Verlag: cbj Kategorie: Für Kinder und Jugendliche Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2016

Paris, Clara und ich E-Book

Adriana Popescu  

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E-Book-Beschreibung Paris, Clara und ich - Adriana Popescu

Das zauberhafte Sequel zu »Paris, du und ich«Weihnachten in Paris! Was kann noch schöner und romantischer sein? Für Emma und Vincent ist die Antwort klar: Bei ihrem Freund Jean-Luc, dem Concierge, Weihnachten feiern und sich die Geschichte seiner großen Liebe erzählen lassen.Für alle Fans ihres großen Paris-Liebesromans »Paris, du und ich« und alle, die es noch werden wollen, hat Adriana Popescu als Weihnachtsgeschenk diese schneeflockenzarte Weihnachts-Kurzgeschichte auf den Gabentisch gezaubert.

Meinungen über das E-Book Paris, Clara und ich - Adriana Popescu

E-Book-Leseprobe Paris, Clara und ich - Adriana Popescu

Adriana Popescu

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1. Auflage 2016© 2016 cbj Kinder- und Jugendbuchverlagin der Verlagsgruppe Random House GmbH,Neumarkterstraße 28, 81673 MünchenAlle Rechte vorbehaltenUmschlagkonzeption: zeichenpool, München unter Verwendung der Fotos von: © Shutterstock (Nataliya Hora; vlastas; Lera Efremova; Hein Nouwens)MP · Herstellung: UKSatz: Uhl + Massopust, AalenISBN 978-3-641-21593-4V002www.cbj-verlag.de

Paris, Clara und ich

Die vier Kerzen auf dem Tisch, aufgesteckt in einen mit roten Schleifen geschmückten Tannenkranz, flackern sanft vor sich hin und zaubern Schatten, die uns nicht besonders ähnlich sehen, an die Wand. Im Hintergrund laufen Weihnachtslieder – auf Französisch, darauf habe ich bestanden! –, und ein zufriedenes Lächeln liegt auf meinen Lippen. Ich hatte nicht angenommen, dass ich dieses Jahr noch in Weihnachtsstimmung kommen würde. Es hätte ein kleines Weihnachtswunder gebraucht, doch genau das habe ich bekommen: Als es vor knapp zwei Stunden überraschend an der Tür geklingelt hat und Zola, mein kleiner Hund, ganz aufgeregt durch meine Wohnung gesprungen ist. Fast so, als hätte sie geahnt, wer die Gäste sind. Und da standen sie, meine beiden jungen Freunde aus Deutschland: Emma und Vincent, die seit knapp einem Jahr hier in Paris leben.

Jetzt sitze ich hier neben einem winzigen Tannenbaum mit kleinen Kugeln und blinkenden Lichtern, höre Chansons de Noel und bin zum ersten Mal seit fast drei Jahren an diesem Feiertag nicht alleine.

»Möchte noch jemand etwas vom Christstollen? Den hat meine Mutter selber gemacht«, fragt Emma strahlend.

Sie sieht zwischen Vincent und mir hin und her, doch ich bekomme keinen Bissen mehr runter und hebe abwehrend die Hände. Das mitgebrachte Weihnachtsessen war deliziös, und vielleicht war es auch die festliche Stimmung, die mich dazu verführt hat, mehr auf meinen Teller zu laden als sonst.

»Wenn ich noch etwas essen muss, Mademoiselle Emma, dann platze ich.«

»Und das sollten wir verhindern!«

Auch Vincent schüttelt zufrieden den Kopf und schiebt den Teller von sich.

»Ich möchte mich übrigens noch bei euch bedanken.«

»Das haben Sie doch schon, Monsieur Jean-Luc.«

Ich habe den beiden schon vor einer kleinen Weile das Du angeboten, aber Emma scheint es nicht über die Lippen zu kriegen, und so bleibe ich wohl auf ewig »Monsieur Jean-Luc«. Das klingt wie ein Titel, den mir mein Besuch, der gerade meinen zweiten Weihnachtsfeiertag versüßt, verliehen hat. Emma sieht noch immer zu mir, räumt die Teller zusammen und macht sich daran, Wasser für den Tee aufzusetzen. Es ist schön zu sehen, dass sie mein abendliches Ritual noch nicht vergessen hat.

