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Als Perry Rhodan und seine Freunde nach 695 Jahren das Stasisfeld verlassen, in das sie durch den Transfer Hangays versetzt wurden, hat sich vieles verändert. Mit Unterstützung von Cyborgs aus einer fernen Galaxis, den Cantaro, hat der mysteriöse Tyrann Monos die Milchstraße unterworfen und durch einen unüberwindlichen Wall abgeschottet. Perry Rhodan lernt das Netz der Schwarzen Sternenstraßen kennen und befreit zusammen mit der Widerstandsgruppe Widder und den Neuen Freihändlern die versklavte Heimatgalaxis.
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Veröffentlichungsjahr: 2013
Nr. 1450
Die Herren der Straßen
Schauplatz Uulema – der Schlag gegen die Cantaro
von H. G. Francis
Der doppelte Schock der galaktischen Heimkehrer aus Tarkan, sich fast um 700 Jahre verspätet zu haben und die Heimat durch eine undurchdringliche Barriere abgeschottet zu finden, an der schon viele Raumfahrer gescheitert sind, ist längst überwunden.
Inzwischen schreibt man den Juni des Jahres 1144 NGZ, und die galaktische Barriere ist für einige schon durchaus passierbar geworden. So haben die CIMARRON, mit Perry Rhodan an Bord, und die BLUEJAY mittels des von Geoffry Waringer entwickelten Pulswandlers die erste Absperrung längst durchbrechen und mit den Widdern, den von Homer G. Adams geleiteten Widerständlern, die im Untergrund agieren, Kontakt aufnehmen und selbst den Viren-Wall überwinden können.
Auf Arhena, der Stützpunktwelt von WIDDER, erfährt Perry Rhodan, dass die Cantaro, die neuen Herren der Milchstraße, im Begriff sind, auf dem Planeten Uulema im Shirica-System eine neue Basis für großmaßstäbliche Operationen anzulegen.
Daran sollen die Cantaro gehindert werden, beschließen die Widerständler und ihre neuen Verbündeten einhellig. Sie treffen ihre Vorbereitungen und schlagen unvermutet zu. Dabei erfahren sie etwas über DIE HERREN DER STRASSEN ...
Jesco Tomaskon, Pete Rumples und Dennis Petar – Gefangene der Cantaro.
Veegran – Kommandant der Cantaro auf Uulema.
Gucky – Der Ilt wird »schwach«.
Pedrass Foch – Der Draufgänger liefert seinen Gegnern eine Schlacht.
Karl Prenthane und Marte Escatt
Jesco Tomaskon lachte still in sich hinein. Nichts schien diesen Mann erschüttern zu können, auch nicht das rücksichtslose Verhalten der Cantaro.
»Ich will dir mal was sagen, lieber Freund«, polterte er und fuhr sich mit beiden Händen durch seinen Bart. Dabei teilte er ihn und strich ihn links und rechts am Kopf vorbei. »Es hilft dir nichts, wenn du dich in Selbstmitleid versinken lässt. Im Gegenteil. Du machst alles nur noch schlimmer.«
»Ach, lass mich in Ruhe«, stöhnte Pete Rumples. »Siehst du denn nicht, was hier vorgeht? Die Cantaro benutzen uns als gentechnologisches Experimentiermaterial. Ist dir eigentlich klar, was das bedeutet?«
»Aber sicher doch, Junge«, antwortete Tomaskon gelassen. »Wenn du Glück hast, entnehmen sie dir bloß ein paar Zellen und vervielfältigen dich. Könnte sein, dass du dir danach öfter begegnest.«
Er lachte dröhnend, und einige der anderen Gefangenen stimmten in sein Lachen ein. In geradezu unterwürfiger Haltung kam ein rothaariger Mann zu ihm und reichte ihm einen Becher mit einem schäumenden Getränk.
»Es ist Bier«, behauptete er. »Wir haben es hergestellt. Da hinten ist ein Genie. Der kann so etwas.«
»Ich gebe zu, es ist kein erhebender Anblick, wenn man dich als Vervielfältigung sehen muss«, spottete Tomaskon und nahm mit sichtlichem Behagen einen tiefen Schluck aus dem Becher. Danach nickte er dem Rothaarigen anerkennend zu. »Dennoch ist das kein Grund, Trübsal zu blasen.«
Pete Rumples blickte ihn kopfschüttelnd an. Er registrierte kaum, dass Jesco Tomaskon so respektvoll behandelt wurde und von der unter größten Mühen hergestellten Rarität die erste Probe erhielt. Der bärtige Mann war im ganzen Gefangenenlager beliebt und wurde von fast allen als Führungspersönlichkeit angesehen.
»Lass diese Witze«, stammelte er. »Die Cantaro benutzen unsere Organe für ihre Experimente. Für sie sind wir nur eine Sache. Nichts weiter.«
»Du kannst von den Cantaro keine Gefühle erwarten«, bemerkte Tomaskon. »Und es hilft auch nicht, mit seinem Schicksal zu hadern.«
»Ich hasse Uulema«, brach es aus Rumples hervor. Er war ein Ereignishorizont-Forscher, der viele einsame Jahre am Rand von Black Holes verbracht hatte, um die vielfältigen Phänomene dieser kosmophysikalischen Erscheinungen zu enträtseln.
»Wir alle hassen diesen verdammten Planeten«, stimmte Tomaskon zu. Er blickte auf das Land hinaus. »Dabei ist er nicht einmal hässlich.«
Uulema war eine erdähnliche Welt. Sie befand sich jedoch in einem früheren Entwicklungsstadium als die Erde. Die Cantaro hatten das Gefangenenlager nördlich des Äquators auf einer weiten Ebene angelegt. Sie grenzte nach Nordosten hin ans Meer und wurde im Hinterland hufeisenförmig von dicht bewaldeten Bergzügen umschlossen. Dabei waren Palmen- und Schachtelhalmgewächse vorherrschend.
Jesco Tomaskon fasste die Berge ins Auge. Sie waren nur wenige Kilometer vom Lager entfernt. Davor erhob sich ein provisorisches Gebäude, in dem in den vergangenen Tagen annähernd hundert Menschen verschwunden und nicht wiederaufgetaucht waren. Pete Rumples beobachtete das Haus fast ständig, und jedes Mal wenn ein Gefangener hineingeführt wurde, vertieften sich die Falten in seinem hageren Gesicht.
Doch nicht nur dieses geheimnisvolle Gebäude lag zwischen ihnen und den Bergen, sondern auch ein fast fünf Meter hoher Energiezaun. Rumples räumte ein, dass der eine oder der andere von ihnen möglicherweise an dem Gebäude vorbeikam, aber er hielt es für völlig ausgeschlossen, dass irgend jemand den Zaun durchbrach oder überstieg.
In den vergangenen Stunden waren Materialtransporter gelandet und hatten wahre Berge von Ausrüstungsgütern gebracht, die offenbar für die geplante Gen-Fabrik und eine Hyperfunkstation der Cantaro vorgesehen waren. Die Gefangenen hatten die Transportaktion mit gemischten Gefühlen beobachtet. Auf der einen Seite waren sie froh, dass die Cantaro mit den Anlieferungen beschäftigt waren und keine Zeit hatten, sich mit den Gefangenen zu befassen. Auf der anderen Seite verfolgten sie mit wachsendem Unbehagen, wie umfangreich die Lieferungen waren.
»Das reicht, um eine ganze Stadt zu bauen«, stellte Pete Rumples fest. »Ist dir klar, was das bedeutet?«
»Sicher«, erwiderte Jesco Tomaskon. »Je größer die Fabrik wird, desto mehr von uns können sie gleichzeitig verarbeiten.«
»Verarbeiten«, sagte Rumples mühsam. Er nickte. »Das ist genau das richtige Wort. Sie werden Tag für Tag Hunderte von uns in diese Fabrik schicken. Aber ich werde nicht warten, bis ich an der Reihe bin. Ich werde mich ihnen entziehen.«
»Das ändert nichts am Ergebnis«, stellte Tomaskon trocken fest.
Einige Männer, die in der Nähe saßen und ihn gehört hatten, lachten unsicher.
»Richtig«, bestätigte der Waffenmeister Dennis Petar. »Danach bist du tot. So oder so.«
»Genau davon rede ich«, sagte Jesco Tomaskon so ruhig, als ob es darum ginge, wann er am nächsten Morgen geweckt werden wollte. »Bevor ich mich selbst umbringe, überlasse ich den Cantaro diese Arbeit. Das ist weniger mühsam.«
»Dein Zynismus ist unangebracht«, erregte sich Pete Rumples.
Tomaskon blickte ihn starr an, und wieder strich er sich die Barthaare links und rechts vom Kopf über die Schultern zurück.
»Also gut, du trübe Tasse«, fuhr er den Wissenschaftler an. »Ich glaube und hoffe bis zur letzten Sekunde. Ich würde mich schwarz ärgern, wenn ich erst Selbstmord begehe und hinterher feststellen muss, dass die Cantaro nur ein harmloses Experiment mit mir machen wollen, bei dem ich nur ein paar meiner edlen Zellen verliere, nicht aber mein Leben.«
Einige Männer lachten. Rumples erhob sich von dem Stein, auf dem er gesessen hatte. Er ging wortlos zur Seite. In seinem bleichen Gesicht zuckte es.
»Du wirst es nicht glauben«, fügte Tomaskon hinzu. »Außerdem ist es meine innerste Überzeugung, dass der Mensch nicht von sich werfen darf, was Gott ihm geschenkt hat.«
Rumples blieb stehen, als sei er gegen ein Hindernis gelaufen. Langsam drehte er sich um und blickte Tomaskon durchdringend an. Er wusste nicht, ob der Erschließungsarchitekt es wirklich so meinte, wie er es gesagt hatte, oder ob er sich über ihn lustig machen wollte.
