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Die Menschen haben einen Weg gefunden, die gewaltigen Entfernungen zwischen den Sternen zu überwinden. Während einer ersten bemannten Expedition ins Tau-Ceti-System wird die Mannschaft eines Forschungsraumschiffs auf ungewöhnliche Art mit fremden Welten konfrontiert. Das Wettersystem auf dem Zielplaneten ist nicht genau das, was es auf den ersten Blick zu sein scheint. Und auch das neue Antriebssystem hält Überraschungen parat.
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Seitenzahl: 31
Veröffentlichungsjahr: 2017
Das Schiff materialisierte sich nach einer körperlichen Nichtexistenz von vier Parallelsekunden.
Commander Henry Davidtz empfand ein Gefühl der Überlegenheit und intensiver Hochstimmung. Etwas in ihm wollte lauthals lachen und vor Entzücken aufschreien. Er sah sich selbst, wie er Sekunden zuvor den Befehl zum Sprung durch Raum und Zeit gab.
Emotionale Reaktionen dieser Art erwiesen sich als Begleiterscheinung nach dem Wiedereintritt. Fast alle Reisenden an Bord eines Raumschiffes mit Leonkov-Antrieb berichteten von derartigen Erlebnissen. Es kam zu unerklärlichen Erscheinungen und Zeitechos, zu euphorischen Gefühlsausbrüchen und Freudentaumel. Manche Besatzungsmitglieder nahmen für eine undefinierbare Zeitspanne gleichzeitig Zukunft und Vergangenheit wahr. Es gab keine Erklärung für dieses Phänomen, und es ließ innerhalb von Sekunden nach. Meist, ohne dass etwas zurückblieb.
Commander Davidtz griff einen altmodischen Filzstift und zeichnete harmonische Muster und Wirbel auf das Blatt Papier, das direkt vor ihm auf dem Steuerpult lag. Er wollte das Gefühl auskosten, so lang es anhielt. Auf der Schiffsbrücke würde es im Verlauf der Vermessung dieses Sternensystems erwartungsgemäß wenig erheiternd zugehen.
Davidtz dankte Sergej Leonkov, dem Entdecker der einheitlichen Feldtheorie, für die Möglichkeit, gigantische Strecken innerhalb einer mit herkömmlichen Mitteln nicht messbaren Zeit zurückzulegen. Der Flug von der Erde bis zum Navigationspunkt in der Nähe des Jupiters brauchte mit Plasmaionenantrieb beinahe zwei Wochen. Der sehr viel längere Übergang ins Tau-Ceti-System dauerte paradoxerweise nur eine Zeitspanne, die für Messinstrumente nicht existierte. Tatsächlich bewegte man sich durch diesen sogenannten Sprung mit einem Leonkov-Antrieb gewissermaßen in der Zeit seitlich und rückwärts. Und es fühlte sich für Menschen grundlegend regelwidrig an. Es lief allen Naturgesetzen entgegen. Vielleicht kam es daher zu den enormen, meist positiven Gemütsschwankungen.
Die Wirkung der Euphorie ließ wie immer rasch nach. Davidtz entspannte sich und stellte sich die vergangenen Zeiten bildlich vor, die er selbst nur aus dem Lehrbuch kannte. Vor hundertfünfzig Jahren. Zu der Zeit, als die Raumfahrt den Kinderschuhen gerade entstieg.
Nie zuvor hatte ein Schiff es gewagt, so weit ins Unbekannte vorzudringen, wie jetzt die Gaia II mit ihm als Commander. Die ersten Fähren zum Mars und den Asteroiden vor besagten hundertfünfzig Jahren glichen eher unförmigen und fragilen Plastikröhren. Nur die Wagemutigsten wagten freiwillig eine Reise voller Entbehrungen und Anstrengungen. Flüge in andere Systeme galten noch als Zukunftsvision.
Nach der Entdeckung des Subraums durch Sergej Leonkov und der damit verbundenen Antriebstechnik für große Entfernungen startete eine Reihe von unbemannten Missionen zu den nächstgelegenen Sonnensystemen.
Alpha Centauri erwies sich als Ansammlung lebloser Gesteinsbrocken und eines mittelgroßen Gasriesen. Erst in der Umgebung von Barnards Pfeilstern fand man Planeten und Bedingungen vor, die eine Besiedlung durch Menschen nicht von vornherein ausschlossen.
Eine der aussichtsreichsten Unternehmungen galt dem Tau-Ceti-System. Dort erspähten Peilsonden eine Welt, die ohne Zögern als Zwilling der Erde katalogisiert wurde. Nach unterschiedlich langen Missionszeiten kehrten die automatisierten Drohnen mit umfangreichen Datensammlungen in ihren Speichern zur Erde zurück. Im System blieben Peilbojen, die einer noch nicht geplanten Expedition das Kartografieren erleichtern würden.
Es stellte sich nach der Auswertung der Datenmengen heraus, dass eine erdähnliche Welt innerhalb der habitablen Zone ihre Bahn um den Stern zog. So bezeichnete man den Bereich, der Leben, wie es auf der Erde vorkommt, ermöglicht. Seltsamerweise befand sie sich inmitten eines weitläufigen Asteroidengürtels. Die Wissenschaftler auf der Erde stritten lange Zeit leidenschaftlich und ausführlich darüber, ob es sich unter Umständen um Messfehler handelte.
Mit viel Tatendrang entwarfen die Ingenieure ein Raumschiff, um den ersten möglicherweise bewohnbaren Planeten friedlich für die Menschheit in Besitz zu nehmen. So gebot es die Tradition der irdischen Raumfahrt.
Die Gaia, Prototyp einer neuen Generation von Raumfahrzeugen, glich einem der vielen Luxushotels im Orbit um den Mond. Oder einem der Spielzeuge für die Superreichen und Großindustriellen auf dem Mars. Also spendierte man dem Nachfolgemodell, Gaia II, einiges mehr an Lager- und Kabinenplatz und entsandte sie schließlich auf eine Expedition ins Tau-Ceti-System. Sie sollte den Weg für Schiffe ähnlicher Bauart ebnen.
