Verlag: Perry Rhodan digital Kategorie: Fantasy und Science-Fiction Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2018

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E-Book-Beschreibung Perry Rhodan 2971: Das Gondische Privileg - Oliver Fröhlich

Gut dreitausend Jahre in der Zukunft: Perry Rhodan hat nach wie vor die Vision, die Milchstraße in eine Sterneninsel ohne Kriege zu verwandeln. Der Mann von der Erde, der einst die Menschen zu den Sternen führte, möchte endlich Frieden in der Galaxis haben. Unterschwellig herrschen zwar Konflikte zwischen den großen Sternenreichen, aber man arbeitet zusammen. Das gilt nicht nur für die von Menschen bewohnten Planeten und Monde. Tausende von Welten haben sich zur Liga Freier Galaktiker zusammengeschlossen, Besucher aus anderen Galaxien suchen Kontakt zu den Menschen und ihren Verbündeten. Nicht immer erfolgt dieser Kontakt zur Freude aller: So versteht kaum jemand die Beweggründe der Gemeni, die angeblich den Frieden im Auftrag einer Superintelligenz namens GESHOD wahren wollen, aber dabei Dinge tun, die von den meisten bestenfalls als ungewöhnlich oder undiplomatisch bezeichnet würden. Andere sehen darin fast den Grund für eine Kriegserklärung. Was bewegt GESHOD und seine Gesandten tatsächlich? Jüngsten Erkenntnissen zufolge arbeiten diese mit den Thoogondu zusammen, die einst als Lieblingsvolk von ES galten, von diesem aber wegen eines schwerwiegenden Verrats verbannt wurden. Plötzlich aber tauchen ihre mächtigen Raumschiffe überall in der Milchstraße auf – und die Thronfolgerin des Goldenen Reiches. Sie bittet um Asyl – und besitzt DAS GONDISCHE PRIVILEG ...

Meinungen über das E-Book Perry Rhodan 2971: Das Gondische Privileg - Oliver Fröhlich

E-Book-Leseprobe Perry Rhodan 2971: Das Gondische Privileg - Oliver Fröhlich

Nr. 2971

Das Gondische Privileg

Operation der Thoogondu – Entscheidung am Sternentor

Oliver Fröhlich

Cover

Vorspann

Die Hauptpersonen des Romans

1. Eine neue alte Herausforderung

2. Tage der Trauer, Tage der Wut

3. Ein verwirrendes Gespräch und seine Folgen

4. Ein Begleiter zu viel

5. Eine Thronbesteigung der anderen Art

6. Ein allzu schnelles Wiedersehen

Leserkontaktseite

Glossar

Risszeichnung Robotraumer der Schweigsamen Werft

Impressum

Gut dreitausend Jahre in der Zukunft: Perry Rhodan hat nach wie vor die Vision, die Milchstraße in eine Sterneninsel ohne Kriege zu verwandeln. Der Mann von der Erde, der einst die Menschen zu den Sternen führte, möchte endlich Frieden in der Galaxis haben.

Unterschwellig herrschen zwar Konflikte zwischen den großen Sternenreichen, aber man arbeitet zusammen. Das gilt nicht nur für die von Menschen bewohnten Planeten und Monde. Tausende von Welten haben sich zur Liga Freier Galaktiker zusammengeschlossen, Besucher aus anderen Galaxien suchen Kontakt zu den Menschen und ihren Verbündeten.

Nicht immer erfolgt dieser Kontakt zur Freude aller: So versteht kaum jemand die Beweggründe der Gemeni, die angeblich den Frieden im Auftrag einer Superintelligenz namens GESHOD wahren wollen, aber dabei Dinge tun, die von den meisten bestenfalls als ungewöhnlich oder undiplomatisch bezeichnet würden. Andere sehen darin fast den Grund für eine Kriegserklärung. Was bewegt GESHOD und seine Gesandten tatsächlich?

