Olymp 10: Adarem antwortet nicht - Dennis Mathiak - E-Book + Hörbuch

Olymp 10: Adarem antwortet nicht E-Book und Hörbuch

Dennis Mathiak

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Beschreibung

Das Jahr 1550 Neuer Galaktischer Zeitrechnung: Seit über 3000 Jahren reisen die Menschen zu den Sternen. Sie haben zahlreiche Planeten besiedelt und sind faszinierenden Fremdvölkern begegnet. Sie haben Freunde ebenso wie Gegner gefunden, streben nach Verständigung und Kooperation. Besonders Perry Rhodan, der die Menschheit von Beginn an ins All geleitet hat, steht im Zentrum dieser Bemühungen. Mit der Gründung der Liga Freier Galaktiker tragen diese Bestrebungen inzwischen Früchte. Eine neue Ära des Friedens bricht an. Aber nicht alle Gruppierungen in der Milchstraße sind mit den aktuellen Verhältnissen zufrieden – besonders die Tefroder hegen eigene Pläne. Rhodan wird in diese Aktivitäten verwickelt, als er zur Museumswelt Shoraz reist. Er gerät dort in Gefangenschaft. Seine Frau Sichu Dorksteiger und Gucky hingegen können entkommen und entdecken einen Hinweis auf Rhodans Aufenthaltsort. Onara Gholad verfolgt ihre Pläne indessen weiter. Sie lässt Shoraz unter Beschuss nehmen. Nur eine Nachricht beunruhigt die machthungrige Tefroderin: ADAREM ANTWORTET NICHT ...

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Zeit:3 Std. 30 min

Sprecher:Renier Baaken

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Nr. 10

Adarem antwortet nicht

Der Gefängnisplanet schweigt – und Gucky macht eine Entdeckung

Dennis Mathiak

Cover

Vorspann

Die Hauptpersonen des Romans

Shoraz: Rettungsmission

SHEONA: Adarem antwortet nicht

Olymp: Der Morgen bringt Sorgen

Shoraz: Was tun?

SHEONA: Der Beobachter

Olymp: Gut gelaunt!

Shoraz: Durch die Wüste

Olymp: Zur Unterschrift!

Zwischenspiel: SHASTA

Olymp: Unsichtbar?

Zwischenspiel: SHASTA

Olymp: Der Entschluss

Olymp: Deal ist Deal

Zwischenspiel: SHASTA

Olymp: Geht die Welt unter?

Olymp: Belauscht

Shoraz: »Das glaub ich jetzt nicht!«

Olymp: Tamrätin?

Shoraz: Die Raumer

SHEONA: In die Knie zwingen

Das Ultimatum verstreicht

Lesermagazin

Impressum

Das Jahr 1550 Neuer Galaktischer Zeitrechnung: Seit über 3000 Jahren reisen die Menschen zu den Sternen. Sie haben zahlreiche Planeten besiedelt und sind faszinierenden Fremdvölkern begegnet. Sie haben Freunde ebenso wie Gegner gefunden, streben nach Verständigung und Kooperation.

Besonders Perry Rhodan, der die Menschheit von Beginn an ins All geleitet hat, steht im Zentrum dieser Bemühungen. Mit der Gründung der Liga Freier Galaktiker tragen diese Bestrebungen inzwischen Früchte. Eine neue Ära des Friedens bricht an.

Aber nicht alle Gruppierungen in der Milchstraße sind mit den aktuellen Verhältnissen zufrieden – besonders die Tefroder hegen eigene Pläne. Rhodan wird in diese Aktivitäten verwickelt, als er zur Museumswelt Shoraz reist. Er gerät dort in Gefangenschaft.

Seine Frau Sichu Dorksteiger und Gucky hingegen können entkommen und entdecken einen Hinweis auf Rhodans Aufenthaltsort. Onara Gholad verfolgt ihre Pläne indessen weiter. Sie lässt Shoraz unter Beschuss nehmen. Nur eine Nachricht beunruhigt die machthungrige Tefroderin: ADAREM ANTWORTET NICHT ...

Die Hauptpersonen des Romans

Sichu Dorksteiger – Die Ator lässt ihre Kollegen nicht im Stich.

Gucky – Der Mausbiber evakuiert einen Planeten.

