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"Marion Lockert hat in diesem Buch eine Vielzahl von Aufstellern versammelt und präsentiert mit ihnen einen gut sortierten und hervorragend strukturierten 'Werkzeugkasten' für das Setting und die Intentionen der Aufstellungsarbeit – eine Fundgrube an Übungen für die Gruppen- und Einzelarbeit. Verbindlich und doch individuell akzentuiert zeigt sich die erstaunliche Kreativität, Offenheit, Themenvielfalt und Ausstrahlungskraft der Aufstellungsarbeit in ihrer Schulen übergreifenden praktischen Relevanz." Jakob Robert Schneider "Perlen bilden sich in der Natur unter nicht genau geklärten Umständen. Das gilt im Prinzip auch für Aufstellungsperlen. Sie erhalten Sinn und Sinnlichkeit durchs Tun. Also: nichts wie ran!" OrganisationsEntwicklung Von Business über Familie bis Spiritualität: 45 Systemaufsteller:innen mit langjähriger professioneller Erfahrung haben in diese umfangreiche Sammlung ihre besten Aufstellungsformate und Übungen für Systemaufsteller:innen, Coaches, Berater:innen und Trainierende eingebracht. Zusammen bilden sie zugleich den aktuellen Stand der systemischen Aufstellungsarbeit ab. Marion Lockert hat als Herausgeberin sorgsam Formate für die Praxis zusammengestellt: Interventionen für Einzelarbeit und Coaching; Trainingstools für das Erlernen von Achtsamkeit, "leerer Mitte" und der eigenen Haltung; Wahrnehmungsaufgaben sowie gezielte Übungen für Training, Ausbildung und Seminare. Für den schnellen Zugriff auf die jeweils genau passenden Impulse sind die Tools nach Themen gegliedert und nach Suchkriterien geordnet. Zudem enthalten alle Formate genaue Angaben zu ihren Zielen, zur Anzahl der Teilnehmenden, der Dauer und dem Materialbedarf. Empfohlen von der Deutschen Gesellschaft für Systemaufstellungen! Mit Beiträgen von: Kristine Alex • Friedrich Assländer • Jutta Barth • Christopher Bodirsky • Lisa Böhm • Peter Bourquin • Theo Brinek • Annegret Chucholowski • Kurt Fleischner • Marianne Franke-Gricksch • Romy Gerhard • Gerhard Gigler • Heike Gottschalk • Thomas Heucke • Birgit Hickey • Heiko Hinrichs • Barbara Innecken • Peter Klein • Birgit Theresa Koch • Wolfgang Kraus • Eva Kroc • Constanze Lang • Holger und Christiane Lier • Sigrid Limberg-Strohmaier • Bernd Linder-Hofmann • Marion Lockert • Helga Mack-Hamprecht • Jens Magerl • Manuela Mätzener • Wolf Maurer • Sebastian Mauritz • Hans-Peter Milling • Patricia Möckel • Konrad Pinegger • Dhyana Eva und Franz Reuter • Jürgen Rippel • Erika Schäfer • Alexandra Schwendenwein • Anja Siepmann • Miklós Szalachy • Ursula Vorhemus • Klaus-Ingbert Wagner • Line Weber. Die Herausgeberin: Marion Lockert, Studium der Germanistik, Psychologie, Philosophie, Pädagogik, Sozialwissenschaften; Gründerin und Leiterin des Marion Lockert Instituts für Training.Coaching.Entwicklung; Führungskräfte- und Persönlichkeitstrainerin; zert. infosyon Professional für Organisationsaufstellungen; NLP-Lehrtrainerin/Lehrcoach (DVNLP); Lehrtrainerin/Lehrtherapeutin für Systemaufstellungen (DGfS). Schwerpunkte: Emotionale Führungskompetenz und Kommunikation, Kreativität und Intuition, Begleitung von Veränderungsprozessen, Spiritualität.
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Seitenzahl: 354
Veröffentlichungsjahr: 2023
Marion Lockert (Hrsg.)
Tools für systemisch Praktizierende
Mit einem Vorwort von Christopher Bodirsky
Dritte Auflage, 2023
Umschlaggestaltung: Uwe Göbel, Heidelberg
Umschlagabbildung: Jan Vanmeer:
Das Mädchen mit dem Perlenohrgehänge, 1665
Satz: Verlagsservice Hegele, Heiligkreuzsteinach
Printed in Germany
Druck und Bindung: CPI books GmbH, Leck
Dritte Auflage, 2023
ISBN 978-3-8497-0370-7 (Printausgabe)
ISBN 978-3-8497-8122-4 (ePub)
© 2018, 2023 Carl-Auer-Systeme Verlag
und Verlagsbuchhandlung GmbH, Heidelberg
Alle Rechte vorbehalten
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Vorwort von Christopher Bodirsky
Vorwort
Einleitung
Kapitel 1: Einstiege
Einleitung
1 Rollenzuweisung
2 Systemische Gruppenübung
3 Der Laufsteg
4 Die stille Runde
5 Zielübung
6 Raum und Grenzen
7 Das systemische Netz
8 Achtsamkeits-Pingpong
9 Die Heldin und X
Kapitel 2: Haltung
Einleitung
10 Sichtweisen
11 Links-rechts-Fühlen
12 Abschlussritual
13 Körper und Körperwahrnehmung
14 Umfeld als Spiegel meiner Entwicklung
15 Ethik in der Praxis
Anhang: Wozu braucht es die Beschäftigung mit ethischen Richtlinien?
