Paralos I - Die Blutritter - Sebastian Blunk - E-Book

Paralos I - Die Blutritter E-Book

Sebastian Blunk

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Beschreibung

"...Jeder von ihnen erschuf fünf mächtige Kinder, die sie die Feldherren nannten, und die Feldherren führten ihren Krieg auf dem Planeten. Nur ein Gott missachtete die Gesetze. Es war Ikarios, der Gott des Blutes und des Feuers. Seine Kinder wurden das Abbild aller Schöpfungen und verkörperten die Macht und das Geschick aller..." Die Welt Paralos ist das Schlachtfeld der Götter. Doch die Götter kämpfen nicht selbst. Die fünf Feldherren eines jeden Schöpfers erfüllen die Befehle und ziehen in die Schlacht. Zu einer Zeit, zu der das Gleichgewicht aller Schlachten verschoben wird, zieht eine Dunkelheit durch die Welt von Paralos und der finstere Gott Sterros droht mit der Vernichtung allen Lebens. Die 200 Jahre zuvor verbannten Feldherren des Gottes Ikarios, die Blutritter, werden zu eben jener Zeit aus ihrem ewigen Gefängnis zwischen Raum und Zeit befreit um das dunkle Schicksal von Paralos abzuwenden und die Menschen zu retten. Auftakt der Paralos-Trilogie aus den Chroniken der Götterkriege

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Seitenzahl: 353

Veröffentlichungsjahr: 2015

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»Mein Leben. Von Göttern gegeben, für Götter geschunden, von Feldherren genommen und mit Stolz die ewigen Hallen belebt.«

Reykaz, erster Feldherr

Sebastian Blunk

Die Chroniken der Götterkriege

Paralos I

-

Die Blutritter

© 2015 Sebastian Blunk

Umschlaggestaltung, Illustration:

Carina Holtwerth

Birte Steinkamp | www.ideenbar.com

Lektorat, Korrektorat: Uwe Hollmann

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN Paperback:

978-3-7323-4667-7

ISBN Hardcover:

978-3-7323-4668-4

ISBN e-Book:

978-3-7323-4669-1

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Personen

Götter

Aitugasil

Gott der Lüfte

Baldan

Gott des Gebirges

Estrija

Göttin der Sterne

Ikarios

Gott des Blutes

Isape

Göttin der Hoffnung

Klamtor

Gott der Macht

Kongmao

Gott des Bärensterns

Latas

Göttin der Freundlichkeit

Mooláfà

Göttin der Reichtümer

Myrdika

Göttin der Zauberei

Pollos

Gott des Wahnsinns

Raphálàtas

Göttervater

Savascitul

Gott des Krieges

Sissália

Göttin der Natur

Sterros

Gott von Tod und Verderben

Sûtiria

Göttin der Nacht

Thalassar

Gott der Meere

Tianmao

Gott des Luchssterns

Trika

Göttin des Schicksals

Turanga

Weltenschöpfer

Ujukarz

Gott der Magie

Feldherren

Ikarios - Die Blutritter

Der Adler

Der dreiköpfige Hund

Das Krokodil

Das Schlachtross

Die Waage

Mooláfà - Die Hüter des Zolls

Fina

Der König

Tarkon

Dorn

Pozof

Sterros - Die Sterroka

Kez

Dra

Kelk

Umbra

Sal

Ujukarz - Die Hüter der Urzeit

Owal

Havira

O’ona

Enerofon

Iork

Myrdika - Die Hüter des Grals

Dregos

Falos

Veromos

Leykos

Rudon

Savascitul - Die Hilafet

Yiliz

Milik

Fikret

Eraka

Kadari

Estrija - Der rote Stern

Juna

Belon

Amiki

Peleus

Wures

Kongmao - Stern des Südens

Arkina

Hu

Reden

Logan

al’Moran

Tianmao - Stern des Westens

Guena

Valk

Ierres

Yuna

Gues

Hauptcharaktere

Aleph

Wirt in Dan Kelsor

[Mensch]

Natalia

Heilerin in Dan Kelsor

[Mensch]

Tiberius

Hauptmann in Dan Kelsor

[Mensch]

Fellarn

Tiberius als Grenzwächter

[Mensch]

Die Elfen

Acyron

Magier der Elfen

[Elf ]

Fesariôn

König der Elfen

[Elf ]

Tifasil

Assassine der Elfenkönige

[Schattenelf]

Celsinas

Magier der Schattenelfen

[Schattenelf]

Kalator

König der Schattenelfen

[Schattenelf]

Nebencharaktere

Torgas

[Mensch]

Hohepriester vom Kult des Ikarios

Etrikus

[Mensch]

Priester der Estrija

Kirsan

[Mensch]

Weltlicher Führer des roten Sterns

Elwin

[Mensch]

Graf des Nordlands

Baldin

[Mensch]

Herrscher von Ultera

Neutrale Personen

Piet

[Mensch]

Junger Bauer auf einem Hof

Telvor

[Mensch]

Großer Bauernjunge

Fernando

[Mensch]

Bauernjunge

Drax

[Mensch]

Heiler in Dan Kelsor

Suliver

[Mensch]

Alephs Bruder

Idan

[Mensch]

Tischler in Dan Kelsor

Garef

[Mensch]

Vertrauter von Tiberius

Colvos

[Elf ]

Meisterschmied

Tuflan

[Mensch]

Fahrender Händler aus Dan Kelsor

Ephaistos

[Mensch]

Vater von Tiberius

Hygal

[Mensch]

Waldläufer unter den Blutrittern

Rigo

[Mensch]

Bogenschütze aus Tan

Melph

[Mensch]

Bogenschütze aus Tan

Omid

[Mensch]

Früherer Wirt im Wirtshaus

Demios

[Pulwog]

Magier in Pulwoggestalt

Lati

[Mensch]

Kind am Rande der Welt

Theodorius

[Mensch]

Alter König des Nordens

Ando, Sohn des Andorius [Mensch] Führer in Ultera

Thorix

[Mensch]

Stellvertreter von Elwin

Gifa

[Mensch]

Sabbernder Späher der Hilafet

Tek

[Mensch]

Grenzwächter

Ulgar

[Mensch]

Zahlmeister der Grenzwächter

Fandus

[Mensch]

Dorfvorsteher von Porun

Das Jahr

Ulvaron

[1. Monat]

Herbst

Andalon

[2. Monat]

Winteranfang

Termak

[3. Monat]

Tiefster Winter

Puron

[4. Monat]

Winter

Nebelon

[5. Monat]

Frühlingsanfang

Renas

[6. Monat]

Frühling

Sonnflam

[7. Monat]

Heißer Sommeranfang

Targon

[8. Monat]

Sommer

Murkis

[9. Monat]

Sommer

Wendorg

[10. Monat]

Herbst

Die Unendliche Tiefe I

-

Die frühen Götter

Der Funke zur Macht

Es war eine undurchdringliche Schwärze dort, in der Ewigkeit der unendlichen Tiefe. Kein Wesen wusste, warum dieser leere Raum existierte oder wer ihn erschaffen hatte, denn es gab niemanden, der wissen konnte oder der erschaffen konnte. Es gab nur sie, die undurchdringliche Schwärze.

