Ossikind - Oliver Förster - E-Book

Ossikind E-Book

Oliver Förster

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Beschreibung

Mehr als 33 Jahre ist es inzwischen her, als eine große Mauer fiel und zwei Länder beschlossen, eine lange Zeit der Teilung durch einen jubelnden Zusammenschluss zu beenden. Ok, wir wissen längst, dass es gar nicht so einfach war und sich noch heute viele Dinge reiben und die Mauer aus den Köpfen noch nicht ganz verschwunden ist. Dieses Buch stellt die ganz persönlichen Erinnerungen des Autors an seine Kindheit und Jugend in der DDR dar. Wie hat man das denn alles so als heranwachsender und fast mündiger DDR-Jugendlicher gesehen und wie war es eigentlich, das Leben als Kind in der DDR in einer Kleinstadt im Norden des Landes? Während der Arbeit an diesem Sammelsurium kam es oft zu vielen Gedanken zu den einzelnen Themen, die manchmal als Anekdote oder Mini-Story im Thema etwas sprunghaft wirken könnten. Dies ist beabsichtigt, denn Gedanken sind nie wirklich rund. Der Autor erzählt seine Geschichte und seine Erinnerungen an diese Zeit. Es richtet sich an alle, die mehr über diese Zeit erfahren wollen und natürlich auch an alle, die diese Zeit erlebt haben. Es hilft gegen das Vergessen und auch ein wenig zur Reflektion in aktueller Zeit. Vielleicht findet jemand auch Gemeinsamkeiten zu seinem Leben oder hat manche Dinge völlig anders erlebt. Dann eignet sich dieses Buch auch für einen persönlichen Vergleich. Wie war es bei mir? Was habe ich erlebt? Was war völlig anders? Tauchen Sie ein, in eine fast vergessene Vergangenheit und vielleicht auch in ihre Eigene.

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Seitenzahl: 93

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Oliver Förster

Ossikind

Erinnerungen

 

Vorwort

Mehr als 33 Jahre ist es inzwischen her, als eine große Mauer fiel und zwei Länder beschlossen, eine lange Zeit der Teilung durch einen jubelnden Zusammenschluss zu beenden. Ok, wir wissen längst, dass es gar nicht so einfach war und sich noch heute viele Dinge reiben und die Mauer aus den Köpfen noch nicht ganz verschwunden ist.
Dieses Buch stellt die ganz persönlichen Erinnerungen des Autors an seine Kindheit und Jugend in der DDR dar. Wie hat man das denn alles so als heranwachsender und fast mündiger DDR-Jugendlicher gesehen und wie war es eigentlich, das Leben als Kind in der DDR in einer Kleinstadt im Norden des Landes? 
Während der Arbeit an diesem Sammelsurium kam es oft zu vielen Gedanken zu den einzelnen Themen, die manchmal als Anekdote oder Mini-Story im Thema etwas sprunghaft wirken könnten. Dies ist beabsichtigt, denn Gedanken sind nie wirklich rund. 
Der Autor erzählt seine Geschichte und seine Erinnerungen an diese Zeit. Es richtet sich an alle, die mehr über diese Zeit erfahren wollen und natürlich auch an alle, die diese Zeit erlebt haben. Es hilft gegen das Vergessen und auch ein wenig zur Reflektion in aktueller Zeit. Vielleicht findet jemand auch Gemeinsamkeiten zu seinem Leben oder hat manche Dinge völlig anders erlebt. Dann eignet sich dieses Buch auch für einen persönlichen Vergleich. 
Wie war es bei mir? Was habe ich erlebt? Was war völlig anders? 
Tauchen Sie ein, in eine fast vergessene Vergangenheit und vielleicht auch in ihre Eigene.  
Viel Spaß dabei.

