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Es handelt sich um eine Stadtgeschichte von Oberhausen als Studienausgabe.
Das E-Book Oberhausen: Eine Stadtgeschichte im Ruhrgebiet Bd. 2 wird angeboten von Laufen, K M und wurde mit folgenden Begriffen kategorisiert:
Stadtgeschichte Oberhausen
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Seitenzahl: 853
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Oberhausen
Eine Stadtgeschichte im Ruhrgebiet
Studienausgabe
Herausgegeben von Magnus Dellwig und Peter Langer
unter Mitarbeit von Otto Dickau, Klaus Oberschewen und Burkhard Zeppenfeld
Band2: Oberhausen im Industriezeitalter
Verlag
Die Herausgeber und der Verlag bedanken sich bei den Sponsoren für die großzügige Unterstützung. Nur so konnte die Studienausgabe der Oberhausener Stadtgeschichte realisiert werden.
Bibliografische Information derDeutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
© Verlag Karl Maria Laufen
Oberhausen 2014
Alle Rechte vorbehalten
1. digitale Auflage: Zeilenwert GmbH 2014
Autoren und Herausgeber haben sich bemüht, alle Bildrechte zu klären. Sollte dies im Einzelfall nicht oder nicht zutreffend gelungen sein, wird um Nachricht an den Verlag gebeten.
Bildredaktion: Ingo Dämgen
Register: Saskia Eßer
ISBN 978-3-87468-326-5
ISBN des Gesamtwerkes: 978-3-87468-316-6
Band1: Oberhausen in vorindustrieller Zeit
Band2: Oberhausen im Industriezeitalter
Band3: Oberhausen in Krieg, Demokratie und Diktatur
Band4:
Cover
Titel
Impressum
Überblick über das Gesamtwerk
Grußwort
Vorwort der Herausgeber
■ BURKHARD ZEPPENFELD
Das Werden der Industriestadt Oberhausen
Von den Anfängen der industriellen Entwicklung bis zum „Take off“ in der Mitte des 19. Jahrhunderts
1. Wirklich eine Einöde: Die ökonomische Lage im Raum Oberhausen zu Beginn der industriellen Entwicklung
2. Die Gründung der St. Antony-Hütte oder: Wie westfälische Schinken die Hüttenindustrie des Ruhrgebiets begründeten
3. Pleiten, Flucht und schlechter Guss: Der lange Weg zur Rentabilität der St. Antony-Hütte
4. Konkurrenz verdirbt das Geschäft: Die Gründung der Hütte Gute Hoffnung im preußischen Sterkrade
5. Die Dritte im Bunde: Die Hütte Neu-Essen im Reichsstift Essen
6. Mit Gebetbuch und Pistole: Der Zusammenschluss dreier Eisenhütten
7. Ohne Konkurrenz: Die Entwicklung der JHH bis zur Ankunft der Eisenbahn
■ MAGNUS DELLWIG
Die Gemeindegründung und Stadtwerdung der Industriestadt Oberhausen
Vom Impulsgeber Eisenbahn 1846 bis zum Ausbau als industriell geprägte Großstadt 1914
1. Die Bürgermeisterei Oberhausen–eine Gründung für die Industrie
2. Grundlagen und Prozesse der Stadtentwicklung–Wirtschaft und Raumbildung
3. Bevölkerung und soziale Schichtung
4. Kommunalpolitik für die Industrie, Kommunalpolitik für die aufstrebende Stadt
5. Stadt und Lebensqualität–die Stadtentwicklungskonzeption
6. Die Gemeindegrenzen–Entdeckung des Instrumentes der Stadterweiterung
7. Verkehr: Erstrangige Aufgabe in der Industriestadt
8. Finanzen–Verteilungspolitik im Entscheidungsfeld wirtschaftlicher Interessen
9. Umwelt und Wirtschaft–Baugenehmigungen und Gewerbekonzessionierung
10. Die „Städtetechnik“–Versorgung und Entsorgung
11. Kirche, Schule und Kultur
12. Soziales, Gesundheit und Wohnen
