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Inspektionsflug in die Zukunft des Universums Auf Terra schreibt man das erste Quartal des Jahres 446 NGZ, was dem Jahr 4033 alter Zeitrechnung entspricht. Somit sind seit den dramatischen Ereignissen, die zum Aufbruch der Vironauten, zur Verbannung der Ritter der Tiefe und zum Erscheinen der beiden Sothos aus Estartu führten, mehr als 16 Jahre vergangen. Seither haben die Lehre des Permanenten Konflikts und der Kriegerkult in der Galaxis ihren Einzug gehalten - Tyg Ian hat nachhaltig dafür gesorgt. Glücklicherweise hat der Sotho den Widerstand aller Galaktiker nicht brechen können. Geheimorganisationen, allen voran die von Julian Tifflor geleitete GOI, sorgen dafür, dass die Hoffnung auf Freiheit von fremder Unterdrückung erhalten bleibt. Auch in Estartu selbst, dem Reich der 12 Galaxien, wo die Ewigen Krieger angeblich im Sinn der Superintelligenz gleichen Namens seit Jahrtausenden ihre Herrschaft ausüben, regt sich immer noch Widerstand. Hier ist es vornehmlich die kleine Gruppe der Netzgänger, die für Unruhe in den Reihen der Kodextreuen sorgt. Aber die Netzgänger und ihre Freunde haben noch andere Aufgaben zu erfüllen. So beschäftigt sich Geoffry Waringer mit den Phänomenen des KLOTZES, und Atlan, der Arkonide, inspiziert das Kosmonukleotid DORIFER ...
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Seitenzahl: 135
Veröffentlichungsjahr: 2013
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Nr. 1318
DORIFER
Inspektionsflug in die Zukunft des Universums
von Kurt Mahr
Auf Terra schreibt man das erste Quartal des Jahres 446 NGZ, was dem Jahr 4033 alter Zeitrechnung entspricht. Somit sind seit den dramatischen Ereignissen, die zum Aufbruch der Vironauten, zur Verbannung der Ritter der Tiefe und zum Erscheinen der beiden Sothos aus ESTARTU führten, mehr als 16 Jahre vergangen.
Seither haben die Lehre des Permanenten Konflikts und der Kriegerkult in der Galaxis ihren Einzug gehalten – Tyg Ian hat nachhaltig dafür gesorgt. Glücklicherweise hat der Sotho den Widerstand aller Galaktiker nicht brechen können. Geheimorganisationen, allen voran die von Julian Tifflor geleitete GOI, sorgen dafür, dass die Hoffnung auf Freiheit von fremder Unterdrückung erhalten bleibt. Auch in ESTARTU selbst, dem Reich der 12 Galaxien, wo die Ewigen Krieger angeblich im Sinn der Superintelligenz gleichen Namens seit Jahrtausenden ihre Herrschaft ausüben, regt sich immer noch Widerstand. Hier ist es vornehmlich die kleine Gruppe der Netzgänger, die für Unruhe in den Reihen der Kodextreuen sorgt.
Atlan – Der Arkonide unternimmt eine Inspektionsreise.
Eirene – Perry Rhodans Tochter als blinder Passagier.
NARU – Atlans DORIFER-Kapsel – ein Fahrzeug mit Bewusstsein.
Tumika
Der Kosmos der potentiellen Zukünfte war in Aufruhr. Psionische Informationsquanten, jedes ein Element im Bild der einen oder anderen möglichen Entwicklung, bewegten sich unruhig hin und her, lagerten sich einander an und trennten sich wieder. Im Innern des großen Kosmonukleotids, das die Gänger des Netzes DORIFER nannten, wurde nach dem Aspekt einer Zukunft gesucht, die den Ereignissen vergangener Äonen ebenso wie den Geschehnissen der jüngsten Zeit Rechnung trug.
DORIFER besaß keine eigene Intelligenz. Die Vorgänge in seinem Innern vollzogen sich nach Gesetzen, die denkende Wesen nicht zu begreifen vermochten. DORIFER reagierte auf Stimuli, die aus dem Universum kamen, und bemühte sich, die weitere Entwicklung des Kosmos nach dem in ihm und in anderen Kosmonukleotiden niedergelegten Programm zu steuern.
Vor mehr als sechs Monaten – nach der Zeitrechnung, die einige unter den Gängern des Netzes gebrauchten – hatte die Raumzeit ein Objekt geboren, das nicht diesem Universum angehörte. Die Netzgänger nannten es den KLOTZ. Es war nicht das erste Ereignis dieser Art. Etwas Ähnliches hatte sich vor etwa 50.000 Jahren – nach derselben Zeitrechnung – ereignet. Es gab Anzeichen, dass die Wand des Universums – was immer man sich darunter vorstellen mochte – brüchig zu werden begann, dass ein interuniversales Ereignis größeren Ausmaßes bevorstand.
