Oskar, der Hygieniker - Oskar G. Weinig - E-Book

Oskar, der Hygieniker E-Book

Oskar G. Weinig

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Beschreibung

Das Buch beschreibt die Lebensgeschichte von Oskar, Gesundheitsaufseher in Nordland in der Republik Banyer. Oskars beruflichen Werdegang im öffentlichen Gesundheitsdienst kann der Leser mit Spannung verfolgen. Dabei kann er sich sowohl in den Inhalt als auch in den Sprachstil sehr gut hineinlesen. Das Buch gibt Einblick in die Mühlen der deutschen Bürokratie aus der Sicht des deutschen Bürgers. Die Leser erhalten die Möglichkeit, einer ungewohnten Erzählerfigur über die Schulter zu schauen und so Einblick in das deutsche Bürgertum vergangener Jahrzehnte zu erhalten. Als Leser wird man mit Oskar vertraut, identifiziert sich mit ihm, fiebert mit bei seinen Konflikten im Kampf gegen die Widrigkeiten der hiesigen Bürokratie (das Sujet "Individuum" gegen eine obrigkeitsstaatliche Bürokratie erinnert Kafka). Anders als bei Kafka werden die Gegner hier aber deutlich bzw. konkret. Dabei wird mit der Hygienekontrolle ein tagesaktuelles Thema angesprochen und sogar Hinweise gegeben, wie diese in Zeiten von Corona zu verbessern seien.

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Seitenzahl: 221

Veröffentlichungsjahr: 2021

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»Man muss das Wahre immer wiederholen, weil auch der Irrtum um uns her immer wieder gepredigt wird, und zwar nicht von Einzelnen, sondern von der Masse, in Zeitungen und Enzyklopädien, auf Schulen und Universitäten. Überall ist der Irrtum obenauf, und es ist ihm wohl und behaglich im Gefühl der Majorität, die auf seiner Seite ist.«

Goethe zu Eckermann

Inhalt

Vorwort

Oskars Anfang als Hygieniker

Gesundheitsamt Anisburg

Theorievermittlung eines Gesundheitsaufsehers

Erste Erfahrungen als Gesundheitsaufseher

Verwässertes Weinfest

Friedhofsabfallcontainer zweckentfremdet

Taubenliebhaberin

Ein Puma zu Hause

Gesundheitsamt Lingen

Anisburg ade, Lingen ich komme

Hausbrunnen im Kuhstall

Zweifelnde Ortsbewohner

Geiz schützt vor Torheit nicht

Parkplatzproblem

Kompetenzanmaßung

Rotkreuzschwimmen im Baggersee

Rattenplage bei einem Schäfer

Rattenplage bei einem Nebenerwerbslandwirt

Obdachlos

Sammelleidenschaft einer Dame

Gesundheitsamt Weinfurt

Weinfurter Tage

Der beste Amtsarzt aller Zeiten

Lingen, ich bin wieder da

Weißes Trinkwasser

Flöhe in der Kreisklinik

Ein Bürgermeister für alle Fälle

Konkurrenz des Arztes

Ein Schreibtisch voller Geheimnisse

Gesundheitsamt Aales-Eichwald

Außenstelle Marktoberfeld

Gesundheitsamt Marktoberfeld zieht um

Die Rattenburg

Eine Wohngemeinschaft mit Ratten und Ziegen

Alle Jahre wieder

Mit der Tür in die Wohnung gefallen

Pilze im Schlafzimmer

Trinkwasser ein hohes Gut

Eine nur gefühlte Katastrophe

Biber ohne Baugenehmigung

Wasser ist Leben

Wasserwerker

Siebenschläfer in der Quelle

Eine verschworene Gemeinschaft

Ungebetener Gast an einem Badesee

Ein Frei- und Hallenbad kommt in die Jahre

Die wahren »Freunde«

Ozon im Schwimmbad

Die Schneewittchen-Stadt

Brotzeit im Operationssaal

Tollwut im Eichwald

Freischwimmer im Friedhof

Die Toten lassen grüßen

Behördliches Kommunikationsnetzwerk

Personalpolitik

Fortbildung muss sich »lohnen«

Beurteilungen – ein subjektives Führungsinstrument

Verbesserungsvorschlag »Verwaltung«

Die Personalsachbearbeiterin Klister

Die verstoßenen Akten

Die gesundheitsschädigende Leiche

Ehrenamt ade

Dienstunfall, der keiner sein darf

Weitere Revanchen der Nordland-Regierung

Beruflicher Aufstieg, eine Frage der Ehre?

