Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Die JULES VERNE materialisiert - und die Weiße Welt wird erreicht Die Lage für Perry Rhodan und die Menschheit ist verzweifelt: Eine gigantische Raumflotte, die Terminale Kolonne TRAITOR, hat die Planeten der Milchstraße besetzt. Sie wirkt im Auftrag der sogenannten Chaotarchen, und ihr Ziel ist kompromisslose Ausbeutung. Die Milchstraße soll als Ressource genutzt werden, um die Existenz einer Negasphäre abzusichern. Dieses kosmische Gebilde entsteht in der nahen Galaxis Hangay - ein Ort, an dem gewöhnliche Lebewesen nicht existieren können und Naturgesetze enden. Mit verzweifelten Aktionen gelingt es den Menschen auf Terra und den Planeten des Sonnensystems, dem Zugriff der Terminalen Kolonne standzuhalten. Sie verschanzen sich hinter dem TERRANOVA-Schirm. Um dem drohenden Untergang etwas Massives entgegensetzen zu können, greift Rhodan zu einem wagemutigen Plan: Mit dem Raumschiff JULES VERNE und einer Besatzung aus Spezialisten verschiedener Völker bricht er in die Vergangenheit auf. Rund zwanzig Millionen Jahre vor Beginn der Zeitrechnung konnte bereits einmal eine Negasphäre verhindert werden - und die Besatzung der JULES VERNE will genau das beobachten. Tatsächlich erreicht die JULES VERNE den Schauplatz der Finalen Schlacht in der Galaxis Tare-Scharm. Das Schiff wird schwer beschädigt; erst in letzter Minute leitet Perry Rhodan den Sprung in die Gegenwart ein. In einer unbekannten Region wartet nun eine seltsame Welt auf die Menschen: Es ist EVOLUX...
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 156
Veröffentlichungsjahr: 2014
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Nr. 2450
Evolux
Die JULES VERNE materialisiert – und die Weiße Welt wird erreicht
Robert Feldhoff
Die Lage für Perry Rhodan und die Menschheit ist verzweifelt: Eine gigantische Raumflotte, die Terminale Kolonne TRAITOR, hat die Planeten der Milchstraße besetzt. Sie wirkt im Auftrag der sogenannten Chaotarchen, und ihr Ziel ist kompromisslose Ausbeutung. Die Milchstraße soll als Ressource genutzt werden, um die Existenz einer Negasphäre abzusichern. Dieses kosmische Gebilde entsteht in der nahen Galaxis Hangay – ein Ort, an dem gewöhnliche Lebewesen nicht existieren können und Naturgesetze enden.
Mit verzweifelten Aktionen gelingt es den Menschen auf Terra und den Planeten des Sonnensystems, dem Zugriff der Terminalen Kolonne standzuhalten. Sie verschanzen sich hinter dem TERRANOVA-Schirm.
Um dem drohenden Untergang etwas Massives entgegensetzen zu können, greift Rhodan zu einem wagemutigen Plan: Mit dem Raumschiff JULES VERNE und einer Besatzung aus Spezialisten verschiedener Völker bricht er in die Vergangenheit auf. Rund zwanzig Millionen Jahre vor Beginn der Zeitrechnung konnte bereits einmal eine Negasphäre verhindert werden – und die Besatzung der JULES VERNE will genau das beobachten.
Tatsächlich erreicht die JULES VERNE den Schauplatz der Finalen Schlacht in der Galaxis Tare-Scharm. Das Schiff wird schwer beschädigt; erst in letzter Minute leitet Perry Rhodan den Sprung in die Gegenwart ein. In einer unbekannten Region wartet nun eine seltsame Welt auf die Menschen: Es ist EVOLUX …
Perry Rhodan – Der Terraner springt mit der JULES VERNE durch Zeit und Raum und erreicht die Weiße Welt.
Mondra Diamond – Die Terranerin lässt ihren Gefühlen freien Lauf.
Castun Ogoras – Der Kommandant der Yakonto geleitet die Terraner nach Evolux.
Dyramesch – Der Sequenz-Inspektor steht für Effizienz und klare Anweisungen.
Gucky –
WOMM! WOMM!
