Perry Rhodan 243: Raumaufklärer 008 - Kurt Mahr - E-Book

Perry Rhodan 243: Raumaufklärer 008 E-Book

Kurt Mahr

0,0

Beschreibung

Der unheimliche von Yakkath bezwingt sie - und sie werden zu Verrätern an Terra... Der terranische Vorstoß in das Herrschaftsgebiet der Meister der Insel war in den Septembertagen des Jahres 2402 zum Stehen gekommen. Perry Rhodan sah sich durch die plötzliche Aktivität der für tot gehaltenen Mobys sogar gezwungen, seine Flotteneinheiten an den Band des Sternennebels Andro-Beta zurückzuziehen. Nur ein paar Space-Jets - kleine, schnelle und ungemein wendige Raumschiffe - wurden dazu abkommandiert, in den Hexenkessel von Andro-Beta zurückzukehren, um den Standort des Hypersenders zu ermitteln, dessen Impulse die Moby-Ungeheuer aktivierten und zu ihrer Vernichtungsaktion trieben. Im Zuge dieses Risikounternehmens machte Captain Don Redhorse, der draufgängerische Cheyenne, auf dem Sumpfplaneten Gleam eine Entdeckung von allergrößter strategischer Bedeutung. Eine Wende scheint sich anzubahnen. Ein neuer Plan wird bis ins letzte Detail ausgearbeitet - und ein Spezialkommando startet, um einen Mond zum Schweigen zu bringen... RAUMAUFKLÄRER 008 ist mit von der Partie!

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0



Nr. 243

Raumaufklärer 008

Der Unheimliche von Yakkath bezwingt sie – und sie werden zu Verrätern an Terra ...

von KURT MAHR

Der terranische Vorstoß in das Herrschaftsgebiet der Meister der Insel war in den Septembertagen des Jahres 2402 zum Stehen gekommen. Perry Rhodan sah sich durch die plötzliche Aktivität der für tot gehaltenen Mobys sogar gezwungen, seine Flotteneinheiten an den Band des Sternennebels Andro-Beta zurückzuziehen.

Nur ein paar Space-Jets – kleine, schnelle und ungemein wendige Raumschiffe – wurden dazu abkommandiert, in den Hexenkessel von Andro-Beta zurückzukehren, um den Standort des Hypersenders zu ermitteln, dessen Impulse die Moby-Ungeheuer aktivierten und zu ihrer Vernichtungsaktion trieben.

Im Zuge dieses Risikounternehmens machte Captain Don Redhorse, der draufgängerische Cheyenne, auf dem Sumpfplaneten Gleam eine Entdeckung von allergrößter strategischer Bedeutung.

Eine Wende scheint sich anzubahnen. Ein neuer Plan wird bis ins letzte Detail ausgearbeitet – und ein Spezialkommando startet, um einen Mond zum Schweigen zu bringen ...

Die Hauptpersonen des Romans

Perry Rhodan – Großadministrator des Solaren Imperiums.

Melbar Kasom – Leiter des Unternehmens, das einen Mond zum Schweigen bringen soll.

Robert C. Vorbeck – Ein junger Mann mit einem Psycho-Schock.

Captain Whiley Liggett – Kommandant der 008.

Sergeant Shriver, Korporal Strombowski und Korporal Rosenblatt – Liggetts Mannschaft.

Unklaich

»Fremdartige Kräfte walten im Menschen der Erde. Es ist, als reiche der Verstand allein nicht hinunter in die Tiefen der Seele, als bedürfe er der Unterstützung alogischen Gefühls, um das erstaunliche Reservoir an Kraft und Ausdauer, über das der Terraner verfügt, für seine Zwecke benützen zu können. Dabei geschieht es oft, dass der untergeordnete Partner, das alogische Gefühl, den eigentlich Tonangebenden, nämlich den Verstand, völlig beiseiteschiebt und selbst die Entschlussgewalt übernimmt, zwar immer noch nach den vom Verstand gesetzten Regeln, also sozusagen als Sachwalter der Logik, aber dennoch mit einer explosionsartigen Entfaltung von Energie, die nur bedeuten kann, dass die vom Verstand gezogenen Grenzen niedergebrochen sind und nicht mehr beachtet werden.