13. Arbeitsmarktpolitik: Die Politik nimmt Einfluss auf die Arbeitsbeziehungen
14. Stadtwerdung und Stadtentwicklung in Oberhausen zwischen 1862 und 1914–eine Bilanz
■ KLAUS OBERSCHEWEN
Arbeiterkämpfe um Lohn und Lebenszeit
Streiks und Auseinandersetzungen in Oberhausen 1872 bis 1912
■ HELMUT RÖNZ
Osterfeld in der Zeit der Industrialisierung
Von den Gründerjahren bis zur Eingemeindung nach Oberhausen 1870 bis 1929
■ OTTO DICKAU
Sterkrade
Ein Dorf im Aufbruch zur Industriestadt 1840 bis 1929
Zeittafeln
Zeittafel zur Geschichte von Alt-Oberhausen
Zeittafel zur Geschichte von Osterfeld
Zeittafel zur Geschichte von Sterkrade
Zeittafel zur Geschichte von Holten
Danksagung
Abkürzungen
Begriffserläuterungen
Anmerkungen
Register
Autoren
Abbildungsnachweis
Klappentext
2012 wurde Oberhausen 150 Jahre alt. Das war und ist ein guter Grund sich zu erinnern. Immer wieder haben mich im Laufe der Jahre Oberhausenerinnen und Oberhausener angesprochen, ob es nicht mal wieder Zeit würde für ein neues Oberhausen-Geschichtsbuch.
Immerhin ist das letzte 1965 erschienen, das ist fast ein halbes Jahrhundert her. Den Anstoß, von der Idee zur konkreten Umsetzung zu kommen, gab die Verabschiedung von Dr.Peter Langer als Leiter der Heinrich-Böll-Gesamtschule Mitte 2009. Damals habe ich ihn, den Vorsitzenden der Historischen Gesellschaft Oberhausen (HGO), gebeten, in seiner hinzugewonnenen Freizeit sich um ein neues Stadtgeschichtsbuch für Oberhausen zu kümmern.
Er hat die Aufgabe angenommen und sie gemeinsam mit seinem Mitherausgeber Dr.Magnus Dellwig sowie den Autorinnen und Autoren, dem Redaktions- und dem Herausgeberteam zum Erfolg geführt.
Pünktlich zum Jubiläumsjahr 2012 lag ein neues und umfassendes Werk über die Stadtgeschichte vor. Es gliedert sich in vier Bände:
■ Band1 beschreibt die vorindustrielle Zeit bis zum 19. Jahrhundert. Er stellt die Stadtteile in den Mittelpunkt für eine Zeit, zu der es Oberhausen noch nicht gab.
■ Band2 setzt 1758 an. Er schildert die Industrialisierung und die Stadtbildung von der Gründung der St. Antony-Hütte bis ins frühe 20. Jahrhundert.
■ Band3 befasst sich mit dem Zeitraum von 1914 bis 1945 und stellt dabei die politische Geschichte in den Mittelpunkt.
■ Band4 ist zeitlich gesehen der aktuellste Band. Er behandelt die Zeitgeschichte nach dem Zweiten Weltkrieg. Dabei macht ihn die Vielseitigkeit der thematischen Zugänge zur Stadtgeschichte besonders lesenswert.
Beeindruckende 35 Autorinnen, Autoren und Interviewpartner haben die Stadthistorie aufgearbeitet und auf mehr als 1.800 Seiten dargestellt. Das ist bislang einmalig in der Geschichte der Städte im Ruhrgebiet. So ist ein überaus spannendes Bild von der Entwicklung Oberhausens entstanden, das eine große Verbreitung und Leserschaft verdient.
Mein ganz besonderer Dank gilt den zahlreichen Autorinnen und Autoren, die in ihrer Freizeit mit großem Zeitaufwand und noch größerem Enthusiasmus dieses umfassende Oberhausener Geschichtsbuch geplant, geschrieben und herausgegeben haben.
Die Erstveröffentlichung im September 2012 fand bei der geschichtsinteressierten Bürgerschaft derart großes Interesse, dass die neue Stadtgeschichte schon zu Weihnachten 2012 vergriffen war.