Auf solche Stimuli hatte DORIFER reagiert, indem er die Psi-Konstante veränderte. Die Veränderung bezog sich auf den gesamten Bereich, für den DORIFER zuständig war, ein vierdimensionales Raumzeit-Element mit einer Maximalabmessung von 50.000.000 Lichtjahren. Die Veränderung der Psi-Konstante hatte bewirkt, dass das Psionische Netz, von dem das Universum zur Gänze durchzogen wurde, innerhalb von DORIFERS Zuständigkeitsbereich eine besondere Form annahm. Mit Hilfe des verstärkten Netzes sollte die Brüchigkeit in der Wand des Universums beseitigt werden; denn es lag in DORIFERS Programm, dass interuniversale Ereignisse nach Möglichkeit verhindert werden sollten.
Jetzt, nach der unerwarteten Geburt des KLOTZES, schien es nicht mehr, als sei DORIFERS Abwehrreaktion im beabsichtigten Umfang wirksam gewesen. Es lag nicht im Rahmen der Möglichkeiten des Kosmonukleotids, die Psi-Konstante noch weiter zu erhöhen. Es gab eine Beziehung zwischen dem Zahlenwert der Konstanten und der Struktur der Raumzeit. Eine nochmalige Erhöhung des Zahlenwerts hätte unweigerlich zum Kollaps des gesamten Raumzeit-Elements geführt.
Die Vorgänge im Innern DORIFERS waren statistischer Natur. Die Masse der psionischen Informationsquanten war in ständiger Bewegung, so dass in jeder Sekunde Tausende von Bildern möglicher Entwicklungen entstanden und wieder vergingen. Der Mechanismus, der das Verhalten der Psiqs steuerte, würde in dem Augenblick anhalten, in dem ein Bild gefunden wurde, dessen Züge Hinweise darauf vermittelten, wie die Gefahr eines großmaßstäblichen interuniversalen Ereignisses vermieden werden konnte. Dann würde DORIFER in konstruktive Tätigkeit treten. Dann würden Signale durch den Hyperraum hinaus zu den benachbarten Kosmonukleotiden gehen. Dann würde sich ein Messenger bilden, der die benötigten Informationen aus den Kosmonukleotiden kopierte und hinausflog ins All, um zu tun, was zur Neutralisierung der Gefahr getan werden musste.
Aber die Zeit wurde knapp. Die Zeichen waren in letzter Zeit deutlicher geworden. Die Zahl der potentiellen Zukünfte war so riesig, dass sie nur im Lauf von Jahren, vielleicht Jahrzehnten durchgespielt werden konnten. Irgendwo lag die Lösung des Problems verborgen. Die Psiqs schossen hin und her, formierten sich und glitten wieder auseinander. Die Frage war, was früher geschah: das interuniversale Ereignis oder die Komposition des Bildes, aus dem die Lösung ersichtlich wurde.
Unter der Tür der kleinen Kabine, die ihm seit über einer Woche als Quartier diente, blieb der Arkonide überrascht stehen.
»Was willst du hier?«
Die Worte kamen ihm etwas schroffer über die Lippen, als er beabsichtigt hatte. Die vergangenen Tage waren voll frustrierender Hektik gewesen.
Aber die junge Frau – das Mädchen –, die es sich in dem einzigen Sessel bequem gemacht hatte, störte sich nicht am Unmut des Mannes mit den langen, silbernen Haaren. Mit übermütigem Lächeln antwortete sie:
»Wenn dir mein Besuch unangenehm ist, gehe ich selbstverständlich sofort wieder.«
Allerdings machte sie dabei keine Anstalten aufzustehen. Sie wusste, wie Atlans Reaktion ausfallen würde.
»Es tut mir leid«, sagte er rasch. »Unhöflich wollte ich nicht sein. Du bist mir willkommen. Ich bin nur überrascht, und Überraschung tut nicht gut, wenn man sich tagelang mit Problemen herumgeschlagen hat, die sich nicht lösen lassen.«
»Ja, ja, der Stress«, murmelte die junge Besucherin.
Der Arkonide war unter der Tür stehengeblieben. Seine Kabine war für den Empfang von Gästen nicht vorgesehen. Sie enthielt an Ausstattung weiter nichts als eine Liege, den Sessel, in dem die junge Frau sich räkelte, und den üblichen Kommunikationsanschluss. Es gab eine zweite Tür, die in eine winzige Hygienezelle führte.
