Verlag: Perry Rhodan digital Kategorie: Fantasy und Science-Fiction Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2013

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E-Book-Beschreibung Perry Rhodan Neo 40: Planet der Seelenfälscher - Oliver Fröhlich

Februar 2037: Um die Erde vor der drohenden Vernichtung zu bewahren, geht Perry Rhodan auf eine gefährliche Mission. Er muss unter strengster Geheimhaltung nach Arkon vorstoßen, der Hauptwelt des Imperiums. Doch die Behörden kennen bereits seine Individualsignatur, den "mentalen Fingerabdruck" - sie würden ihn sofort erkennen und festnehmen. Also steuert er mit seinen Begleitern einen Klinikplaneten an. Dort arbeiten die Aras, die galaktischen Mediziner. In der Klinik Himmelstor sind sie an gefährlichen Experimenten mit Individualsignaturen beteiligt: Sie manipulieren sie in einer äußerst riskanten Prozedur. Perry Rhodan bleibt nichts anderes übrig, als sich auf das Experiment einzulassen. Dabei gerät der Terraner in die Intrigen der Mediziner - ihm droht der Tod auf der sogenannten Seelenbank ...

Meinungen über das E-Book Perry Rhodan Neo 40: Planet der Seelenfälscher - Oliver Fröhlich

E-Book-Leseprobe Perry Rhodan Neo 40: Planet der Seelenfälscher - Oliver Fröhlich

Band 40

Planet der Seelenfälscher

von Oliver Fröhlich

Februar 2037: Um die Erde vor der drohenden Vernichtung zu bewahren, geht Perry Rhodan auf eine gefährliche Mission. Er muss unter strengster Geheimhaltung nach Arkon vorstoßen, der Hauptwelt des Imperiums. Doch die Behörden kennen bereits seine Individualsignatur, den »mentalen Fingerabdruck« – sie würden ihn sofort erkennen und festnehmen.

Also steuert er mit seinen Begleitern einen Klinikplaneten an. Dort arbeiten die Aras, die galaktischen Mediziner. In der Klinik Himmelstor sind sie an gefährlichen Experimenten mit Individualsignaturen beteiligt: Sie manipulieren sie in einer äußerst riskanten Prozedur.

»Aus großer Kraft folgt große Verantwortung.«

Ben Parker

1.

Der Russe auf dem Hügel

Die Welt bestand aus Feuer.

Flammen tobten um ihn, griffen nach ihm, leckten über das Trikot, wollten ihn verzehren.

Perry Rhodan rannte durch Gänge aus Glut und Chaos. Die Hitze versengte ihm die Haare, floss die Atemröhre hinab und brannte in den Lungen. Die normale Kleidung bot keinen Schutz, aber wer ließ sich schon im Kampfanzug in einer Klinik aufnehmen?

Da, eine Abzweigung!

Links oder rechts? Welcher Weg führte nach draußen, welcher tiefer in das Inferno? Längst hatte er die Orientierung verloren. Er entschied sich für eine Richtung und konnte sich bereits Sekunden später nicht mehr daran erinnern.

»Chabalh!«

Keine Antwort. Das Prasseln der Flammen übertönte seine Stimme, vereinte sich mit dem Heulen der Alarmsirene zu einer ohrenbetäubenden Sinfonie. Der beißende Gestank des Qualms stach ihm in die Nase. Sein Magen verengte sich, drohte Säure und Essensreste nach oben zu spülen. Rhodan hustete.

Weiter! Nicht aufgeben.

Aber er konnte nicht mehr. Er sank auf die Knie und übergab sich. Sein Kopf hämmerte, die Muskeln in den Oberschenkeln verkrampften.

Hoch mit dir! Los!

Rhodan stemmte sich in die Höhe, ächzte, rannte weiter. Mehr ein ziel- und hilfloses Taumeln.

Das Hirn bombardierte ihn mit Bildfetzen. Thora nach dem Biss des Bleichsaugers. Oder war es ein Stich? Er wusste es nicht. Der Flug zum Mond. Reginald Bull an seiner Seite. Und Eric Manoli. Und ... und ... Wie hieß der andere? Egal. Dann Belinkhar, die Matri... Mitra... Belinkhar eben. Der alte Arkonide. Er war krank, als sie sich zum ersten Mal sahen. Krank und ...

Steh hier nicht rum! Du musst weiter!

Aber es ging nicht mehr. Seine Glieder verweigerten den Dienst.

Niemals hätte er gedacht, dass sein Begleiter zu so etwas fähig war. Niemals!

Dort vorne! Die Wand. Klaffte da nicht ein Loch?

Er verfiel in einen leichten Trab, ignorierte die Muskelkrämpfe, die Übelkeit, den Wunsch, dass es nur endlich vorbei sein möge. Hinter ihm knallte es. Der Druck der Explosion packte ihn und schleuderte ihn nach vorn. Der Aufprall drückte ihm das letzte bisschen Luft aus der geschundenen Lunge. Sein Schädel schlug auf den Boden. Für einen Moment wurde ihm schwarz vor Augen. Ein Schwall Magensäure schoss ihm in den Mund. Als sich sein Blick klärte, sah er, dass er sich nicht getäuscht hatte.

