Perfektes Gift - Lee Savino - E-Book

Perfektes Gift E-Book

Lee Savino

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Beschreibung

Sie wird meine Gefangene sein, meine Braut, mein perfekter Besitz. 


Schon als ich sie zum ersten Mal gesehen habe, wusste ich, dass sie mir gehören würde.


Sie sieht so süß und unschuldig aus. Genau mein Typ.


Ihr Vater steht bei Fraternitas in der Schuld, und sie wird sie begleichen. 


Dann vergiftet sie mich, und ich erkenne, dass es nicht so einfach wird, wie ich dachte. Diese irre, unscheinbare Mörderin ist niemandes Besitz. Sie wird sich nicht widerstandslos unterwerfen.


Ich habe mein Leben lang gekämpft. Sie sollte meine Belohnung sein.


Ich werde Belladonna Bosco zu meiner Frau machen oder beim Versuch draufgehen. Und meine psychotische Braut lässt keinen Zweifel daran, dass sie mich nur zu gern tot sehen würde. 


Diesen Kampf darf ich nicht verlieren. 


Aber sie ist mein perfektes Gift. Eine Kostprobe, und ich will nur noch mehr.


Buch 2 der »Fraternitas«-Reihe von Lee Savino, eine Mafia-Romanze mit arrangierten Ehen und Kaiser und Belladonna Bosco im Mittelpunkt. Ein eigenständiger Roman mit garantiertem Happy End!


Inhaltswarnung:


Stalking, Grenzerfahrungen, Tod eines Elternteils (Vergangenheit), Versklavung (Vergangenheit), Krankheit

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Veröffentlichungsjahr: 2026

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PERFEKTES GIFT

FRATERNITAS

BUCH 2

LEE SAVINO

INHALT

Kostenlose Geschichte

Perfektes Gift

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

Kapitel 39

Kapitel 40

Kapitel 41

Kapitel 42

Kapitel 43

Kapitel 44

Epilog

Kostenlose Geschichte

Schließ dich dem Vino Villaini an!

Ebenfalls von Lee Savino

Über Lee Savino

Für die wilde Frau in uns allen. Mögen wir nie vergessen, dass sie unaufhaltsam ist.

KOSTENLOSE GESCHICHTE

Ich habe eine unterhaltsame Bonusgeschichte darüber geschrieben, wie Belladonna von Fraternitas zum Abendessen eingeladen wird. Melde dich für meinen Newsletter an und hol sie dir hier: https://geni.us/GERHisPoisonfreebie

Hier kannst du dir Belladonnas Playlist anhören: https://geni.us/perfectpoisonplaylist

PERFEKTES GIFT

Sie wird meine Gefangene sein, meine Braut, mein perfekter Besitz.

Schon als ich sie zum ersten Mal gesehen habe, wusste ich, dass sie mir gehören würde.

Sie sieht so süß und unschuldig aus. Genau mein Typ.

Ihr Vater steht bei Fraternitas in der Schuld, und sie wird sie begleichen.

Dann vergiftet sie mich, und ich erkenne, dass es nicht so einfach wird, wie ich dachte. Diese irre, unscheinbare Mörderin ist niemandes Besitz. Sie wird sich nicht widerstandslos unterwerfen.

Ich habe mein Leben lang gekämpft. Sie sollte meine Belohnung sein.

Ich werde Belladonna Bosco zu meiner Frau machen oder beim Versuch draufgehen. Und meine psychotische Braut lässt keinen Zweifel daran, dass sie mich nur zu gern tot sehen würde.

Diesen Kampf darf ich nicht verlieren.

Aber sie ist mein perfektes Gift. Eine Kostprobe, und ich will nur noch mehr.

Buch 2 der »Fraternitas«-Reihe von Lee Savino, eine Mafia-Romanze mit arrangierten Ehen und Kaiser und Belladonna Bosco im Mittelpunkt. Ein eigenständiger Roman mit garantiertem Happy End!

Inhaltswarnung:

Stalking, Grenzerfahrungen, Tod eines Elternteils (Vergangenheit), Versklavung (Vergangenheit), Krankheit

PROLOG

Bella

Mit beschwingten Schritten gehe ich die Auffahrt zu der großen Backsteinvilla entlang, die jetzt mein Zuhause ist. Vor der Tür parkt Papas schwarzer Rolls-Royce. Ich wusste gar nicht, dass er mich besuchen würde. Er ist wohl gekommen, um sich zu erkundigen, wie ich mich an der Schule einlebe.

Auf den Eingangsstufen bleibe ich stehen und begutachte mich. Von meinem Abstecher in der Bäckerei bin ich voll mit Puderzucker. Papa sagt zwar, Donuts taugen nicht als Abendessen, aber ich liebe den Zuckerrausch.

Ich wische mir die Reste vom kessen weißen Oberteil und dem rosa karierten Rock. Meine Schuhe sind weiß, an ihnen bemerkt man den Zucker nicht. Die Tüte von der Bäckerei mit den restlichen Donuts verstecke ich tief in meinem Rucksack, bevor ich mit Elan eintrete.

»Hi! Ich bin daheim.« Wegen der polierten Parkettböden hallt meine Stimme wider. Papa hat das Haus gekauft, weil es in der Nähe der Universität liegt. Es war teilmöbliert, aber wir sollten uns dringend ein paar Teppiche zulegen.

Ich hieve mir den Rucksack von der Schulter und werfe ihn auf die Couch, bevor ich durchs Esszimmer gehe und auf das Arbeitszimmer meines Vaters zusteuere.

Abrupt erstarre ich, als ich die drei Männer um Papa herum sehe. Furchterregende Masken verbergen ihre Gesichter.

»Alles gut, Bella«, ruft mein Vater, bevor ich kreischen kann. Er steht an seinem Schreibtisch. Zwei der drei Männer überragen ihn.

Ich schlucke meinen Schrei runter. Mein Herz hämmert wie wild.

»Papa?« Eigentlich sollte es mir Angst einjagen, dass diese unheimlich aussehenden Kerle hier sind. Und das tut es. Nur bin ich wegen der Geschäfte meines Vaters schon einigen furchterregenden Typen begegnet, deshalb bin ich inzwischen ein wenig daran gewöhnt.

Oder zumindest besser darin geworden, mein Entsetzen zu verbergen.

Auf einer Skala von eins bis zehn, auf der die Eins für völlig gechillt steht, die Zehn für so panisch, dass ich mich anpinkeln und ohnmächtig würde, bin ich bei fünf.

Vielleicht bei sechs.

Na schön, bei sieben.

KONZENTRATION, BELLA!

Papa ist eher klein. Er wirkt sanftmütig und harmlos, ist jedoch auf seine Weise knallhart. Im Moment allerdings sieht er niedergeschlagen aus. Sein Gesichtsausdruck lässt Alarmglocken in meinem Kopf schrillen.

»Was ist hier los?« Mein Vater ist der letzte Rest meiner Familie, und er schaut drein, als hätte man ihm mitgeteilt, dass er nur noch drei Monate zu leben hat.

Die über ihm aufragenden Männer wirken wie Vollstrecker. Einer ist groß und schlank. Er trägt einen grauen Anzug und eine Totenschädelmaske. Mehr Einzelheiten kann ich nicht erkennen, weil er vor dem Fenster steht und mich das hereinstrahlende Licht blendet.

Mein Blick wandert zu dem Mann in der Mitte. Seine Maske glänzt schwarz, weist kurze Teufelshörner auf und bedeckt sein gesamtes Gesicht. Er sitzt hinter dem Schreibtisch meines Vaters, was beinah noch schlimmer ist als die beängstigende Aufmachung. Weil er den Eindruck vermittelt, Papas Büro würde ihm gehören. Eine Machtdemonstration, die mir den Atem verschlägt. »Wir hatten etwas Geschäftliches mit deinem Vater zu besprechen«, ergreift der Unbekannte mit der Teufelsmaske das Wort. »Und jetzt mit dir.«

»Mit mir?« Mühsam unterdrücke ich ein Schaudern.

Ich stehe definitiv bei einer Sieben.

»Ist schon gut, Bella«, sagt Papa mit leiser Stimme. Er klingt etwas traurig.

Alarmstufe Rot.

»Du lügst«, gebe ich kleinlaut zurück. Denn dass mein Vater mich belügt ... ist am beängstigendsten von allem.

Er schweigt. Weder streitet er es ab noch versucht er, mich zu beruhigen. Es kommt nichts von ihm.

Mein Zuckerrausch wendet sich gegen mich. Mir wird speiübel.

Als der dritte Mann vor mich hintritt, dreht sich mir der Magen um. Er ist größer als die anderen. Ein Hüne mit prallen Muskeln. Ich blicke an ihm hoch und betrachte sein gewelltes blondes Haar und das dunkle Muster seiner Tätowierungen.

»Ganz ruhig«, sagt er, und seine Stimme kommt mir bekannt vor.

Langsam beugt er sich herab. Seine Maske bedeckt nur die untere Gesichtshälfte. Außerdem ist sie nicht glatt und glänzend wie die anderen, sondern lediglich ein schwarzes Tuch mit aufgedrucktem Totenschädel.

Dunkelblaue Augen sehen mir ins Gesicht. Da er das Haar zu einem Pferdeschwanz zurückgebunden trägt, liegen unförmige Ohren frei. Ich habe erst unlängst erfahren, dass man sie Blumenkohlohren nennt.