Kinderzeit

Betreut bis in den Abend

Beginnen wir doch einfach bei der Wiege des Lebens. Der Kindheit. Nach aktuellen Studien ist die Erinnerung an früheste Kindheitstage immer etwas kritisch zu betrachten. Besonders dann, wenn man ein Geschwisterkind ist. Man neigt dazu, Erinnerungen mit und von jüngeren Geschwistern als die eigenen Erinnerungen interpretieren. Dies ist natürlich auch bei mir der Fall, war ich doch irgendwann der Älteste von vier Kindern, die meine geliebten Eltern auf die Welt oder besser in das sozialistische System der DDR losließen. Als Kind einer Pädagogin und eines Handwerkers war ich irgendwie ein Teil eines Musterbeispiels, wie die moderne Familie in der DDR auszusehen hatte. Die sogenannte Intelligenz und das Handwerk sollte sich idealerweise als Paar finden um sich gegenseitig auszugleichen und zu bereichern. Die Idee dahinter war auch, dass man durch unterschiedliche Beschäftigungsbereiche und Arbeiten auch unterschiedliches zu erzählen hätte und die interne Kommunikation des Paares stimmt, was die Beziehung langfristig wachsen und stärken lässt und natürlich auch die Scheidungsraten wegen "Langeweile" niedrig hält. Eine Scheidung ist schließlich etwas negatives und dieses sollte möglichst vermieden werden. Alle quasi ständig happy und glücklich und im fruchtbaren Austausch untereinander. Natürlich sollte diese moderne Familie der DDR aus mindestens zwei bis drei Kindern bestehen. Das hat bei meinen Eltern ziemlich gut funktioniert. Meine Eltern galten als "kinderreich" und geringfügig wurden uns auch hier und da dadurch einige Vorteile zuteil und damit das Gleichgewicht auch wieder stimmt, natürlich auch einiges an Nachteilen. Kein System ist eben perfekt und das der DDR war es schon mal gar nicht.

Als Kind und politisch vorbestimmter Vollbeschäftigung der Eltern - insbesondere von Frauen - wurde man schnellstmöglich nach der Geburt in die Kinderkrippe abgeschoben. Jede Mutter war angehalten, recht schnell nach der Geburt wieder in den Betrieb zurückzukehren. Es gab Mutterschutzjahre, doch auch danach ist man als kleiner Mensch eigentlich noch immer auf die Fürsorge der Mutter angewiesen. Da diese dann aber wieder zur Arbeit musste, gab es qualifizierte Pädagogen, die sich nun den Kleinsten annehmen konnten. Erzieher und auch Lehrer in der DDR hatten nicht nur einen staatlich und beruflich verordneten Bildungsauftrag sondern auch einen Erziehungsauftrag für ihre Schützlinge. Was einem die Eltern nicht beibringen konnten, lernte man in der Krippe und im Kindergarten und auch den größten Teil der Erziehung kam somit bei den Kleinsten schon aus den Einrichtungen. Die Eltern wussten die Kinder tagsüber gut betreut und konnten sich im Grunde auch immer darüber freuen, wenn die Steppkes neu gelerntes zu Hause präsentierten. 

Eine spezielle Erinnerung an diese Zeit habe ich gar nicht. Ich weiß, wie die Kinderkrippe hieß und auch, dass ich sie wohl mal gewechselt haben soll. Aber was da so vor sich ging, liegt nicht in meinem Erinnerungsspeicher. Offensichtlich wurde ich gut behandelt und ausreichend gefüttert sonst würde ich jetzt, 48 Jahre später, wohl diese Zeilen nicht schreiben. Mit der nächsten Stufe, heute wohl als "Level-Up" bezeichnet, war es schon deutlich interessanter. Der Kindergarten rief.  