Jüngsten Erkenntnissen zufolge arbeiten diese mit den Thoogondu zusammen, die einst als Lieblingsvolk von ES galten, von diesem aber wegen eines schwerwiegenden Verrats verbannt wurden. Plötzlich aber tauchen ihre mächtigen Raumschiffe überall in der Milchstraße auf – und die Thronfolgerin des Goldenen Reiches. Sie bittet um Asyl – und besitzt DAS GONDISCHE PRIVILEG ...

Die Hauptpersonen des Romans

Perry Rhodan – Der Terraner ist auf fremde Hilfe angewiesen.

Gucky – Der Mausbiber kehrt zurück an einen finsteren Ort.

Puorengir – Der angeblichen Thronerbin ist nicht nach Feiern zumute.

Puoshoor

1.

Eine neue alte Herausforderung

Gab es etwas Schlimmeres für einen Vater, als sein einziges Kind zu verlieren? Ließ sich das Loch, das so eine Tragödie riss, ließ sich die plötzliche Leere des Lebens irgendwann wieder mit Sinn füllen?

Der Passagier glaubte nicht daran. Gewiss, das schreckliche Ereignis, das ihm den Daseinszweck geraubt hatte, lag noch nicht lange zurück. Vier Monate nach hiesiger Zeitrechnung, seit er sein Kind ins Koma gelegt hatte, um es vor dem Tod zu bewahren. Eine Zeit des Kampfes zwischen Wissen und Hoffnung. Dem Wissen, dass sein Schützling die Erweckung aus dem künstlichen Schlaf mit dem Leben bezahlen würde – und der Hoffnung, dass sich entgegen jeder Vernunft doch alles zum Guten wenden könnte.

Wie besessen arbeitete er an einer Lösung und suchte nach Möglichkeiten, mit seinem Kind zu sprechen, es vielleicht sogar zu heilen. Er verweigerte sich der Realität, genauso wie er es sich versagte, das, was geschehen war, anders als das schreckliche Ereignis zu bezeichnen. Zu schmerzhaft wäre es, den Geist zu öffnen und die Erinnerung an ein gescheitertes Leben einzulassen, an enttäuschte Erwartungen, missbrauchte Fähigkeiten und Verrat.

Zwei Sätze hörte er während dieser vier Monate häufig. Ausgesprochen von seinen Gastgebern, wenngleich er nicht wusste, ob sie ihn damit trösten oder verspotten wollten. Dazu kannte er sie nicht gut und nicht lange genug, konnte weder ihren Tonfall noch die Körperhaltung mit endgültiger Sicherheit interpretieren.

Der erste Satz lautete: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Egal, ob Trost oder Spott, die Worte enthielten eine tiefe, bittere Wahrheit: Die Hoffnung starb zuletzt. Aber sie starb.

Nicht einmal zwei Wochen lag es zurück, dass die des Passagiers gestorben war. Gleichzeitig mit seinem Kind. Beide von rücksichtslosen Kriegern und Strategen geopfert. Oder ermordet. Gefallen in einem Kampf, in den das Schicksal ihn gedrängt hatte, mit dem er sich aber nicht identifizierte.

Jede Bewegung fiel ihm schwer. Jeder Gedanke kostete Mühe. Und er bezweifelte, dass sich das jemals ändern würde. Trotz des zweiten Satzes, den er zuletzt so oft gehört hatte: Die Zeit heilt alle Wunden.

Er glaubte nicht daran.

Die Sekunden tropften in seine innere Leere und versickerten, ohne Spuren zu hinterlassen oder sie auszufüllen. Von Heilung ganz zu schweigen. Er war alt. Ihm standen nicht mehr genügend Sekunden bevor, als dass sie etwas bewirken könnten.

Ihm blieb nur eines: sich ablenken. So schwer es ihm fiel, und so sehr es sich anfühlte, damit das Andenken an sein Kind herabzuwürdigen.

