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Exzellent – das ist er im wahrsten Sinne des Wortes: einzigartig, schlagfertig und natürlich auch unangenehm schlagfähig. Wer ihn unterschätzt, hat schon verloren. Sein Regenschirm ist nicht nur sein Markenzeichen, sondern auch die beste Waffe der Welt. Seinem Charisma, Witz und Charme kann keiner widerstehen. Der exzellente Butler Parker ist seinen Gegnern, den übelsten Ganoven, auch geistig meilenweit überlegen. In seiner auffallend unscheinbaren Tarnung löst er jeden Fall. Bravourös, brillant, effektiv – spannendere und zugleich humorvollere Krimis gibt es nicht! Josuah Parker war alles andere als begeistert. Er saß in einem Wagen der riesigen Achterbahn und musste sich notgedrungen bewegen lassen. Aus Vergnügen dieser Art machte er sich nicht viel. Von sich aus wäre er nie auf den Gedanken gekommen, sich solch kindlichen Vergnügen hinzugeben. Doch Mike Rander und Vivi Carlson hatten darauf bestanden, diese Fahrt zu unternehmen. Parker hatte sich gefügt. Der Wagen, in dem er saß, hatte den höchsten Punkt der Achterbahn erreicht und wurde langsamer. Von hier oben aus hatte der Butler einen weiten Überblick über den großen Lunapark und über Brighton. Die Silhouette des Seebades an der Ostküste Englands hatte sich kaum verändert. Sie wirkte immer noch etwas altväterlich und plüschbezogen. Parker schloss ergeben die Augen, als der Wagen sich senkte und erneut in Schwung kam. Er hörte vor sich das helle Auflachen von Vivi Carlson, die neben seinem jungen Herrn saß und sich offensichtlich amüsierte. Parker hielt sich mit dem Bambusgriff seines Universal-Regenschirms die schwarze Melone fest und wartete ergeben darauf, dass die Fahrt zu Ende ging und der Ausflug nach Brighton seinen Abschluss fand. Er war von Anfang an gegen dieses Wochenende gewesen. Brighton, das war für ihn gleichbedeutend mit Touristen und Feriengästen, mit Lärm und Hektik, mit billigem, organisiertem Vergnügen und mit Gefahr, die vor allem von zwei Herren drohte, die sich Cleveland und Longless nannten. Es handelte sich um zwei Spezialisten, die ein Gangstersyndikat auf Anwalt Rander und ihn angesetzt hatten. Cleveland und Longless hatten den Auftrag, Mike Rander und Josuah Parker für immer aus dem Verkehr zu ziehen. Es handelte sich dabei um eine Retourkutsche, die der Boss des Syndikats bespannt hatte. Seinerzeit in den Staaten hatten Rander und Parker diesem Gangsterboß eine mehr als empfindliche Schlappe zugefügt. Dafür sollten sie jetzt zur Kasse gebeten werden.
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Seitenzahl: 128
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Josuah Parker war alles andere als begeistert.
Er saß in einem Wagen der riesigen Achterbahn und musste sich notgedrungen bewegen lassen. Aus Vergnügen dieser Art machte er sich nicht viel. Von sich aus wäre er nie auf den Gedanken gekommen, sich solch kindlichen Vergnügen hinzugeben. Doch Mike Rander und Vivi Carlson hatten darauf bestanden, diese Fahrt zu unternehmen. Parker hatte sich gefügt. Der Wagen, in dem er saß, hatte den höchsten Punkt der Achterbahn erreicht und wurde langsamer. Von hier oben aus hatte der Butler einen weiten Überblick über den großen Lunapark und über Brighton. Die Silhouette des Seebades an der Ostküste Englands hatte sich kaum verändert. Sie wirkte immer noch etwas altväterlich und plüschbezogen.
Parker schloss ergeben die Augen, als der Wagen sich senkte und erneut in Schwung kam. Er hörte vor sich das helle Auflachen von Vivi Carlson, die neben seinem jungen Herrn saß und sich offensichtlich amüsierte.