Doch er stellte die Frage nicht, die ihm auf den Lippen lag, denn zwei pyramidenförmige Roboter näherten sich ihnen. Mit ihnen kam der Veegran, der ranghöchste Cantaro.
Pete Rumples konnte sich nicht länger auf den Beinen halten. Er sank langsam auf die Knie herab. Seine Hände falteten sich wie zum Gebet vor seiner Brust, und er senkte den Kopf, konnte seine Blicke jedoch nicht von dem Cantaro und den Maschinen lösen, die langsam heranschwebten und schließlich wenige Schritte von ihnen entfernt landeten.
Sein Gesicht war von Entsetzen und Angst gezeichnet. Er murmelte etwas, das niemand verstehen konnte.
Alle Gefangenen waren davon überzeugt, dass die Auswahl des Cantaro einem Todesurteil gleichkam. Niemand von ihnen wusste genau, welcherart die gen-technologischen Experimente waren, die in dem provisorischen Gebäude durchgeführt wurden. Selbst die Biologen unter ihnen konnten keine klare Auskunft geben. Fast alle wussten, dass für Experimente dieser Art nur wenige Zellen eines Lebewesens benötigt wurden, um das Erbgut identifizieren und manipulieren zu können. Doch es war eine nicht zu übersehende Tatsache, dass nicht ein einziger der Gefangenen aus den Laboratorien der Cantaro zurückgekehrt war.
Veegran stieg auf einen Stein und sah sich unter den Gefangenen um. Einer nach dem anderen wandte sich von ihm ab und blickte ins Leere. Lediglich Jesco Tomaskon behielt die Ruhe. Er strich sich seine Bartenden über die Schultern zurück und blickte den Cantaro kühl und verächtlich an. Zugleich stieß er Pete Rumples mit dem Fuß an, um ihn zum Schweigen zu bringen.
»Sei endlich still«, forderte er ihn auf. »Von mir aus heule wie ein Schlosshund, aber gib deine Würde nicht auf.«
»Ich heule nicht«, empörte sich Rumples. Er erhob sich, wandte Veegran jedoch den Rücken zu. In seinem Gesicht zuckte es. Er bot das Bild eines Mannes, der in tiefe Trauer versunken war. »Versteh mich doch! Ich will von denen nicht als Material missbraucht werden. Ich bin ein Mensch!«
»Dann benimm dich wie ein Mensch«, forderte Tomaskon.
Er verstummte, als Veegran plötzlich den Arm hob und auf ihn zeigte. Der »Arbeitsführer« war etwa 1,80 Meter groß. Er hatte einen breiten Kopf mit einer beeindruckenden hohen Stirn und leuchtend blaue, weit auseinanderstehende Augen. Er hielt einen kleinen, gelben Stab zwischen den Zähnen, den er langsam hin und her wälzte. Seine Kombination bestand aus einem dunkelbraunen, lederartigen Material. An seinem rechten Oberschenkel hing eine Kombinationswaffe, deren Griff mit farbigen Mustern versehen war.
Tomaskon zweifelte nicht daran, dass Veegran ein Droide war, bei dem ein großer Teil seiner Körperfunktionen von syntronischen Modulen gesteuert wurde.
Er fluchte leise, als einer der Roboter auf ihn zutrat und ihn am Arm packte. Das Blut wich aus seinen Wangen, und für einen kurzen Moment schloss er die Augen.
»Nun gut«, sagte er dann mit beherrschter Stimme. »Es hat mich erwischt. Wir sind alle sterblich. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann wir das Zeitliche segnen.«
Er fuhr sich mit dem Handrücken über die Lippen, und jetzt blitzte es in seinen Augen auf.
»Kinder, das gilt sogar für die sogenannten Unsterblichen«, fügte er mit einer Art Galgenhumor hinzu. »Auch denen wird irgendwann das Lebenslicht ausgeblasen.«
Der Roboter gab ihm einen befehlenden Wink, und er setzte sich in Bewegung. Er ging einige Schritte hinter Veegran her.
»Warum lassen wir uns das eigentlich gefallen?«, fragte er mit lauter Stimme, so dass ihn auch die weiter entfernten Gefangenen verstehen konnten. Als er über die Bodenschwelle schritt, blickte er sich um. Eine schier unübersehbare Zahl von Gefangenen drängte sich in dem von Energiezäunen eingefassten Areal. Es waren Zehntausende, die von den Cantaro herangeschafft worden waren. Unter ihnen Vertreter von Völkern aus allen Teilen der Galaxis. Nur wenige von ihnen hielten sich in den langgestreckten Baracken auf, die ihnen als Unterkünfte dienten. »Wir sind unbewaffnet, aber in der Überzahl. Wir sollten es noch einmal versuchen. Einige von uns haben es geschafft. Sie sind in den Wäldern.«
Doch es schien niemand bereit zu sein, sich den Cantaro und den Robotern noch einmal zum Kampf zu stellen.
Er lächelte kühl, als er merkte, wie gering sein Erfolg war.
»Macht euch keine Sorgen«, sagte er. »Ich komme zurück und erzähle euch, was da drinnen wirklich vorgeht.«
*
Homer G. Adams war ein kleiner, buckliger Mann mit schütterem Blondhaar und blassgrauen Augen. Er wirkte wie ein Anachronismus in einer Zeit, in der die kosmetische Medizin genügend Möglichkeiten für jedermann bot, sein Äußeres zu verändern. Der Anführer der Organisation WIDDER hatte sich über Äußerlichkeiten jedoch nie Gedanken gemacht. Sie waren ihm viel zu unwichtig, als dass er sie beachtet hätte. Und in der Tat war es so, dass seine imponierende Persönlichkeit und seine besonderen geistigen Fähigkeiten völlig unwichtig machten, wie er aussah.
Konzentriert saß er hinter seinem Arbeitstisch und blickte auf einige Monitore. Sie zeigten ihm an, was wenige hundert Meter von ihm entfernt geschah.
Tausende von Robotern arbeiteten daran, einen cantarischen Stützpunkt auf Uulema zu errichten. Sie wurden angeleitet von etwa 350 Cantaro, deren Anführer Veegran hieß.
»Keiner von ihnen ahnt, dass sie ihren Stützpunkt direkt vor unserer Nase bauen«, bemerkte Karl Prenthane, einer der Erschließungsarchitekten, die erst vor wenigen Stunden eingeschleust worden waren und die vorherige Besatzung abgelöst hatten. Er gehörte zu jenen Spezialisten, deren eigentliche Aufgabe es war, Pläne zu entwerfen, nach denen ein bis dahin unbesiedelter Planet erschlossen werden sollte. In den ersten Jahrhunderten des Aufbruchs der Terraner in den Kosmos war es stets den Siedlern überlassen worden, wie sie einen neuen Planeten für sich in Besitz nahmen. Dabei waren jedoch viele Welten zersiedelt und ihre Umwelt zerstört worden. Die neuen Siedler hatten oft irreparable Schäden angerichtet, weil sie nach der Philosophie handelten, dass die neuen Welten ihnen untertan sein und nach ihren Vorstellungen verändert werden mussten. Mittlerweile war man jedoch zu der Erkenntnis gekommen, dass es umgekehrt sein musste. Wenn Menschen einen neuen Planeten besiedelten, dann mussten sie sich der Natur dieser Welt, ihrer Landschaft und ihren besonderen Gegebenheiten anpassen, und kaum noch jemand versuchte, aus einer neuen Welt eine zweite Erde zu machen.
Erschließungsarchitekten wie Karl Prenthane hatten die Aufgabe, solche Anpassungen zu steuern und zu überwachen. Im Fall von Uulema kam es darauf an, die Baumaßnahmen der Cantaro aus der Sicht solcher Architekten zu beurteilen und daraus die langfristigen Ziele der Cantaro zu erkennen.
»Bessere Arbeitsbedingungen hätten wir kaum vorfinden können«, fügte er hinzu.
»Dann brauche ich ja sicherlich nicht mehr lange auf erste Resultate deiner Arbeit zu warten«, bemerkte Adams.
Karl Prenthane lächelte kaum merklich. Er hatte verstanden.
»Keine Sorge«, entgegnete er. »Meine Pause ist beendet.«
Er wandte sich ab und ging in einen der Nebenräume hinüber, in dem weitere Monitore standen. Auch dieser Raum war nur notdürftig verkleidet worden. An einigen Stellen blickte der nackte Fels durch die aufgeschäumten Isolierstoffe.
Er warf Gucky einen kurzen Blick zu. Der Mausbiber lag in einem für ihn viel zu großen Sessel und schlief. Als Prenthane allerdings an ihm vorbeigegangen war, öffnete er das linke Auge und musterte ihn kurz. Dann seufzte er, schloss das Auge wieder, drehte sich auf die Seite und schnarchte leise.
»Andere könnten allerdings auch ein bisschen mehr tun«, murmelte der Architekt, als er sich auf seinen Stuhl setzte und sich den Monitoren zuwandte. »Seit ich hier bin, pennt der Kleine!«
Marte Escatt lächelte versteckt. Sie kannte Prenthane und wusste, dass er ein etwas gestörtes Verhältnis zu dem Ilt hatte. Die ungezwungene Art Guckys ging ihm gegen den Strich. Außerdem schien er sich nicht damit abfinden zu können, dass der Mausbiber zu den Unsterblichen gehörte und daher manches ganz anders sah als er.
