»Diebstahl!«, empört sich Drystan. »Ich hab’s genommen, weil ich es für einen Flaschenöffner gehalten habe. Es lag da herum.«

Alle starren gebannt auf Togal. Am Bildschirm werden wieder die Bilder der Krawalle, die Schlägereien, Plünderungen und Vandalenakte gezeigt. Reaktionen der Exilterraner auf den Verlust des Weltkreuzes.

Nach einer Weile dreht sich Togal zu den anderen. »Kein Zweifel. Es ist das Weltkreuz des Botschafters.«

»Und alle sind davon ausgegangen, dass die Terraner die Sache inszeniert haben«, meint Cain mit großen Augen.

»Es lag herum. Es lag einfach so herum«, winselt Drystan und stützt sich auf die Stuhllehne, ganz grau im Gesicht.

»Es ist ein religiöses Objekt«, erklärt ihm Togal, »mit Tabus behaftet. Es darf nicht in Anwesenheit von Nichteingeweihten erwähnt oder berührt werden. Der Botschafter darf keine Unwürdigen danach fragen, und vor allem kann er sein Amt ohne das Ding nicht mehr ausüben!«

»Das ist doch unsinnig!«, unterbricht ihn Drystan, aber Togal winkt nur genervt ab: »Das ist kompliziert und hat mit den Riten der Universalen Kirche des Lichts zu tun. Aber egal – entscheidend ist, dass sich dadurch eine ganz andere strategische Ausgangslage ergibt. Wir müssen es sofort dem Kommandanten melden.« Er greift sich hinter das Ohr, schließt die Augen und kommuniziert einige Sekunden auf dem Telepathienetz des Schiffes mit dem Stabsadjutanten.

»Übrigens«, meint Melwas belehrend, »sind alle Stabsoffiziere, die beim Empfang dabei waren, über die Besonderheiten der interkulturellen Kommunikation instruiert worden. Auch über die Tabugegenstände.«

»Ja, alle Stabsoffiziere«, schimpft Drystan leise, »nur die Servicecrew und den QM Sergeant hat man wieder einmal vergessen.«

»Der Admiral will es sehen«, erklärt Togal und blickt Drystan auffordernd an.

Dieser wird noch bleicher.

»Los, Cor!«, drängt jetzt auch Melwas. »Ich komme auch mit.«

»Wir fahren mit der Gondel«, sagt Togal.

Als die drei weg sind, nimmt Cain vorsichtig einen Schluck des terranischen Gebräus. Dann verzieht er das Gesicht. »Scheußlich!«

2.

Captain Compert atmet erleichtert auf, als Culin Forad mit zwanzigminütiger Verspätung in die Simulationshalle des Strategiezentrums tief unter dem Hochplateau von Gurfed tritt, eskortiert von vier Friedenssoldaten. Weiter unten in der Arena, in den ersten Rängen gleich oberhalb der zwei Megacomputer, hält die Außenministerin ihre Rede vor dem terranischen Vizebotschafter. Ein kleiner Mann in einem grau-roten Anzug, umringt von Männern in Tarnanzugjacken. Auf den höheren Rängen stehen Journalisten mit Kleincomputern, Aufnahmedrohnen der verschiedensten Sender schwirren durch den Raum. Die Ministerin betont, es liege überhaupt nicht im Interesse ihrer Regierung, den Hyperraumtunnel zu zerstören, der immerhin die einzige Verbindung zwischen Terra und der neuen Erde darstelle und Ausgangspunkt der Besiedlung vor zweihundert Jahren gewesen sei. Die Regierung sehe die Operation Detour als letzte Option, um eine Gewalteskalation zu unterbinden, wie sie sich durch die Stationierung dreier terranischer Kampfschiffe im Nola-System abzeichne. Sie sei aber nach wie vor zuversichtlich, dass die terranische Regierung ebenfalls an einer diplomatischen Lösung interessiert sei, welche in einer gemeinsamen Nutzung der Hyperraumtechnologie liege.

»Hatten Sie Probleme?«, fragt Compert flüsternd, während er Forad kritisch mustert.

