Perry Rhodan 249: Der Geist der Maschine - Kurt Mahr - E-Book

Perry Rhodan 249: Der Geist der Maschine E-Book

Kurt Mahr

0,0

Beschreibung

Noch ist KALIF nicht verloren! - Reginald Bulls Männer gewinnnen die dritte Schlacht... Auf der Erde schreibt man Ende des Jahres 2402. Perry Rhodans Expedition nach Andromeda, das sogenannte "Unternehmen Brückenkopf", hatte nicht nur Erfolge zu verzeichnen, sondern auch Rückschläge. Auf jeden Fall hat es die terranische Expedition erreicht, sich mit dem Planeten Gleam in Andro-Beta einen Stützpunkt zu sichern, von dem aus der Vorstoß in das eigentliche Herrschaftsgebiet der Meister der Insel unternommen werden könnte. (Baar Lun, der Modul, der im Auftrag der MdI die "leuchtenden Sphären" zum Einsatz brachte und sich dann auf die Seite der Terraner schlug, bestätigte, daß die Herren Andromedas keine weiteren Waffen in Andro-Beta parat hätten.) Der Schauplatz des intergalaktischen Geschehens verlagert sich, als die mysteriösen Meister der Insel bei den Maahks in Andro-Alpha, 62 000 Lichtjahre vom Betanebel entfernt, eine unheimliche Aktivität entwickeln. Grek 1, Perry Rhodans Maahk-Verbündeter, opfert sich, um seinem Volk zu helfen und die Terraner nicht verraten zu müssen. Die Vernichtungskommandos der "leibeigenen" Maahks sammeln sich - und schwere Kämpfe entbrennen um das "Schrotschußsystem". Reginald Bulls Leute geraten in schwere Bedrängnis, bis DER GEIST DER MASCHINE entscheidend eingreift...

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0



Nr. 249

Der Geist der Maschine

Noch ist Kalif nicht verloren! – Reginald Bulls Männer gewinnen die dritte Schlacht ...

von KURT MAHR

Auf der Erde schreibt man Ende des Jahres 2402. Perry Rhodans Expedition nach Andromeda, das so genannte »Unternehmen Brückenkopf«, hatte nicht nur Erfolge zu verzeichnen, sondern auch Rückschläge.

Auf jeden Fall hat es die terranische Expedition erreicht, sich mit dem Planeten Gleam in Andro-Beta einen Stützpunkt zu sichern, von dem aus der Vorstoß in das eigentliche Herrschaftsgebiet der Meister der Insel unternommen werden könnte. (Baar Lun, der Modul, der im Auftrag der MdI die »leuchtenden Sphären« zum Einsatz brachte und sich dann auf die Seite der Terraner schlug, bestätigte, dass die Herren Andromedas keine weiteren Waffen in Andro-Beta parat hätten.)

Der Schauplatz des intergalaktischen Geschehens verlagert sich, als die mysteriösen Meister der Insel bei den Maahks in Andro-Alpha, 62.000 Lichtjahre vom Betanebel entfernt, eine unheimliche Aktivität entwickeln. Grek 1, Perry Rhodans Maahk-Verbündeter, opfert sich, um seinem Volk zu helfen und die Terraner nicht verraten zu müssen.

Die Hauptpersonen des Romans

Steve Kantor – Ein Terraner begegnet einem Ungeheuer.

Reginald Bull – Verteidiger des Schrotschuss-Systems.

Oberstleutnant Koenig – Chef eines Ingenieur-Bataillons.

Allan D. Mercant – Solarmarschall und Abwehrchef.

Icho Tolot – Der Haluter bricht ein Gesetz seines Volkes.

Sid Lippman, Lucas DellaFera und Lott Warner – Mitglieder von Steve Kantors Team.

Reggie

1.

Kantor fuhr in die Höhe. Einen Augenblick lang war er verwirrt und wusste nicht, wo er sich befand. Dann kehrte die Erinnerung zurück. Er wandte den Kopf und sah das hellerleuchtete Viereck der Tür.