»Du solltest vorsichtig sein, Karl«, warnte sie ihn.
Prenthane schürzte die Lippen. »Ich bin seit mehr als zwanzig Stunden auf den Beinen«, eröffnete er ihr. »Ich könnte mich auch hinhauen und schlafen. Aber das geht jetzt wohl nicht.«
Mürrisch ließ er sich auf seinen Stuhl sinken. Dann schob er seine leere Kaffeetasse zur Seite, die vor ihm zwischen den Monitoren stand.
»Nicht einmal einen vernünftigen Kaffee gibt es hier. Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich geblieben, wo ich war.«
Marte Escatt stand seufzend auf, nahm eine Kaffeekanne, ging hin zu ihm und goss ihm Kaffee ein.
»Er ist sehr stark«, warnte sie ihn. »Du solltest nicht zu viel davon trinken.«
Karl Prenthane antwortete nicht. Er schien noch nicht einmal zu bemerken, dass sie ihn bediente. Er blickte starr auf die Monitore und verstellte die Optik der beobachtenden Kameras. Auf diese Weise holte er das Bild des Gefangenenlagers näher heran, so dass er besser sehen konnte, was dort geschah. Er konnte dennoch nur feststellen, dass es unruhig im Lager geworden war, weil Roboter einige Gefangene herauspickten und zum provisorischen Gebäude der Gen-Fabrik brachten. Es gelang ihm, die Kameras auszusteuern und einige dieser Gefangenen formatfüllend heranzuholen, doch keines der Gesichter war ihm bekannt.
»Die Witzmaus sollte diese armen Leute lieber rausholen, statt dauernd zu pennen«, murmelte er, griff nach der Tasse und trank sie aus.
»Du bist ungerecht«, tadelte ihn Marte Escatt. »Gucky kann diese Gefangenen gar nicht retten, ohne sich und uns alle zu gefährden.«
»Ach, es ist doch immer dasselbe«, maulte er. »Wenn es um die Arbeit geht, sind wir dran, dafür stehen dann später bei der Bewertung immer die gleichen Namen in den Geschichtsbüchern. Nur nicht unsere.«
Sie lachte.
»Du bist ein Spinner«, erwiderte sie. »Ich höre dir besser gar nicht zu.«
Er antwortete nicht, sondern hantierte mit der linken Hand an den Monitoren herum, während er sich mit der rechten Kaffee einschenkte. Marte Escatt schüttelte lächelnd den Kopf und kehrte zu ihrem Platz zurück. Sie wusste, dass es keinen Sinn hatte, mit ihm zu diskutieren.
Gucky öffnete erneut ein Auge.
Marte sah verwundert, dass der Stuhl unter Karl Prenthane hervorglitt, ohne dass dieser es merkte.
Der Ilt legte einen Finger vor die Lippen und blinzelte ihr zu.
Sie vergewisserte sich, dass ihr Sitzmöbel noch auf dem richtigen Platz stand, griff nach seiner Lehne und setzte sich.
Prenthanes Stuhl schob sich lautlos noch ein wenig weiter zurück, und der Erschließungsarchitekt schwebte nun frei in der Luft. Er arbeitete an den Monitoren und stürzte eine Tasse Kaffee nach der anderen in sich hinein.
Als er die Kaffeekanne anhob, um sich eine weitere Tasse einzuschenken, blickte Marte auf ihren Monitor. Ihr stockte der Atem. Sie sah eine Gruppe von haushohen Robotern, die sich dem im Berg versteckten Stützpunkt näherten. Zwei mächtige Robotbagger begannen mit dem Aushub.
»Sie kommen direkt auf uns zu!«, rief sie erschrocken. »Sie wollen irgend etwas bauen, und dazu haben sie sich unseren Berg ausgesucht.«
Karl Prenthane schoss hoch. Er hielt Kaffeekanne und Tasse in den Händen und versuchte, den Stuhl zurückzuschieben, auf dem er zu sitzen glaubte. Gucky »vergaß« ihn telekinetisch zu stützen.
Als der Erschließungsarchitekt aufblickte, stand Homer G. Adams vor ihm. Die Spitze seines rechten Fußes war nur Millimeter von der Kaffeepfütze entfernt, die sich auf dem Boden ausgebreitet hatte.
»Man hat mir schon gesagt, dass die Ablösung nur aus Spitzenleuten besteht«, bemerkte er leise.
Der Kaffee floss zur Kanne zurück und verschwand darin. Schmatzend schloss sich der Deckel, während die unversehrte Kaffeetasse über den Boden hüpfte und Karl Prenthane in die Hand sprang.
»Ich glaube nicht, dass wir Zeit für irgendwelche Ablenkungen haben«, warnte Marte Escatt. »Ich fürchte, die Roboter sind in ein paar Minuten hier.«
Während sich Karl Prenthane bebend vor Zorn aufrappelte und Gucky mit wütenden Blicken eindeckte, wandte sich Homer G. Adams dem Monitor zu. Das Bild, das sich ihm bot, war in der Tat erschreckend. Die Robotmaschinen arbeiteten mit beängstigender Geschwindigkeit.
»Es sieht fast so aus, als hätten sie uns entdeckt!«, rief Gucky mit schriller Stimme.
»Ausgeschlossen!« Adams schien nicht den geringsten Zweifel zu haben, dass der Stützpunkt bestens abgeschirmt war. »Wir haben alles getan, um das zu verhindern. Außerdem haben diese Maschinen eine derart hohe Eigenstrahlung, dass sie alles andere in diesem Bereich überdecken.«
»Die Roboter sind noch etwa hundertfünfzig Meter von uns entfernt«, stellte Marte ruhig fest. »Wenn sie in diesem Tempo weitermachen, sind sie in spätestens fünfzehn Minuten bei uns.«
»Verdammt, die Ebene ist wahrhaft groß genug«, wetterte Adams. »Sie haben über 250 Quadratkilometer zur Verfügung. Aber sie müssen sich ausgerechnet diesen Berg vornehmen.«
»Was tun wir?«, fragte Marte.
»Wir räumen«, erwiderte er. »Wir setzen uns mit Hilfe der Transmitter ab. Die Spezialgeräte nehmen wir mit. Los, Tempo! Worauf wartet ihr noch?«
Die Männer und Frauen der Widerstandsgruppe WIDDER eilten aus dem Raum. Karl Prenthane wäre beinahe über den Ilt gestolpert.
»Entschuldige!«, rief er hastig.
Gucky strahlte ihn an.
»Nicht doch«, erwiderte er. »Ich weiß doch, dass du blöd bist.«
Überraschenderweise lachte Prenthane. Er nahm dem Ilt nicht übel, dass er ihm auf seine Weise geantwortet hatte.
»Es passt mir zwar nicht«, sagte er, »aber ich muss dir recht geben.«
Tomaskon fühlte sich seltsam leer, als er das provisorische Gebäude betrat. Er blickte gleichgültig zu der Baustelle hinüber, an der das gentechnologische Zentrum entstand, und er fragte sich, weshalb die Cantaro es so eilig hatten mit ihren Experimenten.
»Habt ihr keine Zeit, bis das da drüben fertig ist?«
Veegran antwortete nicht. Mit einer herrischen Geste befahl er ihm, weiterzugehen.
Tomaskon betrat das Haus. Er erwartete, zahlreiche Cantaro zu sehen, die an den gentechnologischen Maschinen arbeiteten. Doch er sah nur zwei Frauen, die an einem Computer saßen und das Geschehen auf den Bildschirmen beobachteten.
Die Maschinen waren in drei kreisförmigen Ebenen übereinander angeordnet. Mehrere Rohre führten tief in den Boden hinein. Eine rötliche Masse bewegte sich pulsierend durch transparente Systeme zu ihnen hin.
Jesco Tomaskon musste an das denken, was Pete Rumples gesagt hatte.
»Wir haben uns überlegt, wo die Gefangenen bleiben, die dieses Gebäude betreten«, sagte er zu Veegran und zeigte auf die Röhren. »Ich denke, ich weiß es jetzt.«
»Nichts weißt du«, erwiderte der Cantaro. Er sprach ein akzentfreies Interkosmo.
Einer der Roboter öffnete eine Tür und dirigierte Tomaskon in einen mit blitzenden Maschinen ausgestatteten Raum und zu einem Sessel hin. Veegran setzte sich ihm gegenüber auf einen ungepolsterten Hocker.
»Und was jetzt?«, fragte der Erschließungsarchitekt.
»Du bist ungeduldig«, erwiderte Veegran. Er wälzte das Stäbchen zwischen seinen Lippen hin und her. Ab und zu öffnete er den Mund, so dass der Terraner seine Zähne sehen konnte. Sie hatten einen eigentümlich gelblichen Ton, der möglicherweise von dem Stab verursacht wurde. Der Anführer der Cantaro machte einen nervösen und ungeduldigen Eindruck. Irgend etwas schien ihn unter Druck zu setzen. Tomaskon fiel auf, dass er blinzelte, als ob er Fremdkörper in den Augen habe. Zudem schien es den Cantaro kaum auf seinem Hocker zu halten. Insofern war der Vorwurf, er sei zu ungeduldig, grotesk. Veegran war derjenige, dem alles zu langsam voranging. Dazu passte, dass er die gentechnologischen Experimente bereits zu einem Zeitpunkt hatte aufnehmen lassen, an dem das dafür vorgesehene Gebäude noch gar nicht errichtet worden war. Tomaskon fragte sich vergeblich, was diesen Mann derart unter Druck setzte.
»Ich und ungeduldig? Das könntest du besser verstehen, wenn du in meiner Lage wärst«, erwiderte Tomaskon.
