Our perfect Secret - Marina Maass - E-Book

Our perfect Secret E-Book

Marina Maaß

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Beschreibung

GÜNSTIGER EINFÜHRUNGSPREIS. NUR FÜR KURZE ZEIT!  Boss Romance in New York Sie sind Kollegen und absolut tabu füreinander. Doch er setzt alles daran, dass sie ihm verfällt … Eine spicy Office Romance mit Spannung für Fans von Vi Keeland und Layla Hagen  Robs Welt steht Kopf, als die neue Kollegin Peyton an seiner Stelle zur Junior Partnerin seiner Kanzlei ernannt wird. Ausgerechnet die Frau, mit der er kürzlich eine heiße Nacht verbracht hat. Peyton hingegen ist vor allem besorgt, dass jemand von ihrem One-Night-Stand erfährt, und will den Kontakt zu Rob so gering wie möglich halten. Doch dann werden die beiden ausgewählt, um den Fall einer jungen Frau neu zu verhandeln, die angeblich seit Jahren unschuldig im Gefängnis sitzt. Durch intensive Recherche und nächtelange Arbeit verbringen sie viel Zeit miteinander und kommen sich erneut näher. Was beide nicht ahnen: Sie selbst sind tiefer in den Fall verstrickt als gedacht …

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Veröffentlichungsjahr: 2026

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© Piper Verlag GmbH, München 2026

Redaktion: Cara Kolb

Konvertierung auf Grundlage eines CSS-Layouts von digital publishing competence (München) mit abavo vlow (Buchloe)

Covergestaltung: Giessel Design

Covermotiv: Bilder unter Lizenzierung von Shutterstock.com genutzt

Alle Rechte vorbehalten. Unbefugte Nutzungen, wie etwa Vervielfältigung, Verbreitung, Speicherung oder Übertragung können zivil- oder strafrechtlich verfolgt werden.

Wir behalten uns eine Nutzung des Werks für Text und Data Mining im Sinne von § 44b UrhG vor.

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Inhalt

Inhaltsübersicht

Cover & Impressum

Widmung

Vorwort

1

Rob

2

Peyton

3

Peyton

4

Rob

5

Peyton

Rob

6

Rob

Peyton

7

Rob

Peyton

8

Rob

9

Peyton

Rob

10

Peyton

Rob

11

Peyton

Rob

12

Peyton

Rob

13

Peyton

14

Peyton

Rob

15

Peyton

Rob

16

Peyton

Rob

17

Peyton

18

Rob

Peyton

19

Peyton

20

Rob

Peyton

21

Peyton

Rob

22

Peyton

23

Peyton

24

Rob

Peyton

25

Peyton

Rob

26

Rob

Peyton

27

Rob

Peyton

28

Rob

29

Peyton

Danksagung

Content Notes

Buchnavigation

Inhaltsübersicht

Cover

Textanfang

Impressum

Widmung

Für alle, denen Gerechtigkeit wichtig ist und die nicht stillsitzen können, wenn jemandem Unrecht widerfährt.

Vorwort

Liebe Leser*innen,

in diesem Buch werden Themen behandelt, die negative Reaktionen auslösen können. Deshalb findet ihr am Ende des Buches einen Hinweis zu den Content Notes.

Wir wünschen uns das bestmögliche Leseerlebnis für euch.

Eure Marina und das Team von between pages by PIPER

1

Rob

Geburtstage waren mir noch nie wichtig. Immerhin ist es ein Tag wie jeder andere, abgesehen von den Glückwünschen und Geschenken. Trotzdem hätte ich ihn dieses Jahr gern mit meinen besten Freunden verbracht, weshalb es ein ordentlicher Dämpfer war, als sich alle für den heutigen Tag entschuldigt haben. Um ihnen kein schlechtes Gewissen zu bereiten, habe ich nur genickt und mit »Kein Problem, holen wir einfach nach« geantwortet.

»Danke, dass wenigstens du den Abend mit mir verbringst.« Ich schaue zu meinem besten Freund Ty, der lässig neben mir herschlendert. Die Hände in den Taschen seiner dunklen Jeans vergraben. Zumindest auf ihn kann ich immer zählen.

»Natürlich, Mann! An deinem Ehrentag nehme ich mir immer Zeit für dich. Blöd, dass die anderen alle was vorhaben.« Er legt mir den Arm um die Schultern und zieht mich kurz an sich, woraufhin wir beide stolpern.

Lachend lässt Ty mich los. »Sorry. Einen Krankenhausaufenthalt erspare ich dir heute lieber.«

»Wie großzügig.« Ich lache, als wir um die nächste Ecke biegen und uns dem Gastronomiebezirk Upper Manhattans nähern. Immer mehr Leute begegnen uns. Musik schallt rechts von uns aus einer gut gefüllten Bar, während gegenüber nur vereinzelte Tische eines gehobenen Restaurants besetzt sind.

»Weißt du, weshalb Romy und Asher nicht konnten?« Von unserer Mitbewohnerin habe ich heute Morgen lediglich eine Sprachnachricht mit Geburtstagsglückwünschen und einer riesigen Entschuldigung erhalten, dass sie uns abends keine Gesellschaft leistet.

Tyler kratzt sich nachdenklich am Kinn. »Die besuchen eine Gala oder so.«

Ich verlangsame meine Schritte. In seiner Stimme schwingt ein Hauch Unsicherheit mit. »Und Preston?«

»Cateringauftrag. Hey, schau mal! Wir sind fast da!« Er deutet auf das riesige neonblaue Schild über dem Eingang des Neon Noir. Der Bar, in der Ty ab und an auftritt und ansonsten Drinks mixt.

»Seit sein Restaurant für einen Michelin-Stern in der engeren Auswahl ist, macht Pres kein Catering«, werfe ich ein und bleibe stehen.

»Dann habe ich mich wohl verhört. Komm, Laney hält uns die Plätze an der Theke nicht ewig frei.« Ty nickt zur Tür, vor der sich schon eine lange Schlange gebildet hat. Es stehen so viele Menschen an, dass heute sicher nicht jeder von ihnen die Chance hat, das Neon Noir von innen zu sehen.

Ich will mich gerade in Bewegung setzen, als mir ein bekannter schwarzer Bugatti am Straßenrand auffällt.

