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Lordadmiral Atlan fliegt nach Andromeda - die Maahks treiben falsches Spiel Auf den Menschheitswelten schreibt man Anfang Mai des Jahres 3460. Das Solare Imperium existiert jedoch nicht mehr als politische Konstellation seit dem Tage, da Terra und Luna, mit dem größten Teil der Solarier "an Bord", die Flucht durch den Sol-Transmitter antraten. Terra und Luna rematerialisierten nicht, wie der Große Plan es vorsah, im Archi-Tritrans-System, sondern sie schossen weit über ihr Ziel hinaus. Der Planet und sein Trabant landeten in einem völlig fremden Kosmos, mitten im "Mahlstrom der Sterne". Kaum war jedoch der ärgste Schock ob des Fehlsprungs überstanden, da wurden bereits die ersten Erkundungsflüge unternommen. Die Welt der Feuerflieger wurde entdeckt, das Rieseninsekt in der Maske des Göttervaters Zeus nahm Kontakt mit den Menschen auf, und eine weitere Macht im Mahlstrom trat in Erscheinung. Nach der Schilderung der ersten Abenteuer, die die Solarier im unbekannten Kosmos zu bestehen hatten, wechseln wir nun die Szene. Wir kehren zurück zur heimatlichen Milchstraße, wo Solarmarschall Tifflors Flotte und Lordadmiral Atlans USO noch immer beachtliche Machtfaktoren darstellen, mit deren überraschendem Einsatz die neuen Herren der Galaxis jederzeit zu rechnen haben. Atlan selbst verlässt jedoch die Galaxis. Mit der IMPERATOR VII, seinem Flaggschiff, startet er nach Andromeda, um eine vage Spur der verschwundenen Erde zu verfolgen. Ziel des Fluges ist DAS SONNEN-FÜNFECK ...
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Seitenzahl: 133
Veröffentlichungsjahr: 2011
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Nr. 681
Das Sonnen-Fünfeck
Lordadmiral Atlan fliegt nach Andromeda – die Maahks treiben falsches Spiel
von KURT MAHR
Auf den Menschheitswelten schreibt man Anfang Mai des Jahres 3460. Das Solare Imperium existiert jedoch nicht mehr als politische Konstellation seit dem Tage, da Terra und Luna, mit dem größten Teil der Solarier »an Bord«, die Flucht durch den Sol-Transmitter antraten.
Terra und Luna rematerialisierten nicht, wie der Große Plan es vorsah, im Archi-Tritrans-System, sondern sie schossen weit über ihr Ziel hinaus. Der Planet und sein Trabant landeten in einem völlig fremden Kosmos, mitten im »Mahlstrom der Sterne«.
Kaum war jedoch der ärgste Schock ob des Fehlsprungs überstanden, da wurden bereits die ersten Erkundungsflüge unternommen.
Die Welt der Feuerflieger wurde entdeckt, das Rieseninsekt in der Maske des Göttervaters Zeus nahm Kontakt mit den Menschen auf, und eine weitere Macht im Mahlstrom trat in Erscheinung.
Nach der Schilderung der ersten Abenteuer, die die Solarier im unbekannten Kosmos zu bestehen hatten, wechseln wir nun die Szene. Wir kehren zurück zur heimatlichen Milchstraße, wo Solarmarschall Tifflors Flotte und Lordadmiral Atlans USO noch immer beachtliche Machtfaktoren darstellen, mit deren überraschendem Einsatz die neuen Herren der Galaxis jederzeit zu rechnen haben.
Die Hauptpersonen des Romans
Atlan – Der Lordadmiral fliegt nach Andromeda.
Linus Macey und Elleri Nooham – Spezialisten der Abteilung T.
Bulmer Agbosht – Botschafter des Solaren Imperiums im Reich der Maahks.
Jellifer Humdran – 1. Botschaftsrat auf Chemtenz.
Vin Hajmyndur – Kommandant der Botschaftsgarde.
Chruq-Khajim
1.