»Mir sitzt das Messer an der Kehle, und du hast es in der Hand. Umgekehrt wäre es mir lieber.«
Er zuckte zusammen, als etwas seinen Kopf berührte. Er wollte seine Hände heben, um danach zu greifen, konnte es jedoch nicht. Sie blieben auf den Lehnen des Sessels liegen, als wären sie ohne Leben, und es gelang ihm auch nicht, den Kopf in den Nacken zu legen, um nach oben zu sehen. Er hatte die Gewalt über seinen Körper verloren.
Das ist das Ende!, dachte er.
*
»Moment noch«, sagte Marte Escatt. »Es könnte wichtig sein.«
Sie schob sich an Homer G. Adams vorbei und eilte zu den Monitoren zurück. Er folgte ihr langsam. Mit einem kurzen Blick auf einen der Bildschirme überzeugte er sich davon, dass die Roboter mit unverändert hohem Tempo näher rückten. Bis zu ihrem Durchbruch würden nur noch wenige Minuten vergehen. Deutlich spürte er die Erschütterungen, die durch die Maschinen verursacht wurden. Von Minute zu Minute wurden sie stärker.
»Was ist los?«, fragte Pedrass Foch, der in diesem Moment hereinkam. Der Freihändler sah verschlafen aus. Der Alarm hatte ihn aus seiner wohlverdienten Ruhe aufgeschreckt. Der stämmig gebaute Mann hatte sich offenbar mühelos gegen den Strom der Fliehenden bewegt.
Adams klärte ihn mit wenigen Worten auf.
»Und gerade ist ein weiteres Raumschiff der Cantaro angekommen«, schloss er. »Es könnte sich um eine der großen Transporteinheiten handeln, die Bauteile einer Großfunkanlage bringen sollen. Wir haben bereits auf diesen Transport gewartet.«
Foch fuhr sich mit beiden Händen über das Gesicht, um die Müdigkeit zu vertreiben.
»Und ausgerechnet jetzt müssen wir weg.« Er blickte auf den Monitor, auf dem sich das Ortungsschild des Großtransporters abzeichnete. »Ich würde denen ganz gern ein wenig ins Handwerk pfuschen.«
Plötzlich wurde es still.
»Was ist los?«, fragte Marte Escatt.
»Die Maschinen haben ihre Arbeit eingestellt«, bemerkte Adams.
Sie alle blickten auf die Bildschirme.
»Sie ziehen sich zurück«, sagte Foch.
»Nur noch fünfzig Meter«, stellte Marte Escatt fest. Sie atmete erleichtert auf. »Das war verdammt knapp. Ich dachte, sie brechen gleich durch.«
»Weshalb haben sie aufgehört?«, fragte Foch.
»Weil sie gar nicht zu uns durchbrechen wollten«, erwiderte Homer G. Adams. »Sie wissen nicht, dass wir hier sind. Diese Bauarbeiten haben nichts mit uns zu tun.«
Gucky materialisierte neben ihnen.
»Ich habe ihnen gesagt, sie sollen die Transmitter gar nicht erst anstellen«, berichtete er.
»Eine gute Entscheidung«, lobte Adams. »Wir müssen alles vermeiden, was sie auf uns aufmerksam machen könnte. Wir bleiben in Fluchtbereitschaft, werden unseren Rückzug allerdings ein bisschen besser organisieren. Wir warten ab und sehen uns erst mal an, was sie vorhaben.«
»Ich könnte mich draußen ein bisschen umsehen«, schlug der Ilt vor.
»Einverstanden«, erwiderte »Romulus«. »Je mehr Informationen wir haben, desto besser.«
»Nimm mich mit«, bat Pedrass Foch. »Du könntest mich im Gefangenenlager absetzen. Ich möchte mit einigen Leuten reden.«
»Du willst einen Aufstand organisieren?«, fragte Adams. »Das lass lieber sein. Ich überlege seit Tagen, was wir für die Gefangenen tun können, aber mir ist nichts eingefallen. Wir können uns nicht mit ihnen belasten. Wir sind vor allem gar nicht in der Lage, sie zu versorgen. Und in Sicherheit bringen können wir sie auch nicht. Es tut mir leid, aber wir haben keine andere Wahl, als sie dort zu lassen, wo sie sind.«
Foch antwortete nicht, aber in seinem Gesicht arbeitete es. Ihm war anzusehen, dass er mit der Entscheidung des Unsterblichen nicht einverstanden war, obwohl er anerkennen musste, dass sie realistisch war.
»Wir können allenfalls zu einem späteren Zeitpunkt versuchen, den Energiezaun an einigen Stellen zu öffnen und den Gefangenen auf diese Weise Fluchtmöglichkeiten zu verschaffen«, fuhr Adams fort. »Mehr ist nicht drin. Mit 33 Mann können wir uns auf keinen offenen Kampf mit den Cantaro einlassen. Wir wären hoffnungslos unterlegen.«
»Ich verschwinde schon mal«, erklärte der Ilt und teleportierte nach draußen.
Marte Escatt ließ sich in einen Sessel sinken.
»Ich werde auch nach draußen gehen«, sagte Pedrass Foch. »Diese Baustelle schmeckt mir nicht. Sie gefährdet uns alle. Ich werde sie mir aus der Nähe ansehen.«
»Einverstanden. Vielleicht kannst du zusätzliche Informationen besorgen. Wen möchtest du mitnehmen?«
»Wie wär's mit dir, Marte?«, fragte Foch. »Hast du Appetit auf ungefilterte Luft?«
»Ich bin dabei«, antwortete sie. In ihren Augen blitzte es unternehmungslustig. Marte Escatt war eine Frau, die überall Beachtung fand. Sie war etwas kleiner als Foch. Ihr schwarzes Haar war vorn und an den Seiten kurz, reichte hinten jedoch bis auf den Rücken herab.
»Ausgezeichnet«, zeigte er sich zufrieden. »Wenn dazu noch Karl Prenthane kommt, sind wir komplett. Er kennt sich mit diesen Baumaschinen aus. Mehr sollten wir nicht sein. Je größer die Gruppe, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass wir entdeckt werden.«
»Das hatte ich befürchtet«, sagte der Erschließungsarchitekt, der sich ihnen unbemerkt genähert hatte. »Für mich gibt es anscheinend immer mehr zu tun als für alle anderen.«
»Es hätte mich gewundert, wenn du nicht gemeckert hättest«, grinste Pedrass Foch. »Also steck dir eine Multitraf ein, und dann nichts wie los. Gucky ist schon draußen.«
»Der hat ja auch lange genug gepennt«, stellte Prenthane mürrisch fest. »Der muss sich bewegen, damit er wieder munter wird.«
Er blickte Foch forschend an.
»Und du siehst auch gerade aus, als ob du direkt aus dem Bett kommst. Ich dagegen ...«
Er verstummte verärgert, weil Pedrass Foch und Marte Escatt den Raum verließen, ohne auf seine Worte einzugehen.
»Einige sind doch immer ein wenig schneller als du«, bemerkte Homer G. Adams. »Woran liegt das eigentlich?«
Der Erschließungsarchitekt presste die Lippen zusammen und folgte den anderen. Er wusste, dass er den kürzeren ziehen würde, wenn er sich mit »Romulus« auf ein Streitgespräch einließ.
*
Gucky materialisierte zwischen einigen Containern in der Nähe der Gefangenenbaracken. Die Transportbehälter waren mit Antigravklammern aus dem Orbit herangebracht worden, wo das Raumschiff der Cantaro auf einer Kreisbahn parkte. Die hufeisenförmigen Klammern setzten die Container ab und stapelten jeweils fünf von ihnen übereinander.
Der Ilt lehnte sich mit dem Rücken an einen der Behälter und blickte an der Reihe der gestapelten Container entlang. Er staunte über die gewaltige Materialmenge, die nach Uulema gebracht wurde.
»Sieht tatsächlich so aus, als wollten die Cantaro hier ganze Fabriken errichten«, sagte er. Er fühlte sich seltsam schwach, ging jedoch darüber hinweg, so wie es seine Art war. Er konzentrierte sich auf das Innere eines Containers und versuchte hineinzuteleportieren. Ihm war, als sei er in eine federnde Wand gesprungen, die ihn augenblicklich zurückschleuderte.
Jetzt konnte er das Schwächegefühl nicht länger ignorieren, das ihn überfallen hatte. Ihm war, als ob irgend etwas an der Teleportation unvollkommen gewesen sei. Dabei störte ihn nicht, dass er zurückgeschleudert worden war. Er führte es darauf zurück, dass der Container bis in den letzten Winkel hinein mit Material gefüllt war.
Er ließ sich zu Boden sinken.
»Was ist los?«, piepste er, während es vor seinen Augen flimmerte.
Er fühlte sich so schwach, dass er meinte, sich nicht aufrichten zu können.
Gas!, durchfuhr es ihn. Keine Psi-Fallen, denn nach dem Trick mit der Space-Jet rechneten die Cantaro sicher nicht mehr mit psionisch begabten Gegnern.
Er stemmte sich mühsam hoch, stützte sich mit einer Hand am Container ab und schleppte sich daran entlang. Als ihm nicht besser wurde, versuchte er, sich mittels einer Teleportation in Sicherheit zu bringen. Er peilte einen Hügel an, den er in einer Entfernung von etwa zwei Kilometern sehen konnte, konzentrierte sich und sprang.
Er kam etwa zweihundert Meter weit.
Ein Blitz schien ihn zu treffen. Wieder war da jenes Gefühl, gegen eine federnde Wand zu springen und zurückgeworfen zu werden. Er materialisierte und sank erschöpft auf den Boden.