Onara Gholad – Die Tefroderin kennt keine Skrupel.

Beryn Mogaw

Shoraz: Rettungsmission

15. Mai 1550 NGZ

Die OLMIN-ZOLL-4, Eigenname IBANI GALOA, verließ den Linearraum wenige Lichtminuten vor Shoraz. Sofort schlugen die Orter aus, denn noch immer verharrten die dreißig 120 Meter durchmessenden Raumschiffe ohne Kennung im Orbit des Planeten. Ohne Kennung, aber durch die Erlebnisse der vergangenen Tage eindeutig identifiziert.

»Die Tefroder nehmen Shoraz tatsächlich unter Beschuss!« Madulu Fontak schüttelte fassungslos den Kopf.

Sichu Dorksteiger musterte den Kommandanten der IBANI GALOA. Schatten umgaben seine geröteten Augen. Die jüngsten Ereignisse hatten dem Mann zugesetzt. Er hatte der ETSI aus der Patsche geholfen. Onara Gholad hatte diesen Forschungsraumer mit der SHAREE unter Druck gesetzt, um die Herausgabe der Shoziden-Box zu erzwingen.

Während des Linearflugs hatte Fontak sich von seinem ersten Zornesausbruch beruhigt. Er hatte die Tefroder als Barbaren beschimpft und sich ohne Zögern entschlossen, Shoraz zu Hilfe zu eilen.

Dorksteiger und Gucky hatten ihn nicht zurückhalten können, umgehend dorthin aufzubrechen. Obwohl sie die Suche nach Adarem starten wollten, jenem Ort, von dem Gucky vermutete, dass Perry Rhodan dort gefangen gehalten wurde.

»Das sieht gar nicht gut aus«, meinte Gucky mit Blick auf den Planeten. Er strich sich über die Schnurrhaare und sah finster drein. Ein seltsamer Anblick, hielt man den Ilt doch für einen stets gut aufgelegten Spaßvogel.

Dorksteiger wusste es besser. Sie kannte den wahren Charakter des Mausbibers, der so viele als Freund bezeichnete und dennoch als Letzter seines Volkes eines der einsamsten Wesen der Milchstraße war.

Auf dem großen Hologlobus sah die Zentralebesatzung der IBANI GALOA hilflos mit an, wie die Waffenstrahlen der Tefroder auf Shoraz niederfuhren. Grellweiß leuchteten die Impulsladungen, grün die Desintegratoren. Hin und wieder zuckte der rötliche Spurstrahl einer Thermokanone auf den Planeten hinab und zerschmolz einen Teil der gelben Wüsten zu gläsernen Seen.

»Wir müssen näher heran«, sagte Dorksteiger.

Fontak murmelte eine Zustimmung, legte die Stirn aber in Falten, als er ihr in die Augen sah. Die Ator stand neben dem Sessel des Kommandanten, überragte ihn um gut eine Kopflänge.

Dja Dibaba legte Fontak eine Hand auf die Schulter. Ohne die Spezialistin vom Forschungsraumer ETSI hätten sie niemals den rettenden Kontakt zur IBANI GALOA aufgenommen. Die beiden verband etwas, von dem Dorksteiger nicht genau zu sagen vermochte, was es war.

Der Kommandant lächelte kurz. Er griff nach den dunkelhäutigen Fingern der jungen Frau und strich darüber, ohne das Außenbeobachtungsholo aus den Augen zu lassen.

Diese Geste war überraschend. Aber die öffentlich zur Schau gestellte Zuneigung mochte dem psychischen Druck geschuldet sein.

»Die ETSI wartet auf Sicherheitsabstand von etwas mehr als fünfzehn Millionen Kilometern«, erkannte Fontak.

»Außerhalb der Kernschussweite üblicher militärischer Raumwaffen«, bestätigte Dorksteiger. »Aber die Tefroder scheinen sich ohnehin nicht um die ETSI zu kümmern.«

»Funkstation!«, rief Fontak in Richtung einer der im Halbkreis um seinen Sessel aufgestellten Arbeitskonsolen. »Nehmt Kontakt zur ETSI auf und bringt ihren Status in Erfahrung.«

Er wandte sich wieder Dorksteiger und Gucky zu.