Parker hielt sich mit dem Bambusgriff seines Universal-Regenschirms die schwarze Melone fest und wartete ergeben darauf, dass die Fahrt zu Ende ging und der Ausflug nach Brighton seinen Abschluss fand. Er war von Anfang an gegen dieses Wochenende gewesen. Brighton, das war für ihn gleichbedeutend mit Touristen und Feriengästen, mit Lärm und Hektik, mit billigem, organisiertem Vergnügen und mit Gefahr, die vor allem von zwei Herren drohte, die sich Cleveland und Longless nannten.
Es handelte sich um zwei Spezialisten, die ein Gangstersyndikat auf Anwalt Rander und ihn angesetzt hatten. Cleveland und Longless hatten den Auftrag, Mike Rander und Josuah Parker für immer aus dem Verkehr zu ziehen. Es handelte sich dabei um eine Retourkutsche, die der Boss des Syndikats bespannt hatte. Seinerzeit in den Staaten hatten Rander und Parker diesem Gangsterboß eine mehr als empfindliche Schlappe zugefügt. Dafür sollten sie jetzt zur Kasse gebeten werden.
Im Trubel dieses Seebads hatten Killer es sehr leicht, ihren Auftrag auszuführen. Und gegen einen versteckt angebrachten Schuss wusste auch ein Josuah Parker kein Gegenmittel.
Parker nahm zur Kenntnis, dass Vivi Carlson, Mike Randers Sekretärin, sich jetzt gegen Randers Schulter lehnte, während Rander seinen rechten Arm um Vivis Schulter schlang. Diese Geste des Vertrautseins ließ Parkers linke Augenbraue hochstellen. Etwas mehr Zurückhaltung wäre ihm lieber gewesen. Im Übrigen kam er sich vor wie auf einem Präsentierteller.
Er versetzte sich in die Lage von Gangstern, die den Auftrag hatten, tödliche Schüsse anzubringen. Wie leicht hatten solche Leute es doch, hier zu schießen.
*
Cleveland und Longless, die beiden Spezialisten des Syndikats, hatten Posten bezogen. Sie standen an der hinteren Seite eines Schaubudenzelts und konnten von hier aus die Achterbahn übersehen. Gegen Sicht wurden sie zusätzlich von einer Reihe von Wohnwagen geschützt, die den Schaustellern gehörten.
»Irgendwie kriege ich Sodbrennen, wenn ich die beiden Typen sehe«, stellte Longless gerade fest. Er war eine Art Riesenbaby mit einem gutmütigen, runden Gesicht und kleinen, fast lustig wirkenden Augen. Wie ein Gangster sah er ganz sicher nicht aus.
Mittelgroß, schlank, fast zierlich wirkte dagegen Cleveland, der Leiter dieses Unternehmens. Cleveland war ein ausgesprochener Frauentyp, sah sympathisch und vertrauenerweckend aus.
Er hatte als Theoretiker die Aufgabe übernommen, das Riesenbaby Longless auszubilden. Der alte Longless, der Boss des Syndikats, hatte ihm seinen Sohn anvertraut. Longless junior sollte endlich ein wertvolles Glied in der Gesellschaft des Syndikats werden. Bisher hatte Longless junior sich nur auf diversen Colleges herumgetrieben und Prüfungsdurchfälle produziert.
»Sobald das Duo aussteigt, knipsen wir es ab, klar«, ordnete Cleveland sachlich an. »Ich schieß’ mich auf Parker ein, Junge, und du darfst dir seinen Brötchengeber Rander vornehmen.«
»Und … Und was ist mit der Puppe?«, wollte Longless junior eifrig wissen.
»Die Kleine steht nicht im Auftragsbuch«, antwortete Cleveland fast streng. »Ohne Lieferschein kann sie passieren.«
»Prima«, freute sich Longless sichtlich.
»Nur keine Privatgefühle«, warnte Cleveland seinen rundlichen Schützling, »diesmal muss die Glocke werden, Junge, sonst macht dein Daddy uns zur Sau!«
Longless schien überhaupt nicht zuzuhören. Fasziniert sah er zur Achterbahn hinüber und streckte jetzt plötzlich seinen Arm aus.