»Romy und Asher sind also auf einer Gala, ja? Ich wusste gar nicht, dass dein Chef so was neuerdings ausrichtet.«

Tyler folgt meinem Blick und flucht. »Dieser verdammte …« Er bringt den Satz nicht zu Ende, sieht allerdings aus, als würde er unheimlich gern gegen Ashers Reifen treten, um seinem Frust freien Lauf zu lassen. »Romy hat extra gesagt, er soll nicht direkt vor der Tür parken!«

Es fällt mir schwer, meine Freude zu verbergen. »Sie sind da drin? Alle? Auch Preston?«

Ty nickt mit grimmiger Miene. »Es sollte eine Überraschung werden. Romy hat sich wochenlang darüber den Kopf zerbrochen und ihr blöder Freund macht alles kaputt.«

Beruhigend klopfe ich ihm auf den Arm. »Ich tue trotzdem so, als hätte ich nichts von alldem geahnt.«

»Du bist ein miserabler Schauspieler. Das glaubt dir keiner.« Seite an Seite nähern wir uns dem Eingang. Ty gibt dem Türsteher ein Zeichen, der uns daraufhin unter lautem Protest der Wartenden reinlässt.

»Ich bin Strafverteidiger, Alter. Schauspiel steht in meiner Jobbeschreibung.« Wir nehmen die Treppe nach unten in den Hauptraum. Gedämpftes Licht empfängt uns. Sowohl die Sitzecken als auch die Plätze am Tresen sind voll besetzt. Die kleine Bühne ist leer und unbeleuchtet. Stattdessen erklingt leise Musik aus den versteckten Lautsprechern in den Wänden.

Tyler lotst mich in den hinteren Teil des Raumes. Verwundert sehe ich ihn an.

»Wollte Laney uns nicht zwei Plätze an der Theke freihalten?«

»Da passen wir doch niemals alle hin, du Genie.« Er rollt mit den Augen.

»Ich spiele nur meine Rolle«, entgegne ich und fange mir dafür einen Schlag gegen den Oberarm.

»Du bist so nervig«, brummt mein Mitbewohner und deutet in eine Nische abseits des restlichen Trubels. Inzwischen haben sich meine Augen an das dämmrige Licht gewöhnt. Ich erkenne Asher und Romy sowie Preston und Charlotte, die alle aufspringen, sobald sie uns entdecken. Na ja, bis auf Asher.

»Überraschung!« Romys und Charlottes Stimmen sind am lautesten. Preston grinst übers ganze Gesicht und Asher tut so, als würde er niemanden von uns kennen. Zumindest so lange, bis Romy ihn am Arm packt und ebenfalls auf die Beine zieht.

»Wow! Was macht ihr denn hier? Damit habe ich jetzt gar nicht gerechnet!« Gespielt erstaunt schaue ich zwischen Ty und den anderen hin und her.

Romys freudige Maske bröckelt. Stattdessen schleicht sich ein wütendes Funkeln in ihre Augen. »Wann ist es dir rausgerutscht?«, fährt sie Ty an.

»Gar nicht, ich schwöre.« Er hebt abwehrend die Hände, doch das reicht nicht aus, um sich vor dem Zorn unserer Mitbewohnerin zu schützen.

»Lüg mich nicht an! Er wusste, dass wir hier sind!« Sie stemmt die Hände in die Hüften.

»Er war es wirklich nicht. Wobei sein kläglicher Versuch, euch Alibis für heute zu geben, mich stutzig gemacht hat.« Ty hat sich wacker geschlagen dafür, dass er nichts für sich behalten kann. Da sollte er nicht die volle Bandbreite von Romys Ärger abbekommen.

»Woher wusstest du es dann?« Romy schiebt die Unterlippe vor und schmollt. Mir macht es nichts aus, dass ihr Plan in die Hose gegangen ist. Hauptsache, alle sind hier und verbringen den Abend mit mir. Anscheinend habe ich doch was für Geburtstage übrig.

»Dein Freund hat unmittelbar vor der Tür geparkt. Vielleicht sollte er nächstes Mal nicht den Bugatti nehmen.« Tyler verschränkt die Arme vor der Brust und hebt das Kinn. Normalerweise sagt oder tut er nichts, was sich direkt auf Asher bezieht. Dafür hat er zu viel Angst vor dem Geschäftsmann, der weiß Gott wie viele Leichen in seinem Keller hat. Aber Asher macht Romy glücklich und das ist die Hauptsache.

Die wirbelt auf dem Absatz herum und stößt ihm den Zeigefinger in die Brust. »Ich habe explizit gesagt, du sollst weiter weg parken! Deinen Wagen erkennt jeder überall!« Ihre Stimme überschlägt sich.

Asher stellt seinen Drink ab und nimmt ihre Hand in seine. »Ich laufe keine Ewigkeit, wenn sich mir die Gelegenheit bietet, mein Auto direkt vor der Tür abzustellen.« Er klingt so gelangweilt, als wäre er in einem seiner zahlreichen Geschäftsmeetings, doch seine Gesichtszüge werden weicher, je länger er Romy ansieht. Schließlich beugt er sich zu ihr hinunter und flüstert ihr etwas ins Ohr, was sie zu besänftigen scheint.

»Asher war schon früher ein Spielverderber. Wie auch immer: Alles Gute zum Geburtstag, Mann!« Preston umrundet den Tisch und schließt mich in eine herzliche Umarmung. Charlotte und Romy folgen ihm, während ich von Asher lediglich einen Händedruck und einen gebrummten Glückwunsch samt Entschuldigung bekomme. Was mehr ist, als ich erwarte. Seit wir uns kennen, ist er kein Mann großer Worte, außer wenn es um Romy geht. Aber das ist in Ordnung. Unsere gemeinsame Verbindung wird immer Romy bleiben, weshalb ich ihr zuliebe versuche, mit ihm auszukommen.

»Was willst du trinken?« Charlotte sieht mich an.

»Ein Bier reicht für den Anfang«, entgegne ich und nehme auf dem Sofa der Nische Platz.

»Für mich auch«, ruft Ty ihr hinterher, woraufhin sie den Daumen in die Höhe reckt und Richtung Bar verschwindet. »Was macht sie hier? Ich wusste gar nicht, dass ihr den Kontakt wieder aufgenommen habt«, fügt er hinzu und sinkt neben mich.

»Haben wir auch nicht«, brummt Asher und greift nach seinem Glas. Er schwenkt die bräunliche Flüssigkeit, wobei Eiswürfel klirrend gegen die Wände stoßen.