Der Hyperraumphysiker sieht zerzaust aus und wischt sich den Schweiß von der Stirn. »Stellen Sie sich vor: Wir sind in einen Hinterhalt geraten. Exilterraner haben die Straße blockiert und uns angegriffen.«

»Angegriffen?«, fragt Compert ungläubig. »Sie meinen …«

»Ja, gewalttätig, mit Stöcken und Steinen. Nicht einmal die anwesenden Mediatoren konnte die Situation entschärfen; sie waren gezwungen« – Forad senkt die Stimme zu einem Flüstern – »die Leute zu betäuben, um uns zu schützen! – Höchste Zeit, dass etwas passiert.«

Compert nickt nachdenklich. »Die Simulation beginnt gleich. Das wird sie bestimmt zur Vernunft bringen.«

»Wenn sie es glauben«, gibt Forad zu bedenken.

Aber der Captain winkt ab. »Die Simulation ist über alle Zweifel erhaben. Zwei Milliarden Informationen pro Nanosekunde. Simulation ist eigentlich der falsche Begriff. Es ist vielmehr eine zeitverzögerte Kopie der Realität.«

Noch verharren die beiden Supercomputer in Schlaf oder vorbereitender Meditation, die Augen geschlossen, die Gesichter sphinxhaft. Techniker und Kleinroboter schwirren unruhig zwischen ihnen herum.

Inzwischen referiert der militärische Leiter der Operation, General Ailand, über die Kopplung des Auslösers mit dem Blockadeschiff Tothmarg. Die Operation Detour würde automatisch eingeleitet, sollte die terranische Flotte tatsächlich vom neu entwickelten Positronentorpedo Gebrauch machen und das Schiff angreifen oder gar vernichten. »Jede noch so kleine Verletzung der Schutzschilde wird sofort und unwiderruflich die Schließung des Hyperraumtunnels einleiten. Und einmal ausgelöst ist der Vorgang nicht mehr zu stoppen.« Er verweist darauf, dass die Simulation durch die beiden Superintelligenzen absolut zuverlässig sei, die terranischen Techniker hätten sich ja selbst davon überzeugen können, ebenso von der Existenz und Funktionstüchtigkeit des Gravitonenbeschleunigers.

Tatsächlich sieht man unten bei den schlafenden Computern auch terranische Wissenschaftler mit kleinen Computern umhergehen.

»Sind die überhaupt in der Lage, das zu beurteilen?«, fragt Forad.

»Nein, natürlich nicht«, grinst Compert, »aber das würden sie niemals zugeben.«

Langsam wird der Raum abgedunkelt. Forad lehnt sich zurück und beobachtet, wie sich zwischen den beiden Supercomputern eine dreidimensionale Abbildung des Weltalls aufbaut, ein Koordinatennetz aus feinsten Haarlinien, mit leichten Biegungen in der Nähe von Sternen, schwarzen Löchern und Supernovae. Die Projektion breitet sich nach oben aus bis in die mittleren Ränge. Der Zuschauer scheint einen Augenblick im All zu schweben, um sich dann in schwindelerregendem Tempo, aber mit tänzerischer Eleganz auf eine Spiralgalaxie zuzubewegen, durch diese hindurch und bis zu einem bestimmten Sonnensystem. Die terranische, die alte Erde wird sichtbar, eine winzige, blau-weiß gestreifte Murmel, bleibt einen Moment im Raum hängen, bevor sie wieder in den Tiefen des Sonnensystems verschwindet und nur als leuchtende Markierung sichtbar bleibt. Der Hyperraumtunnel erscheint, dargestellt als trichterförmige Verdichtung von Koordinatenlinien, von deren Hals aus ein dünner, rötlicher Strahl in ein anderes Sonnensystem führt, das unsichtbar in unendlicher Ferne liegt, nur durch einen Lichtpunkt hervorgehoben.

»Herrlich!«, sagt Forad genüsslich.

»Operation Detour«, so General Ailand, »erzeugt durch gezielte gravitonische Hyperraumreizungen in der siebten Dimension eine Wellenbewegung, die schließlich eine Straffung der permanenten Anomalie bewirkt, die der Hyperraumtunnel im Grunde ist. Es ist so gesehen nichts anderes als die Wiederherstellung einer normaleren Gravitations- und Raumzeitstruktur. Dauer: kaum eine Minute.«

»Entscheidend sind die eingeblendeten Zahlen«, flüstert Compert, »alles Übrige ist Show.«

Forad nickt und studiert die Distanzangaben: mit dem Tunnel 34,9 Millionen Kilometer von der alten Erde zum Nola-System.