Kapitel 3: Wahrnehmung
Einleitung
16 Blitzlicht: Widerstandsmechanismen gegenüber Lösungen
17 Phänomenologische Wahrnehmung
18 Achtsame Wahrnehmung
19 In die Haut des anderen schlüpfen
20 3 × in Kontakt mit sich und dem Umfeld
21 Klarheit für herausfordernde Situationen in Beziehungen
22 Grenzen setzen
23 Halt und Haltung
24 Verdeckte Traumaaufstellung
25 Wahrnehmungsübung »›Eltern und ich«‹
26 Das heilende Feld – vier Variationen
27 »We will rock you« – Lockerungsübung
28 Gefühle wahrnehmen und benennen
29 Deckel- und Schalengestik
30 Das Stift-Experiment
31 Hinbewegung als Meditation
32 4-Phasen-Ankerintegration
33 Entschleunigung
Kapitel 4: Sprachliches
Einleitung
34 Differenzierung
35 Brabbeln
36 Der wohlgeformte Meta-Stein der Weisen
37 Wunderfrage als Trance im Interview
38 Zurückholen
39 Feedback – sensorisch genau
40 Fokussierte Lösungssätze
Kapitel 5: Genogramm
Einleitung
41 Genogrammerstellung: Leitfaden/Checkliste für die Recherche im Familiensystem
42 Familien- und Lebensgeschichten mit dem Genogramm
43 Genogrammerstellung: Symbolik, Vorgehen
44 Erfühlen des Geno-/Organigramms
45 Vom Glück der vollständigen Geschwisterreihe
46 Kreativer Umgang mit dem phänomenologischen Feld
47 DO*Modell® – Dynamische Ortung von Störungen
Kapitel 6: Einzelaufstellungen
Einleitung
48 Beziehung klären
49 Interventionen testen
50 Farben, Symbole, Wahrnehmungen
51 Stärkung für herausfordernde Situationen
52 Walt-Disney-Strategie
53 Symptome als Wegweiser
54 Metamirror im Konflikt
55 Die vier Säulen der Persönlichkeit (nach Lüscher) oder: Der Weg zum inneren Gleichgewicht
56 Parcours »Vom Wahrnehmen zum Loslassen«
Kapitel 7: Familienaufstellungen
Einleitung
57 Die Kraft der Ahnen
58 Anerkennen der Eltern
59 Beziehungsgeflecht
60 Aufstellungsspiel
61 Aus einer Beziehung Kraft tanken!
62 Ich lasse es bei dir!
63 Im Bannkreis
64 Mit wessen Augen schaue ich auf den Partner?
65 Schattenweg – Aufstellungen mit Kindern
66 Kriegsbabys – Heilung traumatisierter Babys
67 Kreis der Liebe
Kapitel 8: Strukturaufstellungen
Einleitung
68 Vater-Mutter-Kind-Dreieck
69 Der unsichtbare Bühnenhintergrund (SySt®)
70 Die Hand als »Ersatzrepräsentantin« (SySt®)
71 Eins im anderen – Kontextüberlagerungen lösen (SySt®-Miniatur)
72 Mehrdeutige Strukturebenen (SySt®)
73 Semantische Reaktionsdifferenzierungsübung (SySt®)
Kapitel 9: Themenaufstellungen
Einleitung
74 Themenaufstellung
75 Skriptaufstellung
76 Verdeckt
77 Schmerzkörperaufstellung
78 Das hawaiianische Ritual »Ho’oponopono« in der Systemaufstellung
79 Furcht-Lähmungs-Reflex (FLR) und Moro-Schreckreflex
80 Systemische Konfliktintegration
81 Wichtiges Anliegen
82 Bildhafte Ressourcen
83 Dimensionen in Systemen – Kugel-Modell der Inneren Form®
84 Übung zur Einführung in die kollektive Bewusstseinsaufstellung
85 Symptomaufstellung Integral Systemics
86 Ich und …
87 Visionen der Freude
88 Der Hüter der Schwelle
89 Aufstellen der Angsttypen nach Riemann
Kapitel 10: Businessaufstellungen
Einleitung
90 Gruppen und Linien
91 Teamentwicklung
92 Körper, Seele und Geist von Organisationen
93 Systemische Projektkoordinaten
94 Das Lebensrad des Marktes
95 Portfolioaufstellung
96 Generationennachfolge
97 Tops und Flops im Marketing
Kapitel 11: Spirituelle Aufstellungen
Einleitung
98 Verhaltensdimensionen der Inneren Form®
99 Die vier Dimensionen des Menschseins
100 Verschmelzung der Gegensätze
101 Das Leben – Bewegungen des Geistes und neutrales Schauen
102 Die größere Aufgabe im Leben entdecken
103 Die Fünf-Körper-Aufstellung
104 Das Tao
Stichwortverzeichnis
Zuordnung der Übungen und Formate
Zuordnung der Tools nach Autoren
Über die Autoren
Über die Herausgeberin
Als ich die Kapitel für dieses Buch las, diese Fülle an wirklich sehr praktischen Übungen, und die Vielzahl an Autorinnen und Autoren sah, war mein erster Gedanke: Warum gab es diese Idee nicht schon viel früher? Da arbeiten Kolleginnen und Kollegen teilweise seit Jahrzehnten, übernehmen Übungen, entwickeln Formate, erproben sie in der Praxis, verwerfen, was nicht so gut klappt, und behalten, was funktioniert. Wenn ich mir vor Augen führe, wie viel Arbeit und welche Fachkompetenz in dieser Sammlung steckt, wird mir klar, welchen Schatz man da in Händen hält! Und was nicht übersehen werden darf: Alle Übungen sind in der Praxis erprobt, was naturgemäß eine hohe Qualität und Praxistauglichkeit verspricht.
Darüber hinaus stecken in diesem Buch aber auch praktizierte Vernetzung und kollegialer Austausch. Die Schatztruhen wurden geöffnet, damit Kollegen ihre Veranstaltungen lebendiger, abwechslungsreicher und (wie z. B. bei den Übungen zur Haltung) auch anschaulicher und praktischer gestalten können. Ideen, wie sich solch ein Austausch realisieren lässt, wie zum Beispiel auch die Schätze von Kollegen gerettet werden können, wenn diese mit ihrer praktischen Arbeit aufhören, gab es viele – alleine, hier stimmt wirklich der berühmte Satz »Es gibt nichts Gutes, außer man tut es«.
Ich möchte mich ganz herzlich im Namen der Deutschen Gesellschaft für Systemaufstellungen (DGfS e. V.) bei Marion Lockert bedanken für die Idee, die Ausdauer und auch ihre Hartnäckigkeit, mit der sie dieses Projekt realisiert hat. Und natürlich gilt der Dank allen, die ihren Beitrag geleistet haben, die das Projekt unterstützt und ihre Perlen nicht für sich behalten haben, sondern sie in diesem Buch mit einer großen Gemeinschaft teilen.
Christopher Bodirsky
Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft
für Systemaufstellungen e. V.
Nun ist es vollbracht. Sie halten ein Buch in Händen, bei dem 45 Autoren mitgewirkt haben, um 104 Beiträge zum Thema Systemaufstellungen zusammenzutragen. In der Tat aus der Praxis für die Praxis, nämlich Ihre!
Ungefähr zweieinhalb Jahre Arbeit stecken darin – zunächst die Vorüberlegungen zur Struktur, dann die Werbung um Mitarbeit, schließlich das Sammeln und Redigieren der vielen Übungen und Formate.
Entstanden ist die Idee für dieses Kompendium in mir beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Systemaufstellungen DGfS e. V. 2015 in München im Zuge eines Treffens der Aufstellungsausbilder. Wir tauschten Ideen zu Übungen aus, und das erzeugte eine sehr angeregte und fröhliche Stimmung im gesamten Plenum: »Ach, sooo machst du das? Spannend!« Und ich war berührt von so viel Expertise, so viel Lehrkompetenz und Hingabe, von fachlicher und menschlicher Erfahrung, die munter und mit Freude geteilt wurde. Das musste doch Schule machen – am besten mit einer Sammlung der bewährtesten Formate und Übungen, welche schon allein durch die Heterogenität der Aufstellerszene sehr bunt werden würde! Eben eine schmucke Perlenkette, die zu vielen Anlässen getragen werden kann.
So trug ich meine Eingebung Matthias Ohler vor, der dort einen Bücherstand vom Carl-Auer Verlag führte. Und? Wie Sie sehen, konnte ich ihn und den Verlag überzeugen. An dieser Stelle sei Ralf Holtzmann gedankt, der mit seinem Einsatz für das Projekt eine kraftvolle Unterstützung war!
In erster Linie möge das Kompendium Ausbilder, Aufstellungslernende und Aufstellungsleitende, aber auch Coachs, Berater, Seminarleiter, Trainer und Personalentwickler gleichermaßen bereichern. Und natürlich Sie persönlich!
Es gibt in diesem Buch durchaus einige kleine feine Formate, die sich auch mit einem anderen methodischen Hintergrund als dem systemischen gut einsetzen lassen – und natürlich eine Menge anspruchsvoller Beiträge für Aufstellungswissende, bei denen sich sagen ließe: »Don’t try it at home!« – also: ohne profunde Kompetenz bitte bleiben lassen.
Mein Ziel war es, die Qualitätskriterien von Weiterbildungen zur Systemaufstellung vom Fachverband DGfS e. V. abzudecken, damit Lehrtrainer die Beiträge ihren Modulen direkt zuordnen können. Es sollte also ein Werk entstehen, das vielseitig nutzbar ist, das lehren und lernen, experimentieren und wachsen lässt. Dabei denke ich, dass auch die beste Technik nichts bringt, wenn Haltung und Herz fehlen – wie Sie später noch lesen können.