Fünf Sekunden Pause.
WOMM! WOMM!
Perry Rhodan erwachte anfangs durch den Lärm. Dann erst spürte er die Schläge, die auf seinen Schutzhelm trommelten. Halb besinnungslos starrte er auf den unterarmlangen schwarzen Hammer – nein, ein Finger war es! –, der immer wieder sein Visier traf.
WOMM! WOMM!
In sein Blickfeld schoben sich drei glühend rote Augen. Sie gehörten zu dem monströsen schwarzen Schädel eines Außerirdischen. Alle drei Augen waren auf Rhodan gerichtet.
Der Außerirdische – das war niemand anders als Icho Tolot, der Haluter!
»Rhodanos, bist du wach, mein Kleines?«
»Verdammt, Tolotos, lass das bleiben!«
»Dein Vorname lautet?«
»Perry.«
»Deine erste Frau hieß?«
»Thora.«
Tolot testete lediglich, ob er bei Sinnen war. Rhodan versuchte ärgerlich, den Arm zu heben, doch er war noch nicht so weit.
»Du bist langsam«, kritisierte Tolot. Der schwarze Riese ließ den Finger sinken. »Beeil dich mit dem Aufwachen, wir befinden uns in Gefahr. Margin-Chrilox greift nach uns.«
Rhodan begann sich zu erinnern, und durch seinen Körper rauschte ein Stoß Adrenalin.
Margin-Chrilox – das Schwarze Loch!
»Schäden, Tolotos?«, brachte er hervor.
»In großer Menge. Ihr Terraner würdet sagen: ein Wunder, dass dieses Schiff noch fliegt.«
Rhodan kniff die Augen zusammen. Die tanzenden Lichter und knisternden Geräusche, die er aus dem Hintergrund wahrnahm, formten sich zur Kulisse einer Raumschiffszentrale. Lichter und Schwaden, die an Elmsfeuer erinnerten, tanzten über Oberflächen aus Ynkonit-Legierung. Funken lösten sich, Entladungen sprangen von Terminal zu Terminal. Bläuliche Aureolen umhüllten aktive Aggregate.
Eine Serie von Stößen schüttelte das gesamte Hantelschiff – und das bei seiner Masse von 187 Millionen Tonnen! Rhodans Kontursessel bockte wie ein Pferd und versuchte ihn abzuwerfen, doch er war mit stahlfesten Gurten in den Kontursitz geschnallt.
Für einige Sekunden setzte die künstliche Schwerkraft aus; Icho Tolot verlor den Boden unter den Füßen, stieß sich ab und trieb schwerelos zu den Terminals der Piloten. Dort krachte er zu Boden, als die Schwerkraft wieder einsetzte. Tolot bettete den reglosen Saaroon, ihren Ersten Piloten, in einen Reservesitz, schnallte ihn dort fest und übernahm selbst die Kontrolle über das Schiff.
Einige weitere Besatzungsmitglieder, die meisten riesengroße Ertruser oder gedrungene Epsaler, waren ebenfalls wach und aktiv, der Rest der Crew lag in tiefer Bewusstlosigkeit.
»NEMO betriebsbereit!«, tönte eine Maschinenstimme durch den Raum, während ein Ertruser am Terminal neben Rhodan triumphierend die Hände ballte.
»NEMO läuft!«
Rhodan lächelte schwach zurück, die Zähne zusammengebissen. Er fühlte Übelkeit aufsteigen, und durch seinen Kopf pulsierte eine Welle von Schmerz.
»… Biopositronik-Verbund startet Sektionsabfrage …«
»Steuervorrichtungen unter Kontrolle! Triebwerke werden angesprochen!«
Perry Rhodan stemmte den linken Arm hoch und drehte das Handgelenk in sein Blickfeld. Mühevoll entzifferte er die Statusmeldungen des Anzugs: Sie waren allesamt positronisch. Hinter ihnen lag ein Sprung über zwanzig Millionen Jahre, und die Tatsache, dass die syntronischen Komponenten ausgefallen waren, bewies, dass sie in etwa die Gegenwart erreicht haben mussten.