Lügen, bis sich die Balken biegen

Prüfung für den Aufstieg

Stresstest für die Gesundheitsämter

Ausflug in das Showgeschäft

Erste Schritte bei Rundfunk und Presse

Formaldehyd – ein heißes Eisen

Zwei Tage mit dem Fernsehen unterwegs

Achtung Kontrolle

Schlussakkord

Oskars Erkenntnis im Dienste seines Souveräns

Abschied vom Gesundheitsamt

Datenpanne mit Corona-Tests

Dank

Literaturverzeichnis:

Tabellen und Graphiken:

Berufliche Biographie von Oskar

»Öffentliche Gesundheit ist eine Ware, man kann sie ausliefern oder auch nicht. Eine Gesellschaft kann also ihre Todesraten gewissermaßen selbst bestimmen.«Unbekannter Amtsarzt, New York City, 1889

Vorwort

Oskar reitet«

Wohin?

Durch ein berufliches Leben – in welchem Land? -, an dem er uns in schwungvoller Weise teilhaben lässt, an all seinen Höhen und Tiefen. Den Gesundheitsdienst schildert er mit packenden Details, zu Menschen und Aufgaben.

Vor uns liegt der Entwicklungsgang einer vielfältig interessierten und an steter Weiterbildung arbeitenden Persönlichkeit und wir fragen uns, ob sein Einsatz und seine Erfahrungen immer ausreichend gewürdigt wurden. Die Schilderungen des Alltags eines Hygieneinspektors sind packend, berührt doch dieser Beruf wichtige Lebensbereiche des Bürgers, implizieren aber auch politische Fragen und Verwicklungen.

Und wie überall sind in diesem Spektrum eines Gesundheitsamtes auch die unterschiedlichsten Menschen vertreten, empathische und sympathische und auch andere. Oskar beschreibt und charakterisiert die handelnden Personen und gibt uns einen tiefen Einblick in die menschliche Seite seiner beruflichen Erfahrungen.

Ein engagierter Zeitgenosse zieht Bilanz, mit Schwung, mit Witz, analysiert menschliche Schwächen, ohne zu verletzen. Er zeigt ein listiges Lächeln, das beweist, dass er jede Phase seines Lebens beruflich genossen hat, aber auch, dass er stolz ist, die vielen Hindernisse, die ihm in den Weg gelegt wurden, überwunden zu haben.

Goethe sagte:

»Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.«

Ich wünsche Oskar viele interessante Erfahrungen und menschliche Begegnungen auch in seinem »Unruhestand«.

Ilse Schedl

Oskars Anfang als Hygieniker

Oskar verschlang bis spät in der Nacht Bücher seiner Vorbilder Che Guevara und Indira Gandhi. Bereits in der Bundeswehr war er ein Freigeist und achtete Autoritäten nur auf Grund ihrer Fachkompetenz. In seiner Laufbahn innerhalb des öffentlichen Dienstes kämpfte er unermüdlich gegen den Patriotismus in den Amtsstuben. Drahtig und sportlich ging Oskar auftretende Probleme an. Seine ehemals dunkelblonden Haare ergrauten vorzeitig im Kampf um Gerechtigkeit.

Zwischenzeitlich stand für Oskar fest, dass seine Zukunft nicht in der Bundeswehr zu finden sei. So fragte er sich, welche Arbeit er nach zwölf Jahren Sanitätsdienst im Zivilleben aufnehmen kann, damit er sich und seiner Familie ein verträgliches Einkommen sichern könne. Er beschaffte sich Informationen über die Berufe im Gesundheitswesen, wobei ihm als Erstes der Beruf des Sozialmedizinischen Assistenten im öffentlichen Gesundheitsdienst ins Auge sprang. Sogleich vereinbarte er ein Gespräch mit Vertretern der Regierung von Nordland. Der leitende Medizinalbeamte Ebner empfing ihn recht herzlich in seinen Amtsräumen.

Mit seinem mausgrauen Anzug und einer Fliege am Hals flößte der weißhaarige Medizinalbeamte Respekt und Ehrfurcht ein. Ebner verkörperte den Beamtentypus des vergangenen Jahrhunderts. Ehrerbietig und kenntnisreich auftretend, vermittelte er den Eindruck der Göttlichkeit. Andererseits gab er einem durch sein ruhiges Auftreten und sein gütiges Lächeln das Gefühl der Geborgenheit. Auch strahlte er eine Autorität aus, die von Fachwissen geprägt war. Rundum eine Führungspersönlichkeit, die Oskar nicht alle Tage kennenlernte. Er erinnerte ihn an seinen Professor aus dem Bundeswehrkrankenhaus und er fühlte sich von dieser Atmosphäre sofort angesprochen.

Das Informationsgespräch verlief ruhig und sachlich. Ebner redete Oskar sofort den Beruf der Sozialmedizinischen Assistenten aus. Für ihn war es unvorstellbar, dass ein Mann bei der Mütterberatung und bei den Röntgenuntersuchungen mitarbeitete. Mit dem Argument »Stellen Sie sich vor, die Frauen müssen sich vor der TBC-Röntgenuntersuchung vor einem Mann ihre Brüste entblößen, die Frauen würden sich sofort bei mir beschweren« war dieser Arbeitsplatz für ihn erledigt.