Und praxisorientiert sollte es sein! Nach Kapiteln sortiert, aber auch mit anderen Verzeichnissen versehen, die es leicht ermöglichen, von alltäglichen Situationen im Aufstellungskontext, von einem Workshop, Training oder Coaching ausgehend fix verschiedene nutzbare Vorschläge an der Hand zu haben und damit seine eigene Arbeit zu erweitern.
Bei der Rekrutierung von Autoren war mir Peter Klein, Vorstand des Internationalen Forums für System-Aufstellungen in Organisationen und Arbeitskontexten infosyon e. V., eine unschätzbare Hilfe. Spontan und sehr tatkräftig, wie es seine Art ist, verbreitete er den Ruf nach Autoren und gab dem Projekt einen ungeheuren Schub. Großen Dank ihm – und auch dem Verein für die Infos im Newsletter! Danke auch an Hans-Dieter Dicke von der DGfS e. V., der es mir ermöglichte, mein Projekt auf der Mitgliederkonferenz in Uslar vorzustellen. Und an Max Dauskardt von der International Systemic Constellation Association ISCA für seine mich sehr bestärkende, spontane Begeisterung.
Gedankt sei auch noch einmal allen Autoren dafür, dass sie diese wunderbaren Beiträge verfasst haben. Einen Einblick in die eigene Arbeitsweise zu gewähren und Erfahrung so bereitwillig zu teilen ist keine Selbstverständlichkeit! Und, liebe Kolleginnen und Kollegen, ihr habt geduldig meine Vorschläge bedacht und auch die Tücken der Technik klaglos hingenommen. Ihr habt mich durch eure Kommentare ermutigt und wunderbar unterstützt! Danke! Besonders grüße ich hier noch einmal diejenigen, die sich noch zusätzlich Zeit nahmen, um Einleitungen zu schreiben: Christopher Bodirsky, Peter Bourquin, Heike Gottschalk, Thomas Heucke, Manuela Mätzener und Alexandra Schwendenwein.
Dank gebührt ebenso meinen Mitarbeitern Dorothea Ilse und Alexander von Michael für ihre unermüdliche Unterstützung beim Listenchecken, Korrespondenzführen und -verwalten, beim Austreiben des Fehlerteufels, beim Gegenlesen, Tabellenerstellen und mehr.
Wie immer bei Veröffentlichungen stand auch ich vor der Gender-Frage: Wie wollten wir sprachlich kennzeichnen, dass immer Frauen und Männer gleichermaßen angesprochen sind? Kurz: Der Verlag und ich haben uns hier für das Konventionelle entschieden. Bei der willkürlichen Nennung der weiblichen oder männlichen Form ist jeweils auch das andere Geschlecht mit angesprochen.
Noch schwerer fiel mir die Wahl, ob ich die unterschiedlichen Begriffe für Aufstellungsleitung, Gastgeber, Therapeut, Begleiter, Coach etc. und ebenso Klient, Patient, Kunde oder Teilnehmer vereinheitlichen sollte. Ich habe dann einfach die Begrifflichkeit der Autoren übernommen und auf Ihre Flexibilität als Leserin gesetzt – und hin und wieder munter abgewechselt.
Selten werden Leser ein Kompendium von vorne bis hinten durcharbeiten. Viel wahrscheinlicher ist es, dass ein Seminar oder Training ansteht und Sie etwas Spezielles dafür als Ergänzung finden möchten. Dazu dient einerseits natürlich das Inhaltsverzeichnis. Nun ist es jedoch auch so, dass bestimmte Formate oder Übungen in mehrere Kategorien gepasst hätten. So könnte zum Beispiel das Thema Feedback sowohl in »Sprachliches« als auch in »Haltung« platziert sein. Damit Sie also leicht fündig werden, gibt es am Ende des Buches eine Tabelle, die die Beiträge allen möglichen passenden Kapiteln zurechnet (S. 296 ff.). Des weiteren finden Sie dort ein Stichwortverzeichnis (S. 292 ff.) sowie eine Sortierung der Beiträge nach Autoren (S. 299).
Nun hoffe ich, dass ich viele Wünsche bedacht habe – mein größter ist es, Vielfalt, Leichtigkeit und Tiefe in der Aufstellungsarbeit zu vereinen. Vielleicht ist dieses Buch ein Beitrag dazu.
Marion Lockert
Hannover, im Dezember 2017
Zu Beginn der Entwicklung seiner Methode in den 1980er- und 90er-Jahren hat Bert Hellinger uns eine neue Welt eröffnet, hat uns tiefere Dimensionen menschlicher Verhaltensweisen, Motive und Beziehungen eröffnet, hat mit seiner besonderen Art der Leitung große Bewunderung und auch zuweilen Befremden ausgelöst.
Hellingers Arbeitsweise hat die Aufsteller also über lange Jahre geprägt. So machte man es eben. Und es bedurfte wohl einer »Pubertät« der Aufsteller und ihrer Verbände, um nach und nach den Mut zu finden, sich vom »Vater der Familienaufstellungen« emotional und fachlich zu lösen, neue und eigene Wege zu entwickeln.
Mittlerweile, nach gut 30 Jahren, sind Aufstellungen zu einem im deutschsprachigen Raum, aber auch schon international fast allgemein bekannten Bestandteil therapeutischer Interventionen geworden. Und sogar über Therapeutenkreise hinaus schallt der Ruf dieser Arbeit: Etablierte Magazine wie »Geo Wissen« schreiben darüber – und wenn sogar eine Folge der Krimiserie Tatort »Familienaufstellung« genannt wird, lässt sich mit Fug und Recht sagen: Die Aufstellungen haben es in die Welt geschafft!
Und sie stehen nicht nur, sie gehen auch! Aufstellungen haben in den Gesellschaften, die dafür reif waren, die Grenze zwischen Therapie und Persönlichkeitsentwicklung leichter passierbar gemacht. Menschen, die nie einen Therapeuten aufsuchen würden, lassen sich auf Aufstellungsseminare ein. Und sogar die Arbeitswelt öffnet sich für die Merkwürdigkeiten der Systemaufstellung. (Hier bin ich auch den vielen Unternehmen dankbar, die mit ihren Personalentwicklungsmaßnahmen einen unschätzbaren Bildungsauftrag leisten. Sie führen Menschen an psychologische Themen und damit an sich selbst heran und tragen zu mehr Verständnis in allen Lebensbereichen bei.)
Aber auch die Methode selbst ist »weltlicher« geworden. Es gibt mittlerweile Anleihen aus vielen weiteren Methoden, Fachrichtungen und philosophischen Konzepten. Sie bekam mit der Beschreibung einer »Grammatik der Aufstellungen« eine Form, die sich intellektuell verarbeiten lässt. Aufstellungen sind wissenschaftlich analysiert und evaluiert worden. Und sie haben längst die Grenzen der Therapie gesprengt. Von Organisations- oder Businessaufstellungen bis hin zu spirituellen Aufstellungen hat sich eine riesige Bandbreite entwickelt.
Ohne, dass mir das zu Beginn schon klar war, ist nun mit diesem Buch über die reine Sammlung vieler Perlen hinaus so etwas wie ein Überblick über den Stand der modernen Aufstellungsarbeit entstanden. Die ungeheure Vielfalt der Übungen, Ansätze, Arbeitsweisen und Impulse überraschte und begeistert mich sehr! So verschieden kann Aufstellungsarbeit sein, und jede Form – gleich, ob traditionell, spirituell oder strukturorientiert, sich an klare Abläufe haltend oder frei in Bewegung und Intuition – trägt zu Lösungen bei.
