Peace, Bitches! - Evelyn Weigert - E-Book
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Peace, Bitches! E-Book

Evelyn Weigert

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Beschreibung

Sei du selbst - so wie Evelyn! Die beliebte Moderatorin und Influencerin Evelyn Weigert nimmt kein Blatt vor den Mund und spricht schonunglos offen über alles, worüber Frauen sonst gar nicht oder nur verschämt sprechen. Ihre Fans lieben sie für ihre direkte und unangepasste Art, alles - aber vor allem sich selbst - auf die Schippe zu nehmen. Hinter ihrem derben Witz steckt aber auch ein ernster Kern: Selbstakzeptanz, offener Umgang mit Tabuthemen und Nicht-Immer-Allen-Gefallen-Müssen - damit eckt sie an und inspiriert alle Leser:innen dazu, endlich weniger Wert auf die Meinung anderer zu legen.

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Peace, Bitches!

Die Autoren

Evelyn Weigert wurde 1988 in Regensburg geboren. Dort verbrachte sie ihre Jugend und studierte Gesang am »Music College«. Sie nahm an der Frank-Elstner-Masterclass an der Axel-Springer-Akademie in Berlin teil. Schnell gelang ihr der Sprung ins Fernsehen, sie moderierte zahlreiche erfolgreiche TV-Formate für Pro7, ARD, NDR und Sky. 2021 erschien die ARD-Dokuserie »Oh Baby! Sowas von schwanger«, in der sich Evelyn allen Fragen rund um die Schwangerschaft stellt. Seit Anfang 2019 moderiert Evelyn Weigert zusammen mit Basti Heinlein den erfolgreichen Podcast »Heinlein & Weigert«.

Kira Brück, Jahrgang 1982, ist freie Journalistin und Autorin. Sie studierte Germanistik, Journalistik und Philosophie in Bamberg, besuchte die Burda Journalistenschule in München und schreibt seit 2013 als freie Journalistin über Kultur, Gesundheit und Gesellschaft u.a. für Spiegel Online, Die Welt, Freundin, Barbara, Playboy und Eltern. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Berlin.

Das Buch

Die Sache mit der Selbstliebe und Selbstakzeptanz ist gar nicht mal so leicht! Denn viel zu oft findet man sich selbst hässlich, peinlich oder doof. Evelyn weiß das aus eigener Erfahrung.Doch sie ist überzeugt: Das Leben wird viel großartiger, wenn wir ein paar Abkürzungen nehmen, und wir diese fiesen Komplexe und Selbstzweifel abschütteln. Und zwar indem wir endlich anfangen, uns anzunehmen, wie wir sind, und niemand anderes sein möchten als wir selbst. Mit all unseren Schwächen und Stärken, mit all unseren Marottenund Talenten. Der erste Schritt dorthin ist die Erkenntnis, dass es allen anderen genauso geht! Evelyn erzählt voller Humor und Selbstironie von ihrem eigenen manchmal holprigen Weg.

»Was ist das? Ein Ratgeber? Kaufe ich. Niemand geht so verantwortungsvoll mit Selbstbräuner um wie Evelyn. Wenn sie eine kaputte Strumpfhose trägt, dann will ich die auch. Was sie sagt, das glaube ich.«Sabine Heinrich, Moderatorin

Evelyn Weigert und Kira Brück

Peace, Bitches!

Nimm dich, wie du bist - mehr brauchst du nicht

Ullstein

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Wichtiger HinweisZum Schutz von Personen wurden Namen verändert und Handlungen, Ereignisse und Situationen abgewandelt.Die angeführten Dialoge und Äußerungen Dritter sind nicht wortgetreu zitiert, sondern ihrem Sinn und Inhalt nach wiedergegeben.

Originalausgabe im Ullstein Taschenbuch1. Auflage Juni 2022© Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 2022Umschlaggestaltung: zero-media.net, Münchennach einer Vorlage von Nicolas de Leval JezierskiTitelmotiv: © Fanny HustenAutorenfoto: EYECANDY Photographers, BerlinE-Book-Konvertierung powered by pepyrusAlle Rechte vorbehalten. ISBN 978-3-8437-2701-3

Emojis werden bereitgestellt von openmoji.org unter der Lizenz CC BY-SA 4.0.