Im einen Augenblick hatte er noch in tiefem Schlaf gelegen, im nächsten fuhr er senkrecht in die Höhe. Das kleine Warngerät hatte angeschlagen.
Er sah auf die phosphoreszierende Uhr. Die Ankunft bei Midway-Station stand unmittelbar bevor. Er rief »Licht!«, und der akustische Servo schaltete die Beleuchtung seiner Kabine ein. Während er sich ankleidete, musterte er die Aufzeichnung, die das Warngerät angefertigt hatte. Es hatte eine Serie fremder Gehirnwellenimpulse wahrgenommen.
Eine Minute später war er auf dem Weg zum Kommandostand des Raumschiffs. Er betrat die weite, kreisrunde Halle, in der die unverkennbare Aktivität der Minuten unmittelbar vor der Ankunft an einem wichtigen Ziel herrschte, und sein Blick blieb auf dem vorderen Sektor der großen Panoramagalerie haften.
Ein merkwürdiges Gebilde war dort zu sehen. Es bestand aus drei dicken, kreisförmigen Scheiben, die in der Art von Kleeblattsegmenten um ein gemeinsames Zentrum herum angeordnet waren. Das Zentrum selbst bildete eine Spindel, eine Art Turm mit beiderseits sich verjüngenden Enden. Das Bild war nicht sonderlich klar. Hier draußen im Leerraum zwischen den Galaxien, Hunderttausende von Lichtjahren von der nächsten lichtspendenden Sonne entfernt, gab es gerade noch soviel Helligkeit, dass die Umrisse der Raumstation als Schatten erschienen wären. Einzelheiten des Gebildes waren nur deswegen auszumachen, weil die Station sich in eine Aura aus künstlichem Licht gehüllt hatte, die von Tausenden greller Sonnenlampen erzeugt wurde.
Das also war Midway-Station, der wichtigste Haltepunkt entlang der unsichtbaren Brücke, die die Milchstraße der Erde mit der Galaxis Andromeda verband. Midway-Station war achthunderttausend Lichtjahre vom Zentrum der Milchstraße entfernt. Die beiden Galaxien zeigten sich als kleine, milchige Nebelflecke auf gegenüberliegenden Sektoren der Panoramagalerie.
Der Mann hinter der Chefkonsole, die sich auf einem Podium in der Mitte des Kommandostands erhob, hatte den Eintretenden bemerkt und winkte ihn zu sich. Er war ein hochgewachsener Mensch unbestimmbaren Alters, mit wallenden, weißen Haaren und den rötlichen Augen eines Albinos. Auf seinem Gesicht lag der Ausdruck tiefer Sorge.
»Sie kommen gerade recht, Macey«, sagte er zu dem Mann, der soeben eingetreten war. »Wir stehen seit einer halben Stunde im Funkkontakt mit Midway-Station. Der Grek-eins hat uns Landeerlaubnis erteilt. Ich möchte, dass Ihre Abteilung sich umhört, Macey. Es ist nicht unmöglich, dass das Hetos der Sieben seinen Arm inzwischen bis in den intergalaktischen Leerraum ausgestreckt hat.«
Kommodore Macey war ein nicht sonderlich hochgewachsener Mann mittleren Alters, was besagte, dass er sich der Siebziger-Grenze näherte. Er neigte zur Korpulenz, hatte schütteren Haarwuchs und trug eine Miene zur Schau, die einer seiner Mitarbeiter einmal als den »Ausdruck trotziger Versonnenheit« bezeichnet hatte.
»Meine Abteilung ist rund um die Uhr an der Arbeit, Sir«, antwortete er dem Arkoniden. »Wenn etwas beobachtet worden wäre, hätte man mich geweckt. So aber kam ich auf andere Weise um meinen Schlaf.«
Er berichtete von der Beobachtung, die das Warngerät gemacht hatte. Während er sprach, behielt er Atlan im Auge und bemerkte, wie sich Zweifel in den Augen des Arkoniden zu spiegeln begann. Sofort unterbrach er sich mitten im Satz und fuhr, das Thema wechselnd, fort: »Ich weiß, dass Sie meinen Forschungen nicht unvoreingenommen gegenüberstehen, Sir, seitdem von dritter Seite einmal ein Zweifel an meiner Seriosität geäußert wurde. Trotzdem bitte ich Sie, die Sache nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.«
Atlan blieb ernst.