Was jedoch alle Aufsteller zu einen scheint, ist die Überzeugung, wie zentral die innere Haltung der Leitung ist. Zu keinem Kapitel sind mehr Beiträge gekommen als zu Haltung und Wahrnehmung. Warum?
Gerne stelle ich zum Thema der Einflussnahme als Aufstellungleiterin einige meiner Inspirationen zur Diskussion:
Aufstellungen machen etwas im Alltäglichen Ungreifbares sichtbar, hörbar und fühlbar und damit dem menschlichen Bewusstsein zugänglich. Und Aufstellungen tragen zur Ganzwerdung eines Systems bei. Die wirksame und heilsame Kraft dabei ist die Liebe. Liebe hat eine bestimmte physikalische Frequenz und eine bestimmte Schwingung. Sie ist so fein, dass sie, um ein Bild zu benutzen, in die feinsten Zwischenräume dringen kann. Denn die als Symptome und Blockaden erlebten Spannungen sind, physikalisch beschrieben, nichts anderes als energetische Verstrickungen und Knäuel, die den gesunden und freien Fluss behindern. Die für die Aufstellungsverläufe heilende Energie ist im besten Fall in der Lage, lichtvoll und warm diese zusammengeklebten und festgezurrten energetischen Stränge zu lockern.
Dem Aufstellungsleiter kommen dabei wichtige Funktionen zu. Zum Beispiel gibt er den Repräsentanten mit seiner Gegenwart und Kompetenz einen sicheren Rahmen, sodass sich deren Psyche beruhigt und dadurch ihre Schwingungsfähigkeit erhöht. Denn die menschliche Psyche ist so konstruiert, dass sie sich im Schutz eines »Leittieres« besonders gut entspannen kann und bestimmte gruppendynamische Aufgaben loszulassen in der Lage ist, um eine Konzentration auf die mediale Arbeit als Stellvertreter zu gewährleisten.
Eine weitere Funktion der Aufstellungsleiterin besteht darin, dass sie wie eine Art Empfangsverstärker und Antenne für das gesamte energetische System eines Klienten fungiert und wirkt. Das Setzen von Impulsen, um die Schwingungsbewegung punktuell zu erhöhen, kann von der Aufstellungsleiterin, aber auch von Repräsentanten gegeben werden.
Besonders gut wird das durch die eigene Reife und Schwingungsfähigkeit der Leitung ermöglicht. Und mit Schwingungsfähigkeit meine ich auch die Fähigkeit, weniger mit bewussten Überlegungen auf vorhandene, »bewährte« Handlungsstrategien zurückzugreifen, als der Wahrnehmung der Energien im Raum den Vorzug zu geben. Und je mehr »Erlaubnis« sie vom Klienten dazu erhält, desto wirkungsvoller kann sie agieren. Auch das Wirken aus dem Augenblick ist eine Form von Liebe.
Die Eigenliebe des Klienten lässt sich durch die Resonanz mit der Liebe von außen aktivieren und stärken, damit er wieder vermehrt in Schwingung gerät. Letztendlich ist es jedoch nicht die Liebe einer zweiten Person, sondern es ist immer die Liebe des Klienten selbst, die er anreichert, um die Frequenzerhöhung zu vollführen.
Wir Aufstellungsleiterinnen sind also viel wichtiger für das Gelingen der jeweiligen Aufstellung, als wir manchmal meinen! Und gleichzeitig auch wieder viel weniger wichtig dafür. Denn unsere Arbeit wird von vielen energetischen Dynamiken außerhalb unserer Vorstellungskraft liebevoll unterstützt, so bin ich mir sicher.
Ein wichtiges Verdienst jedoch ist das Sichtbarmachen der Vieldimensionalität des Menschseins und der Verbundenheit mit vielen unterschiedlichen Ebenen. Wir Aufstellungsleiter erweitern damit das Verständnis von dem, was Menschsein bedeutet und was heilsames Zusammenwirken durch die Gruppen bedeutet. Und wir machen das, was es bedeutet, als Mensch allein und gleichzeitig verbunden zu sein, auf besondere Art und Weise einem großen Kreis von Menschen sinnlich erfahrbar.
In diesem Sinne wünsche ich diesem Buch, dass es zum leichteren Gelingen all dessen beiträgt.
Marion Lockert
von Marion Lockert
Systemisches kann auch leicht sein! Gut, das zu erfahren, da viele Menschen die Aufstellungsarbeit mit schweren Themen und starken Emotionen verbinden – und sich davor fürchten. Gerade jedoch, wenn es gilt, sich auf noch Unbekanntes einzulassen, sei es eine Methode oder auch eine neue Gruppe, lassen Einstiegsübungen das Eis schneller schmelzen.
Auch der systemische Gedanke, also z. B. die Vorstellung, dass mehr Dinge wirksam sind, als wir zunächst wahrnehmen oder sehen können, oder dass alle Dinge mit allem zusammenhängen und aufeinander wirken (ein fast schon spiritueller Zugang zur Welt), muss bei vielen Menschen erst geweckt und sinnlich erfahren sein, bevor er als tragfähiges Konzept angenommen werden kann.
Interessant ist es, dass viele der hier gesammelten Beiträge auf das Nonverbale setzen. So hilfreich Sprache ist – manchmal jedoch ermöglicht das im Alltag ungewöhnliche Schweigen besondere Erfahrungen, führt es dazu, sich vor allzu schnellen Manifestierungen und Bewertungen schützen zu können. Ein Weilchen länger bei der Wahrnehmung zu bleiben.
Und überhaupt die Wahrnehmung – sie braucht Zeit und eine besondere Form der Aufmerksamkeit. Auch das ist etwas Ungewohntes für viele, und so lohnt es sich, wenn Sie in den vorliegenden Beispielen stöbern und sich für Ihr nächstes Seminar oder Training anregen lassen.
vorgestellt von Friedrich Assländer
Ziele
»Energetische Sauberkeit« und Klarheit in der Aufstellung
Rollenzuweisung
Stichworte
Rollenzuweisung
Entrollen
Material
–
Teilnehmerzahl
alle, die dabei sind
Vorbereitung/Raum
–
Dauer
3 Min.
Jeder Teilnehmer, der als Stellvertreter aufgestellt wird, stellt sich in den Dienst und kommt während der Aufstellung in eine andere Identität. Er wird zum Medium, zum Kanal, durch den nicht nur Informationen, sondern auch u. U. sehr starke Energien fließen.
Dieser Prozess braucht, wie ein Ritual, einen klaren Anfang und einen klaren Schluss. Die Aufstellung beginnt mit dem Rollenauftrag und der inneren Annahme der Rolle. Nachdem der Klient den Stellvertreter auf den Platz geführt und ihm die Hände auf die Schultern gelegt hat, sagt er sehr gesammelt und konzentriert zu ihm: »Du stehst jetzt für …« Es ist hilfreich, wenn der Klient dabei intensiv an die entsprechende Person denkt, ein inneres Bild hat. Das geschieht auch für nachträglich aufgestellte Systemelemente, dies kann dann auch der Leiter tun oder der Klient, je nachdem, wer das Element benennt und aufstellt.
Am Ende der Aufstellung nimmt der Klient wieder die Rolle vom Stellvertreter mit den Worten: »Vielen Dank, ich nehme die Rolle wieder von dir, du bist wieder … (Name).« Dabei streift der Klient mit beiden Händen seitlich vom Körper die Fremdenergien ab.