Ab und an blinkte in der Dunkelheit etwas auf. Es waren winzige Partikel, die mit einer großen Geschwindigkeit aufeinander prallten, und Energie freisetzten. Die Energie verblasste in der Schwärze und es war, als wäre nichts gewesen. Die Dunkelheit eroberte den leeren Raum zurück und tauchte ihn in Finsternis.

Der leere Raum war ein erstaunlicher Ort, wo selbst winzigste Partikel versuchten, ihre Flugbahn zu verändern, ganz als würden sie denken können, doch viele Partikel vergingen, bevor sie ihre Gedanken zu Ende geformt hatten und hinterließen nichts, als einen kurzen Lichtblitz in der Finsternis.

Einem Partikel gelang es zu einer Zeit, die niemand bestimmen konnte, seine Flugbahn zu ändern und so einem anderen auszuweichen, mit dem er zwangsläufig kollidiert wäre. Er versuchte weitere Gedanken zu formen, doch seine Freude über die Änderung der Flugbahn nahm sein gesamtes Denken in Anspruch, sodass er keinen weiteren Gedanken formen konnte. Während andere um ihn herum flogen, entstanden oder vergingen, lebte der Partikel in seiner eigenen Welt. Viele ungezählte Lichtblitze später lebte er noch immer und es gelang ihm einige Male dem Zusammenstoß mit anderen Teilchen zu entkommen. Zu einem Moment passierte es, dass direkt neben ihm ein Lichtblitz entstand und die Energie, die frei wurde, sich auf den Partikel übertrug. Der sonst so kurze Lichtblitz hielt länger an, da der Partikel von selbst zu leuchten schien. So entstand das erste Licht in der Finsternis der unendlichen Tiefe.

Kleinste Teile, die sich dem Licht näherten, zerbarsten und lösten sich in dem Strahlen auf und übertrugen ihre Energie auf das Licht, was stärker zu leuchten begann. Doch er war zu schwach, um sein ursprüngliches Denken weiterzuführen. So lag das Licht still in dem leeren Raum und tat nichts.

Lichtblitz um Lichtblitz erhellten den leeren Raum und nach schier einer Ewigkeit geschah es, dass ein zweites Licht entstand. Das erste Licht hatte über die lange Zeit viel Energie aufgenommen und war zu einem strahlenden Punkt in dem leeren Raum geworden. Durch die Energie war es dem Licht möglich, Gedanken zu bilden, die viel Energie kosteten, doch weiterleben konnten. Sie lebten weiter, als würde sich ein Gedächtnis bilden. Und das Licht begann zu denken. Es bildeten sich niederträchtige Gedanken wie Zorn, Hass und Neid auf das zweite Licht, denn es würde auch irgendwann zu wachsen beginnen.

Viele weitere Lichtblitze später gab es plötzlich einen großen Lichtblitz, da vier Partikel zur gleichen Zeit aufeinanderstießen. Der Funke dieser Explosion erlaubte es dem großen Licht, die Energie aufzunehmen und zu konzentrieren. Doch die Energie war zu mächtig, als dass er sie kontrollieren konnte. So geschah es, dass die Energie außer Kontrolle geriet und sich auf das zweite Licht in der unendlichen Tiefe zubewegte. Die Energie detonierte an dem kleinen Licht und gab einen gewaltigen Energieschub ab, den das große Licht in sich aufnahm.

Zwar formte das große Licht nur langsam Gedanken, doch es wusste, dass es an der Energie vergehen könnte, wenn es nicht etwas dagegen tat. Und plötzlich wusste das Licht, dass es an der Zeit war, aus der Hülle herauszutreten. Die bisher aufgenommene Energie wurde in viele Partikel umgewandelt, die einen großen Komplex bildeten. Der Komplex umschloss das Licht und jedes Teilchen begann Energie für sich selbst aufzunehmen. Doch das Licht behielt die Kontrolle über alle. Es dauerte noch viele weitere Lichtblitze, bis der Vorgang abgeschlossen war und sich ein Leben aus dem Partikel geformt hatte. Das Leben hob eines seiner partikelgeformten Auswüchse und betrachtete fasziniert, was es geworden war. Das Leben spürte die Energie, die in ihm pulsierte und spürte, dass seine Kraft unbändig sein würde. Es konzentrierte einen Gedanken und nahm hunderte von Partikeln auf, die seine Energie mehrten und seine Macht steigerten. Es ist so einfach, sagte eine Stimme in dem Leben und es wusste, dass es zu mehr fähig war. Es formte die Partikel zu einem neuen Organismus um und bildete so seinen ersten Körper, den Körper des Raphálàtas, des ersten Wesens.

Eine erste Saat

Raphálàtas existierte im Leeren Raum. Er wandelte in der Dunkelheit umher und brachte Licht in viele Regionen, ließ das Licht verblassen und neu entstehen. Viele Lichtblitze vergingen im Leeren Raum, bis Raphálàtas schließlich erkannte, dass er Gesellschaft wollte.

Er suchte viele Lichtblitze lang und fand schließlich einen kleinen hellen Punkt in der Dunkelheit. Er erkannte, dass es ein Partikel war, wie auch er selbst einer gewesen war. So hielt sich das mächtige Wesen neben dem Licht auf und hielt alles Gefährliche durch seine Macht von ihm fern. Es dauerte Ewigkeiten, bis schließlich ein Ereignis passierte, das dem Licht Energie zuflößte. Es wuchs stark an und schien zu beginnen einen eigenen Willen zu entwickeln. Raphálàtas merkte plötzlich, dass ihm Energie entzogen wurde. Das zweite Licht merkte die enorme Energie und wollte sie dem mächtigen Wesen entziehen, doch Raphálàtas reagierte sofort und vernichtete das Licht umgehend, indem er wiederholte, was er zufällig bei der Vernichtung des letzten Lichts gesehen hatte. Er hatte Angst, das erste Mal in seiner Existenz hatte er gespürt, dass er Schmerzen empfinden konnte.

Viele weitere Lichtblitze vergingen. Raphálàtas suchte nach einer Möglichkeit, seine Einsamkeit zu verändern und ihm gelang es irgendwann eigene Partikel zu erschaffen, die eine andere Struktur hatten als die bisher bekannten. Diese hatten eine ähnliche Möglichkeit Macht zu erlangen, wie Raphálàtas selbst. Doch konnten sie diese schneller erlangen, jedoch niemals so machtvoll werden wie er selbst. Sie waren perfekt! Es dauerte weniger lange als bei dem kleinen Licht, das er vor einer Ewigkeit entdeckt hatte und seine erste Saat ging auf.