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Inhalt

Die Autoren / Das Buch

Titelseite

Impressum

Vorwort

Kapitel 1Everything happens for a reason

Kapitel 2Du musst gar nichts

Kapitel 3Dating, du alter Weirdo

Kapitel 4Findet eure Scheide schön

Kapitel 5Showschlafen & Reise-Vibrator

Kapitel 6Periode, du dumme Sau!

Kapitel 7Schwester Evelyn

Kapitel 8Nehmt das Leben leicht, ihr Bitches!

Kapitel 9Geile Frauen

Kapitel 10Oh Baby, Baby

Kapitel 11Peace out (Mit eurem Körper)

Kapitel 12Lasst euch nicht verarschen

Kapitel 13Life has a plan

Kapitel 14Wenn du nicht kacken kannst, ist das einfach nicht cool

Kapitel 15Fake it till you make it

Kapitel 16Selbstfürsorge ftw

Kapitel 17Der dumme Vogel

Kapitel 18Labertasche und Glotzbert

Kapitel 19Wurschteln und Gammeln

Kapitel 20Manchmal tut das Leben auch weh

Kapitel 21Mode-Chamäleon

Kapitel 22Naturstoned

Kapitel 23Liebeskummer & Scheidenpilz

Kapitel 24Finito und ein Happy end

Kapitel 25Krafttier

Kapitel 26Und ganz zum Schluss: meine ultimativen Tipps für gute Laune

Dank

Social Media

Vorablesen.de

Cover

Titelseite

Inhalt

Vorwort

Vorwort

Liebe Gemeinde!

Ich freue mich richtig hart, dass ihr mein Buch in den Händen haltet.

Für mich ist das eine riesengroße Sache. Ich hätte es nämlich niemals für möglich gehalten, dass es einmal ein Buch geben wird, auf dem vorne mein Name draufsteht. Um gleich mal mit der Tür ins Haus zu fallen – das sind die meisten von euch schließlich von mir gewohnt:

Eigentlich kann ich nicht mal besonders gut lesen und schreiben, ich bin nämlich Legasthenikerin. Meine Eltern haben das in meiner Kindheit aber mit Absicht nicht diagnostizieren lassen, weil sie vermutet haben, dass ich mit so einem Stempel Nachteile in der Schule haben könnte. Trotzdem bin ich bis heute fest davon überzeugt, an einer Lese-Rechtschreib-Schwäche zu leiden. Bei mir ist das so schlimm, dass ich es nicht mal merke, wenn jemand meinen eigenen Namen falsch schreibt. Von Mousse T. werde ich auch liebevoll Legasto-Girl genannt.

Insofern ist es doch wirklich erstaunlich, was im Leben alles möglich ist. Sogar, dass ich ein Buch schreibe. Und zu diesem möchte ich euch von Herzen willkommen heißen! Schön, dass ihr da seid. Und noch geiler, dass ihr Bock drauf habt.

Ich schreibe dieses Buch natürlich nicht einfach so und weil ich nichts Besseres zu tun hätte. Nein, ich habe eine Botschaft für euch, und zwar eine sehr wichtige:

So unterschiedlich jede Einzelne von uns ist, so haben wir doch alle dieselben Probleme.

Ich meine damit vor allem: die komplett übertriebenen Selbstzweifel!

Bin ich schön genug?

Bin ich beliebt genug?

Erfolgreich genug, lustig genug, schlau genug?

Wirklich: Die hübschesten, cleversten und coolsten Frauen haben Zweifel dieser Art. Da gibt es keine Ausnahme. Ich kenne niemanden, der jeden Tag vor dem Spiegel steht und sich denkt: »Geil, sehe ich heute wieder gut aus!« Und ich kenne auch nur sehr wenige, die nicht hart zu sich selbst sind – und sich damit viel kleiner machen, als sie in Wirklichkeit sind. Mich eingeschlossen.

Mir ist auch niemand bekannt, der beim Dating-Game nicht wenigstens einmal eine richtig peinliche Wurst war. Und ich kenne niemanden, der sich nicht hin und wieder nach dem Kacken 90-mal den Arsch abputzen muss, weil sich auf mysteriöse Weise immer noch irgendwo Reste versteckt haben.

Ja, ich weiß, das klingt jetzt vielleicht extrem. Aber so ist es im Leben nun mal.