Beim »Entrollen« (also dem Ablegen der Rolle) kann der Stellvertreter selbst sagen: »Ich bin jetzt wieder (eigener Name)«, um bewusst seine eigene Identität anzunehmen.
Das Entrollen kann unterstützt werden, wenn der Stellvertreter sich abklopfen lässt, vor allem am Rücken, zwischen den Schulterblättern, unter den Armen, evtl. auch an den Beinen und am ganzen Körper. Das mehrmalige Drehen gegen den Uhrzeigersinn oder ein Abschütteln kann ebenso helfen, die Fremdenergien loszuwerden.
Ergänzend kann man alle in der Gruppe bitten, sich bewusst von den Fremdenergien zu lösen und die eigene Identität, die eigenen Energien und den eigenen Körper wieder zu spüren und sich damit zu verbinden.
Den Teilnehmern wird beim ersten Mal – und bei Bedarf auch öfters – erklärt, dass sie in der Aufstellung mit fremden Energien in Verbindung sind. Für die eigene Gesundheit, aber auch für die Ordnung in den Systemen ist es sehr wichtig, sich das zu vergegenwärtigen und eine klare Trennung zu machen, wann sind ich und wir in diesem anderen Energiefeld, und wann ist jeder wieder ganz er selbst.
Die Teilnehmer können das sofort nachvollziehen. Ich berichte dann auch manchmal von zwei Fällen von »schlampigem Entrollen«. In einem Fall haben die Beteiligten (Aufstellung in einer Firma) nach dem Motto »ja, ja, ist schon gut« sich schnell wieder dem Sachthema zugewandt. Ein Stellvertreter, der für einen gesundheitlich beeinträchtigten Kollegen stand, bekam in der Nacht die Krankheitssymptome seines Kollegen. Am nächsten Tag wurde dann das Entrollen nachgeholt.
In einem anderen Fall kam eine Stellvertreterin über mehrere Wochen immer wieder in Flashbacks mit den Angstzuständen aus der Rolle. Auch hier war das bewusste Entrollen die Lösung, einschließlich des Rates, sich abklopfen zu lassen, sich mit Salz zu reinigen und anschließend bewusst mit Wasser (Dusche) alles Fremde abzuwaschen.
vorgestellt von Christopher Bodirsky
Ziele
Auflockerung
Darstellung systemischer Zusammenhänge in Teams erfahren
Stichworte
Auflockerung
Einführung System
Warming-up
Material
–
Teilnehmerzahl
eignet sich ab Gruppen von 10 Personen bis hin zu Großgruppen.
Vorbereitung/Raum
Übung für drinnen oder draußen, Platz für Bewegung
Dauer
10–20 Min. (inkl. nachfolgender Erklärung)
Mit dieser einfachen Übung (die zudem viel Spaß macht) können systemische Zusammenhänge dargestellt sowie eine grundlegende Mechanik in Teams demonstriert werden. Idealer Einsatzzeitpunkt: nach der Mittagspause im Kampf gegen das Kartoffelkoma.
Die Teilnehmer werden gebeten, sich im Raum zu verteilen und herumzuspazieren. Währenddessen werden die Regeln für den ersten Schritt erläutert:
Jeder sucht sich heimlich (!) einen Mitspieler als »Tiger« aus.
Jeder sucht sich zusätzlich heimlich einen weiteren Mitspieler als »Pferd« aus.
Wenn jemand die Wahl bemerkt hat – jemand anderen wählen.
Wenn die Wahl getroffen wurde, erfolgt die Erklärung des zweiten Teils dieser Übung:
»Ich bitte jetzt alle Personen, stehen zu bleiben.«
Wenn alle stehen:
»Das Pferd kann dich vor dem Tiger schützen – daher versuche, dich nun so zu positionieren, dass dein Pferd immer zwischen dir und deinem Tiger steht.«
Typisches Ergebnis nach kurzer Zeit: Viele Teilnehmer »kleben an der Wand«.
Wie vorher gehen die Teilnehmer beliebig im Raum spazieren. Jetzt werden die Regeln für den zweiten Durchlauf erläutert:
Jeder sucht sich heimlich (!) einen (evtl. neuen) Mitspieler als »Tiger« aus.
Jeder sucht sich zusätzlich heimlich einen weiteren Mitspieler als »Huhn« aus.
Wenn jemand die Wahl bemerkt hat – jemand anderen wählen.
Wenn die Wahl getroffen wurde, erfolgt die Erklärung des zweiten Teils dieser Übung:
»Ich bitte jetzt alle Personen, stehen zu bleiben.«
Wenn alle stehen:
»Der Tiger kann das Huhn fressen – du kannst das Huhn schützen. Daher versuche, dich nun so zu positionieren, dass du zwischen deinem Tiger und deinem Huhn stehst …«
Typisches Ergebnis: ein großer Menschenhaufen in der Raummitte.
Wenn jeder in einem Team versucht, nur sich zu schützen, zerfällt das Team.
Wenn jeder auch nur einen im Team versucht zu schützen, schweißt das das Team zusammen.
Meine Ideen und Sichtweisen beeinflussen andere Menschen.
Da ich selbst nicht wusste, für wen ich welche Position innehatte: Andere Personen beeinflussen mich, ohne dass mir das bewusst ist.
(Quelle: Hélène Dellucci, SySt-Institut München)
vorgestellt von Peter Bourquin
Ziele
Wahrnehmung der nonverbalen Kommunikation
Unterschied zwischen Wahrnehmung und Deutung üben
Stichworte
Wahrnehmung
Körpersprache
Neutralität
Material
–
Teilnehmerzahl
ab 6
Vorbereitung/Raum
größerer Raum für Distanzen
Dauer
je nach Teilnehmerzahl, bei 15 Teilnehmern ca. 45 Min.
Dies ist eine Übung der gesamten Gruppe im Stehen. Im Raum wird ein Laufsteg definiert (ähnlich einer Modeshow). Die Teilnehmer stehen alle im Kreis und rücken während der Übung allmählich auf. Einer nach dem anderen – jeweils mit einer kleinen Pause – geht vom einen Ende des Raumes zum anderen. Dort dreht er sich um und geht wieder zurück. Die anderen beobachten aufmerksam seinen Gang, seine Haltung, Spannung, Elastizität, seinen Schwerpunkt, sowie den Eindruck, den die Person auf einen macht.
Ein allgemeiner Applaus beendet die Runde.
Austauschrunde, in der man die Eindrücke der Übung miteinander teilt und der Aufstellungsleiter sie gegebenenfalls kommentiert, vor allem auch, um auf die Unterschiede zwischen beschreibender Wahrnehmung und persönlicher Interpretation des Gesehenen hinzuweisen.
Wichtig ist hier, auf die Wortwahl zu achten und korrigierend zu wirken. Sagt z. B. ein Teilnehmer: »Der K ist geschlendert«, sollte von der Interpretation auf eine neutrale Beschreibung zurückgegangen werden wie: »Der K ist in kleinen Bögen gegangen und hatte eine geringe Spannung im Rücken, die Schultern waren nach hinten gezogen und beide Arme schwangen hin und her.«
Dient diese Übung zur Schulung der körperlichen Wahrnehmung, ist sie zugleich doch auch auflockernd und erzeugt oftmals eine heitere Stimmung in der Gruppe. Gut geeignet nach längerem Sitzen.
vorgestellt von Peter Bourquin
Ziele
Wahrnehmungsschärfung der nonverbalen Kommunikation
Stichworte
nonverbale Wahrnehmung
Material
–
Teilnehmerzahl
Gruppenübung
Vorbereitung/Raum
–
Dauer
bei 15 Teilnehmer ca. 60 Min.
