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Der Anruf kommt aus Mailand: Trimmel soll am Hamburger Flughafen einen Mann treffen, den er angeblich kennt. Der Mann heißt Bergusson, und Trimmel erinnert sich: Ein Manager im Ölgeschäft, cool und clever. Aber auch ein Mann mit einer fixen Idee: Seit seine Frau bei einem Sprengstoffattentat ums Leben gekommen ist und die Polizei den mutmaßlichen Bombenleger Racadi entwischen ließ, will Bergusson ihn selbst fassen. Jetzt hat er ihn – aber er will ihn unbedingt der deutschen Justiz ausliefern. Bergusson hat deshalb zum äußersten Mittel gegriffen: Er hat die Linienmaschine Mailand-Beirut entführt, in der Racadi sitzt, und die Piloten gezwungen, Kurs auf Hamburg zu nehmen. Ein perfekter Plan? Vor allem ein gefährlicher. Denn Racadi schöpft Verdacht und nimmt eine Stewardess als Geisel. »Ohne Landeerlaubnis«, als TATORT verfilmt, kann sich mit den internationalen Klassikern des Krimi-Genres messen.
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Seitenzahl: 237
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Friedhelm Werremeier
Ohne Landeerlaubnis
Ihr Verlagsname
Der Anruf kommt aus Mailand: Trimmel soll am Hamburger Flughafen einen Mann treffen, den er angeblich kennt. Der Mann heißt Bergusson, und Trimmel erinnert sich: Ein Manager im Ölgeschäft, cool und clever. Aber auch ein Mann mit einer fixen Idee: Seit seine Frau bei einem Sprengstoffattentat ums Leben gekommen ist und die Polizei den mutmaßlichen Bombenleger Racadi entwischen ließ, will Bergusson ihn selbst fassen. Jetzt hat er ihn – aber er will ihn unbedingt der deutschen Justiz ausliefern. Bergusson hat deshalb zum äußersten Mittel gegriffen: Er hat die Linienmaschine Mailand-Beirut entführt, in der Racadi sitzt, und die Piloten gezwungen, Kurs auf Hamburg zu nehmen. Ein perfekter Plan? Vor allem ein gefährlicher. Denn Racadi schöpft Verdacht und nimmt eine Stewardess als Geisel.
»Ohne Landeerlaubnis«, als TATORT verfilmt, kann sich mit den internationalen Klassikern des Krimi-Genres messen.
Friedhelm Werremeier war viele Jahre Reporter mit einer Leidenschaft für komplizierte Kriminalfälle. Außer mit seinen Sachbüchern zum Thema hat er sich durch die Romane um Paul Trimmel, den »deutschen Maigret«, eine große Lesergemeinde erobert.
Düsenmaschinen donnern über die nahe Stadt, als Max Bergusson das Haus verläßt, weiße Streifen am Himmel kreuzen sich und zerfließen. Strahlendes Wetter herrscht oben und auf der Erde: noch blauer geht’s nicht. Die Straßen von und nach Mailand sind leer um diese Vormittagszeit, auf den Airways jedoch drängelt es sich wie verrückt:
Hundert und aberhundert Touristenbomber und Linienflieger spiegeln sich auf den Radarschirmen. Aber nirgendwo zeigt sich auch nur der dünnste Regenschauer; der Tag ist unheimlich schweißtreibend für die Lotsen in ihren klimatisierten Räumen.
Immerhin, sie haben den Himmel über Europa voll unter Kontrolle. Der Flugplan ist pünktlich wie im ganzen Jahr bisher nicht. Und wenn nichts dazwischenkommt, kann Bergusson schon gegen Abend in Hamburg sein.
Morgens, gleich nach dem Aufstehen, hatte er Alpträume im Sonnenschein; am liebsten hätte er sich erschossen. Dann trank er Grappa Julia, einen Grappa mit Charakter. Der Taxifahrer sah ihn fragend an. »Air Terminal!«
Jetzt fährt er, leicht benebelt, seit längerer Zeit ein häufiger Zustand bei ihm, aus der Mailänder Südstadt durch die Via Carlo Darwin und die Via San Gottardo und sagt sich wieder mal, wie so oft: Also, ehrlich, Max. Mit dir ist auch wirklich überhaupt nichts mehr los, seit du allein auf der Welt bist!
Trübe Stimmungen am laufenden Band, heute in Mailand, vorgestern in London, morgen in Hamburg. Im Vorbeifahren entdeckt Bergusson ein surrealistisches Filmplakat: ein SS-Offizier hat den Hals voller Orden, aber über dem Hals sitzt statt des Gesichts ein nacktes Mädchen – der Schoß dort, wo der Kehlkopf sein sollte … Bergusson schüttelt sich. Dabei spielt er mit der rechten Hand auffällig in der Hosentasche herum.