Wisst ihr aber, was gegen all diese blöden Selbstzweifel hilft? Darüber reden, und zwar Klartext. Offen zugeben, dass es einem genauso geht wie allen anderen auch. Also freut euch auf dieses Buch! Denn all diese unangenehmen Themen werden hier jetzt besprochen, Freunde.

Denn was ich mir aus tiefstem Herzen wünsche, ist, dass wir alle mit dieser bescheuerten Zeitverschwendung aufhören, uns selbst hässlich, peinlich oder doof zu finden. Und dabei ständig auch noch so zu tun, als ginge es uns nicht so.

Dieses Buch ist dafür da, euch allen zu zeigen, dass wir im selben Boot sitzen:

Wir schämen uns für unsere Körperhaare, die Periode oder das Aussehen unserer Scheiden.

Wir schämen uns, weil wir zu laut oder zu leise sind, zu dick oder zu dünn, zu klein oder zu groß.

Wir zweifeln an uns, weil unser Klamottenstil nicht cool genug ist.

Wir fühlen uns wie Versagerinnen, weil alle um uns herum Immobilien kaufen und wir selbst noch mieten und keinen blassen Schimmer haben, wie das gehen soll mit so einem Kredit.

Wir fühlen uns nicht gebildet genug, verstecken uns hinter zu viel Schminke und haben Angst, unser eigenes Ich zu zeigen.

Scham und Selbstzweifel begleiten uns ständig. Aber dafür ist das Leben doch verdammt noch mal zu kurz!

Wenn ich eines verstanden habe, dann das: Sich selbst zu lieben und zu akzeptieren, wie man ist, ist die schwerste Aufgabe, die das Leben an uns stellt. Keiner kann uns genau sagen, wie man das lernt und verinnerlicht. Was ich aber weiß: Es hilft wirklich zu wissen, dass es bei anderen ganz genauso ist. Zu verstehen, dass man nicht der einzige Vollhorst auf dieser Erde ist.

Trotzdem bleibt das mit der Selbstliebe und Selbstakzeptanz für uns alle eine lebenslange Aufgabe. Ich habe da schon einen ziemlich langen Weg hinter mir und sehr viel verstanden – davon erzähle ich euch.

Ich möchte euch ermutigen, all diese fiesen Gedanken, mit denen wir uns selbst klein- und unsere Zeit auf dieser schönen Erde schwerer machen, endgültig an der Garderobe abzulegen, glücklich zu sein und ALLES MIT MEHR HUMOR zu nehmen! Denn manche dieser Gedanken hören vielleicht nie auf, aber dann ist schon mal super, sie nicht zu ernst zu nehmen. Egal, wie bescheiden euer Leben also gerade ist: Steht auf, geht raus, und macht das Beste draus. Ich gehe mit euch.

Das soll hier kein Lebensratgeber sein, der euch superschlau aufzählt, was ihr bisher alles falsch gemacht habt. Nein, ich erzähle euch einfach meine Sicht der Dinge, von meinen peinlichsten Erlebnissen, meinen Tiefpunkten, aber auch von den lustigen Momenten meiner letzten 33 Jahre. Und dann erkennt ihr bestimmt ganz schnell:

Das Leben wird viel großartiger, wenn wir ein paar Abkürzungen nehmen, indem wir sie abschütteln, diese fiesen Komplexe und Selbstzweifel.

Indem wir endlich anfangen, uns anzunehmen, wie wir sind, und niemand anderes sein möchten als wir selbst.

Mit all unsere Schwächen und Stärken, mit all unseren Marotten und Talenten.

Denn am Ende sitzen wir alle im gleichen Scheißhaus. Auch ich habe ungefähr jedes Fettnäpfchen mitgenommen, das mir das Leben bisher geboten hat. Und ich kenne die Momente des Scheiterns und der Scham nur zu gut.

Wenn ihr also gerade denkt, ihr seid die unwichtigste Laus auf dem Planeten, dann rufe ich euch zu: Ich fühle mit euch, ich verstehe euch, ich bin eine von euch! Mein Leben war streckenweise alles andere als ein Spaziergang. So bunt und spaßig, wie es heute aussieht, war es nicht immer. Ich bin einen langen Weg der Selbstfindung gegangen. Und immer, wenn ich mich mit mir selbst auseinandersetze, ist das mit vielen Tränen verbunden.