»Trotzdem. Die Feiertage sind für mich sonst immer besonders einsam gewesen, wenn alle bei ihren Familien sind und Paris zu einer Stadt der Lichter wird.«

Ich weiß, dass beide verstehen, was ich meine. So sehr ich meine Stadt liebe und sie nicht verlassen will, um irgendwo auf dem Land in einem schönen Altenheim meinen Lebensabend zu verbringen, so sehr schmerzt es manchmal, ein Witwer in Paris zu sein. Diese Stadt ist nicht für Menschen mit gebrochenem Herzen gemacht.

»Ihr jungen Leute hättet heute bestimmt Besseres zu tun, als hier mit mir Weihnachtslieder zu hören.«

Ich gebe mir Mühe, es wie einen leichtherzigen Scherz klingen zu lassen. Doch so ganz gelingt es mir nicht zu vertuschen, wie dankbar ich wirklich bin.

»Absolut nicht. Für uns ist es das schönste Weihnachtsgeschenk, wenn die Überraschung geglückt ist«, sagt Emma mit Wärme in der Stimme.

Emma hat sich sehr verändert. Sie hat nur noch entfernte Ähnlichkeit mit dem schüchternen Mädchen, das damals mit Vincent zum ersten Mal in dieser kleinen Wohnung aufgetaucht ist. Zwar trägt sie ihr rotes Haar nur unwesentlich kürzer und auch sonst hat sich ihr Aussehen nicht verändert, doch ihre Augen strahlen ein neu gefundenes Selbstbewusstsein aus, das ich bei unserem ersten Treffen sehr vermisst habe.

Vincent hingegen sieht aus, als wäre er in einem Gemälde eingefangen worden: Da ist noch immer das freche, leicht schiefe Lächeln auf den Lippen, das geheimnisvolle Funkeln im Blick, als wäre er jederzeit bereit, in ein neues Abenteuer aufzubrechen, und die Haare, die ihm bei der kleinsten Kopfbewegung in die Stirn und fast über die Augen rutschen. Heute trägt er eine blinkende Weihnachtsmütze und einen Strickpullover, auf dem ein großes Rentier mit einer dicken roten Nase abgebildet ist.

Ach, Vincent.

Ich bin einen kurzen Moment überrascht, wie viel Zuneigung ich empfinde, wenn ich die beiden jungen Menschen ansehe, die damals durch einen Zufall in mein Leben gestolpert sind und deutliche Fußspuren in meinen Erinnerungen hinterlassen haben. Für sie mag ich vielleicht nur der alte Concierge sein, doch für mich sind sie in der kurzen Zeit, in der wir uns nun schon kennen, fast zu Enkelkindern geworden.

Mein Blick wandert weiter zu meinem Regal, an dem ich letzte Woche eine kleine Lichterkette angebracht habe. Es ist der einzige Weihnachtsschmuck. Den bin ich ihr schuldig. Obwohl ich versuche, mich dem Weihnachtskitsch zu entziehen, weiß ich genau, dass ich das nicht darf. Immerhin geht es dabei nicht nur um mich.

Ich weiß genau, sie würde jetzt lächeln, so wie sie es immer getan hat, wenn sie bei einer Sache recht behalten hat, und mir zuzwinkern.

Clara.

Obwohl ich nicht weiß, ob sie mich sehen kann, lächele ich ebenfalls und höre mich in meinem Kopf ein leises Merci sagen. Es würde mich wahrlich nicht wundern, wenn sie ihre Finger im Spiel gehabt hat. Ihr Mann, zu Weihnachten alleine. Mais non, das gehört sich doch nicht. Nicht zu Weihnachten.

Meine Frau hat diesen Feiertag geliebt. Schon Wochen vorher hat sie Lieder über weiße Weihnachten gesungen, mich Weihnachtsschmuck aus dem Keller tragen lassen, und dem Tag, an dem wir endlich einen Baum ausgesucht haben, entgegengefiebert, als wäre das der eigentliche Grund zum Feiern.