Der Taxifahrer sieht es im Rückspiegel und zieht prompt die falschen Schlüsse: Ein Deutscher natürlich, schlimmer als ein Römer. Blond und unverschämt gut aussehend … ein Schwein, sicher mit einem Haufen Geld …
Das ist ebenso falsch wie ungerecht. Aber Max Bergusson hat sich sicher vieles selbst zuzuschreiben.
Grüne Welle in Mailand? Niemand hat’s je gehört. Man kriegt Magenkrämpfe, wenn man in der Schlange steckt, die sich alle zwei Minuten ein paar Meter von einer grünen Ampel zur nächsten schiebt. Es dauert ewig, bis Bergussons vergammeltes Taxi über die Piazza della Repubblica schleicht; dann, endlich, wird das Hotel Sonesta erreicht, dieser Luxusschuppen. Dem Fahrgast ist übel …
Warum, zum Henker, ist er denn eigentlich so von der Rolle?
Er weiß es inzwischen manchmal selbst nicht mehr. Er weiß oft nur noch, daß er bei jeder einschlägigen Gelegenheit das miese Gefühl hat, ein Sexualverkehr sei nicht mehr und nicht weniger als ein Akt der Nächstenliebe. Und daß es auf anderen Gebieten nicht anders ist … er will zwar immer wieder dagegen angehen, fürchtet jedoch, daß er es nie mehr schafft.
Auf der Rückseite des Sonesta liegt der Air Terminal, der Vorflughafen der Stadt, eine Orgie in Blau und Weiß, in Englisch und Italienisch. Auf der Toilette steht selbstbewußt: Wir nehmen kein Trinkgeld! Dann behalt ich es eben! denkt Bergusson störrisch.
Mailand, sagt ein Plakat, die Stadt der Männermode.
In der Farbenpracht ringsum wirkt Max Bergusson auf den ersten Blick grau wie ein Sperling. Grauer, leicht taillierter Anzug, ein dezenter, schmaler Binder, das bißchen Bunt in Pastell, ein helles, aber grau getöntes Hemd, ein paar spitze, schwarze Schuhe, nicht mehr dem allerletzten Zeitgeist entsprechend …
Gleich auf den zweiten Blick aber erkennt man, daß der Anzug von Cardin ist, die Krawatte von Pucci und das Gepäck vom Krokodil. Eine Reisetasche und ein schmaler Handkoffer … daß der Koffer einen doppelten Boden hat, sieht man überhaupt nicht.
Innen im Terminal kämpft sich Bergusson zwischen der Information und dem Förderband für Touristen – Uscita, Exit in blau und weiß – durch die Menge zur Bar. Whisky will er bestellen, und statt dessen sagt er: »Un espresso, prego!«
Dabei wäre es auf die paar Promille zusätzlich eigentlich auch nicht mehr angekommen.
Er steht an der Theke und spielt zwischen zwei Schlückchen Kaffee wieder mit der Hand in der rechten Hosentasche. Eine reife Person mit einem Nerz über dem Arm, Französin vermutlich, neununddreißigeinhalb, sieht fasziniert zu; auch Damen, die wirklich Damen sind, schauen sich heutzutage die Dinger genauer an.
Er trinkt abermals einen winzigen Schluck, nimmt aus einer deutschen Schachtel ein Zündholz, legt sich die Schachtel zurecht, zündet das Hölzchen an wie ein Artist, alles mit der linken Hand – und stutzt. Merkt jetzt erst, daß er noch gar keine Zigarette im Mundwinkel hat. Fingert also mit links eine Players heraus, und das Kunststück beginnt von vorn. Dann endlich der tiefe Lungenzug … die vollreife, äußerst interessierte Zuschauerin kriegt den Rauch rücksichtslos ins Gesicht.
Gott, was für ein Mann! denkt sie ergriffen. Mit dem im Bett! Ein Mann ohne alle Manieren … einer, der’s bestimmt besser kann als alle anderen …
Einmal mehr: dieser Eindruck trügt. Zwar hat Max Bergusson immer schon sehr direkt und unmittelbar auf Frauen gewirkt. Aber der Typ Weib, der seine Signale empfängt, hat sich entscheidend geändert, seit er Witwer ist.
Der Schock, der ihm fast das Herz abklemmt, trifft ihn noch in derselben Minute. Er sieht Racadi und schnappt nach Atem.
»You’re all right?« fragt die Französin hoffnungsvoll.
Bergusson hört’s nicht. Denn auf diesen Mann hat er seit vielen Monaten gewartet, seinetwegen säuft er alles zwischen Chivas Regal und Grappa Julia und Fuselöl. Seinetwegen hat er den doppelten Boden im Koffer und fast ständig die Hand in der Tasche. Seinetwegen ist er Witwer.