Also versprochen, nach diesem Buch werdet ihr über euch anders denken als jetzt und sagen: »Hey, es ist genau richtig, wie es gelaufen ist. Das Leben meint es gut mit mir, ich bin ein Glückskind.«

Ich werde euch zeigen, wie ihr es schafft, euch selbst mehr zu lieben, öfter an euch zu glauben und ein Gespür für die große Liebe zu entwickeln. Ich werde euch erklären, warum das Leben so viel besser ist, wenn man die richtigen Freundinnen an seiner Seite hat. Ihr werdet nie wieder ein schlechtes Gewissen haben, weil ihr nicht beim Sport wart. Und selbstverständlich erzähle ich euch, wie mein Leben als Mama ist, wie ich meinen Ehemann Alex kennenlernte (Tinder, Baby!) und wie ich mit jedem meiner Männer meinen Kleidungsstil änderte.

Ich werde euch Dinge erzählen, die WIRKLICH noch keiner von mir weiß. Nicht mal meine beste Freundin. Stichwort: Fremdknutschen.

Ich verspreche euch: Ihr werdet viel zu lachen haben.

Aber ihr werdet auch viel über euer Leben und die Beziehung zu euch selbst nachdenken.

Für mich ist es eine große Sache, euch jetzt mit auf diese Reise nehmen zu dürfen. Euch mit diesem Buch vielleicht ein wenig mehr Lebensfreude und gute Laune mitgeben zu können und hoffentlich das wunderschöne Gefühl, dass ihr richtig seid. Und zwar exakt so, wie ihr seid. Es gibt euch nämlich nur ein einziges Mal auf dieser Erde – und genau diese Einzigartigkeit ist eure Superpower.

Ich bin kein Guru oder Life Coach, und das will ich auch gar nicht sein. Ich weiß aber, wie man es schafft, endlich damit aufzuhören, sich über die Zukunft Sorgen zu machen.

Ich weiß, wie man Frieden schließt mit der Person, die man ist.

Und ich weiß, wie man es in die angesagtesten Clubs schafft. Und wieder raus. Und wenn ich eines sicher weiß, dann, wie gut es tut, ehrlich über Dinge zu sprechen. All diese Lifehacks verrate ich euch jetzt, ihr Bitches. Ich will, dass dieser Planet ein glücklicherer Ort ist und wir alle am Ende sagen können: »Boah, hatten wir ein schönes Leben!« Ich wünsche euch viel Spaß, ein paar ordentliche Lachflashs und vor allem richtig geile Erkenntnisse.

Eure Evelyn

Kapitel 1Everything happens for a reason

Fangen wir mal ganz vorne an, damit ihr versteht, woher ich komme:

Ich bin in einem Dorf bei Regensburg aufgewachsen.

Leider hatte ich das Pech, in der Grundschule nicht so auszusehen, wie man auszusehen hatte: Ich war ein kleines bisschen zu moppelig und hatte einen komischen Style inklusive einer absolut beschissenen Frisur. Ihr müsst sie euch wie einen Pilzhaarschnitt vorstellen, dazu hatte ich mir vorne rechts und links zwei dicke rote Blocksträhnen färben lassen. Ich fand’s geil, sah aber in Wahrheit einfach horstig aus.

Das Problem – ihr werdet es gleich erkannt haben: Ich war nicht wie alle anderen Kinder.

Und wenn man nicht ins Schema passt, kommt das manchmal nicht gut an. Besonders Kinder können bekanntlich äußerst gemein sein.

Das bekam auch ich zu spüren.

In meine Klasse gingen Zwillingsmädchen, von denen ich übel gemobbt wurde, weil ich eben kein zierliches Pferdemädchen mit hübsch zusammengebundenen langen Haaren war. In der Grundschulzeit bin ich deshalb fast jeden Tag heulend nach Hause gegangen und dachte, ich sei der letzte Mensch. Die Außenseiterin ohne Freunde.

Erstaunlich, wie Selbstwahrnehmung und Außenbild im Leben manchmal so gar nicht zueinanderpassen. Denn meine Mutter erzählt mir noch heute, dass damals oft andere Kinder bei uns zu Hause anriefen, weil sie sich mit mir zum Spielen verabreden wollten. Scheinbar hatte ich aber so gut wie nie Lust dazu und sagte immer ab. Ich fühlte mich ungeliebt, machte einen auf Eigenbrötlerin und wollte lieber alleine zu Hause rumhängen, weil ich mich so anders als die anderen Kinder gefühlt habe.