Jetzt beginnt ein Countdown. Bei null leuchten grünliche Punkte im Koordinatensystem auf, die gravitonischen Initiationspunkte. Der Tunnel und die darum herum angeordneten Koordinatenlinien beginnen zu zittern wie ein Spinnennetz, aus dem sich ein gefangenes Insekt zu befreien versucht.

»Ich kann mir so etwas nicht vorstellen«, meint Compert, »siebte Dimension und solches Zeug.«

»Ist auch für uns Fachleute unmöglich«, erklärt Forad leise, »pure Mathematik eigentlich. Aber es funktioniert.«

Compert schüttelt nur lachend den Kopf.

Langsam beruhigt sich das Liniennetz, der Trichter ist verschwunden.

»Simulation durchgeführt«, erklären die Superintelligenzen in einem auf unheimliche Weise synchronen Duett.

»In Echtzeit dauert die Schließung des Tunnels einige Sekunden länger«, erklärt General Ailand und verweist dann auf die neue Distanz zwischen den Planetensystemen: 246,682 Lichtjahre. Die Außenministerin ergreift das Wort und garantiert, dass die durch Operation Detour gestrandeten Exilterraner nach ihrer Entwaffnung als vollwertige Mitglieder in die Gesellschaft der neuen Erde integriert würden. Sie wiederholt auch, dass die Bevölkerung von Terra abgesehen davon, dass sie von der neuen Welt abgeschnitten wäre, keinerlei Konsequenzen der Schließung spüren würde.

Eine Weile herrscht ein unangenehmes Schweigen. Die Terraner machen lange Gesichter und beraten sich im Flüsterton, darüber hört man das diffuse Schnattern der Journalisten.

Dann unterbricht die Duostimme der beiden Megacomputer die Stille: »Zeitverzögerte Teilchenwelle in Richtung Terra.«

Alle blicken erstaunt auf. Auf der Simulation ist eine Wolke aus kleinsten Pünktchen aufgetaucht.

»Was ist denn jetzt los?«, fragt Compert.

»Keine Ahnung. Das … das hatten wir noch nie.« Forad schaut kritisch zur Außenministerin und zum General, die ebenso perplex dreinschauen.

Die Welle nähert sich dem Leuchtpunkt, der die alte Erde markiert. Die Superintelligenzen zoomen automatisch den Planeten heran, bis er im Mittelpunkt des Raumes schwebt.

Forad studiert die eingeblendeten Erläuterungen. »Das sind dieselben Teilchen wie diejenigen des terranischen Torpedos«, stellt er fest.

»Aber wie können die durch den Tunnel kommen … und in dieser Intensität?«, fragt Compert.

»Eine unendliche Replikationsschleife vielleicht?«

Die Computerstimmen unterbrechen das Gespräch der beiden: »Impact in zehn Sekunden!«

»Umstellen auf den Krisenmodus!«, befiehlt der General.

Dann trifft die Partikelwolke auf die Atmosphäre der alten Erde.

3.

Die Wartungsgondel mit Drystan, Melwas und Togal gleitet still an den gigantischen Tankeinheiten der Tothmarg entlang, hinter einem Geflecht von Trägern, Stützen und Leitungen hindurch, das unregelmäßige Schattenmuster auf die Titanwände wirft.

»Mussten wir unbedingt die Gondel nehmen?«, fragt Drystan. Er blickt nervös auf die weiße Oberfläche von Nola 2, über der sich das pechschwarze All ins Nichts verliert.

»Ist einfach schöner«, meint Torgal, »und beeilen brauchen wir uns auch nicht. Die Information ist ja schon auf der Brücke, der Kommandant will das Ding einfach noch mit eigenen Augen sehen.«

»Hier draußen wirkt die Tothmarg verletzlich wie ein Papierschiff«, meint Melwas und blickt angestrengt zwischen den Trägern durch, als könne er die drei terranischen Kampfschiffe ausmachen, die seit einer Woche vor der Blockade um die Nola-Monde aufgetaucht sind. »Glaubst du, die haben tatsächlich diese Teilchenkanone, mit der sie die Schilde der Tothmarg durchdringen können?«, fragt er nach einer Weile.

»Gut möglich«, sagt Torgal nüchtern, »und wenn, dann zweifle ich nicht daran, dass sie sie auch einsetzen.«

»Dann würden wir alle in einer atomaren Paarzerstrahlung draufgehen«, meint Melwas.