Der zierliche, drahtige, selbst für Mailand etwas zu modisch gekleidete Araber steht an der Information. Flottes Bärtchen, nachtschwarze, auf zehn Meter Distanz verträumt wirkende Augen, ein bißchen attraktive Brutalität in der unteren Gesichtshälfte – ganz der junge Omar Sharif aus Hollywood.
Aber es ist nicht Omar Sharif aus Hollywood, sondern Femal Racadi aus Beirut – aus Beyrouth, wenn es nach der Abflugtafel geht:
Femal Racadi persönlich!
Aus Bergussons Mundwinkel fällt die Zigarette. So lange hat er geduldig auf der Lauer gelegen – jetzt plötzlich zittert er am ganzen Körper …
Die Französin kriegt’s mit der Angst zu tun, als sie ihm ins Gesicht schaut. Sie begreift offenbar sofort: hier beginnt ein Spiel, bei dem sie nichts zu suchen hat. Ein verrücktes, gefährliches Spiel unter Männern … also rückt sie so weit weg, daß sie vor Bergussons riesiger Schnapsfahne – und vor allem vor ihm selbst endgültig sicher ist.
Bergusson schiebt sich unauffällig zur anderen Seite. Racadi, sieht er, lächelt die Hexe mit den Porzellanzähnen an der Information an und spricht auf sie ein. Aber als Bergusson fast neben ihm steht, sagt er leider nur noch: »Mille grazie, Signorina!«
Also muß er ihm dicht auf den Fersen bleiben. Und er hat Angst, daß Racadi seinen Herzschlag hören kann, der durch das ganze Gebäude dröhnt …
Racadi stellt sich auf das Förderband und fährt schräg nach unten, scheinbar in den Hades, und Bergusson folgt ihm im Abstand von fünf Metern. Sie gehen durch einen gekachelten Gang, eine gelbe Höhle, die aussieht wie eine Leichenhalle … und aus tausend runden Lautsprechern dröhnt das Inferno, stereophonisch verstärt: die Rolling Stones at their best and biggest …
Stop auf halber Strecke.
Racadi bleibt stehen und löst für 500 Lire eine Fahrkarte für den Bus zum Aeroporto Forlanini, zum internationalen Flughafen Mailand-Linate. Bergusson, sein Verfolger, legt einen Tausender hin und bekommt mit dem Ticket ein paar Münzen zurück.
Bergusson kennt Racadi. Aber Femal Racadi hat ihn nie gesehen – das ist für den Verfolger ein Riesenvorteil.
Bergusson steigt hinter Racadi in den Bus, geht an ihm vorbei und setzt sich in die letzte Reihe. Um Punkt 13 Uhr legt der Fahrer kreischend den ersten Gang ein und fährt los. Millimeterarbeit, bis der dicke Bus sich aus dem Keller auf den Platz des Herzogs von Aosta hochgewürgt hat. Durch den Verkehrslärm dort dann ein komisches Geräusch: Radio?
Aber nein, der Fahrer singt!
Ein Neapolitaner mitten in Mailand. Kinderlieb ist er auch noch. Und Bergusson in seinem Streß treibt es den Schweiß auf die Stirn, als er von hinten sieht, was der Fahrer vorn macht: Neben ihm stehen zwei Jungen. Italienische Lausebengel mit einer fetten, strahlenden Mamma. Offenbar Zwillinge, fünf oder sechs Jahre alt. Wie ein Verschwörer redet der Fahrer auf die Jungen ein, als er gefährlich dicht an einem Polizisten vorbeifährt, einer blauen Statue mit weißen Handschuhen, Tropenhelm und einem Milchgesicht. Und dann zeigt er den Gören, wie man die automatischen Türen des grünen Busses öffnet und schließt, öffnet und schließt, öffnet und schließt … sie quietschen vor Vergnügen. Aber der Bus muß alle nasenlang vor einer Ampel anhalten. Und wenn Racadi Verdacht schöpfen, wenn er mißtrauisch werden sollte – ein Satz, und er wäre verschwunden!
Via Vitruvio. Markt auf der Via Benedetto Marcello. Via Plinio, ein rosa Hochzeitsstrauß vor der Tür von Plinio 37. Überall soviel Betrieb, daß Bergusson den Mann, den er verfolgt und auf jeden Fall lebend haben will, niemals wiederfinden würde …
Femal Racadi jedoch bleibt ahnungslos auf seinem Platz hinter dem Fahrer sitzen, sieht dem Spiel mit den Türen zu und lächelt mit neunundzwanzig weißen und drei goldenen Zähnen amüsiert vor sich hin.