Der Leiter kündigt eine Austauschrunde an, wie sie häufig zu Beginn eines Ausbildungstreffens geschieht, doch mit neuen Regeln:
Es wird während der Dauer der gesamten Antwortrunde kein Wort gesprochen.
Man muss von seinem Stuhl aufstehen, um sich auszudrücken.
Die Runde ist erst zu Ende, wenn jeder Teilnehmer sich ausgedrückt hat.
Wie geht es dir?
Was ist das Wesentliche, was in letzter Zeit in deinem Leben geschieht?
Wichtig: Um zu vermeiden, dass der erste Teilnehmende das Modell für die Weiteren abgibt, wird vom Leiter ausdrücklich vor Beginn darauf hingewiesen, dass jeder seine ganz eigene Art hat, sich mitzuteilen. Der Gruppenleiter ist der Erste, der nach der Runde das Wort ergreift und dadurch die Übung beendet. Eine abschließende Auswertung findet nicht statt.
Mich beeindruckt immer wieder die intensive stille Atmosphäre und die Tiefe und Reichhaltigkeit der Austauschrunde, sowie die Kreativität der einzelnen Teilnehmer, einen nichtverbalen Ausdruck ihres momentanen Seinszustandes zu finden.
vorgestellt von Kurt Fleischner
Ziele
Fokussierung auf Körperwahrnehmung
Fokussierung auf strukturelle Gegebenheiten statt auf Inhalte
Aufstellungsvorbereitung
Anregung zu Suchprozessen in Bezug auf ein bestimmtes Thema
Generieren von Hypothesen über strukturelle Aspekte des Umgangs mit spezifischen Themen und ggf. über Blockaden oder Aspekte, die Lösungen bisher vielleicht behindert haben
Stichworte
Warming-up
Einführung in Aufstellungsarbeit
Einzelaufstellung
Material
–
Teilnehmerzahl
ab 4
Vorbereitung/Raum
Je nach Größe der Gruppe. Es können mehrere Teilnehmer gleichzeitig in einem Raum arbeiten, optimal ist es, wenn mehrere Räume zur Verfügung stehen. Diese Übung ist auch in der freien Natur möglich.
Dauer
Demonstration plus Anleitung 5 Min. Übung pro Person ca. 5–10 Min. Rückmeldung je Gruppengröße weitere 2–3 Min. pro Teilnehmer
Sinn der Übung ist es, eine »Projektionsfläche« zu bieten, auf der wir beobachten können, wie wir zuweilen mit bestimmten Themen umgehen. In Aus- und Weiterbildungsgruppen ist es zudem eine Möglichkeit zu demonstrieren, in welcher Unmittelbarkeit unser Körper bestimmte Themen, Gegebenheiten und Dynamiken ausdrückt.
Es geht hier um eine schrittweise Annäherung an ein Ziel. Zu Beginn wird die Übung demonstriert, indem einer der Teilnehmer oder ein Co-Trainer die Übung zeigt, während der Gruppenleiter die Übungsanleitung vorträgt.
»Findet euch zu zweit zusammen. Trefft bitte eine Vereinbarung darüber, wer mit der Übung beginnt.
Die beginnende Person wählt einen Gegenstand als Symbol für ihr Ziel. Das Ziel kann, muss aber nicht benannt werden.
Lege das Ziel spontan – ohne viel nachzudenken – in einer für dich stimmigen Distanz von dir entfernt auf den Boden. Wie weit ist dein Ziel nun von dir entfernt?
Jetzt spüre bitte hinein in deinem Körper:
Wie ist es für dich, hier an diesem Platz zu stehen und auf das Ziel zu blicken?
Wie erlebst du den Weg dorthin?
Gibt es Hindernisse?
Hast du den Impuls, diese Hindernisse zu übersteigen oder zu umgehen?
Wie reagiert dein Körper auf die Idee, dich auf dein Ziel zuzubewegen?
Wie reagiert deine Atmung? Dein Herzschlag?
Wenn du also bereit bist, mach zuerst einen und dann weitere Schritte auf dein Ziel zu. Du kannst mehrere Möglichkeiten ausprobieren, um dein Ziel zu erreichen. Achte dabei auf deinen Körper.
Gehe nun weiter, bis du bei deinem Ziel angekommen bist. Nimm wahr:
Wie fühlt es sich an, am Ziel zu sein?
Was sagt dein Körper?
Wie ist deine Haltung? Deine Atmung?
Du kannst die Wahrnehmung noch vertiefen, indem du das Ziel zu deinem Herzen nimmst und hin atmest. Wie ist es, ganz am Ziel zu sein? Ist es angenehm, erleichternd, befreiend?
Wenn du mit der Übung fertig bist, setze dich deiner Übungspartnerin gegenüber und erzähle ihr, was du am Weg erlebt hast. Du musst nicht sagen, was dein Ziel war.
Du als Übungspartner hörst einfach wertschätzend zu, ohne etwas zu erwidern. Danach erzählt der Übungspartner, was er aus der Außenperspektive in Beobachtung deines Körpers wahrgenommen hat. Das können Rückmeldungen sein wie: ›Ich hatte den Eindruck, es hat dich hingezogen‹ oder ›Ich hatte den Eindruck, du hast Angst vor dem Ziel‹ oder ›Du hast am Anfang nur ganz kleine Schritte gemacht, und ab der Hälfte des Weges hat sich dein Tempo verändert‹ oder ›Der Ausdruck deines Gesichts‹ usw. Die Person, die die Übung gemacht hat, hört einfach zu, ohne etwas zu erwidern.
Danach wird getauscht, die Zuschauerin wird zur Übenden, der Übende zum Zuschauer. Dann folgt wieder der Austausch über das Erlebte. Nach etwa zwanzig Minuten treffen wir uns wieder im Gruppenraum, um einander über unsere Erfahrungen zu berichten.«
Diese Übung eignet sich für die Anwendung im Einzelsetting und kann so zu einem leicht anwendbaren Tool im Rahmen von Therapie und Beratung werden. Sie ermöglicht es manchmal sehr schnell, implizite Prozessaspekte – wie Hindernisse, wie nichtkonstruktive Haltungen, Selbstüberforderung, Ängste, implizite, also verdeckt oder verschobene Ziele und Loyalitäten – ins Bild zu bringen. Oft behindern derartige Aspekte den Prozess ganz entscheidend, und mitunter sind weitere Schritte erst möglich, wenn diese Themen identifiziert und geklärt sind.
Im Rahmen von Rundenarbeit:
»Hast du während dieser Arbeit neue Informationen gewonnen?
Wie hast du den Weg erlebt? Was ist dir im Bezug auf deine Körperwahrnehmung aufgefallen?
Hast du dein Ziel erreicht und wie hat sich die Erreichung des Ziels auf deinen Körper und deine Befindlichkeit ausgewirkt?«
Es ist in der Auswertung mitunter wichtig zu betonen, dass es bei dieser Übung kein »richtig« oder »falsch« gibt.