»Parkers Melone«, rief er dazu wie elektrisiert, »sieh doch mal … Wie ’ne fliegende Untertasse!«
Longless, das Riesenbaby, hatte nicht übertrieben.
Parkers schwarze Melone hatte sich selbstständig gemacht. Der Fahrtwind hatte sie von Parkers Kopf geblasen. Die Melone segelte jetzt in weichen Kurven hinunter zu Boden. Sie verschwand irgendwo zwischen den Wohnwagen und Schaubuden.
»Sagenhaft«, flüsterte Cleveland fast andächtig. »Was Besseres hätte uns gar nicht passieren können!«
»Bist du sicher?«, erkundigte sich Longless, der nicht begriffen hatte.
»Klar doch«, antwortete Cleveland optimistisch. »Was wird Parker tun? Na? Streng dich nicht unnötig an, ich werde es dir sagen. Er wird sich die fliegende Untertasse holen. Und dann sind wir dran, Junge. Kimme – Korn – Schuss!«
»Natürlich«, bestätigte Longless jetzt schnell. »Daddy wird mit uns zufrieden sein.«
*
»Ich bitte, mich für einen kurzen Moment entschuldigen zu wollen, Sir«, sagte Parker, als er zusammen mit Rander und Vivi Carlson die Achterbahn verließ. »Meine jetzt fehlende Kopfbedeckung zwingt zu einer nicht eingeplanten Fahndung.«
»Nehmen Sie sich nur Zeit, Parker!« Rander lächelte lausbubenhaft. Er schien froh darüber zu sein, dass er seinen Butler wenigstens für ein paar Minuten los wurde. »Aber fahnden Sie bitte nur nach Ihrer Melone, ja?«
»Wie darf ich Ihre Bemerkung interpretieren, Sir?«
»Ich lebe in der steten Sorge, Sie könnten wieder mal über einen Kriminalfall stolpern«, meinte der Anwalt.
»Ich werde mich in Ihrem Sinn bemühen, Sir«, gab Josuah Parker steif und korrekt zurück. »Darf ich meinerseits um Vorsicht bitten?«
»Natürlich. Aber was befürchten Sie?«
»Ich denke an die Herren Cleveland und Longless, Sir. Sie könnten die Spur aufgenommen haben.«
»In Ordnung. Machen Sie sich keine Sorgen!« Er wandte sich an Vivi Carlson. »Kommen Sie, Miss Carlson! Wir haben die echte Chance, uns ohne Aufsicht für ein paar Minuten bewegen zu können. So etwas soll man voll auskosten.«
Parker deutete eine knappe Verbeugung an und verließ Rander und Vivi Carlson. Er hatte sich sehr gut gemerkt, wo seine Kopfbedeckung gelandet war. Er wollte sich beeilen, um seinen jungen Herrn und Miss Carlson so schnell wie möglich wieder unter Sichtkontrolle zu bekommen. Sein inneres Alarmsystem hatte sich nämlich gemeldet.
Die Glocke hatte angesprochen. Gefahr, akute Gefahr sogar, lag in der Luft. Die beiden Killer Cleveland und Longless konnten demnach nicht weit sein.
Parker schritt gemessen hinüber zu den Wohnwagen, wo seine schwarze Melone liegen musste. Er passierte den Schlusspunkt und betrat eine schmale Gasse, die von den Rückseiten dieser Schaubuden und den dort abgestellten Wohnwagen gebildet wurde.
*
»Mensch, Junge, satter kann ein Ziel gar nicht sein«, freute sich Cleveland. Erstand mit seinem Schützling Longless zwischen zwei hintereinander stehenden Wohnwagen. Er und Longless hatten ihre schallgedämpften Pistolen längst gezogen und entsichert.
Parker schien ahnungslos.
Er lustwandelte gemessen auf sie zu und marschierte förmlich in die Mündungen ihrer Feuerwaffen hinein. Ein Fehlschuß war so gut wie ausgeschlossen. Selbst ein Anfänger musste treffen.
