Perry Rhodan-Paket 33: Die Ennox -  - E-Book

Perry Rhodan-Paket 33: Die Ennox E-Book

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Beschreibung

Zu Beginn des Jahres 1200 Neuer Galaktischer Zeitrechnung: Ein hyperphysikalisches Experiment der spinnenartigen Arcoana schlägt fehl, und um das Solsystem und den Kugelsternhaufen M 13 entstehen Tote Zonen. In diesen Zonen versagt jegliche Hypertechnik. Zahllose Welten versinken im Chaos - bis die skurrilen Ennox auftauchen. Nur mit ihnen ist ein Kontakt zur Außenwelt möglich ... Bald darauf rüstet Perry Rhodan die bislang größte Expedition aus: Sie führt über 225 Millionen Lichtjahre bis zur Großen Leere. Es gilt, das "Große Kosmische Rätsel" zu lösen ...

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EPUB

Seitenzahl: 6302

Veröffentlichungsjahr: 2013

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Nr. 1600

Wenn die Sterne erlöschen

Ein neues Jahrhundert beginnt – und eine alte Prophezeiung wird wahr

von Ernst Vlcek

Die Krise um die Superintelligenz ES, die nicht nur das Solsystem, sondern die ganze dazugehörige Mächtigkeitsballung ins Verderben zu ziehen drohte, liegt um rund 26 Jahre zurück. Kaum einer denkt noch an »die Tage des Zorns«, an die Zeit des Todeskampfs der Superintelligenz, die sich in eine Materiesenke zu verwandeln begann – eine Degeneration, die nur durch die Opferung der Zellaktivatoren verhindert werden konnte.

Inzwischen hat sich die Situation längst wieder stabilisiert. Heute, zum Ende des Jahres 1199 NGZ blickt man auf ein Vierteljahrhundert friedlichen, ersprießlichen Aufbaus in der Galaxis zurück. In der Erwartung, dass auch die nächsten Jahrzehnte ebenso friedvoll verlaufen mögen, bereitet man auf Terra die große Feier vor, mit der das 13. Jahrhundert Neuer Galaktischer Zeit begangen werden soll, dessen erstes Jahr dem Jahr 4787 A. D. entspricht.

Ein Vertreter des Nexialismus sieht allerdings schwarz für das neue Jahrhundert, denn er meint, dass sich eine neue Katastrophe anbahnt. Er wird als verrückter Spinner verschrien, denn er macht sich Gedanken darüber, was wäre, WENN DIE STERNE ERLÖSCHEN ...

Die Hauptpersonen des Romans

Perry Rhodan – Er registriert zur Jahrhundertwende eine Anzahl unheilvoller Vorzeichen.

Reginald Bull – Er interessiert sich für ein Volk von Arachnoiden.

Myles Kantor – Terranischer Chefwissenschaftler.

Zerberus – Kommandant des Experimentalschiffs FORNAX.

Ultimo – Der Letzte einer ausgestorbenen Spezies.

Voltago

1.

Silvester 1199

Nur noch wenige Minuten bis Mitternacht – und das Solsystem erwartete in ungezügelter Festtagsstimmung das neue Jahrhundert.

Das erste Jahrhundert seit langem, das die Galaktiker in Frieden und Wohlstand einleiten konnten. Zuletzt hatte man vor 800 Jahren Gelegenheit dazu gehabt. Aber gar so ungetrübt waren damals die Aussichten auch nicht gewesen, denn die Geschehnisse um Seth-Apophis hatten ihre Schatten bereits vorausgeworfen.

Und zumindest die galaktischen Führungskräfte hatten eine Ahnung des zu erwartenden Unheils gehabt.

Diesmal waren die Voraussetzungen ungleich besser.

Man konnte auf 25 Jahre relativer Ruhe zurückblicken, und man durfte der Zukunft voller Zuversicht entgegensehen. Entsprechend ausgelassen war die Stimmung auf der Erde und den Planeten. Klar, dass auch andere galaktische Völker mitfeierten, jedoch ohne so recht zu wissen, warum. Denn Tradition hatte dieses Fest nur für Terraner. Doch was machte das schon, man soll die Feste feiern, wie sie fallen.

Silvester 1199.

Und die CROMAGNON folgte der Mitternacht.

Die CROMAGNON war ein gewaltiger fliegender Palast von 700 Metern Länge und einer Höhe von 400 Metern, der im Orbit von Terra geparkt war. Man hatte die Raumstation aus blitzendem Stahl und Panzerglas gerade rechtzeitig für das bevorstehende Großereignis fertiggestellt. Eigner war die Kosmische Hanse. Aber Homer G. Adams, immer noch Hansechef, war nicht an Bord. Dafür hatten sich zehntausend Galaktiker, die Creme aus Gesellschaft, Politik, Wissenschaft und Kunst für dieses Ereignis eingekauft.