In der Wand, vielleicht fünf Meter vor ihm, klaffte ein großes Loch. Vermutlich von einer der Explosionen gerissen. Um die Ränder leckten Flammen, aber dahinter – sah er da nicht ein winziges Stück Himmel? Wegen des Blickwinkels bot sich ihm nur ein schmaler Ausschnitt, doch als weit entfernt ein Gleiter durchs Bild zischte, war er sicher. Eine Außenwand! Er hatte es geschafft.

Rhodan rappelte sich hoch, taumelte zu dem Loch und blickte hinaus. Zum Park, zum Hügel, zu dem Teich, in dem er seine schwelende Kleidung ablöschen konnte. So verlockend und trotzdem unerreichbar. Das Hochgefühl verpuffte. Zwischen ihm und dem Park wütete eine Feuersbrunst.

Er torkelte darauf zu, doch die Hitze schlug ihn zurück. Aussichtslos. Da kam er nicht durch.

Kraftlos drehte er sich um. Brennende Deckentrümmer hingen in den Gang und blockierten ihn. Geschmolzener Kunststoff tropfte zu Boden. Die Sirene verstummte in einem letzten jämmerlichen Aufheulen.

Rhodan wollte den Schweiß vom Gesicht wischen. Vergeblich. Er blinzelte.

Über das Prasseln des Feuers hinweg hörte er ein Schreien, wie er zuvor keines vernommen hatte.

Rhodan starrte auf die Flammen, hinter denen sich der kleine Hügel des Parks erhob. Und dort oben, jenseits des Schreckens, stand er: Iwan Goratschin.

Die Arme hielt er seitlich vom Körper weggestreckt. Das Gesicht zu einer Maske des Irrsinns verzerrt. Er stieß die Schreie aus. Aber es war kein Schreien, wie Rhodan nun feststellte.

Der Russe lachte! Laut und hemmungslos.

Und dann ...

Nein! Das kann nicht sein.

Ein letztes Mal nahm er all seine Kraft zusammen, sog die immer heißer werdende Luft in sich auf. »Goratschin! Was haben Sie getan?«

Er setzte einen Schritt nach vorne. Weiter kam er nicht. Die Knie gaben unter ihm nach. Hinter ihm ertönte die nächste Explosion. Leiser diesmal, dennoch traf ihn ein Schlag in den Rücken, hart wie die Faust eines Naats.

Dann wurde es still.

Einen Tag zuvor:

»Und wieder stehen wir auf einem Hügel.« Iwan Goratschin blickte über die exotische Landschaft von Isinglass XIV, über Wälder aus Bäumen, die wie haushohe Brennnesseln aussahen und einen moschusartigen Geruch verströmten, über Sträucher mit roten Blättern und weißen Beeren, um die fingerlange Insekten surrten, und über Äcker, die an irdische Erdbeerfelder erinnerten, nur dass die darauf wachsenden Früchte in tiefem Purpur erstrahlten und Faustgröße erreichten.

Für ein paar Sekunden schloss er die Augen, genoss die Strahlen der ein bisschen zu groß wirkenden Sonne und wandte den Blick zu der zierlichen Japanerin neben ihm. »Und wieder willst du, dass ich etwas für dich anzünde.«

Ishy Matsu boxte ihm in die Seite, was er aber kaum spürte. »Du kannst es dir nicht verkneifen, oder?«

Er grinste sie an. »Unmöglich!«

Sie schien ihm die Anspielung auf den letzten gemeinsamen Tag vor ihrer monatelangen Trennung nicht übel zu nehmen, denn sie lächelte ihn an. Mit unschuldigem Blick sah sie zu ihm auf. »Außerdem sollst du diesmal etwas für Perry Rhodan anzünden, nicht für mich.«

»Natürlich. Wie konnte ich meiner süßen Ishy nur so unrecht tun?« Mit dem lockeren Tonfall wollte er die Anspannung überspielen, die sich eingestellt hatte, als sie sich mit dem Überlandschweber in die Hügel abseits des Raumhafens zurückgezogen hatten. Vor nicht allzu langer Zeit wäre er dankbar gewesen, seine Paragaben loszuwerden. Er hatte sogar den Ara Fulkar gebeten, sie ihm wegzuoperieren. Und nun beabsichtigte er stattdessen, sie zu trainieren. Er klatschte in die Hände. »Also, was soll ich tun?«

Die Japanerin brach einen Zweig von dem nächstgelegenen Strauch ab und legte ihn auf einen Felsen. »Eine kleine Aufwärmübung. Entzünde den Zweig.«

Alles in Goratschin sträubte sich dagegen. Während seines Exils hatte er versucht, Frieden mit sich und seiner Fähigkeit zu schließen. Ihm war klar geworden, dass sie einen Teil von ihm darstellte, dass sie nicht aus sich heraus gut oder böse war. Dass es von ihm abhing, was er daraus machte. Was sich in der Theorie so vernünftig, so leicht anhörte, erwies sich nun als um ein Vielfaches schwieriger. Aber er musste! Rhodan verließ sich auf ihn. Von Iwans und Ishys Gaben konnte das Schicksal der gesamten Menschheit abhängen.