»Ich bin heute am Drücker«, sagte Longless und schob sich vor seinen Ausbilder.
»Ausgeschlossen«, protestierte Cleveland scharf, »ich erinnere dich an deine letzte Pleite. Der Schuss ist was für ’nen Fachmann.«
»Du bist verdammt unfair«, beschwerte sich Longless, ließ sich aber ab- und zurückdrängen. »Du hemmst meine Entwicklung.«
»Entwickle dich an Rander! Der gehört dir. Schnauze! Er kommt!«
Clevelands Gesicht wurde maskenhaft starr.
Dieser Schuss musste sitzen, sonst verspielte er seine ganze Autorität.
Langsam hob er den Lauf seiner Pistole und nahm Druckpunkt. Das Ziel wurde von Sekunde zu Sekunde immer größer. Es war wirklich nicht mehr zu verfehlen.
*
Parker blieb plötzlich stehen. Er hatte zwar seine Melone entdeckt, aber das war es nicht. Oberhalb der am Boden liegenden Kopfbedeckung sah er einen kleinen Teddybär, um dessen Hals eine rosa Schleife gebunden war. Bei diesem Bärchen handelte es sich um eine Normalausgabe.
Der kleine Bär stand wie verloren auf dem Querbalken eines Schaubudengerüstes und schien dort vergessen worden zu sein. Er war brandneu und sah untadelig aus.
Parker langte zuerst nach seiner Melone, holte eine kleine Bürste aus der Innentasche seines schwarzen Zweireihers und bürstete seine Kopfbedeckung gründlich ab. Nachdem er sie sich aufgesetzt hatte, langte er nach dem Teddybär und betrachtete ihn von allen Seiten. Es war vielleicht eine nette Geste, ihn später Miss Carlson zu überreichen. Parker war ahnungslos.
Ganz in seiner Nähe befanden sich zwei Syndikatkiller, die sich ihre Abschussprämie verdienen wollten.
*
»Worauf wartest du noch?«, wunderte sich Longless, der seitlich neben seinem Ausbilder stand und vor Ungeduld zappelte.
»Gleich!«, murmelte Cleveland und korrigierte die Richtung der Waffe. Er sah den Butler vor sich, der sich gerade mit einem kleinen Teddybären befasste. Cleveland war misstrauisch geworden. Parker tat nie etwas ohne Grund. Was sollte dieser Teddybär in seiner Hand bedeuten? Handelte es sich um irgendeinen faulen Trick? Parker war so etwas zuzutrauen.
Weder Cleveland noch Longless hatten bemerkt, dass ein Wohnwagenfenster hinter ihnen offenstand. Wie wichtig dies war, sollte sich sehr bald zeigen.
Clevelands Zeigefinger, der Druckpunkt genommen hatte, krümmte sich weich und konsequent durch.
Doch genau in diesem Augenblick erschien oben im Wohnwagenfenster eine Waschschüssel, die energisch ausgekippt wurde. Sie wurde dabei von zwei nackten, stämmigen Frauenarmen gehalten. Und diese Arme gehörten einer Schaubudenbesitzerin, die gerade den Abwasch gespült hatte.
Der Wasserschwall ergoss sich klatschend über Clevelands Kopf.
Cleveland, überrascht, verriss seinen schallgedämpften Schuss. Das Geschoss ploppte weit über Parkers Kopf hinweg und verlor sich im Gestänge der Achterbahn. Hier landete es in einem Holzbalken, ohne weiteren Schaden anzurichten.
Cleveland wandte sich jetzt blitzschnell zu Longless um. Auch der war von dem Aufklatschen des Wasserschwalls überrascht worden. Anschließend vollführte Longless eine Pantomime, die man als bühnenreif bezeichnen musste.
Er lachte lautlos, schlug sich vor Begeisterung auf die Oberschenkel und deutete mit ausgestrecktem, rechtem Arm auf Clevelands Gesicht.
Seine Pantomime war übrigens berechtigt, denn Cleveland sah gar nicht gut aus.