Ebner mit seiner honorigen Stimme wusste jedoch Rat und empfahl ihm eine andere Tätigkeit im Gesundheitsamt: die Stelle eines Gesundheitsaufsehers. Zunächst einmal sagte Oskar dieser Beruf nichts, rein gar nichts. Auch die kurzen Erklärungen hierzu konnten ihn noch nicht von diesem Beruf überzeugen. Also holte er sich mühsam die Informationen bei allen möglichen Stellen. Die elektronische Datenverarbeitung und das Internet befanden sich in den achtziger Jahren noch in den Kinderschuhen. Die Kommunikation und die Korrespondenz verliefen über den Postweg.

Doch je größer die Probleme, umso intensiver forschte Oskar in den Archiven. So las er die amtliche Stellenbeschreibung für den Dienstposten der Beamten und Beamtinnen im mittleren Gesundheitsdienst: Der Gesundheitsaufseher würde als Mitarbeiter der Ärzte der Gesundheitsämter eingesetzt. Der Grad der Selbstständigkeit bei der Erfüllung der Dienstaufgaben richte sich nach den jeweiligen Umständen. Sie arbeiten auch mit anderen Fachkräften zusammen. Das Aufgabengebiet umfasse die Seuchenhygiene und die Wasserhygiene sowie Orts- und Umwelthygiene.

In den Verlautbarungen des Berufsverbandes konnte Oskar nachlesen, dass der Gesundheitsaufseher seine Dienstaufgaben selbstständig verrichte. Dabei sei er unter der fachlichen Aufsicht des Leiters des Gesundheitsamtes und werde in Übereinstimmung mit den einschlägigen Gesetzen, Verordnungen und Richtlinien aus der Banyerrepublik, der Bundesrepublik Germania sowie der Europäischen Union tätig.

Besonders gefiel Oskar, dass er beratend tätig und mit den Bürgern in engem Kontakt sein konnte. Die Möglichkeit eines abwechslungsreichen und verantwortungsvollen Dienstes in der Infektionshygiene sowie in der Umwelthygiene imponierte ihm. Hinzu kam, dass der vielfältige und vielseitige Dienstposten des Gesundheitsaufsehers selbstständige Leistungen sowie gründliche und umfassende Fachkenntnisse und Fertigkeiten erforderte.

Ein Abflachen der Aufgaben zur bloßen Routine ist in diesem Beruf nicht gegeben, da Örtlichkeit, Sachverhalt, Bauweise technischer Einrichtungen und die Personen, die als Gesprächs- und Verhandlungspartner ihm gegenüberstehen, stets wechseln. Er wird ständig vor neue Probleme gestellt, welche die Gesundheit der Bevölkerung betreffen und beeinträchtigen. Nicht alle Angelegenheiten lassen sich nach Rechtsvorschriften beurteilen und regeln, besonders wenn in diesen die aufgetretenen Sachverhalte noch nicht oder nicht ausreichend berücksichtigt sind.

Jede angetroffene Situation verlangt persönliche Initiative, geistige Beweglichkeit, selbstständiges Beurteilen des vorgefundenen Problems. Oskar imponierte zudem, dass in dieser Tätigkeit von ihm Entschlusskraft, Originalität, verantwortungsbewusste Sorgfalt und selbstständiges Erbringen von Leistungen gefordert seien. Eine der Aufgaben besteht darin, die Ermittlungen bei Infektionskrankheiten zu führen.

Also beschloss er, diesen anspruchsvollen Beruf zu ergreifen, auch im Sinne einer möglichen beruflichen Weiterentwicklung. Also bewarb er sich für eine frei werdende Stelle im Gesundheitsamt Anisburg. Sein Professor in Ulm hatte ihm ein ausgezeichnetes Arbeitszeugnis ausgestellt, was seine Bewerbung bei seinem zukünftigen Arbeitgeber unterstützte. Oskars unermüdlicher Einsatz beim Aufbau der neu eingerichteten Abteilung im Bundeswehrkrankenhaus und das Interesse der Vereinfachung des organisatorischen Ablaufes im Pflegebereich wurden damit belohnt.

Professor Schütte schrieb in Oskars Arbeitszeugnis: »Zeit und Mühe hat er nie gescheut, wenn es darum ging, den meist älteren Patienten mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Um den guten Ruf der Abteilung hat er sich deshalb besondere Verdienste erworben. Sein Interesse überstieg das übliche Maß, deshalb wurde ihm oft Gelegenheit gegeben, bei den ärztlichen Untersuchungen zugegen zu sein. Seine intelligenten Fragen wiesen ihn stets als aufgeschlossenen, überdurchschnittlich interessierten Mitarbeiter aus.« Im letzten Absatz wies Professor Schütte noch darauf hin, dass er »seinen Fortgang bedauert, weil ihn ein besonderes persönliches Verhältnis mit ihm verbindet«.