Er atmete tief durch, presste die Lippen aufeinander und starrte den Zweig an. Starrte in ihn hinein. Versuchte mit dem Geist seine Struktur zu erfühlen. Es dauerte nicht lange, da pochte es in seinem Kopf, als sei darin jemand eingesperrt.

Deine Gabe! Sie will hinaus. Lass sie.

Das Blut rauschte in seinen Ohren.

Mit einem Mal stand der Zweig in hellen Flammen. Risse brachen den Stein darunter auf, aus denen ebenfalls Feuer züngelte. Die Grasfläche dahinter färbte sich auf wenigen Quadratzentimetern schwarz, Qualmwolken stiegen von ihr auf. Ein Lächeln huschte über Iwans Lippen.

Ishy Matsu löste ein gewehrförmiges Gerät vom Überlandschweber, eilte zu dem Brand und richtete den Lauf darauf aus. »Wie benutzt man dieses ...?«

Sie brachte den Satz nicht zu Ende, da schoss ein Funkenregen aus der schnabelartigen Mündung und legte sich auf das Feuer. Es knisterte, knackte, zischte, leuchtete – und erlosch mitsamt den Flammen.

»Oh!« Ishy betrachtete das Gerät mit erstaunter Miene, die Iwan grinsen ließ. »Kein Wunder, dass der Ara vom Schweberverleih dachte, wir veralbern ihn, als wir fragten, wie der Feuerlöscher funktioniert. Das war wirklich selbst erklärend.«

Goratschins Lächeln verschwand und machte Ernüchterung Platz, als er auf die Brandstelle schaute.

»Nicht schlecht fürs erste Mal nach so langer Pause«, sagte die Japanerin. »An der Dosierung musst du etwas arbeiten. Aber ansonsten: nicht schlecht.«

»Nicht schlecht? Siehst du nicht, was passiert ist? Ich wollte den Zweig leicht ankokeln. Stattdessen habe ich gleich den ganzen Stein in Brand gesetzt. Wer sagt mir, dass es beim nächsten Mal nicht ein Wald oder der gesamte Raumhafen sein wird?«

In Ishy Matsus Blick lag milder Tadel. »Du übertreibst. Dir fehlt nur das Training. Aber dazu sind wir ja hier.«

Also übten sie. Stundenlang. Hart und ausdauernd.

Schnell stand Goratschin der Schweiß auf der Stirn. Die Hände zitterten, der Schädel hämmerte, aber Ishy war eine gnadenlose Antreiberin. »Du kannst das! Los, einmal noch.«

Er entzündete Zweige, Äste, einzelne Blätter, Grashalme, Steinbrocken. Die Japanerin behielt recht: Mit jedem Versuch gelang es ihm besser. Die Unsicherheit verflog. Bald setzte er seine Kräfte mit genau dem Aufwand ein, den es brauchte, um das Testobjekt in Brand zu setzen.

»Du bist gut! Richtig gut«, jubelte Ishy.

»Ach, hör auf. Das sind nur kleine Gegenstände. Das ist keine Kunst. Lass uns etwas Größeres ausprobieren.«

»Meinst du? Willst du dich nicht erst ausruhen?«

Sie hatte recht. Am liebsten hätte er ein paar Stunden geschlafen. »Nur kurz.«

Er lehnte sich gegen einen Baum, atmete tief durch und blickte den Hügel hinab auf das Pendant eines irdischen Erdbeerfeldes.

Surlasirin nannte man diese Pflanzen. Während des Landeanflugs mit der IMH-TEKER hatte Talamon, der Kommandant des Passagierraumers, viel über den Medoplaneten erzählt, unter anderem, dass sich unzählige dieser Felder über den Planeten erstreckten. Die Aras stellten aus den Früchten ein Medikament her, das sie benutzten zur ... zur ... Wozu auch immer.

Am Fuß des Hügels lag der Raumhafen mit seinen vielen Lichtern, den futuristisch wirkenden Gebäuden und den Raumschiffen und Gleitern: ein riesiger, hoch technisierter Bienenstock.

Futuristisch wirkend? Innerlich lachte er auf. Wie anders sollte es wirken, schließlich befand er sich mitten in der Zukunft! Er hatte in Afghanistan eine Verletzung davongetragen. 2007, vor nicht einmal einem Jahr – in seiner persönlichen Zeit.