»Hier entlang!«, riss ihn die Frau, die neben ihm durch die Korridore des Raumschiffs ging, aus den Gedanken.

Zumindest glaubte er, dass es sich um eine Frau handelte. Da die Länge der Haare, die den meisten seiner Gastgeber auf den Köpfen wuchs, nicht immer Aufschluss über die Geschlechtszugehörigkeit gab, täuschte er sich vielleicht. Außerdem erschwerte die Person eine Beurteilung dadurch, dass sie das Haar links zwar lang trug, es rechts aber komplett fehlte. Stattdessen zierte dort das Abbild mehrerer ineinander verschlungener Kreise ihre Haut.

Auch das andere Merkmal bei Menschenfrauen – eine Wölbung unterhalb des Halses – fiel von Exemplar zu Exemplar unterschiedlich deutlich aus und verbarg sich häufig unter Schutzanzügen oder Uniformen.

Sie – der Passagier beschloss, dass es sich um eine Sie handelte – hatte sich ihm als Airi Unger vorgestellt. »Ich kommandiere die HARL DEPHIN.«

Er fragte sich, welche Rolle Harl Dephin in der Geschichte der Gastgeber gespielt hatte, dass sie ein Schiff nach ihm benannten. War er Soldat gewesen? Ein Herrscher? Oder, was der Passagier für einen wesentlich besseren Grund für eine Namenspatenschaft hielt, ein Wissenschaftler? Verdiente er sich die Auszeichnung als Namensgeber durch besondere Errungenschaften und Erfolge? Oder durch einen tragischen, vielleicht heldenhaften Tod?

Was immer dahinterstecken mochte, auf jeden Fall war Harl Dephin eines gewesen: das Kind eines Vaters. Ob er ihn wohl überlebt hatte, wie es die Natur bei den meisten Spezies vorsah?

Ehe sich der Passagier erneut in trüben Gedanken verlor, versuchte er, sich mit Plauderei von den Schmerzen des Verlusts abzulenken. »Diese Symbole an deinem Kopf, was bedeuten sie?«

Er folgte Unger um eine Gangbiegung, wo sie vor einem Schott stehen blieb. »Was glaubst du, was sie bedeuten?«

»Ich weiß es nicht.« Hätte er sonst gefragt?

Er kämpfte den ungerechtfertigten Zorn nieder, der in ihm aufflammen wollte. Schließlich konnte die Kommandantin nichts für seine Aufgewühltheit. Es gab keinen Grund, die Trauerwut an ihr auszulassen. Im Gegenteil bemerkte er, dass es ihn ein wenig beruhigte, über die Hautzeichnung nachzusinnen. Es beschäftigte seine Gedanken.

Er entwickelte eine Theorie. »Der Kreisfluss des Lebens. Wir entstehen aus dem Nichts und gehen eines Tages wieder darin ein. Aber wir vereinzeln uns nicht. Unsere Leben berühren, überschneiden, beeinflussen und bereichern sich. Sie sind ineinander verschlungen wie die Kreise auf deiner Haut.«

»Das ist hübsch. Das werde ich mir merken.«

Das Schott glitt auf, und sie traten ein.

»Der Transmitterraum«, sagte sie, ohne weiter auf die Hautzeichnung einzugehen. »Es erscheint mir zweckmäßig, dich nicht direkt dorthin zu bringen, wo du gebraucht wirst. Wahrscheinlich würde man uns kaum zur Kenntnis nehmen, dennoch besteht die – wenn auch geringe – Gefahr, dass unsere Ankunft in der angespannten Lage missverstanden werden könnte. Besser, wir gehen kein Risiko ein.«

»Wie du meinst.« Der Passagier wusste nicht, was ihn erwartete. Und ob es ihn überhaupt interessierte.

