Oberwasser (Havariewaren) - Sigrid Behrens - E-Book

Oberwasser (Havariewaren) E-Book

Sigrid Behrens

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Beschreibung

"Ein Schiff wird kommen", hieß es früher, heute kommt es nicht mehr, sondern fährt vorbei, und also geht es auch in diesem Stück: um die ausbleibende Rettung. Eine Handvoll Männer – wie viele es genau sind, bleibt der Regie überlassen – unterhalten sich lustvoll über hoffnungsloses Warten, über die Unübersichtlichkeit globaler Warenströme und über Attrappen aller Art, derweil sie über das Deck ihres Traumschiffes parlieren, äh paradieren. Wer aber sind diese Männer? Staatsmänner, Seemänner, Fremdenverkehrsführer oder doch nur Schauspieler? Sind sie unsere Rettung oder unser Untergang? Und wessen Kunde ist hier König? Oberwasser (Havariewaren) ist ein Versuch der kollektiven Weißwaschung mit den Mitteln der Seefahrt, des Tourismus' und der Mülltrennung. Es will unterhalten, wo man besser schwiege, und schweigen, wenn man am besten lacht. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen." (Sigrid Behrens)

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EPUB

Seitenzahl: 34

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Sigrid Behrens

Oberwasser (Havariewaren)

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Besetzung: Ad Libitum

Ein Stück für viele Schauspieler und einen Text. Wobei Schauspieler hier keine Frauen meint. Ein Stück für Männer, die miteinander reden, sich pausenlos ins Wort fallen und am Ende tief, bis auf den Grund. Nicht des Meeres, da kommen sie nie an, vielleicht ihrer selbst, aber wer weiß das schon. Wo immer sie schlussendlich landen: Der Text hält sie nicht auf. Dieser Text ist keine Fläche, er ist nicht dicht, er hält nicht, was er verspricht. Er taugt weder zum Paradieren noch zum Spazieren, erst recht nicht zum Blenden, aber wen wundert das, bei dem ganzen Geschrubbe; kein Spiegel, keine Fläche, nicht einmal eine Insel ist dieser Text, höchstens eine aus Müll, eine von diesen Inseln, die sich über die Weltmeere treiben lassen und die ozeanische Fauna ersticken. Was hieße, dass er schwimmen kann, immerhin. Stumpf blenden und schwimmen, dazu ist dieser Text Manns genug. Oder tut er nur so?

Alles Quatsch, sagt die Autorin. Nur die Schauspieler sind echt. Männer wie Frauen. Der Text ist ein Text ist ein Text.

Personen:

Ein Schiff fährt an der Küste entlang. Es ist ein großes Schiff.

Es ist eines dieser Schiffe, das Platz hat für eine Kleinstadt, deshalb ist es auch so aufgebaut. Freizeitangebote, Shoppingmeile, Wellnessbereich.

Einen Arzt haben die da auch.

Großartig.

Und Heizdecken. Falls es mal kühl wird. Selbst Kinderbetreuung, so richtig mit ohne Bildschirm. Bälleparadies, Bastelgruppe, Bücherclub–

Bewegungsschule sozusagen.

Zum Glück sind kaum Kinder an Bord.

Ein Schiff wie eine Kleinstadt schippert an der Küste entlang. Die Küste gibt sich malerisch, sonst wäre das Schiff gar nicht gekommen.

Es kommt auch nicht. Dies ist kein Liebesspiel. Das Schiff fährt einfach vorbei und lässt die Landschaft links liegen.

Rechts.

Dann halt rechts, ist doch egal. Das Schiff lässt alles stehen und liegen, was da eben so steht und liegt.

Zum Glück nicht in seinem Weg. Wobei–

Dazu mehr später.

Kein Liebesspiel? Also ich hab mich jetzt schon verliebt. Ganz ehrlich. Ich habe mich in diese malerische Küste verliebt und in diese Aussicht und dieses verdammt gute Gefühl, das ich hab, wenn ich über das Deck flaniere. Das nenn ich mal Promenade.

Dieses Schiff.

Dieses Schiff gibt mir ein verdammt gutes Gefühl. Echt.

Dieses Schiff schiebt sich gefühlvoll an der Landschaft vorbei, als koste das nichts, dabei kostet es ein Vermögen. Hier sind ja selbst die Innenkabinen so teuer, dass–

Eine Frage der Prioritäten.

Als Liebhaberei würde ich das nicht bezeichnen.

Und dabei kann man da nicht mal aufs Meer gucken, von den Innenkabinen! Da hängen nur Attrappen vor den Bullaugen. Und die sind auch nur aus Pappe. Also wenn einem da schlecht wird–

Na, dann gibt es eben keinen Horizont, an den man sich halten kann. Dann schaukelt das Papp-Panorama eben mit, genau wie das Schiff, ja und.

Ja und dann: gute Nacht.

Man kann ja auch an Deck gehen, wenn man sich am Horizont festhalten will.

Also ich mag mein Panorama.

Außerdem ist die Beleuchtung wirklich gut gelungen, da hat sich ein Lichtdesigner wirklich ins Zeug gelegt, richtig liebevoll find ich das.

Also als Liebhaberei–