Im einen Moment steckst du in einem Einsatz, verspürst mörderische Schmerzen und weißt, es hat dich erwischt, und in der folgenden Sekunde öffnest du die Augen und musst erfahren, dass fast dreißig Jahre vergangen sind. Und ehe du dich's versiehst, findest du dich im nächsten Krieg wieder. Diesmal gegen einen Feind, der nicht einmal von der Erde stammt und den Menschen technologisch erdrückend überlegen ist.

Goratschin war froh, dass dieser Teil seines Lebens hinter ihm lag. Auch sein monatelanges, freiwilliges Exil hatte nicht gereicht, sich völlig an die Zukunft zu gewöhnen. Manchmal fühlte er sich wie ein Neandertaler, den es in die Neuzeit verschlagen hatte. Und nun stand er sogar auf einem fremden Planeten, mein Gott! Er konnte es immer noch nicht glauben.

Er sah zu Ishy und lächelte sie an. »Gleich geht es weiter.«

Sie lächelte zurück. Ein fremder Planet? Na und! Egal, ob Hunderte, Tausende oder, wie in ihrem Fall, über dreißig Billiarden Kilometer zwischen ihnen und der Heimat lagen – dieses Lächeln war ihm Heimat genug.

Dabei war es alles andere als selbstverständlich, dass sie in so trauter Eintracht nebeneinanderstanden. Denn auf einem Hügel bei Terrania hatte Ishy Matsu ihn und seine Fähigkeiten für ihre Zwecke missbraucht. Sie hatte ihn davon überzeugt, mit reiner Gedankenkraft ein Fantanraumschiff zur Explosion zu bringen. Ein Fanal zu setzen im Kampf gegen die außerirdischen Eindringlinge, so, wie Ishys Widerstandsgruppe es wünschte. Es hatte nicht geklappt. Glücklicherweise. Dennoch war er beinahe an der Schuld zerbrochen, dass er es fast zugelassen hätte, sich als Mordwaffe instrumentalisieren zu lassen. Er war ein Soldat, natürlich. Aber er war kein gewissenloser Mörder! Er hasste seine Kraft, diese Psi-Fähigkeit, die nur dazu taugte, zu vernichten. In seinem Schmerz, seinem Zorn und seiner Enttäuschung hatte er sich damals von der Japanerin getrennt.

Goratschin schob die Erinnerung zur Seite. Sie waren wieder zusammen, nur das zählte.

Ein letzter tiefer Atemzug. Er fühlte sich zwar noch immer ausgelaugt vom Training, aber er wollte weitermachen, musste weitermachen.

»Auf zur nächsten Runde«, entschied er. »Ich laufe über vor Energie.«

Einen Augenblick schämte er sich für diese kleine Lüge, aber Ishy würde sie verstehen.

Sie lächelte ihn an. »Wenn das so ist, überspringen wir die folgende Lektion und widmen uns der eigentlichen Aufgabe. Einverstanden?«

Er nickte.

Plötzlich sah er sich und Ishy wieder mit Rhodan in einem abgelegenen Zimmer in Homer G. Adams' Bürotrakt im Stardust Tower sitzen. Er erinnerte sich an den hypnotischen Blick und die ruhige Stimme, als Rhodan ihnen mitteilte, in welcher Gefahr die Erde schwebte.

»Was ich Ihnen nun sage, unterliegt strengster Geheimhaltung. Nur wenige Personen kennen den genauen Zweck des geplanten zweiten Vorstoßes nach Arkon.« Er hatte von dem Archiv berichtet, das der arkonidische Wissenschaftler Epetran da Ragnaari vor sechstausend Jahren angelegt hatte und das seit dieser Zeit verschollen gewesen war. Crest da Zoltral hatte es gefunden und daraus die Position der Erde erfahren. Was, wenn der Regent oder Sergh da Teffron auf das Archiv stießen? Mit jedem Wort hatten sich die Härchen auf Iwans Unterarmen mehr aufgestellt. »Einem Angriff des Imperiums haben wir nichts entgegenzusetzen«, hatte Rhodan geschlossen.

Mit deutlicheren Worten: Sie befanden sich wieder im Krieg. Oder besser gesagt: kurz vor einem drohenden Vernichtungsschlag. Gab es in Iwans Leben denn nichts anderes mehr?

»Wir müssen das Archiv an uns bringen. Oder – falls sich das als unmöglich erweist – es vernichten. Da kommen Sie ins Spiel!«

Fünf Worte, die von Goratschin etwas verlangten, was er nie zuvor getan hatte. Von dem er nicht den Hauch einer Ahnung hatte, ob es gelingen konnte.

»Schau mich an!«, forderte ihn Ishy auf.

Sie streckte die Hände vor den Körper. Einen Augenblick lang flimmerte die Luft über den Handflächen, und ein Bild schälte sich daraus. Ein Baum mit knorrigen, spiralförmigen Ästen. Die Japanerin hatte es mit den Kräften einer Televisionärin entstehen lassen.