Ein leichter Wind wehte ihm ins Gesicht. Die Luft roch frisch und angenehm. Er konnte keine Anzeichen von Gas feststellen.
Gucky atmete einige Male tief durch und fühlte sich danach etwas besser. Danach machte er sich keine weiteren Gedanken über seinen Schwächeanfall. Er führte ihn darauf zurück, dass er ausströmendes Gas eingeatmet, nun aber den gefährlichen Bereich verlassen hatte. Er schüttelte den Kopf, um die Benommenheit zu vertreiben, und ging einige Schritte. Danach kam er sich wie befreit vor.
Zwei kastenförmige Roboter arbeiteten an einem Container, der auf einer Anhöhe stand. Mit Hilfe von kleineren Antigravklammern zogen sie Maschinenteile heraus und steckten sie auf einem tiefer gelegenen Fundament zu größeren Einheiten zusammen. Dazu bewegten sie sich über eine Schräge hinweg, die voller Steine und Verpackungsmaterial lag.
Gucky beobachtete die Automaten, und dann konnte er der Versuchung nicht länger widerstehen. Als sie die Schräge hinabeilten, um ein Maschinenteil nach unten zu bringen, hob er telekinetisch einen der größeren Steine um einige Zentimeter an. Das geschah gerade in dem Moment, in dem einer der beiden Roboter seine Füße darüber hinwegheben wollte. Der Automat stieß gegen den Stein, verlor das Gleichgewicht, stürzte zu Boden und rollte sich überschlagend die Schräge hinunter. Der Roboter hätte sich sicherlich nicht so schnell bewegt, wenn der Ilt nicht ein wenig nachgeholfen hätte. So prallte er am Ende seines Weges gegen einen Felsbrocken. Es krachte vernehmlich. Der Roboter zappelte hilflos mit seinen vier Beinen – und gab seinen Geist auf.
Der zweite Roboter wollte ihm zu Hilfe eilen, stolperte jedoch ebenfalls und erlitt das gleiche Schicksal.
Gucky blickte sie unzufrieden an. Er wunderte sich darüber, dass die Zerstörung der beiden Roboter ihm nicht den gewohnten Spaß gemacht hatte. Das Gefühl der Schwäche war wieder da.
»Was seid ihr bloß für miese Typen«, fuhr er die Robotwracks an. »Nicht einmal den kleinen Spaß gönnt ihr mir!«
Er ging watschelnd an ihnen vorbei zu dem Container hin und kletterte hinein. Telekinetisch riss er die Verpackung der verschiedenen Maschinenteile auf und versuchte zu erkennen, was die Cantaro nach Uulema brachten. Es gelang ihm nicht.
»Es genügt nicht, ein paar wenige Teile zu sehen«, bemerkte er. »Daraus lässt sich nichts schließen. Ich hätte warten sollen, bis die Roboter größere Einheiten zusammengebaut haben.«
Dazu war es jetzt zu spät. Als er den Container verließ, bemerkte er bereits vier Roboter des gleichen Typs, die sich ihm schnell näherten. Er teleportierte sich hinter einige Transportbehälter, weil er hoffte, von dort aus alles beobachten zu können, ohne selbst gesehen zu werden.
Doch zunächst kam er nicht dazu, irgend etwas zu beobachten.
Ihm war, als habe er sich bis an die Grenzen seiner parapsychischen Kapazität belastet. Als er in seinem selbstgewählten Versteck ankam, fühlte er sich so schwach, dass er sich nicht auf den Beinen halten konnte und zu Boden stürzte. Schwer atmend blieb er liegen, nachdem er sich davon überzeugt hatte, dass niemand in seiner Nähe war.
Schlagartig wurde ihm klar, dass seine Schwächeanfälle nichts mit der betäubenden Wirkung von Gas zu tun hatten. Sie waren eindeutig eine Folge seiner parapsychischen Anstrengungen.
Geradezu fassungslos horchte er in sich hinein.
Er sah sich einem Phänomen gegenüber, für das er keine Erklärung hatte. Seine parapsychischen Leistungen der letzten Minuten waren so gering, dass er eigentlich überhaupt keinen Energieverlust hätte feststellen dürfen.
Irgend etwas stimmt nicht, dachte er erschrocken. Mir ist, als ob mir jemand das Blut aus den Adern saugt!
Unwillkürlich sah er seine Schwäche im Zusammenhang mit den Maschinen, die in den Containern herangebracht worden waren. Es war nicht auszuschließen, dass der schwächende Einfluss von ihnen ausgehen könnte.
Er schaltete den Antigrav seines Schutzanzugs ein und schwebte an den Transportbehältern entlang auf die Berge zu. Als er auf diese Weise etwa zwei Kilometer zurückgelegt hatte, kam er in die Nähe eines Gebäudes, das offenbar als Provisorium gedacht war. Er ließ sich auf den Boden sinken und schaltete den Antigrav ab.
Zwei Männer und zwei pyramidenförmige Roboter verließen das Gebäude. Einen von ihnen identifizierte der Ilt sofort als einen Cantaro. Der zweite Mann war terranischer Abstammung. Sein Schädel war völlig kahl. Mit unsicheren Schritten ging er vor dem Cantaro auf das Gefangenenlager zu.
Der Ilt versuchte gar nicht erst, die Gedanken des Cantaro zu erfassen. Viele Körperfunktionen des Droiden wurden von syntronischen Modulen gesteuert. Er besaß ein organisches Gehirn, dass er jedoch bei Bedarf auf eine Ansammlung von syntronischen Prozessoren umschalten konnte. Somit war er in der Lage, sich der telepathischen Sondierung zu entziehen.
Gucky richtete sein Augenmerk auf den glatzköpfigen Mann.
Er fand heraus, dass er Jesco Tomaskon hieß. Die Cantaro hatten ihn verhört und ihm zum Abschluss der Tortur den Kopf kahlgeschoren. Darüber war er im höchsten Maß erbost.
Gucky erfuhr auch, dass es sich bei dem Cantaro an Jescos Seite um niemand Geringeren als Veegran, den Arbeiterführer, handelte. Das war aber auch schon alles.
Er konnte es nicht fassen. Normalerweise hätten die Gedanken dieses Mannes offen vor ihm liegen müssen. Tomaskon war keineswegs mentalstabilisiert. Doch es gelang dem Mausbiber nicht, tiefer in seine Gedanken einzudringen. Seltsamerweise schien die Ursache dafür jedoch nicht ausschließlich bei Tomaskon zu liegen, sondern vor allem bei ihm selbst.
Er war zu schwach, um ihn telepathisch ausloten zu können!
Gucky beobachtete die beiden Männer, bis sie den Energiezaun erreicht hatten. Eine Strukturlücke bildete sich, und einer der Roboter versetzte Tomaskon einen Tritt. Der Mann schrie auf. Er warf die Arme nach vorn, stürzte und rollte über den Boden. Die Strukturlücke schloss sich, und während der Kahlköpfige fluchend aufsprang, drehte Veegran sich um und ging davon.
*
Der Wald hallte wider von dem Geschrei zahlreicher Tiere, als Pedrass Foch, Marte Escatt und Karl Prenthane den versteckten Stützpunkt im Berg verließen. Sie trugen leichte Schutzanzüge, die mit Gravo-Paks versehen waren. Lautlos schwebten sie durch das Gebüsch.
Karl Prenthane hob warnend die Hand, als eine etwa zehn Meter lange Echse vor ihnen auftauchte. Leise zischelnd schob sich das gepanzerte Ungetüm durch das Unterholz, zeigte jedoch nicht das geringste Interesse für die Menschen.
»Das Biest scheint satt zu sein«, stellte Marte Escatt fest. »Sieh dir den dicken Bauch an.«
»Schade, dass diese Monster keine Roboter fressen«, bedauerte Pedrass Foch. »Sie fänden reichlich Nahrung im Lager der Cantaro.«
»Gut, dass die Gefangenen durch den Energiezaun geschützt werden«, sagte Prenthane, »sonst würden sich wohl Hunderte von diesen Echsen hier herumtreiben, um leichte Beute zu machen.«
Marte Escatt fühlte, wie es ihr bei diesen Worten kalt über den Rücken lief. Bisher hatte sie noch nicht daran gedacht, dass man den Energiezaun auch so sehen konnte. Er war nur ein Mittel für sie gewesen, die Gefangenen an der Flucht zu hindern.
»Diesen Gedanken führen wir besser nicht noch weiter aus«, bemerkte Foch kühl. Er warf Prenthane einen tadelnden Blick zu. »Sonst fühlen wir uns den Cantaro gegenüber noch zu Dank verpflichtet, weil sie so freundlich sind, die Gefangenen vor ihrer schrecklichen Umwelt zu schützen.«
Der Erschließungsarchitekt presste ärgerlich die Lippen zusammen. Er stieg bis zu den Wipfeln der Schachtelhalmbäume auf, um in sicherem Abstand über die Echse hinwegzugleiten.
»Verdammt noch mal, warum gehst du nicht gleich so hoch, dass die Cantaro dich noch besser sehen können?«, rief Foch ihm zu. Er wich dem Raubtier seitlich aus und blieb in der sicheren Deckung.
Karl Prenthane ließ sich sinken und wartete, bis sie bei ihm waren.
»Leichtsinn gefährdet uns alle«, fuhr Pedrass Foch ihn an. Seine wässrig-blauen Augen strahlten eine Kälte aus, die Prenthane erschrocken zusammenfahren ließ. »Noch einen solchen Fehler, und ich schicke dich in den Stützpunkt zurück.«
»Tut mir leid«, sagte der Architekt.