Vielleicht war ich das aber in Wirklichkeit gar nicht?

Deshalb meine erste Erkenntnis für euch:

Wenn ihr euch ungeliebt fühlt, schaut einmal nach links und rechts. Höchstwahrscheinlich sind da Leute, die gerne mit euch zusammen wären – die ihr aber vor lauter Scheuklappen nicht bemerkt.

Gott sei Dank habe ich eine Familie, die sich den Mund fusselig geredet hat und mir immer wieder klargemacht hat, dass ich genau richtig bin, wie ich bin.

Heute weiß ich, dass es großartig ist, anders zu sein. Denn wenn ich nicht anders wäre, wäre ich nicht da, wo ich heute bin. Und ihr würdet mich gar nicht kennen. Auf der anderen Seite sollten wir uns aber auch die Fragen stellen: Was ist eigentlich normal? Wer stellt da die Regeln auf und hat das Recht, andere dafür runterzuputzen, weil sie nicht so ticken wie die Mehrheit? Richtig. Niemand.

Nach meiner Rückzugsphase als Kind war ich später als Jugendliche eine ziemlich peinliche Draufgängerin – eben genau so, wie man sich einen richtig ätzenden Teenie vorstellt. Ich war wie eine Nutte angezogen, gerne mal ein bisschen zu laut und oft mit Kippe in der Hand.

In dieser Zeit habe ich zum ersten Mal die Erfahrung gemacht, wie fantastisch es ist, akzeptiert zu werden und auch mal der Boss zu sein. Wie gut es tut, Leute zu finden, die mit einem abhängen wollen, eben weil man anders ist.

Das würde ich als den Start bezeichnen – da habe ich mich auf die Reise gemacht zu der Frau, die ich heute bin. Eine eher komplizierte Reise, würde ich rückblickend sagen. Aber (fast) jede Station war es wert.

Doch noch mal zurück zur Schulzeit: Als ich 15 Jahre alt war, wurde ich von der Schule geschmissen. Der Grund dafür ist etwas bizarr:

Weil ich im Kunstunterricht einen Penis getöpfert habe.

Kein Scherz, das ist wirklich so passiert.

Die ganze Angelegenheit hatte schon nicht ideal begonnen. Weil ich wenig Lust auf Schule hatte, machte das Gymnasium irgendwann keinen Sinn mehr – ich hatte zu schlechte Noten und auch nicht die Motivation, daran etwas zu ändern. Also wechselte ich auf die Realschule, die ich dank erwähnter Penis-Kunst letztlich auch nur vier Monate besuchte.

Der Schulleiter meinte gleich am ersten Tag zu mir:

»So wie du aussiehst, bringst du mir ohnehin nur Ärger.«

Verübeln kann man es ihm eigentlich nicht. Ich hatte damals schwarze Haare mit Pony, assige dünne Augenbrauen, trug viel zu viel Make-up und habe den viel zu dunklen Bronzer nicht nur für die Wangen, sondern fürs ganze Gesicht benutzt. Und dass ich Schule wahnsinnig langweilig fand, strahlte ich vermutlich mit jeder Pore aus.

Mein Problem war auch, dass ich die Lehrer nicht wirklich für voll nehmen konnte. Das soll jetzt nicht überheblich klingen, aber ich dachte damals als total Pubertierende: Wenn ihr es nicht schafft, mit einem 15-jährigen Mädchen, das wirklich kein Arschloch ist, sondern einfach nur eine kleine Revoluzzerin, irgendwie cool umzugehen, dann seid ihr in der Schule fehl am Platz. Ich konnte mich auf den Unterricht also null einlassen, plapperte dazwischen, war mit den Gedanken ganz woanders. Und nachmittags hinsetzen und Hausaufgaben machen? Also bitte, da hatte ich natürlich keinen Bock drauf.

Na ja, und dann kam eben diese Kunstaktion mit dem Penis.