In Schüben kehrte die Erinnerung zurück: Rhodan hatte die Verantwortung für Schiff und Besatzung übernommen, in einer Alles-oder-nichts-Entscheidung, und er hatte die JULES VERNE mit einem Notmanöver zurück in die Gegenwart gezwungen. Nach ihrer Mission in tiefer Vergangenheit. Der Entzerrungs- und Strangeness-Schock, der mit der Rückkehr in die Gegenwart verbunden war, legte ihn und die Besatzung nun großenteils lahm.
Von der Seite hörte Rhodan stöhnende Geräusche: Kommandant Lanz Ahakin kam zu Bewusstsein, mit der Energie eines manisch Getriebenen, und stierte desorientiert knapp an Rhodan vorbei.
»Oberst!«, zischte Rhodan den Mann an. »Aufwachen, Ahakin!«
Lanz Ahakin zuckte zusammen – und als er zu Rhodan schaute, wirkte er beinahe wieder klar im Kopf. Der Kommandant hob schwach die Hand und gab ein Husten von sich. Er brauchte noch ein paar Minuten.
In der Mitte der Zentrale flackerte ein gewaltiges Hologramm: Der Haupt-Hologlobus, eine 17 Meter durchmessende Holografie der Schiffsumgebung, wurde von NEMO hochgefahren und mit Daten beschickt. Ein turbulenter Mahlstrom umfing die hantelförmige Darstellung der JULES VERNE – ein Wirbel aus Materie und Energie, wie er für die Umgebung eines Schwarzen Lochs typisch war. Gewaltige Mengen Plasma, Energie und zerfallende Sonnen kreisten um den Ereignishorizont. Margin-Chrilox war noch exakt dasselbe Hochenergie-Monster wie vor dem Zeitsprung. Mittendrin die riesenhafte, im Zusammenhang so winzige JULES VERNE.
»Rhodanos!«, hörte er eine Stimme dröhnen.
Es war wieder Tolot: »Rhodanos«, warnte der Haluter, »jetzt wird es eng.«
*
Rhodan ließ das Terminal nicht aus den Augen: Die Hauptfusionsreaktoren lieferten Energie, aufgrund ihrer robusten und störungsunanfälligen Konstruktion. Ebenso die Nug-Schwarzschild-Hauptkraftwerke. Drei von sechs Paratron-Konvertern waren nach wie vor ausgefallen, genau wie vor dem Kontextsprung, doch die Schirme standen und beschützten weiterhin das Schiff.
Ansonsten wäre die JULES VERNE binnen eines Sekundenbruchteils ausgelöscht worden: Margin-Chrilox war ein zentralgalaktisches Black Hole mit 37 Millionen Sonnenmassen. Seine Gezeitenkräfte sprengten sogar Riesensterne.
Strahlung und hochbeschleunigtes Plasma strudelten in Richtung Ereignishorizont. Der äußere Rand der Scheibe, die das Schwarze Loch umgab, rotierte mit 45 Prozent der Lichtgeschwindigkeit. Hier herrschten Millionen Grad – und die JULES VERNE mittendrin!
Aus seinem Zeitsprung hatte das Hantelschiff fünfzig Prozent Lichtgeschwindigkeit mitgebracht.
Dennoch reichte die Energie nicht aus, die VERNE in den Linearraum zu zwingen. Der gesamte Kernbereich der Galaxis Tare-Scharm war Teil eines tobenden Hyperorkans der Kategorie 10, mit Werten bis zu 150 Meg. Der Sturm verhinderte den Sprung auf Überlicht.
Es sei denn, die Zufuhr an Energie ließ sich für einen kurzen Zeitraum steigern.
»NEMO! Rhodan spricht! Was ist mit den Gravitraf-Speichern?«
»Die Gravitrafs«, teilte die Stimme des Bordcomputers mit, »sind unter den gültigen Bedingungen der Physik nicht mehr betriebsfähig.«
»Aber eine Restladung tragen sie noch?«
»Die Gravitrafs sind teilentladen bei 34 Prozent.«
»Können wir die Energie einsetzen?«
»Unter definierten Sicherheitsstandards negativ.«
»Aber es ginge?«
»Unter Missachtung der Sicherheitsstandards.«
»Risiko akzeptieren!«, ordnete Rhodan an.