Bei so viel Lob hatte die Bewerbung Erfolg und Oskar trat seine Ausbildung im Gesundheitsamt Anisburg an. Auch bekam er von dem Berufsförderungsdienst der Bundeswehr die Zusage, dass sämtliche anfallenden Kosten übernommen werden würden. Lehrgänge, das Gehalt für eineinhalb Jahre Ausbildung und die Literaturkosten, alles wurde von der Bundeswehr übernommen. So begann für Oskar seine Karriere der Republik Banyer.

Am Anfang von Oskars Karriere standen die Ermittlungen von Durchfallerkrankungen im Vordergrund. Von den Salmonellenerkrankungen verschob sich das Augenmerk immer mehr auf eine Vielzahl weiterer Infektionserkrankungen. Die Methoden der Labordiagnostik entwickelten sich rasant weiter. Durch die Entwicklungen der Wissenschaft und durch die modernen Labortechniken konnten die Viren und Bakterien immer genauer differenziert werden. Dies hatte erhebliche Auswirkungen auf die Tätigkeit eines Hygienekontrolleurs.

Musste Oskar am Anfang seiner Karriere zum Beispiel noch jeder Salmonelle hinterherjagen, so waren nunmehr die Ermittlungen bei Infektionsausbrüchen und gesundheitsrelevanten Bereichen erforderlich.

Es wäre vieles über das Arbeitsleben Oskars zu berichten, jedoch aus der Vielzahl seiner Erlebnisse im Dienste der Gesundheit können nur einige herausragende Ereignisse erwähnt werden. Die Nennung der reichlichen Konflikte, die Oskar im Laufe seines Arbeitslebens widerfahren sind, soll nicht über sehr vielen heitere und fröhliche Geschichten, welche er mit Kollegen sowie mit Bürgern erlebte, hinwegtäuschen.

»Das Wissen hat Grenzen, das Denken nicht.«Albert Schweitzer

Gesundheitsamt Anisburg

Theorievermittlung eines Gesundheitsaufsehers

Zunächst ging es für zwei Wochen nach Langenau, um erste Erfahrungen in Bezug auf Schädlinge und deren Bekämpfung zu sammeln. Frustrierend war für ihn der Hörsaal. Nicht einladend und eng, mussten sich die Lehrgangsteilnehmer in dem stickigen Raum stundenlange Monologe anhören. Doch auch das hat einmal sein Ende gefunden und Oskar konnte mit bestandener Prüfung das Zertifikat eines »staatlich geprüften Desinfektors« in Empfang nehmen.

Als Nächstes stand Oskar ein Semester an der Akademie für das öffentliche Gesundheitswesen in Münchhausen bevor. Am siebten Januar 1982 sollte der Lehrgang zur Anstellung im mittleren Gesundheitsdienst in Münchhausen beginnen. Bereits am Vortag fuhr Oskar mit der Bahn von Ulm nach Münchhausen zur Verwandtschaft, wo er für die Zeit seines Seminars Unterschlupf fand. An diesem Tage wie auch an den folgenden Tagen hatten auf Grund der extremen Witterungsbedingungen die Züge erhebliche Verspätungen. Meterhohe Schneeverwehungen blockierten die Strecke und viele Züge fielen aus. Auch Oskar blieb nicht davon verschont und musste im freien Feld den Zug wechseln, weil durch die Kälte die Weiterfahrt blockiert war.

Zum Glück hatte Oskars Tante in dem Schneetreiben am Bahnhof Ottobrunn gewartet und er kam noch an diesem Tag zu seinem Schlaf. Nicht jeder Seminarteilnehmer war am nächsten Tag bei Beginn des Seminars ausgeschlafen. Viele mussten sich erst noch Unterkünfte suchen, denn der Dienstherr war nicht in der Lage, Schlafräume zur Verfügung zu stellen. Auch sah es der Dienstherr nicht als seine Verpflichtung an, entsprechende Unterkunftsmöglichkeiten zu vermitteln.

Fast einen Meter Neuschnee, das hatte Oskar in Münchhausen noch nicht erlebt. Diejenigen Kollegen, die am selben Tag angereist waren, hatten alle Verspätung. »Das fängt ja schon gut an«, dachte sich Oskar, »wenn das so weitergeht, bin ich schon gespannt, wie stürmisch die weitere Berufslaufbahn wird.«

Seminarspieß Ambeg sah jeden Tag nach dem Rechten, zählte seine Schäfchen und war zufrieden, wenn alle im Hörsaal saßen. Ihm oblagen die Organisation der Vorträge und die Exkursionen zu hygienisch relevanten Einrichtungen. Von A wie Abfall bis Z wie Zecken waren im Stundenplan verschiedene Themen zu verzeichnen. Trinkwasser und Infektionskrankheiten nahmen die Hälfte der Stunden in Anspruch und wurden umfassend bearbeitet. Im Verlauf des Seminars wurde Oskar immer klarer, dass die Arbeit des Gesundheitsaufsehers nach dem Motto »von der Wiege bis zur Bahre« alle Lebensbereiche eines Bürgers berührt.