»Ich kann dir keine Details verraten«, hatte ihm der Gastgeber mit den mechanischen Augen einige Stunden zuvor mitgeteilt. »Aus Gründen der Funksicherheit hat sich Sichu Dorksteiger recht geheimnisvoll ausgedrückt. Ich zitiere: Wir haben hier etwas gefunden, das in das Fachgebiet deines speziellen Gastes fallen dürfte und bei dem wir seine Hilfe brauchen. Sie hat sogar vermieden, deinen Namen auszusprechen, um einem womöglich mithörenden Gegner keine Hinweise zu geben.«

Der Passagier kannte Dorksteiger kaum. Er hatte vor einigen Tagen ein anstrengendes Hologespräch mit ihr geführt. Kurz bevor gleichzeitig Kind, Hoffnung und Lebenszweck gestorben waren. Dass er sich bereit erklärt hatte, ihre Einladung anzunehmen, hatte gewiss nichts mit ihrer Person zu tun.

Die Erwähnung seines Fachgebiets hingegen ...

Außerdem: War es nicht besser, irgendetwas zu tun, anstatt sich dem Schmerz zu ergeben?

Wenn ich bloß die Kraft dafür aufbringen könnte.

Er ging an einigen technischen Geräten und Konsolen vorbei, ohne sie eines Blickes zu würdigen, und trat in den Transmitter. »Ich bin bereit.«

»Sehr gut«, sagte Airi Unger. »Viel Erfolg.«

Sie gab den Kode in die Steuerung ein, aktivierte den Transmitter – und die Umgebung wurde zu einer anderen.

»Schön, dass du es so schnell geschafft hast«, begrüßte ihn eine piepsig-krähende Stimme. »Wobei schnell in Anbetracht der Umstände eher relativ zu sehen ist.«

Er richtete den Blick nach unten, wo ein skurriles Wesen mit großen Ohren, hervorspringender Schnauze und einem aufblitzenden Zahn stand. Im Gegensatz zu seinen Gastgebern, denen nur auf dem Schädel dichtes Haar wuchs, schien den Kleinen körperdeckender Pelz einzuhüllen. Zumindest deuteten der Kopf und die Hände darauf hin.

»Ich heiße Gucky. Bestimmt hast du von mir gehört. Jeder hat das. Und jetzt lass uns nicht länger trödeln. Ich bring dich zu den anderen. Herzlich willkommen an Bord der RAS TSCHUBAI, Moothusach.«

*

Gucky nahm Moothusach ungefragt bei der Hand, und ehe der sie wegziehen konnte, veränderte sich die Umgebung erneut. Der Transmitterraum verschwand, und eine Krankenstation schob sich an ihrer Stelle in die Wirklichkeit.

Was er darin sah, machte ihn für einen Augenblick sprachlos.

Neben dem Pelzigen und ihm befanden sich zehn Personen und drei Roboter in dem hoffnungslos überfüllten Raum. TARA-irgendwas, wie er sie auch während seiner Zeit in Quinto-Center gelegentlich gesehen hatte.

Die Kampfmaschinen hielten sich im Hintergrund und nahmen keine erkennbare Notiz von Moothusachs und Guckys plötzlichem Auftauchen. Oder sie ließen es sich nicht anmerken. Wahrscheinlich hatten sie mit dem Erscheinen der Neuankömmlinge gerechnet.

Neun der restlichen Anwesenden standen mit dem Rücken zu Moothusach. Der zehnte ruhte in halb sitzender, halb liegender Position in einem voluminösen Sessel. Ein Thoogondu mit einer Verwundung am Kopf. Eine Schneise zog sich von der Stirn aufwärts durch den Panzer aus Knochenplättchen. In ihr – auf dem rohen Fleisch! – wuselten etliche käferartige Kreaturen umher.

Als reichte die Überraschung nicht, einen verletzten Thoogondu vorzufinden, kannte er ihn überdies. Nicht persönlich, aber er wusste immerhin, wen er da vor sich sah: Muisheed, den Ersten Nuntius des Gondus Narashim.