Es gibt Fälle, in denen der terranische Mensch im Augenblick höchsten Zorns Dinge getan hat, die er selbst in nüchternem Zustand für unmöglich hielte. Diese Fälle sind nicht selten. Terranische Psychologen haben für dieses Phänomen den Begriff ›unterbewusste Aktivierung‹ geschaffen.

Was sie damit unbemerkt zugeben, ist, dass weder sie selbst, noch irgend jemand sonst in der Weite des Kosmos eine Ahnung davon hat, worum es sich eigentlich handelt.

Ob wir die Erscheinung des unterbewussten Aktivierens für einen atavistischen Zug halten wollen oder ganz im Gegensatz dazu für einen, der die terranische Rasse auf eine höhere Stufe stellt als die anderen Arten des bekannten Kosmos, bleibt jedem einzelnen unter uns überlassen.

Feststeht nur, dass der Terraner uns immer noch ein Rätsel ist. Er lässt sich mit Hilfe der allgemeinen Regeln der galaktobiologischen Psychologie nicht erfassen.«

Aus Heél Luun-Boo, »Essays zur Galaktopsychologie«.

1.

Bob Vorbeck lag in seiner Koje und zwang sich, die Augen geschlossen zu halten. Ken Leavenworth und Richard Hommard, zwei seiner Mitbewohner, saßen am quadratischen Tisch, der aus der schmalen Rückwand der kleinen Kabine dicht unter dem Bildschirm fast einen halben Meter hervorragte, und spielten Setback. Bob wollte nicht, dass sie sahen, wie aufgeregt er war.

Es erwies sich als schwierig, die Reaktionen der Nervenmuskeln mit dem Verstand allein zu kontrollieren. Immer wieder erwischte sich Bob dabei, wie er die Augen öffnete und auf die Koje über ihm starrte. Sie gehörte Lim Kevan, dem Mann mit dem lautesten Mundwerk unter den vier jungen Leutnants, die diese Kabine bewohnten, und Bob war froh, dass er irgendwo anders zu tun hatte, denn Lim hätte seine Erregung bemerkt, und nichts hätte ihn davon abhalten können, seine Witze darüber zu reißen.

Sie wussten natürlich alle, was los war. Er hatte ihnen erzählt, dass er sich für das bevorstehende Unternehmen freiwillig gemeldet habe. Sie hatten sich darüber amüsiert. Er war der jüngste Leutnant an Bord des Schiffes, und für das Unternehmen wurden erfahrene Leute gebraucht. Sie hatten ihm, Detail für Detail, beschrieben, wie das Auswahlverfahren funktionierte. Nicht, dass er es nicht schon gewusst hätte. Aber er ließ sie reden, denn solange sie über sachliche Dinge sprachen, konnten sie ihn nicht verspotten.

Die Personalakten jedes Mitglieds der Schiffsmannschaft waren auf Magnetband festgehalten. Die Daten wurden in einer Art Kode erfasst, der die Auswahl bestimmter Männer mit bestimmten Eigenschaften durch die Positronik ermöglichte. Allein die Positronik besorgte die Auswahl, der Mensch hatte weiter nichts zu tun, als ihr die Personalbänder vorzulegen.

Bob Vorbeck hatte seine Meldung um vierzehn Uhr dreißig eingereicht, ein paar Minuten, nachdem er den Aufruf über Interkom gehört hatte. Seitdem waren fast drei Stunden vergangen. Es kam ihm so vor, als müsste eine große Positronik in der Lage sein, ein so lächerliches Problem viel rascher zu lösen. Aber vielleicht gab es an einer anderen Stelle Verzögerung. Man musste Geduld haben. Und überhaupt, die andern hatten recht. Besonders groß waren seine Aussichten gerade nicht.

Er hatte keine besonders deutliche Vorstellung, zu was für einem Unternehmen er sich eigentlich gemeldet hatte. Das Schiff stand vor den Rändern eines gewaltigen galaktischen Systems, des Andromedanebels. Auf den Bildschirmen war das weitgespannte Band der fremden Sterne zu sehen, deren Lichtpunkte aus der ungeheuren Entfernung zu einem milchigweißen Streifen aus homogener Helligkeit verschmolzen. Vor diesem Streifen und längst nicht so weit entfernt ballte sich das Sterngewirr eines vorgelagerten Zwergnebels, Andro-Beta genannt. Andro-Beta war der Zwillingsbruder von Andro-Alpha, rund 60.000 Lichtjahre von ihm entfernt, und beide zusammen formten ein System von Zwerggalaxien, die Andromeda in gleicher Weise vorgelagert waren wie die beiden Magellan'schen Wolken der irdischen Milchstraße.