Torgal zuckt die Schultern.

Nach einigen Minuten unangenehmen Schweigens fragt Melwas, wozu Drystan eigentlich diesen Öffner gebraucht habe.

Der Quartiermeister seufzt und macht eine abwehrende Handbewegung.

»Jetzt rück schon raus damit!«, drängt Melwas.

Drystan windet sich um eine Antwort. »Wegen Lyf«, sagt er schließlich leise.

»Lyf Borum?«, fragt Torgal. »Die hübsche Blauhaarige?«

Drystan nickt. »Sie wollte mich treffen.«

»Eben in der Messe wirkte sie total sauer«, sagt Melwas.

Drystan beißt sich auf die Lippen. »Ich hätte Grund sauer zu sein! Sie hat mich einfach versetzt!«

Die Gondel hat nun schon mehr als die Hälfte ihrer langsamen Fahrt an der Außenhülle hinter sich gebracht.

»Sie wollte sich mit mir auf einen Drink treffen. Ich habe extra zwei Flaschen vom Empfang eingepackt. Und den Öffner. Sie hat mich übrigens darauf hingewiesen, ich hätte ihn sonst vergessen.«

»Die schöne Lyf trifft sich mit unserem QM zu einem romantischen Date«, sagt Melwas staunend, »sieh mal einer an.«

»Sie hat gesagt, ich solle einen Öffner mitbringen«, wiederholt Drystan. »Und dann, ich komm runter, mit den Flaschen, und keine Lyf in den Aufenthaltsräumen ihrer Gruppe.«

»Sie hat gesagt, du sollst den Öffner mitbringen?«, fragt Melwas und beginnt zu kichern. »Hast du das gehört«, wendet er sich an Torgal, »er sollte den Öffner mitbringen.«

»Und er geht mit dem Flaschenöffner hin«, kichert nun auch der Kulturoffizier.

Eine Weile schütteln sich die beiden vor Lachen, klopfen sich auf die Schenkel und vergraben das Gesicht in den Händen.

»Könnt ihr mir mal erklären, was daran so lustig ist«, fragt Drystan verärgert.

Es dauert noch eine ganze Weile, bis sich die beiden erholt haben.

»Weißt du wirklich nicht, was es bedeutet, wenn dir eine Ankinerin sagt, du sollst den Öffner mitbringen?«, fragt Melwas schließlich. Er kann sich nur mit Mühe beherrschen.

Drystan schüttelt verwirrt den Kopf.

»Er weiß es tatsächlich nicht«, stellt Torgal kichernd fest.

»Sie hat in ihren Schlafräumen auf dich gewartet«, erklärt Melwas langsam, und als Drystan noch immer nicht begreift, macht er mit Daumen und Zeigefinger der einen und dem ausgestrecktem Zeigefinger der anderen Hand eine unmissverständliche Geste.

»Du meinst …?«, beginnt Drystan, und die beiden anderen nicken tiefsinnig.

Drystan vergräbt den Kopf in den Händen, während die andern noch immer vor sich hin kichern.

Langsam und majestätisch taucht hinter der letzten Tankeinheit der Kommandoturm auf.

4.

Die Positronenwolke trifft auf die alte Erde, und sofort verschieben sich die Kurven auf den neu eingeblendeten Schemata. Forad runzelt die Stirn.

»Das ist der Krisenmodus«, erklärt Compert flüsternd, »er zeigt die voraussehbaren Verluste bei einer Katastrophe und berechnet die Bevölkerungsentwicklung in den Folgejahren.«

»Zehn Prozent der Menschheit direkt ausgelöscht«, liest Forad ungläubig, »Erholung innerhalb von … hundertzwanzig Jahren?«

»Seltsam, das hatten wir noch nie. Kann es ein Fehler in der Simulation sein?«

»Ausgeschlossen. Im Gegenteil …« Forad schweigt, während unten die Außenministerin und der General hektisch mit Stabsmitgliedern und Offizieren diskutieren. Noch größer ist die Aufregung beim terranischen Vizebotschafter und seinem Stab.

»Wir haben bisher nur mit vereinfachten Simulationen gearbeitet«, erklärt Forad, »bei den Kosten. Diese hier muss Faktoren berücksichtigen, die uns nicht bekannt waren.«

Plötzlich tritt auch bei den beiden Stäben Schweigen ein, alle starren auf die Projektion der alten Erde und die Bildschirme mit den Verlustrechnungen. Auf den Journalistenrängen geht es zu, als wäre man in ein Nest ubarekischer Stachelhäher getreten.