»Bitte bestätigen.«
»Verdammt, NEMO, Risiko akzeptieren!«
Die Gravitraf-Speicher waren Technologie, die in der Gegenwart nicht mehr funktionierte; zumindest konnten sie nach dem Hyperimpedanz-Schock niemals wieder aufgeladen werden. Doch die Restenergie aus der tiefen Vergangenheit stand nach wie vor zur Verfügung. Auch wenn sie sich nach Verwendung nicht mehr ersetzen ließ.
Er fiel in seinen Sitz zurück, entkräftet von den wenigen Sekunden Aktivität, und wartete die Ausführung seiner Order ab.
In hilfloser Eile starrte er auf den Hologlobus: Ein Tryortan-Schlund mit gut fünf Millionen Kilometern Aufrissdurchmesser trieb vorüber, und die letzten Ausläufer des Phänomens verfehlten sie um weniger als eine Lichtsekunde. Ein blauer Sonnengigant von der Größe der Wega, der schon halb zerrissen war, rückte bedrohlich nahe an das Schiff.
Die JULES VERNE begann erneut zu bocken. Ein höllisches Geschepper entstand und entfaltete ohrenbetäubenden Lärm.
Über den Spektakel tönte NEMOS Stimme: »Reserveenergie aus Gravitraf-Speichern steht bereit!«
Tolot und die Umweltangepassten, die das Schiff steuerten, hoben die Köpfe, einige blickten fast erschrocken auf Perry Rhodan.
»Wir versuchen es!«, brüllte er in den Lärm.
Blieb die Frage, ob das Schiff die Überdosis Energie verkraften konnte in seiner momentanen technologischen Verfassung.
»Hawk-II-Aggregate neu konfigurieren!«, ertönte eine heisere Stimme – es war Lanz Ahakin! Der Kommandant saß leichenblass, aber aufrecht in seinem Sessel. »Rhodan hat recht, wir versuchen es!«
Ein verheerender Schlag ließ die künstliche Schwerkraft und selbst das Licht erlöschen.
Tolot und die Umweltangepassten, unterstützt von Rhodan und Ahakin, leiteten dennoch das Notmanöver ein.
Mit einem Mal verstummte der Lärm, es wurde still in der Zentrale, und die Beleuchtung flackerte mit fehlgesteuert greller Intensität wieder auf. Als Rhodan wieder sehen konnte, sprang eine Batterie roter Statusleuchten auf Grün: Die Hawk-II-Linearkonverter liefen schließlich an, mit neuen Parametern geschaltet – und rissen das Schiff in den Linearraum.
Die JULES VERNE floh mit Überlichtfaktor 25.000, was knapp drei Lichtjahren pro Stunde entsprach. Nur fort aus der Todeszone Margin-Chrilox. Hinaus aus dem Gröbsten, wie Rhodan hoffte, selbst wenn es Tage in Anspruch nahm.
In der VERNE kehrte nicht gerade Ruhe ein, zu mannigfach waren die Schäden. Doch die unmittelbare Todesgefahr endete für den Augenblick. Die Gravitraf-Energie war verbraucht und verarbeitet, und die Explosion der Antriebsaggregate, die jedermann befürchtet hatte, trat nicht ein.
Nach Ablauf einer Viertelstunde im Linearraum begann die Crew zum Leben zu erwachen.
Mondra Diamond war okay, Rhodan sah mit Erleichterung, wie sie in ihrem SERUN den Kopf hob und matt in seine Richtung winkte.
Die Offiziere an den Leitstationen folgten, die Emotionauten, und bald war jeder Posten in der Zentrale doppelt besetzt. Allein Major Saaroon, der Erste Pilot, blieb in seinem Reservesitz außer Gefecht; Saaroon war Posbi und als solcher von den Strangeness-Elmsfeuern befallen.
Die ersten Medokommandos trafen mit Antigravtragen in der Zentrale ein. Sie transportierten nicht nur Saaroon ab, sondern ebenfalls den Mausbiber Gucky, den Dual Ekatus Atimoss und den Maskenträger Alaska Saedelaere. Sie alle brauchten Zeit, waren aber außer Gefahr.