»Dafür sieht es auf Shoraz übel aus. Da scheint schon einiges zu Bruch gegangen sein, mal abgesehen von den Sandstürmen, die durch die Waffeneinwirkungen angeheizt werden. Wir messen seismische Störungen an. Die Tefroder haben die Museumskomplexe offenbar nicht direkt unter Beschuss genommen, aber bereits die Sekundärwirkungen müssen den Hinterlassenschaften der Shoziden erheblich schaden.«

Dorksteiger hörte ein Knirschen und begriff, dass es ihre eigenen Zähne waren, die aufeinander mahlten. Diese sinnlose Zerstörung uralten Kulturguts bereitete ihr Magenschmerzen. Sie sorgte sich jedoch vor allem um die vielen Wissenschaftler, mit denen sie noch vor Kurzem zusammen auf Shoraz geforscht hatte.

»Wie sieht es mit der Forschungsstation am Komplex-Eins aus?«, fragte sie.

Komplex-1, umgangssprachlich bloß »der Komplex« genannt, war die erste Grabungsstätte, die von den olympischen Behörden zur Erforschung freigegeben worden war. Allein sie beherbergte so unermesslich viele Artefakte, dass jemand wie Dorksteiger mehr als ein Leben in den verschachtelten Gängen und Räumen hätte verbringen können. Dort hatten sie auch die Shoziden-Box gefunden.

Fontak wies die Bordpositronik an, die Ortungsbilder vom Komplex in den zentralen Hologlobus zu legen. Sekundenbruchteile später schimmerte die Darstellung des schmucklosen Eingangs zur unterplanetaren Anlage und dessen Umgebung vor ihren Augen.

Der in einiger Distanz davon gelegene, kleine Raumhafen war ein aufgewühltes Feld. Das ultraverdichtete Material aus Quarz und Gesteinsbrocken war dafür ausgelegt, das Gewicht von Raumbooten zu tragen. Aber es war nicht annähernd widerstandsfähig genug, um den energetischen Gewalten zu trotzen, die tefrodische Kampfschiffe daraufgeschleudert hatten.

Die Luft flimmerte von der plötzlichen Hitze, die wie eine Springflut in die üblichen Minusgrade der dünnen Atmosphäre eingedrungen war. Heftige Böen wirbelten Sand und Gestein umher.

»Die Wabenmodule der Wissenschaftler liegen unter dem Schutz eines Energieschirms.« Fontak zeigte auf die schimmernde Sphäre, die immer wieder aufleuchtete, wenn ein Waffenstrahl einschlug. »Ebenso der Eingang zum Komplex. Der Schirm scheint dem Beschuss standzuhalten.«

»Aber nur, weil die Tefroder noch nicht ernst machen.« Dorksteiger bemerkte einen bitteren Geschmack im Mund. »Der Energieschirm ist nur für den Schutz vor Naturgewalten ausgelegt. Maximal gegen den Einschlag eines Meteoriten, weil man befürchtete, dass die dünne Atmosphäre die Station nicht ausreichend davor bewahren würde.«

Wie zur Untermalung ihrer Worte zeigte das Ortungsbild einen von mehreren größeren Asteroiden in Planetennähe. Dorksteiger wusste, dass diese Gesteinsbocken immer wieder mal auf Kollisionskurs mit Shoraz gerieten.

Die Ortungsstation bestätigte ihre Befürchtung. »Lange wird der Schirm nicht halten, Kommandant!«, rief eine junge Olymperin, deren Bestürzung deutlich zu hören war. »Ich messe die ersten Strukturrisse an!«

»Der Kontakt zur ETSI war erfolgreich«, meldete der Funker. »Der Forschungsraumer ist okay, aber Kapitän Huam scheint etwas am Kopf erwischt zu haben!«

»Ich erwarte eine korrekte Meldung!«, herrschte Madulu Fontak den Funker an.

»Der Kapitän überlegt tatsächlich, einen Shift namens ATRAST hinunter nach Shoraz zu schicken. Obwohl ihm nur noch eine Handvoll Leute als Besatzung zur Verfügung stehen.«

»Ich will wenigstens einige aus dieser Hölle befreien!« Kapitän Samiro Huams bronzefarbenes Konterfei, umrahmt von weißen Haaren, entstand als kleines Hologramm über Fontaks Armlehne. Huam kniff die dunkelbraunen Augen wütend zusammen.