Goratschin wusste, dass er die Pflanze vorhin hinter sich gesehen hatte, konnte sich aber nicht mehr daran erinnern, wo.

»Nicht umdrehen!«, sagte Ishy. »Schau nur auf das Abbild. Stell dir vor, das ist das Epetran-Archiv, die Gefahr für die Erde. Du bist unsere letzte Hoffnung. Also zerstöre es! Rette die Menschheit vor dem Untergang.«

»Toll! Nur keinen Druck aufbauen.«

Sie grinste. »Entschuldige. Und jetzt spreng den Baum. Los!«

Du kannst das! Er starrte auf die Vision. Versuchte mit geistigen Fingern danach zu greifen, die Struktur zu ertasten, bis auf die atomare Ebene vorzudringen, um ...

Er fasste ins Leere!

Natürlich. Auf Ishys Hand stand kein Baum. Das Ding war nur eine Vision. Bildgewordene Gedanken. Nichts Fassbares. Nichts, dessen Atome er ...

Versuch es noch mal!

Wieder griff er geistig durch das Bild. Und noch einmal. Obwohl er nichts tat, obwohl seine Kräfte nicht zum Ausbruch kamen, trat ihm Schweiß auf die Stirn. Zugleich fröstelte er. Seine Hände zitterten.

Da! Stiegen da nicht kleine Rauchwolken von den Blättern auf?

Er ächzte.

Er musste es schaffen!

Aber nicht gleich beim ersten Versuch. Gönn dir eine Pause!

Nein! Er war so nah dran. Er konnte jetzt nicht aufgeben.

Vielleicht, wenn er nicht versuchte, selbst auf das Objekt zuzugreifen? Wenn er Ishy dazu benutzte und die Energie durch sie fließen ließ?

Goratschin änderte den Fokus, akzeptierte den Baum als nicht real. Er stellte sich seine Kraft wie das Wasser aus einem Hahn vor und ließ sie in das Baumbild tröpfeln. Vorsichtig, langsam, nicht zu viel! Weiter, von dort zu Ishy. Ein Tropfen nach dem anderen. Schön vorsich...

Mit einem lauten Wusch fing die Baumkrone Feuer.

Er hatte es geschafft! Er hatte etwas außerhalb seines Blickfelds gezündet.

Da sah er, dass aus Ishys Haaren Rauch aufstieg.

O nein!

In seiner Panik riss er den Blick vom Baum weg, zerrte den Kraftstrom mit. Er wollte ihn abbrechen, die Energie stoppen. Es ging nicht! Aus dem Tröpfeln war längst ein Fluss geworden. Die Kraft wollte aus ihm ausbrechen, musste ausbrechen, oder sie würde Iwan verzehren.

Weg! Weg mit ihr. Irgendwohin, wo sie keinen Schaden anrichtete.

Er lenkte die Gabe nach oben. In den Himmel. Dorthin, wo es nichts gab außer ...

Ein Gleiter, der über sie hinwegflog, geriet ins Trudeln. Ein Knall ertönte, Flammen schlugen aus dem Heck.

Nein, nein! NEIN!

Das Fluggerät verwandelte sich in ein Geschoss. Es raste auf den Raumhafen zu, dort würde es einschlagen, explodieren, zerstören, töten und ... und ...

Kurz vorher gelang es dem Piloten, die Maschine herumzureißen. Statt auf die Gebäude, jagte es auf den Wald zu – und in ihn hinein. Nesselbäume knickten um wie Streichhölzer. Holz splitterte, krachte, so laut, dass es in den Ohren schmerzte.

Von einem Augenblick auf den nächsten herrschte Ruhe. Die Stille war so vollkommen, dass sie die Ohren fast mehr quälte.

Ishy!

Goratschins Blick flog zu der Japanerin. Sie lächelte ihn gequält an. Außer einer ramponierten Frisur und einer knallroten Brandwunde über dem linken Auge war ihr offenbar nichts geschehen. Wenigstens etwas.

Das Leben ist endlich.

Das Universum nähert sich der Unendlichkeit an.

Nur das Verlangen nach Wissen ist wahrhaft unendlich.

Aus dem Codex der Aras, allgemeine Fassung

2.

»Lassen Sie uns über den Tod sprechen«

»Können Sie mich hören?«

Eine ruhige, tiefe Stimme. Samten. Sie vermittelt Wärme und Behaglichkeit. Doch ich fühle mich nicht behaglich.

Um mich herum herrscht Dunkelheit. Ich will die Augen öffnen. Es gelingt nicht. Ich versuche, mich zu bewegen, und scheitere erneut. Auf meinem Kopf liegt ein Druck, der mich um den Verstand zu bringen droht. Es fühlt sich an, als würde mein Schädel jeden Augenblick bersten. »Ich ... Was ist geschehen?«

»Das ist es, was wir herausfinden wollen, meine Liebe. Sie können mich also hören?«

»J... ja.«

»Sehr schön. Das dürfte unsere Aufgabe erleichtern.«

Ich weiß nicht, wovon er spricht, aber ein Verdacht keimt in mir auf.