»Also hat sie sich selbst eingeladen?« Ich runzle die Stirn. Charlotte ist Privatdetektivin und hat für Asher gearbeitet. Als jedoch herauskam, dass er sie damit beauftragt hat, Dinge über Romys Ex Dan herauszufinden, obwohl sie ihn explizit gebeten hatte, es zu unterlassen, beendete Romy die Beziehung. Daraufhin kappte Asher auch den Kontakt zu Charlotte, um Romy zu beweisen, dass er sich geändert hat.

Romy und sie hatten sich zuvor gut verstanden, weshalb sie allerdings auf meiner Geburtstagsparty auftaucht, ist mir schleierhaft. Mich stört es nicht. Charlotte ist cool und fügt sich gut in die Gruppe ein. Ich wundere mich nur ein bisschen.

»Nein, ich habe sie mitgebracht«, wirft Preston ein, woraufhin Tyler und ich ihn ungläubig betrachten.

»Haben wir irgendetwas verpasst?« Mein bester Freund findet als Erster seine Stimme wieder.

Pres schüttelt den Kopf. »Nichts, was sich lohnt, an die große Glocke zu hängen. Wir treffen uns manchmal und haben Spaß. Mehr nicht.« Er zuckt mit den Schultern und rückt ein Stück zur Seite, als Charlotte zurückkommt, Ty und mir eine Flasche Bier in die Hand drückt und sich setzt.

»So fängt es immer an.« Tyler grinst, und ich tarne mein Lachen in einem Hüsteln, als Pres uns mit einem bösen Blick bedenkt.

»Ich will echt nicht über das Sexleben meines Bruders sprechen.« Romy verzieht angewidert das Gesicht.

Asher pflichtet ihr lautlos bei.

Charlotte schaut mit hochgezogenen Augenbrauen zwischen uns hin und her und verweilt einen Moment länger bei Preston, dessen Wangen sofort um einiges dunkler werden. Daraufhin rollt sie mit den Augen und schüttelt den Kopf. »Du konntest es nicht für dich behalten, oder?«

»Sie haben gefragt! Wie hätte ich deine Anwesenheit sonst erklären sollen?« Wild gestikuliert Pres zwischen Charlotte und uns herum.

»Themenwechsel!«, ruft Romy und lehnt sich in meine Richtung. »Bist du aufgeregt wegen deiner anstehenden Beförderung, Rob?« Sie klingt fast so nervös, wie ich mich fühle, wenn ich an den morgigen Tag denke.

»Total. Seit ich meinen ersten Job begonnen habe, arbeite ich darauf hin, Junior Partner in einer Kanzlei zu werden.« Ich habe hart dafür gearbeitet, mir einen Namen als Strafverteidiger zu machen. Meine Erfolge vor Gericht sprechen für sich. Ich bin bei meinen Kollegen und meinem Chef beliebt. Jedem bei Keenland & Partner ist klar, dass ich der nächste Partner werde. Trotzdem nagen seit Tagen leise Zweifel an mir. Was, wenn es nicht gereicht hat? Wenn Jeremiah sich kurzfristig umentscheidet, weil er beschlossen hat, jemand anderem den Vorzug zu geben?

»Wenn sie dich heute schon ernannt hätten, wäre das ein perfektes Geburtstagsgeschenk gewesen«, wirft Ty ein und nimmt einen weiteren Schluck Bier.

»Andersrum haben wir so einen Grund, uns morgen noch mal zum Feiern zu treffen«, erwidert Pres und hebt sein Glas, um mir zuzuprosten.

»Kanns kaum erwarten«, brummt Asher und unterdrückt ein Augenrollen.

»Bleib gern zu Hause, wenn dir unsere Gesellschaft nicht behagt.« Charlotte strahlt ihn übertrieben fröhlich an. Die Provokation in ihren Worten ist unüberhörbar.

»Vielleicht befolge ich deinen Rat«, erwidert er, ohne aufzusehen, und spielt weiter mit den Spitzen von Romys Pferdeschwanz.

Ein kaum wahrnehmbarer trauriger Ausdruck huscht über das Gesicht seiner Freundin, bevor sie ihm gegen die Brust schlägt. »Reiß dich zusammen, Asher!«

Meine Mundwinkel zucken. Ich weiß, dass Romy in der Lage ist, sich selbst zu verteidigen und Asher einzunorden, trotzdem plustert sich mein Beschützerinstinkt auf. Romy ist wie eine kleine Schwester, auch wenn ich weiß, dass Asher sie liebt, benimmt er sich manchmal wie ein Arsch. Es ist ihr wichtig, dass er sich mit ihren Freunden versteht, aber er erschwert es uns enorm, ihn zu mögen.

»Du kannst ihn gern mitbringen, Romy. Ich sehe über seine miesepetrige Laune hinweg.« Ich schenke ihr ein aufmunterndes Lächeln, woraufhin zumindest ein Teil ihres Strahlens zurückkehrt. Das bleibt auch von Asher nicht unbemerkt, dessen Gesichtsausdruck sich daraufhin weiter verdüstert.

»Um noch mal auf meine Beförderung zurückzukommen: Es wäre ein gewaltiger Schritt in meiner Karriere, der mir viele Türen öffnen könnte.« Eine gewisse Befriedigung durchflutet mich. Schon im Studium wollte ich immer der Beste sein. Allen zeigen, dass sie mich nicht unterschätzen sollten, weil ich kein Sohn wohlhabender Eltern bin, die selbst seit Jahrzehnten im Justizsystem vertreten sind. Im Prinzip muss ich mich niemandem beweisen, außer mir selbst und das habe ich längst. Immerhin habe ich schon jetzt mehr erreicht, als mir frühere Lehrer oder Freunde überhaupt zugetraut hätten.

»Na ja, einen Namen gemacht hast du dir. Soweit ich gehört habe, ist deine Nachfrage so hoch, dass deine Kanzlei manche Fälle ablehnen muss.« Charlotte schlägt die Beine übereinander und neigt den Kopf zur Seite.

»Da übertreiben deine Quellen ein wenig. Abgewiesen habe ich noch niemanden, aber ich habe gut zu tun, ja.« Ein weiterer Punkt, der für mich spricht, der nächste Partner zu werden. Keiner meiner Kollegen hat ansatzweise so viele Fälle auf dem Tisch liegen. Das freut mich einerseits, verlangt mir andererseits auch einiges ab und führt dazu, dass ich mein Privatleben oft hinten anstelle.

»Jetzt fehlt nur noch die richtige Frau an deiner Seite, Hochzeit, Kinder und du führst ein absolutes Bilderbuchleben.« Ty klopft mir auf die Schulter und zwinkert mir zu.