Ein Wesen erhob sich aus dem Partikel und erschuf Licht in der Dunkelheit. Sein Blick wandte sich Raphálàtas zu und er musterte seinen Vater. Er wusste um seine Stellung und bezeugte seinen Respekt. Nach einigen Momenten nannte er seinen Namen: Turanga

Turanga war sein erstes Kind. Ein Kind, dass schnell lernte, obwohl ihm sein Vater nichts beibrachte. Sie gingen meist getrennte Wege in der unendlichen Tiefe, doch sie trafen sich häufig wieder. Turanga begann bald die Einsamkeit seines Vaters zu teilen und beschäftigte sich mit der Kunde der Partikel, die er schon nach wenigen Lichtblitzen vervollkommnte. Er begann bald die erste Welt zu schaffen. Es entstand der erste Planet der unendlichen Tiefe. Es war ein kahler Planet, eine Kugel in der Finsternis, die kaum gesehen wurde. So erschuf Turanga eine Sonne aus Lichtpartikeln, die Raphálàtas im ersten Moment Angst einjagte, doch er erkannte die geniale Idee seines Kindes. Turanga fuhr fort Planeten zu erschaffen, die sich alle in ihrer Trostlosigkeit ähnelten, bis nach einer weiteren Ewigkeit sich weitere Kinder aus ihren Samen, die Raphálàtas in der unendlichen Tiefe gesät hatte, erhoben und begannen, Leben auf den Planeten zu säen.

Die Wesen waren sehr unterschiedlich und so gab es jene, die andere beneideten und sich bekriegten. Savascitul, ein Wesen des Krieges, begann seine Macht gegen seine Brüder und Schwestern einzusetzen.

Krieg ohne Grenzen

Savascitul, Wesen des Krieges, war ein rachsüchtiges Wesen, das die anderen beneidete. Er traf auf Klamtor, der sich selbst Wesen der Macht nannte. Klamtor barg eine ungeheure Energiequelle in sich und prahlte damit vor seinen Geschwistern, was Savascitul in Rage brachte. Das Wesen des Krieges nutzte einen unachtsamen Moment und warf eine Lanze purer Energie auf Klamtor ab, der von der Lanze durchbohrt wurde. Doch anstatt zu Staub zu zerfallen, wandte er sich knurrend um und warf eine riesige Energiesphäre auf Savascitul, der nicht damit gerechnet hatte. Das Wesen des Krieges wurde von der gewaltigen Sphäre getroffen und er verspürte Schmerz. Doch auch er wurde nicht ausgelöscht.

Sie fauchten einander an und bereiteten einander Schmerzen, doch es gelang ihnen nicht einander zu vernichten. Viele Geschwister wollten helfen, doch keiner konnte den beiden Einhalt gebieten. In dieser Zeit, während eine rote Sonne den Leeren Raum erhellte, erlitten viele Wesen große Schmerzen und waren verbittert, doch keines starb.

Turanga, das erste Kind des großen Vaters, beteiligte sich nicht an den Kämpfen der Geschwister. Er war fasziniert von seinen Schöpfungen und beschäftigte sich nur mit diesen. Voller Hingabe und Freundlichkeit fuhr er fort, Planeten zu erschaffen und diese zu verändern.

Zu einer Zeit passierte es, dass eine Wolke der Macht, die eines der Wesen vernichten sollte, über eines der Planeten von Turanga fuhr und seine Oberfläche vollständig verwüstete. Turanga schwebte neben dem Planeten im Leeren Raum und starrte ihn erschrocken an. Gerade wollte er seine Macht einsetzen und den Planeten wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzen, als der Planet ein inneres Leuchten bekam und ein Funke Restmacht der Wolke den Kern des Planeten zerfetzte und die unendliche Tiefe von einer gewaltigen Detonation erfüllt wurde.

Turanga war kein Wesen des Krieges, sodass er nicht den Urheber der Gewalt suchte, sondern voller Trauer auf die Trümmer des Planeten starrte. Alle Wesen kamen zu den Überresten des Planeten und wussten, dass etwas Schreckliches passiert war. Mit einem lauten Knall erschien Raphálàtas vor ihnen und seine Macht schüchterte die anderen Wesen ein.

Er blickte auf die Überreste des Planeten und musste keine Worte von sich geben, um die Schuldigen aus den Reihen der Wesen zu fordern. Sie traten von allein vor und senkten ihr Haupt vor ihrem Obersten. Sie spürten den gewaltigen Zorn, der in ihm brodelte. Und sie spürten Angst.

Unsterblichkeit

Der Zorn des Raphálàtas wollte nicht verfliegen und die anderen Wesen wussten nicht, was sie dagegen tun sollten. Mit einem Mal passierte etwas, das bisher noch nicht in der unendlichen Tiefe geschehen war. Das oberste Wesen begann Worte zu bilden. Er nannte es sprechen.

»Zügelt eure Gewalt, meine Kinder!« Die Stimme des Obersten hatte einen gewaltigen Hall erzeugt, der vielfach in dem Leeren Raum widerhallte.

»Ich gebiete euch, meine Kinder. Seht den Schmerz, den Turanga erträgt.« Mit einer Geste deutete er auf sein erstes Kind, dass noch immer zu dem Ort starrte, wo der Planet gewesen war.

»Erkennt den Schmerz, den mein Kind erdulden muss. Fürchtet ihr nicht den gleichen Schmerz zu ertragen?«, donnerte seine Stimme hart und die Wesen wichen einen Hauch zurück. »Ihr habt gemerkt, dass Macht, die ihr gegeneinander einsetzt, keine Bedeutung für eure Existenz hat. Eine Schöpfung hingegen ist vergangen, weil eure Macht gewaltiger als die der Schöpfung ist.«

Savascitul trat einen Schritt nach vorn und begann auch seine Stimme zu nutzen und sprach: »Vater, versteht unsere Gefühle. Jeder deiner Kinder hat eine Eigenart und so ist es die meine, meine Macht zu benutzen und damit Stürme zu entfachen. Ich kann gegen meine Natur nicht angehen.«

Der zornige Blick des Obersten ließ ihn zurückstraucheln und er reihte sich in der Reihe wieder ein. »Ich erkenne die Weisheit deiner Worte, Savascitul. Nehmt meine Weisheit an, ihr niederen Kinder, und höret. Ein jeder von euch kann Wesen erschaffen, die miteinander in ihrer Macht konkurrieren können. Doch verbiete ich euch, die Macht gegen ein anderes meiner Kinder einzusetzen.«

Die Wesen verstanden und zogen sich zurück. Es dauerte nur wenige Lichtblitze, bis ein erstes Wesen erschaffen wurde, das viel kleiner war als der Schöpfer und sich so freute, auf einem der Planeten des Turanga zu sein. Bald entstand ein anderes Wesen von Savascitul, dem Wesen der Macht, persönlich erschaffen. Die Kinder der Wesen nutzten ihre Macht, um gegeneinander zu kämpfen, doch auch sie konnten nicht vergehen, nur der Planet barst unter ihrer Macht.