Den Herausgebern ist es daraufhin gelungen, finanzielle Förderer und den Oberhausener Verlag Karl Maria Laufen für eine Neuveröffentlichung als Studienausgabe zu gewinnen. Diese verfolgt den hohen Anspruch, allen Interessierten in Stadt und Wissenschaft das Werk zu attraktiven Konditionen erneut zugänglich zu machen. Ebenfalls ist beabsichtigt, Folgebände zu Themen von gesamtstädtischer Bedeutung zu veröffentlichen. Dafür danke ich allen Beteiligten im Namen der Stadt Oberhausen, ihrer Bürgerinnen und Bürger ausdrücklich.
Glück auf und viel stadtgeschichtliches Lesevergnügen!
Klaus Wehling
Oberbürgermeister
Liebe Leserin, lieber Leser,
in dem Ihnen vorliegenden Band2 des vierbändigen Werkes Oberhausener–eine Stadtgeschichte im Ruhrgebiet, veröffentlicht anlässlich des 150. Jubiläums der Gründung der Bürgermeisterei Oberhausen 1862, erhalten Sie einen Einblick in die Vorgänge der Industrialisierung und der Verstädterung, die den Raum der Stadt Oberhausen in ihren Grenzen von 1929 erfasste, prägte und tiefgreifend veränderte.
Den Einstieg in die Oberhausener Industriegeschichte macht Burkhard Zeppenfeld mit der Geschichte der drei Eisenhütten in Osterfeld, Sterkrade und Lirich-Lippern. Anschaulich wird die Entwicklung geschildert von der Gründung der St. Antony-Hütte 1758, der ältesten Eisenhütte im Ruhrgebiet, über die Vereinigung mit den Hütten Gute Hoffnung (Sterkrade) und Neu-Essen (Lippern) in der Hüttengewerkschaft und Handlung Jacobi, Haniel und Huyssen 1808 bis zum Durchbruch der Industrialisierung Mitte des 19. Jahrhunderts.
Im Mittelpunkt von Band2 steht die Darstellung der Stadtwerdung Alt-Oberhausens durch Magnus Dellwig im Zeitraum von 1846, als die Köln-Mindener Eisenbahn durch die Lirich-Lipperner Heide mit ihren nur etwa 1.000 Einwohnern gebaut wurde, bis zum Ersten Weltkrieg, als die Stadt Oberhausen 1915 mit 103.000 Einwohnern die Schwelle zur Großstadt überschritt. Wechselseitig sowohl Grundlage als auch Folge dieses stürmischen Prozesses waren die rasant verlaufende Besiedlung des städtischen Raumes sowie die Herausbildung einer Fülle städtischer Einrichtungen. Diese reichten von der Gemeindeverwaltung bis zu technischen Einrichtungen, wie die Versorgung mit Wasser, Gas, Strom und Nahverkehr. Hinzu trat die Auffächerung eines vielfältigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens. Angesichts dieser vollständigen Veränderung des dünn besiedelten agrarischen Raumes zu einer dynamischen Industriegroßstadt steht in diesem Beitrag die so genannte „moderne Stadtgeschichte“ im Sinne einer umfassenden Strukturgeschichte des städtischen Lebens im Mittelpunkt der gewählten Darstellungsweisen von Stadtgeschichte.
Die Bedeutung großer Streikbewegungen von 1872 bis 1912 für die Herausbildung von Gewerkschaften als zentraler Organisation der Arbeiterbewegung in der Industrie- und Arbeiterstadt Oberhausen und im gesamten Ruhrgebiet erläutert Klaus Oberschewen.
Mit Blick auf die Zusammenfassung der drei vormals selbstständigen Städte Oberhausen, Sterkrade und Osterfeld im Jahr 1929 schließt Band2 ab mit der Geschichte Sterkrades und Osterfelds. Die Entwicklung der beiden nördlichen Oberhausener Stadtbezirke wird dargestellt von ihrer Erfassung durch die Hochindustrialisierung um 1840 (Sterkrade) durch Otto Dickau bzw. um 1870 (Osterfeld) durch Helmut Rönz bis zu ihrer Vereinigung mit Oberhausen 1929.
Als Herausgeber möchten wir noch auf Folgendes hinweisen: Am Ende der vier Bände finden Sie jeweils eine Reihe von Begriffserläuterungen. Auf die dargestellten Begriffe wird im Text mit einem grauen Dreieck (▶) aufmerksam gemacht. Sodann möchten wir darauf hinweisen, dass die Autorinnen und Autoren für die mitunter wertenden Aussagen in ihren Beiträgen allein verantwortlich sind.