Gegen den Lichtschein zeichnete sich eine fremde Gestalt ab. Noch halb vom Schlaf benommen, sah Kantor ein Paar säulenartige, kurze Beine, einen Leib, plump und rund wie ein aufgeblasener Ballon und daran zahllose Auswüchse, die wie Tentakel eines Tiefseeungeheuers unaufhörlich hin und her zuckten.

Der Anblick war so grauenhaft, dass Kantor das Blut in den Adern gefror. Er vermochte nicht einmal zu schreien. Ein trockenes Röcheln kam ihm über die Lippen, das war alles.

Der Fremde stand unter der offenen Tür und schien den Raum zu sondieren. Kantors Verstand wurde allmählich wieder klar. Er erinnerte sich, dass er die Tür geschlossen hatte, bevor er sich niederlegte. Der Fremde musste die Verriegelung gelöst haben. Es war Kantor völlig unbegreiflich, wie er das hatte tun können, und er hatte keine Ahnung, wo auf Kalif es solche Ungeheuer wie das gab, das in der Tür stand. Er wusste nur, dass er sich fürchtete, und sobald er sich darüber klar war, begann er gegen die Angst anzukämpfen.

Der Fremde setzte sich in Bewegung. Er überschritt die Schwelle und betrat den halbdunklen Raum. Das gab den Ausschlag. Kantors Muskeln funktionierten plötzlich. Mit einem martialischen Schrei fuhr er von der Liege auf und schoss quer durch das Zimmer auf den kleinen Schrank zu, in dem er vor dem Schlafengehen seine Kleidungsstücke ordnungsgemäß aufgehängt hatte. Der Fremde schien ein wenig überrascht. Er blieb stehen, und seine Dutzend Arme peitschten nervös durch die Luft. Kantor riss den Schrank auf. Die Helligkeit, die zur Tür hereinfiel, reichte nicht aus, um ihn sehen zu lassen, wo seine Arbeitsmontur hing. Aber er hatte Glück. Das erste, was er berührte, war das Gürtelhalfter mit der kleinen Strahlwaffe.

Er riss den Blaster hervor. Mittlerweile schien der Fremde zu einem Entschluss gekommen zu sein. Er wandte sich um. Kantor sah ihn durch die Tür stapfen. Mit einem wütenden Schrei hob er die Waffe und schoss. Die grelle Entladung blendete ihn, und als er wieder klar sehen konnte, war das Ungeheuer verschwunden. Kantor stürzte zur Tür. Der Gang, der sich nach rechts und links Hunderte von Metern weit an den Schlafräumen der Ingenieure vorbeizog, war leer und ruhig. Von dem tentakelbewehrten Fremden zeigte sich keine Spur.

Der rechte Türpfosten war heiß. Gestank von erhitztem Plastikmetall erfüllte die Luft. Kantor schaltete das Licht ein und sah sich um. Sein kleines Zimmer sah noch genauso prosaisch aus wie vor acht Stunden, als er es zum ersten Mal gesehen hatte. Links an der Wand stand das Bett, an der Rückwand gab es eine Sitzecke mit einem Tisch und drei Sesseln, an der rechten Wand standen ein kleiner und ein größerer Schrank. Rechts neben dem großen Schrank führte eine Tür in die kleine Badenische. Unmittelbar neben der Tür war die Interkomanlage angebracht. Den Boden bedeckte ein anspruchsloser Teppich aus Kunstfaser, und das Licht kam aus zwei gelben Fluoreszenzröhren an der Decke.

Das war Steve Kantors kleines Reich. Er fragte sich, was ein unbekannter Fremder hier zu finden erwartet hatte.

Seine Schreie waren offenbar von niemand gehört worden. Das wunderte ihn nicht. Rechts und links und auf der gegenüberliegenden Seite des Ganges schliefen Leute, die genauso wie er vor zwölf Stunden von der Erde gekommen waren. Auf Kalif war es gang und gäbe, dem Neuankömmling, sofern er nicht zur Klasse der berufsmäßigen Raumfahrer gehörte, ein kräftiges Schlafmittel zu verabreichen. Steve fragte sich, wie er es fertiggebracht hatte, so schnell zu erwachen.

Er ging zum Interkom. Er hob den Hörer ab und drückte die Zifferntaste 0. Der kleine Bildschirm leuchtete auf. Ein müdes Gesicht erschien.