Erneut erschien Raphálàtas und donnerte mit seiner gewaltigen Stimme, sodass sich alle Wesen still vor ihm aufreihten und unschuldig dreinblickten. Mit einer Geste löschte er das Leben der neuen Kinder seiner Kinder aus und geriet erneut in Zorn. Seine Kinder fürchteten die gewaltige Macht des Obersten und wagten es nicht, sich ihm entgegenzustellen.

Sterblichkeit

Es dauerte viele weitere Lichtblitze bis, plötzlich eine Lösung für das Problem der Wesen gefunden wurde. Es war Latas, das Wesen der Freundlichkeit, das Kinder erschuf, die nicht einmal die Dauer zwischen zwei Lichtblitzen lang lebten. Doch während dieser Zeit schafften sie es, viele eigene Kinder zu zeugen und sich zu vermehren. Es dauerte keine zwei Lichtblitze, bis sich die ersten Stämme dieser Kinder bekriegten und sich gegenseitig auslöschten. Doch immer überlebten wenige, die sich wieder vermehrten. Ein ewiger Zyklus begann.

Raphálàtas mochte Latas, da sie ein so sanftes Wesen hatte und stets freundlich war. So geschah es, dass der Oberste sich ihr näherte und sie beobachtete, während sie über ihren Kindern wachte. Und es entstand eine Idee in ihm.

Er rief alle Wesen herbei und ließ sie den Planeten beobachten, auf dem die Kinder lebten. Viele der Wesen waren erschrocken, wie schnell diese Kinder vergingen, doch ebenso fasziniert, in welcher Vielfalt sie sich vermehrten.

»Meine Kinder, diese Wesen sind die Lösung eures Problems!«

Latas blickte auf und sprach: »Meine Kinder heißen Menschen und sie sind sehr vergänglich. Einige sind nett, andere sind böse, manche sind kampfeslustig. Sie spiegeln all unsere Charakterzüge wieder.«

»Hört die Worte meines Kindes! Jedem von euch wird es erlaubt sein, fünf Kinder zu erschaffen. Diese Kinder dürfen auf dem Planeten wandeln und sich bekriegen. Beherrscht die Menschen und macht sie euch untertan. Doch wehe dem, der ein Kind erschafft, dass nicht sterblich ist durch die Hand eines anderen Kindes. Nur die Menschen dürfen es nicht vermögen sie zu vernichten.«

Die Wesen blickten ihren Vater an und verstanden seine Weisheit. Sie durften ihren Krieg ausführen. Sie durften miteinander konkurrieren, doch durften sie dies nur mithilfe ihrer Kinder.

»Die Menschen wissen, dass es welche gibt, die eine größere Macht haben als sie selbst und sie nennen uns Götter. Zeigt euch Ihnen nicht und ihre Furcht oder ihr Respekt zu euch wird weiter anwachsen. Ich bin Latas, die Göttin der Freundlichkeit, und sie ehren mich an jedem Tag aufs Neue. Sie beten für mich und geben mir so Energie. Mehr Energie, als ich durch die Kraft der Lichtblitze je aufnehmen könnte.«

Die anderen Götter blickten sie an und spürten, dass die Macht in ihr gestiegen war. Sie verneigten sich vor Latas, der Göttin der Freundlichkeit und begannen, Kinder nach dem Ebenbild der Menschen zu erschaffen. Sie gaben ihnen Talente und Eigenheiten, die ihnen selbst ähnelten. Nur ein Gott missachtete die Gesetze, es war Ikarios, der Gott des Blutes und des Feuers, der sich die verschiedenen Wesen betrachtete, die geschaffen wurden und so seine nach ihrem Ebenbild erschuf. So schuf Ikarios fünf sehr unterschiedliche Kinder, die sich gegenseitig ergänzten. Manche Götter erschufen ganze Völker, die sie den Menschen ähnlich machten, sodass Raphálàtas sie am leben ließ. So wurde der zornige Gott Klamtor der Schöpfer der Trolle, gewaltiger Wesen mit grauer Haut und riesiger Pranken. Doch jeder von ihnen erschuf fünf mächtige Kinder, die sie die Feldherren nannten, denn die Feldherren führten ihren Krieg auf den Planeten.

Turanga erschuf mehrere Welten, die alle ihre Eigenheiten hatten und die Götter teilten sich auf, sodass nicht alle auf einem Planeten ihren Kampf austrugen, ihr Spiel spielten, das Spiel der Götter.

Und so begannen die Götterkriege.

Wir schreiben das Jahr 122 nach Endokles, dem Mächtigen, der das Zeitalter der großen Kriege auf dem Planeten Paralos einläutete.

Die Chroniken der Götterkriege

Paralos I

-

Die Blutritter

Prolog

Dunkelwälder,

16. Targon 122 n. E

Stolz blickte er auf das riesige Heerlager am Fuße des Hügels. Zusammen hatten sie eine Armee aufgestellt, die dem Anblick der Götter würdig war. Vor ihm erstreckten sich unzählige Zelte, vor denen die Flaggen der Blutritter in der Sommersonne wehten. Alle Krieger, die sie versammelt hatten, waren stolz unter den mächtigen Feldherren kämpfen zu dürfen.

»Zufrieden mit deinem Heer aus Trotteln?«

Nicht die kleinste Regung konnte im Gesicht des Feldherrn erhascht werden, doch jeder im Zelt wusste, dass er es gehört hatte.

Den Adler nannten sie ihn, denn niemand wusste um seinen wahren Namen, außer vielleicht seine Brüder des Blutes, doch auch jene würden ihn niemals verraten.

»Ich weiß deinen Zynismus zu schätzen, doch du weißt, dass du im gesamten Land keine Krieger findest, die mit den unseren vergleichbar wären. Das Beste, was dieses Land zu bieten hat, steht vor uns auf den Feldern und marschiert unter unserer Flagge. Sie warten auf unsere Befehle und es gibt niemanden, der sich uns widersetzen könnte«, sagte der Adler ohne sich umzudrehen.

Noch immer war er gefangen von dem unglaublichen Anblick des Heerlagers.

»Pah, sie erfüllen ihren Zweck. Nur wir fünf sind zu wenige, um alles zu erobern, da braucht man schon Kanonenfutter.«

Der Feldherr drehte sich um und blickte in die Runde. Der kalte Schweiß stand den Generälen dieses Abschnittes ins Gesicht geschrieben. Niemand wagte es so mit dem Feldherren zu reden, denn jeder hatte Angst davor bestraft zu werden.