Die schriftliche Darstellung historischer Prozesse wird nie den Geschmack aller treffen. Es wird stets andere Meinungen geben. Das ist gut und notwendig, wenn neue Sehweisen vorgestellt und diskutiert werden. Die hier versammelten Autorinnen und Autoren wünschen sich eine sachliche und offene Auseinandersetzung, denn sie haben nach Zeit und Umständen das Möglichste geleistet.
Konstruktive Kritik ist immer erwünscht und wird unter [email protected] entgegengenommen. Anonym verfasste Kommentare werden allerdings nicht beantwortet. Die Mitglieder der Redaktion und alle Autorinnen/Autoren wünschen den Leserinnen und Lesern eine interessante und erkenntnisreiche Lektüre.
Oberhausen, November 2014
Magnus Dellwig
Peter Langer
Burkhard Zeppenfeld
Burkhard Zeppenfeld
Als „wüste Haide“, „Einöde“ oder „trostlose Gegend“ beschrieben Reisende die Region, in der später die erste Eisenhütte des Ruhrgebiets entstehen sollte. Damit stellt sich die Frage: Wie sah die Region, die sich heute „Wiege der Ruhrindustrie“ nennt, vor dem Beginn des industriellen Zeitalters aus? Und weiter: Wovon lebten die Menschen in der Zeit, als sie noch nicht in die Zechen oder Hüttenwerke strömten?
Mehrere Beschreibungen geben in der Zeit zum Beginn des 19.Jahrhunderts ein anschauliches Bild von der Landschaft rund um das spätere Oberhausen. Sie lassen ahnen, wie beschwerlich der Alltag der wenigen Bewohner gewesen sein muss. 1794 fuhr Christian Friedrich Meyer von Borbeck nach Wesel und traf auf eine unwirtliche Landschaft, die er in seinen 1797 veröffentlichten „Ansichten einer Reise durch das Clevische und einen Theil des Holländischen“ beschrieb:
„In der Gegend von Starkrat fangen die großen, wüsten Haiden an, welche bis eine Stunde vor Wesel fortlaufen, und den nicht mindesten Menschenfleiß zu ihrer Verbesserung anzeigen. Gleich einer Wüste Arabiens, allwo die nach Mekka wallfahrende muhamedanische Karavane nichts, als unbebaute wüste Blößen antrifft, so trifft man in dieser Gegend äußerst selten etwas anders als Reisenden. Der schlechte Sandgrund dürfte wohl bisher einen jeden abgehalten haben, eine vernünftige, zweckmäßige Verbesserung in der Benutzung zu befangen.“1
Ähnlich äußerte sich auch Pierre-Hippolyte-L.Paillot in seinem Tagebuch eines Emigranten. Paillot, der 1794 als Flüchtling vor der Französischen Revolution an den Rhein und an die Ruhr kam, fiel der Unterschied zwischen seiner Heimat, dem ökonomisch weit entwickelten Norden Frankreichs, und der öden Gegend nördlich der Ruhr besonders auf. Entsprechend drastisch fällt seine Beschreibung einer Fahrt von Duisburg nach Dorsten aus, bei der er durch die Gegend des späteren Oberhausens gekommen sein muss:
Abb.1: Titelblatt des Bandes „Ansichten einer Reise durch das Clevische und einen Theil des Holländischen…“ von Christian Friedrich Meyer (1797)
„Etwa eine Stunde nach der Überfahrt [über den Rhein, B.Z.] fuhren wir durch eine weite Heidelandschaft, die sich bis Dorsten zog. Allein ein kleiner Weiler [möglicherweise Sterkrade, B.Z.] konnte diese Eintönigkeit durchbrechen. Dort war ein schönes Wirtshaus, in dem wir einen Halt zum Abendessen machten. Da es das einzige auf dieser Straße war, standen dort sehr viele Wagen, die den Weg sogar versperrten. In der Nähe waren mehrere Schmieden, die ich mir gern angesehen hätte, wenn ich Zeit gehabt hätte, aber wir brachen sofort auf und fuhren wieder durch diese Heide, die einem nur Wehmut einflößen konnte. Bis ins unendliche waren nur vereinzelte, absterbende Bäume zu sehen, sowie Sandhaufen, die vom Winde weggeweht wurden und die sich zwischen einigen Wacholderbäumen und dürrem Gras ausstreckten. Selten sahen wir ein paar Strohhütten, von armen Bauern bewohnt, die das Gras mähten, um daraus ihr Feuer zu machen. Wir fuhren die Höhen hinauf in der Hoffnung, einen angenehmeren Horizont zu entdecken. Es blieb, wie es war. So weit das Auge reichen konnte, war keine Spur von Ackerbau zu sehen. Das war wirklich eine Einöde.“2