Man sollte diese Übung nicht unterschätzen! Je nach Anliegen und persönlicher Struktur der Übenden kommt es sogar bei dieser einfachen Übung mitunter zu starken emotionalen Reaktionen.
vorgestellt von Heiko Hinrichs
Ziele
Erfahrung, dass Raum und Grenzen miteinander verbunden sind und sich gegenseitig ermöglichen
energetische Aktivierung
Zustandswechsel
Stichworte
Körper-Sinneserfahrung
Teilnehmeraktivierung
Material
–
Teilnehmerzahl
beliebig
Vorbereitung/Raum
Übung für drinnen und draußen
Dauer
ca. 20–30 Min.
Die Teilnehmer werden gebeten, sich frei zu bewegen und sich dann einen Stehplatz zu suchen. Der Aufstellungsleiter demonstriert verschiedene Übungseinheiten und fordert dann die Teilnehmer auf, diese Einheiten selbst durchzuführen:
»Strecke deine Hände nach vorne und zur Seite aus, um eigene Grenzen zu verdeutlichen.
Setze deine Füße fest auf den Boden und stampfe auf. (Hier wird, neben der Grenzziehung, auch der eigene Standpunkt verdeutlicht.)
Strecke deine Hände zur Seite aus und hebe sie nach oben über den Kopf. Vergrößere dadurch das Gefühl von persönlichem Raum um dich herum und damit ebenso das Gefühl von Freiheit und Sicherheit.«
Diese Übung kann auch zu zweit als Paarübung durchgeführt werden, sowohl parallel als auch nacheinander.
Nach diesen Übungen ist ein gemeinsamer Austausch über die gemachten Erfahrungen vorgesehen; bei der Variante zusätzlich die Auswertung zu zweit.
Die Teilnehmer haben die Möglichkeit, eine anregende (neue) Erfahrung von Raumbewusstsein und Grenzziehung zu machen. Dies ist gerade nach Erfahrungen von Hilflosigkeit, Ohnmacht und Überwältigung sinnvoll.
vorgestellt von Marion Lockert
Ziele
Verdeutlichen, was systemische Vernetzung und systemische Bewegung bedeuten
Stichworte
Einführung
Warming-up
Auflockerung
Material
–
Teilnehmerzahl
ab 5
Vorbereitung/Raum
Übung für drinnen oder draußen, Platz für Bewegung
Dauer
je nach Teilnehmerzahl 7–17 Min.
Die Teilnehmer werden gebeten, sich im Raum einen Stehplatz zu suchen und sich in einem gleichseitigen Dreieck zu formieren.
»Bitte wähle dir heimlich zwei Spielpartner. Nun setzt euch schweigend in Bewegung und versucht, mit den anderen beiden ein gleichseitiges Dreieck zu bilden. Bitte gib keine Zeichen.«
Sobald sich also einer der drei bewegt, müssen sich automatisch auch die anderen bewegen. Die Übung endet, wenn das System zur Ruhe gekommen ist.
Eingriffe ins System: Ein Teilnehmer (z. B. als Repräsentant einer Abteilung) wird gebeten, aus dem Spielfeld zu gehen (allein oder auch mit »seinen« beiden Bezugspersonen). Was passiert nun? Wie sortiert sich was neu? Welche Emotionen kommen ins Spiel?
Natürlich kann nach Eindrücken und Empfindungen gefragt werden. Eine explizite Auswertung dieser Übung zum Warming-up ist weniger passend, es sei denn, das »Systemische Netz« wird innerhalb eines Prozesses z. B. im Businessbereich eingesetzt.
Spannender noch sind weiterführende Fragen an die Teilnehmer, wie sie nun den Begriff »System« erklären und welche Kriterien »Systemisches« ausmachen. Antworten wären z. B.:
Alle Teile des Systems sind mit allen anderen direkt oder indirekt verbunden.
Wenn Bewegung sichtbar wird, ist nicht gesagt, dass dort auch der Ursprung liegt (ebenso wie bei einem Mobile).
Die Heftigkeit der Bewegung sagt nichts über die Dynamik des Anstoßes aus.
Es ist nicht gesagt, dass Bewegungen lediglich auf einen einzigen Impuls zurückzuführen sind.
Es gibt Momente, in denen das System zur Ruhe kommt, jedoch der kleinste Außenimpuls führt wieder zu Veränderung.
Die Teilnehmer sind meist erstaunt darüber, dass es immer eine Lösung gibt – gleich, wie viele Teilnehmer im Spiel sind. (Das wird häufig nachgefragt.) Die Übung kursiert auch unter dem Titel »Das magische Dreieck«.
vorgestellt von Jens Magerl
Ziele
Teilnehmer aus einer Rolle herausholen und in die Gegenwart zurückführen
Hilfe beim Umgang mit starken Emotionen
Zentrierung
Stichworte
Einzelarbeit
Arbeit mit Gruppen
schnelle »Notfallmedizin«
Material
–
Teilnehmerzahl
1 bis beliebig
Vorbereitung/Raum
Übung für drinnen oder draußen
Dauer
einige Sek. bis einige Min.
Immer wieder werden wir in Aufstellungen mit starken Emotionen konfrontiert. Dabei kann es passieren, dass Teilnehmer aus ihrer Mitte »rutschen«. Um wieder zu sich zurückzukommen, kann es hilfreich sein, sich körperlich mit dem Hier und Jetzt zu verbinden. Die Übung eignet sich gut dafür, Teilnehmer nach der Aufstellung aus ihrer Rolle zu holen. Nach starken Prozessen ist es sinnvoll, diese Übung mit der gesamten Gruppe zu machen.
Die Teilnehmer werden gebeten, sich hinzustellen.
»Du richtest deine Aufmerksamkeit auf deinen Körper, auf den direkten Kontakt zum Boden. Dabei landet dein Fokus fast automatisch bei den Füßen, dem untersten Teil deines Körpers. Für einige Augenblicke lässt du die Füße ganz empfindsam und sensibel werden – wie zwei hochempfindliche Sensoren.«
»Dann schießt du deine Aufmerksamkeit nach oben in den Scheitelpunkt deines Kopfes, zum obersten Teil des Körpers – zack! Hier bleibst du für einige Augenblicke mit deiner Achtsamkeit.
Und dann bist du wieder bei den Füßen: zack! Ping-Pong. Füße-Scheitel-Füße-Scheitel.
Das Ganze wird so oft wiederholt, wie es nötig und angenehm ist.
Wenigstens 10 Intervalle scheinen mir für den Anfang angebracht.
Der Wechsel zwischen den beiden Punkten der Aufmerksamkeit ist kein allmählicher Prozess, sondern vollzieht sich blitzartig. Man stelle sich einen Schmetterball beim Tischtennis vor. Im Unterschied zum Tischtennis verweilen wir allerdings einige Atemzüge an den Punkten der Aufmerksamkeit.«
1)
Körperhaltung: Die Übung kann wahlweise auch im Sitzen durchgeführt werden. Auch hier wechselt die Aufmerksamkeit zwischen Füßen und Scheitel.
2)
Tempo: Wer etwas Erfahrung mit dieser Übung gesammelt hat, kann das Tempo erhöhen. So kann es innerhalb weniger Sekunden gelingen, sich wieder zu zentrieren.
Emotionen locken uns häufig von uns selber weg, oft führen sie uns in die Vergangenheit. Manchmal lotsen sie uns in gefährliche Gefilde. Wo finden wir Schutz?
Der sicherste Platz, den wir finden können, ist das Hier und Jetzt. Wenn wir gut im Hier und Jetzt verankert sind, kann uns selbst die stärkste Emotion nicht erschüttern.