Der muskulöse Ritter in der schwarz-roten Rüstung lag auf einer reich verzierten Bank aus edlem Holz und aß die feinsten Trauben. Die Narbe, die seine Lippen spaltete und bis hinauf zu seinem unteren Augenlid auf der rechten Seite führte, ließ ihn gefährlich aussehen und dieser Eindruck täuschte bei Weitem nicht. Unsicher wichen sie den kalten, blauen Augen des Feldherren, der zuvor auf das Heerlager geblickt hatte, aus. Niemand verstand diesen Feldzug. Das gesamte Reich hatten die Ritter des Blutes unterworfen, doch sie wollten mehr. Es gab nur noch einen kleinen Flecken Land auf Paralos, der Welt, in der sie lebten, den sie noch nicht erobert hatten, die Dunkelwälder. Keiner wusste, wie groß die Dunkelwälder in Wirklichkeit waren, denn niemand betrat diese Wälder, um zurückzukehren.

Der Blutritter, das Schlachtross, der sich auf dem Sofa räkelte und auf eine Antwort des Adlers wartete, wurde enttäuscht. Ein weiteres Mal erklärte der Adler die Strategie, obwohl sie wahrscheinlich schon seit Tagen jeder Kommandeur im Heer verstanden hatte. Es gab noch einen weiteren Feldherrenhügel, den man an klaren Tagen im Norden zwischen den Zelten ausmachen konnte, doch lichte Tage waren an den Grenzen der Dunkelwälder eher selten. Erst gestern war eine Gruppe Späher entsandt worden, die jedoch nicht wiedergekehrt war. Einer der Blutritter war daraufhin auf eigene Faust in die Wälder gegangen, um die Feinde auszuspähen. An diesem Tag kehrte er jedoch kurz vor Sonnenaufgang zurück und erklärte ohne Regung, dass er niemanden gesehen habe.

Der Schattenelf Tifasil blickte von den Bäumen der Dunkelwälder herab auf das Heerlager. Verächtlich hob er die linke Augenbraue, eine seit Jahrhunderten einstudierte Geste. Eine gigantische Zeitspanne lebten die Schattenelfen in den Dunkelwäldern und nie wurden sie besiegt oder das Land erobert, denn normalerweise wagte es niemand, dieses langlebige Volk anzugreifen. Auch dieses Mal würden sie die Angreifer zurückschlagen oder vernichten. Erst vor kurzem hatte er mit seinem Jagdgefährten die Spähergruppe dieser lächerlichen Menschen ausgelöscht. Keine fünfzig Mann stark waren sie gewesen, ein aberwitziger Versuch Informationen zu sammeln. Doch schon gleich darauf kam ein einzelner Krieger. Nahezu gewandt wie er selbst es war, bewegte er sich durch die Wälder, doch vermag niemand einen Schattenelfen zu sehen, wenn dieser nicht gesehen werden will. Die Suche blieb auch für ihn erfolglos.

Zufrieden grinsend spannte Tifasil die Sehne in seinen Bogen und konnte sich darauf verlassen, dass in den Bäumen zu seiner linken die drei anderen Bogenschützen das Gleiche taten. Die Nacht war bereits hereingebrochen, die Jagdzeit begann. Der König der Schattenelfen selbst hatte Tifasil zu sich befohlen und ihm den Auftrag erteilt, ein Drittel der Armee zu vernichten. Er durfte sich sogar seine Truppe selbst zusammenstellen, aber wollte nicht mehr als seinen Jagdgefährten und seine beiden Söhne bei sich haben. Sein Vater hatte immer gepredigt, dass die stärkste Kriegergruppe aus jenen bestand, die sich ihr Leben lang kannten und nach dieser Weisheit lebte auch er, seit er denken konnte.

Abgesprochen hatten sie nicht viel, aber was gab es auch zu besprechen, das Schlachtfeld sprach seine eigene Sprache. Ein Kreis aus acht Zelten stand unter ihren Bäumen. In jedem Zelt würden maximal zehn Krieger liegen, die schliefen, um sich für den Kampf am nächsten Morgen auszuruhen. Drei Wachen standen am Wachfeuer, das zentral zwischen dem Zeltkreis stand und unterhielten sich in der kalten Nacht. Eine vierte Wache patrouillierte um die Zelte herum. Eine wirklich gelungene Planung eines Nachtlagers, Tifasil musste dem Feldherrn insgeheim Respekt zollen.

Neun Schritte brauchte die vierte Wache von einem Zelt zum nächsten. Der Perfektionismus des Lagers würde ebenso ihr Untergang werden. Leise zählte Tifasil die Schritte im Geiste mit, legte einen Pfeil auf die Sehne und zog sie bis weit hinter sein Ohr. Sieben, acht, neun und die Wache tauchte erneut wieder auf und drehte eine neue Runde, Tifasils Vorfreude stieg. Sieben, acht, neun, zehn. Bei der Zehn angekommen schnellte die Sehne nach vorne und der Pfeil durchschlug den Rüstpanzer des hinteren Wächters in der Höhe des Herzens, zur gleichen Zeit kippten die beiden anderen Wachen, gefällt durch Pfeile in ihre Gesichter, um. Lautlos, wie man es erwarten konnte. Sein jüngster Sohn hatte die Aufgabe übernommen, den patrouillierenden Wächter lautlos verschwinden zu lassen. Alles schien nach Plan zu laufen.

Geschmeidig hängte er seinen Bogen über den Rücken, sprang vom Baum herab und eilte zum ersten Zelt. Dort angelangt schnitt er die Zeltplane auf und fand, was er sich in seinen kühnsten Träumen nicht vorgestellt hatte. Zusammengepfercht lagen hier siebzehn Krieger.

»Das wird eine lange Nacht werden«, murmelte er in seiner Heimatsprache und zog grinsend sein Kurzschwert.

»Mein Feldherr, mein Feldherr, wacht auf!«

Um Atem ringend stand ein schweißgebadeter Botenjunge vor dem Feldherrenzelt. Voller Geringschätzung musterte der Adler den untersetzten Jungen. Der schmächtige Knabe mit der dreckigen Kleidung reichte ihm nicht einmal bis zur Schulter. Nichts Besonderes hatte er an sich, sein einziges Talent war seine Geschwindigkeit, die bei den zahlreichen Raubzügen in seiner Kindheit ein Segen für sein Überleben gewesen waren, da er ständig vor den Wachen der Stadt fliehen musste. Der Adler kannte die Geschichte eines jeden Mannes in seinem Lager, auch wenn es nur ein Bote war. Wissen war Macht und Macht war im Krieg entscheidend.

»Was willst du, Junge?«

»Ihr glaubt nicht, was letzte Nacht geschehen ist, Herr. Es ist unglaublich, Ihr hättet es sehen müssen, da…«, von einer Ohrfeige gefällt landete der Junge auf dem Boden. Ungläubig starrte er den Feldherrn an. Die gewaltige Gestalt des ehrfurchterweckenden Kriegers ragte vor ihm auf und ließ ihn vor Angst schlottern.