Trotzdem, Bergusson hinter ihm hat schon wieder Grund zur Aufregung. Ein blauweißes Schild mit einem Flugzeugsymbol huscht vorbei: Linate. Der Fahrer beachtet es nicht … fährt er gar nicht zum Flughafen?
Nicht doch: er nimmt nur eine Abkürzung. Via Gaspare Aselli. Viale Corsica. Böse Sprüche gegen den US-Präsidenten auf einer Mauer. Daneben ein Davidstern und die Inschrift: Breshnev let my people go! Und endlich die sechsspurige Ausfallstraße … es wäre nicht Mailand, wenn nicht auch sie gleich die erste Baustelle hätte!
Ist es nicht ein Wunder, daß der Bus trotzdem nach zwanzig Minuten Fahrzeit wohlbehalten mit dreißig Passagieren, darunter Racadi und Bergusson, am Flughafen Linate ankommt?
Um 13.02 Uhr hat Bergusson seinen Hangover überwunden. Bei sechsundzwanzig Grad plus im Schatten ist er ruhig geworden und kalt bis ans Herz. Von 13.03 Uhr an handelt er endlich planmäßig und überlegt.
Eine Bar links vom Eingang, dem internationalen Abflug gegenüber, ist Racadis erstes Ziel. Er kauft an der Kasse einen Zettel, für den er an der Theke eine Cola bekommt; ein Handkoffer ist sein einziges Gepäck, und er ist flink wie ein Wiesel … er könnte immer noch blitzschnell verschwinden.
Trotzdem. Bergusson läßt den Araber zwangsläufig für eine Minute allein, sucht sich ein freies Schließfach und deponiert dort seine Reisetasche. Dann erst geht auch er zur Bar, besorgt sich ebenfalls eine Cola und studiert – mit dem Rücken zur Theke, fünf Meter neben Racadi – die Tafel mit den Abflugzeiten und den vielen Schreibfehlern.
Wohin wird Racadi fliegen? überlegt Bergusson.
Wohin geht meine eigene Reise …?
Draußen nähert sich kreischend eine Air-Nigeria-Maschine; der Kellner drinnen kontert mit einer fauchenden Espressomaschine. Von einer italienischen Durchsage hört man nur Fetzen: Decollo und Volo, Lufthansa und Boeing. Racadi rührt sich nicht, und Bergusson wird sich endgültig klar darüber, daß er improvisieren muß. Von Mailand aus führen sechs Autobahnen und ein Dutzend Luftstraßen in alle Welt …
Als die Düse draußen verstummt, hat der Kellner ein Einsehen und stellt seine Höllenmaschine ebenfalls ab. Die Durchsage wird auf deutsch wiederholt:
»Achtung, bitte, Abflug Lufthansa Flug acht fünf drei nach Stuttgart und Hamburg. Die Passagiere werden gebeten, sich zur Paß- und Zollkontrolle zu begeben …«
Für diesen Flug hat Bergusson ein Ticket in der Tasche, wird es aber nicht benutzen –, auch wenn er dann heute nicht mehr nach Hause kommt. Racadi nämlich fliegt mit Sicherheit woanders hin – er kann es sich gar nicht leisten, nach Hamburg zu fliegen. Außerdem, was heißt das schon für Bergusson – nach Hause …?
Seine rechte Hand steckt wieder in der Hosentasche und berührt den vom vielen Anfassen längst angenehm warmen Stahl. Den Stahl einer Pistole. Einer zierlichen, unauffälligen, griffigen FN vom Kaliber 6,35, Fabrique Nationale des Armes, die er seit längerem besitzt. Tag für Tag hat er sie von einem Anzug in den anderen geräumt, wie die Brieftasche und den Kamm … und warum?
Ja, eben – deshalb! Weil ich kein Zuhause mehr habe! denkt Bergusson sachlich. Und damit verschwindet ein für allemal alle Wehleidigkeit des letzten Jahres.
Es ist fast 14 Uhr, als Max Bergusson endlich einen konkreten Hinweis aufschnappt. Um 15.20 Uhr soll eine Maschine der übernationalen Gesellschaft Air Europe nach Athen und Beyrouth starten. Und um 13.55 Uhr sieht Bergusson, wie Racadi einen Flugschein von Air Europe aus der Brieftasche zieht und ihn mit den Abflugzeiten auf der Tafel vergleicht, offenbar, weil er nichts Besseres zu tun hat.
Also Beirut.
Aber ist das sicher? Kann man mit einem Ticket von Air Europe nicht auch mit einer anderen Gesellschaft fliegen?
Bergusson zögert: er will unbedingt auf dieselbe Maschine wie Racadi, und es starten noch Flugzeuge nach Casablanca und Kairo. Er zögert viel zu lange, kauft sich erst mal eine zweite Cola, und die Zeit verrinnt.
