Perry Rhodan 1005: Todesfahrt nach Felloy - Kurt Mahr - E-Book

Perry Rhodan 1005: Todesfahrt nach Felloy E-Book

Kurt Mahr

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Beschreibung

Überlebenschance null - drei Betschiden auf dem Flug ins Ungewisse Mehr als 400 Jahre sind seit dem Tage vergangen, da Perry Rhodan mit der BASIS von einem der schicksalsschwersten Unternehmen in den Weiten des Alls in die Heimatgalaxis zurückkehrte und auf der Erde landete. Durch seine Kontakte mit Beauftragten der Kosmokraten und mit ES, der Superintelligenz, hat der Terraner inzwischen tiefe Einblicke in die kosmische Bestimmung der Menschheit gewonnen und in die Dinge, die auf höherer Ebene, also auf der Ebene der Superintelligenzen, vor sich gehen. In folgerichtiger Anwendung seiner erworbenen Erkenntnisse gründete Perry Rhodan dann Anfang des Jahres 3588 eine mächtige Organisation, deren Einfluss sich weit in das bekannte Universum erstreckt und die mehr ist als eine reine Handelsorganisation. Diese Organisation ist die Kosmische Hanse! Doch später mehr zu diesem Thema! Gegenwärtig beschäftigen wir uns mit den drei Betschiden, den primitiven Jägern einer Dschungelwelt, die sich überraschend schnell in die hochtechnisierte Umwelt hineingefunden haben, wie sie auf den Raumschiffen und Stützpunkten des Herzogtums Krandhor zu finden ist. Doch was die drei Betschiden nun erleben, bringt sie in höchste Gefahr, denn es beginnt die TODESFAHRT NACH FELLOY ...

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Seitenzahl: 131

Veröffentlichungsjahr: 2012

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Nr. 1005

Todesfahrt nach Felloy

Überlebenschance null – drei Betschiden auf dem Flug ins Ungewisse

von KURT MAHR

Mehr als 400 Jahre sind seit dem Tage vergangen, da Perry Rhodan mit der BASIS von einem der schicksalsschwersten Unternehmen in den Weiten des Alls in die Heimatgalaxis zurückkehrte und auf der Erde landete.

Durch seine Kontakte mit Beauftragten der Kosmokraten und mit ES, der Superintelligenz, hat der Terraner inzwischen tiefe Einblicke in die kosmische Bestimmung der Menschheit gewonnen und in die Dinge, die auf höherer Ebene, also auf der Ebene der Superintelligenzen, vor sich gehen.

In folgerichtiger Anwendung seiner erworbenen Erkenntnisse gründete Perry Rhodan dann Anfang des Jahres 3588 eine mächtige Organisation, deren Einfluss sich weit in das bekannte Universum erstreckt und die mehr ist als eine reine Handelsorganisation. Diese Organisation ist die Kosmische Hanse!

Doch später mehr zu diesem Thema! Gegenwärtig beschäftigen wir uns mit den drei Betschiden, den primitiven Jägern einer Dschungelwelt, die sich überraschend schnell in die hochtechnisierte Umwelt hineingefunden haben, wie sie auf den Raumschiffen und Stützpunkten des Herzogtums Krandhor zu finden ist.

Die Hauptpersonen des Romans

Surfo Mallagan, Brether Faddon und Scoutie – Drei Betschiden in der Gefangenschaft der Aychartaner.

Kullmytzer – 1. Kommandant der SANTONMAR.

Dabonudzer – 2. Kommandant der SANTONMAR.

3-Marli

1.

Vielfarbige, huschende Lichter zeichneten ihre Reflexe auf das Gesicht des Mannes. Seine Augen blickten verwirrt. Hin und her wanderten sie in ihrem Bemühen, dem Gehirn ein Bild zu vermitteln, das der Verstand begreifen konnte. Eine glasartige Verdickung der Haut saß auf der hohen Stirn des Mannes und sandte einen unbehaarten Ausläufer quer über den Schädel. Das sah so aus, als hätte sich der Mann einen schiefen Scheitel durch das kurzgeschnittene, dunkle Haar gezogen.