»Du«, entfährt es mir.

»Ich.« Seine Stimme ist genauso tief, wie ich sie in Erinnerung habe. Wie er mich anstarrt, fühlt sich seltsam intim an. Ein Kribbeln breitet sich durch meinen Körper aus.

»Was machst du hier?«, frage ich. Obwohl ich immer noch panisch bin, beuge ich mich näher zu ihm.

Er riecht nach Burgern und Pommes. Heute Vormittag hat er im Diner gegessen.

Er hat mir am Tisch gegenübergesessen.

Und jetzt ist er hier. Um mir zu drohen? Obwohl mir bewusst ist, dass Papa und ich in Gefahr schweben, gilt mein gesamtes Augenmerk dem Mann vor mir und der seltsamen Anziehungskraft zwischen uns. Der Moment fühlt sich vertraut an. Unvermeidlich.

Zögerlich strecke ich die Hand aus. Meine Finger bewegen sich langsam genug auf sein Gesicht zu, dass er mich aufhalten könnte. Er könnte einfach mein Handgelenk packen und mich mühelos überwältigen.

Aber er tut es nicht.

Er lässt es zu. Unbeirrt sieht er mir in die Augen, als ich das Tuch nach unten ziehe und sein Gesicht entblöße.

Sein mir bekanntes Gesicht.

Er ist es. Mr. Muskelprotz. Der Mann aus dem Diner. Der mir vergangene Woche im Garten geholfen hat.

Der mir nachstellt.

»Ich bin hergekommen, um das zu unterschreiben.« Er hält ein Bündel Papier hoch, das ich nicht in seinen Händen bemerkt habe. »Einen Ehevertrag zwischen dir und mir.«

Wie bitte?

Ich starre auf das Dokument. Die gedruckten Worte verschwimmen vor meinen Augen. Ich bin zu fassungslos, um mich zu konzentrieren und zu lesen, was er mir zeigt.

Aber ich erkenne die Befriedigung, die er ausstrahlt, als er hinzufügt: »Der Deal ist abgeschlossen. Du wirst meine Frau.«

1

Zwei Wochen zuvor ...

Bella

Im Jahr des Herrn 2025 beschloss ich, mein Schicksal anzunehmen und eine Superschurkin zu werden.

Der erste Schritt dazu bestand in der Einschreibung an der Unitas University. Diese wunderschönen, hehren Hallen bringen die Schlimmsten der Schlimmen hervor. Und ich freue mich darauf, eine der Besten davon zu werden.

Die Beste der Schlechtesten. Ha.

Die Unitas University ist die exklusivste Hochschule, von der man noch nie gehört hat. Der Großteil der Welt hat keine Ahnung, was hinter diesen Mauern vor sich geht. Die Alumni hüten ihre Geheimnisse streng.

Das College betreibt keine Werbung. Das muss es nicht. In manchen Kreisen in New Rome und Metropolis ist es das einzige, das zu besuchen sich lohnt. Alle großen Mafiafamilien schicken ihre Kinder hin. Seit über fünf Generationen.

Die meisten Studenten werden aufgenommen, weil schon ihre Eltern an der Unitas studiert haben, aber einige wenige schaffen es auch ohne hinein.

Dazu gehöre ich. Zu den Ausnahmen. Wenn man es so nennen will. Ziemlich vielversprechender Start meiner Laufbahn als Superschurkin, dass ich mich in eine Brutstätte von Verbrechern eingeschlichen habe, oder?

Kichernd schlendere ich auf dem Weg zur Orientierungsveranstaltung mit beschwingten Schritten am prachtvollen Springbrunnen vor dem Eingang der Universität vorbei. Es ist ein schwüler Spätsommertag. In den Blumenbeeten vor dem Hauptverwaltungsgebäude tummeln sich Bienen zwischen den Sonnenhüten und Goldmelissen. Ich winke ihnen zu und trabe die Stufen hinauf.

Laut meinen Recherchen gibt es an den meisten Hochschulen eine Begrüßungswoche. An der Unitas verhält es sich ein wenig anders. Studienanfänger ohne familiäre Vorgeschichte werden eingeladen, bereits im Juni mit einem semesterlangen Orientierungskurs anzufangen, der sie in das einzigartige akademische Umfeld der Unitas einführt.

Ideal für mich, da ich die vergangenen Jahre zu Hause unterrichtet wurde. Meine Erfahrungen mit der Highschool beschränken sich darauf, was ich vom suchten meiner Lieblingsserie Vampire Varsity im Fernsehen kenne. Papa und ich haben entschieden, dass diese Orientierung mir helfen würde, mich einzuleben. Deshalb bin ich aus der Stadt in ein von Efeu überwuchertes Haus in Gehweite zum Campus gezogen.

Und jetzt trabe ich mit einer Schachtel Cronuts frisch aus der Bäckerei überpünktlich zum Kurs an. Vor dem Eingang des Gebäudes im griechisch-antiken Stil halte ich inne. Es ist so prachtvoll, dass ich mich in eine andere Zeit versetzt fühle.

Hier ist es spitze!

Allerdings habe ich auch das Gefühl, beobachtet zu werden. Ich drehe mich um und lasse den Blick über eine Reihe hundertjähriger Eichen wandern. Außer einigen Studenten und Professoren in Roben, die über die Wege eilen, fällt mir niemand auf. Alle sind entweder darauf konzentriert, ihr Ziel zu erreichen, oder auf ihr Handy. Niemand achtet auf mich.

Offenbar habe ich es mir nur eingebildet.

Ich betrete das Verwaltungsgebäude, in dem es sich als angenehm kühl erweist. Meine Turnschuhe quietschen auf dem Marmorboden.

Ich verlangsame die Schritte und bemühe mich, meine Aufregung zu zügeln. Der Saal ist voll von Studenten wie mir. Was perfekt zu meinen Plänen passt. Nein, ich habe nicht vor, die Superschurkin bei diesen armen, wehrlosen Studienanfängern auszupacken. Heute steht nämlich etwas anderes auf dem Programm.

Ich will eine Freundschaft schließen.

Nachdem ich mir mein Begrüßungspaket geholt habe, suche ich mir einen Platz, auf dem ich es zusammen mit meinem rosa Rucksack ablege, dann sehe ich mich im Raum um. Wer mögen meine Kandidaten sein?

In einer Ecke befindet sich eine Gruppe junger Frauen. Mit ihren weißen Tennisröcken und rosa Oberteilen wirken sie ein bisschen schnöselig.

Rosa gefällt mir. Zwar würde ich zu einem sportlichen Outfit keine Perlenkette tragen wie diese Frauen, aber ich bin bereit, bei einer potenziellen Freundin über den einen oder anderen kleinen Makel hinwegzusehen.

Mit meiner Schachtel Cronuts als Köder gehe ich zu ihnen hinüber.

»Hallo«, begrüße ich die Erste. Sie ist groß und schlank, besitzt sattbraune Haut und perfekt glänzendes schwarzes Haar. An ihrem Handgelenk funkelt ein großes, diamantenbesetztes Tennisarmband. Sie sieht mich an, als ich mit meinem Spruch loslege.

»Ich bin Bella. Ab Herbst studiere ich hier. Lust auf einen Cronut?«

»Himmel, nein.« Sie rümpft die Nase, als hätte ich ihr Hundekacke angeboten. »Ich esse doch keine Kohlenhydrate.«

»Ich auch nicht«, wirft eine blasse Brünette ihr gegenüber ein. Die anderen Frauen sehen mich angewidert an. Dann dreht mir die dunkelhaarige Schönheit den Rücken zu und sperrt mich aus der Gruppe aus.

Ich höre, wie über mich gemurmelt wird. Gleich darauf lachen alle drauflos. Obwohl meine Ohrenspitzen heiß werden, bleibe ich cool. Bin ich eben an ein paar fiese Miststücke wie die Cheerleaderinnen in Vampire Varsity geraten.

Macht nichts. Weiter!

Ich entferne mich und steuere auf den gegenüberliegenden Bereich des Raums zu. Hinter einem Durchgang erkenne ich etwas, das für mich wie eine Bibliothek aussieht. Bevor ich sie betreten kann, versperrt mir ein Mitarbeiter der Hochschule den Weg und schüttelt den Kopf. »Kein Essen im Lesesaal.« Okay, wieder abgeblitzt.

Ich begebe mich in die Nähe eines prächtigen gewölbten Fensters. Dort steht eine in Sonnenlicht getünchte junge Frau. Sie wirkt wie von oben erhellt, als hätten sich die Heerscharen im Himmel zu ihrem persönlichen Beleuchterteam zusammengeschlossen. Perfekte Locken umrahmen ihr liebliches Gesicht.

Sie ist umwerfend schön. Würde sie das Set von Vampire Varsity besuchen, man würde sie vom Fleck weg für die Hauptrolle engagieren.

Außerdem macht sie einen etwas verlorenen Eindruck. Ihre Miene strahlt etwas Sehnsüchtiges aus, als sie den Blick über das makellos gepflegte Gelände wandern lässt.

Plötzlich zuckt sie zusammen, dreht sich um und ertappt mich dabei, wie ich sie anstarre.