Das Unternehmen hatte etwas mit einem Vorstoß ins Innere von Andro-Beta zu tun, soviel war Bob aus dem Rundspruch klar geworden. Man verheimlichte außerdem nicht, dass es sich um ein risikoreiches Projekt handelte. Mit Feindberührung war zu rechnen, und Feindberührung bedeutete bei dem Gegner, mit dem man es zu tun hatte, eines von zwei Dingen: Sieg oder Tod. Die Schiffsleitung suchte zehn Freiwillige für den Vorstoß. Wenn man in Betracht zog, dass die Besatzung im Augenblick aus rund zweitausend Mann bestand, von denen jeder einzelne, seine drei Schlafkumpane nicht mitgerechnet, wenigstens zehnmal soviel Raumerfahrung besaß wie Bob Vorbeck.

Es ist ein Irrsinn zu glauben, ich hätte irgendwelche Chancen, entschied Bob und richtete sich mit einem Ruck in die Höhe, fest entschlossen, sich von nun an zu benehmen wie ein normaler Mensch.

Dick Hommard sah von seinen Karten auf. Er verzog das breite Gesicht zu einem freundlichen Grinsen und erkundigte sich: »Immer noch so nervös?«

Bob schüttelte den Kopf.

»Ach was, hat doch keinen Sinn.« Er nickte zum Tisch hin. »Kann man da mitspielen?«

Ken riss abwehrend den Arm in die Höhe.

»Warte«, rief er. »Ich bin gerade dabei, diesen Kerl hier einzumachen. Da, Karo ist Trumpf, und König ist hoch. Lass mal sehen ...«

Ohne ein Wort zu sagen, legte Dick eine Karte auf den Tisch. Ken stierte sie an und knirschte mit den Zähnen, bis ihm die Backenknochen scharf hervorstanden.

»As ist hoch«, brummte Dick gemütlich und strich den Stich ein.

Ken warf fluchend die Karten auf den Tisch.

»Du kannst mit ihm spielen, wenn du willst«, knurrte er Bob an. »Ich geb's auf. Nach meiner Ansicht schwindelt er, aber ich kann's ihm nicht nachweisen.«

Dick setzte zur Erwiderung an, aber im selben Augenblick fing der Interkom an zu reden. Eine harte Stimme sagte: »Zur Instruktion für den bevorstehenden Einsatz finden sich im Lauf der nächsten Viertelstunde im Konferenzraum vierzehn des Hauptdecks die folgenden Mannschaftsmitglieder ein: Captain Whiley Liggett, Leutnant Robert Vorbeck ...«

*

Zehn Minuten später saß er in einem der bequemen Stühle des kleinen Konferenzraums. Außer ihm waren sieben Mann anwesend, die restlichen zwei kamen, kaum dass er sich niedergelassen hatte. Als die fünfzehn Minuten verstrichen waren, betrat ein stämmig gewachsener Mann in der Uniform eines Majors den Raum durch eine Tür in der Rückwand. Bob kannte ihn von weitem. Er war der Cheftechniker und hieß Hefrich.

Er sagte nicht viel. Nur, dass die zehn Mann, die er vor sich hatte, zur Teilnahme an dem Unternehmen ausgewählt worden waren und deshalb sofort von ihren Gruppen abgezogen und zu einer Sondergruppe unter seinem Kommando zusammengezogen würden.

»Wir haben rund zehn Stunden Zeit«, erklärte er. »In diesen zehn Stunden werden Sie soviele neue Informationen in sich aufnehmen, dass Sie glauben, der Schädel müsste Ihnen zerspringen. Alle Einzelheiten sind auf Memoband festgehalten. Sie werden sich die Memobänder, die ich Ihnen im Anschluss an diese Instruktion aushändige, mit dazugeschaltetem Hypnoverstärker so oft vorspielen, bis Sie alles aufgesaugt haben.