»Zentrale. Korporal Bennington. Was kann ich für Sie tun?«

Steve grinste unwillkürlich. Bennington wünschte ihn wahrscheinlich zur Hölle, aber man hatte ihn angewiesen, den neuen Ingenieuren gegenüber freundlich zu sein.

»Ich habe eine Meldung zu machen, Korporal«, erklärte Steve.

»Aha«, machte Bennington ungerührt.

»Ein Fremder ist in mein Zimmer eingedrungen.« Er beschrieb das Aussehen des Ungeheuers. Bennington wackelte dazu mit dem Kopf. »Ich feuerte einen Schuss ab«, erklärte Steve, »aber bevor ich wieder klar sehen konnte, war es verschwunden.«

»Klar, das kenne ich«, knurrte der Korporal. »Auf dem Kopf hatte er drei bunte Antennen, und wenn er sich bewegte, spielte ein Glockenspiel La Paloma. Sir«, er wurde plötzlich amtlich, »Sie sind nicht der erste Neuankömmling auf Kalif und auch nicht der erste, der Halluzinationen hat. Überlegen Sie sich selbst noch einmal, was Sie mir eben erzählt haben, und wenn Sie danach immer noch eine Meldung machen wollen, rufen Sie mich wieder an. Bis dahin – recht gute Nacht!«

Ehe Steve protestieren konnte, erlosch der Bildschirm. Steve war wütend, aber bevor er noch dazu kam, Bennington ein zweites Mal anzurufen, fiel ihm etwas ein.

»Auf dem Kopf hatte er drei Antennen ...«

Steve rief sich das Bild des Ungeheuers ins Gedächtnis zurück. Natürlich hatte er vor Angst und Aufregung kaum aus den Augen sehen können, aber er war ziemlich sicher, dass der Fremde überhaupt keinen Kopf gehabt hatte.

*

Fünf Stunden später, als das Wecksignal die neuangekommenen Ingenieure aus dem Schlaf schreckte, sah die Sache schon ganz anders aus. Steve Kantor fühlte sich ruhig und ausgeschlafen. Er war auf einmal nicht mehr so sicher, ob er die Sache mit dem Ungeheuer wirklich erlebt oder nur geträumt hatte. Er nahm eine Dusche und kleidete sich an. Währenddessen fasste er den Entschluss, zu niemand über sein nächtliches Erlebnis zu sprechen. Darüber hinaus hoffte er, dass Korporal Bennington seinen Mund halten würde.

Bevor er jedoch sein Zimmer verließ, um sich dem Strom der Leute anzuschließen, der sich draußen durch den Gang bewegte, inspizierte er die Türfüllung. Der Schuss aus dem Blaster hatte eine deutliche Markierung hinterlassen. Wenigstens der Schuss also war in Wirklichkeit gefallen, nicht im Traum. Nachdenklich presste Steve den Zeigefinger in die brandgeschwärzte Schramme, die die Entladung durch den Türpfosten gezogen hatte. Dann schüttelte er ärgerlich den Kopf und trat hinaus in den Gang. Augenblicklich erfasste ihn die Menschenmenge und zog ihn mit sich fort.

Minuten später befand er sich in dem großen Speisesaal, auf den der Gang mündete. Es handelte sich um eine Halle von wenigstens fünfzig Metern Länge und dreißig Metern Breite. Ein Viertel der Grundfläche nahmen die Speiseautomaten ein, an denen jeder sich nach Belieben bedienen konnte. Die übrigen drei Viertel waren mit Tischen und Sitzbänken vollgestellt. Steve besorgte sich einen Becher Kaffee und ein Sandwich, fand einen Sitzplatz an einem der Tische und zerbrach sich beim Verzehren des Frühstücks den Kopf, warum er eigentlich hierhergekommen war.