»Gestatten Sie, dass ich mich vorstelle?«, fährt die Stimme fort. »Mein Name ist Karnus Sant. Die Oberen Ihrer Geshur möchten mehr über die ... nun ja, die schrecklichen Vorkommnisse wissen, die sich in Ihrer Klinik abgespielt haben. Offenbar beantwortet Ihr Bericht nicht alle Fragen.«

Mich überkommt das Gefühl, als verkrampfe jeder Muskel, auch wenn sich mein Körper nicht rührt. Ich habe es geahnt! Und dieser Name. Karnus Sant. Warum kommt er mir so bekannt vor? »Wo bin ich? Wie bin ich hierhergekommen?«

»Keine Sorge. Sie befinden sich am sichersten Ort, den Sie sich nur vorstellen können. Ich hoffe, der Helm auf Ihrem Kopf bereitet Ihnen kein Missempfinden, meine Liebe. Leider musste ich ihn eng stellen, um seine volle Funktionsfähigkeit zu gewährleisten.«

Ich trage einen Helm? Beinahe rutscht mir diese Frage hinaus. Im letzten Augenblick kann ich sie mir verkneifen. Ich will nicht, dass Karnus Sant meine Orientierungslosigkeit bemerkt – wenn er nicht ohnehin von ihr weiß. Stattdessen antworte ich: »Missempfinden ist untertrieben. Es fühlt sich an, als zerquetsche das Ding meinen Schädel.«

Da wird mir bewusst, dass der Druck das Einzige ist, was ich fühle. Ich weiß nicht einmal, ob ich liege, sitze oder stehe. Was das betrifft, könnte ich sogar kopfüber von der Decke hängen.

Sprichst du wirklich, wenn du etwas sagst?, flüstert eine Stimme in meinem Hinterkopf. Bewegen sich deine Lippen? Formen sie Laute? Oder ...

So unsinnig sich der Gedanke anhört, so beängstigend wirkt er.

Mit einem Mal weiß ich, woher ich den Namen kenne. »Karnus Sant? Der Spezialist auf dem Gebiet der Hirnforschung?«

»In der Tat, meine Liebe. In der Tat.«

Ein Ara wie ich. Dennoch verspüre ich keine Erleichterung. »Warum hat man ausgerechnet Sie beauftragt, Antworten auf die offenen Fragen zu finden?«

»Man hilft, wo man kann, nicht wahr? Außerdem ist mein Auftrag eher ... nun ja, halb offiziell. Doch jetzt wollen wir beginnen. Uns bleibt vermutlich nicht viel Zeit.«

Was soll das heißen? »Ich weiß nicht, inwiefern ich mehr zur Aufklärung beitragen könnte als durch das, was in meinem Bericht steht.«

»Sie enttäuschen mich, meine Liebe. Vergessen Sie nicht den Helm, den Sie tragen. Er misst Ihre Gehirnströme, regt sie an. Es wird Ihnen nicht gelingen, mich zu belügen oder auch nur Details zu verschweigen. Wenn Sie wollen, können wir es gerne versuchen. Wie heißen Sie?«

Ich gehe das Personal der Klinik Himmelstor durch und entscheide mich, ihm den Namen einer der Gärtnerinnen zu nennen. »Arga Tasla«, spreche ich stattdessen die Wahrheit aus.

»Sehen Sie? Sie brauchen sich keine Mühe zu geben, Einzelheiten vor mir geheim zu halten. Beginnen wir?«

»Wer ... wer garantiert mir, dass Sie im Auftrag meiner Geshur handeln? Ich weiß nicht, ob Sie tatsächlich Karnus Sant sind.« Ich zögere. »Genau genommen weiß ich nicht einmal, ob Sie überhaupt ein Ara sind. Schließlich kann ich Sie nicht sehen.«

»Es gibt keine Garantien. Sie müssen sich auf mein Wort verlassen.« Seine Stimme verliert jegliche Wärme. »Nicht, dass es einen Unterschied ausmachen würde.«

Er hat recht. Ich werde ohnehin die Wahrheit sagen. Egal ob meiner Geshur oder einem Agenten des Großen Imperiums gegenüber.

»Was wollen Sie wissen?«, frage ich.

