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Karl Bruckmaier beschreibt den Pop, der nicht einmal ein Vier-Buchstaben-Wort sei, als eine Form der Selbstermächtigung und Selbstaneignung der Kunst und damit eine Erweiterung des Zugangs zu den künstlerischen Produktionsmitteln: "Pop ist die Kunst der vielen, ist die Kunst der Menschen, die sich im Lauf der Jahrzehnte, nein Jahrhunderte selbst ermächtigt haben zu Wesen, die sich von den Priestern, vom Adel, vom Bürger und seinem Genie nicht mehr erklären lassen wollen, was gut ist und was schlecht, was Wert hat und was keinen."
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Seitenzahl: 14
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Karl Bruckmaier OBI oder das Streben nach Glück
Eine Baumaterialsammlung
Pop ist nur ein Drei-Buchstaben-Wort. Pop ist nicht einmal ein Vier-Buchstaben-Wort1 wie LOVE, HATE, FUCK oder SHIT. Pop ist mehr ein Geräusch als ein Wort. Pop macht der Bügelverschluss einer Limonadenflasche. Pop macht der Korken, wenn er aus der Weinflasche glitscht. Pop macht ein dicker Schmatz auf die Backe. Pop. Pop. Pop. Und dann macht Andy Warhol Pop. Pop ist jetzt eine Suppendose, ein Pappkarton, ein Luftballon. Pop ist simpel, billig, schnell. Pop ist das Gegenteil vom Rest. Noch so ein Vier-Buchstaben-Wort: Rest. No rest for the wicked.2 Pop ist also wicked: böse, gemein, verschlagen. Ja, auch das.
Denn Pop ist die Kunst der vielen, ist die Kunst der Menschen, die sich im Lauf der Jahrzehnte, nein Jahrhunderte selbst ermächtigt haben zu Wesen, die sich von den Priestern, vom Adel, vom Bürger und seinem Genie nicht mehr erklären lassen wollen, was gut ist und was schlecht, was Wert hat und was keinen. Pop ist die Lebensäußerung jener, von denen Oscar Wilde3 geweissagt hat, dass sie »undankbar, unzufrieden und unbotmäßig« zu sein haben – die Besten unter den Armen, wie er es in der Sprache seiner Zeit nennt. Und: »Sie haben ganz recht, so zu sein!« Denn was ihnen das Gefäß namens Geschichte bis dato zu bieten hatte, waren Verachtung, Vernutzung, Tod. Stillstand.