In der Zentrale blieb nur zurück, wer handlungsfähig war.
Strangeness-Effekte schufen ein Gefühl permanenter, alles durchdringender Verwirrung, doch die Frauen und Männer, die in dem Expeditionsschiff Dienst taten, gehörten zur Raumfahrer-Elite. Strangeness erlebten sie nicht zum ersten Mal.
Im Schiff begann die Phase der Diagnose, gefolgt von ersten Reparaturarbeiten.
Selbstverständlich wäre die JULES VERNE auch von ihrer technischen Ausstattung her ein hervorragendes Raumschiff gewesen: Impulstriebwerke Güteklasse A, Biopositroniken bester Produktion, hochoptimierte Hawk-II-Linearkonverter. Doch die Finale Schlacht der Vergangenheit, die hinter ihnen lag, hatte schwer gewütet. Der eigentliche Schadensumfang war noch lange nicht ermittelt.
Die Meldungen aus der JV-1 und der JV-2 verhießen wenig Gutes.
Am schwersten war das Mittelstück betroffen: Der algorrianische Kontextwandler, ihre Zeitmaschine, brannte von innen aus, ohne dass ein Löschen möglich war. Der Quell der Glut blieb rätselhaft. Oberst Lasik, Kommandant des JV-Mittelteils, ordnete die komplette Evakuierung seiner Sektionen an, solange Explosionsgefahr bestand.
Drei Stunden dauerte das Feuer, und als der Kontextwandler vernichtet war, blieb nichts als eine kohlende, geschmolzene Masse – von höchstem Rohstoffwert, aber ohne jede Funktionalität. An Reparatur konnte nicht einmal ein Träumer denken. Einen Kontextwandler würde es niemals wieder geben, jedenfalls nicht ohne vollständige Neukonstruktion.
Nach dreieinhalb Stunden Flug erreichte ein Anruf Rhodan in der Zentrale: Am anderen Ende war Oberstleutnant Istorico, Chefingenieur der JV-1.
»Maschinenräume hier! Perry, wir stecken in größeren Schwierigkeiten als erwartet. Das Schiff ist krank.«
Rhodan kannte die Angewohnheit des Ara-Ingenieurs, Maschinen mit Organismen gleichzusetzen, zumindest in seiner Wortwahl. »Das Schiff ist krank« hieß nichts anderes, als dass eine schwerwiegende, tief greifende Beeinträchtigung vorlag.
»Das ist mir bekannt.« Rhodan schloss mit einer vagen Geste den Umkreis ein, die Elmsfeuer und defekten Terminals der Zentrale. »Also worum geht es?«
»NEMO dokumentiert eben einen bedrohlichen Vorgang. Sämtliche Salkrit-Kristalle verlieren seit einigen Minuten ihre Wirkung. Es sieht aus, als hätte eine Art Zerfall eingesetzt.«
Zahlreiche Aggregate der JULES VERNE waren ohne Hyperkristalle einer gewissen Qualität nicht betriebsfähig. Darunter der Antrieb. Rhodan wusste das.
»Was ist mit HS-Howalgonium?«
»Exakt dasselbe. Die Sache wird jede Minute schlimmer, und wir wissen nicht, wieso.«
»Eure Vermutung?«
»Der Kontextsprung, Perry!«, glaubte Istorico. »Eine ungeplante Notaktion, nicht wahr? Man musste damit rechnen, dass es Folgen gibt, und auch damit, dass sie unsere empfindlichsten Kristalle treffen.«
»Kristalltausch im laufenden Betrieb ist Standard!«
»Ja, aber hier sind alle Kristalle zugleich betroffen. Dafür müssten wir die Antriebsblöcke stilllegen.«
»Ich verstehe. Also gut, Oberstleutnant, zurück an die Maschinen. Wir tun in der Sache, was wir können.«
Der Ara nickte in einer terranischen Geste, die er sich abgeschaut hatte, und unterbrach die Verbindung.
Rhodan alarmierte die wissenschaftliche Abteilung der JULES VERNE – denn er ahnte, dass das zugrunde liegende Problem nicht so einfach technisch gelöst werden konnte.