Zur praktischen Vermittlung der umfangreichen Aufgaben waren die Exkursionen vorgesehen. Die Besichtigung der Trinkwasserversorgung der Stadt Münchhausen stand als Erstes auf dem Programm. Im Mangfallgebiet konnten sich die angehenden Gesundheitsaufseher von der Wichtigkeit eines Trinkwasserschutzes überzeugen. Bereits um die Jahrhundertwende hatte Max Pettenkofer erkannt, dass verheerende Seuchen von ungeschütztem Trinkwasser ausgehen können. So baute er vierzig Kilometer von Münchhausen die ersten Trinkwassererschließungen in einem Waldgebiet auf. Im freien Fall ohne Pumpleistung fließt danach das Trinkwasser nach Münchhausen und versorgt die Bevölkerung mit Trinkwasser.

Bei der Exkursion zu der Kläranlage des Amper-Verbandes in Geiselbullach überzeugten sich die Gesundheitsaufseher von der Wirksamkeit einer hochgerüsteten Kläranlage. Durch mehrere Stufen müssen die Abwässer fließen, damit es am Ende des Reinigungsvorgangs in den Vorfluter eingeleitet werden kann.

Bei einer Schifffahrt auf dem Starnberger See führten altgediente Kollegen eine fachgerechte Entnahme von Wasserproben aus Tiefengewässern vor. Zur Feststellung der Unbedenklichkeit für ein Badegewässer war eine mikrobiologische Untersuchung notwendig, die fachgerecht aus dem Badegewässer entnommen werden musste.

So verging das Semester in Münchhausen wie im Fluge.

Bei den Abschlussprüfungen schlug sich Oskar wacker und legte die Prüfungen mit Platz drei ab. Zurück in Anisburg warteten noch ein Praktikum auf der Infektionsstation der Universitätsklinik Anisburg und ein Praktikum im bakteriologischen Untersuchungsamt in Anisburg auf ihn. Danach konnte er mit dem Ausbildungsdienst im Gesundheitsamt Anisburg beginnen.

Erste Erfahrungen als Gesundheitsaufseher

Auf Grund seiner Ausbildung als Krankenpfleger und Sanitäter nahm Oskar mit Dienstantritt auch im vollen Umfang die Aufgaben eines Gesundheitsaufsehers wahr. An eine Ausbildung oder dergleichen war nicht zu denken. Der Dienstherr ging davon aus, dass Oskar sich das erforderliche Wissen selbst aneigne und sich den Rest aus der Literatur holen könne.

Drei Unikate von Amtsärzten lernte er hierbei kennen. Da war zum einen der Chef, Amtsarzt Hüfner, welcher wie Ebner als seriöser, auf das Aussehen achtender, bescheidener Mediziner, jedoch ohne Fliege auftrat. Mit seinen bedachten und wohl gesetzten Worten konnte er überzeugen und sowieso keiner Fliege etwas zu Leide tun.

Der zweite Arzt Doktor Stark war ein wundersamer Arzt. Mit seiner Größe von einhundertfünfundfünfzig Zentimetern hatte er in seinen Leben schon mehr geleistet als jeder seiner ärztlichen Kollegen, die auf ihn herabsahen und belächelten. Im großen Krieg hat er als Sanitätssoldat die verschütteten Opfer geborgen und wo alle davonrannten, war er zur Stelle, um Verletzte aus den Trümmern zu bergen und zu versorgen. Sein Wissen um die tiefen Verletzungen, welche Worte erzeugen können, hat ihn immer so handeln lassen, dass niemand sich ungerecht behandelt fühlte.

Da wäre noch Doktor Wagner, ein seltsamer Heiliger, jedoch wie seine beiden Kollegen ein Mediziner, der Verständnis für die Mitarbeiter zeigte. Mit seiner stattlichen Größe stellte er auch eine Persönlichkeit dar, wenn nicht seine gebückte Haltung dieses Bild vernichtet hätte. Rat geben und Rat annehmen war für ihn selbstverständlich. Einige seltsame Anekdoten lassen sich von ihm erzählen.