»Früher habe ich mir genau das gewünscht. Inzwischen …« Ich führe den Satz nicht zu Ende. Diesen Gedanken verfolge ich nicht mehr, seit ich ins Berufsleben eingestiegen bin. Denn das hat mich gelehrt, wie schwer es ist, genug Freizeit zu haben. Als Junior Partner wird sich das nicht ändern.

»Es ist vollkommen in Ordnung, seine Karriere an erste Stelle zu setzen«, bemerkt Romy und funkelt Tyler böse an. »Wenn es das ist, was dich glücklich macht, ist doch alles gut. Du solltest nur aufpassen, dich nicht in der Arbeit zu verlieren.« Sie greift über Ashers Schoß hinweg nach meinem Arm und drückt ihn sanft.

»Schon, aber …«

»Das Leben als Strafverteidiger kann gefährlich sein. Darauf wollte er hinaus.« Überrascht sehe ich Asher an. Er hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Ungerührt erwidert er meinen Blick.

Romy hingegen kräuselt die Stirn und sieht zwischen uns hin und her. »Verstehe ich nicht. Er kämpft für das Gute. Damit die Welt ein bisschen besser wird.«

»Trotzdem vertritt er die Bösen, denen das Urteil manchmal nicht gefällt. Ich erkläre es dir zu Hause in Ruhe, okay?«

»Und wenn ich nicht bis später warten will?«

Asher seufzt. »Mal angenommen Rob vertritt ein Mitglied aus einer Gang und die Verhandlung läuft nicht gut, dann könnten Freunde des Angeklagten ihn oder seine Familie bedrohen, damit er sich etwas einfallen lässt, um das Blatt zu wenden.«

»So was passiert doch nur im Fernsehen.« Sie runzelt die Stirn. »Oder?«

Ich schüttle den Kopf. Mir selbst ist es noch nicht passiert, aber ich kenne einige Kollegen, die zeitweise in ein Safe House mussten, um ihre Sicherheit zu gewährleisten.«

»Krass. Bedeutet das, Ty und ich könnten auch irgendwann mal in Gefahr schweben?« Es ist erstaunlich, wie Romy eine ernste Frage so aufregend klingen lassen kann. Offensichtlich geht sie nicht davon aus, dass mich jemals jemand bedrohen könnte.

»Ich hoffe nicht«, erwidere ich langsam.

»Ich auch nicht. Um euer aller Willen«, brummt Asher und schwenkt die braune Flüssigkeit in seinem Glas.

»Sind wir hier auf einer Geburtstagsfeier oder bei einer Erklär-Bär-Stunde? Hab ich euch eigentlich schon von meinem letzten Auftrag erzählt?« Charlotte unterbricht unser Gespräch und sorgt mit ihren Ausführungen für einige Lacher, bevor wir uns weiteren unverfänglicheren Themen zuwenden.

Preston berichtet, wie gut es mit dem Restaurant läuft und dass er sich sicher ist, in naher Zukunft mit einem Stern ausgezeichnet zu werden. Tyler folgen auf TikTok inzwischen fast eine Million Menschen. Wenn nicht bald eine Plattenfirma auf ihn aufmerksam wird, weiß ich auch nicht.

»Wer will noch was trinken? Ich besorge eine Runde.« Charlotte, Pres und Ty rufen mir ihre Getränkewünsche zu. Romy und Asher hingegen verabschieden sich und begleiten mich bis zur Theke, bevor sie den Weg zum Ausgang einschlagen.

Inzwischen ist es deutlich leerer als bei unserer Ankunft. Nur noch vereinzelte Tische sind besetzt. Sofort frage ich mich, ob sich die Schlange vor der Tür ebenfalls gekürzt hat oder es weiterhin Leute gibt, die darauf hoffen, heute reingelassen zu werden.

Ich schaue mich nach einer Uhr um, finde aber keine. Wie spät es wohl ist?

»Willst du noch bestellen oder starrst du weiter Löcher in die Luft?« Neben mir taucht eine junge Frau auf. Ihr braunes Haar fällt ihr in leichten Wellen um die Schultern. Sie nickt Richtung Laney, die darauf wartet, dass ich etwas sage.

Doch statt die Getränkewünsche meiner Freunde aufzugeben, wende ich mich der Unbekannten zu, die mir irritierenderweise bekannt vorkommt. Wo könnte ich sie schon einmal gesehen haben? Es muss flüchtig gewesen sein, ohne dass wir ein Gespräch geführt haben. Sonst wäre sie mir hundertprozentig in Erinnerung geblieben. Normalerweise habe ich ein hervorragendes Namens-Gesichts-Gedächtnis.

»Kommt drauf an.« Ich neige den Kopf zur Seite und lächle, während ich in Gedanken die vergangenen Wochen Revue passieren lasse. Trotzdem fällt mir kein Ort ein, an dem wir uns begegnet sein könnten.

»Worauf?« Sie lehnt sich gegen den Tresen und wirft ihr Haar über die Schulter, bevor sie meinen Blick gefangen nimmt und nicht mehr loslässt.

»Ob ich dich auf einen Drink einladen darf.«

Sie lacht und für einen Moment bin ich mir sicher, zu plump gewesen zu sein.

»Unter einer Bedingung«, erwidert sie. In ihren Augen funkelt es vergnügt. Ein Schock jagt durch meinen Körper und hinterlässt ein angenehmes Kribbeln in der Magengegend.

»Die wäre?«

»Überrasch mich mit einem ausgefallenen Getränk.«

Ich schaue sie einen Augenblick lang nachdenklich an. Versuche sie zu lesen. Als Person einzuschätzen, doch es fällt mir schwerer als sonst. Was möglicherweise an ihrem ablenkenden Lächeln liegt, das meinen Blick immer wieder anzieht.

»Geht klar«, entgegne ich und werde das Gefühl nicht los, dass dieser Abend gerade um einiges interessanter geworden ist.

2

Peyton

Ich setze mich auf einen der Barhocker, während ich meinen neuen Gesprächspartner dabei beobachte, wie er die Karte studiert. Um ehrlich zu sein, weiß ich nicht, weshalb ich diese Bedingung gestellt habe. Ich hätte ihn einfach auf einen Drink einladen und den Spieß umdrehen sollen. Das wäre doch mal interessant gewesen!