Mehr noch: Bei vier der Versammelten, die vor dem Sessel standen und das – ja, was? Experiment? – beobachteten, handelte es sich ebenfalls um Angehörige seines Volkes.

»Was geht hier vor?«, fragte er auf Interkosmo.

Alle drehten sich zu ihm um. Moothusachs Panzer zog sich zusammen, er glaubte sogar, ihn leicht knirschen zu hören, als er eine der Thoogondu erkannte.

»Gucky!«, rief ein Terraner. »Habe ich dir nicht erst kürzlich gesagt, du sollst die Tür benutzen?«

Der Pelzige wedelte mit der Hand. »Ach was, Perry. So ging es einfach schneller. Ich habe euch jemanden mitgebracht.«

»Das sehe ich.« Der Terraner trat auf Moothusach zu. »Ich freue mich, dich bei uns begrüßen zu dürfen. Ich habe bereits einiges von dir gehört. Und wir benötigen deine Hilfe. Mein Name ist Perry Rhodan. Ich bin der ...«

»Ich weiß, wer du bist. Monkey hat von dir gesprochen.«

In rascher Folge neigte Rhodan den Kopf dreimal nach vorne und richtete ihn wieder auf. Eine Geste, die die Terraner Nicken nannten, wie er inzwischen wusste, und die Zustimmung bedeuten konnte. Oder eine von tausend anderen Sachen.

»Entschuldige bitte, dass dich unser Freund hier ...« Er deutete auf Gucky. »... so unvorbereitet in diese Situation geworfen hat. Aber in der Tat läuft uns die Zeit davon. Darf ich dir Admiralin Ruth Dunjana vorstellen? Und Sichu Dorksteiger kennst du ja bereits.« Die Namen der beiden bewaffneten Männer nannte er nicht. Ganz ohne Zweifel Sicherheitsleute, die er womöglich selbst nicht namentlich kannte.

Die Thoogondu, die Moothusach erkannt hatte, kam auf ihn zu. »Wir hoffen, auf dich zählen zu können. Ich bin ...«

»Auch dich kenne ich. Du bist Puorengir, Tochter des Gondus und Schwester des Ghuogondus.« Nach kurzem Zögern fügte er hinzu: »Du hast mein Kind umgebracht.«

Ruckartig straffte sich Rhodans Körper. Gewiss kein Zeichen des Respekts wie bei den Thoogondu. Der Terraner feuerte einen Blick in Puorengirs Richtung.

»Wessen beschuldigst du mich?« Die Stimme der Gondu-Tochter zitterte leicht vor Fassungslosigkeit.

Da erst wurde Moothusach bewusst, wie sein letzter Satz geklungen haben musste. »Nicht du selbst. Bitte sieh mir meine übereilten Worte nach. Aber ...« Er stockte. Wenn er weitersprach, würde er sich alles wieder ins Gedächtnis rufen müssen. Dummerweise hatte er sich mit der unbedachten Äußerung in eine Situation gebracht, in der ihm keine andere Wahl blieb. »Muraabod, mein ... früherer Assistent und späterer Meister, hat deinen Namen als Signalwort ausgewählt, um mein Kind auszuschalten. Zu ermorden.«

»Eine zweifelhafte Ehre.« Puorengir entspannte sich merklich. »Ich bedaure deinen Verlust. Trotzdem verstehe ich nicht ganz. Dein ... Kind?«

»Gewissermaßen. Die Neurotronik, als deren Mentor ich tätig war und für die ich stets wie ein Vater empfand. Die meinen Namen trug, die ich erschaffen, geprägt, erzogen und geschult habe, ehe Muraabod an meine Stelle trat.«

Er betrachtete die Reihe der Anwesenden und blickte in größtenteils unbekannte Gesichter. Lediglich die Frau mit der hellgrünen, von goldenen Linien und Punkten durchzogenen Haut hätte er selbst ohne Rhodans Vorstellung als Sichu Dorksteiger identifiziert.