»Ich nehme an, dass du nicht nur gekommen bist, um mir guten Tag zu sagen«, fuhr Atlan fort, ohne auf die spöttische Bemerkung seiner Besucherin einzugehen. »Du siehst, wie eng ich hier lebe. Wenn es dir recht ist, setzen wir uns ...«
»O nein. Ich will nicht, dass du meinetwegen Zeit verlierst.« Die junge Frau war aufgesprungen. »Mein Anliegen lässt sich mit wenigen Worten ausdrücken, und wenn du ja sagst, bin ich in ein paar Sekunden wieder auf dem Weg nach Hause.«
Die ausdrucksvollen, grünbraunen Augen leuchteten voller Erwartung. Eine rasche Bewegung der linken Hand schob eine lockige Strähne dunkelbraunen Haares aus dem Gesicht. Die junge Frau – fast hätte man sie mit ihren sechzehneinhalb Jahren noch ein Kind nennen können – war nicht nur temperamentvoll, sondern auch hübsch. In ihrer Physiognomie hätte mancher Terraner wohl einen maurischen Schnitt sehen mögen. Dazu trugen der sonnenverwöhnte Teint ebenso bei wie die klassisch geformte Nase und der Mund mit den vollen Lippen.
Der Arkonide verzog das Gesicht, als hätte er plötzlich Bauchweh.
»Immer wenn du so kommst, Eirene«, sagte er, »hast du einen Wunsch, der sich unmöglich erfüllen lässt.«
Ein trauriger Ausdruck erschien in den großen Augen. Die Lippen wurden schmollend verzogen, der Blick zu Boden gerichtet. Eirene spielte nur. Sie war nicht wirklich enttäuscht. Sie hatte erwartet, dass Atlan so reagieren würde. Aber sie erinnerte sich der zahlreichen Erfolge, die sie mit ihrer gekonnt geschauspielerten Schmollhaltung schon erzielt hatte.
»Du hast noch gar nicht gehört, was ich mir wünsche«, sagte sie mit samtener Stimme, »und schon schlägst du mir den Wunsch ab.«
»Ich werde es jetzt gleich hören«, lächelte der Arkonide. »Bis jetzt habe ich noch nichts abgeschlagen.«
Eirene trat einen Schritt auf Atlan zu.
»Du kannst es mir nicht abschlagen«, sagte sie mit Nachdruck. »Du hast mir immer erklärt, wenn ich einen Gefallen getan haben wollte, brauchte ich nur zu dir zu kommen und ...«
»Das war vor fünf oder sechs Jahren«, fiel ihr Atlan ins Wort, »als du noch die Wünsche eines kleinen Mädchens hattest, die man ohne weiteres erfüllen konnte.«
»Dieser lässt sich auch erfüllen!«
»Nenn ihn mir.«
»Du bereitest dich auf eine Fahrt nach DORIFER vor?«
»Ja.«
»Nimm mich mit!«
Das Gesicht Atlans wurde ernst.
»Nein«, sagte er.
Nur das eine Wort. Aber Eirene kannte ihn. Sie wusste, dass er es ernst meinte. Jetzt war ihre Enttäuschung nicht mehr gespielt.
»Warum nicht?«, fragte sie matt.
Er nahm ihre Hand.
»Du kennst die Gründe, Eirene«, sagte er. »DORIFER ist nichts für Neulinge. Das Innere des Kosmonukleotids ist gefährliches Gelände. Wer sich dort zurechtfinden will, braucht Erfahrung.«
»Du wärst bei mir«, protestierte sie. »Wozu brauche ich Erfahrung, wenn ich dich bei mir habe?«
»Das ist der zweite Grund«, antwortete der Arkonide. »Die DORIFER-Kapseln sind nicht umsonst für Einmannbetrieb ausgelegt. Das Triebwerk und die Navigationssysteme, deren Wirkungsprinzipien wir bis heute nicht verstehen, treten in Wechselwirkung mit dem Bewusstsein des Piloten. Die Anwesenheit eines Fahrgasts stört. Das alles hast du schon Dutzende von Malen gehört. Ich brauche es dir nicht noch einmal zu erzählen.«
»Einen Versuch könntest du wenigstens machen ...«
»Nein.«
Traurig sah sie zu ihm auf.
»Keine Chance?«, fragte sie.
»Keine.«
Sie löste die Hand aus der seinen und trat zurück. »Also gut, ich hab's wenigstens versucht«, sagte sie und lächelte.
»Warum?«, fragte Atlan.