»Verschwende nicht meine Zeit, sondern berichte!«

Wortlos stand der Junge wieder auf, sammelte sich kurz und fing an zu reden:

»Ein gutes Drittel unserer Truppen ist ausgelöscht, mein Herr.«

Voller Entsetzen starrte der Feldherr den Botenjungen an. Nie ließ er sich so leicht aus der Fassung bringen und von diesem Makel sollte auch keiner wissen.

Einen blitzenden Bogen beschrieb der blanke Zweihänder seines Adlerschwertes und der Junge sackte in sich zusammen, ohne ein Wort herauszubringen. Eine Beule zierte seine Stirn, wo der Schwertknauf getroffen hatte.

»Man macht keine Witze über meine Armee!«

Zu große Angst stand dem Jungen im Gesicht, bereits bevor er ihn niedergeschlagen hatte, das hatte der Adler bemerkt. Eine innere Unruhe packte ihn. Die Knöchel an seiner Hand, die den Schwertknauf in der Form eines Adlers umklammerten, traten weiß hervor. Schließlich rannte er zu seinem Pferd und preschte in Richtung Norden. Entsetzen spiegelte sich auf den Gesichtern einiger Krieger wieder, die ihm begegneten, anscheinend wussten sie alle, was geschehen war, nur er nicht, weil er seine Informationsquelle kurzerhand erschlagen hatte. Er sollte sich nicht so gehen lassen. Der Einfluss seines Blutsbruders, dem Schlachtross, schien einfach zu groß zu sein überlegte er, während er an Hunderten Zelten vorbei ritt.

Alle waren da. Die Waage, das Schlachtross, das Krokodil und der dreiköpfige Hund. Alle Blutritter waren versammelt. Ihre Namen waren ein schwer gehütetes Geheimnis, sodass sie sich nur anhand ihrer Schildwappen benannten. Und sie schwiegen, das war kein gutes Zeichen. Noch bevor das Pferd richtig zum Stehen gekommen war, sprang der Feldherr ab und ging auf die Blutritter zu.

»Meuchelmörder«, das einzige Wort, das aus dem Mund des Dreiköpfigen kam.

»Meuchelmörder? Welcher Meuchelmörder bringt dreitausend Krieger um?«, fragte sich der Feldherr innerlich, aber wagte es nicht, diese Frage zu stellen.

»Ich hatte gleich gesagt, dass dieser Feldzug eine Schnapsidee ist«, sagte die Waage.

»Ja, ja, für dich ist das Leben doch ein Blumengarten. Mit jedem willst du Frieden schließen«, Worte bildeten sich in den Gedanken des Feldherrn, aber er schwieg noch immer. Er ging weiter bis zur Kuppe des Hügels.

Erstaunt blickte er auf ein makelloses Lager. Hunderte Zelte standen dort, wo sie hingehörten, Krieger standen an den Wachfeuern, alles schien friedlich. Doch bei genauerer Betrachtung fiel ihm auf, dass sich gegen die Morgensonne längere Stecken von den Kriegern abzeichneten.

»Pfeile«, stellte er nüchtern fest.

»Nicht nur Pfeile. Die Krieger in den Zelten wurden im Schlaf mit Kurzschwertern ermordet. Keine Fußspuren, nichts. Anhand der Pfeile kann man es aber deutlich erkennen«, sagte das Krokodil und warf dem Adler einen Pfeil zu.

»Drykalfedern? Die Federn von schwarzen Harpyien? Also sind die Schattenelfen doch keine Legende! Ha! Wie viele haben wir von ihnen erledigt?«

Hoffnungsvoll blickte er in die Gesichter der Blutritter.

»Keinen einzigen, sie haben die Wächter getötet, die Zeltbesatzung ermordet und die Wächter dann so präpariert, dass sie für flüchtige Blicke arbeitend aussahen. Ein meisterhafter Schachzug. Man tötet ein Drittel des Heeres und demoralisiert die restlichen Truppen. Wäre ich nicht auf der gegnerischen Seite, würde ich sie lieben, aber so kann ich nur Respekt für sie entgegenbringen.«

Das Krokodil drehte sich mit diesen Worten um und ging. Er hatte abgeschlossen, ihm war es egal, das wusste der Adler, für ihn waren diese Krieger nur Zahlen ohne jede Bedeutung. Er blickte der Gestalt des Krokodils hinterher. Jeder der Blutritter trug die fantastische Rüstung, die schwarz und rot schimmerte, doch das Krokodil machte einen besonderen Eindruck auf die Gegner. Er war nicht besonders groß und auch nicht breit gebaut, doch die gezahnte Klinge an seiner Seite und das finstere Gesicht ließ jeden Mann um sein Leben fürchten. Die Waage blickte erwartungsvoll zum Feldherrn, dem Adler, und sagte: »Wir sollten diesen Feldzug abbrechen, bevor wir alles verlieren.«

Schnaubend wandte sich der Adler um, stieg auf sein Pferd und trabte in Richtung Feldherrenhügel. »Die Schlacht ist erst geschlagen, wenn alle Krieger vernichtet sind.«

Zwei Nächte später war das gesamte Heer ausgelöscht. Die Feldzüge in die Wälder erwiesen sich als trügerisch. Niemals sahen sie auch nur einen Elfen oder eine Behausung, an der sie sich hätten rächen können. Der Tod für jedes Heer, denn ohne konnte man keine Schlachten gewinnen. Zu fünft standen sie auf dem Hügel, am Rande eines völlig unzerstörten Lagers voller Leichen. Ein größeres Massaker hatte es nie gegeben.

Aus der Ferne sah man zwei Reiter aus dem Wald traben. Höchst ungewöhnlich für die Schattenelfen, denn sie bewegten sich lieber von Baum zu Baum, so die Legende. Abwartend standen die Krieger auf dem Hügel und beobachteten das merkwürdige Duo. Ein Reiter auf schwarzem Pferd, gehüllt in eine schwarze Lederrüstung, die seinen Körper nahezu komplett schützte. Der andere weiß, in einem seidigen Gewand. Auf dem Hügel angekommen, warteten die Elfen kurz auf ihren wundervollen Rössern und stiegen dann so würdevoll ab, wie es nie ein Mensch vermochte.

»Acyron ist mein Name und Celsinas begleitet mich«, eröffnete die weißgewandete Gestalt mit melodiöser Stimme, »Ihr habt Krieg über unsere heiligen Wälder gebracht und…«

»Ha! Krieg, dass ich nicht lache. Wir haben den Wald kaum betreten, geschweige denn auch nur einen Ast umgeknickt«, so zornig hatte der Adler seinen Bruder, das Schlachtross, noch nie gesehen, doch irgendwie passte es zu ihm. Die lange Narbe in seinem Gesicht verzog sich und ließ seine Züge einer grausigen Maske gleich. Celsinas, der schwarz gewandete Elf, hob einen Mundwinkel zu einem Lächeln, sodass es einem eiskalt den Rücken herunterlief und auch seine Stimme war in einem Klang, der einem die Nackenhaare zu Berge stehen ließ. »Ihr seid mit der Absicht gekommen, Krieg zu führen. Es ist euer Problem, wenn Ihr ihn nicht beginnt. Wir haben uns lediglich geschützt. Mit Erfolg, wenn ich das hinzufügen darf.«

Der eine wunderschön und der andere furchteinflößend wie kein anderer, eine seltsame Kombination für Gesandte, dachte der Adler bei sich.