Schließlich bat er Mondra Diamond und Tolot zu sich: Der Zerfall von Salkrit und HS-Howalgonium verlief exponentiell und ließ sich leicht berechnen. NEMO zeigte eine Grafik, eine abwärts gerichtete Kurve in einem Koordinatengitter, die in Kürze die Nulllinie schneiden würde.
»Was willst du tun, Perry?«
»Weiterfliegen. So viel Abstand zum galaktischen Zentrum wie möglich! Wenn es nicht mehr geht, schalten wir die Triebwerke ab, aber nicht zu früh und nicht ohne Not. Die Hawks arbeiten mit HS-Howalgonium. Eine Stunde noch, dann fallen wir sowieso auf Unterlicht zurück.«
»Und wechseln die Kristalle!«, setzte Mondra hinzu.
Nach viereinhalb Stunden im Linearraum kam das Ende.
Rhodan und seine Terraner schlossen die SERUNS, als Vorkehrung für den Fall der Fälle, sämtliche Stationen wurden dreifach besetzt, fragile Aggregate ausgeschaltet.
»Oberst«, wandte er sich an den Kommandanten, »Linearetappe beenden! Besser, wir reizen es nicht bis zum Letzten aus.«
Ahakin blickte nicht auf Rhodan, sondern auf sein Terminal. »Wir haben noch acht Minuten, Perry!«
»Ja – aber wir brauchen eine Handlungsreserve für den Notfall.«
Ahakin nickte.
Die Hawks hörten zu arbeiten auf. Die JULES VERNE wechselte ins Standarduniversum – mit aktivierten Paratrons.
In Flugrichtung leuchtete eine gelbe, planetenlose Sonne vom Sol-Typ. Margin-Chrilox lag dreizehn Lichtjahre hinter ihnen. Der Hypersturm tobte auch hier, allerdings mit gemäßigter Gewalt; das Schwerkraftfeld des Sterns stabilisierte einen gewissen Umkreis, der sie schützte.
Als sie in den Orbit um die Sonne schwenkten, war die direkte Vernichtungsgefahr für Mannschaft und Schiff gebannt. Die Handlungsreserve, die Perry Rhodan zurückgehalten hatte, wurde nicht benötigt.
»Salkrit, Oberst?«, fragte Rhodan, zu Lanz Ahakin gewandt.
»Praktisch ausgebrannt. HS-Howalgonium ebenfalls.«
»Gefährdung für das Schiff?«
»Keine erkennbar. Für die Schutzschirme und die Impulstriebwerke reicht auch normales Howalgonium. Das ist nicht betroffen.«
Rhodan blickte auf die Orterdisplays: Das Kantorsche Ultra-Messwerk, ihr wertvollstes Messinstrument, war mit Salkrit bestückt und daher außer Betrieb. Doch nach allem, was sich auf konventionelle Art über die Umgebung sagen ließ, schwebten sie nicht in Gefahr.
Perry Rhodan löste schließlich die Gurte und klappte den Helm zurück. Er blickte in die Runde. Die Gesichter, die er sah, wirkten hohlwangig und leer, nach Vibra-Psi und nach Finaler Schlacht, nach Margin-Chrilox und der Flucht in den Linearraum – und das alles ohne Ruhepause.
»Dieser Einsatz dauert schon viel zu lange. Kommandant: Schicken wir die Schichten 1 und 2 für acht Stunden in die Betten.«
»Aber das Schiff …«
»Dürfte immer noch da sein, wenn die Leute aufwachen. Was in viereinhalb Stunden nicht explodiert ist, explodiert auch in acht Stunden nicht. Schicht 3 übernimmt für Notfälle. Danach sehen wir uns an, was von unserer JULES VERNE übrig ist. – Ach ja, Lanz …«
Der Kommandant blickte beiläufig auf. »Perry?«
»Schlafen gilt auch für dich.«
Ahakin klappte in Protest den Mund auf – und kleinlaut wieder zu. »Alles klar, Perry«, knurrte er stattdessen. Die Beschwerde, die ihm auf der Zunge lag, verkniff er sich, weil er offensichtlich unrecht hatte.