»Massive Strahlung, Anstieg der Temperatur, Verschiebung des Magnetfelds«, erklären die Computer emotionslos.

»Tektonische Bewegungen, Ausbruch mehrerer Vulkansysteme.« Die Überlebenskurve sackt nach unten, um innerhalb des dargestellten Bereichs nicht wieder anzusteigen.

Tsunamis und Wirbelstürme globalen Ausmaßes folgen.

»Warum diese Tsunamis?«, fragt Forad, mehr für sich selbst. »Sehen Sie«, ruft er plötzlich und packt Compert am Arm. Der irdische Mond scheint aus seiner Bahn geraten zu sein. »Kollision des terranischen Mondes auf Terra in zwölf Sekunden«, erklären die Superintelligenzen noch mit monotoner Beiläufigkeit, als sich der ganze Projektionsraum erneut mit atemberaubender Geschwindigkeit durch das Universum zu bewegen scheint. Die Stäbe auf der unteren Tribüne klammern sich an das Geländer, Forad und Compert sitzen wie versteinert in ihren Stühlen. Ein anderer Ort im Universum wird herangezoomt.

»Das ist doch …«

»Die neue Erde, ja.«

Mittlerweile haben auch die Terraner die Umschaltung bemerkt und protestieren heftig.

Der grüne Planet mit den weißen Wolkenbändern sieht noch gesund aus. Aber dann erscheint auch hier eine Teilchenwolke. Die Überlebenskurve sinkt tief hinunter, steigt nur sehr flach wieder an. Verstrahlung und Magnetfeldverschiebungen sorgen für einen weiteren Dämpfer, nach dramatischen Temperaturanstiegen bleibt die Kurve schließlich ganz am Boden. Dann bemerken Forad und Compert, wie die drei Monde des Nola-Systems langsam und graziös von ihren angestammten Positionen abdriften und sich auf den Planeten zubewegen. Eine gigantische Explosion folgt, eine Staubwolke schießt bis weit ins Sonnensystem hinein, wo mittlerweile auch andere Planeten ihre mit grünen Haarlinien markierten Umlaufbahnen verlassen, und wie von einem unbekannten Mahlstrom angezogen zu dem Punkt im Universum streben, wo zuvor der Hyperraumtunnel war. Planeten kollidieren in fürchterlich schönen Explosionen, ziehen Streifen und Funkenschleier hinter sich her.

»Verschiebungen im Raumzeitkontinuum«, erklären die Intelligenzen unisono, »Stagnation in der Ausdehnung des Universums, Zusammenziehen desselben.«

Mit grenzenlosem Erstaunen stellen Forad und Compert fest, wie sich das ganze Koordinatensystem auf den ehemaligen Tunnelpunkt hin zusammenzieht, als würde es von einem gigantischen Staubsauger eingesaugt. Immer schneller und schneller, bis es ganz in diesem Loch ohne Ausdehnung verschwunden ist.

Dann fällt das Bild aus. Einige Sekunden herrscht Stille und die Anwesenden blicken sich erstaunt um, als wären sie aus einem bösen Traum erwacht.

»Ist die Simulation zusammengebrochen?«, fragt Forad aufgeregt.

»Nein«, sagt Compert langsam und ernst, »das ist die Simulation.«

»Da ist nichts mehr!«

»Nein, nichts mehr.«

Die beiden Superintelligenzen wiederholen unablässig ihren letzten Kommentar, nur zwei Wörter: »Big Crunch. Big Crunch. Big Crunch. Big Crunch!«, mit Stimmen, die lauter und lauter werden und sich zu überschlagen beginnen.

Die Stabsoffiziere und Wissenschaftler diskutieren, gestikulieren, telepathieren, während die Systemanalytiker und -psychologen zu den Computern stürzen, die sich in ihrem »Big Crunch. Big Crunch. Big Crunch«-Mantra aufgehängt haben und immer verzogener und schriller klingen. Die Journalisten stehen an der Grenze zum kollektiven Kollaps.

»Die Computer spielen total verrückt«, stellt Forad fest.