Bei einem Besichtigungstermin zu einem Wasserwerk fuhr Doktor Wagner wie immer selbst. Er am Steuer, Kollege Max auf dem Beifahrersitz, Oskar auf dem Rücksitz. Kurz vor dem Ziel spitzte sich folgender Dialog zu: »Herr Doktor Wagner, in einhundert Metern kommt der Parkplatz. Sie müssen Ihren Blinker setzen.« Erwiderung von Wagner: »Muss ich das?« Max: »Ja!« Kurze Stille, dann Max: »Herr Doktor, Sie müssen nun einschlagen.« Angekommen am Parkplatz: »Herr Doktor hier ist ein freier Parkplatz.« Dazu Doktor Wagner: »Glauben Sie, hier ist genug Platz für mein Auto?« Max: »Es reicht, Herr Doktor.« Glücklicherweise wurde das Auto eingeparkt und die Truppe konnte zur Besichtigung schreiten.

Beim Ausparken dann das gleiche Spiel in umgekehrter Reihenfolge. Beim Linksabbiegen erfolgte erneut ein Dialog. »Herr Doktor, wir müssen links abbiegen«, gab Max seine Anweisungen, darauf Wagner: »Dort vorne?« Max: »Herr Doktor, Sie müssen nun links blinken.« Antwort von Wagner: »Ja wirklich?«

Ein anderes Mal kam eine Prostituierte aufgeregt in das Geschäftszimmer des Gesundheitsamtes und beschwerte sich über den Arzt. Er habe bei der Untersuchung in ihrem Genitalbereich plötzlich in seine Hose gelangt und habe dort herummanipuliert. Vor Schreck sei sie von der Liege gesprungen und aus dem Zimmer gerannt. Eine Angestellte konnte die Dame beruhigen, es sei nur wieder einmal der Leistenbruch des Arztes herausgegangen und er habe diesen wieder nach innen weggedrückt.

An einem kalten Wintertag lief eine erschreckte Dame in das Geschäftszimmer herein und wollte wissen, warum der Arzt plötzlich das Zimmer verließ. Sie habe bereits zehn Minuten gewartet, ohne dass der Arzt zurückkam. Während der Untersuchung sei er ohne ein Wort zu sagen aufgestanden, habe seinen Pelzmantel angezogen, eine Pelzmütze aufgesetzt sowie seinen Schal umgebunden. Ohne einen Ton zu sagen sei er dann aus dem Zimmer gegangen. Auch hier konnte die Verwaltungsangestellte die Dame beruhigen. Der Arzt habe nur seine Parkuhr in der angrenzenden Seitenstraße nachgestellt, damit er keine Strafzettel bekomme. Die Verwaltungsangestellte führte die Dame wieder in das Behandlungszimmer, wo der Arzt nach seiner Rückkehr seine Untersuchungen fortführte.

Dann wären hier noch die beiden Arbeitskollegen von Oskar, der eine kurz vor der Pension, der andere im mittleren Alter. Max, der ältere Kollege, eine gesetzte Figur mit graumeliertem Haar, war ein geradliniger Beamter, jedoch ein herzensguter Mensch. Mit seiner hohen Stirn, immer hilfsbereit, stand er Oskar mit Rat und Tat zur Seite. Franz, ein Sportlertyp mit kahlem Schädel, war in sich selbst verliebt und von sich überzeugt. Eine andere Meinung war für ihn kurz vor der Gotteslästerung. Beide hundertfünfzigprozentigen Beamten, die den i-Punkt erfunden haben könnten. Beide waren auf die strikte Ablage der Schriftstücke und auf penible Einhaltung der Vorschriften bedacht.

So wurde Oskar in seiner Ausbildung zum Gesundheitsaufseher Teil dieser Truppe. Er etwas chaotisch, der auch einmal fünfe gerade sein ließ und immer erst einmal versuchte, Probleme im Gespräch zu lösen. Auf der anderen Seite die beiden Kollegen, hundertfünfzigprozentige Beamte.

Verwässertes Weinfest

Reich an Wein, arm an gesundheitlich unbedenklichem Trinkwasser, so stellte sich eine Gemeinde in der Mainschleife des Weinlandkreises Lingen den Gesundheitsaufseher Oskar dar. Ein Ortstermin nach dem anderen war erforderlich, um dem Bürgermeister die Trinkwasserproblematik zu erklären. Erhöhte Nitratwerte, bakteriologische Belastungen und eine nicht schätzbare Grundwassererschließung erforderten die Neuprojektierung eines Brunnens oder den Anschluss an eine überörtliche Wasserversorgung. Auf der anderen Mainseite befand sich eine Brunnengalerie eines Wasserversorgers, mit der die angrenzende Stadt mit einwandfreiem Trinkwasser beliefert wurde. Doch der Bürgermeister war beratungsresistent.