»Sie haben recht, Macey«, bekannte er. »In einer Lage wie der unseren darf kein Hinweis übersehen werden. Ich habe eine Art hartnäckiger Ahnung, dass uns auf Midway-Station Gefahr droht. Gewöhnlich gebe ich wenig auf Ahnungen, aber diese hier will mich einfach nicht loslassen.«
»Ich halte die Augen offen, Sir«, versprach Macey.
*
Dem Steuersignal des automatischen Einweisers folgend, senkte sich der mächtige Kugelleib der IMPERATOR VII auf die weite Oberfläche eines der drei Kleeblattsegmente hinab. Erst aus unmittelbarer Nähe wurde bei der Abwesenheit jeglichen Vergleichsmaßstabes der gewaltige Umfang der intergalaktischen Raumstation erkennbar. Der Durchmesser des kreisförmigen Kleeblattsegments betrug 35 Kilometer, seine Dicke etwa acht Kilometer. 6,5 km durchmaß der spindelförmige Turm, der die Symmetrieachse des Systems bildete, und auch seine Länge war mit 46 km recht beachtlich. Selbst die gläsern schimmernden Zentralekuppeln, die sich aus dem Mittelpunkt der Oberfläche eines jeden der drei Kleeblatteile erhoben, maßen mehrere Kilometer im Durchmesser und waren ebenso hoch wie die IMPERATOR VII, nachdem sie auf dem ihr zugewiesenen Landeplatz niedergegangen war.
Die Mission des USO-Schiffes war eine Mission der Verzweiflung. Sie galt der Suche nach der verschollenen Menschheit, von der seit jenem schwarzen Tag, an dem Erde und Mond mitsamt knapp einhunderttausend Raumschiffen sich durch einen gewagten Sprung durch den im Solsystem errichteten Giganttransmitter vor der Bedrängung durch das Hetos der Sieben und seine Verbündeten retten wollten, jede Spur fehlte. Der Empfangstransmitter, Archi-Tritrans, ein aus drei roten Riesensonnen bestehendes Gebilde nahe dem Zentrum der irdischen Milchstraße, war ein Produkt der alten Lemurer. Die Logik des Arkoniden ging dahin, dass Erde und Mond wenn schon nicht am Ziel, so doch wenigstens an einem der vielen anderen Transmitterempfänger rematerialisiert haben müssten, die die Lemurer im Laufe ihrer Geschichte in der heimatlichen Galaxis ebenso wie im Andromeda-Nebel errichtet hatten.
Aus den Unterlagen der Schaltstation, die in einer Entfernung von rund einer Milliarde Kilometern über Archi-Tritrans schwebte, gingen die Positionsdaten einiger in der irdischen Milchstraße befindlicher Transmitterstationen hervor. In aller Heimlichkeit waren Dutzende von USO-Fahrzeugen unterwegs, um diese Transmitter aus der Nähe zu begutachten und zu ermitteln, ob sich die Erde einen von ihnen als Ziel ausgesucht habe. Mehr Hoffnung setzte Atlan jedoch in die Galaxis Andromeda. Hierhin hatte sich nach dem entsetzlichen Krieg gegen die Maahks ein Teil des alten Lemurer-Volkes abgesetzt und eine neue Zivilisation aufgebaut, deren Leistungen die der alten lemurischen Technik noch um einiges übertrafen. Das Volk der Tefroder, wie sich die lemurischen Aussiedler nannten, hatte nach überschlägigen Schätzungen wenigstens einhundert Giganttransmitter im Andromeda-System angelegt. Der Arkonide hielt es durchaus für möglich, dass Erde und Mond in einem jener Empfänger rematerialisiert waren – ungeachtet der gewaltigen Entfernung, die die beiden Galaxien voneinander trennte.