Surfo Mallagan, Raumrekrut der Flotte der Herzöge von Krandhor, hatte nicht mehr als eine unklare Vorstellung davon, wo er sich befand. Wie lange war es her, seit er sich mit den Gefährten dem geheimnisvollen Felsklotz genähert hatte, der ihnen die Siebte Stufe des Verstehens versprach? Wie viel Stunden waren vergangen, seit Scharen aychartanischer Piraten sie angegriffen, überwältigt und abgeschleppt hatten? Surfo erinnerte sich dumpf an ein Gewirr von Gängen, Kanälen und Röhren, durch das er scheinbar schwerelos geschwebt war. Wie von Geisterhand war ihm alles abgenommen worden, was er an technischem Gerät bei sich trug: der Strahler zuerst, dann die Kommunikationsgeräte. Er hatte Scoutie und Brether Faddon aus den Augen verloren. Finsternis hatte ihn umgeben, bis er in diesem Raum materialisierte.

Die unablässig huschenden Lichter erzeugten nicht mehr als ein Halbdunkel, dessen Unstetigkeit das Auge verwirrte. Surfo brauchte mehrere Minuten, um festzustellen, dass ein Großteil der Lichtimpulse weiter nichts als Reflexe waren, Spiegelungen von glitzernden Metall- und schimmernden Glasflächen. Der Raum hatte die Form einer hohen, spitzen Kuppel. Der Boden war die einzig ebene Fläche, alles andere war gekrümmt, gewölbt und gebuckelt. Es gab keine gerade Linie in dieser Kuppel, keine einzige Kante. Alles war rund.

Metallene Bänder, kaum einen Meter breit, liefen in verschiedenen Graden der Steigung an den Wänden entlang. Surfo begriff, dass sie Gehwege waren, die den Zugang zu den Geräten erlaubten, die überall entlang der Wände installiert waren. Er sah huschende Gestalten, hörte Hunderte fremdartige Geräusche. Er wusste, dass er sich im Innern eines aychartanischen Raumschiffs befand; aber mehr wusste er nicht.

Seine Aufmerksamkeit richtete sich auf eines der Wesen, das etliche Meter über ihm in einer schüsselförmigen Vertiefung hockte, die aus einem der metallenen Gehwege ausgebeult worden war. Das Geschöpf hatte einen eiförmigen, kahlen Schädel, der von zwei großen Augen beherrscht wurde, die Surfo an die Sehorgane eines Fisches erinnerten. Der Schädel wuchs übergangslos aus den mit schuppiger Haut überzogenen, runden Schultern. Im Nacken besaß das Wesen eine große Blase, deren Wandung aus einer von Adern durchzogenen organischen Substanz bestand. Die Blase pulsierte in stetig wechselndem Rhythmus.

Der Aychartaner war nackt. Die kranischen Unterlagen besagten, dass die Aychartan-Piraten nur in Notfällen Kleidung trugen. Der schwammige Wulst, der die Schädelbasis wie ein Kragen umgab, enthielt nach den Informationen der Kranen zusätzliche Wahrnehmungsorgane. Ein Paar kräftige Arme wuchs aus den gerundeten Schultern. Sie endeten in Greifhänden, deren Finger durch Schwimmhäute verbunden waren. Eine Handbreit tiefer, auf der Höhe des gerippten Bauches, drangen zwei muskulöse Tentakeln aus dem Leib. Sie waren länger als die Arme und von frappierender Beweglichkeit.

Es hätte der schuppigen Haut, der Fischaugen und der Schwimmhäute nicht bedurft, um Surfo Mallagan daran zu erinnern, dass die Aychartaner Abkömmlinge von Meeresgeschöpfen waren. Die Luft, die er atmete, war warm und mit Feuchtigkeit gesättigt. Und der Raum, in dem er sich befand, erinnerte in seiner Anordnung an eine unterseeische Anlage.

Das kahlköpfige Wesen blickte in die Höhe. Ein Blitz schoss aus den Augen und wurde von einem gewölbten Metallspiegel reflektiert – wohin, das konnte Surfo Mallagan nicht sehen. Sekunden später schwebte ein Gebilde herbei, das den Betschiden an eine Qualle erinnerte. Es hatte die Größe einer Faust und schimmerte in dunklem Blau. Der Aychartaner ergriff die Qualle und drückte sie gegen den Organkragen, der die Basis des Schädels umgab. Die Qualle begann zu pulsieren, und ihre Farbe veränderte sich mit jeder Bewegung ihrer Oberfläche. Die Augen des Aychartaners leuchteten unruhig und flackernd. Der vorgestülpte Mund bewegte sich.