Sie verrinnt so schnell, daß er mit einem Male in Zugzwang gerät. Um 14.28 Uhr stößt ein Italiener, der sich vielmals entschuldigt, Racadis Handkoffer um; dabei sieht Bergusson, daß am Griff des Koffers ein Anhänger für Kabinengepäck der Air Europe baumelt. Er beschimpft sich selber; er hätte eben doch früher davon ausgehen müssen, daß Racadi tatsächlich nach Beirut fliegen will. Denn jetzt hat er plötzlich soviel zu tun, daß er es in einer halben Stunde kaum schaffen kann.
Bergusson möchte am liebsten rennen, um Sekunden zu sparen. Dennoch behält er die Nerven: er läßt zwar seine zweite Cola halb stehen, geht aber – im Blickfeld Racadis – absichtlich langsam und lässig nach rechts.
Die gesamte Schalterreihe Prenotazione-Booking ist momentan nicht besetzt; Mailand ist ein großer, aber auch ziemlich gammeliger Flughafen. Immerhin hängt am äußersten Buchungsschalter rechts neben dem großen Alitalia-Schild auch ein kleines rotgelbes Schild der Air Europe – und dort nimmt, um 14.44 Uhr, eine makellos manikürte und geschminkte junge Dame ihren Dienst endlich wieder auf.
Bergusson zwingt sich abermals zur Ruhe. »Buon giorno. Sprechen Sie Deutsch?«
Sie strahlt ihn an, nickt, und ein französischer Akzent bricht durch. »Was kann isch für Sie tun, mein ’err?«
»Ich möchte einen Flugschein und einen Platz nach … nach Athen«, sagte Bergusson, »für die Air Europe, die dann nach Beirut weiterfliegt!« Warum, hat er sich überlegt, soll er mehr Geld ausgeben als nötig?
»Einen Augenblick, mein ’err!«
Sie spielt virtuos auf ihrem Buchungsautomaten. Bergusson tritt von einem Fuß auf den anderen.
»Ja, das geht!« sagt sie schließlich. »Auf welchen Namen darf isch den Flugschein ausstellen?«
»Martens!« sagt Bergusson, ohne zu zögern – genau, wie er es sich seit ewigen Zeiten ausgedacht hat. »Vorn mit Martha, hinten mit Siegfried!« Und während sie schreibt, erkundigt er sich scheinbar angstvoll: »Ist die Maschine sehr voll?«
»Nein«, sagt das Mädchen, »warum fragen Sie?«
Er gibt sich einfältig. »Es ist sicher Unsinn. Ich habe bei vollbesetzten Flugzeugen immer Angst, sie könnten sich nicht in die Lüfte erheben …«
»In die Lüfte?« wiederholt sie verständnislos. Aber ihr Lächeln, gleich darauf, ist nachsichtig: schließlich lebt ein Flughafen von seinen komischen Vögeln. »Da können Sie ’eute ganz zufrieden sein, Monsieur Martens. Die Air Europe sechs eins zwei ist nur ’alb ausgebukt!«
»Danke«, sagt Bergusson, »danke vielmals!«
Sie nickt, ohne ihn anzusehen. »Soll der Rückflug offen bleiben?«
»Kein Rückflug!« sagt er.
»Bitte sehr …«
Er hat die Kreditkarte schon in der Hand, steckt sie aber gleich wieder weg, erschrocken über sich selbst: fast hätte er den Flugschein für Martens mit einer Karte auf den Namen Bergusson zu bezahlen versucht! »Ich geh mal eben rüber und besorg mir ein paar Lire!«
Er ist schon weg, als sie ihm nachruft: sie nimmt auch Mark oder Dollar, im Grunde sogar viel lieber. Er will indessen, in jäher Panik, vor allem sehen, wo Racadi inzwischen geblieben ist – und er sieht erleichtert, daß der Araber immer noch an der Bar steht …
Nimm dir ein Beispiel, denkt Bergusson, der Kerl hat ja wirklich die Ruhe weg!
Am Bankschalter bekommt er für acht blaue Hundertmarkscheine einen Riesenhaufen Geld. Er drückt die Scheine, auf dem Weg zurück zum Buchungsschalter, mit der rechten Hand zusammen und schiebt sie mit seiner Faust in die Hosentasche. Sein Zeigefinger streckt sich dort aus und tastet Metall … das Ding ist gar nicht so schwer zu tragen, wenn man daran gewöhnt ist …
Plötzlich muß er hart bremsen, um nicht mit Racadi zusammenzuprallen. Racadi geht von der Bar zum Check-In-Schalter; sekundenlang begegnen sich ihre Blicke, aber Bergusson schafft es, nicht mal mit der Wimper zu zucken.