»Hi«, sage ich und bemühe mich, nicht wie eine unheimliche Verrückte rüberzukommen. »Äh, mir gefällt dein Outfit. Einen rosa Anzug hab ich noch nie gesehen.«

»Oh. Danke.« Ihre langen Wimpern klimpern. Ihr tadelloses Make-up betont die hellbraunen Augen und die goldbraune Haut.

Mein Mut sinkt. So umwerfend und stilvoll, wie sie ist, dürfte sie wohl auch zu den Arroganten gehören. Kein diamantenbesetztes Tennisarmband. Stattdessen trägt sie große Ohrringe und eine Kette um den Hals, beides aus Silber. An der Kette ist irgendein Anhänger, den ich jedoch nicht sehen kann, weil er sich unter ihrem Ausschnitt befindet.

»Entschuldige, ich wollte dich nicht belästigen.«

»Nein, du bist total nett«, erwidert sie. »Ich bin Honey. Freut mich, dich kennenzulernen.« Mit einer förmlichen, geübten Bewegung streckt sie mir die Hand entgegen. Abrupt hält sie inne, als sie erkennt, dass ich die Schachtel mit Cronuts verlagern muss, um einzuschlagen. »Äh ...«

»Schon gut.« Nachdem ich eine Hand befreit habe, schüttle ich ihre bestmöglich.

»Ich bin Bella. Isst du Kohlenhydrate?«

Sie blinzelt. »Äh ...« Ihr Blick fällt auf die Schachtel. »Ja. Unbedingt. Sind die von Pane P?«

»Ja!« Wahrscheinlich hat sie an der unverkennbaren rosa Schachtel erkannt, dass sie von der Panetteria Principessa stammen, kurz Pane P.

»Die mag ich am liebsten.« Ihre Augen leuchten auf, ihre Stimme jedoch bleibt beherrscht, leise und höflich. Macht nichts – ich bin laut genug für uns beide. »Darf ich?« Sie deutet auf die Schachtel. Sogar ihre Hände sind tadellos im klassischen französischen Stil manikürt. Sie ist die bestgekleidete Anwesende, was bei genauerer Überlegung ein Zeichen dafür sein könnte, dass sie überkompensiert.

Jedenfalls wirkt sie nervös.

»Ja, gern.« Ich halte ihr die Schachtel hin und beobachte, wie sie sich einen Cronut aussucht.

Danach stelle ich mich neben sie und schaue aus dem Fenster. »Schön hier, oder?«

»Ja.« In ihrer melodischen Stimme schwingt nicht nur Verwunderung mit, sondern auch ein Hauch Besorgnis.

Hm. Irgendetwas hat sie auf dem Herzen. Aber ich kenne sie noch nicht annähernd gut genug, um sie danach zu fragen.

Also fülle ich die Stille anders.

»Die Landschaftsgestaltung finde ich ziemlich gut.« Ich deute auf die üblichen bunten, einjährigen, in hübschen Mustern angeordneten Pflanzen. »Die da drüben sind in der Gegend heimisch.« Ich zeige auf die Beete unter dem Dachvorsprung des alten Gebäudes. »Und das ist ein Regengarten. Mir gefällt auch, wie Kräuter und Stauden vermischt sind, zum Beispiel Lavendel und Katzenminze in der Ecke dort.« In den Beeten unter den hundertjährigen Eichen wachsen Schwachlichtpflanzen wie Farne und Taglilien. »Nicht bloß ein langweiliger Rasen. Man hat sich um Artenvielfalt bemüht.«

»Wow. Du kennst dich aber mit Pflanzen aus.«

»Ist mein Lieblingsthema. Ich will hier Botanik studieren. Die Fakultät hier ist spitze. Hast du schon vom Giftgarten gehört?«

»Nein, aber meine Unterkunft ist unten beim Labyrinth.«

»Oh, das will ich unbedingt sehen. Ich wohne nicht auf dem Campus, deshalb hab ich ihn noch nicht erkundet.«

»Ich zeig’s dir gern.«

Jippie! Ich lege den Kopf schief. »Sind wir jetzt Freundinnen?«

Kurz schweigt sie. Hoppla, vielleicht war das doch zu direkt.

»Das würde mir gefallen, Bella. Ich könnte eine Freundin gebrauchen.«

JA!

»Weißt du, ich hab nicht viele Freunde«, gestehe ich. »Während der gesamten Highschool wurde ich zu Hause unterrichtet. Hat mir auch gefallen, aber einer Klassenkameradin noch am nächsten gekommen ist eine Nepenthes × ventrata.«

Honey blinzelt. »Eine was?«

»Das ist eine fleischfressende Pflanze.« Ich beginne, ihr von der Sammlung in meinem Gewächshaus zu erzählen. Im Gegensatz zu den meisten Menschen, die abschalten, wenn ich über Pflanzen rede, scheint sie fasziniert zu sein. Zumindest hört sie mir zu, nickt und murmelt an den passenden Stellen.

Als Rufe meinen Redefluss unterbrechen, drehe ich mich um und sehe, wie mehrere Jungs in Sportaufmachung den Raum betreten.

Kaum hat Honey sie bemerkt, brummelt sie einen Fluch und wirbelt zum Fenster herum. Sie wirkt nervös. Scheinbar unbewusst hebt sie die Hand und fingert an der langen Kette um ihren Hals.

Ich mustere die jungen Männer. Ihre Stimmen hallen von den holzgetäfelten Wänden wider. Sie führen sich auf, als hätten sie an dem Ort das Sagen, demnach müssen sie alteingesessene Studenten sein. Die Studienanfänger gehen ihnen hastig aus dem Weg.

»Wer sind diese Typen?«, frage ich.

»Die Lacrosse-Mannschaft«, antwortet sie steif.

Der Anführer ist ein großer, schlanker, muskulöser Kerl mit mehreren Grübchen und zerzaustem Haar. Ein geistig minderbemittelter Schönling, wie er im Buche steht. Er drängt sich durch eine Gruppe von Erstsemestern.

Ich verenge die Augen zu Schlitzen. »Was für ein Armleuchter.«

Die Lacrosse-Typen steuern schnurstracks auf die Ladys in Tennisröcken zu, die sich ihnen mit einem einladenden Lächeln zudrehen.

»Das sind die Girls, die keine Kohlenhydrate essen.« Die Oberfiese stellt sich auf die Zehenspitzen, um den Oberarmleuchter zu küssen.

»Ja.« Honey verzieht das Gesicht zu einer Grimasse. »Das ist Sailor. Sie ist mit dem Kapitän des Lacrosse-Teams zusammen, Radley.«

Einer der anderen Typen dreht sich um wie ein Hai, der Blut im Wasser wittert. »Wir sollten gehen«, murmelt Honey und schaut zu Boden. Sie fühlt sich sichtlich unwohl. Wegen der öffentlich zur Schau gestellten Zuneigung? Oder wegen dieser Kerle?

»Lass mich nur schnell meine Tasche holen.« Ich lasse die Cronuts bei ihr und schnappe mir rasch den Rest meiner Sachen, dennoch brauche ich zu lange. Als ich zurückkomme, umringen der Kerl, der sich umgesehen hat, und drei seiner Kumpel meine neue Freundin.

»Hi, Frischling«, sagt einer von ihnen. »Ich dachte mir schon, dass ich dich hier finde. Du warst gestern Abend ziemlich früh weg. Bist du etwa geflüchtet?« Er beugt sich vor und streicht ihr eine lockige Strähne aus dem Gesicht. Sie weicht vor seinen Fingern zurück und hebt die Hand, um sie wegzuschlagen, doch er lacht nur. Ihr Blick schnellt umher. Sie sucht nach einem Ausweg, schätzt die Situation ein, ist allerdings hoffnungslos in der Unterzahl.

Aber sie hat jetzt mich. »Lass sie in Ruhe«, sage ich, dränge mich mit meiner Tasche durch die Gruppe und stelle mich an ihre Seite. »Sie ist meine Freundin.«

Er schnaubt höhnisch. »He, Radley«, ruft er. »Pinkie hat sich ’ne Leibwächterin zugelegt.«

Radley und Sailor schauen kurz in unsere Richtung. Mir fällt auf, dass sich sein Blick direkt auf Honeys üppige Brüste richtet. Sie zeigt zwar nichts davon, aber der Anzug betont ihre Modelkurven.

Sailor bemerkt, wohin ihr Lover glotzt, und schürzt die Lippen. Sie zieht an seiner Schulter und ruft dem Kerl zu, der uns belästigt. »Penn, hör auf, dich mit den Stipendienempfängerinnen abzugeben.«

»Aber das ist doch witzig«, protestiert Penn. Er mustert mich. »He, Kleine, wann bist du denn aus dem Kindergarten ausgebrochen? Wem musste dein Daddy einen blasen, um dich hier reinzukriegen?«

Die anderen Lacrosse-Typen lachen. Ich bin zwar klein und sehe jung aus, trotzdem spielt es für mich keine Rolle, dass diese Primaten einen Kopf größer sind als ich. Es braucht nicht viele Bissen von einem Grünen Knollenblätterpilz, um die Leber zu vernichten und heftige Krämpfe auszulösen.

»Fick dich.« Ich blecke ihm die Zähne entgegen wie Duffy, die Werwölfin und Ballkönigin aus Vampire Varsity.

»Ganz schön wild«, murmelt er spöttisch, weicht aber zurück.

Die anderen Jungs winken Honey anzüglich grinsend zu. »Man sieht sich, Pinkie«, sagt einer von ihnen.