Die größte Schwierigkeit bei diesem Vorhaben bedeutete der Umstand, dass über die tefrodischen Transmitterstationen so gut wie nichts bekannt war. In der Auseinandersetzung mit den Meistern der Insel um die Mitte des 3. Jahrtausends waren einige von ihnen mehr oder weniger durch Zufall entdeckt worden. Das Gros der Stationen jedoch blieb unbekannt. Diesem Mangel abzuhelfen, hatte Atlan sich entschlossen. Die Expedition der IMPERATOR VII galt der Auffindung von Unterlagen über die tefrodischen Giganttransmitter ... und sodann der Suche nach der Erde und der Menschheit.
Auf dem Hauptbildschirm des Radiokomempfängers im Kommandostand erschien ein grünlich schimmerndes Symbol, das Erkennungszeichen von Midway-Station. Eine Robotstimme verkündete in unpersönlichem, jedoch fehlerfreiem Interkosmo: »Die Feldbrücke ist erstellt und mündet an der tiefstgelegenen Schleuse Ihres Fahrzeugs. Grek-eins bittet um die Ehre, den Lordadmiral und seine Begleiter empfangen zu dürfen. Bitte bedienen Sie sich des ersten Transmitters nach Betreten der Station.«
Der Bildschirm erlosch. Die Männer, die Atlan begleiten sollten, waren längst ausgewählt. Es waren insgesamt fünfzehn.
»Worauf warten wir noch?«, fragte der Arkonide ernst.
*
Die Feldbrücke war ein orangerot leuchtender Schlauch, der sich rings um die Bodenschleuse der IMPERATOR VII herum an den kugelförmigen Schiffsleib schmiegte und dessen Inneres mit sauerstoffhaltiger Luft unter Normaldruck erfüllt war. Die Maahks, selbst Wasserstoffatmer und auf Planeten des Jupiter-Typs zu Hause, ließen es sich etwas kosten, den Befehlshaber der United Stars Organisation, Lordadmiral Atlan, zu empfangen. Das Innere des Schlauchs war außerdem schwerelos gemacht worden, so dass der Arkonide und seine Begleiter sich darin wie in einem Antigravschacht bewegen konnten. Die Raumschutzanzüge hatten sie zurückgelassen. Es hätte die Maahks beleidigt, ihnen zu zeigen, dass man ihrer Klimatisierung mit sauerstoffhaltiger Atmosphäre nicht traute. Atlans Begleiter waren jeweils nur mit einem kleinen Schocker bewaffnet. Der Arkonide selbst ging völlig unbewehrt.
Die Feldbrücke mündete in einen der Schächte, die das kreisförmige Kleeblattsegment parallel zur Mittelachse – »senkrecht« also im alltäglichen, in der Schwerelosigkeit des Alls jedoch inkorrekten Ausdrucksweise – durchzogen. Auch hier war die Gravitation ausgenullt. Die Ankömmlinge trieben durch den Schacht dahin, bis sie eine eiförmige Ausweitung erreichten und an der Wand der Weitung das schimmernde, torbogenförmige Energiefeld einer Transmitterstation erblickten.
Sie schwebten hindurch, einer nach dem andern. Das erste, was sie spürten, war das plötzliche Wiedereinsetzen der Schwerkraft. Sie landeten in einer weiten, rechteckigen Halle, die an das Foyer eines exotischen Hotels erinnerte. Der Boden war mit kostbaren, bunten Materialien verkleidet. Die scheinbar wahllos verteilten Leuchtkörper in der Decke schufen ein warmes, gelbliches Licht. Hier und dort gab es kleine Sitzgruppen. Angenehm leise, fremdartige Musik lag in der Luft. Die Wände schmückten Kunstgegenstände maahkscher Herkunft; aber die Luft war rein und sauerstoffreich, und die Temperatur lag knapp über zwanzig Grad.