Aufatmend sieht er, daß inzwischen alle Buchungsschalter geöffnet sind – das ist kolossal wichtig für ihn. Außerdem ist momentan kaum Betrieb – auch das trifft sich gut. Und dem Mädchen, das sein Ticket ausgeschrieben hat, legt er den ganzen Lirehaufen hin: es bleibt noch einiges übrig.
»Bon voyage!« sagt die junge Dame, der Einfachheit halber jetzt gleich auf französisch. Und weil sie hier die netteste ist, hat sie gleich einen neuen Kunden.
Max Bergusson aber geht blitzschnell zum äußersten Booking-Schalter links. Um 15.45 Uhr, hat er gesehen, startet eine DC 9 der Alitalia nach Nizza. Er fragt die Angestellte, die hier ausschließlich Alitalia-Flüge verkauft, auf englisch, ob’s noch einen Platz nach Nizza gibt.
Die mollige Blonde, offenbar eine Lombardin, sieht ihn skeptisch an. »You can only have First Class …«
»But that’s all right!« entscheidet er. Was soll’s noch? In zehn Minuten soll die Air Europe abfliegen, obgleich allerdings noch keine Lautsprecherdurchsage erfolgt ist …
»Your name, please?«
»Bergusson!«
»Can you spell it, please? Buch-sta-bieren?«
B wie Bologna, E wie Emilia, R wie Ravenna. Und G wie Genova … oder wie Gangster …
Denn Bergusson weiß ja genau, warum er auf ein Ticket, das er nicht benutzen wird, seinen einstweilen noch ehrlichen Namen schreiben läßt, und auf das andere, das richtige, einen falschen: überall in der Welt hat er mit diesem Trick die besseren Chancen, durch die Kontrollen zu kommen! Ist das etwa kein Gangsterverhalten?
Er zahlt diesmal mit seiner Air Travel Card, also bargeldlos. Ein Blick auf die Uhr: noch vier Minuten bis zur Startzeit der Maschine nach Athen und Beirut.
»I wish you a pleasant flight to France!« sagt die mollige Blonde mit ihrem Berufslächeln für Passagiere der Ersten Klasse.
Noch drei Minuten. Wo gibt’s ein Telefon?
Das Postamt liegt am anderen Ende der Halle. Max Bergusson rennt hin: es ist gedrängt voll. Er schafft’s nicht mehr, denkt er verzweifelt, die Zeit ist abgelaufen, er selbst hat sie vergeudet …
Aber genau zur vorgesehenen Startminute der Air Europe wird Bergusson – der vierte Mann in der Schlange vor dem Telefonschalter – durch den Lautsprecher erlöst. Erst in italienischer, dann in deutscher Sprache: »Air Europe bedauert, daß sich der Abflug ihres Fluges 612 wegen verspäteter Ankunft der Maschine um vierzig Minuten verzögert …«
Wider Erwarten doch die erste Verspätung des Tages. Und sicher dieselben dummen Sprüche wie schon bei der Erfindung des Luftverkehrs. Aber Bergusson stöhnt vor Erleichterung.
Er legt den goldenen Parker zur Seite, mit dem er dem Telefonmädchen in der braunen Uniform die Nummer aufschreiben wollte, holt in aller Ruhe seine Zigaretten aus der Tasche und zündet sich, diesmal mit beiden Händen, eine an. Dann erst malt er die Nummer auf, die er seit fast einem Jahr im Kopf hat: Hamburg 24 82 01. Und für alle Fälle auch noch die genaue Adresse: D – 2000 Hamburg 1, Beim Strohhause 31. Polizeipräsidium …
»Hamburg Headquarter?« fragt die Braune mit den grünen Lidschatten respektvoll, als er an der Reihe ist.
»Yes, please, Signorina!« sagt Bergusson, nimmt ihr den Zettel noch einmal weg und ergänzt ihn: Paul Trimmel.
In Zelle Numero Uno muß er dann doch ewig warten, bis sie gewählt und durchgestellt hat. Zehn glühend heiße Minuten lang.
Aber wenig später hat er alles in der Tasche, was er möglicherweise braucht: die Quittung über ein mit Hamburg geführtes Telefonat, wenngleich das im Zeitalter des Selbstwählverkehrs im Zweifelsfall wenig beweiskräftig ist, außerdem eine Flugkarte First Class nach Nizza und eine Karte Economy nach Athen. Sekundenlang ärgert er sich, daß er statt mit Trimmel nur mit einem Kommissar vom Dienst sprechen konnte –, außerdem darüber, daß sie ihm bei der Nizza-Buchung gleich einen Hin- und Rückflug angedreht haben. Aber was soll’s! denkt Max Bergusson. Vielleicht kann ich die ganzen Tickets demnächst in Zahlung geben – à conto für meinen Verteidiger!