»Penner«, raune ich laut genug, dass er es hören kann.

»Danke für den Beistand«, wendet sich Honey an mich.

»Gern.«

»Verschwinden wir lieber«, fügt sie flüsternd hinzu. Dabei umklammert sie den Anhänger ihrer Halskette so fest, dass die Knöchel weiß hervortreten.

Sie ist unheimlich angespannt. Da ich Flucht für die beste Vorgehensweise halte, lasse ich sie vorausgehen und folge ihr aus dem Saal. Leider müssen wir auf dem Weg zu einer Seitentür direkt an den Tennisrockträgerinnen vorbei.

»Schlampe«, zischt Sailor zu Honey.

Kurz gerate ich in Versuchung, anzuhalten und ihr ein Cronut in den Mund zu stopfen, doch ich bleibe in Bewegung. Warum ist sie so fies zu meiner neuen Freundin? Irgendetwas läuft hier, und ich möchte die Lage für Honey nicht zusätzlich verschlimmern.

Ich warte, bis wir uns in einem ruhigen Korridor befinden. Dann frage ich sie: »Alles in Ordnung?«

»Ja. Hier lang.« Wir schlüpfen durch einen anderen Seitenausgang hinaus und eilen über den schwarz-weiß gefliesten Boden zu einer versperrten Tür.

»Das ist ein Geheimnis«, teilt Honey mir mit, bevor sie ihre Halskette hervorzieht. Sie zeigt mir den Anhänger. Es handelt sich um einen alten Bronzeschlüssel. Sie steckt ihn ins Schloss der schweren Holztür. Ein Anflug von Erregung durchströmt mich, als ich das Klicken darin höre.

Als die Tür aufschwingt, weht uns abgestandene Luft entgegen. Dahinter befindet sich eine schmale Holztreppe, die aussieht, als könnte sie zu einem Dachboden führen. Es riecht nach Antiquitäten, altem Holz und zitroniger Möbelpolitur.

»Komm mit.« Honey geht nach oben voraus. Wir gelangen auf eine Galerie mit Blick auf einen Lesesaal. Der Raum ist still und so gut wie menschenleer. In einer Ecke sitzt ein Mann und betrachtet ein großes Buch in einer Vitrine. Er trägt eine Robe, schwarz mit einem zimtbraunen Samtstreifen.

»Ein Professor«, flüstert Honey. »Für Geschichte. Das erkennt man an den Farben an der Kapuze.«

Wir hören das Gelächter der Lacrosse-Typen durch das Gebäude dröhnen. Sie sind verdammt laut. Der Professor schaut auf und legt die Stirn in Falten, macht aber keine Anstalten, etwas dagegen zu unternehmen.

Ich folge Honeys Beispiel und lasse mich auf einem abgewetzten Ledersessel ihr gegenüber nieder.

Sie stößt den Atem aus. »Tut mir leid wegen vorhin.«

»Da gibt’s nichts, was dir leidtun müsste. Das waren doch die. Und sie sind genau wie die Ghule in Vampire Varsity.«

Honey wirkt zwar nach wie vor gestresst, aber ihre Mundwinkel zucken, als wäre sie einem Lächeln nahe. »Die Serie liebe ich.«

»Geht mir genauso.«

Sie ernüchtert. »Ich sollte dir die Sache wohl erklären.«

»Musst du nicht.« Trotzdem verstumme ich für den Fall, dass sie es möchte.

»Nein, passt schon. Ich war gestern Abend auf einer Party im Sportlerwohnheim. Weil ich dachte, es würde wegen der Klimaanlage kühl sein, hatte ich einen dünnen Sweater an.« Sie reibt sich die Arme, eine beinah unbewusst wirkende, beruhigende Bewegung. »Ich muss wohl zu viel getrunken haben. Oder der Punsch war stärker, als ich dachte. Jedenfalls bin ich mit einem Haufen dieser Typen in einem Zimmer gelandet, und ... mir wurde richtig heiß. Einer hat vorgeschlagen, ich soll doch den Sweater ausziehen, und ich hatte vergessen, dass ich darunter nur einen BH anhatte.« Wieder zieht sie die Brauen zusammen, bevor sie traurig und verschämt zu Boden schaut.

Mir wird am ganzen Körper kalt. Meine Freundin wurde ausgenutzt. Darauf wird es hinauslaufen. Und es ist nicht wie der Plot der zweiten Staffel von Vampire Varsity mit dem Sukkubus. Es ist wirklich passiert.

»Irgendwie bin ich auf Radleys Schoß gelandet. Sailor ist reingekommen, wurde stinksauer darüber, dass ich ihr ›den Mann ausspannen‹ wollte und hat mich rausgeschmissen. War vermutlich am besten so. Keine Ahnung, was die Typen sonst vorgehabt hätten. Und ich war zu neben der Spur, als dass ich hätte nein sagen können.«

Mir fehlen die Worte. Ich zermartere mir das Hirn, bis mir schließlich klar wird, was ich als Erstes wissen will. »Ist mit dir alles in Ordnung?«

Sie seufzt, bevor sie antwortet. »Es geht mir gut.«

Stimmt nicht. Fuck. Meine Kehle fühlt sich wie zugeschnürt an. Ich möchte gerade wesentlich mehr tun, als die Cronuts an die Wand schmeißen. »Meinst du, sie könnten etwas in den Punsch gemischt haben?«

»Vielleicht. Keine Ahnung. Es war meine erste Party am College. Das wird mir eine Lehre sein.«

»Es war nicht deine Schuld.« Kurz lege ich ihr die Finger an den Arm. Womöglich gehe ich damit zu weit, aber ich habe festgestellt, dass manche Menschen Berührungen als tröstlich empfinden.

»Danke.«

»Danke, dass du’s mir erzählt hast«, gebe ich ernst zurück. Sie vertraut mir. Honey ist wirklich meine Freundin. Eine echte menschliche Freundin, keine fleischfressende Pflanze.

Sie hat sich mir geöffnet, mir eine unerfreuliche Erfahrung anvertraut. Ganz wie eine echte Freundin. Ich fühle mich ihr verbunden, und das bedeutet für mich viel. Unter anderem, dass ich ihr den Rücken decke.

Wer meine Freundin verletzt, ist mein Feind.

Und dafür werden diese Typen bezahlen.

»Jemand sollte ihnen eine Lektion erteilen«, sage ich, um ihre Reaktion darauf auszuloten. Honey weiß noch nichts von meiner Absicht, eine Superschurkin zu werden. Sie scheint ein netter, sensibler Mensch zu sein, trotzdem bin überzeugt davon, sie zu mir auf die dunkle Seite holen zu können.

Immerhin haben wir Cronuts.

»Ich will nur, dass sie mich in Ruhe lassen.«

»Sie haben dir Angst eingejagt.«

»Die sind auch beängstigend. Ich kann immer noch kaum glauben, wie du Penn die Stirn geboten hast.« Darüber zucke ich mit den Schultern. Ich neige nicht dazu, mich zu fürchten, sondern werde eher wütend.

Honey stößt den Atem aus. »Ihr Karma wird sie einholen. Wir haben Sommer, deshalb können sie sich aufführen, als wären sie die Herrscher des Campus. Momentan sind sie berauscht von Macht. Aber das wird bald enden.«

»Tatsächlich?«

»Ja.« In ihre Züge tritt ein Schatten der Mischung aus Besorgnis und Verwunderung, die mir schon vorhin an ihr aufgefallen ist. Dann jedoch legt sie den Kopf schief, und der Ausdruck wird von einer Spur Gehässigkeit ergänzt. »Wenn das Herbstsemester anfängt und die Mafia-Kids kommen, sind sie nicht mehr die Fiesesten auf dem Campus. Nicht mal annähernd.«

2

Bella

Meine neue beste Freundin ist spitze. Mit ihr zusammen zu sein, gefällt mir besser, als an der Orientierungsveranstaltung teilzunehmen. Im Kurs für Studienanfänger erfahren wir zwar interessante Fakten über die Unitas University, aber Honey weiß darüber hinaus so einiges über die Geschichte der Hochschule und die vier Mafiafamilien, die als ihre Mitbegründer gelten. Außerdem besitzt sie einen Schlüssel, der jede Tür auf dem Campus öffnet. »Alle bis auf eine.«

Nachdem sie mir von dem grauenhaften Abend mit den Lacrosse-Typen erzählt hatte, wollte sie darüber nicht mehr reden. Also habe ich es nicht erneut zur Sprache gebracht. Ist ohnehin besser, sie aus meinem Racheplan herauszuhalten, damit weniger Verdacht auf sie fällt.

Deshalb bin ich allein, als ich am Samstag zum Campus zurückkehre. Bei mir habe ich einen großen Korb mit einer besonderen Überraschung für Penn, Radley und ihre Freunde. Außerdem trage ich ein sexy Cheerleader-Outfit und bin stark geschminkt, um mein Gesicht zu tarnen. Und ich habe mir zu den pinken und schwarzen Bommeln passende rosa Strähnen ins Haar gefärbt, das ich zu beiden Seiten zu Zöpfen geflochten und hochgesteckt habe.

Ich sehe aus, als wäre ich mehrere Monate zu früh für Halloween herausgeputzt. Und ein wenig gestört.

Yolo!

Der springende Punkt ist, dass mich niemand erkennen wird.