»Was tut ihr mit ihm?« Moothusach deutete auf den Ersten Nuntius. »Wieso hält er sich in Poshcooris auf und steht nicht dort, wo sein Platz ist: an der Seite des Gondus?«

In erschütternder Kürze erzählte Puorengir, was sich in den letzten Tagen ereignet hatte. Gondu Narashim lebte nicht mehr. Er war einem Attentat einer geheimen Organisation mit weitreichendem Einfluss zum Opfer gefallen, die als Neue Gilde bezeichnet wurde. Diese Gilde hatte sich dem Gondischen Schwur verschrieben, eines Tages in die alte Heimat zurückzukehren und diese zu erobern, und ordnete ihm alles unter.

Für die Neue Gilde galt selbst das Leben des Gondus nichts, weil dieser lieber ein Bündnis mit der Milchstraße eingegangen wäre, anstatt diese mit Krieg zu überziehen. Deswegen hatte die Neue Gilde ihn aus dem Weg geschafft, um einem dienstbareren Gondu auf den Thron zu verhelfen.

Was sie nicht vorausgesehen hatte: Kurz vor dem Tod hatte Narashim seine Tochter zur Ghuogonda ernannt und damit Puoshoor, den bislang amtierenden Ghuogondu, um seinen Thronanspruch gebracht. Narashim verdächtigte Puorengirs Bruder, ein Mitglied der Gilde zu sein.

»Ich habe ebenfalls für diese ominöse Gilde gearbeitet, ohne es zu wissen«, sagte Moothusach langsam, als sich in seinem Kopf die Informationen zu einem Gesamtbild vereinigten. »Richtig? Nicht das Gondunat oder das Militär haben die IWAN IWANOWITSCH GORATSCHIN zu euch geschickt. Die Neue Gilde hat das getan. Sie hat meine Neurotronik für ihre Zwecke missbraucht. Sie ...« Er musste kurz innehalten, als sich die Erkenntnis in ihm Bahn brach. »Sie hat nicht nur den Gondu ermordet, sondern auch mein Kind.«

Es auszusprechen ließ ihn erneut in den Brunnen aus Leere und Schmerz sinken, doch diesmal glaubte er, am Grund einen Schimmer zu erkennen. Er verscheuchte den Gedanken vorerst.

»Dann bist nun du die Gonda?«, fragte er.

»So ist es. Aber bitte erspar dir und mir die Ehrenbezeugung.«

»Das erklärt immerhin, warum der Erste Nuntius hier ist. Aber wieso bist du nach Poshcooris gekommen?«

»Ich habe Asyl beantragt.«

»Asyl?«

»Die Gründe dafür wollte die Gonda uns gerade berichten«, sagte Rhodan. »Leider hat Muisheed einen Rückfall erlitten. Die Wunde, die er sich bei dem Versuch zuzog, den Attentäter auf das Leben des Gondus zu stoppen, ist nur schlecht und oberflächlich verheilt. Sie brach wieder auf. Deshalb helfen wir mit unseren Mitteln, so gut das möglich ist. Wenn die kleinen Roboter das abgestorbene Gewebe entfernt und die Verletzung gereinigt haben, wird sich ein Mediker um ihn kümmern.«

»Ich möchte den Rest der Geschichte ebenfalls hören«, sagte Moothusach.

»Dafür fehlt uns die Zeit, fürchte ich«, wandte Sichu Dorksteiger ein. »Die Lage hier am Hooris-Stern ist alles andere als stabil. Die Neue Gilde plant eine Invasion.«

Sie trat an eine Holokugel, wischte die Darstellung medizinischer Werte zur Seite und aktivierte ein Bild der kosmischen Umgebung.