Dorksteiger hatte erlebt, dass der Kapitän der ETSI während der Krise zeitweise überfordert gewesen war, schließlich war er ziviler Raumfahrer und beileibe kein Kämpfer. Aber in diesem Moment wurde es offenbar selbst ihm zu viel. Er wollte aktiv werden.

»Hat denn schon mal einer versucht, mit den Tefrodern zu reden?«, fragte Dja Dibaba ihren Kapitän.

SHEONA: Adarem antwortet nicht

14. Mai 1550 NGZ

»Kommandantin ...« Die Funkoffizierin des Flaggschiffs SHEONA stockte.

Onara Gholad sah ihr in die vor Angst glänzenden, schwarzbraunen Augen. Die holografischen Anzeigen, die in verschieden großen Ballungen über der Funkstation schwebten, spiegelten sich darin.

Beryn Mogaw, der von Gholad entführte Kaiser von Olymp, war der Kommandantin gerade erst entrissen worden. Was war noch geschehen?

»... Adarem meldet sich nicht«, brachte die Funkoffizierin die Meldung zu Ende.

Gholad senkte die Lider. Sie blendete das Rund der Zentrale aus, die Abbildung des Weltraums und des in satten Farben leuchtenden Planeten Olymp im Hologlobus.

Tief atmete Gholad ein, in einem Rhythmus, den sie vor vielen Jahren erlernt hatte, um in ihr Innerstes zu sehen. Sie entdeckte das Feuer, diese Wut, die sie in sich trug, seit sie denken konnte.

Ihre Lehrmeister hatten ihr einen Weg gewiesen, die lodernde Flamme zu bändigen. Mit der Zeit hatte Gholad sie zu einem blauen, kalten Licht degradiert. Nur wenn sie diese Leidenschaft benötigte, um an ihre Grenzen zu gehen, erlaubte sie dem Zorn, neuerlich zu entflammen.

Beunruhigt stellte Gholad fest, dass es in ihr brannte. Flammen leckten über die komplexe, psychologische Struktur ihrer Emotionen und Gedanken, die sie zu einem architektonischen Meisterwerk der Beherrschung geformt hatte. Es roch nach Ruß und Rauch. Säulen und Streben knackten bedrohlich. Erschütterungen brachten das Gebäude zum Beben.

»Kommandantin?«, flüsterte jemand.

Es war Falk Anrins Stimme, die inmitten des beinahe unhörbaren Summens und Surrens, Piepens und Fiepens der Zentrale erklang. Gholads Stellvertreter stand neben ihrem leicht erhöht positionierten Kommandantensessel. Er kannte sie gut genug, um klar zu erkennen, dass sie im Moment keine Störung wünschte. Und er war zu loyal und klug, als dass er das Risiko, ihren Unmut zu wecken, ohne triftigen Grund einginge.

Gholad kannte den Grund. Die Besatzung der SHEONA war in den vergangenen Tagen unruhig geworden. Bisher war es ihr immer wieder gelungen, die Frauen und Männer mit Erfolgen zu beruhigen. Doch sie waren Tefroder, Offiziere der Raumflotte, die Elite des Neuen Tamaniums. Loyal und gehorsam, aber keine tumben Befehlsempfänger, sondern intelligente Soldaten.

Nach der Ermordung des Botschafters Zogef Rabild waren die Beitrittsverhandlungen Olymps ins Stocken geraten. Und dieser 14. Mai 1550 Neuer Galaktischer Zeitrechnung wartete mit einer bösen Überraschung nach der anderen auf. Erst die Rück-Entführung von Beryn Mogaw aus der SHEONA, und nun meldete sich Adarem nicht, jener Ort, an dem Gholad Perry Rhodan und Ypheris Bogyr gefangen hielt.

Von den beiden neuen Insassen wusste kaum jemand. Und Details über Mogaws Verschwinden hielt Gholad unter Verschluss. Aber selbst bei einer disziplinierten Besatzung wie derjenigen der SHEONA verbreiteten sich Spekulationen und Gerüchte an Bord rasend schnell.