Erste Regel für Superschurken: Gute Tarnung ist die beste Offensive.

Anonymität ist eine Waffe. Wer schon mal Riesen-Bärenklau mit einer Wilden Möhre verwechselt und dadurch Verbrennungen zweiten Grades erlitten hat, weiß das. Das tödlichste Gift verbirgt die Natur hinter den schönsten Blüten.

Ich habe das Sportlerwohnheim, in dem die Lacrosse-Mannschaft untergebracht ist, fast erreicht, als ich spüre, dass mir jemand folgt. Ich drehe mich um – und sehe niemanden. Dennoch bleibt das Gefühl, beobachtet zu werden.

Seltsam. Vielleicht bin ich einfach paranoid. Immerhin bin ich dabei, einen bösen Plan in die Tat umzusetzen. Es schadet nie, wachsam zu sein, trotzdem glaube ich nicht, dass die Lacrosse-Mannschaft ahnt, was auf sie zukommt.

»Muaha-ha-ha-haa«, probiere ich mein bösartiges Gelächter aus. Daran muss ich noch arbeiten.

Das Gefühl, beobachtet zu werden, begleitet mich weiterhin, als ich das Wohnheim erreiche, aber ich ignoriere es und konzentriere mich auf die beiden Jungs, die an der Tür herumlungern. Ihre Augen werden groß, als sie mein Kostüm betrachten. »Hi«, grüßt mich der eine, während sein Freund meine Brüste begutachtet. »Kommst du wegen der Party?«

»Ja«, lüge ich.

»Du bist ’n bisschen zu früh.«

Ich halte meinen schweren Korb hoch. »Geschenke von der Sportfakultät.«

Snacks und ein Energydrink mit einer besonderen Überraschung. »Viel Glück bei eurem großen Spiel morgen!« Ich gebe jedem sein Geschenk und bedanke mich, als sie die Tür für mich aufhalten. »Wir sehen uns auf der Party!«

»Sollen wir ihr sagen, dass es keine Kostümparty ist?«, fragt der eine. Der andere bringt ihn mit einem Zischen zum Schweigen und fügt etwas Derbes darüber hinzu, dass sich meine Zöpfe hervorragend als Griffe eignen würden.

Ich lächle bei mir, während ich durch den Flur gehe. Zwei Spieler abgehakt, noch achtzehn übrig. Bis Sonntag werde ich dem Superschurkenstatus ein ganzes Stück näher sein.

Und das Lacrosse-Team wird lernen, sich nie wieder mit meiner Freundin anzulegen.

3

Kaiser

Es war ein simpler Auftrag – die Tochter des Giftmischers beschatten, jede ihrer Bewegungen überwachen. Eingreifen sollte ich nur, wenn einer der Feinde des Giftmischers ihr etwas antun will. Dann sollte ich sie beschützen.

Es hätte einfach sein sollen. Sie ist achtzehn und hat eben erst an der Unitas University begonnen.

Zugegeben, ihr Vater hat mächtige Feinde, doch bisher hat keiner davon etwas versucht.

Es ist ein Kinderspiel, jemanden zu beschatten, der nicht damit rechnet. Die meisten Menschen führen ein bequemes Leben, müssen nie mit einem offenen Auge dösen, weil jemand sie im Schlaf abstechen könnte. Sie gehen unbedarft durch den Alltag.

Und diese junge Frau ganz besonders. Sie wurde nicht nur den Großteil ihres bisherigen Lebens behütet und beschützt, sondern hat ihn regelrecht in einer Blase verbracht. Abgeschottet. Jahrelang wurde sie zu Hause unterrichtet und hat so gut wie keine Freunde. Außer zu ihrem Vater hatte sie zu kaum jemandem Kontakt. Und jetzt lebt sie allein in einem großen Haus in der Nähe des Campus.

Sie glaubt zwar, mehr Freiheit zu genießen, aber das ist eine Illusion.

Weil ich sie beobachte. Ich folge ihr von daheim zum Campus und zurück. Schon seit dem Frühjahr.

Bereits nach dem ersten Tag hat festgestanden, dass die Kleine mich um den Verstand bringen würde.

Wenig hilfreich dabei ist, dass man sie in einem Labor eigens dafür entworfen zu haben scheint, mich in Versuchung zu führen. Schmollmund, große braune Augen, zierlich, feste Brüste. Sie färbt sich das Haar weißblond. Immer wieder stelle ich mir vor, die Finger durch jene seidigen Strähnen zu fädeln, sie festzuhalten und ihren Kopf zurückzuziehen. Sie zu kontrollieren.

Aber das sieht mein Auftrag nicht vor. Ich soll mich ihr nicht nähern. Doch je länger ich sie beobachte, desto mehr will ich es.

Sie isst ständig Süßigkeiten, Kekse oder Kuchen. Am liebsten würde ich mich mit ihr hinsetzen und sie mit vernünftigen Mahlzeiten füttern.

Sie redet mit Blumen und Bäumen. Letztere umarmt sie sogar. Die meisten Menschen würden sie für seltsam halten, mich jedoch fasziniert sie. Ich studiere sie so, wie ich einen gefährlichen Rivalen analysieren würde. Früher im Kampfring hatte ich nur Sekunden, um einen Gegner einzuschätzen und seine Schwächen zu bestimmen. Am heikelsten waren immer die Unberechenbaren. Jemandes Verhalten nicht zu verstehen, kann mein Tod sein.

Und diese junge Frau verstehe ich überhaupt nicht. Sie lebt in ihrer eigenen kleinen Welt. Anfangs dachte ich, sie wüsste bloß nicht, wie man sich benimmt. Inzwischen denke ich, sie weiß es sehr wohl und verstößt bewusst gegen die Regeln. Sie ist halb verwildert.

Im Augenblick überquert sie mit beschwingten Schritten und einem großen Korb den Campus. Sie trägt ein Outfit, wie ich es nur aus Pornos kenne. Warum? Was hat sie vor?

Irgendetwas führt sie im Schilde.

Einmal bleibt sie stehen und sieht sich um. Das Wissen, dass sie Ausschau nach mir hält, beschert mir einen Kick.

Ich möchte näher an sie ran, möchte von ihr bemerkt werden.

Das wollte ich bisher noch nie.

Ich beobachte, wie sie mit zwei Studenten vor deren Wohnheim redet. Die beiden glotzen sie lüstern an. Beim Anblick ihrer Brüste und ihres Hinterns geifern sie regelrecht. Allein dafür möchte ich ihnen die Augen aus den Höhlen pulen.

Warum? Es gibt keinen Grund, sie zu verletzen – sie bedrohen sie nicht. Dennoch würde ich sie am liebsten killen.

Obwohl die Frau lediglich ein Auftrag ist.

Als sie im Wohnheim verschwindet, knirsche ich mit den Zähnen, weil ich ihr folgen möchte.

Aber ich zwinge mich, an Ort und Stelle zu bleiben. Ich werfe einen Blick auf mein Handy und bemerke, dass mein Bruder mir getextet hat.

Jaeger: Filmabend.

Es ist seine wöchentliche Einladung, sich bei ihm zu Hause zusammen einen Film anzusehen. Seine Frau und er stehen auf Weihnachtsfilme – je kitschiger, desto besser.

Eigentlich sollten mir solche Streifen widerstreben, trotzdem gehe ich hin und gucke sie. Weil ich möchte, dass sie mir gefallen. Weil ich sie verstehen will. Wie wäre es, einer jener unbeschwerten Menschen auf dem Bildschirm zu sein? Und schlichte Dinge wie Liebe und Verbundenheit zu empfinden?

Am schwersten für mich ist dabei stets, mitzuerleben, wie sich die Frau meines Bruders an ihn schmiegt. Dann sieht er sie immer an, als wäre sie alles für ihn. Er liebt sie so sehr, dass er für sie sterben würde, und sie erwidert seine Gefühle.

Manchmal frage ich mich, wie das wohl wäre. Aber für mich soll es offenbar nicht sein. Mein Herz ist zu vernarbt, um mehr als Hass oder einen gelegentlichen Blutrausch zu empfinden. Selbst wenn ich mit einer Frau zusammen bin, die ich für eine Nacht engagiert habe, fühle ich dabei nichts. Es erinnert mich lediglich daran, dass ich unempfänglich für vernünftige menschliche Emotionen bin und immer sein werde.

Und dennoch nehme ich jetzt etwas Neues wahr. Etwas, das ich nie zuvor verspürt habe.

Kaiser: Kann heute Abend nicht.

Jaeger: Beschattest du immer noch die junge Frau?

Darauf antworte ich nicht. Es gibt keinen Grund, warum ich sie als Einziger ständig im Auge behalte. Ich könnte mich jederzeit von jemandem ablösen lassen.

Nur will ich das nicht. Wie kann ich erklären, dass ich der Einzige sein möchte, der ihr folgt? Sie beobachtet?

Ihr auflauert?

Meine Besessenheit wächst. Und das ist gefährlich. Ein guter Kämpfer darf nicht fasziniert von seinem Gegner werden. Sonst lässt man sich zu Fehlern hinreißen.

Als sie aus dem Wohnheim zurückkommt, stecke ich das Handy weg.

Sie sieht unverändert aus, ihre Kleidung ist nicht zerknittert, ihr Make-up nicht verschmiert.

Also keine schnelle Nummer, obwohl sie befriedigt wirkt. Und ihr Korb ist leer.