»Schon gut.« Foch schien den Zwischenfall vergessen zu haben. »Weiter! Ich fürchte, wir haben nur wenig Zeit. Die Arbeiten an der Baustelle vor unserem Stützpunkt könnten schon bald weitergehen, und ich möchte, dass wir agieren und nicht nur reagieren. Die Initiative muss bei uns liegen.«
Sie waren nur knapp zweihundert Meter von der Baustelle entfernt. Zur Zeit war es dort ruhig.
Karl Prenthane blieb jetzt in unmittelbarer Nähe von Foch und der jungen Frau. Er wollte sich nicht noch einmal der Kritik aussetzen. Doch die Tierwelt dieses noch jungen Planeten beunruhigte ihn. Er blickte zu den Zweigen der Bäume hoch und sah überall kleine Flugechsen sitzen. Vögel schien es noch nicht zu geben. Die meisten der Echsen knabberten auf der Suche nach Insekten an der Rinde der Bäume.
Pedrass Foch bemerkte sein Interesse für die Tiere.
»Zum Glück beachten sie uns nicht«, sagte er. »Ich war mal auf einem Planeten, da spielten die Tiere verrückt, wenn wir in ihrer Nähe auftauchten. Es war unmöglich, sich unbemerkt einem gegnerischen Stützpunkt zu nähern. Die Tiere machten einen solchen Lärm, dass wir uns zurückziehen mussten.«
Sie glitten durch den Graben an der Flanke des Berges, gut gedeckt durch Bäume und Büsche. Immer wieder entdeckten sie Echsen der unterschiedlichsten Art, die im Unterholz lauerten. Die meisten waren ihrer Umgebung farblich so gut angepasst, dass sie nur schwer auszumachen waren.
Marte Escatt musste an die Gefangenen denken, denen die Flucht in die Wildnis gelungen war. Sie selbst hatte den Ausbruch nicht beobachtet, weil sie zu dem Zeitpunkt noch an Bord der QUEEN LIBERTY gewesen war, aber sie hatte davon gehört. Sie hatte sich nicht viel Gedanken darüber gemacht, was aus den Entkommenen geworden war. Jetzt zweifelte sie daran, dass sie überlebt hatten. Unbewaffnet konnten sie sich nicht gegen die überall lauernden Raubtiere behaupten.
Pedrass Foch hob warnend einen Arm. Sie hatten sich der Baustelle bis auf wenige Meter genähert und konnten einige Baumaschinen durch das Laub der Bäume sehen.
Marte Escatt schob sich langsam vor. Sie war Kybernetikerin. Ihr oblag es, herauszufinden, mit wie viel Intelligenz die Automaten der Cantaro ausgestattet waren.
Nach dem Grad der Intelligenz konnte ihre Gefährlichkeit eingestuft werden.
Plötzlich raschelte es neben ihr, und ein eiförmiger Roboter stemmte sich auf vier teleskopartigen Beinen nach oben. In einer seiner drei Hände hielt er einen Energiestrahler.
Marte Escatt wurde aufmerksam, als sich das Licht der Sonne Uulemas in seinen Linsen spiegelte. Zu diesem Zeitpunkt reagierte Karl Prenthane bereits. Er schoss mit seiner auf Desintegratorwirkung justierten Waffe auf den Roboter und zerstörte ihn. Es krachte laut, als die Maschine in das Unterholz stürzte.
Pedrass Foch beschleunigte und jagte zu dem Roboter hinüber. Er glitt neben ihm ins Gebüsch und zerstrahlte ihn mit seiner Waffe, bis nur noch ein Häufchen graue Asche übrig war.
»Wo hast du ihn getroffen?«, fragte Marte.
»Im oberen Bereich«, antwortete der Erschließungsarchitekt. »Oben an diesem eiförmigen Körper. Warum willst du das wissen?«
»Wenn du seinen Computer getroffen hast, war er nicht mehr in der Lage, eine Meldung durchzugeben«, erläuterte sie. »Hat seine zentrale Intelligenz jedoch noch eine Minute lang existiert, dann sind die Cantaro jetzt informiert.«
»Ich musste schießen«, verteidigte sich Prenthane. »Das Ding hat auf Marte gezielt.«
»Niemand macht dir einen Vorwurf«, erklärte Pedrass Foch. »Es geht nur darum, dass wir von hier verschwinden müssen. Es könnte sein, dass in ein paar Minuten Dutzende von Robotern hier sind, um die Spuren zu sichern. Wir müssen verhindern, dass sie den Weg zum Eingang des Stützpunkts finden.«
Er beschleunigte, und sie zogen sich weiter in den Wald zurück, der ihnen genügend Deckung bot. Sie umgingen die Baustelle, indem sie den Berg in weitem Bogen umkreisten. Dann näherten sie sich ihr von der gegenüberliegenden Seite.
»Es hat sich nichts verändert«, flüsterte Prenthane. »Es sieht nicht so aus, als hätten sie etwas bemerkt.«
Tatsächlich lag die Baustelle still vor ihnen. Die mächtigen Robotbagger rührten sich nicht. Sie hatten ein gewaltiges Loch in die Flanke des Berges gegraben und den Boden planiert.
»Und es ist nicht zu erkennen, wie es weitergehen soll«, sagte Foch. »Ist das nun alles? Oder graben sie sich weiter in den Berg, um ein Versteck anzulegen?«
»Wir müssen das herausfinden«, entgegnete Marte Escatt leise. »Dazu müsste ich einen der Computer anzapfen.«
»Das wird sie aufscheuchen«, gab Karl Prenthane zu bedenken.
Sie blickte Foch an.
»Wollen wir es riskieren?«
Er zögerte.
»Was machst du, wenn sie dich erwischen?«, fragte er dann.
»Ich behaupte, zu den Gefangenen zu gehören«, erwiderte sie. »Keine Angst. Ich werde es durchstehen, wenn sie mich verhören.«
»Seht euch die Baumaschinen genau an«, empfahl Prenthane. Sein hageres Gesicht rötete sich, und Schweißtropfen bedeckten seine Stirn, obwohl es nicht sonderlich warm war. »Sie stehen so, dass jede von ihnen wenigstens eine andere überwachen kann. Lediglich die kleine, bucklige Maschine dort drüben steht etwas abseits.«
»Sie wird durch einige Büsche abgedeckt«, stellte Foch fest. »Sie könnte ein geeignetes Ziel sein.«
»Sie ist eine Falle«, behauptete der Erschließungsarchitekt. »Wenn wir uns an sie heranwagen, lösen wir den Alarm aus.«
»Das ist eine Vermutung von dir«, stellte Foch fest.
»Sicher«, gab Prenthane zu. »Dennoch ist für mich klar, dass es eine Falle ist. Wir sollten uns für die Riesenschaufel entscheiden, die da drüben steht. Wenn mich nicht alles täuscht, befindet sich ihre zentrale Steuereinheit dicht über ihrem Mikrogravitator. Und der sitzt so tief, dass wir uns der Schaufel nähern können, ohne von den anderen Robotern bemerkt zu werden.«
Marte Escatt nickte ihm anerkennend zu.
»Du hast recht, Karl«, sagte sie. »Eine ausgezeichnete Analyse. Ich werde es versuchen.«
Dennis Petar packte den kahlköpfigen Mann bei den Schultern und blickte ihn forschend in die Augen.
»Wer bist du?«, fragte er. »Und was haben sie mit dir gemacht?«
Jesco Tomaskon griff sich nach dem Kinn und versuchte, so wie er es seit Jahren gewohnt war, seine Bartenden über die Schultern zurückzustreichen. Mitten in der Bewegung hielt er inne und begann zu fluchen.
»Sie haben mich kahlgeschoren«, sagte er. »Sieh dir das an! Nicht mal an den Augenbrauen haben sie mir ein paar Haare gelassen. Ein Wunder, dass sie mir nicht auch noch die Wimpern abgeschnitten haben.«
»Tomaskon?« Der Waffenmeister schüttelte zweifelnd den Kopf. »Du bist Jesco Tomaskon?«
»Bist du blind?«, fauchte der Kahlköpfige ihn an.
»Ohne Bart siehst du viel jünger aus«, stellte Dennis Petar fest. »Ich erkenne dich nur an den Augen. Und auch das ist nicht leicht, weil du überall blaue Flecken hast.«
»Sie haben mich geprügelt«, berichtete Tomaskon. »Sie haben einen ihrer Roboter auf mich angesetzt, und der hat mich geschlagen, bis ich nicht mehr stehen konnte. Aber das schwöre ich dir: Dafür werden sie bezahlen!«
Mit hängenden Schultern schob sich Pete Rumples an den Neugierigen vorbei, die Tomaskon umgaben.
»Wenigstens haben sie dich nicht umgebracht«, sagte er.
»Ich wollte, sie hätten es getan«, antwortete Tomaskon wütend. »Dann wäre es für mich vorbei gewesen. Ich frage mich nur, warum sie ausgerechnet mich herausgefischt haben.«
Er blickte in die Runde, stieß jedoch überall auf Unverständnis. Es schien niemanden unter den Gefangenen zu geben, der begriff, was er sagen wollte.
»Es muss jemanden unter uns geben, der mit ihnen zusammenarbeitet«, erklärte er.
Dennis Petar packte ihn am Arm. »So eine Beschuldigung erhebt man nicht ohne weiteres.«
Tomaskon schüttelte die Hand ab.