Eine mächtige Stimme sprach zu Surfo Mallagan in der Sprache der Kranen: »Welcher Flotte gehörst du an?«

*

Ungläubig starrte Surfo zu dem Wesen mit der zuckenden, leuchtenden Qualle hinauf. Kam die Stimme von dorther? Während er noch zögerte, begann das quallenförmige Gebilde, sich von neuem zu bewegen. Die Worte wurden wiederholt, und diesmal sah Surfo, dass das Zucken der Qualle im Wortrhythmus vor sich ging.

Ein Übersetzer! Die Qualle war ein Instrument, das die Sprache der Aychartaner und Krandhorjan in gleicher Weise beherrschte und Worte aus der einen in Worte der anderen übersetzen konnte. Die Kranen hatten ähnliche Geräte, aber sie bestanden aus Kunststoff und Metall, und ihre Wirkungsweise war elektronisch. Das quallenförmige Gebilde dagegen – was war es? Tier – oder nur eine Maschine aus organischer Substanz?

»Du strapazierst meine Geduld«, mahnte die laute Stimme. »Welcher Flotte gehörst du an? Sprich, oder ich muss dich zum Sprechen zwingen.«

»Der Achten«, antwortete Surfo Mallagan gedankenlos.

Er zuckte zusammen. Was hatte er getan! Die Aychartaner waren die erbittertsten Feinde der Kranen. Wie kam er dazu, einem Gegner Auskunft zu geben?

»Der Achten also«, wiederholte die Stimme. »Wo befindet sich ihr Stützpunkt?«

Surfo spürte ein Kribbeln auf der Kopfhaut.

»Ich weiß es nicht«, sagte er.

»Du weißt es nicht? Wie erklärst du dieses Unwissen?«

Das Kribbeln wurde stärker, schmerzhaft. Die Kopfhaut spannte sich.

»Ich bin ein junger Rekrut. Rekruten erfahren solche Dinge nicht.«

Das war sogar wahr. Surfo Mallagan kannte die Koordinaten des Nestes der Achten Flotte nicht. Aber er hätte Angaben machen können, mit deren Hilfe es den Aychartanern möglich gewesen wäre, das Nest zu finden. Er verzog das Gesicht, als der Schmerz auf der Schädelplatte intensiver wurde. Die Haut schien aufzureißen.

»Dann weißt du sicher, aus wie viel Einheiten die Achte Flotte besteht.« Die Stimme hatte einen unnatürlichen Klang. »Und wie viele davon sich gegenwärtig im Stützpunkt befinden.«

»Ich weiß auch das nicht«, erklärte Surfo. »Und wenn ich es wüsste, dürfte ich es dir nicht mitteilen.«

Der Schmerz ließ nach. Etwas bewegte sich krabbelnd über seine Kopfhaut. Es verlor den Halt und stürzte herab; Surfo spürte die Berührung an der Wange. Er blickte zu Boden und sah ein zwei Zentimeter langes Insekt, das sich auf dem Boden krümmte. Der Spoodie!, schoss es ihm durch den Sinn.

»Ich werde von dir erfahren, was du weißt«, dröhnte die Stimme. »Es ist zu deinem eigenen Vorteil, wenn du meine Fragen freiwillig beantwortest. Das Erzwingen von Antworten ist schmerzlich.«

Fassungslos starrte Surfo Mallagan zu dem winzigen Insekt hinab. Er hatte es in seinem Schädel getragen, seit er Chircool verließ. Er hatte sich an den Spoodie so gewöhnt, dass er seiner Anwesenheit kaum noch bewusst gewesen war. Das symbiotische kleine Wesen hatte ihm geholfen, schwierige Zusammenhänge rascher zu verstehen und sich in der technisierten Welt der Kranen zurechtzufinden. Jetzt hatte der Spoodie sich von ihm getrennt. Er lag reglos auf dem Boden. Er war tot!

»Hörst du mich?«, donnerte die Stimme, und der quallenförmige Translator blitzte ungeduldig.

Ein dumpfer Druck senkte sich auf Surfos Bewusstsein.

»Ich ... höre«, ächzte er. »Mir ... mir ist nicht gut.«

Es war keine Finte. Er fühlte sich miserabel. Der Druck, der auf seinem Gehirn lastete, machte ihn schwindlig. Er taumelte. Der fremdartige Raum mit den vielen, huschenden Lichtern schien sich um ihn zu drehen. Er sah nicht, wie der Aychartaner das quallenartige Gebilde aus dem Organkragen nahm und es davontreiben ließ. Er sah nicht, wie der Pirat eine Reihe von Augenbefehlen erteilte, die durch den Spiegel über seinem Kopf reflektiert wurden.