Sie kommt den Weg entlang direkt auf mich zu. Ich stelle mir vor, aus meinem Versteck zu treten, sie im Genick zu packen und zu mir herumzudrehen.

Meine Hand beginnt zu kribbeln, als eingeschlafene Nervenenden erwachen. Es ist ewig her, dass ich so viel an Empfindungen auf der Haut wahrgenommen habe. Die Fähigkeit, etwas zu fühlen, habe ich vor langer Zeit eingebüßt. Im Kampfring war das ein Vorteil. Zwar habe ich schon Schmerzen gespürt, allerdings weit entfernt. Als wäre meine Haut zu einer Panzerung geworden. Brutale Treffer habe ich lediglich als Hitze oder Druck wahrgenommen.

Es ist lange her, seit ich zuletzt jemanden berühren wollte. Normalerweise kann ich nicht ausstehen, was ich dabei fühle – oder eben nicht. Dieses Fehlen von Empfindungen erinnert mich daran, dass ich lediglich eine leere Hülle bin.

Dadurch komme ich mir halb tot vor.

Aber seit ich sie zum ersten Mal gesehen habe, male ich mir ständig aus, sie anzufassen.

Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich seit Beginn dieses Auftrags nicht gevögelt habe. Ich sollte einfach Camille aufsuchen und mir eine Nutte für die Nacht besorgen. Aber ich will nicht von der Seite dieser jungen Frau weichen.

In letzter Zeit stelle ich mir jedes Mal ihr Gesicht vor, wenn ich mir einen runterhole. Wenn ich sie sehe, bekomme ich stets einen Ständer, und es fällt mir zunehmend schwerer, das zu ignorieren. Es weckt in mir den Wunsch nach Dingen, die ich nicht haben kann.

Sie geht an mir vorbei, während ich versteckt im Schatten unter einem Baum ausharre. Obwohl sie mich nicht sehen kann, bleibt sie stehen und sieht sich um, als würde sie spüren, dass jemand sie verfolgt.

In mir breitet sich Befriedigung aus. Ich bin ihr so nahe, dass ich ihr Parfüm riechen kann. Zumindest glaube ich, dass dieses durchdringende Aroma ihr Parfüm ist, denn es duftet nach Rosen, und es wachsen weit und breit keine.

Ich gerate stark in Versuchung, hinter dem Baum hervorzutreten. Nur zwei Schritte, und sie würde mich bemerken.

Und was dann?

Nur meine Loyalität zu meinen Brüdern hält mich davon ab, sie mir auf der Stelle zu schnappen und sie irgendwohin zu bringen, wo wir ungestört wären. Wo ich sie überall berühren und herausfinden könnte, warum sie mir so unter die Haut geht.

Stattdessen folge ich ihr in sicherem Abstand nach Hause. Etwas anderes kann ich nicht tun.

Dann entdecke ich einen Feind, eine verdächtige Gestalt auf dem Bürgersteig auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

Es ist ein Mann mit Baseballmütze, der telefoniert. Ich habe ihn schon auf dem Campus gesehen, aber noch nie so nahe bei ihrem Haus. In dieser reichen Gegend sticht er aus demselben Grund wie ich hervor. Wir gehören nicht hierher.

Er beobachtet, wie sie den Bürgersteig entlanggeht und in ihr Haus verschwindet. Dann beendet er sein Telefonat und lehnt sich an die Backsteinmauer auf der anderen Straßenseite. Er observiert sie, genau wie ich. Als er sich eine Zigarette anzündet, erhellt die Flamme des Feuerzeugs die Pentagramm-Tätowierung auf seinem Handrücken. Das Symbol der Mafiafamilie Vesuvio.

Zeit zu handeln.

Ich überprüfe meine Maske – ein Halstuch mit Totenschädelaufdruck, das die Hälfte meines Gesichts verdeckt. Lautlos überquere ich die Straße und überrumple ihn vor seinem zweiten Zug an der Zigarette. Als ich ihm die Hand in die Kehle ramme, röchelt er, lässt das Smartphone fallen und reißt die Arme hoch, um sich zu verteidigen.

Zu spät. Ich verpasse ihm einen Schlag in die Magengrube. Nach Luft schnappend krümmt er sich vornüber.

Ich manövriere ihn in die Schatten, um ihn zu verhören. »Wer hat dich geschickt?«

Ohne Vorwarnung startet er einen Gegenangriff und schwingt die Fäuste. Spaßeshalber gestatte ich ihm einen Treffer, der von meinen Bizeps abprallt. Ich spüre den Einschlag und weiß, dass er schmerzen muss, nehme es jedoch nicht wahr. Weil ich überhaupt nichts mehr fühlen kann. Als ich mich mit einem Schwinger revanchiere, geht er zu Boden. Der Geruch seines Blutes breitet sich aus.

Mühsam rappelt er sich auf. Er begreift nicht, dass er geschlagen ist. Ein typischer Fußsoldat, zu bescheuert, um mir etwas Vernünftiges zu sagen. Ich weiß bereits, dass er von den Vesuvios kommt, den Erzfeinden des Giftmischers. Wenn er meine Zielperson beobachtet, kann das nur bedeuten, dass er etwas Unerfreuliches vorhat. Mit erheblicher Befriedigung dresche ich seinen Schädel so lange auf den Bürgersteig, bis er erschlafft.

Ich hebe sein Handy auf und tippe auf Wahlwiederholung. Da es sich um ein Wegwerftelefon handelt, sind keine Nummern gespeichert, aber jene, die ich anrufe, hat eine Vorwahl aus Metropolis.

»Joey?«, meldet sich eine raue Stimme.

»Joey kann gerade nicht.« Er ist zu beschäftigt damit, zu meinen Füßen zu verbluten.

»Was? Wer ist da?«

»Ich habe eine Botschaft für Don Vesuvio.« Den Boss höchstpersönlich habe ich eher nicht am Apparat, aber vielleicht einen seiner Söhne. »Sag ihm, dass die Tochter des Giftmischers tabu ist.«

Er stößt einen wilden Fluch aus. »Sagt wer?«

»Fraternitas.«

Er saugt hörbar die Luft ein und verstummt, eine häufige Reaktion gefährlicher Männer, wenn ich den Namen der Bruderschaft erwähne. Die Vesuvios sind eine mächtige Familie mit einem festen Stand in dieser Stadt, doch niemand legt sich mit Fraternitas an.

Statt sich auf eine Diskussion mit mir einzulassen, beendet er das Telefonat. Wahrscheinlich ruft er jetzt seine Bosse an und teilt ihnen mit, was passiert ist. Er wird ihnen Bescheid geben, dass die Vesuvios gegen Fraternitas in den Krieg ziehen müssen, wenn sie die Tochter des Giftmischers wollen. Angst wird sich unter ihnen ausbreiten, und sie werden es sich zweimal überlegen, meine Zielperson anzugreifen.

Für zumindest eine weitere Nacht ist sie in Sicherheit.

Der Mann zu meinen Füßen kommt allmählich zu sich. Ich bücke mich und breche ihm das Genick. Dabei verspüre ich einen Anflug von Enttäuschung darüber, dass die Konfrontation so schnell geendet hat. Mein Blut brandet heiß durch meine Adern. Ich will einen würdigen Gegner, mehr Gegenwehr, mehr vergossenes Blut.

Das ist alles, wozu ich tauge. Früher habe ich mich nur beim Kämpfen und Töten lebendig gefühlt.

Zumindest, bis ich sie zum ersten Mal gesehen habe. Warum sie mich etwas empfinden lässt, weiß ich nicht. Ich verstehe es nicht, und es gefällt mir nicht. Trotzdem kann ich mich nicht von ihr fernhalten. Ich will mehr.

Immer noch rieche ich Rosen. Der blumige Duft überlagert sogar den Gestank von Blut und Ausscheidungen des frisch Verstorbenen.

Ich hebe den Leichnam auf und stopfe ihn in eine Mülltonne, die ich die Straße hinunter zu dem leerstehenden Haus rolle, in dem ich mich eingenistet habe. Dort verfrachte ich sie schnurstracks in den Keller, wo ich Planen und ein Kinderplanschbecken für genau einen solchen Fall bereitgelegt habe. Ich werde das Blut vom Bürgersteig abwaschen und meine Brüder von Fraternitas ersuchen, mir heute Nacht beim Entsorgen der Leiche zu helfen.

Aber zuerst will ich nach meiner Zielperson sehen.

In ihrem Schlafzimmer brennt Licht. Ich kletterte über eine Mauer und auf einen Baum, wo ich mich niederlasse, um sie bei ihrer Routine vor dem Schlafengehen zu beobachten. Wenn sie aus dem Fenster sähe, würde sie mich mit meiner Totenschädelmaske auf dem Ast entdecken.

Aber sie tut es nicht, und ich kann mir nicht erklären, warum ich Enttäuschung darüber verspüre. Keine Ahnung, wieso ich möchte, dass sie mich bemerkt.