Atlan und seine Begleiter wurden erwartet – allerdings nicht von dem maahkschen Grek-1, sondern von einer Horde aufgeregter Terraner in Arbeitsmonturen. Sie standen unmittelbar vor dem Transmitterausgang. Ein Männchen, höchstens einen Meter sechzig groß und mittleren Alters, stapfte mit gerötetem Gesicht auf den Arkoniden zu und begrüßte ihn: »Willkommen, Sir, auf Midway-Station! Wir hätten nicht gedacht, dass man zu unserer Ablösung den Lordmarschall höchstpersönlich bemühen würde.«
Atlan ergriff die dargebotene Hand und schüttelte sie. Ein mattes Lächeln glitt über sein Gesicht.
»Sie sind Multlin Thämer, nehme ich an?«, erkundigte er sich.
»Oh nein, Sir«, antwortete das Männchen mit Nachdruck. »Mein Name ist Godafroy Sanzib. Ich bin Doktor Thämers Stellvertreter. Thämer selbst hat die Leerraum-Grippe und liegt im Hospital.«
Es gab seit mehreren Jahrhunderten ein Abkommen zwischen Maahks und Terranern, wonach die Terraner das Recht hatten, auf den intergalaktischen Stationen der Maahks wissenschaftliche Kolonien zu unterhalten. Das Solare Imperium hatte von dieser Übereinkunft weidlich Gebrauch gemacht. Auf jeder Maahk-Station gab es eine kleine Gruppe terranischer Wissenschaftler, die in regelmäßigem Turnus abgelöst wurde. Ihre Aufgabe war die Beobachtung und Erfassung von Leerraumphänomenen.
»Es tut mir leid, Sanzib«, sagte Atlan, »aber ich muss Sie enttäuschen. Wir sind nicht gekommen, um Sie abzulösen. Schlimmer ist das: ich muss Ihnen sagen, dass es wahrscheinlich auf geraume Zeit keine Ablösung geben wird.«
Godafroy Sanzib, der bislang freudig gestrahlt hatte, wurde plötzlich ernst. Er sah einen Augenblick zu Boden, dann jedoch hob er den Kopf und blickte den Arkoniden mit einem tapferen Lächeln an.
»Ach, so wichtig ist es auch gar nicht, Sir«, erklärte er mit fester Stimme. »Schließlich wissen wir, wie es in der Milchstraße aussieht, und wir verstehen, dass es mit der Ablösung nicht mehr so reibungslos klappt wie früher.«
Atlan musterte ihn lange und nachdenklich.
»Sanzib, Sie verdienen einen Orden«, sagte er schließlich. »Und beizeiten wird man ihn Ihnen verleihen. Aber zuvor sagen Sie mir eines: ist hier an Bord von Midway-Station alles normal? Sind die Laren hier aufgetaucht?«
Godafroy Sanzib wirkte überrascht.
»Hier?!«, rief er aus. »Achthunderttausend Lichtjahre von der Milchstraße entfernt? Nein, Sir, gewiss nicht! Hier geht alles seinen normalen Gang. Wenn wir nicht per Hyperfunk mit der Milchstraße verbunden wären, wüssten wir gar nicht, dass es die Laren und das Hetos der Sieben überhaupt gibt.«
»Auch Ihr Verhältnis zu den Maahks hat sich in letzter Zeit nicht verändert?«, forschte der Arkonide weiter.
»Nicht im geringsten, Lordadmiral!«, beteuerte Sanzib. »Sie sind freundlich und zuvorkommend wie bisher.«
Die Unterhaltung wurde abrupt unterbrochen. Durch dieselbe Transmitteröffnung, durch die Atlan und seine Begleiter gekommen waren, traten zwei Maahks, riesige Gestalten in mattgrauen Raumanzügen, die sie tragen mussten, weil die sauerstoffhaltige Atmosphäre, die sie für ihre Gäste geschaffen hatten, für sie giftig war. Die beiden Andromedaner waren weit über zwei Meter groß. Die mächtigen Arme hingen ihnen lang, bis zu den Knien, zu beiden Seiten des Körpers herab. Der flexible Helm ihrer Montur umschloss den Grat des mondförmigen Schädelwulstes wie eine zweite Haut. Aus vier großen Augen musterte jeder Maahk die Besucher von der Erde.