2.

Dabonudzer, Zweiter Kommandant des kranischen Kriegsschiffs SANTONMAR, leitete die Manöver des Fahrzeugs, als es sich dem Äquatorialkontinent des namenlosen Planeten näherte. Das computergesteuerte Orterbild zeigte die Einzelheiten des Geländes in ihren Umrissen. Am Südrand eines ausgedehnten Gebirgsmassivs, das sich von Ost nach West zog, glomm ein roter Lichtpunkt.

Der Standort des aychartanischen Raumschiffs!

Dabonudzer trug die dunkelbraune Montur der kranischen Flotte. Die graue Haarfülle des Mähnenkragens bedeckte zur Hälfte die durchsichtige Hülle des Helmes, der ihm im ungebrauchten Zustand wie eine Kapuze auf den Schultern lag. Die intelligenten, braunen Augen des Kranen glitten nachdenklich über die Anzeigeninstrumente. Die Ohren drangen durch die dichte Kopfbehaarung und wirkten wie zum Lauschen gespitzt.

Rings um Dabonudzer herrschte die hektische Geschäftigkeit, die den höchsten Alarmzustand kennzeichnete. Die SANTONMAR war kampfbereit. Dabonudzer wartete auf den Augenblick, in dem ihm die Geräte signalisierten, dass der Lichtschild eingeschaltet werden müsse. Das energetische Feld des Schildes diente dazu, das kranische Schiff vor den Auswirkungen feindlicher Treffer zu schützen. Im Zentrum des Kommandostands, auf einem um zwei Stufen erhöhten Podest, saß Kullmytzer, der Erste Kommandant, an einem mit Kommunikationsgeräten reichlich bestückten Pult. In Kullmytzers Händen liefen alle Fäden zusammen.

Dabonudzer versuchte, sich vorzustellen, was in den Gedanken des gegnerischen Kommandanten in diesen Augenblicken vorging. Die Aychartaner, deren zwischen den Bergen verstecktes Raumschiff erst vor kurzem entdeckt worden war, mussten inzwischen erkannt haben, dass der Vorstoß der SANTONMAR ihnen galt. Ihr Fahrzeug bewegte sich nicht. Glaubten sie, ihre Tarnung biete ihnen Sicherheit? Aychartanische Raumschiffe glichen nach außen hin ungeschlachten, unregelmäßig geformten Felsblöcken. Im Innern waren sie wie eine Termitenburg mit Gängen und Waben durchzogen.

Dabonudzer fühlte einen gewissen Mangel an Zuversicht, den er sich nach außen hin nicht anmerken ließ. Dabonudzer war ein Veteran mehrerer Gefechte mit aychartanischen Roboteinheiten. Aber das dort in den Bergen war kein Robotschiff. Es war ein Raumriese, größer noch als die SANTONMAR, mit aychartanischer Besatzung. Es gab wenig Informationen über solche Schiffe – besonders da die Aychartan-Piraten über soviel verschiedene Schiffstypen verfügten, dass manchmal der Eindruck entstand, sie bauten jedes Fahrzeug nach einem besonderen Plan. War die SANTONMAR dem Feind gewachsen? Dabonudzer war nicht sicher; daher rührte seine Unruhe. Er an Kullmytzers Stelle hätte Verstärkung herbeigerufen.

Ein Signal gellte. Wirksame Feuerdistanz, registrierte Dabonudzer. Seine Hand senkte sich auf den großen, rötlich schimmernden Schalter und ließ ihn klickend umkippen. Ein mattes Flackern huschte über die Bildfläche, aber schon eine Sekunde später war das Bild wieder stabil. Der Lichtschild war von innen transparent. Lediglich von außen erschien die SANTONMAR jetzt, als habe sie sich in einen golden flammenden Mantel gehüllt.

»Ich frage mich, was sie vorhaben«, sagte in diesem Augenblick Kullmytzers Stimme.

Sie kam aus dem Mikroempfänger, den Dabonudzer im Gehörgang trug. Es überraschte ihn, von Kullmytzer angesprochen zu werden. Es war ungewöhnlich, dass der Erste Kommandant sich während der kritischen letzten Augenblicke vor einem Gefecht in ein Gespräch mit einem seiner Untergebenen einließ.