Diese Übung kann auch für die Leiter von Aufstellungen, die im »Tosen des Geschehens« stehen, wertvoll sein. Sie hilft, sich im »Sein« zu verankern.
vorgestellt von Jens Magerl
Ziele
Schritte ins Unbekannte
Arbeit an Ängsten und Widerständen
Wahrnehmen ohne automatisches Handeln
Grenzen überschreiten
Stichworte
Partnerübung
phänomenologisches Wahrnehmen
Wandelbarkeit von Emotionen
Einführung in Prozessarbeit
Material
–
Teilnehmerzahl
2–200 (eine beliebige gerade Zahl)
Vorbereitung/Raum
Übung für drinnen oder draußen
Dauer
erster Durchgang: 5 Min. zweiter Durchgang: 5 Min. Auswertung: 10 Min.
Ich selbst bin der Held/die Heldin dieser Übung, denn ich gehe mutig auf etwas Unbekanntes zu. Der Held lässt sich auf eine unbekannte Erfahrung ein. Dieses Unbekannte nennen wir X. Der Übungsleiter definiert am Anfang, wofür X in dieser konkreten Übung steht, z. B. für »Liebe«, für »was mir Angst macht«, für »Wut«, für »Erfolg«. X kann für viele Themen stehen. Sinnvoll ist ein gewisser Grad an Abstraktion. X repräsentiert keine konkrete Person, sondern ein Thema.
Die Teilnehmer suchen sich einen Partner und stellen sich paarweise gegenüber auf. Zwischen den Partnern sollte etwa 3 Meter Platz sein. Die Übung hat zwei Durchgänge. Beide einigen sich, wer zuerst in welcher Rolle steht (in der nächsten Runde wird getauscht). Der Held repräsentiert sich selbst, X assistiert ihm in seinem Prozess.
Der Übungsleiter benennt das Thema, mit dem die Helden jetzt eine persönliche Erfahrung machen werden. Er sagt z. B.: »X ist die Liebe. Ihr habt jetzt die Chance, der Liebe zu begegnen.«
Der Held geht auf X zu und bringt ihn, wie bei Aufstellungen üblich, in die Rolle. Dann geht er zum Ausgangspunkt zurück. Von nun an halten beide ununterbrochen Kontakt über die Augen. X bewegt sich nicht. Der Held geht in Zeitlupentempo auf X zu und beobachtet, wie sich Körperempfindungen und Emotionen verändern. Es gilt, Erfahrungen zu machen, mehr nicht. Keine Ziele, keine Bewertungen.
Der Held wird auf unsichtbare Grenzen stoßen. Die Anweisung lautet: »Nimm die Grenze wahr, mach einen Schritt, mach eine Erfahrung.« Der Kern dieser Übung besteht darin, Grenzen auszudehnen, in Bereiche zu gelangen, die man noch nicht kennt.
Nachdem der Held viele neue Erfahrungen gemacht hat, sucht er sich einen Platz in komfortabler Entfernung zu X.
Nach 5 Minuten wird die Übung beendet.
Es gibt eine kurze Pause, dann beginnt der zweite Durchgang mit umgekehrten Rollen. Danach setzen sich die beiden für 10 Minuten zusammen und berichten von ihren Erfahrungen.
Die meisten Teilnehmer sind sehr erstaunt, wie sich die Emotionen verändern, wenn sie eine Grenze überschritten haben. Den Zusammenhang zwischen Raum und Emotion zu erleben ist für viele eine spannende Erfahrung.
von Marion Lockert
Die innere Haltung der Aufstellungsleitung ist Basis der gesamten Arbeit. Sie ist so elementar, dass es Autoren gab, die keinen Beitrag zu diesem Buch leisten wollten aus der Befürchtung heraus, lediglich »Formate aufzuschreiben«, also Übungen und Vorgehensweisen zu skizzieren, könnte der Wichtigkeit dieses Faktors und damit dem Geist der Aufstellungsarbeit nicht gerecht werden. (Ich meine, es ist trotzdem gelungen – und umso schöner, dass es hier viele Übungen zu diesem Thema gibt.)
Zur Haltung zähle ich zum einen die Ethik der therapeutischen (Aufstellungs-) Arbeit. Diesem Bereich widmet sich ausführlich der letzte Beitrag dieses Kapitels. Ergänzend zu diesem Artikel möchte ich auf das »Forum Werteorientierung in der Weiterbildung FWO e. V.« hinweisen, eine Institution, die sich seit vielen Jahren für klientengerechte und untendenziöse Arbeit in Therapie und Lehre einsetzt.
Haltung ist zum Zweiten auch der Umgang mit den eigenen, inneren Befindlichkeiten und »Konstellationen« als Leitung. Die geistige und psychische Verfasstheit der Aufstellungsleitung prägt nämlich maßgeblich Verlauf und Ausgang einer Aufstellung. Grundüberzeugungen und Mindset sind rahmengebend für das, was sich in Aufstellungen zeigen kann und wird.
Auf psychischer Ebene strahlen wir als Gegenüber schon in der ersten Phase der Kontaktaufnahme und des Interviews durch innere Bilder und persönliche Erfahrungen Wertungen aus. Die Auswahl der Fragen, die wir stellen oder nicht stellen, gibt Richtungen vor. Dazu gehört die Haltung gegenüber der eigenen Herkunft, zu den eigenen Eltern, zu Männern und Frauen. Nur wenn ich als Aufsteller einen positiven oder, besser gesagt, möglichst unverstrickten Zugang zu all diesen Bezügen habe, kann ich meinen Klienten (und vor allem deren System) vorbehaltlos zur Verfügung stehen.
Ebenso zählt das Thema Schuld und Ausgrenzung. Die Unterscheidung zwischen weltlicher Schuld – also der Verantwortlichkeit bezüglich der eigenen Handlungen und deren Konsequenzen – einerseits und andererseits dem Wert eines Menschen an sich, vielleicht sogar die Vorstellung, dass auf spiritueller Ebene Schuld nicht existiert, ist sehr anspruchsvoll. Täter ebenso wie Geschädigte »ins Herz nehmen« zu können ist ein innerer Vollzug, der maßgeblich zum Gelingen einer systemischen Arbeit beiträgt. Deswegen ist es notwendig, sich bewusst immer wieder einem Zustand von »alles, was ist, darf und soll sein« und »jeder gehört gleichwertig dazu« zu öffnen. (Und vielleicht kann eine solche heilsame Haltung auch für Seminarteilnehmer ein wenig als Modell wirken.)
Sogar die körperliche Verfassung und die Art, wie wir mit unserer Kraft und unseren physischen und psychischen Bedürfnissen umgehen, sind relevant. Die Leitung, so meine Überzeugung, dient nämlich als energetischer Kanal und »Verstärker«, der das Feld und seine Informationen leichter zugänglich und für die Stellvertreter deutlicher spürbar macht. Deswegen halte ich es sozusagen für die »erste Bürgerpflicht« eines Therapeuten oder Coachs, gut für sich selbst zu sorgen! Denn nur in einer guten Verfassung kann ich dem Anliegen und Prozess des Klienten bestmöglich dienen und kann aus der Fülle geben – und nicht aus der Bedürftigkeit.
So tun Lernende und Praktizierende dieser besonderen Arbeit gut daran, sich ihre Glaubenssätze und Weltbilder bewusst zu machen und zu üben, immer wieder in einen Zustand zu gehen, den Bert Hellinger »Absichtslosigkeit« und »leere Mitte« genannt hat und der sich in vielen spirituellen Lehren wiederfindet. Und sich aus dieser leeren Mitte führend und geführtwerdend den Strömungen des Feldes zu überlassen. Das fachliche Handwerkszeug wird dann umso leichter formgebend seine Wirkung tun können.