Über seinem linken Auge hing ein nasser, ausgefranster Spüllappen, der bis hinunter zur Nase reichte.
Um Clevelands linkes Ohr ringelte sich eine Kartoffelschale, und in seinem Hemdkragen steckte ein klitschnasser, zerfaserter Zigarrenstummel.
Erst jetzt war oben aus dem Fenster die Warnung »Achtung« zu hören, die vielleicht ein wenig zu spät gekommen war.
Cleveland hatte das dumpfe Gefühl, von seinem Schützling ausgelacht zu werden.
»Idiot!«, knurrte er Longless an, der sich jetzt vor stummem Lachen krümmte.
In diesem Moment verlor Cleveland den Rest seiner Fassung. Er trat blitzschnell nach Longless aus, verfehlte ihn allerdings, da sein Sichtvermögen durch den Spüllappen immer noch entscheidend behindert wurde.
Mitgerissen vom Schwung des Fußtritts verlor Cleveland daraufhin das Gleichgewicht und landete rücklings in der Wasserlache zu seinen Füßen.
Hoch spritzte das Dreckwasser auf.
»Longless erlitt daraufhin einen zusätzlichen Lachanfall, aber er zog sich dabei sicherheitshalber etwas zurück. Er hatte das sichere Gefühl, dass sein Ausbilder etwas sauer wurde.
*
Josuah Parker hatte dieses Intermezzo nicht mitbekommen.
Er schritt bereits steif und würdevoll zurück auf den Rummelplatz und suchte nach seinem jungen Herrn. Den Teddybär hielt er unter dem angewinkelten Arm.
Er wusste nicht, dass er von zwei Männern beobachtet wurde, die auf den ersten Blick hin durchschnittlich aussahen. Sie waren mittelgroß, etwa 30 Jahre alt und schlank. Ihre Augen allerdings waren kalt und stets abschätzend.
Die beiden Männer hießen Hale und Buddy. Sie hatten den Butler beim Verlassen der Wohnwagengasse entdeckt und folgten ihm jetzt geschickt.
»Drüben vor der Schießbude«, sagte Hale nervös, »da muss es klappen.«
»Natürlich wirds klappen«, erwiderte Buddy gelassen.
Sie gingen etwas schneller und verringerten den Abstand zwischen sich und Josuah Parker. Der Butler, nach wie vor ahnungslos, bewegte sich tatsächlich auf einen Schießstand zu, vor dem er seinen jungen Herrn und Vivi Carlson ausgemacht hatte.
»Darf ich hoffen, Sir, dass Sie eine gute Strecke hatten?«, erkundigte er sich wenig später bei Mike Rander und lüftete dazu seine Melone.
»Fehlanzeige auf der ganzen Linie«, gab Rander lächelnd zurück und legte das Gewehr aus der Hand, »mit diesen Flinten scheint irgendetwas nicht zu stimmen.«
»Wollen Sie nicht Ihr Glück versuchen, Mister Parker?« Vivi Carlson wandte sich an den Butler und schmunzelte. »Ich hätte so gern einen Teddybär.«
»Den ich mir hiermit zu überreichen erlaube.« Parker präsentierte ihr den gefundenen Bären und verbeugte sich.
»Oh, Mister Parker … Extra für mich gekauft?« Vivi Carlson griff nach dem kleinen Kerl und streichelte ihn.
»Der Wahrheit die Ehre, um eine alte Spruchweisheit zu zitieren«, erwiderte Parker, »ich fand dieses Stofftier im Balkenwerk einer Schaubude. Es ist selbstverständlich zu fragen, ob man es nicht beim zuständigen Fundamt abliefern müsste.«
»Was meinen Sie, Mister Rander?« Vivi sah den Anwalt lächelnd an. »Dürfen wir um Ihren juristischen Rat bitten?«
»Fundamt!«, erklärte Rander beiläufig und griff wieder nach dem Schießbudengewehr. »Ich werde Ihnen einen Bären schießen, Miss Carlson!«
*
»Über deine Lacherei werden wir uns später unterhalten«, sagte Cleveland und zwang sich zur Ruhe.