In die Rückwand des Saales eingelassen war ein mächtiger Bildschirm, der in der Art eines Fensters einen Ausblick in die Umgebung erlaubte. Auf einem kleinen Himmelskörper wie Kalif, auf dem der Horizont ständig in Steinwurfweite lag, setzte sich die Umgebung aus grauem, festem Boden und der Schwärze des Weltraums zu gleichen Teilen zusammen. Steves Blick schweifte flüchtig über die Ansammlung von barackenähnlichen Gebäuden, die das untere Drittel des Bildfeldes erfüllten, und glitt darüber hinweg auf das glitzernde Gewimmel der Hunderttausende von großen, kleinen und winzigkleinen kosmischen Splittern, die sich im Licht der Doppelsonne drehten und dafür verantwortlich waren, dass diese merkwürdige Insel im Nichts den Namen Schrotschuss-System erhalten hatte.

Die beiden Sonnen beherrschten das Bild. Von Filtern soweit gedämpft, dass das Auge keine Schmerzen empfand, strahlten die orangegelben Glutbälle aus dem Mittelpunkt des Bildschirms. Die beiden Sonnen waren der Energielieferant des Transmitters, der das Schrotschuss-System mit der Galaxis Andromeda verband. Kalif war einer der neun großen Asteroiden, die zusammen mit dem Gewimmel der Felssplitter das Schwerkraftzentrum der Sonne umliefen. Kalif war etwa so groß wie der irdische Mond – und ebenso dicht bevölkert.

Steve fand es schwer zu begreifen, wie innerhalb so kurzer Zeit eine solche Fülle an Menschen und Material in diesen entfernten Winkel des Universums gebracht werden konnte. Kalif war mehr als 1,3 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt. Vor fast genau einem Erdjahr war zum ersten Mal ein terranisches Raumschiff bis zum Schrotschusssystem vorgestoßen. Jetzt glich Kalif einem Heerlager. Docks und Reparaturhallen, provisorische Wohnsiedlungen und Kraftwerke, Hypersendeanlagen und technische Labors waren über Nacht aus dem Boden gesprungen. Eine nach Tausenden zahlende Flotte von Raumschiffen aller Typen schwebte dicht über Kalif im Raum und umkreiste zusammen mit dem Asteroiden die rote Doppelsonne.

Als Steve Kantor, damals noch auf der fernen Erde in einem staatlichen Forschungsinstitut beschäftigt, vor vier Monaten zum ersten Mal von den gewaltigen Anstrengungen hörte, die die Menschheit unternahm, um sich auf der Schwelle zu einer fremden Galaxis einen Stützpunkt zu schaffen, hatte ihn die Begeisterung übermannt. Er begann, eine neue Art von Stolz zu empfinden – Stolz darüber, dass er ein Terraner war. Und als aus Terrania verlautbarte, dass man Hyperfeld-Techniker suchte, die bereit waren, zwei oder drei Jahre weit weg von der Erde auf einem risikoreichen Außenposten zu verbringen, da wusste er, dass es sich nur um den Schrotschusstransmitter handeln konnte, und reichte seine Bewerbung auf dem schnellsten Wege ein.

Man hatte ihn angenommen. Von da an war alles sehr schnell gegangen. Am selben Tag, an dem er den Annahmebescheid erhielt, war er abgeholt worden. Man brachte ihn zu einem Trainingslager an der westafrikanischen Küste. In hundert Stunden suggestiver Schulung lernte er alles, was er für die bevorstehende Aufgabe brauchen würde. Er erfuhr zum ersten Mal, was sich seit der Landung des Flottenflaggschiffs CREST II auf Kalif im Dezember 2401 im Schrotschusstransmitter und in den Randgebieten des Andromeda-Nebels im einzelnen getan hatte. Zum ersten Mal begriff er, dass die Anstrengungen, die hier unternommen wurden, um der Menschheit den Zutritt zu einer fremden Milchstraße zu ermöglichen, in Wirklichkeit viel heroischer und gewaltiger waren, als er bisher geglaubt hatte.

Und seine Begeisterung wuchs.