Neuerdings hat sie aufgehört, diese fürchterliche Teenie-Vampirserie zu gucken, die ihr so gefällt, und besorgt es sich stattdessen jeden Abend selbst. Zuerst greift sie sich das zerfledderte Taschenbuch, das sie neben ihrem Vibrator aufbewahrt. Nachdem sie ihre Lieblingsseiten gelesen hat, berührt sie sich, bis ihre angehobenen Hüften kreisen. Sie keucht, als bekäme sie nicht genug Luft, schiebt ihr Shirt hoch und liebkost die eigenen Brüste. Schließlich wölbt sich ihr Rücken durch, und sie stöhnt gedehnt. Das sinnlichste Geräusch, das ich je gehört habe. Nachdem sie gekommen ist, erschlafft sie im Bett.

Als ich ihr das erste Mal dabei zugesehen habe, wäre ich um ein Haar vom Baum gefallen.

Sie liest immer wieder in dem gleichen Buch. Ich bin versucht, bei ihr einzubrechen und selbst darin zu schmökern. Vielleicht würde es mir helfen, sie zu verstehen.

Aber nein, ich darf mich ihr nicht annähern.

Doch ich werde nicht zulassen, dass ihr irgendjemand auch nur ein Haar krümmt.

4

Bella

Am Montag haben wir keinen Orientierungsunterricht, trotzdem treffe ich mich zu Mittag mit Honey in der Hauptbibliothek auf dem Campus. Ich habe ihr noch nicht erzählt, was ich mit der Lacrosse-Mannschaft angestellt habe, aber sie hat mir gestern Abend eine Neuigkeit geschickt: »Das gesamte Lacrosse-Team ist krank geworden und musste das Spiel um die Sommermeisterschaft absagen! Überall auf dem Campus wird darüber geredet. Hast du schon davon gehört?«

»Nein«, schrieb ich zurück. »Wie tragisch.« Um zu verdeutlichen, dass ich es sarkastisch meinte, fügte ich das Emoji des lächelnden Dämonengesichts hinzu. Aber daraus dürfte sie eher nicht gefolgert haben, dass ich hinter der Vergiftung stecke. Wahrscheinlich sollte ich es ihr persönlich sagen.

Ich frage mich, wie sie es aufnehmen wird. Nicht jeder kann damit umgehen, eine Superschurkin als Freundin zu haben. Honey ist ein herzensguter Mensch, das merke ich. Obwohl wir uns noch nicht lange kennen, ist sie mir bereits eine großartige Freundin. Ich will sie nicht verschrecken. Aber irgendwann wird sie mich triumphierend gackern hören, und dann muss ich ihr erklären, dass ich mein böses Lachen übe.

Vielleicht stört sie sich nicht daran. Womöglich unterstützt sie mich ja sogar!

Jedenfalls habe ich noch Zeit, mir zu überlegen, was genau ich Honey sagen soll. Die Glocken haben gerade erst elf Uhr geläutet, es spricht also nichts gegen einen kleinen Umweg.

Der Giftgarten der Schule ist berühmt. Mit giftigen Pflanzen kenne ich mich aus. Sowohl in Papas Haus in New Rome als auch in jenem hier habe ich ein eigenes Gewächshaus. Aber ich wollte mir schon immer die Sammlung der Universität ansehen.

Der Garten liegt etwas abseits zwischen zwei Fakultätsgebäuden. Das schwarze Eisentor zieren zwei drachenähnliche Schlangen, die in einer Hand einen Kelch halten, in der anderen ein Schwert. Jede hat ein Pentagramm auf der Stirn. Die Bedeutung der Symbole wird im Orientierungskurs unterrichtet, und mittlerweile fallen sie mir überall auf dem Campus auf.

Die Unitas University bleibt ihrem Motiv gern treu.

Außerdem habe ich erfahren, dass der Giftgarten für jeden frei zugänglich ist. Ich schlendere zum Tor, und tatsächlich ist es geschlossen, aber nicht verriegelt. Ich wette, im Sommer kommt niemand hierher. Die Universität ist nicht öffentlich und gewährt Touristen keinen Zutritt. Nur Lehrkräfte, Studierende und ausgewählte Gäste dürfen sie betreten.

Deshalb ist außer mir niemand da, um diese Pflanzen in ihrer vollen Pracht zu bewundern.

Mein Nacken kribbelt durch das mittlerweile vertraute Gefühl, beobachtet zu werden. Es überkommt mich zunehmend öfter, wenn ich mich auf dem Campus befinde.

Aber als ich mich umdrehe, ist wie üblich niemand zu sehen. Hm.

Vielleicht sprechen meine Superschurkensinne darauf an, dass immer mehr Studenten auf den Campus zurückkehren. Einige werden zu den Vesuvios gehören, den Erzfeinden meiner Familie. Für sie habe ich Pläne – üble Pläne, die den Gründungsprinzipien der Unitas University widersprechen.

Eigentlich sollte die Hochschule nämlich den Frieden zwischen den vier Mafiafamilien fördern. Im Sommerkurs wird uns darüber etwas beigebracht, aber die wirklich interessanten Einzelheiten über die vier Familien oder Häuser und darüber, welche ihrer Sprösslinge im Herbst die Uni besuchen werden, hat Honey mir erzählt. Der Campus gilt als neutrales Gebiet, was bedeutet, dass keine offenen Bandenkriege gestattet sind. Zu Rivalität zwischen den Häusern jedoch wird durchaus ermutigt.

Aber es sind keine Morde erlaubt. Zumindest sind sie verpönt, daher muss ich vorsichtig mit meinen bösen Plänen sein.

Ich habe ohnehin nicht vor, Studienanfänger der Vesuvios umzubringen. Nein, mein Endziel sind die großen Nummern – der Don und seine Söhne. Sie sind mächtig und werden streng geschützt. Aber es geht doch nichts über eine Herausforderung, oder?

Zunächst mal muss ich an der Mafia-Universität überleben. Dafür brauche ich an Möglichkeiten, was immer ich bekommen kann.

Hallo Giftgarten, hier bin ich.

Ich schiebe das Eisentor auf und betrete den stillen Bereich dahinter. Am Beginn des Fußwegs begrüßt mich ein Schild. »Willkommen im Giftgarten«, steht darauf in stilisierter Schrift. »Betreten auf eigene Gefahr.«

Hätte man es draußen angebracht, wären die Leute vermutlich neugieriger. Stattdessen hat man es hinter dem Eingang versteckt, daher weiß niemand, was sich hier befindet.

Ich schaue an der Warnung vorbei in die dunklen Tiefen des Gartens. Stellenweise herrscht zwar Sonnenlicht, die meisten Pflanzen jedoch wachsen in den Schatten der Eiben und Stechpalmen.

Mir ist die Fauna lieber als Menschen. Es war kein Scherz, als ich Honey gesagt habe, dass meine beste Freundin eine fleischfressende Pflanze war. Allerdings habe ich nie zuvor etwas wie diesen todbringenden Garten erlebt.

Der Geruch von feuchter Erde und bitterem Grün wirkt berauschend auf mich. Bisher dachte ich immer, die Aromen in einem Gewächshaus wären unübertrefflich, doch das hier ist noch besser. So viele Pflanzen an der frischen Luft, eine Ansammlung der dunkelsten Geheimnisse der Natur.

Den Weg säumen Blumen, die man sich eher in einem Vorstadtgarten vorstellen würde, so hübsch, so bieder. Und umso tödlicher, weil niemand vermuten würde, dass etwas so Schönes ihn umbringen könnte.

Wäre meine Mutter noch am Leben, würde sie ein Gemälde davon anfertigen wollen.

Die Eiben sind die höchsten Bäume, die ich je gesehen habe – prachtvolle immergrüne Gewächse mit glänzenden Nadeln und perfekten, knallroten Beeren. Ein Tee aus diesen dunkelgrünen Nadeln kann einen Menschen innerhalb weniger Stunden ins Koma versetzen. Aber Forscher haben aus der Rinde eine Verbindung isoliert, die mittlerweile bei Chemotherapien eingesetzt wird. Dieser tödliche Baum rettet Leben.

Nur ein weiteres Beispiel dafür, dass man bei Pflanzen die Antworten auf alles findet.

Während ich durch den Garten schlendere, bewundere ich die Beete mit Eisenhut und Narzissen. Die Luft ist hier kühler, und die Stille wirkt geradezu andächtig. Vielleicht empfinde ich auch deshalb so, weil Phytotoxikologie meine Religion ist und tödliche Pflanzen meine Götter sind. Und sie sind mächtig. Es fällt mir leicht, mir vorzustellen, dass die Opfer der Pflanzen unter den Bäumen begraben liegen.

Das hier ist soeben mein neuer Lieblingsort geworden.

Ich habe mich auf Anhieb in den Garten verliebt.

Einige sonnenliebende Arten wie Fingerhut und Wüterich wachsen an einem hellen Fleckchen knapp außerhalb des Schattens des Wäldchens. Die Fingerhüte ragen höher auf als mein Kopf. Ich trete nahe vor sie hin und betrachte die rosa Knospen mit den dunklen Tupfen. Dass eine so wunderschöne Pflanze derart tödlich sein kann ...

»Hallo, meine Süße«, flüstere ich.

Eine aus dem Augenwinkel wahrgenommene Bewegung erschreckt mich, und ich wirble herum.

»Wer ist da?«

Diesmal habe ich mir nichts eingebildet. Der muskulöseste Kerl, den ich je gesehen habe, tritt hinter einem Rosskastanienbaum hervor. Er ist weit über 1,80 Meter groß, weiß, hat sonnengebräunte Haut und Tätowierungen sowohl an den Armen als auch auf den Handrücken. Und er bewegt sich so leise, dass ich das Gefühl habe, ein Trugbild vor mir zu haben. Seine gesamte Körperhaltung verrät mir, dass er schnell ist. Für jemanden mit einer derartigen Masse wirkt er agil.