Die Besonderheit an Kindergartengruppen in der DDR gegenüber den heutigen Äquivalents war, dass man in diesem Gruppenverband auch fast immer vollständig in die 1.Klasse der Schule wechselte. Die Gruppen waren meist ziemlich stumpf nummeriert und Blümchengruppe, Bienengruppe oder Bärchen gab es nur selten. Das bedeutet natürlich nicht, dass wir nicht bunte Bildchen an unserem Garderobenhaken und am Schuhfach hatten. Man musste seinen Platz ja auch wiederfinden und Ordnung musste nun einmal auch schon im Kindergarten sein.  Nur selten kam es kurz vor der Einschulung zu einem Weggang eines Freundes. So hatte man oft bis zum Abschluss der Schule fast 15 Jahre mit den selben Leuten zu tun. Dieser Umstand prägt viele "Ossis" noch bis Heute und nicht wenige können von sich mit knapp 50 Jahren sagen, dass sie mit vielen Menschen eng befreundet sind, die sie schon 40 oder 45 Jahre kennen. Man begleitete sich förmlich eine ziemlich lange Zeit.

Die Eingangs behandelte Frage ist nun eher, an was ich mich noch erinnern kann und was interpretiere ich durch meine Geschwister hier noch hinein? Ehrlich gesagt, sind es nicht viele Erinnerungen, die ich so an die frühe Kinderzeit habe. Also an eine Kinderkrippe erinnere ich mich nicht wirklich. Und die Kindergartenzeit beginnt in meinem Kopf auch erst recht spät. Ich war in der Gruppe 7 bei einer schon älteren Frau P., die die ganze Gruppe pädagogisch wertvoll betreute. Wir sangen, spielten und turnten - so wie es Kinder eben tun. Eine direkte Vorschule, wie heute üblich, gab es gar nicht. Es lief eher nebenbei, dass man schon mal ein paar Friedenslieder lernte. "Wenn ich einmal groß bin, gehe ich zur Volksarmee...", "Kleine weiße Friedenstaube", "Wer will fleißige Handwerker sehen?".... Das Internetportal für Videos einer großen Suchmaschine ist voll mit Kinderliedern, deren politischer Gehalt sich kaum verbergen lässt. Ganz bewusst hatte der Staat hier schon ganz gezielt seine Doktrin in die Köpfe der Jüngsten gepflanzt. 

Hat man diese Einmischung als Kind bemerkt? Auf keinen Fall. Die Eltern da schon eher und mehr oder weniger bewusst oder auch unbewusst dagegen gesteuert. Sicher war es nicht schön, wenn man in einem Lied schon förmlich aufgefordert wird, zur Armee zu gehen. Sang nicht ungefähr auch zur gleichen Zeit in der BRD der Liedermacher Reinhard Mey "Meinen Sohn kriegt Ihr nicht"?  Kein Kind der DDR wollte freiwillig zur Armee aber gesungen haben wir das wohl alle. Bei Ausflügen ging es auch gelegentlich mal zur örtlichen Kaserne und als Fünfjähriger ist jeder große LKW und jeder Panzer vor dem man selbst steht, gewaltig und faszinierend. Besonders, wenn man nicht alleine auf die unterste Stufe des Einstiegs kommt. Wir wollten aber meistens etwas was anderes werden. Die Mädchen Lehrerin, Ärztin, Verkäuferin oder Friseuse und die Jungen Kosmonaut - was dem heutigem Astronaut entspricht, Kranführer, Lokführer, Indianer oder eben das, was Jungs zwischen vier und sieben so denken, mal als Beruf  machen zu wollen. Soldat stand da eher selten auf dem Zettel. Meine frühester Berufswunsch später war Lehrer. Ich wollte in die pädagogischen Fußstapfen meiner Mutter treten und auf keinen Fall das machen, was mein Vater auf der heimischen Werft tat. Der Wunsch hielt sich noch ein paar Jahre, hat aber leider später dann nicht funktioniert. Was intellektuelles ist es dann irgendwann ja doch noch geworden, sonst wäre dieses Buch wahrscheinlich auch nie entstanden. 