Als er und fünfhundert andere Ingenieure genug gelernt hatten, verfrachtete man sie in ein gewaltiges Raumschiff. Der Flug dauerte mehr als zwei Tage und führte durch die Tiefen der heimatlichen Galaxis. Schließlich verabreichte man den Passagieren ein Medikament, und das nächste, was Steve wusste, war, dass er auf dem Bildschirm seiner Kabine die Lichtpunkte zweier Sonnen in absoluter Finsternis leuchten sah. Die Finsternis stellte sich, wenn man lange genug hinschaute, als nicht so vollkommen heraus, wie man beim ersten Blick zu glauben geneigt war. Quer über das Firmament erstreckte sich ein hauchdünner, weitgespannter Nebelstreif. Er leuchtete schwach und war über der glänzenden Helligkeit der beiden Sonnen leicht zu übersehen.

Da wusste Steve Kantor, dass er sein Ziel erreicht hatte. Die beiden roten Glutbälle waren die Sonnen des Schrotschusstransmitters. Das riesige Schiff hatte das Ziel ohne Zwischenfall erreicht. In wenigen Stunden würde er zur Arbeit eingeteilt sein und an einem Projekt mitarbeiten, das so atemberaubend war wie noch nie zuvor ein Unternehmen während der jahrtausendelangen Geschichte der Menschheit.

Er erinnerte sich an das, was er gedacht und empfunden hatte, und verzehrte dabei sein Sandwich. Die himmelstürmende Begeisterung hatte sich mittlerweile gelegt. Der Landung auf Kalif folgte ein alles andere als poetischer Empfang. Lautsprecher brüllten Anweisungen, und ungeduldige Flottenunteroffiziere trieben die Ingenieure wie eine Herde Schafe vor sich her. Jedermann benahm sich so, als sähe er es lieber, wenn die Neuankömmlinge zu Hause auf der Erde geblieben wären. Steve war zunächst enttäuscht, aber dann sah er ein, dass die Leute auf Kalif anderes zu tun hatten, als ein Bataillon junger Wissenschaftler mit offenen Armen zu empfangen. In einer Halle, die so groß war, dass man in ihr ein mittelgroßes Raumschiff hätte unterbringen können, mussten die Neuangekommenen wie Rekruten antreten. Die Begeisterung, zum ersten Mal dem sagenhaften Reginald Bull gegenüberzustehen und ihn sprechen zu hören, kam infolge des wenig freundlichen Empfangs nicht ganz zur Geltung, aber trotzdem erinnerte sich Steve, dass er voll atemloser Spannung zugehört hatte. Staatsmarschall Bull umriss Zweck und Ziel des Schrotschussstützpunkts mit knappen Worten und ging danach auf die Aufgaben der neuangekommenen Ingenieure ein. Er stellte die Sektionsleiter vor – ohne Ausnahme Offiziere aus dem technischen Korps der Flotte –, so dass jeder von den Neuen wusste, für wen er von jetzt an arbeitete.

Dann gab es etwas zu essen. Zusammen mit den fünfhundert anderen bekam Steve seine Unterkunft gezeigt, die mehr einer Raumschiffskabine als dem glich, was er erwartet hatte. Sanitäter waren herumgegangen und hatten Medikamente verteilt. Steve hatte ein Bad genommen und war zu Bett gegangen.

Und jetzt war er hier. Er sah auf die Uhr. Es war zehn nach acht Standardzeit. Um acht Uhr dreißig hatte er sich zur Anweisung seines Aufgabengebiets einzufinden. Sein Sektionsleiter war Oberstleutnant Koenig. Koenig hatte insgesamt achtzig der neuen Ingenieure unter sich. Steve konnte sich vorstellen, dass er den Tag damit verbringen würde, diese achtzig in kleinere Gruppen aufzuteilen, Unterführer zu bestimmen und den Leuten Gelegenheit zu geben, sich miteinander bekannt zu machen. Steve rechnete nicht damit, an diesem Tag eine mehr als allgemeine Vorstellung von dem zu bekommen, was er in Zukunft tun würde.