»Ich nehme an, sie verlassen sich auf ihre Tarnung«, antwortete Dabonudzer. »Erst wenn sie unser erster Feuerschlag trifft, werden sie sich in Bewegung setzen.«

»Drei unserer Rekruten befinden sich an Bord des aychartanischen Schiffes«, sagte Kullmytzer. »Ich fürchte um ihre Sicherheit. Für wie wahrscheinlich hältst du es, dass sich die Aychartaner auf Verhandlungen einlassen?«

Dabonudzers Staunen wuchs. Jetzt wurde er sogar um Rat gefragt! Aber die Frage war rhetorisch. Es war kein Fall bekannt, in dem die Aychartan-Piraten sich auf Verhandlungen mit einem Gegner eingelassen hatten. Kullmytzer wusste das. Warum fragte er also? Die Rekruten, deren Heimatwelt dem Reich der Herzöge erst vor kurzer Zeit einverleibt worden war, hatten den Auftrag übernommen, auf der namenlosen und zur Zeit offenbar unbewohnten Welt nach den Spuren eines aychartanischen Stützpunkts zu suchen. Manchem der nachgeordneten Kommandanten war es seltsam vorgekommen, dass Kullmytzer zu diesem Vorhaben ausgerechnet die drei unerfahrensten Rekruten ausgewählt hatte; aber das war schließlich seine Sache. Sie waren gelandet, hatten sich umgesehen und waren von dem Feind, der dort unten im Hinterhalt lag, festgenommen worden.

Die Auswahl der drei Rekruten mit der geringsten Einsatzerfahrung war aber nicht das einzig Merkwürdige an diesem Unternehmen gewesen. Die SANTONMAR war ursprünglich als Bestandteil eines Verbands von insgesamt achtzehn Einheiten vom Nest der Achten Flotte aufgebrochen. Als sie die Zeitbahn verließ und im Normalraum materialisierte, waren die übrigen siebzehn Schiffe verschwunden. An Bord hätte es um ein Haar eine Panik gegeben. Nur Kullmytzer war ruhig geblieben und hatte beiläufig von einem Navigationsfehler gesprochen. Ein Fehler, dem siebzehn Einheiten einschließlich des Flaggschiffs, aber nicht die SANTONMAR zum Opfer gefallen waren?

»Ich halte einen Verhandlungsversuch für aussichtslos«, sagte Dabonudzer. »Die Aychartaner sind von einer unübertroffenen Borniertheit ...«

Der rote Punkt auf dem Orterbild machte einen Satz. Es sah aus, als würde er von einem Katapult in die Höhe geschossen. Ein schrilles Signal gellte durch den Kommandostand. Die SANTONMAR hatte das Feuer eröffnet.

Dabonudzer sah, wie es auf dem Bildschirm zu flackern begann. Gleichzeitig erhielt das Schiff einen schweren Schlag.

3.

Das Denken fiel Surfo Mallagan schwer. Er lag in einem kleinen, unregelmäßig geformten Gelass auf der Liege, auf die man ihn im Kuppelraum gebettet hatte. Er hatte eine lange Reise durch helle und dunkle Räume, durch Stollen und Kanäle hinter sich. Die Liege schwebte in der Luft, von einer unsichtbaren Kraft getragen. Er konnte sich bewegen. Er war sicher, dass er hätte aufstehen können. Aber wozu? Wohin hätte er sich wenden sollen?

An der Decke über ihm spielten Leuchteffekte. Den kleinen Raum selbst erfüllte jenes Halbdunkel, das für die Aychartaner den idealen Beleuchtungsgrad darzustellen schien. Die düstere, ungewisse Dämmerung der Meerestiefen, aus denen ihre Vorfahren gekommen waren. Manchmal blendete ihn eines der Lichter, die an der Decke spielten. Die Lichtquellen waren in Bewegung. Er sah ihre Reflexe über seine Montur huschen. Es kam ihm zu Bewusstsein, dass er abgetastet wurde. Die Aychartan-Piraten machten viel mit Licht. Ihre nicht-akustische Kommunikation funktionierte ausschließlich auf Lichtbasis, und selbst wenn sie sprachen, schossen Lichtblitze aus ihren Augen.

Seine Gedanken gingen zu Scoutie und Brether – und von ihnen weiter nach Chircool, der Welt, auf der sein Volk lebte. Generationen waren dort aufgewachsen und wieder vergangen, umsponnen von Legenden, die besagten, das Volk der Betschiden stamme von Raumfahrern ab, die in einem riesigen Schiff das Universum bereisten. Eines Tages, so wollte es die Legende, sollte das große Schiff zurückkehren und die Betschiden wieder an Bord nehmen.