Er legt die Getränkekarte beiseite und winkt die Barkeeperin heran. Dabei fallen mir seine langen Finger auf. Wie sich die wohl auf meiner Haut anfühlen würden? Wo zur Hölle kommt dieser Gedanke denn her? Mein letzter Sex ist eindeutig eine Weile her, wenn ich sogar Finger attraktiv finde. »Ich brauche drei Bier, einen Cosmo und einen Martini Pomegranate.«

»Bekommst du, Rob. Wo steckt Ty heute? Wolltet ihr den Abend nicht zusammen verbringen? Übrigens Happy Birthday.« Unauffällig lehne ich mich ein Stück nach vorn, um kein Wort zu verpassen.

»Der sitzt bei unseren Freunden und danke. Ich weiß zu schätzen, dass du uns hier zwei Plätze freihalten wolltest.«

Sie lacht.

»Das war seine Ausrede, um dir nichts von der Überraschungsparty zu verraten? Schwach.« Die Barkeeperin schüttelt den Kopf und schiebt ihm die Biere über den Tresen, bevor sie sich ans Mixen der Cocktails macht.

»Ich hätte nicht erwartet, dass du mir gleich eine ganze Auswahl an Drinks bestellst«, merke ich an, nachdem sich der Cosmo und der Martini zu den Flaschen gesellt haben.

»War auch nicht der Plan. Der ist für dich.« Er schiebt mir das Glas mit der dunkelroten Flüssigkeit rüber und schnappt sich ein Bier.

Ich schnuppere daran. Es riecht erfrischend fruchtig. »Und für wen ist der Rest?« Neugierig nippe ich an meinem Cocktail und seufze genüsslich auf. Das ist das Beste, was ich seit Langem getrunken habe! Ein Stückchen Sommer im kalten Februar. Fasziniert beobachtet der junge Mann mich dabei. Ein Prickeln rast meine Wirbelsäule hinab, während er mich aus seinen intensiv grünen Augen mustert. Unter anderen Umständen fände ich, dass er mich einen Moment zu lange ansieht, aber gerade wünschte ich, er würde nicht damit aufhören, denn es fühlt sich überraschend angenehm an. Vertraut.

»Für meine Freunde. Die wundern sich bestimmt, wo ich bin, und holen ihre Bestellung irgendwann selbst ab.« Mit einem verschlagenen Grinsen platziert er sich auf dem Hocker neben mir und prostet mir zu, bevor er einen Schluck nimmt.

»Wärst du lieber bei ihnen?« Ich schlage die Beine übereinander und lege meine Hand locker über den Sockel des Cocktailglases.

»Nein. Deine Gesellschaft finde ich um einiges interessanter. Du kommst mir unheimlich bekannt vor. Kann es sein, dass wir uns hier schon mal über den Weg gelaufen sind?« Er neigt den Kopf zur Seite und betrachtet mich wieder mit diesem intensiven Blick, bei dem mir die Knie weich werden. Wie vorhin, bevor er beschlossen hat, auf mein kleines Spiel einzugehen. Was er gewonnen hat. Dieser Drink ist mega!

»Unwahrscheinlich. Ich bin normalerweise nicht in dieser Bar. Aber jetzt, wo du es sagst, … ich glaube, wir sind uns tatsächlich schon begegnet.« Nur wo? In Gedanken gehe ich die letzten Wochen durch. Bekomme nur flüchtige Erinnerungen zu fassen, allerdings sticht er in keiner davon hervor. Und ich bin mir sicher, ich würde mich an ihn erinnern.

»Was machst du …«

»Rob, Alter! Wir verdursten. Wo bleibst du denn?« Ein Typ in zerschlissener Jeans und Bandshirt taucht zwischen uns auf und betrachtet Rob mit hochgezogenen Augenbrauen. Mich scheint er gar nicht zu bemerken. »Diese Stimme ist mein Kapital und muss geölt werden.«

Rob schmunzelt, und ich verkneife mir ein Lachen. Dieser Kerl. Sein Auftritt. Die ganze Situation, in die ich mich normalerweise nie hineinmanövriert hätte, sind herrlich absurd. Irgendwie erfrischend. Wie eine kleine Auszeit, die ich mir spontan gönne. Eine Verschnaufpause, bevor der Ernst des Lebens morgen wieder startet.

»Nimm die Drinks mit. Ich unterhalte mich gerade«, erwidert er und deutet in meine Richtung.

»Du, was?« Sein Kumpel wendet sich mir zu. Für den Bruchteil einer Sekunde werden seine Augen tellergroß, doch er hat sich schnell wieder unter Kontrolle. Ein wissendes Lächeln umspielt seine Lippen, als er sich die übrigen Flaschen Bier und den Cosmo schnappt.

»Ich verstehe. Viel Spaß und treibt nichts, was ich nicht auch tun würde.« Er verschwindet wieder in den hinteren Teil der Bar.

»Das war mein Mitbewohner Tyler. Seines Zeichens Barkeeper und aufsteigender Stern am Popstarhimmel.« Rob hält mir seine Hand hin, die ich einen Moment verwundert anstarre. »Ich bin Rob.«

»Dachte ich mir«, entgegne ich und greife nach seinen Fingern. Sein Händedruck ist angenehm fest und bestimmt. »Ich bin Peyton.« Ich spüre, wie sich meine Mundwinkel heben. Meine Fingerspitzen kribbeln, selbst dann noch, als er mich längst losgelassen hat.

»Peyton.«

Das Prickeln rast meinen Arm hinauf und wandert meine Wirbelsäule wieder hinab. Hat mein Name jemals so gut aus dem Mund eines Mannes geklungen? Ich glaube nicht.

»Wo könnten wir uns schon einmal begegnet sein?« Er neigt den Kopf zur Seite und betrachtet mich wie ein Rätsel, das es zu lösen gilt.

»Ich wünschte, ich könnte es dir sagen«, erwidere ich heiser und räuspere mich einmal. Wo kam das denn her? Mein Mund fühlt sich ausgetrocknet an, dabei habe ich eben erst getrunken.

»Es ist unwahrscheinlich, dass wir uns auf der Straße über den Weg gelaufen sind. Was hast du für Hobbys?« Rob hat die Hand locker um seine Bierflasche gelegt. Sie ist mir so nah, dass ich meine Finger nur ein bisschen strecken müsste, um noch einmal in den Genuss einer Berührung zu kommen.

»Ich gehe regelmäßig zum Yoga und Pilates. Die männlichen Teilnehmer sind überschaubar, weshalb ich sicher bin, dass du da nicht zugehörst.« Ich schmunzle. Robs Körper steckt in einer schlichten Anzughose und einem Rollkragenpullover. Seine Muskeln kann ich nur erahnen. Trotzdem ploppt sofort die Vorstellung von ihm mit weniger Kleidung vor meinem inneren Auge auf.