Rechtzeitig vor einem Weinfest konnte Oskar die Schließung der Wasserversorgung durch die Vollzugsbehörde erreichen. Die Aufregung, die danach erfolgte, ließ Oskar kein ruhiges Wochenende verbringen. Der Wasserwart und die aufgeregte Bevölkerung verfluchten Oskar, weil er es wagte, ihre »gute« Trinkwasserversorgung zu schließen. Sie stünden eingeseift unter den Duschen und plötzlich kam kein Wasser mehr. Notgedrungen ließ Oskar den Gebrauch des Wassers für das Duschen zu. Jedoch für den Gebrauch als Trinkwasser musste sich die Gemeinde etwas anderes einfallen lassen. In Eile wurde zu einem anderen Ortsteil eine fliegende Leitung verlegt, damit die Wasserhochbehälter gefüllt werden konnten, somit war es möglich, die Trinkwasserversorgung zu gewährleisten, bis die Neukonzeption der Trinkwassersicherstellung abgeschlossen werden konnte. Innerhalb von einem halben Jahr konnte die Gemeinde die Übernahme der Verbindungsleitung dem Gesundheitsamt melden.

Bei Oskars nächster Begegnung mit dem Ortsoberhaupt gab ihm dieser zu verstehen, wenn er wiederkomme, solle er seine schusssichere Weste anlegen und die Mistgabeln lägen schon bereit.

Friedhofsabfallcontainer zweckentfremdet

Verzweifelt rief eine Mutter aus einer kleinen Gemeinde im Furter Gau bei Oskar an und bat ihn um Hilfe. Im Nachbargrundstück lebe eine alte Dame in unhygienischen Verhältnissen, sie befürchte, ihre Kinder könnten durch infektiöse Krankheitskeime angesteckt werden.

Bei dem Ortstermin war es nicht möglich, das betroffene Bauernhaus zu betreten. So klingelte Oskar bei der Nachbarin, damit er von ihrem Grundstück Einblick in das Grundstück bekam. Was er von dem Fenster zum Hof der alten Dame sah und was die Beschwerdeführerin erläuterte, war für den frisch von der Ausbildung kommenden Oskar Neuland.

Die alte Dame konnte vor lauter Müll nicht mehr von der normalen Haustür in das Haus treten, sondern musste über eine alte Stiege auf das Garagenflachdach steigen und von dort konnte sie über die Balkontür in ihre Wohnung gehen. Hatte es geregnet, war der Aufstieg schwieriger, denn es lag eine Plane über der Treppe. Drei Stufen hochgestiegen, zwei Stufen zurückgerutscht, so kam sie auch an ihr Ziel.

Hatte sie ihre Notdurft zu verrichten, nahm sie Zeitungspapier unter den Arm, stieg die Treppe hinunter zu einem Überdach an der Scheune, breitete die Zeitung aus, verrichtete ihre Notdurft und packte alles schön zusammen. Als Nächstes kam der Gang zum Friedhof, wo sie die Fäkalien im Abfallbehälter des Friedhofes entsorgte.

Im Amt zurück setzte sich Oskar mit der Gemeindeverwaltung in Verbindung, damit diese geordnete Verhältnisse herstellte.

Taubenliebhaberin

Die Lebensaufgabe einer Witwe im Anisburger Nobelstadtteil bestand in der Fütterung und Asylgewährung von Tauben. Das noble Einfamilienhaus war mit einer Schar von Wildtauben besiedelt. In keinem Zimmer fand sich ein Fleck, der nicht bereits mit Vogelkot besetzt war. Dieses Bild bot sich den Gesundheitsaufsehern, welche von besorgten Nachbarn gerufen wurden.

Die gastfreundliche Dame ließ die Beauftragten des Gesundheitsamtes voller Überzeugung in ihr Haus. Bereitwillig zeigte sie ihnen die Wohnung und voller Stolz erklärte sie ihre Tierliebe zu den von ihren geliebten Tauben. Kein Schritt war möglich, ohne dass Vogelkot an den Schuhen klebte. Überall lagen die Hinterlassenschaften der Tauben. Durch die offenen Fenster konnten sich die Tauben frei bewegen. So wurden sie auch ein Gefährdungsrisiko für die angrenzenden Nachbarn.

Trotz der Freundlichkeit der noblen Damen musste die Stadtverwaltung verständigt werden, damit die unhygienischen Zustände des Hauses beseitigt wurden.

Ein Puma zu Hause

Kurz bevor Oskar das Gesundheitsamt nach eineinhalb Jahren wechselte, wurde er zu einem Mehrfamilienhaus gerufen. Die Nachbarn einer Dreizimmerwohnung beschwerten sich über unangenehme Gerüche und freilaufende Mäuse des Hausgenossen. Also machte sich Oskar auf den Weg zu der Familie. Auf Klingeln wurde ihm freundlich geöffnet und ein Junge ließ ihn in die Wohnung,

Die Wohnung war aufgeräumt und sauber, allerdings beherbergte die Dreizimmerwohnung einen kleinen Zoo. Zwei Schäferhunde, sieben Katzen und zwei Boa constrictor nannte die Familie ihr Eigen. Dazu noch auf dem Balkon eine Mauszucht für die Fütterung der Boas. Dem nicht genug, als ein Wanderzoo, welcher in Anisburg gastierte, in die Insolvenz ging, nahm die tierliebe Familie auch noch einen schwarzen Puma auf.