Er geht vom Telefon zur Bar und von dort in den Waschraum für Herren. Normalerweise würde er jetzt die FN aus der Hosentasche nehmen und in die Reisetasche stecken, die er dann anschließend aufgeben würde … insofern war’s eine Vorentscheidung, als er die Tasche ins Schließfach packte, wo sie jetzt ewig und drei Tage liegen wird, bis man sie von Amts wegen rausholt. Jetzt jedenfalls läßt er den Aktenkoffer aufschnappen, öffnet das Geheimfach im doppelten Boden, legt die Pistole hinein und läßt Fach und Koffer wieder zuschnappen.
Passagiere nach Nizza, sagt er sich nochmals, werden an diesem heißen Nachmittag sicher nicht allzu gründlich gefilzt. Ein Risiko geht Bergusson natürlich immer ein, auch als vermeintlicher Nizza-Passagier. Aber er hat inzwischen keine Wahl mehr – und er will es so!
Auf dem Rückweg zur Abfertigung geht er in die Capella, der Toilette gegenüber. Sechs Kerzen brennen, zwei Frauen sitzen vor einem stilisierten Kruzifix aus Draht. Bergusson ist versucht, zu beten; kurzfristig wird er abgelenkt … Abgelenkt geht er zur Paßkontrolle und legt mit seinem deutschen Paß den Flugschein nach Nizza vor.
Der Beamte sieht ihn groß an. »Bordkarte?«
Bergusson ist entsetzt über sich selbst. »Scusi, Signore …!«
Der Signore lacht; Bergusson geht schleunigst zur Abfertigung. Er läßt sich dort zuerst für den Alitalia-Flug 1447 nach Nizza abfertigen, unter seinem richtigen Namen. Die Hostess schaut auf die Uhr: er ist auch hier wieder verdammt spät dran, aber es reicht gerade noch …
»First Class, Herr Bergusson. Bitte steigen Sie vorn in die Maschine ein, meine Kolleginnen werden sich dort sofort um Sie kümmern!«
Bergusson bemüht sich, die Frau gar nicht anzusehen. Denn seinetwegen wird die Maschine nach Nizza möglicherweise verspätet abfliegen, weil er nicht an Bord kommt … er kann nur hoffen, daß sich die Hostess hier nicht mehr an ihn erinnert, wenn sie ihn – zu einem Zeitpunkt, zu dem sie ihn vermissen – zufällig woanders sieht.
Er geht in weitem Bogen zum Abfertigungsschalter für die Air Europe nach Athen und Beirut und läßt sich unter seinem falschen Namen einchecken.
»Kein Gepäck? Danke. Guten Flug, Herr Martens!«
Dann wieder der Paßbeamte. Derselbe wie vorhin. Bergusson grinst ihn an: »Okay now?«
Der Beamte gibt ihm seinen Paß und die rote Bordkarte nach Nizza zurück. Und jetzt kommt die eigentliche Klippe: die Gepäckkontrolle mit der Leibesvisitation.
Vor Bergusson wird ein Mann mit einer grauen Bordkarte wahrhaft schauerlich gefilzt. Sie legen ihm den Inhalt seines Köfferchens neben das Köfferchen, jeden Waschlappen. Er darf selber wieder einpacken, und anschließend verschwindet er fast zwei Minuten lang zur Leibesvisitation in der Kabine …
Aber es ist doch wirklich sonnenklar: es liegt wirklich nur an der Farbe seiner Bordkarte. Graue Bordkarten nämlich gehören zum Nahost-Flug nach Athen und Beirut.
Ding-Dong … ein Aufruf in italienischer und französischer Sprache kündigt den Alitalia-Abflug nach Nizza an. Wegen des Athen-Beirut-Passagiers vor ihm steht Bergusson mit der roten Bordkarte nach Nizza immer noch an der Carabinieri-Kontrolle.
»Nizza?« sagt der Beamte in der blauen Uniform dann reichlich vorwurfsvoll. »Hurry up!«
Er läßt sich zwar den Koffer öffnen, macht ihn aber sofort selbst wieder zu und deutet auf die Kabine. Dort wird Bergusson nur oberflächlich abgetastet – und dann ist er durch, mitsamt seiner Pistole. Daß das Handgepäck der Passagiere in Mailand derzeit nicht durchleuchtet wird, hat er schon vorher gewußt.
Auf einem roten Kunstledersessel, sieht Bergusson, sitzt Femal Racadi. Er raucht eine ellenlange dunkle Zigarre, dünn wie ein Getreidehalm. Dabei blickt er auf das Vorfeld, wo ein paar Maschinen aufgetankt werden: eine Boeing 727 der Air Europe ist nicht dabei. Offensichtlich ist Racadi über die Verspätung ziemlich verärgert.