»Wir begrüßen Sie, Lordadmiral Atlan«, drang es aus dem Kommunikator des größeren der beiden. »Ich bin Grek-eins. Im Namen der Besatzung von Midway-Station danke ich für Ihren Besuch.«
Grek-1 sprach Interkosmo. Atlan erwiderte die Freundlichkeit, indem er sich des Kraahmak, der Sprache der Maahks, bediente.
»Es ist ein trauriger Anlass, der uns hierherführt, Grek-eins. Wir werden nur kurze Zeit Ihre Gäste sein können. Aber wir bedanken uns für die Herzlichkeit, mit der Sie uns empfangen.«
Das Wort »Herzlichkeit« war eine reine Floskel. Die Maahks waren reine Verstandeswesen. Ihr Gefühlsleben, hatte ein bedeutender Kosmobiologe einmal gesagt, war so hoch entwickelt wie das Sehvermögen eines Grottenolms.
»Man hat ein Mahl für Sie gerichtet«, antwortete Grek-1. »Wir bitten Sie um die Erlaubnis, mit Ihnen daran teilnehmen zu dürfen.«
Das war Protokoll. Der Maahk setzt seinem Gast ein Mahl vor und bezeigt seine Hochachtung, indem er nur auf explizite Einladung des Gastes selbst an diesem Mahl teilnimmt.
»Es würde uns ohne Ihre Gegenwart nicht schmecken«, sagte Atlan, wie es das Zeremoniell verlangte. »Bitte setzen Sie sich mit uns zu Tisch.«
»Dann können wir sprechen«, rief der Maahk.
»Dann können wir sprechen!«, stimmte der Arkonide zu.
*
Es war eine seltsame Mahlzeit. Der Raum war durch eine transparente Wand in zwei Hälften geteilt. An die Wand waren zwei Tischhälften geschoben, so dass sie einen Tisch zu bilden schienen. Die eine Raumhälfte war mit einer Wasserstoffatmosphäre unter hohem Druck gefüllt und besaß eine Schwerkraft von annähernd drei Gravos. Die andere Hälfte enthielt ein sauerstoffreiches Gasgemisch unter normalem Druck und Gravitation, wie sie an der Oberfläche der Erde herrschte.
Die Maahks waren mit insgesamt acht Mann erschienen. Zu Atlans Gruppe hatten sich Godafroy Sanzib und zwei seiner engsten Mitarbeiter gesellt. Speisen und Getränke wurden von der Servierautomatik der beiden Tischhälften kredenzt – terranische Küche auf der einen, Nahrungs- und Genussmittel der Wasserstoffwelten auf der anderen Seite. Für die Möglichkeit, sich miteinander zu unterhalten, war gesorgt: ein raffiniert ausgeklügeltes Interkomsystem übertrug die Stimmen der Sprechenden, als gebe es keine Trennwand.
Atlan wurde flankiert von Oberst Pernkör, dem Kommandanten der IMPERATOR VII, auf der einen und Godafroy Sanzib auf der anderen Seite. Linus Macey hatte sich abseits gesetzt, fast ans Tischende zur Rechten des Arkoniden. Während er aß, beobachtete er Godafroy Sanzib und sah, wie das Männchen von Sekunde zu Sekunde mehr auflebte, überglücklich darüber, dem Einerlei des Stationsalltags wenigstens für ein paar Stunden entkommen zu sein.
Während des Hauptgangs wurden zwischen Maahks und Terranern nur wenige und belanglose Worte gewechselt. Erst später, als man sich in das vielfältige Gewirr der Nachspeisen stürzte, begann die eigentliche Aussprache. Mit wenigen, knappen Worten trug der Arkonide sein Anliegen vor. Er erklärte nicht, warum er nach lemurischen Transmittern suchte. Aber er machte klar, dass es sich um ein Anliegen handelte, das die Grundinteressen der gesamten Menschheit unmittelbar berührte.