Die Mäuse verteilten sich ab und zu auch auf den Balkons sowie den Zimmern der Nachbarn. Dass das keine haltbaren Zustände sind, war klar, unter Amtshilfe des Veterinärarztes wurde der »Zoo« geschlossen. Doch nach der Besichtigung hatte sich der Zoo bereits verkleinert. Der Puma erkrankte tödlich an einer Katzenkrankheit, daraufhin drehte der Sohn der Familie aus Wut darüber fünf Katzen den Hals um.

»Es genügt nicht, ein anständiger Mensch zu sein. Man muss es auch zeigen.«Honoré de Balzac

Gesundheitsamt Lingen

Anisburg ade, Lingen ich komme

Im Anisburger Gesundheitsamt hatte sich Oskar eingelebt und wohl gefühlt, da kam auf einmal Ulrich, ein alter Bundeswehrkamerad, auf ihn zu. Im Gespräch vermittelte Ulrich, dass seine Zeit bei der Bundeswehr bald zu Ende sei und er nun eine neue Arbeit suche. Die Arbeit als Krankenpfleger liege ihm nicht so, deshalb dachte er an ein Gespräch, in dem Oskar ihm über seinen neuen Beruf berichtet hatte.

Oskar hatte ihm auch mitgeteilt, dass er sich ursprünglich für das Amt in Lingen beworben hatte und diese Stelle erst im nächsten Jahr frei werden würde. So meinte Ulrich, Oskar könne sich doch in das Gesundheitsamt Lingen versetzen lassen, wo er doch sowieso in dem Landkreis Lingen wohne. Somit könne er sich für den Platz in Anisburg, in der Nähe seines Wohnortes bewerben. Begeistert war Oskar nicht. Nach längerem Drängen und auf Nachfrage aus Lingen gab Oskar nach und ließ sich versetzen.

Wenn er da schon geahnt hätte, was nach dem Abgang der amtierenden Amtsärztin Winzig weiter passieren würde, wäre er in Anisburg geblieben. Hochmotiviert trat Oskar an einem goldenen Julitag seinen Dienst in Lingen an. Die Mentalität der Menschen, die Landschaft mit ihren Weinbergen sowie die vielen Weinfeste des Landkreises waren Oskar aus seiner Jugend bekannt. So konnte er sich schnell in den Dienstbetrieb im Landkreis Lingen einleben.

In den ersten Monaten verbrachte Oskar viel Zeit mit seinen Kollegen Rudi und Hartwig. Rudi, ein ruhiger Typ, wies Oskar souverän in den Dienstbezirk des Landkreises Lingen ein, bevor er sich in die Pension verabschiedete. Hartwig war ein ergrauter Vertriebener aus dem Egerland. Seine Gesprächspartner sprach er immer in dritter Person an. Wenn er mit Oskar so redete schaute sich dieser erst einmal um, denn es könnte ja ein hinter ihm Stehender gemeint worden sein. Mit beiden Kollegen pflegte Oskar gute Beziehungen über deren Ruhestand hinaus.

Prinzip des Gesundheitsamtes

Amtsarzt hat immer recht

UntergebenerWeisungsemp- fänger

Behörde engstirnig,engherzig

Bürger notwendiges Übel

Weisung Befehl

Gehorsam, kein Widerspruch erlaubt

Verwaltung verwaltet sich selbst

Kontrolle der Kontrolle

Tabelle 1

Bereits nach wenigen Monaten im Gesundheitsamt Lingen musste Oskar feststellen, hier herrschten der Club der Altjungfern und das »Gesundheitsamts-Prinzip«. Als nach einem Jahr die Ärztin Dr. med. Ute Janisch die neue Amtsärztin wurde, im Folgenden »Janisch« genannt, hatte Oskar nichts mehr zu lachen. Die frustrierte Amtsärztin zählte mit ihrer schlecht sitzenden dunkelblonden Perücke auch zu diesem Altjungfern-Club und sah damit immer aus, als wäre sie gerade erst aus dem Bett gesprungen. Bei Unmut oder Ärger spitzten sich ihre Lippen, als wollten sie Gift versprühen, doch kein Ton kam zwischen ihren Lippen hervor. Ihre stechend grünen Augen bohrten sich in den Gesprächspartner, als wolle sie diesen mit ihren Blicken vernichten. Bei Widerspruch formten sich die Lippen zu einem kleinen schmalen Spalt, wobei sich die Haut um ihre Lippen in unzählige Falten legte.