Rhodan fuhr müde über seine Augen. Er war länger wach als jeder andere Terraner an Bord.
»Tolotos«, sagte er zu dem Haluter, »ich und Mondra gehen schlafen. Du übernimmst die Aufsicht.«
*
Perry Rhodan erwachte in einem Zustand von Verwirrung, den er mühevoll bekämpfte. Er tastete instinktiv nach Mondra, doch sie schlief in ihrer Kabine. Wenn er gehofft hatte, nach acht Stunden im Sonnenorbit könnten die Strangeness-Effekte verschwunden sein, sah er sich getäuscht.
Er klopfte an die Tür nebenan und holte Mondra ab. Ihre Kabinen lagen auf Deck 11-3, und bis zum Leitstand waren es nur ein paar Schritte.
Oberst Ahakin war schon wieder auf Posten, als sie die Zentrale erreichten.
Der Zustand des Schiffes war auf niedrigem Niveau stabil. Im JV-Mittelteil herrschte mittlerweile Ruhe, die Brände waren gelöscht, die entstandene Hitze ins Vakuum abgeleitet. Schicht 3 hatte wertvolle Vorarbeit geleistet, und Rhodan ließ nun, da frische Kräfte zur Verfügung standen, im ganzen Schiff Bestand aufnehmen.
Oberst Ahakin erteilte Befehl, die unbrauchbaren Hyperkristalle durch frische aus Lagerbeständen zu ersetzen.
Nach einer Stunde meldete sich erneut Oberstleutnant Istorico, Chefingenieur der JV-1. »Es ist schlimmer als erwartet mit dem Schiff«, verkündete der Ara. »Wir haben eben die ersten Hawk-II-Aggregate geöffnet. Sämtliches Salkrit und HS-Howalgonium war zerfallen.«
»Wie erwartet.«
»Richtig. Und jetzt sind wir in den Hyperkristall-Lagern, Perry, wir messen gerade den Ersatz durch. Es sieht so aus, dass nicht nur die beanspruchten Kristalle zerfallen sind – sondern sämtliche Lagerbestände ebenfalls. Völlig gleich, ob das Material schon in Benutzung war oder nicht.«
Rhodan zeigte keine Reaktion. Exakt das, was er insgeheim befürchtet hatte, trat nun ein.
»Wir glauben, dass nirgendwo im Schiff mehr brauchbares Salkrit zu finden ist. Wahrscheinlich auch kein HS-Howalgonium, aber das prüfen wir noch. Oberstleutnant Parara ist drüben in der JV-2 ebenfalls auf der Suche.«
Rhodan drehte sich zu Mondra Diamond, Tolot und Lanz Ahakin. Sie hatten alle mitgehört.
»Was denkst du, Perry?«
»Ich denke, wir halten uns mit einem vorschnellen Urteil am besten zurück.«
Er blickte auf eine Leuchtmatrix, die in Symbolform die Sektionen des Schiffes zeigte. Rot stand für nicht betriebsfähig, Gelb für bedingt bereit, Grün für einsatzklar. – Gelb und Rot dominierten das Bild. Ein klares, optimistisches Grün leuchtete nur an wenigen Stellen.
Wenn Istorico recht behielt – und wer zweifelte daran? – hatte die JULES VERNE jegliche Fernflug-Eigenschaften eingebüßt. Es gab nach Rhodans Wissen keine Möglichkeit, ohne Salkrit oder HS-Howalgonium aus dem Zentrum von Tare-Scharm zu entkommen.
Er blickte trotzig auf die Matrix der Sektionen. Ein Piktogramm, das vorher Tiefrot gezeigt hatte, sprang plötzlich auf Grün zurück. Rhodan trat an die Abbildung heran und identifizierte das Symbol.
»Na also!«, rief er gallig zu Tolot und zu Mondra. »Wer sagt da, dass es keine Hoffnung gibt? Die Cafeteria hinter der Zentrale meldet sich einsatzklar.«
*
Der Hyperorkan ließ allmählich nach, während das Hantelschiff um die namenlose gelbe Sonne kreiste. Doch 120 Meg waren immer noch ein gewaltiger Wert.