Für dieses Jahrhundertereignis, das unter dem Slogan »24 Stunden Mitternachtszauber« vermarktet worden war. Der Reinerlös sollte einer Stiftung zufließen, die sich »Hilfe für Monosgeschädigte« nannte.

Die CROMAGNON schwebte hoch über den Aleuten in Warteposition. Der Sekt war gekühlt, die Stimmung ausgelassen. Und dann begann der Countdown, der von der Mondsyntronik NATHAN gezählt wurde, und die zehntausend an Bord zählten mit. Man drängte sich an den unzähligen aus dem ovalen gläsernen Stationskörper hervorquellenden Bullaugen in ebenfalls transparenten Aussichtsgondeln, spazierte auf die strahlenartig aus dem Rumpf ausgefahrenen Plattformen aus Formenergie hinaus, oder aalte sich faul in den Logen und ließ sich das Ereignis vor die Nase projizieren. Aber alle waren in Erwartung des Kommenden, aufgeregt schnatternd, sich Glückwünsche an den Kopf werfend, händeschüttelnd, sich scheinheilig umarmend, die Vibroklinge hinter dem Rücken des anderen stoßbereit.

So sah es zumindest Homer Angulin, der Gesellschaftsreporter, der dieses Ereignis kommentieren und Prominente interviewen sollte.

Er war mit 1,62 Meter ein unterdurchschnittlich großer Terraner, und mit der zu großen Nase, dem fliehenden Kinn und einer Sammlung von Warzen um seine Mausaugen auch nicht besonders attraktiv. Aber er war in seinem Metier erfolgreich, und er dachte gar nicht daran, sein Aussehen verschönern zu lassen.

Er war freier Mitarbeiter bei verschiedenen galaktischen Medien und stolz darauf, als das kleinste und frechste Lästermaul der Mächtigkeitsballung ES und Umgebung bezeichnet zu werden, und er tat alles, um seinem Ruf treu zu bleiben. Häme war sein Visier, Zynismus seine Rüstung, Schläge unter die Gürtellinie waren sein bevorzugter Stil. Seine Intelligenz konnte zum tödlichen Giftpfeil werden.

Und dennoch war er mit dem Erreichten unzufrieden, denn sein Ziel war es immer gewesen, seriöse Recherchen zu betreiben und über große galaktische Geschehnisse zu berichten. Aber das hatte er nie geschafft. Seine Erfolge als Klatschmaul waren für ihn zum Bumerang geworden; er war als Gesellschaftsjournalist abgestempelt.

Endlich war es Mitternacht. Zum Knallen der unzähligen Sektpfropfen und den Klängen der terranischen Hymne wurde ein kolossales Feuerwerk entzündet. Ein Feuersturm aus allen Farben des Spektrums ergoss sich in den Himmel, und für Homer Angulin schien es, als würde sich die nachtschwarze Erde öffnen wie eine riesige Feuerblume. Das zuerst eruptive, elementare Spiel der flammenden Farben beruhigte sich allmählich, die Blüten der Feuerblume fielen sanft in sich zusammen, anstatt in Explosionen zu verglühen, und fielen wie blinkende Sternschnuppen auf die Erde zurück.

Irgendwo hoch über Petropawlowsk sammelten sich die glühwürmchenartigen Lichtpünktchen und begannen sich neu zu formieren. Sie vollführten einen rasenden Reigen um einen gemeinsamen Mittelpunkt, häuften sich im Zentrum und begannen dort einen stabilen, hell leuchtenden Kern zu bilden, der zur Peripherie hin eine leuchtende Spur von Spiralarmen hinter sich herzog. Anstatt den rasenden Reigen jedoch weiterzuführen, was Homer Angulins Stimmung viel besser entsprochen hätte, sanken sie in behäbiges Rotieren, zur Simulation einer Galaxis. Homer Angulin würde sie 24 Stunden lang in verschiedenen Variationen ertragen müssen, denn NATHAN war so programmiert, sie überall auf der Erde zum Jahreswechsel ablaufen zu lassen.

Er wusste, dass es die ursprüngliche Absicht gewesen war, nicht die Geburt des Universums und die Entwicklung der Milchstraße zu einer Bastion der Mächte der Ordnung zu simulieren, sondern eine durch entfesselte Kernspaltung entflammende Erde. Gewissermaßen zur Erinnerung an die sorglose Handhabung der Atomkraft im ausgehenden 20. Jahrhundert und als Mahnung für die Zukunft. Aber diese progressive Idee wurde rasch wieder verworfen, weil sie nicht in das Konzept eines Wegweisers in eine glorreiche Zukunft gepasst hätte.

Homer Angulin trauerte dem verworfenen Konzept nach, denn es hätte ihn inspirieren können. Aber wie es aussah, würde er sich damit begnügen müssen, sich auf gesellschaftlichen Klatsch zu beschränken.