Dieses zusätzliche Wissen ist unerlässlich für das bevorstehende Unternehmen. Die Wahrscheinlichkeit, auf den Feind zu treffen, ist praktisch gleich eins. In diesem Fall kommt es darauf an, dass Sie wissen, wie Sie sich zu verhalten haben. Ohne das Wissen, das die Memobänder Ihnen vermitteln, wären Ihre Aussichten gleich Null.« Er verzog das Gesicht zu einem sarkastischen Lächeln. »Mit den neuen Informationen sind sie ungefähr für einen halben Soli besser.

Das ist alles. Irgendwelche Fragen?«

Ein kleiner, untersetzter Mann mit kurzem grauem Haar und den Rangabzeichen eines Captains, wahrscheinlich Whiley Liggett, hob die Hand.

»Ja, Captain ...?«

»Werden Sie die Gruppe auch während des eigentlichen Einsatzes leiten, Sir?«

Hefrich schüttelte den Kopf, immer noch lächelnd.

»Nein, Captain. Dieses Privileg behalten sich weitaus illustrere Persönlichkeiten vor.«

Bob Vorbeck kehrte nicht mehr zu seiner Kabine zurück. Er stellte fest, dass der Entschluss der Positronik, seine Bewerbung anzunehmen, ihn völlig unerwartet, aber mit um so mehr Nachdruck aus seiner gewohnten Umgebung herausriss und ihn in eine völlig neue warf. Major Hefrich führte seine zehn Leute zu ihrer neuen Unterkunft. Dabei bekam Bob Teile des Riesenschiffes zu sehen, die er bisher nur vom Orientierungsplan kannte. Soviel bekam er mit, dass sein neues Quartier in der Sektion A des Hauptdecks lag, nur wenige Meter unterhalb der Chefdecksektion, in der Perry Rhodan und Atlan, der Arkonide, ihre Privaträume hatten.

Wenn er noch daran gezweifelt hätte, dann wäre ihm jetzt klar geworden, dass die Schiffsleitung dem bevorstehenden Unternehmen die höchste Bedeutung beimaß.

Knapp zwanzig Minuten später saß er in einem winzigen Raum, nicht größer als eine Telefonzelle, und hatte ein paar Kopfhörer umgeschnallt, aus denen eine monotone Stimme auf ihn einsprach. Der Hypnoverstärker war ihm behilflich, seine Aufmerksamkeit ganz auf das Gesprochene zu konzentrieren. Wie ein trockener Schwamm das Wasser, so sog er die Informationen über die fremde Rasse der Twonoser, über Form und Antriebsart ihrer Raumschiffe, über die unglaublichen Mobys, über ihre Steuerung durch Hyperimpulse und die wichtige Rolle, die der Mond Siren in diesem Zusammenhang spielte, in sich auf.

Er war so tief in den Prozess des Lernens vertieft, dass er das leise Signal überhörte, das ankündigte, dass das riesige Raumschiff, der Stolz der Flotte des Solaren Imperiums, die CREST II, Fahrt aufgenommen hatte.

*

Der große Raum war von bläulichem Zwielicht erfüllt. Das Licht kam von einer dreidimensionalen Sternkarte an der breiten Rückwand. Zwei Gestalten bewegten sich vor der Karte. Aus der Hand der einen löste sich ein nadelfeiner, grellroter Leuchtstrahl, drang in das Gewirr der plastisch projizierten Sterne und blieb wenige Millimeter vor einem der Millionen Lichtpunkte stehen.

»Das ist das Tri-System«, sagte eine der beiden Gestalten ruhig. »Rund viertausend Lichtjahre von hier entfernt. Ein höchst bemerkenswertes System. Drei Sonnen, wie an einer Schnur aufgereiht, die mittlere von dem Planeten Gleam umlaufen. Gleam besitzt einen Mond, Siren. Von Siren gehen die Signale aus, die offenbar mit den Manövern der Mobys im Zusammenhang stehen, wenn sie sie nicht gar steuern. Gegen Siren zielt das bevorstehende Unternehmen.«

Eine Pause entstand. Dann antwortete die zweite Gestalt mit spöttischer Stimme: »Sehr gut, Terraner. Und welche Erfolgschancen rechnest du dir für dieses Unternehmen aus? Den Versuch, eine unzweifelhaft schwer befestigte Hyperfunkstation der Meister der Insel, im Rahmen ihrer Strategie in Andro-Beta offenbar von überragender Bedeutung, mit einer Handvoll Männer zu vernichten?«

»Etwa neunzig zu zehn«, gab die erste Stimme ruhig und ohne Zögern zurück.