Vielleicht wäre sie enttäuscht, wenn sie wüsste, wie wenig weihnachtlich es in den letzten Jahren hier zugegangen ist. Aber es fällt mir schwer, unsere alten Weihnachtskugeln anzusehen, alleine einen Baum auf dem Weihnachtsmarkt auszusuchen oder Geschenke für Freunde zu besorgen, ohne dabei an Claras glückliches Lächeln und ihre strahlenden Augen zu denken.

Oder daran, wie sehr sie mir gerade heute fehlt.

Wieder sehe ich zum Regal, wo ihr Foto steht. Ihr Lächeln, zeitlos schön. Sie würde das hier heute mögen: Emma und Vincent haben Weihnachten mitgebracht. Nicht nur für mich.

Erst als eine Träne über meine Wange läuft, bemerke ich, wie Vincent und Emma mich ansehen. Natürlich haben auch sie meinen Moment mit meiner verstorbenen Frau bemerkt. Verlegen wische ich mir über das Gesicht.

»Excuse moi. Sie fehlt mir manchmal nur ein bisschen mehr als sonst.«

Das ist gelogen. Sie fehlt mir immer unendlich, ganz gleich, wo ich bin oder welcher Tag ist.

»Das muss Ihnen nicht peinlich sein.«

Emma kommt um den Tisch herum und legt die Arme um meinen Hals, drückt sich an mich. Eine Umarmung, der ich nicht ausweichen kann – oder will.

»Wir alle vermissen jemanden an Weihnachten.«

Da mag sie recht haben. Weihnachten, das Fest der Liebe, das man in jungen Jahren so unbekümmert feiert und nicht ahnt, dass eine Zeit auf uns wartet, an der immer mehr Plätze am Tisch leer bleiben und wir eines Tages, so wie ich, alleine dasitzen und die Menschen vermissen, die unsere Liebsten sind oder waren. Doch manchmal trifft man auf Menschen, deren Bedeutung wir erst später bemerken, und die Stühle um den Tisch füllen sich wieder. Erst als Emma mich langsam loslässt, finde ich meine Sprache wieder.

»Ihr macht dieses Weihnachten sehr viel schöner als die letzten.«

»Das war ja auch Sinn der ganzen Aktion.«

Sie strahlt mich an, auch wenn ich die Tränen in ihren Augen sehen kann. Dabei wollte ich unter keinen Umständen wie der traurige, einsame alte Mann wirken oder ihnen gar die Freude verderben.

»Da fällt mir ein, ich habe noch etwas für euch.«

Das wollte ich schon vor Tagen abgeben. Und doch habe ich immer Ausreden gefunden, um nicht nach oben in die Dachgeschosswohnung zu gehen, die mal meine – unsere – Wohnung war.

»Es ist nur eine Kleinigkeit.«

Jetzt ist es mir fast peinlich, dass ich so ein kitschiges Geschenk für die beiden gekauft habe. Und das nur, weil ich nicht so genau weiß, womit man jungen Menschen Weihnachten eine Freude macht. Ist es denn noch modern, CDs zu verschenken oder Pullover? Ich habe das Geschenk in weiß-silbernes Papier gepackt, das Clara vor ewigen Zeiten gekauft und nie ganz verbraucht hat. Da es immer weniger Geburtstage in meinem Freundeskreis gibt, die man feiern kann, habe auch ich lange nicht mehr danach gegriffen. Es sieht eingepackt ganz hübsch aus, und so reiche ich es Emma, während Vincent die dazugehörige Karte bekommt. Eine Karte aus Claras Sammlung. Bisweilen frage ich mich, wie ich ohne die Hinterlassenschaften meiner Frau durchs Leben kommen würde. Wieder werfe ich ihr einen Blick zu, den sie erwidert, wenn auch nur durch ein Foto. Ich meine, sie würde wissend lächeln.

Emma wickelt langsam das schwere, kuppelartige Geschenk aus. Entweder sie ist eine begnadete Schauspielerin oder sie ist ehrlich begeistert.