Gholad öffnete die Augen und sah zu ihrem Stellvertreter. Sie hörte ihn kaum wahrnehmbar schlucken. Nicht aus Angst; Falk Anrin war einer der mutigsten und intelligentesten Tefroder, die sie kannte. Doch er wusste einzuschätzen, dass sie die Mannschaft überzeugen mussten. Zu lange schon harrten sie ohne einen Durchbruch über Olymp aus. Und sein Erfolg war mit dem ihren unauflösbar verknüpft.

»Versucht weiter, Adarem zu erreichen!«, befahl Gholad.

Sie legte alle Bestimmtheit, Überzeugung und Kraft, die sie aufzubringen vermochte, in ihre Worte. Und das war genug, wie sie an den sich straffenden Körpern ihrer Offiziere erkannte.

»Und findet heraus, woran es liegt, dass wir keinen Funkkontakt herstellen können.«

Gholad erhob sich, drehte sich auf dem Absatz um und ging, scheinbar gelassen, zu ihrem Bereitschaftsraum. »Anrin, du hast das Kommando.«

»Kommandantin verlässt Zentrale«, hörte Onara Gholad den Ordonnanzoffizier notieren, bevor das Schott sich hinter ihr schloss.

*

»Alle Systeme sind in Ordnung«, meldete die Funkoffizierin, als Onara Gholad sich nach der Frist, die sie ihren Leuten eingeräumt hatte, wieder auf den Kommandantensessel setzte. »Die Forschungsstation auf Adarem können wir erreichen.«

Gholad bemerkte mit dem feinen Geruchssinn, der ihrem Volk gegeben war, die Aufregung in der Zentrale. Trotz der Klimatisierung war der leicht saure Duft für sie wahrnehmbar.

»Was meldet die Besatzung der Forschungsstation?«

Gholad erlaubte keinem Muskel in ihrem Gesicht, sich über Gebühr zu regen. Niemand sollte bemerken, wie der Zorn in ihr aufloderte.

»Alles läuft dort reibungslos. Aber auch die Forscher können das Gefängnis nicht erreichen. Da es ansonsten keinerlei Hinweis auf ungewöhnliche Vorkommnisse gibt, gehen sie von einem technischen Defekt oder einer absichtlichen Desaktivierung der Funkanlagen aus. Man vermutet ein außerordentliches Wartungsintervall.«

»Unsinn!«, widersprach Gholad emotionslos. »Das hätte man uns gemeldet.«

Sie überlegte kurz, sich abermals in ihren Bereitschaftsraum zurückzuziehen, um ungestört nach Perry Rhodan fragen zu können.

Aber sie verwarf den Gedanken sofort wieder. Niemand außer dem Gefängnisdirektor und ihr wusste von diesem besonderen Gefangenen. Sie durfte den Leiter der Forschungsstation nicht mit der Nase darauf stoßen, welch interessantes Forschungsobjekt sie ihm vorenthielt.

»Die Wissenschaftler sollen im Gefängnis nach dem Rechten sehen!«, befahl Gholad stattdessen. »Keine Erkundungstour, nur den Direktor Kostin Shalaufdag suchen. Er soll sich unverzüglich mit mir in Verbindung setzen.«

Die Funkoffizierin gab die Anweisung weiter. Nach wenigen Augenblicken drehte sie sich zu ihrer Kommandantin um. Ihr Gesicht war blass. Unter der samtbraunen Haut zuckte die Wangenmuskulatur.

Mit mühsam gebändigter Stimme meldete sie: »Die Wissenschaftler sind der Ansicht, dass sie nicht dafür zuständig seien, was im Gefängnis vor sich geht. Die Meldung klingt ... unprofessionell!«

Gholad spürte Wut in sich auflodern, ließ sich das jedoch äußerlich nicht anmerken. »Wie lautet der genaue Wortlaut?«

Die Funkoffizierin spielte ihn ab.

»Nachsehen? Im Gefängnis?« Die Stimme des Wissenschaftlers triefte vor Hohn. »Schert uns nicht, was bei denen drüben los ist. Womöglich läuft da eine Gefangenenrevolte ab – und wir bringen uns bestimmt nicht für euch in Gefahr. Dafür sind wir zu wertvoll für das Tamanium. Das ist eure Sache. Militärkram. Seht doch selbst nach. Adarem Ende.«

Onara Gholad ballte eine Hand zur Faust und bemühte sich um eine beruhigende Atemtechnik. Sie widerstand der Verlockung, sich direkt mit dem unverschämten Mann verbinden zu lassen.