Die Aufgabe hatte gelautet: »Töpfert ein Schälchen.«

Nach dem hundertsten Versuch, so ein fucking Schälchen zu formen, wurde mir klar: Das wird hier nichts. Anstatt mich mit der Scheiße weiter aufzuhalten, kam mir beim Zusammenkneten des Tons die glorreiche Idee, einen stattlichen Phallus zu formen. Einen Riesenoschi! Das Absurde ist, dass selbst die Kunstlehrerin erst einmal sehr angetan war von meiner kreativen Idee. Doch nach kurzer Zeit begann die ganze Klasse, Penisse zu töpfern. Die Stimmung kippte. Und meine Idee war dann auf einmal doch nicht mehr ganz so witzig.

Die einzige Idee, die das Kollegium daraufhin hatte, war, mich der Schule zu verweisen. Ich finde das noch heute unfassbar ungerecht und halte es für einen riesengroßen Witz. Schließlich hätte es auch ganz anders laufen können mit mir. Zum Beispiel, dass ich mir den Rauswurf sehr zu Herzen nehme und mein Leben überhaupt nicht mehr in den Griff bekomme.

Im Ernst, ich habe doch niemanden verletzt oder gemobbt, sondern einfach nur im Kunstunterricht Quatsch gemacht. Halt einen schönen Penis getöpfert, satte 30 Zentimeter, stolz erigiert. Und dann natürlich unter großem Gelächter in der Klasse rumgezeigt. Was ist denn schon dabei?

Heute – und das ist doch wirklich eine schöne Wendung dieser Geschichte – verdiene ich Geld mit meiner Kunst. Am liebsten male ich weibliche Akte: dicke, dünne, große, kleine, junge, alte Frauen. In knalligen Farben, alles sehr kraftvoll. Und manchmal ist da auch ein Penis dabei.

Versteht ihr, worauf ich hinauswill? Auf einer Realschule auf dem bayerischen Land verstehen die Leute dein Anderssein vielleicht nicht. Das heißt aber nicht, dass du deshalb falsch bist. Keine Frage, meine Penisbilder müssen nicht jedem gefallen, aber sie machen mich zur Künstlerin. Menschen kaufen meine Bilder und hängen sie sich mit großer Freude ins Wohnzimmer.

Heute kann ich tun und lassen, was ich will, und werde für mein Anderssein von meiner Community gefeiert. Das war als 15-Jährige logischerweise anders. Nach dem Schulverweis war ich erst mal am Boden zerstört. Und meine Eltern waren es auch. Sie wussten mit mir nicht mehr weiter und konnten nicht verstehen, weshalb ihre Tochter so ausrastet.

Dabei sind Mama und Papa so richtig feine Menschen, ich nenne sie immer Glücksbärchis. Mit Anfang 20 waren sie die erste große Liebe füreinander, dann haben sie recht schnell mich bekommen. Und ausgerechnet ihre erste Tochter wird dann so eine wilde Hilde.

Im Nachhinein, mit vielen Jahren Abstand, können wir natürlich gemeinsam über all das lachen, was damals passiert ist. Dann sitzen wir bei meinen Eltern am Tisch, erzählen uns die Geschichten von früher und können einfach nicht glauben, wie bescheuert das damals war und wie wir uns unnötig den Kopf zerbrochen haben.

Aber in dem Moment hat sich der Schulverweis für meine Eltern – und natürlich auch für mich – unfassbar schlimm angefühlt. Sie überlegten, was sie in meiner Erziehung falsch gemacht hatten. Natürlich lag nichts von dem, was ich verbockt habe – die schlechten Noten, der getöpferte Penis, mein unmöglicher Look –, an ihnen. Das war schon damals einfach mein Charakter. Ich hatte schon immer meinen eigenen Kopf und war wenig bereit, mich anzupassen oder auf etwas einzulassen, auf das ich keinen Bock hatte. (Zeigt mir mal jemanden, der heute in seinem Alltag binomische Formeln braucht. Also mir fällt keiner ein.)

Was mich schon als Kind genervt hat, ist diese Einstellung der Erwachsenen, dass du dich an Regeln zu halten hast – egal, ob sie Sinn machen oder nicht. Du setzt dich rein in den Klassenraum und hältst bitte dein Maul. Es interessiert auch keinen, ob dich das interessiert, was die Lehrerinnen und Lehrer da vorne erzählen. Alle müssen einfach gleich sein und funktionieren, keiner darf aus der Reihe tanzen.