Meine Wangen brennen. Schnell konzentriere ich mich auf die kühle Oberfläche des Tresens unter meiner Hand. Und auf die leisen Gespräche der anderen Gäste, die sich zu einem ganzheitlichen Murmeln verweben.

»Nein, das ist nicht meine bevorzugte Freizeitbeschäftigung.« Rob gluckst und lenkt meine Aufmerksamkeit wieder auf sich zurück. Seine grünen Augen funkeln amüsiert. »Vielleicht kennen wir uns von der Arbeit. Was machst du beruflich?«

Ich zögere. Einige Männer hat mein Beruf bereits abgeschreckt. Sie können nichts mit einer Frau anfangen, die mit beiden Beinen fest im Leben steht. Selbstbewusst ist und für sich und andere einsteht. Aber ich habe das Gefühl, bei Rob ist es anders.

»Ich bin Strafverteidigerin. Du siehst allerdings nicht wie ein Verbrecher aus, deshalb bezweifle ich, dass wir uns daher kennen.« Ich lache, um meinen Worten die Ernsthaftigkeit zu nehmen, verstumme jedoch, als Rob mich mit offenem Mund anschaut.

Mit Daumen und Zeigefinger streicht er sich über das Kinn. »Peyton Dearing. Natürlich. Der Groschen hätte deutlich schneller fallen müssen.«

Irritiert runzle ich die Stirn. Woher kennt er plötzlich meinen Nachnamen? »Willst du dein Wissen vielleicht mit mir teilen?«

»Sorry, dein Ruf eilt dir voraus. Es spricht sich rum, wenn jemand in so jungen Jahren ähnlich erfolgreich ist.« Robs Grinsen ist zurückgekehrt und verleiht dem Gespräch wieder die Leichtigkeit, die ich kurzzeitig für verloren hielt. Trotzdem verstehe ich immer noch Bahnhof. Glücklicherweise erkennt er die Fragezeichen in meinen Augen.

»Ich bin Robert Hayes«, fügt er erklärend hinzu und liefert mir damit das fehlende Puzzleteil.

Ein ungläubiges Lachen entflieht mir. »Du bist derjenige, mit dem ich ständig verglichen werde. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir uns hier über den Weg laufen?«

Jetzt, wo ich weiß, wie ich ihn einordnen muss, tauchen flüchtige Begegnungen auf den Fluren des Gerichts vor meinem inneren Auge auf. Ebenso wie ein kurzes Aufeinandertreffen vor den Toilettenräumen, wo ich derart auf mein Handy fixiert war, dass ich gedankenlos in ihn hineingelaufen, mich hastig entschuldigt und ihm ein Lächeln zugeworfen habe, bevor ich um die nächste Ecke verschwunden bin.

»Sehr gering. Es wäre realistischer gewesen, wenn wir irgendwann vor dem Gerichtsraum ins Plaudern gekommen wären«, entgegnet er langsam.

»Allerdings wirkst du da eher unnahbar und grimmig.«

»Wirklich?« Er fasst sich getroffen an die Brust. »Das muss mein typisches Resting Bitch Face sein oder empfindest du das jetzt auch so?«

»Nein, eher …« Anziehend. Sympathisch. Verflucht attraktiv. Er hat etwas an sich, das ich nicht erklären kann, aber es fasziniert mich. Vielleicht sind es die zwei unterschiedlichen Seiten, die er in sich vereint: der nette Junge von nebenan und der knallharte Strafverteidiger.

»Ja?« Rob hat sich vorgebeugt und fängt meinen Blick ein.

Ich schlucke. Das Prickeln von vorhin verlagert sich von meiner Wirbelsäule in meinen Bauch. Mir wird heiß und das liegt nicht an der Wärme dieses Raums. »Du wirkst … gedankeneinnehmend. Wie jemand, den ich nicht so schnell vergesse und ich weiß nicht, ob das so gut ist«, gebe ich ehrlich zu und frage mich im nächsten Moment, wie er mich dazu gebracht hat, diese Worte so offen vor ihm auszulegen.

Sein darauffolgendes Lächeln lässt mein Herz schneller schlagen. Schmetterlinge erwachen aus einem tiefen Schlaf und bewegen versuchsweise ihre Flügel, was ein angenehmes Flattern in meinem Bauch erzeugt.

»Mir gefällt deine Aussage.« Rob streckt die Finger nach mir aus und berührt mich flüchtig.

Ein Schlag jagt meinen Arm hinauf. Überrascht schnappe ich nach Luft.

Sein Blick zuckt zu meinen Lippen. Die Umgebung um uns herum verschwimmt. Ich nehme nur noch ihn und seinen angenehm frischen Geruch wahr. Das Nachhallen unseres Körperkontakts.

»Ich denke, wir sollten …« Meine Stimme ist schon wieder so kratzig, dass ich nicht in der Lage bin, richtig zu sprechen. Doch diesmal hilft auch kein Räuspern. Es liegt eindeutig an Rob.

»Sollten wir«, bestätigt er. »Ich hole nur schnell meine Jacke.« Ohne auf meine Antwort zu warten, erhebt er sich und verschwindet im hinteren Teil der Bar.

Meine angestaute Luft entweicht lautstark. Mir hämmert das Herz bis zum Hals in freudiger Erwartung auf das, was folgt.

Langsam stehe ich auf, schnappe mir meine Tasche und schlüpfe in meinen Mantel, als Rob wieder vor mir auftaucht.

»Wollen wir?« Einladend hält er mir die Hand entgegen, die ich, ohne zu zögern, ergreife.

»Gern«, erwidere ich und gemeinsam verlassen wir das Neon Noir. Draußen begrüßt uns kalte Februarluft, doch sie kann mir nichts anhaben. Robs Körperwärme springt auf mich über und sorgt dafür, dass ich nicht friere. Unsere verschränkten Finger fühlen sich ungewohnt natürlich an. Als würden wir nicht zum ersten Mal auf diese Weise eine Straße entlangschlendern. Und wenn ich das jetzt schon so empfinde, wie wird es dann erst sein, wenn wir uns noch näher kommen?

3

Peyton

Mein Herz stolpert, während Rob mit dem Rezeptionisten spricht und uns ein Zimmer bucht. Die Entscheidung, die Nacht in einem Hotel zu verbringen, war die naheliegendste Lösung. Meine Wohnung ist zu weit weg, und Rob lebt mit zwei weiteren Personen in einem Appartement mit dünnen Wänden.