»Warum seid Ihr gekommen? Was verlangt Ihr?«

Nun begann auch Acyron zu lächeln. Ein Lächeln, dass jede Frau um ihren Verstand gebracht hätte, so wunderschön war es.

»Wir verlangen nicht, wir nehmen einfach. Unser König befahl euch zu verbannen. Jedoch nicht aus diesen Ländereien, Ihr werdet aus dieser Welt verbannt werden. Eingefroren zwischen den Welten, bis euch jemand erlöst, jedoch wird dies nie geschehen, denn niemand weiß, wie man die magischen Fesseln brechen kann.«

In einer fließenden Bewegung zog der Dreiköpfige einen Pfeil aus seinem Köcher, legte an und schoss, beinahe ohne zu zielen. Die Geschwindigkeit dieses Schusses war für menschliches Maß unbeschreiblich, doch Celsinas blickte nur kurz auf das Geschoss und es ging in Flammen auf.

»Euer Widerstand ist zwecklos, Blutritter. Man legt sich nicht mit den Bewohnern der Wälder an.«

»Es hat keinen Sinn«, mit diesen Worten legte die Waage sein Schild und sein Schwert weg und setzte sich. Sein leiblicher Bruder, das Krokodil, folgsam und voller Gleichgültigkeit, tat es ihm gleich. Die übrigen Blutritter folgten.

Die beiden Elfenmagier begannen ihre Zeremonie, die über einen Sonnenzyklus dauerte. Nach Vollendung ihres Zaubers blieben sechs Steine zurück. Fünf in der Form eines fallenden Bluttropfens, im Kreis angeordnet und ein Opferstein in der Mitte. Die Waffen der Krieger waren in die Steine eingelassen. So entstand der Kreis des Blutes.

Die Wiedererweckung

Südlich der Dunkelwälder,

3. Targon 325 n. E

Die Peitsche knallte und Piet zuckte vor Schmerz zusammen. Einen Laut brachte er nicht über die trockenen Lippen, denn sonst würde es nur noch häufiger knallen, das wusste er. Schon wieder hatte er vergessen das Getreide abzudecken, bevor er es ins Lager brachte.

Piet war ein dummer Junge, das wusste er, es wurde ihm ja schließlich oft genug gesagt. Nach den üblichen fünf Peitschenhieben wurde er zurück aufs Feld geschickt. Stolpernd und Tränen im vor Schmerz verzogenen Gesicht gelangte er zurück auf das Feld zu den anderen Arbeitern, die ebenso schäbig gekleidet waren, wie er selbst. Nichts als einfache Fetzen trugen sie an ihren Leibern. Er blickte über die Schulter zurück zum Lehnshaus des Herren und wünschte sich so manches Mal eine Nacht in einem der bequemen Betten, von denen man sich erzählte. Der Lehnshof war aus soliden Brettern zusammengezimmert und mit einer häufig vorkommenden Pflanzenart abgedeckt worden. Es war eine sehr alte Technik Häuser zu bauen, doch die Armut war groß in diesen Ländereien. Nahezu nichts verdienten sie hier. Es war eine ärmliche Gegend, die auch keinen guten Ertrag brachte.

Piet fragte sich immer, warum man nicht weiter nördlich, nahe des Waldes anbaute, denn da musste es ja mehr Wasser für die Pflanzen geben, aber er war nun einmal ein dummer Junge und wurde nur mit abschätzigen Blicken bestraft, wenn er so etwas vorschlug. Mit seiner Arbeit konnte er sich gut versorgen, selbst verdiente Piet gar nichts, aber dafür durfte er beim Lehnsherrn mit speisen und bei ihm schlafen, mehr benötigte er nicht.

Während der Arbeit beobachtete er die anderen Jungen. Gut gebaute, halb Erwachsene, denen keine Arbeit zu schwer war. Nur Hosen trugen sie, den Oberkörper frei, damit der Schweiß besser ablaufen konnte, denn die Arbeit war anstrengend und die Gegend heiß. Aber irgendetwas stimmte nicht. Piet bemerkte es nicht sofort, aber nach einiger Zeit sah er, dass sie sich nicht wie üblich bewegten. Irgendwie waren ihre Bewegungen ruckartig, als hätten sie große Schmerzen, aber erklären konnte Piet sich das nicht. Bestraft wurden sie nie, während Piet fast jeden Tag die Peitsche zu spüren bekam. Also ging er hin und fragte.

»Edle Herren, verratet mir doch, warum Ihr euch bewegt, als hättet Ihr große Schmerzen.« Grinsend sahen sich die Jungen an und Piet wurde ganz mulmig zumute.

»Du kennst doch sicherlich die Legende vom Kreis des Blutes. Wer es vermag, die Waffen der Ahnen aus den Blutfelsen zu ziehen und auf dem Opferstein in der richtigen Position anzuordnen, wird große Macht erlangen und die Fesseln der Knechtschaft lösen. Doch jenen, die nicht berufen sind, wird großer Schmerz zugefügt.«

Natürlich kannte Piet die Legende. Jeder Bauer kannte sie, schon seit Jahrhunderten verbreitete sich diese, doch weise Priester behaupteten immer wieder, dass die Zeilen nicht richtig gedeutet worden waren.

»Wieso fragt Ihr, edler Herr?«

Die Jungen mochten diese Anrede, das wusste Piet und er mochte es, wenn er keine Bestrafung bekam, also sprach er einfach so.

»Erklärt es sich denn nicht von selbst, Piet? Wir waren bei den Blutsteinen, aber wir waren nicht berufen. Wir werden weiterhin hier in Knechtschaft arbeiten.«

Telvor stieß grinsend seinen Nachbarn mit dem Ellenbogen an. Telvor war der Größe und Mutigste von allen, er hatte bestimmt die Waffen zuerst berührt. Er hatte langes, blondes Haar, mit einem Lederband zusammengebunden, sodass es ihn nicht bei der Arbeit behinderte. Tuschelnd redeten die beiden kurz miteinander und kamen dann grinsend wieder zurück in den Kreis der anderen Jungen.