»Nur für das Protokoll: Ihr Name ist Arga Tasla, und Sie sind als Enderin in der Klinik Himmelstor beschäftigt. Ist das richtig?«

Wie ich heiße, habe ich doch gesagt!, will ich ihn anschreien. Aber ich antworte nur: »Das ist richtig.«

»Gut.« Die Wärme kehrt in seine Stimme zurück. »Dann lassen Sie uns über den Tod sprechen, meine Liebe. Am besten beginnen Sie mit Claqrekz. Wie haben Sie ihn getötet?«

»Läuft alles nach Plan?«

Die leicht nasale Stimme des Klinikleiters ließ Arga Taslas Finger, die eben noch über die virtuelle Tastatur der Konsole gehuscht waren, verharren. Die Enderin löste den Blick von der Anzeige und wandte sich dem Sprecher zu. »Natürlich, Gegul. Ein Abschied wie jeder andere. Reine Routine.«

Aber sie wusste, dass das nur bedingt der Wahrheit entsprach, was allein Geguls überflüssige Anwesenheit in der Enge des Kontrollraums bewies. Hoffentlich verschwand er, bevor die Abschiedszeremonie in die Finalphase trat. Nichts konnte sie weniger gebrauchen als einen Klinikleiter, der durch seine bloße Gegenwart die beiden Techniker nervös machte und zu Fehlern verleitete. Nicht ausgerechnet bei diesem Scheidenden.

»Ich werde Ihnen eine Weile Gesellschaft leisten. Lassen Sie sich nicht stören.«

Arga zuckte zusammen. Na großartig. Als wäre es nicht schwer genug, ihr Tun vor Hanral Burlan zu verbergen, dem Techniker, der nicht ihrer Geshur angehörte. Nun schaute ihr auch der Klinikleiter auf die Finger.

Gegul legte Wert darauf, dass Arga stets bewusst war, an welcher Stelle der Befehlskette er in Himmelstor stand, denn anstatt des auf Isinglass XIV üblichen silbergrauen Medizinerkittels trug er seinen nachtblauen Ehrenmantel. An ihm prangten all die Auszeichnungen, Würdennadeln, Leistungswappen und Orden, die man ihm für seine Verdienste verliehen hatte – und da er auf ein langes Leben zurückblickte, waren das beinahe mehr, als an dem Mantel Platz fanden.

»Stellt das ein Problem für Sie dar, Enderin Tasla?« Gegul lächelte sie an, doch seine roten Augen blieben kalt und hart wie Edelsteine. Die blassen Wangen und die Stirn wiesen im Gegensatz zur Glatze tiefe Furchen auf. Zeichnungen des Alters und der Erfahrung. Gerne hätte Arga welche ihrer Fingernägel hinzugefügt.

Sie sah zu Hanral Burlan und Sastian Tash. Die Techniker saßen wie eingepfercht zwischen ihren Kontrollpulten und der Rückwand, betrachteten mit angestrengtem Blick die Messwerte in den holografischen Anzeigen und versuchten vorzugeben, nicht dem Gespräch zwischen der Enderin und dem Klinikleiter zuzuhören. Ohne großen Erfolg.

»Natürlich nicht«, antwortete Arga. Sie war erstaunt, wie emotionslos ihre Stimme klang.

»Gut. Bringen Sie mich auf den neusten Stand der Dinge. Wer ist unser heutiger Patient?«

Als ob du das nicht genau wüsstest! »Ich bevorzuge die Bezeichnung Scheidender. Das vermittelt nicht den unzutreffenden Eindruck, dass es eine Chance auf Heilung gäbe. Wer sich in meine Obhut begibt, will sterben. Nicht etwa genesen.«

Die wulstige Haut über Geguls Auge zuckte. In seiner Miene erkannte Arga all das, was ihm durch den Kopf ging. Ich brauche keine Belehrung über die Aufgabe der Klinik Himmelstor. Schließlich leite ich sie, falls Sie das vergessen haben. Oder wollen Sie sich mit mir anlegen? Wie damals bei Targo?

Trotzdem sprach Gegul es nicht aus. Offenbar war er sich der Bedeutung des bevorstehenden Abschieds bewusst, sodass er die Atmosphäre nicht unnötig anheizen wollte.

»Natürlich. Entschuldigen Sie«, sagte er ohne die Spur von Bedauern in der Stimme. »Also, wer ist unser Scheidender?« Das letzte Wort betonte er besonders.

Arga ignorierte die Provokation und deutete auf das wandfüllende Hologramm hinter der Kontrollkonsole. Es zeigte die Abschiedshalle, bei der es sich trotz ihrer Bezeichnung um einen kleinen Raum handelte, gerade groß genug, um einer Medoliege mit Gel-Matratze, einer Infusionseinrichtung und einem schmalen Gang um das Ensemble Platz zu bieten. Holoprojektionslinsen, die Decke und Wände übersäten, gaukelten dem Scheidenden ein anderes Bild vor, das die Positronik jedoch nicht auf das Holo im Kontrollraum übertrug. Für eine ungehinderte Beobachtung wäre das hinderlich gewesen.