Hitze steigt mir in die Wangen, während ich den Saum meiner Ärmel immer wieder nach unten ziehe. Ich hatte schon den ein oder anderen One-Night-Stand. Auch mit Männern, die ich gerade erst in einem Club kennengelernt habe, aber mit Rob … ist es anders. Mit ihm fühlt es sich nicht falsch oder merkwürdig an, sondern so, als sollte dieser Abend genau auf diese Weise enden.

»Siebter Stock, Zimmer 713.« Er hält die Schlüsselkarte lässig zwischen Zeige- und Mittelfinger und greift nach meiner Hand.

»Machst du so was öfter?« Wir betreten den Fahrstuhl und ich drücke auf den Knopf für unsere Etage. Die fröhliche, vor sich hin dudelnde Musik sorgt dafür, dass sich meine Nerven ein wenig beruhigen.

»Nächte in Hotelzimmern verbringen? Nein. Was ist mit dir?« Er überragt mich um einige Zentimeter, weshalb ich den Kopf in den Nacken lege, um ihn anzusehen. Der Blick aus seinen grünen Augen ist so intensiv, dass ich für einen Moment die Frage vergesse.

Sein linker Mundwinkel hebt sich minimal, als er unsere ineinander verflochtenen Hände löst und stattdessen mit dem Daumen langsam über meine Unterlippe fährt.

Mir stockt der Atem. Diese kleine Berührung reicht aus, um mein Blut zum Kochen zu bringen. Ich unterdrücke den Drang, nach Rob zu greifen. Noch zwei Stockwerke. Dann sind wir im Schutz unseres Zimmers.

»Peyton?«

Ich war so in Gedanken versunken, dass ich ihm noch immer keine Antwort auf seine Frage gegeben habe. Allerdings bin ich mir auch nicht mehr sicher, wie sie lautete. Nachdenklich beiße ich mir auf die Unterlippe. Versuche mich daran zu erinnern, dass es etwas mit dem zu tun hatte, was ich zuvor wissen wollte. Alles, woran ich gerade denken kann, ist, wie dringend ich seine Lippen auf meinen spüren will.

»Ach, scheiß drauf«, beschließe ich und recke mich Rob entgegen. Unsere Münder treffen aufeinander. Mein erleichtertes Seufzen verliert sich in unserem Kuss. Er schmeckt nach dem Bier, das er im Neon Noir getrunken hat, eisigem Februar und einer unbekannten Note, von der ich jetzt schon weiß, dass ich ihr verfalle.

Rob drängt mich zurück. Die kalte Fahrstuhlwand in meinem Rücken steht im kompletten Kontrast zu seinen warmen Händen.

Ich schmiege mich der Länge nach an ihn. Vergrabe meine Finger in seinem dichten Haar. Sein darauffolgendes Stöhnen verliert sich in meiner Mundhöhle.

Mit seinen Händen wandert er erforschend meinen Körper hinab und hinterlässt eine brennende Spur, die mich daran erinnert, wo er mich schon überall berührt hat. Er umfasst meinen Hintern und drückt zu, bevor er mich hochhebt.

Ganz selbstverständlich schlinge ich meine Beine um seine Hüften und bemerke die harte Beule in seiner Hose. »Zimmer«, murmle ich zwischen zwei Küssen und muss sämtliche Willenskraft aufbringen, um mich von ihm zu lösen. »Wir sollten ins Zimmer.«

Es dauert einen Moment, bis sich sein Blick klärt. Vorsichtig stellt er mich wieder auf dem Boden ab. Wirkt ebenso aufgewühlt wie ich. Eine solche Anziehung habe ich schon lange nicht mehr erlebt. Vielleicht noch nie.

Wir verlassen den Fahrstuhl und suchen nach unserem Zimmer. Auf dem Flur herrscht gespenstische Stille, die lediglich durch unsere unregelmäßigen Atemzüge durchbrochen wird. Ich bin mir sicher, sollte uns jemand begegnen, würde derjenige mein wild pochendes Herz hören.

Sobald die Tür hinter uns ins Schloss gefallen ist, drückt Rob mich dagegen. Sein Mund findet meinen.

Ich streife ihm die Jacke von den Schultern, während er spielerisch an meiner Unterlippe knabbert und damit meinen Schoß in Flammen setzt. Der Stoff fällt raschelnd zu Boden, gefolgt von meinem Mantel. Anschließend dirigiere ich ihn rückwärts weiter ins Zimmer, während ich umständlich versuche, die Knöpfe seines Hemdes zu öffnen.

»Warte«, brummt er tief und leise an meinen Lippen.

Ich lasse ihn los und höre im nächsten Moment, wie er sich das Hemd über den Kopf zieht und den Gürtel seiner Hose öffnet. Ein vorfreudiges Prickeln rast meine Wirbelsäule hinab. Im Anbetracht der Ruhe im Raum klingen seine Bewegungen ohrenbetäubend laut. Ähnlich wie das Geräusch meines Reißverschlusses, als ich ihn nach unten ziehe und aus meinem Bleistiftrock raustrete. Keine Ahnung, ob ich mir der Stille eines Moments jemals so bewusst war wie jetzt.

Um uns herum ist es dunkel. Lediglich die Lichter New Yorks erhellen das Zimmer und ermöglichen mir, Rob wenigstens schemenhaft auszumachen. Aber das, was ich sehe, gefällt mir sehr.

Sobald er nur noch in Unterhose vor mir steht, streckt er die Hand nach mir aus und zieht mich zu sich. »Du hast zu viel an.« Seine Stimme gleicht dem Schnurren einer Katze, und ich bin mir sicher, nie etwas Anziehenderes gehört zu haben.

»Dann zieh mich aus«, erwidere ich atemlos und spüre, wie er mich von meiner Bluse befreit. Raschelnd fällt sie zu Boden. Andächtig fährt er daraufhin mit dem Daumen über meine nur von dünner Spitze verhüllten Brüste.

Ich schließe die Augen. Nehme seine Kuppe überdeutlich wahr. Lehne mich seiner Berührung entgegen.

Ein ersticktes Keuchen entflieht ihm, als sich meine Brustwarzen unter seiner Berührung aufstellen. »Du hast keine Ahnung, wie gern ich das Licht anmachen würde, um dich zu betrachten.«

»Ich habe eine gewisse Vorstellung. Aber willst du das tatsächlich unterbrechen, um die Zimmerkarte einzustecken?« Innerlich hoffe ich auf ein Nein. Denn so gern ich ihn genauer ansehen würde, sollte er erst zu Ende bringen, was er angefangen hat.