Und es gab schon im Kindergarten neben den Bausteinen, Holzspielzeug, Puppen und großen Spielzeug-LKW's auch Armeespielzeug und kleine Plastiksoldaten in verschiedenen Posen. Manchmal liegend mit Maschinengewehr, stehend in Handgranatenwurfposition und in vielen weiteren. Heute haben diese einen nicht zu unterschätzenden Sammlerwert, so sie denn noch in einem gutem Zustand sind. Ich erinnere mich, dass wir im Kindergarten mit den Holzbausteinen immer hohe Türme bauten, oben dann die Soldaten positionierten und den Turm dann durch gezielte Steinwürfe an den Sockel zum Einsturz brachten, während die Mädchen Puppenmutti oder Krankenschwester spielten. Die Soldaten auf den Türmen waren natürlich die Feinde und wir freuten uns, wenn sie in den Turm fielen und von den Klötzern verschüttet wurden. Turm kaputt, Feind tot - die kleine Spieleckenwelt wieder in Ordnung. 

Wir waren eben Kinder.

Schulzeit

Für das Leben lernen wir!

Ein Slogan, der mir spontan für dieses Kapitel eingefallen ist und im Grunde genau das beschrieb, was Schule in der DDR ausmachte. Lernen für das Leben. Politische Bildung mal hin oder her. Gelernt haben wir viel. Aus Erfolgen genauso wie aus Fehlern und manche Lernerfahrung hatte ihren Ursprung auch in der Improvisationskunst der Menschen, die sich dann als Erfahrung manifestierte. 

Schwerpunkt war die Allgemeinbildung mit dem ganzheitlichen Ansatz der musischen, politischen und MINT-technischen Präzisierung. Ich stelle einfach an dieser Stelle mal die Behauptung auf, dass DDR-Schüler jeglicher Altersklassen, denen aus heutiger Zeit wissenstechnisch haushoch überlegen waren. Zu gewagt? Eher nicht.

Machen Sie einfach mal einen Test. Nehmen Sie ein Blatt Papier und schreiben Sie folgendes auf: 

10 Namen von Laubbäumen, 10 Namen von Nadelbäumen, 10 Namen von Blumen, 10 Namen von Fischen, 10 Namen von Vögeln, 5 Flüsse in Deutschland, 3 Sorten von Stein, 5 gesamtdeutsche Inseln und weil es so schön ist, einfach mal 5 Hauptstädte östlich der Elbe und 5 westlich. Klingt einfach? Vielleicht. Ich wäre mir aber sicher, dass die Fehlerquote hier bei heutigen Achtklässlern ziemlich hoch liegen könnte, wenn man die Benutzung von Suchmaschinen verbietet. Wir konnten das. Aber darum soll es hier gar nicht gehen. Es gibt ausreichend Abhandlungen über das Schulsystem der DDR und daher will ich hier auch gar nicht so weit ausholen. Vertiefen wir uns lieber kurz in das Schulsystem, wie ich es erlebte. 

Was sich heute unter den MINT-Begriff verbirgt und gelegentlich zwischen Verteuflung und Megahype durch die Medien gejagt wird, war in der DDR das Bildungssystem auf ein hohes Maß an Produktivität und Allgemeinbildung ausgelegt. Jeder konnte binomische Formeln rechnen und gleichzeitig auch einen Winkel aus Metall vermessen, biegen und mit Löchern versehen. Richtiges Spezialwissen aus dem mathematischen, physikalischen oder chemischen Bereich gab es erst ab der Abiturstufe oder in den Fachstudiengängen. Die Basis wurde hingegen aber ausreichend fundiert gelehrt. Da das Schulsystem in der DDR einheitlich war, hatte man auch zwischen den Kindern und Jugendlichen innerhalb des Landes kaum Differenzen. Das merkten wir besonders im Ferienlager, da wir uns natürlich auch über die Schule unterhielten und feststellten, dass der Wissensabstand in verschiedenen Fächern nur wenige Wochen auseinander lag. Je nachdem wie der Klassenverband bestimmte Thematiken zu realisieren vermochte. Manche hielten sich eben etwas länger mit Sinuskurven auf, andere konnten die schriftliche Division mit Brüchen eben schneller. Grundsätzlich war der Wissensstand der Kinder und Jugendlichen in der DDR in jeder Altersgruppe ungefähr gleich hoch. Individuelle Differenzen jetzt mal nicht mitgezählt.