Wie dumm das ist! Menschen und ihre Talente sind eben unterschiedlich. Zum Glück! Denn Vielfalt macht doch Spaß. Meine Kinder kommen jedenfalls definitiv auf die Waldorfschule.

Hier mal kurz meine schulische Laufbahn, das ist nämlich alles etwas kompliziert:

Nach der vierten Klasse war es mein größter Wunsch, aufs Gymnasium zu gehen. Da lief es bis zur sechsten Klasse auch ganz gut. Dann habe ich gemerkt, dass mich der ganze Scheiß nicht mehr interessiert, und aufgehört, etwas für die Schule zu tun. Die achte Klasse musste ich deshalb auf dem Gymnasium wiederholen. Mir war da schon längst klar, dass ich zu viel verpennt hatte und hier nicht weiterkomme. Also bin ich auf die Realschule gewechselt und dort in die neunte Klasse gekommen. Dem Schulleiter war ich von vornherein ein Riesendorn im Auge, und nach vier Monaten wurde ich von der Schule geschmissen. Weil ich den Unterricht so krass gestört habe – und der getöpferte Penis brachte das Fass dann zum Überlaufen. Nun stand ich da ohne alles. Keine andere Schule im Umkreis wollte mich aufnehmen. Das hieß für mich, dass ich den qualifizierten Hauptschulabschluss (das ist in Bayern der kleinste Schulabschluss, den man machen kann) extern an unserer Dorfschule mitschreiben durfte. Aufgenommen haben sie mich nämlich nicht, aber immerhin konnte ich an der Prüfung teilnehmen. Das war schon hart, dass ich morgens nicht mehr cool mit dem Schulbus in die Stadt fahren konnte, sondern für die Prüfungen in die olle Dorfschule zu Fuß gehen musste.

Ich hatte mit 15 Jahren also nicht unbedingt die besten Zukunftsaussichten. Um ehrlich zu sein, eigentlich gar keine. Immerhin hatte ich aber den kleinsten Schulabschluss der Welt in der Tasche.

Meine Mutter und ich behaupten übrigens bis heute, dass ich meinen Hauptschulabschluss mit einem Einser bestanden hätte – was in Wirklichkeit absoluter Mumpitz ist. Wahrscheinlich war es vielmehr eine Vier. Wir haben uns aber so sehr geschämt über meinen Schulverweis, dass wir anderen erzählt haben, ich hätte immerhin mit Bestnote bestanden. Vielleicht ist es jetzt – mit 33 Jahren – mal an der Zeit, diese Lebenslüge zu lüften. Sorry, Mama!

Jedenfalls wusste ich damals nicht, wie es weitergehen sollte, und war ziemlich verzweifelt. Und klar dachte ich auch, dass mit mir etwas nicht stimmen kann. Dass ich nicht richtig bin, weil ich in das System »Schule« so gar nicht reingepasst habe, weil ich so ein Totalausfall war.

Wisst ihr, im Nachhinein ergibt im Leben alles auf wundersame Weise einen Sinn. Wenn ich heute zurückschaue, musste alles genau so geschehen. Trust the timing of your life – vertraue auf den Zeitplan deines Lebens. Auch wenn sie deine Peniskunst heute nicht verstehen, heißt das nicht, dass du in ein paar Jahren damit nicht Geld verdienen kannst.

Erste Lektion: Wir sind alle richtig so, wie wir sind. Die einen sind verrückter, schräger, wilder als die anderen. Aber wir sind alle okay und wunderschöne Wesen.

Und wisst ihr, ich bin auch stolz darauf, dass ich mich nie gefügt habe, dass ich immer die Kraft hatte, mein eigenes Ding durchzuziehen. Dafür braucht man nämlich dicke Eier in der Hose. Und die habe ich!

Ich muss immer voll hinter dem stehen, was ich mache. Und das rate ich euch auch, wenn ihr euch mit dem Weg, der von euch erwartet wird, nicht anfreunden könnt: Macht, was ihr fühlt, und fühlt, was ihr macht. Weil genau das richtig für euch ist.

Und wenn ihr noch in der Findungsphase und gerade nur so mäßig happy mit eurem Leben seid, dann vertraut darauf, dass alles für einen Grund passiert. Denkt in solchen Situationen immer an meinen getöpferten Penis.