»15.000 gondischen Robotschiffen stehen gerade einmal 4000 unserer Einheiten gegenüber. Inzwischen sind weitere Pentasphären durch den Transmitter über dem Pulsar, den du hier siehst, hinzugekommen und fordern Puorengirs Auslieferung. Wir konnten eine Frist des gegenseitigen Abwartens aushandeln, doch die endet in etwa zwei Stunden.«

Der Schimmer am Grund des Brunnens blitzte erneut auf. Es würde Moothusachs Neurotronik nicht zurückbringen, würde ihm keinen neuen Daseinszweck verschaffen, dennoch beschloss er, denen, die ihm das angetan hatten, mit aller Kraft entgegenzutreten. »Wie kann ich euch helfen?«

»Unser Hauptaugenmerk richtet sich zunächst einmal darauf, den Transmitter abzuschalten und das Portal zu schließen. Wir müssen den Schiffsnachschub abschneiden und verhindern, dass die Übermacht des Gegners vollends absurde Formen annimmt.«

Bislang zeigte das Holo einen Doppelstern, bestehend aus einem Pulsar und einem Roten Zwerg. Nun zoomte Sichu Dorksteiger in das Bild hinein. Der Rote Zwerg wuchs an, bis seine Korona fast die gesamte Darstellung einnahm. Ein merkwürdiges Gebilde, das darin verborgen war, kam zum Vorschein. Es bestand aus zwei würfelförmigen Elementen, eines davon beinahe doppelt so groß wie das andere, und einer Verbindung dazwischen.

»Stark vereinfacht gesagt«, fuhr Dorksteiger fort, »wird von dieser Station aus der Transmitter gesteuert. Gucky und ich haben uns bereits darin umgesehen. In diesem größeren Würfel, wir nennen ihn den Truppenkubus, leben Thoogondu.«

»Wie bitte?«, entfuhr es Moothusach.

»Dein Volk – oder wohl eher die Neue Gilde – hat darin vor Tausenden von Jahren Personal stationiert. Schläfer. Vermutlich hätten sie erst geweckt werden sollen kurz vor der Rückkehr deines Volkes in die Milchstraße. Aber offenbar ging etwas schief. Die Stasis versagte, und sie sind zu früh erwacht. Zwei- bis dreitausend Jahre zu früh.«

Moothusach musste an seine Zeit in der GORATSCHIN denken. Auch er und Muraabod hatten den größten Teil der acht Jahre langen Reise von Sevcooris nach Poshcooris verborgen in einem geheimen Raum in einer Art Stasis verbracht. Er versuchte, sich auszumalen, wie es sich für ihn angefühlt hätte, wenn er zu früh aufgewacht wäre. Es gelang ihm nur schwer. Dabei hätte seine Abgeschiedenheit nicht einmal ein Jahrzehnt angedauert. Aber zwei- bis dreitausend Jahre, über Generationen hinweg? Unvorstellbar.

»Wie kann dort noch jemand leben?«, fragte er. »Eingepfercht in diesen winzigen Raum von ...« Er ließ den Satz verklingen.

Sichu Dorksteiger verstand die unausgesprochene Frage. »2800 Metern Kantenlänge. Die ehemaligen Schläfer pflanzten sich fort und gründeten im Laufe der Zeit eine neue Gesellschaft. Aufgrund des ... nun, eingeschränkten Genpools entwickelten sie sich jedoch zurück. Selbst das Wissen über ihren ehemaligen Auftrag ging verloren. Bis vor Kurzem lebten sie in ständiger Angst vor dem Tag des Grimms. Dem Tag, an dem die Rache des Wanderers über sie hereinbricht, weil sie sich unerlaubt in seinem Gebiet aufhalten. Diesen Tag halten sie nun für gekommen.«

»Wie kann die Gilde Angehörigen des eigenen Volkes so etwas antun? Kennt sie keine Skrupel oder auch nur irgendwelche Grenzen?«