»Piet, du wirst heute Abend mitkommen und die Steine auch berühren, denn du musst berufen sein, das spürt man.«

Natürlich glaubte Piet sofort, was Telvor sagte, denn er war ja nur dumm und Telvor war so groß und stark. Er hatte Angst, aber das würde ihn davon nicht abhalten. Vom Haus des Lehnsherrn erklang eine Stimme:

»Wenn ihr verlausten Nichtsnutze nicht sofort weiterarbeitet, verfüttere ich euch an die Dämonen der alten Zeit!«

Lachend machten sich die Kinder wieder an die Arbeit. Piet verstand nie, warum sie nach diesem Spruch immer so ausgelassen waren, denn die Dämonen der alten Zeit waren mächtig und bestimmt auch mächtig hungrig, also beeilte er sich weiterzuarbeiten.

In der Nacht fand er kaum Schlaf. Ständig dachte er an das bevorstehende Abenteuer. Kurz nach Mitternacht wurde er dann endlich von Telvor und den anderen Jungen abgeholt. Leise schlichen sie am Gutshof vorbei, in der Angst, dass der Wachhund sie bemerken würde. Doch in dieser Nacht schafften es alle irgendwie an dem Hund vorbeizukommen. Unsicher tappten sie im Dunkeln einen kleinen Trampelpfad in Richtung Norden entlang.

Nach einigen Wegstunden zeichnete sich am Horizont ein Streifen ab, der noch dunkler als die Umgebung selbst war, der Dunkelwald. Voller Angst verlangsamte Piet seine Schritte und blieb stehen:

»Wollt ihr wirklich in den Wald gehen?«, fragte er ungläubig, aber einer der Jungen winkte ab,

»Nein, nein. Die Blutsteine befinden sich doch vor dem Wald auf einem Hügel, ich dachte, du kennst die Legende, du dummer Junge.«

Schon wieder wurde er beleidigt, aber das war ihm egal, seine Aufregung überdeckte alles, schließlich sollte er ja der Berufene sein.

Nach einiger Zeit gelangten sie dann endlich an einen Kreis aus fünf Steinen in der Form von Wassertropfen oder Bluttropfen, wie die Jungen meinten. Voller Staunen betrachtete Piet die kunstvollen Waffen, die im Mondlicht funkelten. Mit düsterer Stimme sprach Fernando:

»Der Berufene spürt die passende Waffe, das erste Stück zur Macht. Los, Piet, wähle deine Waffe, berühre sie und lass dich von ihrer Macht erfüllen oder erleide höllische Schmerzen.«

Viel besser hätte man ihm seinen Mut nicht nehmen können, aber Piet ging zu den anderen Jungs in Richtung des Opfersteins. Langsam dreht er sich im Kreis und betrachtete eine Waffe nach der anderen. Die Farben der Waffen waren unglaublicher als alles, was er jemals zuvor gesehen hatte. Sie strahlten ein dunkelrotes Leuchten durch Vulkanglasmaserungen aus, die neben eingebetteten Onyxsplittern lagen. Ungeduldig wie er war, ging er zum nächst besten Blutstein und streckte seine Hand der Waffe entgegen, doch seine innere Stimme sagte ihm, dass er sie nicht anfassen sollte, also zögerte er, drehte sich um und betrachtete noch einmal eingehend alle Waffen.

»Versuche doch nicht uns glauben zu machen, du hättest Ahnung von dem, was du tust«, fing Telvor an ihn zu ärgern und die anderen Jungen lachten mit ihm. Sie freuten sich bereits auf den Schmerz, den Piet erleiden würde. Ihm würde es kaum besser ergehen, als ihnen in der Nacht zuvor.

Unbeirrt ging Piet auf einen der Steine zu, ein großer Schild hing weit oben wie an jedem der Steine, hier zeigte er eine Waage. Ohne zu zögern streckte er die Hand aus und nahm den Schild an sich, ein leichtes Flimmern ging vom Rand des Schildes aus. Schmerzen spürte er jedoch keine, er schien eben doch berufen zu sein. Vorsichtig legte er die Waffe auf den Opferstein.

Gebannt schauten sich alle Jungs um, aber es passierte nichts.

»Du hast die falsche Waffe erwischt, du Hornochse!«

Die Jungen wurden böse und verwünschten Piet, der aber nur flüsternd entgegnete: »Das war noch nicht alles, wartet ab.«

Nach und nach brachte Piet Waffen in einer gezielten Reihenfolge zu dem Opferstein. Bei genauerer Betrachtung konnte man sehen, dass seine Augen rot leuchteten und er sich scheinbar ohne Kontrolle bewegte. Einen Bogen, ein Kurzschwert und einen großen Zweihänder mit der Knaufform eines Adlers.

In fließender Bewegung wischte er sich den Schweiß von der Stirn und ordnete die Waffen auf dem Stein an. Innerlich fragte er sich, woher er wusste, wie die Waffen anzuordnen waren, aber es war ihm egal, er war das erste Mal in seinem Leben etwas Besonderes. Schweigend trat er einen Schritt zurück, als er sein Werk vollendet hatte.

Langsam glommen Runen auf dem Opferstein auf, ebenfalls in dunkelroter Farbe, ein wahres Wunderwerk für jedes Auge. Doch wieder passierte nichts, sodass gleich einer der Jungen anfing zu murren. Leise murmelnd stimmte Piet einen Gesang an. Immer lauter wurde seine Stimme, sodass schon nach kurzem zu erkennen war, dass er in einer Sprache sang, die zu schön und gleichzeitig zu schrecklich für eine Menschenkehle war, ganz als sänge ein Monstrum aus den Pentagrammen der Hölle.

Nun begannen auch Runen in den Blutsteinen zu leuchten, auch sonderten diese eine rötliche Flüssigkeit ab, wie einer der Jungen mit einem vor Ekel verzogenem Gesicht bemerkte. Der gesamte Hügel leuchtete wie die untergehende Sonne, ein wundervolles Spektakel. Atemlos betrachteten die Jungen, was sich vor ihnen abspielte. Grinsend bemerkte Piet, dass Telvor sich sogar die Hose eingenässt hatte, doch auch er konnte sich dem Anblick nicht länger entziehen und sagte nichts, sein Gesang war nicht länger nötig. Dann wurde der rote Schein so stark, dass alle nichts mehr sahen und eine unheimliche Stille setzte ein.

Ein lautes Knacken brach die Stille, worauf eine Stimme erklang: »Oh man, kaum sind wir wieder da, musst du gleich jemanden umbringen.«

Verwirrt und verschreckt blickten die Jungen in alle Richtungen. Umringt von fünf schemenhaften Männern standen sie auf dem Hügel, von dem die Steine plötzlich verschwunden waren. Hinter Fernando hatte ein Blutritter einen anderen Jungen noch in den Händen, dessen Kopf in einem grotesken Winkel baumelte, er hatte ihm den Kopf umgedreht. Zitternd brachen die Jungen zusammen und wagten es nicht, auch nur ein Wort zu sagen.

Der Schrecken ist zurück

Dunkelwälder,

3. Targon 325 n. E