15.45 Uhr. Bergusson setzt gerade eine Sonnenbrille auf, als die Lautsprecherdurchsage kommt: »Mister Bergusson, please contact Alitalia Counter, Mister Bergusson, Passenger to Nice …«
Damit hat er rechnen müssen. Aber es kommt ihm ungeheuer laut vor – und prompt sieht er, wie Racadi sich interessiert und vorsichtig umsieht: Bergusson …?
Racadi ist angeblich Terrorist, und den Namen Bergusson hat er bestimmt noch nicht vergessen. Terroristen leben nicht lange, wenn sie vergeßlich sind … also, wie laut klingelt die Alarmglocke in Racadis Gehirn?
»Mister Bergusson, Passenger to Nice …«
Racadi lehnt sich entspannt wieder zurück. Ein Mann, der nach Nizza fliegt, kann ihm auf dem Beirut-Flug eigentlich nicht gefährlich werden, mag er denken. Bergusson sieht, wie er sich räkelt und einen neuen Zug aus seinem dünnen Strohhalm nimmt …
Der Trick mit dem Flugschein nach Nizza, der Max Bergusson ohne Anstand durch die Kontrollen gebracht hat, ist ein zweites Mal nützlich und erfolgreich gewesen. Und wenig später rollt die DC 9 der Alitalia ohne den Fluggast Bergusson zum Start – dieses Problem ist aus der Welt.
Ding-Dong … diesmal ist die Durchsage zwar nicht gefährlich, aber äußerst ärgerlich. »Air Europe bedauert, bekanntgeben zu müssen, daß sich der Start ihres Fluges sechs eins zwei nach Athen und Beirut weiter verzögert. Die aus Paris kommende Maschine wird voraussichtlich nicht vor siebzehn Uhr dreißig in Mailand landen, der Weiterflug nach Athen wird eine Stunde später erfolgen. Air Europe regrets to announce …« Die nächste Mitteilung, sagen sie, ist gegen 17 Uhr zu erwarten.
Zwei Dutzend Fluggäste von Air Europe, noch mehr verärgert als zuvor, stehen auf, vertreten sich die Beine, zünden sich Zigaretten an, schauen still aus den Glasfenstern, schimpfen laut vor sich hin oder schlendern leise weinend zur Bar. Und zur letzten Gruppe gehört auch Femal Racadi.
Max Bergusson folgt ihm eine halbe Minute später.
Fast wider alles Erwarten wird dann um 17 Uhr bekanntgegeben, daß der Start des verspäteten Air-Europe-Fluges 612 endgültig um 18.45 Uhr erfolgen soll. Und kurz darauf rollt die rotgelbe Boeing, angekommen aus Paris, tatsächlich aufs Vorfeld.
Bergussons Kehle ist so trocken, daß er husten muß, obgleich er inzwischen mindestens sechs Cola getrunken hat. Er zittert, weil er seit sieben Stunden ohne Alkohol lebt – und er ruft energisch: »Scotch!«
Sofort ist der Kellner da – mit dem letzten harten Drink für die nächsten harten Stunden. Es wird besser gehen, wenn er wenigstens etwas frischen Alkohol im Blut hat, denkt Bergusson. Es ist besser für die Kehle, für die Hände und vor allem die Nerven.
Max Bergusson kippt den Whisky hinunter und wird sofort ruhiger. Er hatte reiche Eltern, niemals Sorgen beim Studium, von Anfang an einen guten Job und eine wirklich glückliche Ehe. Er hat niemals auch nur den Gegenwert einer Briefmarke geklaut. Und jetzt … geht er, gerissen wie ein Schwerverbrecher, zur Toilette in der Abflughalle; er zerreißt die rote Bordkarte nach Nizza, die immer noch in seiner Jacke steckt, in winzige Fetzen und spült sie sorgsam ins Klo. Er nimmt die graue Karte für den Athen-Beirut-Flug heraus und plaziert sie in die Jackentasche außen rechts, wie ein Einstecktuch:
Er ist gerüstet.
Bei der Flugsicherung wissen sie längst, daß die Air Europe 612 um 18.45 Uhr rausgehen wird, mehr als eine Stunde nach der Landung der Maschine. Früher wär’s schon deshalb kaum möglich gewesen, weil sich immer noch ein Dutzend silberne Vögel auf dem Radarschirm mit dem Radius 60 nautische Meilen gleich 111 komma 12 Kilometer drängeln. Und bei jeder Umdrehung des grünen Radarstrahls springen die Flugzeugsymbole um ein winziges Stückchen zum Mittelpunkt vor – zu immerhin auch noch zwei Mailänder Flughäfen, Linate und Malpensa.
Jetzt aber rattert der Fernschreiber scheinbar unverständliche Zahlen und Buchstaben herunter:
FPL AE