Er hält so neben dem Baum an, dass sein Gesicht im Schatten bleibt.

Eine Gänsehaut breitet sich über meinen Körper aus. Meine Atmung beschleunigt sich.

Da habe ich seit Tagen das Gefühl, verfolgt zu werden, und plötzlich lauert mir dieser Typ im Giftgarten auf.

Als sich meine Augen an die Düsternis der Schatten anpassen, stockt mir der Atem. Der Mann trägt ein schwarzes Tuch, das die untere Gesichtshälfte verdeckt – bedruckt mit einem weißen Totenschädel.

Halloooo, maskierter Psycho-Daddy. Ist Weihnachten dieses Jahr früher? Und mit Weihnachten meine ich Halloween.

»Bisschen früh für Süßes oder Saures«, sage ich.

Er verlagert die Haltung, erwidert jedoch nichts. Seine Arme sind vollgepackt mit harten Muskelsträngen. Er strahlt geballte Kraft aus, und etwas in seinen Augen lässt mich vermuten, dass er sich auf mich stürzen will.

»Was machst du hier?«, platze ich heraus. Ich klinge atemlos, und mein Herzschlag beschleunigt sich, was mich ärgert.

Denn ich will mich von ihm nicht einschüchtern lassen. Ich fürchte mich nicht vor einem großen Kerl mit einer dämlichen Maske. Mehr Kopfzerbrechen bereitet mir, wie feucht ich werde. Offenbar habe ich einen Maskenfetisch.

»Dasselbe wie du.« Beim Grollen seiner Stimme zieht sich mir innerlich alles zusammen. »Ich wollte mir die Blumen ansehen«, behauptet er, schenkt ihnen allerdings keine Beachtung. Stattdessen starrt er mich eindringlich an. Beinah so, als würde er mich kennen.

Er hat wunderschöne blaue Augen. Was mir egal ist.

»Was soll die Maske?«, frage ich, ohne zu überlegen. Womöglich ist es unhöflich, sich danach zu erkundigen. Er könnte ja ein Gebrechen haben, das ihn zwingt, sein Gesicht zu verbergen. »Wissen Sie was? Vergessen Sie’s. Geht mich nichts an.« Unitas ist immerhin eine Mafia-Universität. Vielleicht ist es hier üblich, dass Leute ihre Identität verschleiern. Er könnte ebenfalls ein Superschurke sein, der meinen Respekt verdient.

Allerdings möchte ich jetzt wissen, wie er aussieht. Soweit ich es beurteilen kann, dürfte er älter als die Studenten sein, eher um die dreißig als um die zwanzig. Ist er ein Professor? Vielleicht, doch er trägt keine Robe, sondern eine Jeans und ein schwarzes T-Shirt, das eng um die breiten Schultern anliegt. Das recht lange, blonde Haar hängt ihm teilweise ins Gesicht.

Hitze kriecht mir in die Wangen. Ich weiß nicht, warum er mich so anstarrt, aber irgendwie gefällt es mir.

Nur sollte es das nicht, das ist mir klar. Es lenkt mich ab.

»Wären Sie so freundlich?«, sage ich und deute zum Ausgang. »Ich bin gerade beim Austausch mit den Pflanzen.«

»Austausch?«, wiederholt er.

»Ja.«

»Du redest mit ihnen?«

»Ja.«

»Antworten sie?«

»Das wüssten Sie wohl gern.« Ich würde mich ja abwenden und ihn ignorieren, aber ich weiß, dass man einer Bedrohung nie den Rücken zukehren darf. Und obwohl der Mann nur dasteht, betrachte ich ihn als mögliche Gefahr.

Plötzlich scheint er sich doch für die Blumen zu interessieren und zeigt auf die, neben der ich stehe. »Wie heißt die?«

»Digitalis. Landläufig auch Fingerhut genannt.« Ich deute auf das unscheinbare Schild am Boden neben der Pflanze. Der Name steht darauf, was der Mann wohl bemerkt hätte, wenn er nicht so versessen darauf wäre, mich zu mustern. »Isst man irgendeinen Teil davon, wird man schwer krank. Allerdings wird sie in Herzmedikamenten verwendet. Wissen Sie, die Dosis macht das Gift.«

Kurz betrachtet er die Blume, bevor er den Blick wieder auf mich richtet. Wie lange will er noch hier rumstehen und mich anglotzen?

»Auf der anderen Seite des Campus gibt’s ein Labyrinth«, sage ich ihm. »Es ist berühmt. Warum sehen Sie sich nicht die Blumen dort an?«

»Hier ist es interessanter.«

Ich schnaube, weil er recht hat. »Alles ist interessanter als ein Haufen Buchsbäume. Wir sind hier in einem Giftgarten«, stelle ich klar, da er die Schilder anscheinend nicht liest. »Alles hier drin kann einen umbringen.«

»Alles?« Um seine Augenwinkel bilden sich Fältchen, die mich vermuten lassen, dass er unter der Maske lächelt. Sein musternder Blick löst in mir einen wohligen Schauer aus. Mir gefällt die Aufmerksamkeit sehr ... obwohl sie es nicht sollte.

»Ja«, antworte ich ihm. Ich muss ihn nicht überzeugen. Vielleicht probiert er ja von irgendeiner Pflanze und verliert das Bewusstsein, dann hätte ich meine Ruhe. »Sie können mir glauben oder auch nicht. Jedenfalls wäre ich vorsichtig damit, irgendetwas anzufassen. Das zum Beispiel.« Ich deute auf eine Ranke an der Schierlingstanne neben ihm. Seine Hand ruht nur Zentimeter davon entfernt am Stamm. »Das ist Giftefeu.«

Ruckartig zieht er die Hand zurück und bewegt sich einen Schritt vom Baum weg. Das Sonnenlicht bringt sein blondes Haar zum Schillern.

Mein Körper ist zu angespannt, um die Flucht zu ergreifen ... nur könnte ich ihm nicht entkommen. Er würde mich erwischen.

Die Nässe in meinem Schritt mehrt sich, und ich schlucke in der Hoffnung, dass man es mir nicht anmerkt. Meine Bauchmuskeln haben sich gestrafft, und ich spüre, wie mein Herzschlag zwischen meinen Beinen pulsiert.

Warum geilt mich dieser Kerl auf, der mit einer Totenschädelmaske in einem Giftgarten herumschleicht? Eigentlich sollte er mir unheimlich sein. Stattdessen glotze ich ihn wie eine liebestolle Idiotin an und führe mich auf, als wäre er der heißeste Typ, den ich je gesehen habe. Gut, er hat schönes Haar, aber von seinem Gesicht kann ich nur die Hälfte erkennen.

Ich bewege mich näher zu dem Baumstamm, bis ich ihn durch einen Schleier aus giftigen Blättern sehe.

»Das ist ein Unkraut«, sagt er.

»Hier nicht. Es gehört hierher.« Ich strecke die Hand aus und streiche über die rötlichen Blätter. Ihren Glanz verdanken sie einem öligen Harz, das einen grässlichen, juckenden Ausschlag verursacht.

Der Mann lehnt sich von mir weg. »Hast du nicht gesagt, die sind giftig?«

»Ja«, erwidere ich. »Aber ich bin dagegen immun. Als Kind hab ich mich mehrmals praktisch darin gewälzt. Die meisten Menschen reagieren bei wiederholtem Kontakt zunehmend allergischer. Bei mir hingegen ...« Ich zucke mit den Schultern. »Bei mir zeigt der Giftefeu keine Wirkung mehr.« Ich zeige ihm das Öl an meinen Fingern. »Aber berühren Sie mich lieber nicht. Ich bin jetzt auch giftig.« Dazu schenke ich ihm ein fieses, als Warnung gedachtes Lächeln.

Langsam nickt er. Unter Umständen ist er ja belehrbar.

Und damit beschließe ich, ihn zu ignorieren. Er macht keine Anstalten, sich mir zu nähern. Wenn er mich angreifen wollte, hätte er es bereits getan. Vielleicht überlegt er es sich jetzt zweimal, bevor er mich anfasst.

Als ich tiefer in den Garten vorrücke, kann ich fühlen, wie er mich beobachtet. Ich spüre die Anziehungskraft zwischen uns. Eigentlich würde ich mich gern weiter mit ihm unterhalten, aber ich weigere mich, den Grund für meine Anwesenheit zu vernachlässigen. Hekate, hilf mir, stark zu bleiben!

In Gedanken bin ich noch bei meinem Publikum, als ich auf ein Beet mit Tollkirschen stoße, das mich ablenkt. Die Pflanze blüht zwar, allerdings sehen die Blätter ein wenig welk aus. Ich hole meine Wasserflasche mit dem Logo der Universität heraus und gieße sie mit dem Inhalt. Der Boden saugt das Nass gierig auf. Dehydriert, wie von mir vermutet.

Ich widerstehe dem Drang, zu dem Mann aufzuschauen, der mich im Auge behält und sich verhält, als wäre er mir überlegen. Stattdessen kauere ich mich hin und drücke die Finger auf die Erde, um abzuschätzen, wie viel mehr Wasser die Tollkirsche brauchen könnte.