»Neunzig zu zehn! Mein Freund, Herr Administrator, du rechnest am besten deine Zahlen noch einmal nach.«

Der Terraner lachte.

»Nicht nötig, Atlan. Der Plan enthält ein gewisses Detail, das dir bislang nicht bekannt ist.«

Der rote Leuchtstrahl, aus einer mit dem Projektor des stereoskopischen Kartenbildes gekoppelten Zeigelampe kommend, wich zurück, schwenkte zur Seite und erfasste ein Dunkelgebiet, das von einem Dutzend der zuvorderst liegenden Sterne umrahmt war.

»Diese Stelle«, erklärte Perry Rhodan, »ist rund einhundertundfünfzig Lichtjahre von unserem derzeitigen Standort entfernt. Winzige Tastersonden, die sich in dieser Gegend befinden, verraten uns, dass dort drei twonosische Raumschiffe auf Patrouillenfahrt sind. Sie bewegen sich seit ihrem Auftauchen aus dem Linearraum mit einer mäßigen Geschwindigkeit von ungefähr zehn Prozent Ce. Der Himmel mag wissen, was sie dort suchen. Auf jeden Fall passen sie in unseren Plan. Du stimmst mir zu, dass unsere Aussichten sich wesentlich erhöhen, wenn wir den Anflug auf Siren in einem twonosischen Raumschiff vornehmen?«

Der Arkonide war verblüfft.

»Natürlich«, antwortete er nach einer kurzen Pause des Nachdenkens. »Die eiförmigen Schiffe der Twonoser werden von den Mobys und den übrigen Zerstörungsmechanismen der Meister der Insel in Ruhe gelassen. Als Hilfsvolk der Meister haben sie das alleinige Recht, sich ungehindert durch Andro-Beta zu bewegen, während die Mobys ringsum einen Planeten nach dem anderen rücksichtslos vernichten in der Hoffnung, den unbekannten Eindringling, also uns, auf diese Weise auszuschalten.«

Perry Rhodan nickte gelassen.

»Vorzüglich. Du übersiehst die Lage.«

»Die Lage vielleicht«, knurrte Atlan. »Aber nicht deinen Plan.«

»Pass auf!« Der rote Leuchtstrahl, der sich inzwischen zurückgezogen hatte, schoss wieder gegen die stereoskopische Sternkarte und verharrte in dem kleinen, dunklen Fleck. »Genau dort befinden sich drei twonosische Schiffe. Soweit wir ihre Manöver vorhersagen können, werden sie sich noch ein paar Stunden lang in unterrelativistischem Flug durch den Raum bewegen. Das gibt uns Zeit, sie anzugreifen. Wir vernichten zwei und übernehmen das dritte. Unser Stoßtrupp geht an Bord. Das Schiff fliegt Siren an, und der Stoßtrupp verrichtet dort seine Arbeit. Wie klingt das?«

Atlan starrte auf die plastische Karte. Erst nach langer Zeit antwortete er.

2.

»Achten Sie auf den großen Bildschirm!«, gellte Hefrichs harte Stimme. »Noch vierzig Sekunden bis zum Austritt aus dem Linearflug.«

Der Raum war dunkel bis auf das mattgraue Leuchten, das vom Bildschirm kam. Bob Overbecks Blick saugte sich an dem grauen Viereck fest. Undeutlich bemerkte er Major Hefrichs stämmige Silhouette.

Noch eine halbe Minute. Bobs Spannung wuchs ins Unerträgliche. Weder er, noch einer der anderen Anwesenden, Hefrich natürlich ausgenommen, wusste, was ihnen bevorstand. Sie waren in diesen kleinen Raum gerufen worden, als sie ihr zehnstündiges Training abgeschlossen hatten. Der Raum lag in der Nähe der großen Hangarschleuse, das war alles, was Bob von ihm wusste. Jemand hatte hastig und unordentlich ein paar Stühle hereingestellt. Die Stühle und der große Bildschirm waren das einzige Mobiliar.