Auf – oder zutreffender: in – der Matratze lag ein Wesen, wie man es im Großen Imperium nur selten sah und auf Isinglass XIV vorher nie gesehen hatte. Vom Körperbau erinnerte es an einen Ara oder Arkoniden. Die Patienten und Scheidenden, die von diesem Erscheinungsbild erheblich abwichen, kamen meist auf anderen Medowelten unter, deren Atmosphäre, Schwerkraft oder sonstige Umweltbedingungen ihren Anforderungen besser entsprachen. Arga Tasla war froh, nicht auf einer reinen Wasserwelt wie Isinglass III oder einem Gravitationsmonstrum wie Isinglass XII zu praktizieren. Andererseits bliebe ihr auf diese Art wenigstens Klinikleiter Gegul erspart.

»Bekomme ich heute noch eine Antwort?«, rief sich dieser ins Gedächtnis.

»Sein Name ist Claqrekz«, sagte Arga, ohne den Blick von dem Scheidenden zu nehmen. »Er gehört einer Kultur an, die sich selbst Khorrastyr nennt. Sie ähneln uns, aber ihr Körper verändert sich ohne Unterlass. Organe lösen sich auf und formen sich an anderer Stelle im Leib neu, Knochen schmelzen oder werden dicker, Sehnen trennen sich von ihren Anwachsungsstellen und suchen sich neue. In gewissen Grenzen zeigt sich diese dauernde Metamorphose auch äußerlich. Heute wächst ein dritter Arm aus einer Achselhöhle, morgen bildet sich der alte zurück, übermorgen rutscht der neue an den Platz seines Vorgängers. Selbst das Gesicht ist in ständiger Bewegung, was auf die wenigen Kulturen, mit denen sie Kontakt pflegen, oft verstörend wirkt.«

»Kennen unsere Datenbanken dieses Phänomen?«

»Eine genetisch bedingte Extremform der Zellerneuerung. Grundsätzlich unterscheiden sich die Khorrastyr in dieser Hinsicht kaum von anderen Organismen. Der Zyklus des Lebens. Zellen sterben ab, neue wachsen nach. Nur dass das bei den Khorrastyr eben nicht an der gleichen Stelle geschieht und wesentlich schneller abläuft. Diese Erkenntnisse beruhen jedoch nur auf der Untersuchung weniger Exemplare der Spezies.«

»Warum?«, fragte Gegul, obwohl sich Arga Tasla sicher war, dass er die Antwort kannte. Er wollte nicht etwa den aktuellen Stand der Dinge erfahren. O nein, er wollte sehen, ob sie ihre Hausaufgaben gemacht hatte.

»Weil die Khorrastyr eine genauso sture wie bedeutungslose Kultur sind. Sie leben auf einem Planeten in den Randbezirken des Großen Imperiums. Ohne eigene Raumfahrt spielen sie weder wirtschaftlich noch militärisch eine Rolle. Nur gelegentlich landet ein Schiff der Mehandor dort und versucht, mit der Bevölkerung Handel zu treiben. Meist erfolglos. Sie bleiben lieber unter sich, vermeiden jeden Kontakt mit Fremden. Deshalb lassen sie es auch nicht zu, dass man sie untersucht. Es widerspricht ihrem Glauben.«

»Weshalb zwingt man sie nicht dazu? Sie dürften keinerlei Widerstand leisten.«

»Dazu sind sie zu unbedeutend. Das Phänomen der Metamorphose ist skurril, mehr aber auch nicht. Der medizinische Nutzen einer weiteren Erforschung ginge gegen null, zumal die ständige Umwandlung offenbar die Fortpflanzungsfähigkeit einschränkt.«

»Wie das?«

»Das Ungeborene überlebt die Zeit im Mutterleib nur, wenn sich die inneren Reproduktionsorgane währenddessen nicht auflösen und an anderer Stelle neu bilden. Ausgehend von der Tragezeit und der Dauer des Zellerneuerungszyklus bei zeugungsfähigen Khorrastyr, liegt die statistische Wahrscheinlichkeit dafür bei unter einem Prozent. Deshalb ist die Spezies vom Aussterben bedroht.«

Gegul nickte. Er schien mit Arga zufrieden zu sein. Oder hatte er sich doch nicht vorbereitet, weil er wusste, dass sie es tun würde? »Sie erwähnten ihren Glauben.«

»Sie sehen ihre Körper als Teile eines Gottes an. Er formt sie aus seinem eigenen Leib und erschafft sie immer wieder neu, wodurch sie sich die Metamorphose erklären. Wenn ihre Zeit abgelaufen ist, holt er sie in seinen Leib zurück. Sie zu untersuchen käme einem Sakrileg gleich, weil man dadurch versuchte, dem Wesen ihres Gottes auf die Spur zu kommen.«

Der Klinikleiter starrte auf das Wandholo. Er war fasziniert – und sie wusste, wieso. Noch nie war es gelungen, die Individualsignatur eines Khorrastyr zu vermessen. Natürlich würde Gegul das niemals laut aussprechen. Nicht solange sich mit Hanral Burlan ein Techniker im Raum aufhielt, der nicht ebenfalls der Geshur Allamaj angehörte.