»Auf keinen Fall.« In einer fließenden Bewegung dreht er mich um, sodass mein Rücken nun gegen seine Brust gedrückt wird. Bedächtig fährt er mit den Lippen über meinen Hals und hinterlässt federleichte Küsse. Liebkost die empfindliche Stelle unterhalb meines Ohres.

Ich erzittere.

Er zieht die Cups meines BHs nach unten und knetet abwechselnd meine Brüste. Genüsslich seufzend lehne ich meinen Kopf gegen seine Schulter und schließe die Augen. Bedächtig gleitet er mit seinen Händen über meinen Bauch, bis eine davon in mein Höschen wandert. Probeweise schiebt er einen Finger in mich und zieht zischend Luft ein, während mir ein Stöhnen entkommt.

»Wenn ich gewusst hätte, dass du so feucht bist, hätte ich dich direkt im Aufzug gevögelt.« Sein heißer Atem trifft auf mein Ohr.

Um ein Haar hätten meine Knie unter seinen Worten und der Vorstellung davon nachgegeben. »Dann solltest du das dringend nachholen«, keuche ich und kralle meine Finger in seinen Unterarm, als er sich langsam aus mir zurückzieht.

Binnen eines Sekundenbruchteils zieht er mir die Unterwäsche aus und gibt mir einen sanften Stoß Richtung Bett. »Setz dich und öffne deine Beine für mich. Ich will dich ansehen.« Seine Stimme ist merklich tiefer geworden.

Ein Schauer jagt mir den Rücken hinab, während ich seinen Anweisungen folge. Mit gespreizten Beinen positioniere ich mich mittig auf dem Bett, als die Lampen über den Nachttischen angehen und den Raum in sanftes Licht tauchen.

Gleich darauf steht Rob vor mir. Seine Lippen teilen sich, während ich schlucke.

Im Alltag lasse ich mir selten etwas von Männern diktieren. Ich bin selbstbewusst und selbstbestimmt genug, um für mich einzustehen und meine eigene Meinung zu vertreten, doch gerade kann ich es nicht abwarten, dass Rob mir einen weiteren Befehl gibt.

»So schön feucht. Da wäre ein Vorspiel gar nicht nötig, aber ich muss dich probieren.« Sein Muskelspiel ist faszinierend, als er langsam aufs Bett klettert und sich mir nähert.

»Du weißt doch schon, wie ich schmecke.« Mein Atem geht stoßweise. Ich erinnere mich zumindest noch genau.

»Nicht dort.« Er umfasst meine Oberschenkel und zieht mich mit einem Ruck zu sich heran, bevor er sein Gesicht zwischen meinen Beinen versenkt.

»O Heiliger.« Ich sinke nach hinten und kralle mich in die weichen Laken.

»Glaub mir, ich bin sicher kein Kandidat für den Himmel. Zumindest nicht in dieser Hinsicht.« Unsere Blicke treffen sich, als Rob wieder auftaucht. Seine Lippen glänzen. Sind benetzt von meiner Lust, was mein Verlangen nach ihm ins Unermessliche steigert. Ich bin mir sicher, nie etwas Heißeres erlebt, gesehen und gehört zu haben.

Rob widmet sich wieder meiner intimsten Stelle. Ich winde mich unter seinen flinken Zungenschlägen. Mein Atem kommt stoßweise. Keuchen weicht Stöhnen. Seufzen verwandelt sich in Wimmern. Abgesehen von Robs Mund und dem Gefühl, das er in mir auslöst, nehme ich nichts mehr wahr. Mein Körper steht in Flammen. Die Muskeln sind zum Zerreißen gespannt. Als wir das Neon Noir verlassen haben, wusste ich, dass die Nacht mit Rob großartig werden würde. Ich hatte es im Gefühl und werde nicht enttäuscht. Wenn er schon so talentiert mit seiner Zunge umgeht, wie wird es dann erst, wenn er sich ganz in mir versenkt.

»Rob.« Sein Name ist nicht mehr als ein lustvoll verzerrter Laut. Ich greife in sein Haar. Ziehe sanft daran, was ihn dazu bringt, aufzusehen.

Sein Blick ist verhangen. Das Grün seiner Augen gleicht nicht mehr frischem Gras im Frühling, sondern vielmehr tiefem, dunklem Moos. »Soll ich aufhören?« Er klingt ähnlich atemlos wie ich.

»Auf keinen Fall. Aber ich will dich. Ganz.«

Er leckt sich über die Lippen. Es reizt mich, herauszufinden, wie er schmeckt.

Mit dem Finger winke ich ihn zu mir heran. Sofort stemmt er sich hoch und zieht mich auf seinen Schoß. Alles, was uns jetzt noch voneinander trennt, ist seine lästige Boxerbrief. Die Beule darin drückt sich herrlich erlösend gegen meine heiße Mitte. Ich reibe mich daran und entlocke ihm ein tiefes Brummen, was ich gleich darauf mit einem Kuss dämpfe. Unsere Zungen tanzen miteinander, während ich mich an ihn presse, als könnte ich nicht genug von ihm bekommen.

»Zieh das aus«, murmle ich an seinen Lippen und fahre mit dem Zeigefinger über den Bund seines letzten verbliebenen Kleidungsstücks. »Ich halte es nicht mehr aus.«

»Du kannst es nicht abwarten, hm? Gefällt mir.« Rob setzt mich auf der Matratze ab, bevor er sich auszieht und in seiner Anzughose nach einem Kondom sucht.

Fasziniert beobachte ich ihn dabei, wie er es sich überstreift und zu mir zurückkommt. Er setzt sich neben mich; mit dem Rücken gegen das Kopfteil gelehnt und nickt Richtung seines Schoßes.

»Nehmen Sie Platz, Miss Dearing.«

Ich sollte das nicht so attraktiv finden und trotzdem führt seine Einladung dazu, dass ich noch feuchter werde. Nachdem ich mich rittlings auf ihm platziert habe, lasse ich mich langsam auf seine Erektion sinken und nehme ihn Stück für Stück in mich auf. Meine Finger kralle ich dabei in seine Schultern. Halte immer wieder inne, um mich an seine Größe zu gewöhnen.

Er hat seine Hände auf meinen Hüften platziert und beobachtet mich intensiv. »Ich glaube, das ist das Heißeste, was ich je gesehen habe«, raunt er und ich stimme ihm dahin gehend vollkommen zu.