»Ich hatte ... so eine Ahnung«, antwortete sie zögernd, »als könnte ich dir nützlich sein.«
*
Bewegungslos schwebte die KARMINA in der Leere des Alls. Auf der großen Videofläche, an der der Blick des Arkoniden hin und wieder entlangglitt, gähnte die Schwärze des intergalaktischen Raumes. Ein matter, seltsam geformter Lichtfleck zeichnete sich in der Ferne ab: zwei Galaxien, die einander durchdrangen – Absantha-Gom und Absantha-Shad, mehr als vierhunderttausend Lichtjahre entfernt. Verschwommene, diffuse Leuchtpunkte markierten die Standorte der übrigen zehn Galaxien der Mächtigkeitsballung ESTARTU – und anderer Sterneninseln, die nicht zum Reich der verschollenen Superintelligenz gehörten.
Ein zweites Bild, abseits der großen Videofläche, zeigte inmitten der Leere einen leuchtenden Ring, ein kreisförmiges Gebilde. Wer sich die Mühe machte, den Maßstab der Darstellung abzufragen, der konnte sich ausrechnen, dass der Durchmesser des Ringes drei Lichtminuten betrug, 54 Millionen Kilometer also – eine gigantische Weite, und dennoch ein Nichts im Vergleich mit den riesigen Entfernungen des intergalaktischen Raumes. Der Ring bestand aus ultrahochfrequenter Hyperenergie – gemeinhin psionische Energie genannt – und konnte nur von dem auf höherdimensionaler Ebene arbeitenden Orter erfasst werden. Der Mensch, der mit den Augen hinausblickte, sah nichts. Der Orter und die syntronische Bildverarbeitung machten ihm den Anblick des Ringes zugänglich.
Wie immer, wenn Atlan sich in der Nähe des Gebildes aufhielt, das von den Gängern des Netzes DORIFER-Tor genannt wurde, empfand er Beklommenheit. Die Raumstation der Netzgänger, in der er sich vor gut einer Stunde von Eirene verabschiedet hatte, lag vier Lichtstunden weit hinter ihm. Der Ring war der Abdruck, den das Kosmonukleotid DORIFER im vierdimensionalen Kontinuum hinterließ. Das Nukleotid selbst war ein Bewohner des Hyperraums. Durch den Ring gelangte der, der mit dem geeigneten Transportmittel ausgestattet war, in DORIFERS Inneres. Das geeignete Transportmittel war für die Gänger des Netzes die DORIFER-Kapsel, ein Fahrzeug von der Form eines großen, leicht plattgedrückten Eies, das tief unten im Leib der KARMINA seinen Standort hatte. Der Umstand, dass er nicht wusste, wie Antrieb und Steuerung der Kapsel arbeiteten, trug viel zu dem Unbehagen bei, das der Arkonide in diesem Augenblick empfand.
Er suchte den nebligen Lichtfleck der Doppelgalaxis. Im Vorfeld von Absantha-Shad, 100.000 Lichtjahre von ihrem Zentrum entfernt, stand die weiße Sonne Moorga. Zu ihren Planeten gehörte die Welt Sabhal, die die Gänger des Netzes zu ihrer Heimatbasis gemacht hatten. Atlan stellte sich vor, wie Geoffry Waringer in seinem Labor mit Verbissenheit und wissenschaftlicher Begeisterung an dem Problem arbeitete, engeren Kontakt mit dem KLOTZ aufzunehmen, jenem geheimnisvollen Gebilde, das vor fünf Monaten in unmittelbarer Nähe des DORIFER-Tors aufgetaucht war und seitdem mit einer Geschwindigkeit von 8000 km/sec der Galaxis Absantha-Shad zustrebte. Es bestand Grund zu der Annahme, dass der KLOTZ das Produkt eines fremden Universums sei. Waringer, der seit Jahren an der Entwicklung des vektorierbaren Grigoroff-Projektors arbeitete, der Komponente eines Triebwerkssystems also, mit dem Paralleluniversen gezielt angeflogen werden konnten, hatte sich mit Eifer auf die Untersuchung des unheimlichen Objekts gestürzt und bereits erste Erfolge erzielt. Dem Arkoniden drängte sich ein Lächeln aufs Gesicht, als er sich den Terraner vorstellte, wie er, abgeschlossen von der Welt ringsum, mit höchster Konzentration an der Auswertung der Daten arbeitete, die ihm seine Interuniversal-Sonden lieferten. Atlan schätzte den hochgewachsenen, im täglichen Umgang stets ein wenig unbeholfenen Mann als Freund ebenso wie als Wissenschaftler. Das letzte der Genies hatte er ihn einmal genannt. Geoffry Waringer besaß eine angeborene Gabe, komplexe Zusammenhänge intuitiv zu durchschauen. Er würde auch mit dem Problem des KLOTZES fertig werden. Denn seine Genialität war gepaart mit einem eisernen Arbeitswillen und unbezähmbarem Optimismus.