Er beendete sein Frühstück, schob das Kunststofftablett, von dem er gegessen hatte, in den Abfallbehälter und machte sich auf den Weg zum Labortrakt. Das Innere von Kalif bestand aus einem Durcheinander von Gängen, Schächten und Räumen, das mit viel Eile und Eifer, aber wenig Systematik angelegt worden war. An jeder Gangecke befand sich daher ein Wegweiser, der denen, die den Weg verloren hatten, sagte, wohin sie gehen mussten. Die Gänge waren von unterschiedlicher Höhe und Breite, je nachdem, welchem Zweck sie dienten, und mit grauem Plastikmetall ausgekleidet. Unter der Decke entlang liefen ein, zwei oder auch drei Reihen von Fluoreszenzröhren. Die größeren Gänge waren mit Rollbändern ausgelegt, in den kleineren vollzog sich der Verkehr zu Fuß. Überall herrschte die gleiche Gravitation. Ein riesiger Schwerkraftgenerator tief im Innern des Asteroiden, erst vor kurzem installiert, versorgte ganz Kalif mit der Schwere, wie sie auf der Erde herrschte.

Steve Kantor hatte etwa einen Kilometer weit zu gehen, dann wies ihn ein Richtungsschild in die Tiefe. Durch einen Antigravschacht gelangte er in eine Etage, die wenigstens fünfhundert Meter unter der liegen musste, aus der er gekommen war. Als er den Schacht verließ, hörte er das schwere und stetige Summen kräftiger Maschinen. Er ging ein paar Schritte weit und kam vor eine Tür mit der Aufschrift KONFERENZRAUM IP-8, SEKTION C, OBERSTLT. KOENIG. Er trat ein.

Der Raum war klein und von Zigarettendunst erfüllt. Koenigs gesamte Gruppe hatte sich schon versammelt. Die Männer waren nervös und aufgeregt. Die vorhandenen Stühle waren längst besetzt, und die Hälfte der Leute stand an den Wänden. Steve fand eine schmale Lücke und zwängte sich hinein. Der Mann rechts neben ihm, ein Riese mit einem Zug nervösen Unbehagens auf dem breiten Gesicht, nickte ihm zerfahren zu.

Genau um acht Uhr dreißig trat Oberstleutnant Koenig durch eine kleine Tür in der Rückwand des Raumes. Koenig war ein kleiner, aber stämmiger Mann. Das Auffallendste an ihm war sein schlohweißes, buschiges Haar. Er musste Europäer sein, und er sah aus wie einer, der wusste, was er wollte.

Er grüßte kurz, und obwohl er kein Mikrophon benutzte, hatte seine Stimme keine Schwierigkeit, das erregte Gemurmel von achtzig Leuten zu durchdringen.

»Ich habe nicht die Absicht«, fuhr er fort, »Sie in diesem Käfig lange eingesperrt zu halten. Wir haben Arbeit zu tun und keine Zeit zu verlieren. Anhand der Unterlagen, die wir über Sie erhielten, habe ich Sie in zwölf Untergruppen eingeteilt, von denen jede ihre spezifische Aufgabe erhält. Die Untergruppen sind in der Größe verschieden. Der Leiter einer jeden Untergruppe ist unmittelbar mir verantwortlich. Jeder Gruppenleiter ist bereits darüber informiert, welche Aufgabe auf seine Gruppe wartet. Sobald ich hier fertig bin, wird jeder Gruppenleiter seine Leute einweisen. Auf diese Weise wird Zeit gespart.« Er wies auf die Rückwand. »Sie werden in wenigen Minuten an dieser Wand eine Tafel aufleuchten sehen, die die Zusammensetzung der Untergruppen, den Namen des jeweiligen Leiters und den Teil des Labortrakts angibt, die der Gruppe angewiesen wurde. Diejenigen, deren Namen nicht als die der Gruppenleiter genannt werden, begeben sich nach Verlassen dieses Raumes sofort zu ihrem angewiesenen Labor. Die Leiter selbst werden noch einige Minuten hierbleiben, um besondere Anweisungen zu erhalten.

Ich möchte Ihnen noch einmal klarmachen, dass Kalif eine militärische Institution ist und dass es sich bei dem, was wir vorhaben, um ein militärisches Unternehmen handelt. Sie werden anfangs die Bequemlichkeit vermissen, die Ihnen während Ihrer bisherigen Beschäftigung vertraut war. Aber ich bin sicher, dass Sie rechtzeitig erkennen, wie sehr unser Vorhaben diese etwas unangenehme Umstellung rechtfertigt.

Das ist alles. Jetzt die Tafel bitte!«