»Du hast aber auch zum Brüllen ausgesehen«, antwortete Longless. »Mensch, brech dir bloß keine Verzierung ab!«
»Wir werden darüber noch reden«, wiederholte Cleveland, der immer noch sauer war, »jetzt steht aber erst Parker auf der Liste.«
»Moment mal, du willst es noch mal versuchen?«
»Natürlich, seine Karte ins Jenseits ist gebucht. Ich lass’ so was nicht verfallen.«
Sie beobachteten Mike Rander, Vivi Carlson und den Butler, die nach wie vor an der Schießbude zu sehen waren. Sie waren jetzt umlagert von einer stetig wachsenden Zuschauermenge.
»Da muss doch irgendwas laufen«, sagte Longless.
»Hauptsache, sie bleiben am Tresen stehen«, gab Cleveland zurück, »Ich hab’ da ’ne bestimmte Idee, Junge!«
»Nicht schon wieder«, entrutschte es Longless. Er biss sich auf die Lippen, als er den strafenden Blick seines Ausbilders sah. »Schon gut, Clevie. Wie zäumen wir den Gaul diesmal auf?«
»Mit ’nem ganz einfachen Trick, Longie. Los, ab durch die Mitte! Ich will das Erfolgstelegramm noch heute abschicken.«
Longless folgte seinem Ausbilder, der zwischen zwei Schaubuden verschwand. Dann marschierten die beiden Superkiller etwa 50 Meter an der Rückfront der Schaubuden entlang, bis Cleveland stehenblieb.
»Sperr mal deine Lauscher auf!«, verlangte er. »Was hörst du?«
»Krach!«
»Quatsch. Ich meine, was hörst du hinter dieser Bude?«
»Mensch, Clevie!« Longless’ Augen weiteten sich vor Bewunderung. Er hatte begriffen.
»Eben«, gab Cleveland wie selbstverständlich zurück. »Man muss nur Einfälle haben. Reich mir mal dein Taschenmesser, Junge, damit ich das Ziel aufnehmen kann.«
*
»Ich hab’s genau gesehen, Buddy«, sagte Hale aufgeregt, »die Kleine hat jetzt den Teddybär.«
»Nicht mehr lange, Hale.«
»Sollen wir ’ne Show abziehen?«
»Ich bin mehr für die elegante Tour«, entschied Buddy. »Schon mal was von ’nem Double gehört?«
»Du willst …?«
»… ’n Double besorgen, Hale. Teddybären gibts hier überall zu kaufen. Wir besorgen uns so ’n Tier und tauschen es aus. Klar?«
Sie schlenderten zu einem Verkaufsstand, der mit Spielwaren und Scherzartikeln aller Art vollgestopft war. Sie brauchten nicht lange zu suchen. Buddy fand einen Teddybär, der ebenfalls eine rote Halsschleife besaß.
»So, und jetzt nehmen wir den Tausch vor«, sagte Buddy danach, »die Kleine wird überhaupt nicht merken, was gespielt wird. Alles nur ’ne Frage der Geschicklichkeit.«
Sie schoben sich an die neugierigen Zuschauer heran, die den Schießstand umlagerten. Sie drängten sich durch die Menge und erreichten endlich den Tresen.
Vivi Carlson stand neben Mike Rander. Sie hatte den Teddybär mit der roten Schleife neben sich auf den Tresen gestellt. Sie passte nicht weiter auf und beobachtete genau wie Rander den Butler, der gerade wieder mit dem Luftgewehr nach Trophäen schoss.
Neben ihm auf dem Tresen lagerten etwa vier Dutzend Papierblumen aller Größen und Farben. Parker hatte sie bereits abgeschossen und erbeutet. Der Inhaber der Schießbude schaute nervös-missmutig auf den Butler, der gerade wieder das Gewehr in Schussposition brachte.
»Sie ruinieren mich«, flüsterte er Parker zu, »hören Sie auf, Sir! Ein Pfund, wenn Sie sofort aufhören!«