Bis in die 1820er Jahre hinein änderte sich nicht viel am Zustand dieser Landschaft. So konnte auch die westfälische Dichterin Annette von Droste-Hülshoff in ihren 1824 verfassten „Westfälischen Skizzen und Landschaften“ über die Gegend nur feststellen:
„Eine trostlose Gegend! Unabsehbare Sandflächen, nur am Horizonte hier und da von kleinen Waldungen und einzelnen Baumgruppen unterbrochen. Die von Seewinden geschwängerte Luft scheint nur im Schlafe aufzuzucken. Bei jedem Hauche geht ein zartes, dem Rauschen der Fichten ähnliches Geriesel über die Fläche und säet den Sandkies in glühenden Streifen bis an die nächste Düne, wo der Hirt in halbsomnambuler Beschaulichkeit seine Socken strickt und sich wenig um uns kümmert, wie sein gleichfalls somnambuler Hund und seine weidenden Heidschnucken.
Schwärme badender Krähen liegen quer über dem Pfad und flattern erst auf, wenn wir sie fast greifen können. […] Aus einzelnen Wacholderbüschen dringt das klagende möwenartige Geschrill der jungen Kiebitze, die wie Tauchervögel im Schilf in ihrem stacheligen Asyle umschlüpfen und bald hier bald drüben ihre Federbüschel hervorstrecken. Dann noch etwa jede Meile eine Hütte, vor deren Tür sich ein paar Kinder im Sande wälzen und Käfer fangen und allenfalls ein wandernder Naturforscher, der neben seinem überfüllten Tornister kniet und lächelnd die zierlichen versteinerten Muscheln und Seeigeln betrachtet, die wie Modelle einer früheren Schöpfung verstreut liegen–und wir haben alles genannt, was eine lange Tagesreise hindurch eine Gegend belebt, die keine andere Poesie aufzuweisen hat, als die einer fast jungfräulichen Einsamkeit und einer weichen traumhaften Beleuchtung.“3
Noch zu Beginn des 19.Jahrhunderts herrschten also in der Region des späteren Oberhausens Heide- und Waldflächen vor, die von moorartigen Gebieten durchbrochen wurden. Die Region war weitgehend unbesiedelt, von einigen kleineren Orten wie Sterkrade, Osterfeld und Holten abgesehen. Die dort wohnenden Menschen lebten vor allem von Holz-, Streu- und Weidenutzung oder Plaggenwirtschaft–eine landwirtschaftliche Betriebsweise, bei der Rasenteile vermischt mit Viehmist zur Düngung des Bodens verwendet wurden. Teilweise hatten sie sich für diese Arbeiten genossenschaftlich organisiert. Nur bei Holten und nach Süden zur Ruhr in den Bereichen um Lirich, Lipppern, Styrum und Alstaden nahm der Anteil der Ackerflächen etwas zu. Hier konnte von Bauern und Köttern Ackerbau betrieben werden, auch wenn es sich in Emschernähe um schwere, nicht besonders fruchtbare Böden handelte.4 Als weitere Erwerbsmöglichkeit kam die Viehhaltung hinzu, die jedoch durch die wenig fruchtbaren Böden ebenfalls sehr eingeschränkt war. Aus den agrarischen Tätigkeiten resultierten kleinere Gewerbe wie die Schnapsbrennerei–besonders aus den Beeren des weit verbreiteten Wacholderstrauches–und die Brauerei. Auch mehrere Mühlen konnten in der Umgebung als agrarisches Nebengewerbe existieren.
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