Mittlerweile war das Interesse des Arkoniden an dem KLOTZ von ganz anderer Art. Ihn kümmerte nicht, woher das Objekt kam oder ob man mit seiner Hilfe mehr über fremde Universen lernen könnte. Unmittelbar vor dem Auftauchen des KLOTZES hatte DORIFER begonnen, ein eigenartiges Verhalten an den Tag zu legen. Auf DORIFER-Station hatte man Eruptionen hochfrequenter Hyperstrahlung registriert. Die psionischen Informationsquanten im Innern des Kosmonukleotids waren in wirre Bewegung geraten. Ein dramatisches Ereignis, so hatten die Gänger des Netzes damals vermutet, stand unmittelbar bevor.
Nun – so dramatisch war das Erscheinen des KLOTZES eigentlich nicht gewesen, wenn man davon absah, dass Eirene, die Tochter Gesils und Perry Rhodans, infolge der Verwirrung, die der KLOTZ im Psionischen Netz stiftete, auf eine fremde Welt verschlagen und den Schergen des Ewigen Kriegers Ijarkor in die Hände gespielt worden war. Perry Rhodan hatte ausziehen müssen, seine Tochter zu retten, und wäre dabei um ein Haar selbst das Opfer des Kriegers geworden.
Natürlich – das war dramatisch. Aber das Drama spielte sich im menschlichen Bereich ab. Ansonsten war der KLOTZ zwar ein ungewöhnliches und gefährliches Gebilde, aber keines, über das die Gänger des Netzes sich hätten graue Haare wachsen lassen.
Wenn nicht die Unruhe gewesen wäre, mit der DORIFER die bevorstehende Ankunft des KLOTZES signalisierte. Und wenn nicht die Unruhe seit jenem Tag vor gut fünf Monaten anhielte, als sei der KLOTZ nur der Vorbote eines noch größeren Ereignisses.
Die Gänger des Netzes hatten sich zur Aufgabe gemacht, über DORIFER zu wachen. Das Kosmonukleotid war Bestandteil des Moralischen Kodes des Universums, und wenn die Netzgänger auch nicht wussten, wie der Kode funktionierte und nach welchem Gesetz er zur Weiterentwicklung des Kosmos beitrug, so hielten sie ihn doch für eine Einrichtung, die schutzwürdig war und vor der Manipulierung durch kosmische Mächte gleich welcher Couleur bewahrt werden musste. Nun war der Moralische Kode ein Gebilde, das, wie man sagte, in Form einer Doppelhelix das gesamte Universum durchzog. So groß war die Reichweite der Gänger des Netzes längst nicht. So nobel ihr Anliegen auch sein mochte, sie waren gezwungen, sich auf einen winzigen Ausschnitt der Doppelhelix zu beschränken – eben auf dieses eine Nukleotid namens DORIFER.
In der Vergangenheit hatten die Netzgänger bedeutende Erfolge bei der Abwehr fremder Übergriffe auf DORIFER erzielt. Die Kosmokraten, die Chaotarchen und andere Mächte des Kosmos hatten darauf verzichten müssen, die Tätigkeit des Kosmonukleotids in ihrem Sinne zu beeinflussen. Das war vor Atlans Zeit gewesen, lange davor. In den vergangenen Jahrtausenden hatten die Gänger des Netzes ihre Aufmerksamkeit immer mehr auf die Ewigen Krieger konzentriert, die die zwölf Galaxien des Reiches ESTARTU beherrschten und deren vordringliches Anliegen es zu sein schien, das Psionische Netz zu vernichten. Das Psionische Netz aber war, wenigstens in seiner gegenwärtigen Form, ein Produkt des Moralischen Kodes und musste daher geschützt werden. So wurden die Gänger des Netzes automatisch zu Gegnern der Ewigen Krieger.
Es war allerdings wenig wahrscheinlich, dass der Aufruhr, der gegenwärtig im Innern des Nukleotids tobte, etwas mit den Kriegern zu tun hatte oder gar von diesen ausgelöst worden war. Hier bahnte sich, so glaubten die Netzgänger, etwas gänzlich Neues an. Ob es sich dabei um eine natürliche Entwicklung handelte oder ob eine bisher unbekannte Macht sich an DORIFER zu schaffen machte, war unklar. Fest stand jedoch, dass dem Nukleotid besondere Beachtung zu widmen war.