»Ich habe einige Dinge gesagt, die den Cantaro offenbar nicht gefallen haben. Daraufhin ist dieser Veegran zu uns gekommen. Er ist immerhin der Arbeiterführer, der höchste aller Droiden auf Uulema.«
»Ja – und?«
»Ihr habt ihn gesehen. Er könnte ein Terraner sein. Ein Mensch wie wir. Er könnte sich in anderer Kleidung unter uns bewegen und würde nicht auffallen.« Erneut blickte er in die Runde. Mittlerweile hatten sich weit mehr als hundert Männer und Frauen um ihn versammelt. Die meisten waren terranischer Abstammung, aber es gab auch einige Springer, Aras, Akonen, Arkoniden, Blues und einige Vertreter anderer galaktischer Völker unter ihnen. »Er könnte aber auch eine andere Maske tragen. Wer weiß das schon?«
Der Waffenmeister war blass geworden.
»Du hast recht«, erwiderte er. »Wir haben automatisch vorausgesetzt, dass es Cantaro nur außerhalb des Energiezauns gibt, nicht aber unter uns. Wir sollten umdenken und ein bisschen aufmerksamer sein.«
»Ich habe es mir überlegt, als ich bei ihnen war!«, rief Tomaskon, wobei er eine Faust in die Höhe streckte. »Ich habe mit nur wenigen Leuten gesprochen, bevor ich abgeführt wurde. Alles in allem waren es vielleicht zwanzig Männer und Frauen. Einer von ihnen muss ein Spion der Cantaro sein.«
»Mag ja sein«, entgegnete Pete Rumples, »aber das können wir jetzt nicht mehr herausfinden.«
»Oh doch«, widersprach der Kahlköpfige. »Ich weiß zum Beispiel, dass du dagewesen bist. Pete war auch da. Ihr müsstet euch an einige andere erinnern, und diese wiederum an jene, die sie kennen. Wenn wir alle befragen, wissen wir bald Bescheid.«
Pete Rumples schüttelte den Kopf, drehte sich um und entfernte sich langsam. Er sah nicht, dass Tomaskon den anderen ein Handzeichen gab, doch er wurde aufmerksam, als plötzlich alle vor ihm zurückwichen.
Er blieb stehen.
»Was ist los?«, fragte er verstört.
»Das möchten wir von dir wissen«, erwiderte Dennis Petar.
»Mich würde interessieren, ob du nur auf ›trübe Tasse‹ machst, oder ob du wirklich eine bist«, erklärte Tomaskon.
Rumples blickte ihn an und entfernte sich rückwärts schreitend von ihm, bis er gegen einen hochgewachsenen Mann prallte, der sich ihm in den Weg gestellt hatte.
»Was wollt ihr von mir?«, fragte er. »Ich bin ein Gefangener wie ihr auch.«
»Das ist es eben, was wir bezweifeln«, antwortete der Kahlköpfige. Er ging mit ausgreifenden Schritten auf ihn zu und wollte ihn packen. Rumples sprang jedoch zur Seite und rannte durch die Menge. Er kam etwa zwanzig Meter weit, dann stellte ihm eine junge Frau ein Bein, und er stürzte kopfüber zu Boden.
Im nächsten Moment war Tomaskon über ihm.
»Du bist ein Produkt der Cantaro«, rief er keuchend. »Du meldest ihnen alles, was wir bereden.«
Pete Rumples entwickelte überraschend ungeahnte Kräfte. Seine Gestalt straffte sich. Seine Arme flogen förmlich auseinander, und Jesco Tomaskon wirbelte wie ein Spielball durch die Luft. Seine Hand hatte sich in der Kombination von Rumples verkrallt. Der Stoff zerriss, und die Reste der Kombination glitten über die Schultern nach vorn. Dabei wurde ein Quadrat mit dunklerer Hautfärbung sichtbar.
»Er ist ein Androide!«, brüllte Dennis Petar. Er packte einen herumliegenden Ast, wirbelte ihn einmal um den Kopf und schlug zu. Rumples versuchte auszuweichen, doch der Ast traf ihn an der Stirn und schleuderte ihn zurück. Er taumelte, fiel jedoch nicht.
Tomaskon sprang wie von der Feder geschnellt hoch. Er warf sich von hinten an den Androiden und hieb mit beiden Fäusten auf das Quadrat ein. Damit fällte er das Kunstwesen.
»Vorsicht«, warnte der Waffenmeister. »Ich habe keine Ahnung, was passiert, wenn ihr Spion stirbt.«
Die Gefangenen wichen vor Rumples zurück. Nur Tomaskon blieb bei ihm. Er bohrte ihm die Finger in den Rücken, bis er die Kante einer Platte fühlte. Er drückte die Finger darunter, bis er die Platte fassen konnte. Dann riss er sie heraus.
»Regt euch nur nicht auf«, sagte er, als er einige entsetzt aufstöhnen hörte. »Dies ist kein von Gott geschaffenes Wesen.«
»Dreh ihn herum«, bat Petar, der nun zu dem Kahlköpfigen kam.
Tomaskon packte den Agenten und wälzte ihn auf den Rücken herum.
»Er ist tot«, sagte der Waffenmeister.
Er ließ sich neben ihm in die Hocke sinken und tastete den Hals des Androiden ab, um nach dem Puls zu fühlen, gab jedoch sehr schnell auf.
»Ich hatte recht. Es war ein Verräter unter uns, der alles gemeldet hat, was wir besprochen haben«, bemerkte Tomaskon. »Und ich frage mich, ob er der einzige war.«
*
Marte Escatt spürte plötzlich, dass sich etwas verändert hatte. Sie war nur noch wenige Meter von der Baumaschine entfernt. Eigentlich hätte Karl Prenthane ihr folgen müssen, doch er blieb bei Pedrass Foch.
Die junge Frau verharrte vor der Maschine und horchte. Ruhig atmete sie durch die Nase. Sehr bewusst nahm sie die fremdartigen Gerüche ihrer Umgebung in sich auf. Ein leichter Wind wehte ihr entgegen. Er brachte einen eigenartigen Duft mit sich, der ein Gefühl des Unbehagens in ihr erweckte.
Vorsichtig sah sie sich um.
Eine handlange Eidechse schoss unter einigen herabgefallenen Blättern hervor und schoss leise raschelnd davon. Ihr Rücken leuchtete und funkelte grün und blau.
Marte lächelte.
»Nur keine Angst«, wisperte sie. »Ich tu dir nichts.«
Lautlos glitt sie weiter, bis ihre Fingerspitzen die Maschine berühren konnten. Sie sah die Stelle, die Karl Prenthane ihr bezeichnet hatte, und sie wunderte sich ein wenig, dass er nicht mitgekommen war.
Ein warmer, übelriechender Windhauch strich über ihr Gesicht. Erschrocken drehte sie sich herum und sah sich um.
»Da ist irgend etwas«, flüsterte sie kaum hörbar in ihr Mikro.
»Ich sehe nichts«, antwortete die Stimme Fochs aus den Ohrhörern.
»Passt auf«, bat sie. »Ich habe das Gefühl, dass es ganz in der Nähe ist.«
Sie wandte sich der Baumaschine wieder zu und öffnete das Fach unter dem Mikrogravitator. Die Computerkonsole lag offen vor ihm. Sie griff danach, um die Speichereinheit herauszufahren und zu entnehmen.
Wieder traf sie der übelriechende Lufthauch. Der Magen krampfte sich ihr zusammen, und sie meinte, nicht mehr atmen zu können. Während sie noch zögerte, die Speichereinheit herauszunehmen, brach unmittelbar neben ihr der Boden auf, und ein riesiger Vogelkopf hob sich ihr brüllend entgegen. Sie sah einen scharf gebogenen Schnabel, der wenigstens so groß war wie sie selbst.
Das kann nicht sein!, schrie es in ihr. Es gibt keine Vögel auf diesem Planeten!
Sie riss die Speichereinheit heraus. Es war eine daumengroße, hauchdünne Scheibe. Dann versuchte sie, dem vermeintlichen Vogel auszuweichen. Doch sie war zu langsam. Ein Schnabelhieb traf sie mit schmerzhafter Wucht im Rücken. Sie hörte es laut knacken, dann schien sich der Boden unter ihr zu öffnen. Sie verlor die Kontrolle über ihren Schutzanzug und stürzte der Länge nach auf den Boden.
Er hat mein Gravo-Pak getroffen!, erkannte sie, während sie sich ihrer ganzen Hilflosigkeit bewusst wurde.
Brüllend bäumte sich das Tier unter ihr auf, drückte sie zur Seite hinweg und schob eine riesige, mit scharfen Krallen bestückte Pranke aus dem Erdreich hervor. Ein mächtiger, dicht behaarter Körper wurde sichtbar.
Marte Escatt rollte hilflos durch die Büsche. Vergeblich versuchte sie, sich abzufangen. Ihr Sturz endete erst, als sie gegen einen verfaulenden Baumstamm prallte, der im Unterholz lag. Sie hörte es krachen, und dann wirbelten stinkendes Holz und Hunderte von Insekten und Würmern über sie hinweg.
Ihre Augen weiteten sich.
Der vermeintliche Vogel erwies sich als riesige Echse, die zwei muskulöse Laufarme und zwei verkrümmte Stützarme hatte. Ihr behaarter Schwanz endete in einem ganzen Bündel von schuppenbesetzten Stacheln, die metertiefe Löcher in den Boden rissen, wo sie aufschlugen.
Marte Escatt schrie entsetzt auf, als sie aufspringen wollte, der Schwanz peitschend über sie hinwegflog und die Stacheln sie nur um wenige Zentimeter verfehlten.