Bob fühlte dumpfe, bleierne Müdigkeit an sich emporkriechen. Er hatte seit mehr als zwanzig Stunden kein Auge mehr zugetan, und die Hälfte dieser Spanne war mit Arbeit und Anstrengung bis an den Rand gefüllt gewesen. Die anderen fühlten sich nicht besser, das konnte er ihnen ansehen. Einer war im Laufe des Trainings zusammengeklappt und zurückgestellt worden. Bob kannte ihn nicht. Die Gruppe bestand nur noch aus neun Mann. Captain Liggett war immer noch dabei, und aus einem Grund, den er nicht verstand, empfand Bob darüber ein Gefühl tiefer Beruhigung. Er hatte mit dem grauhaarigen Captain noch kein Wort gesprochen, aber er fühlte sich zu ihm hingezogen.

Jemand wisperte in der Finsternis.

»Ruhe!«, donnerte Hefrichs Stimme. »Noch zehn Sekunden! Achten Sie genau auf den Bildschirm.«

Bob presste der Reihe nach die Finger der rechten und dann der linken Hand in die Handfläche. Er bemühte sich, es rhythmisch zu tun. Als er fertig war, flammte der Bildschirm mit schmerzender Helligkeit auf.

Ein Schrei der Überraschung gellte durch den kleinen Raum. Groß und deutlich, offenbar durch teleskopische Aufnahme näher herangeholt, standen die schimmernden Körper von drei eiförmigen Raumschiffen auf der Bildfläche. Klar und scharf gezeichnet sah Bob die riesigen Flossen, die von den Rumpfenden der Fahrzeuge breitflächig in den Raum hinausstoßen.

Im nächsten Augenblick änderte sich das Bild. Die Twonoser mussten das terranische Schiff erkannt haben, und mit unglaublicher Reaktionsfähigkeit stellten sie sich auf die neue Lage ein. Blitzschnell schwenkten die schlanken Hecks herum, und die stumpfen, runden Schnauzen wandten sich der CREST zu. Die Twonoser schienen zu wissen, was sie von dem fremden Schiff zu erwarten hatten. Sie bemühten sich, dem Unbekannten sowenig Zielfläche wie möglich zu bieten.

Ein fahles Leuchten zuckte über den Bildschirm. Jemand knurrte dumpf. Bob wusste nicht, was das zu bedeuten hatte. Eine Sekunde lang – oder kam ihm die Zeit nur so lange vor? – schien überhaupt nichts zu geschehen.

Plötzlich fuhr ihm stechender Schmerz durch den Schädel. Instinktiv schlossen sich die Augen. Bob sah bunte Kreise in der Finsternis tanzen. Schützend riss er die Hände in die Höhe und rieb sich die geschlossenen Lider, um den Schmerz zu vertreiben, der ihm Tränen in die Augen trieb.

Als er schließlich wieder sehen konnte, standen auf der Bildfläche zwei lodernde Glutbälle. Die Helligkeit war soweit abgesunken, dass er sie betrachten konnte, ohne Schmerz dabei zu empfinden. Zwei der twonosischen Raumschiffe waren vernichtet worden. Wo aber befand sich das dritte?

Als sich die leuchtenden Gasschwaden der Explosion verflüchtigten, sah er es. Es stand immer noch an derselben Stelle wie zuvor. Die beiden Glutbälle hatten es verdeckt. Es schien unbeschädigt. Es bewegte sich weder, noch leistete es Gegenwehr. Was, zum Teufel, war los?

Bob wusste nicht, wie lange er fassungslos auf den Bildschirm gestarrt hatte. Die Gaswolken der beiden zerstörten Schiffe waren längst verflogen. Nur das dritte Fahrzeug stand starr immer noch in der Mitte der Bildfläche.

Da erlosch der Schirm. Die Deckenlampen flammten auf. Major Hefrich hatte ein spöttisches Lächeln auf den Lippen.

»Das war mein Teil des Programms, meine Herren. Sie werden Fragen haben. Sie wenden sich dabei am besten an den eigentlichen Leiter des Unternehmens.«

Bob hatte plötzlich das Gefühl, der Boden finge an zu wackeln. Verwundert sah er sich um. Von irgendwoher kam dumpfes Gepolter. Dann flog das schwere Schott auf, das den kleinen Raum vom Deckgang trennte, und der Lärm schwoll zu donnerndem Gedröhn.