»Für sie ist das real«, meint Compert. »Wir können froh sein, wenn sie nicht zusammenbrechen.«

Endlich schaffen es die Techniker, die Superintelligenzen zu beruhigen. Wieder stellt sich eine unangenehme Stille ein, die erst nach einigen Sekunden durch nervöses Tuscheln unterbrochen wird.

»Was genau ist ein Big Crunch?«, fragt Compert vorsichtig.

»Ein umgekehrter Urknall«, erklärt der Hyperraumphysiker. »Das Universum implodiert, fällt in sich zusammen, in einen einzelnen Punkt ohne Ausdehnung.«

»Das heißt, wenn Operation Detour ausgelöst wird …«

»… ist es das Ende des Universums«, ergänzt Forad mit schwacher Stimme.

»Sollten die Terraner also auch nur einen Torpedo auf die Tothmarg abschießen …«, überlegt Compert. »Wir müssen das Ding abstellen, so schnell es geht!«

»Das dauert mindestens einen Tag, bei all den Sicherheitsvorkehrungen«, meint Forad verzweifelt. »In der Zwischenzeit …«

Forad wischt sich den Schweiß von der Stirn, Compert ist bleich geworden.

In der nächsten halben Stunde herrscht ein heilloses Durcheinander im Strategiezentrum. Aber immerhin geht bereits in den ersten Minuten nach dem Ende der Simulation eine dringende Devise raus, dass jede Eskalation zu vermeiden sei. Höchste Priorität!

5.

QM Sergeant Drystan war noch nie auf der Kommandobrücke der Tothmarg und blickt sich ängstlich und verwundert um. Offiziere, Techniker und Soldaten arbeiten an Konsolen, mit dünnen Fäden an Telepathografen, Sekundär- und Tertiärgehirne angeschlossen, diskutieren auf Projektionswänden abgebildete Sternkarten, Schemata, Grafiken und technische Pläne. Andere gehen, allein oder in Gruppen, begleitet von Kommunikationsdrohnen und Kleinrobotern, durch den weiten Raum mit der niedrigen Decke, von der große, runde Lampen ein rötliches Licht auf die weiß uniformierten Gestalten werfen. Die Stimmung wirkt gelöst, trotz der angespannten Lage; vielerorts hört man fröhliches Plaudern und Lachen, ein Miniroboter kurvt mit Erfrischungsgetränken und Snacks herum. Im Zentrum der Brücke steht eine Sitzgruppe aus dicken Polsterstühlen und Sofas, auf denen einige Offiziere sitzen, zurückgelehnt, die Beine übereinandergeschlagen. Eine rundliche Frau erhebt sich, als sie die drei Ankömmlinge bemerkt. Es ist Fähnrich Ela Leflys, die Stabsadjutantin, mit der Togal zuvor telepathiert hat. Sie kommt grinsend auf die drei zu und schüttelt ihnen die Hände.

»Sie haben also das Weltkreuz gestohlen?«, fragt sie den QM Sergeant.

»Nein«, wehrt sich dieser, »ich habe es rein versehentlich …«

»Schon klar«, unterbricht sie ihn lachend. Dann richtet sie das Wort an alle drei: »Wir haben die Sache durch die Strategierechner laufen lassen und sind zum Schluss gekommen, dass es besser ist, den Terranern nichts zu sagen.«

»Die Sache verheimlichen?«, fragt Drystan ungläubig.

»Ich weiß, dass ein solches Vorgehen für unsere Kultur undenkbar ist«, sagt Leflys, »aber in diesem Fall müssten wir, gestützt auf unsere jahrelangen Erfahrungen mit terranischer Psychologie und Kommunikation, mit irrationalen Reaktionen und einer erneuten Eskalation rechnen. Außerdem laufen die Mediationsbemühungen zurzeit sehr gut.«

In der Zwischenzeit ist ein kleiner Mann von der Sitzgruppe aufgestanden und kommt auf die vier zu. Er hat ein gemütliches, rundliches Gesicht und einen weißblonden, kurzgeschnittenen Krauskopf.

»Admiral Olwen«, flüstert Melwas.

Die drei senken respektvoll die Köpfe, als sich der Kommandant zu ihnen gesellt.

»QM Sergeant Cor Drystan, nicht wahr?«, wendet er sich an den QM. Dann fällt sein Blick auf den Gegenstand in Drystans Hand. »Ist das das Weltkreuz?«

»Ich hab es für einen Flaschenöffner gehalten«, erklärt dieser.