»Meine Güte, bleib liegen!«, schrie Pedrass Foch ihr zu. »Siehst du denn nicht, was los ist?«
Zusammen mit Karl Prenthane stand er in der Deckung einiger Bäume, und jetzt begriff Marte, was er meinte. Aus der Höhle neben der Maschine schnellten sich Dutzende von faustgroßen Echsen hervor. Sie alle hatten diesen charakteristischen Vogelkopf mit dem scharf gebogenen Schnabel. An einigen von ihnen klebten noch die Reste von Eierschalen.
Verflixt, dachte sie erschrocken. Ich bin ausgerechnet an ein Nest dieser Biester geraten!
»Nicht schießen, solange wir es irgendwie vermeiden können!«, befahl Pedrass Foch über Funk. »Wir dürfen die Cantaro nicht auf uns aufmerksam machen.«
»Du hast gut reden«, stöhnte sie und bückte sich, um einem peitschenden Schwanzhieb auszuweichen. »Dich greift diese Bestie ja nicht an.«
Auf allen vieren kroch sie rückwärts von dem Saurier weg, und sie atmete erleichtert auf, als dieser ihr nicht folgte. Er hatte offenbar nichts anderes im Sinn, als seine Brut zu sichern.
»Immer die Nerven behalten!«, rief Karl Prenthane. »Wir müssen die Informationen aus der Maschine haben.«
Marte zuckte zusammen. Erst jetzt erinnerte sie sich wieder daran, dass sie den Datenträger aus dem Computer entnommen hatte.
Wo war er geblieben?
*
Gucky hockte zwischen zwei Containern und beobachtete das Geschehen im Gefangenenlager.
Was sich bei den Gefangenen ereignete, war ohne Bedeutung für ihn. Wichtig war nur, was in den Transportbehältern nach Uulema kam, und das hatte er bis jetzt noch nicht herausgefunden.
Um sich einer eventuellen Ortung so wenig wie möglich auszusetzen, ging er etwa fünfzig Meter weit, dann war er so erschöpft, dass er sich wieder setzen musste. Er befand sich am Ende einer langen Container-Reihe. Von hier aus konnte er zu der Baustelle nahe dem WIDDER-Stützpunkt auf der einen und bis zum Meer auf der anderen Seite sehen. Er erkannte, dass die Cantaro planten, einen Raumhafen auf der Meerseite der Ebene anzulegen. Dort arbeiteten große Robotmaschinen daran, eine große Fläche zu planieren und für eine befestigte Landebahn vorzubereiten. Andere Maschinen richteten ein Fundament für verschiedene Gebäude ein. Mehrere Lagerhäuser sollten offenbar die Grenze zwischen dem Raumhafen und diesem Teil der Anlage bilden.
Wohin der Ilt auch sah, überall waren Roboter an der Arbeit.
»Die Cantaro haben es eilig«, stellte er fest. »Sie verschenken keine Zeit.«
Eine etwa dreißig Meter lange Verladeeinheit, die sich auf zwei Walzen bewegte, näherte sich ihm. An ihrem vorderen Ende ragte eine Metallstange in die Höhe, an deren Ende sich eine mit zahlreichen Linsen versehene Kugel bewegte.
Gucky fuhr zurück und presste sich in den Schatten eines Containers. Erschrocken fragte er sich, ob er von der Optik dieses Roboters erfasst worden war.
Der Roboter rollte näher, und der Ilt schaltete seinen Antigrav ein, um sich schneller und müheloser bewegen zu können. Fast augenblicklich heulte es bei dem Automaten auf. Der Ilt reagierte sofort und schaltete das Gerät wieder ab. Dann nahm er alle Kräfte zusammen und teleportierte sich zu einer etwa fünfhundert Meter entfernten Container-Reihe hinüber.
Er materialisierte am Rand eines steil abfallenden Walls, und bevor er sich's versah, rutschte er über die sandige Seite in die Tiefe direkt auf zwei spinnenförmige Roboter zu. Die beiden Maschinen hoben jeweils zwei ihrer Arme und streckten ihm scharfe Greifklauen entgegen.
Unter normalen Umständen hätte der Ilt die beiden Maschinen telekinetisch neutralisiert und an einer Alarmmeldung gehindert. Doch er fühlte sich so schwach, dass er gar nicht erst versuchte, seine parapsychische Kapazität zu nutzen. Er setzte seinen Kombistrahler ein und zerstörte die beiden Roboter mit gezielten Schüssen.
»Hoffentlich seid ihr nicht auf den dummen Gedanken gekommen, mein Bild in die Zentrale der Cantaro durchzugeben«, krähte er und heftete die Waffe wieder an seine Hüfte.
Er drehte sich um und sah, dass er in die unmittelbare Nähe von einigen Containern gesprungen war, deren Ladetüren offenstanden. Die Schutzhüllen von einigen Teilen der Ladung waren bereits entfernt worden.
»Na also!«, rief er. »Genau das habe ich gesucht.«
Angesichts der Möglichkeit, schnell zu wichtigen Informationen zu kommen, ließ der Mausbiber alle Vorsicht fallen, schaltete seinen Antigrav ein und schwebte zu den Containern hoch, um auf einer der Maschinen zu landen. Während er damit begann, sie zu untersuchen, blickte er flüchtig auf. Er bemerkte, dass sich ihm Roboter aller Art von buchstäblich allen Richtungen näherten.
»Tut mir leid, Romulus«, lispelte er. »Jetzt werden sie mich doch erkennen und somit begreifen, dass wir diese schöne Welt noch nicht verlassen haben.«
Da er zu dem Ergebnis kam, dass er wenigstens noch zwei Minuten hatte, bis die Roboter gefährlich nahe gekommen waren, setzte er seine Untersuchung fort. Er legte sich auf einige Büsche als kritische Grenze fest und beschloss, die Flucht erst dann anzutreten, wenn die Roboter diese erreicht hatten. Als ihm nur noch wenige Sekunden davon trennten, machte er die entscheidende Entdeckung. Er fand ein Gerät, das er auf Anhieb identifizieren konnte.
»Bully soll mich Iltis nennen, wenn das nicht zu einer Hyperfunkanlage gehört«, sagte er laut. »Und Karl Prenthane werde ich ungeschoren lassen, wenn er mich noch einmal als Witzmaus bezeichnet!«
Er sprang von der Höhe der Geräte in die Tiefe, schaltete dabei sein Antigrav-Pak ein und beschleunigte. Er raste über die Roboter hinweg und schleuderte dabei ein kleines Teil auf sie, das er mitgenommen hatte. Einer der Automaten richtete einen Energiestrahler auf ihn. Bevor er schießen konnte, rettete sich der Ilt mit einer Teleportation. Er reagierte instinktiv und ohne lange über sein Ziel nachzudenken, so wie er es oft genug getan hatte. Doch dieses Mal kam er nicht so weit, wie er es wollte. Er materialisierte am Rand des Energiezauns, und er fühlte sich so schwach, dass er für Sekunden das Bewusstsein verlor.
Irgendwo auf der Großbaustelle heulte eine Sirene. Aus einem der provisorischen Gebäude kamen zehn Cantaro hervor. Sie sahen alle wie Terraner aus. Ihr auffallendstes Merkmal waren die weit auseinanderstehenden Augen. Sie bewegten sich mit Mikrogravitatoren zu dem Container hinüber, an dem der Mausbiber von den Robotern entdeckt worden war.
Als der Ilt zu sich kam, wusste er zunächst nicht, wo er war.
»He, Kleiner!«, schrie jemand in seiner Nähe.
Er blinzelte. Obwohl die Sonne schon tief am Horizont stand, schien die Luft vor ihm vor Hitze zu flimmern, so dass sie die Umrisse der Männer verzerrte, die nur wenige Schritte von ihm entfernt waren.
»Was ist los mit dir, Kleiner?«, fragte die gleiche Stimme.
Gucky atmete einige Male tief durch. Seine Sinne klärten sich. Er erkannte, dass er sich unmittelbar am Energiezaun zum Gefangenenlager befand. Auf der anderen Seite der Barriere standen etwa zwanzig Männer und Frauen. Sie blickten zu ihm herüber. Ein nur etwa anderthalb Meter großer Mann mit schulterlangen rotblonden Haaren und einer feuerroten Nase winkte ihm zu. Er war es, dessen Stimme er gehört hat.
»Bist du nicht in Ordnung?«, fragte der Mann. »Komm her zu uns. Wir helfen dir. Keiner von denen rechnet damit, dass du bei uns bist.«
Gucky drehte sich einmal um sich selbst. Er war durch einige Container gedeckt. Er konnte keine Roboter sehen, zweifelte jedoch nicht daran, dass sie ihn suchten. Zunächst wollte er den Zaun mit Hilfe seines Antigrav-Paks überwinden, sagte sich dann jedoch, dass seine Verfolger ihn sehen würden, wenn er so hoch aufstieg. Er entschloss sich zu einer weiteren Teleportation.
»Ich komme rüber!«, rief er den Gefangenen zu. »Versteckt mich. Mir geht es nicht gut.«
Marte Escatt schien bereits in Sicherheit zu sein, als sich die Situation plötzlich änderte. Eine der geschlüpften Echsen schoss unter einem Gebüsch hervor und prallte gegen ihre Schulter. Sie hob unwillkürlich eine Hand, um sie abzuwehren. Für das Muttertier mochte es nach einem Angriff auf das Junge aussehen. Es fuhr brüllend herum, hob seinen mächtigen Kopf und warf sich auf die junge Frau.
Pedrass Foch riss seine Multitraf hoch und feuerte. Ein lindgrüner Desintegratorstrahl zuckte durch das Dickicht und bohrte sich in den Vogelkopf. Er traf das Gehirn und tötete das Tier.