»Richte dem Wissenschaftler meinen besten Dank aus und versichere ihm, dass ich mich eines Tages erkenntlich zeigen werde.«

Die Funkoffizierin grinste. Sie wandte sich ihren holografischen Kontrollen zu, einer Wolke leuchtender Blasen. In einer davon winkte der Mann lässig ab.

*

Onara Gholad mochte es nicht, wenn ihr die Zügel aus den Händen glitten, der Fahrll unter ihr bockte und durchzugehen drohte. Wenn er schnaubte und Schaum von den zwei Mäulern durch die Luft wirbelte. Wieder traten Ereignisse ein, die ihre Überlegungen durcheinanderbrachten und sie zwangen zu reagieren, anstatt zu agieren.

Aber sie war gewohnt, sich auch unter schwierigsten Bedingungen im Sattel zu halten und durch geschicktes Handeln von der Reaktion in die Aktion zurückzukehren.

Gholad betrat erneut ihr Bereitschaftszimmer und setzte sich an den Tisch. Mit einem Wink holte sie die zahlreichen Hologramme von der zentralen Anzeige und platzierte über die fein gemaserte Holzplatte.

Die Zeit lief ihr davon. Es dauerte zu lange, den Anschluss des Olymp-Komplexes an das Neue Tamanium zu vollenden und den Mutaktor an sich zu bringen. Gholad musste an allen Brennpunkten den Druck erhöhen, die Gegner zu Fehlern zwingen und die Sache endlich zum Erfolg führen.

Ein wichtiger Schritt hierzu wäre, die Unruhen auf Olymp zu beenden. Leider war die Querulantin Derin Paca bisher nicht verhaftet worden, obwohl sie bereits seit dem Vortag zur Fahndung ausgeschrieben war.

Die Großdemonstration war zwar beendet. Nur noch auf Hauptplätzen in Trade City, Olymps Hauptstadt, versammelten sich Bürger. Die Rufe nach dem Kaiser Beryn Mogaw, nach Erklärungen zur tefrodischen Besatzung, waren verstummt.

Aber immer wieder flammten neue Feuer bei den Demonstranten auf. Nicht nur Derin Paca stachelte die Menge an. Auch ein selbst ernannter Guru der Olymper namens Ram Nanuku war Gholad ein Dorn im Auge. Die beiden hatten gemeinsam zu den Protesten aufgerufen und ein Amtsenthebungsverfahren gegen Beryn Mogaw ins Gespräch gebracht.

Agieren!, dachte Gholad.

Sie aktivierte eine Funkverbindung zu den Bodentruppen, die sie auf Olymp stationiert hatte. »Stell eine Eingreiftruppe zusammen!«, befahl sie dem Diensthabenden. »Mach den Aufenthaltsort von Ram Nanuku aus, und nimm ihn in Gewahrsam.«

»Jawohl, Kommandantin.«.

Gholad wollte die Verbindung schon trennen, überlegte einen Augenblick und fügte dann hinzu: »Möglichst unter Ausschluss der Öffentlichkeit.«

*

»Kommandantin«, meldete die Positronik von Onara Gholads Bereitschaftsraum. »Falk Anrin wünscht einzutreten.«

»Herein!«

Gholad wartete, bis sie das leise Zischen des Schotts hörte, und drehte ihren Sessel herum. Mit gelassenem Lächeln empfing sie ihren Stellvertreter.

Für einen Augenblick musterte er sie, dann riss Falk Anrin sich zusammen und nahm Haltung an. Wurde er zu einem Problem? Gholad hoffte nicht, denn es würde lange Zeit benötigen, einen ihm ebenbürtigen Offizier zu finden, der ihn als ihren wichtigsten Vertrauten ersetzen könnte.

»Wir haben eine verschlüsselte Nachricht empfangen«, meldete Anrin. »Sie ist über die offizielle militärische Frequenz eingetroffen und kann nur am speziellen Terminal für den Befehlsempfang geöffnet werden.«