Homer Angulin gab seinen beiden Mitarbeitern, die mit versteckter Kamera Publikum spielten, einen Wink.

»Die Show kann beginnen«, sagte er.

Ihm standen noch ein halbes Dutzend weiterer Mitarbeiter zur Verfügung, die nichts anderes zu tun hatten, als Interviewpartner für ihn auszuwählen und vor die Kamera zu bringen.

*

Die CROMAGNON hatte einen Kurs gewählt, der sie über die meisten Großstädte der Erde führte. Sie würde ihre Geschwindigkeit auf eine Weise verändern, dass sie sich stets um null Uhr über der jeweiligen Zielstadt befand. Der Start war über den Aleuten an der Datumsgrenze erfolgt.

Die kolossale Vergnügungsschaukel überquerte gerade den 140. Längengrad, als Homer Angulins Mitarbeiter Gileen Kuusinen, die Konstrukteurin der CROMAGNON, in ihrer Loge aufgegabelt hatten. Tief unter ihnen schalteten die Bewohner von Tokio und Yokohama zur Begrüßung der orbitalen Globetrotter sämtliche Lichter ein, während sich in der Lasershow die Galaxien der Lokalen Gruppe gerade in die übergeordnete Supergalaxis mit dem Virgohaufen integrierten.

»Hallo, Gileen«, begrüßte Homer Angulin die attraktive Mittvierzigerin und stellte dann ein paar belanglose Fragen zum Aufwärmen, bevor er seine Giftpfeile abschoss: »Ich habe mich schon immer gefragt, ob du mit dem früheren Ersten Terraner verwandt bist. Darum bin ich der Sache nachgegangen und habe herausgefunden, dass du eine geborene Tschangtschuna bist. Kuusinen ist also nur dein Künstlername. Hast du ihn gewählt, um am Ruhm von Kallio Kuusinen mitzunaschen?«

Schallendes Gelächter. Die Ingenieurin lachte mit, denn es galt als schick, sich von Homer Angulin durch den Kakao ziehen zu lassen.

»Nein, das war nicht der Grund«, rechtfertigte sich Gileen. »Ich habe dieses Pseudonym gewählt, weil ich eine Verehrerin von Kallio Kuusinen bin.«

»Leider konntest du mit deiner Verehrung für diesen großen Terraner nicht verhindern, dass wir als seinen Nachfolger mit Koka Szari Misonan eine Erste Terranerin von Monos' Gettowelt Kassakan erhielten, wo der Legende nach Menschenfresserklone gezüchtet wurden«, sagte Homer Angulin scheinheilig. Er hatte mit dieser geschmacklosen Bemerkung die Lacher erneut auf seiner Seite; jeder andere als er, Homer Angulin, wäre wohl ausgebuht worden. Er fuhr rasch fort: »Apropos Namen. Wie bist du eigentlich auf CROMAGNON gekommen, Gileen?«

»Weil mit der Cromagnonrasse auf der Erde der Funke der Intelligenz entzündet worden ist«, sagte die Frau. »Ich finde das als gute Symbolik.«

»Wäre es da nicht treffender gewesen, einen auf den Schwarm oder die Sporenschiffe bezogenen Namen zu wählen? Denn schließlich waren sie es, die die Biophore ausgestreut und den Funken der Intelligenz gezündet haben«, meinte Homer Angulin hinterhältig.

»NOON-QUANT, wie der Intelligenzauslöser der Biophore heißt, halte ich für keinen guten Namen eines Vergnügungsorbiters«, sagte Gileen schlagfertig.

»Dann hätte es vielleicht auch eine Anspielung auf den Aberglauben der Dämonenaustreibung, der dem Neujahrsfest zugrunde liegt, gemacht«, sagte Homer Angulin noch und leitete mit ein paar lockeren Worten zu seinem nächsten Opfer über.

Das mit Gileen war nicht so gut gelaufen, wie er es sich vorgestellt hatte. Aber er nahm sich vor, diese Scharte wieder auszuwetzen.

Während die CROMAGNON mit der Lasershow um exakt null Uhr über weitere japanische Städte und dann über Busan, Seoul und Peking hinwegzog, nahm sich Homer Angulin ein paar Galaktische Räte zur Brust und gab sie der Lächerlichkeit preis.

Aber das alles befriedigte ihn nicht ganz.

Etwas versöhnlicher wurde er durch den Galaktischen Rat der Arkoniden, Tydon von Tramis, gestimmt. Diesen fragte er nämlich, ob die Arkoniden ihren steilen Aufstieg während der letzten 25 Jahre aus eigener Kraft geschafft hätten, oder diesen nicht vielleicht doch eher Atlans geheimer Spionageorganisation GAFIF verdankten.

»GAFIF ist die Abkürzung für Gruppe Arkonidischer Forscher für Innovation und Fortschritt – und das sagt wohl alles«, erregte sich der Arkonide und lieferte damit genau das Stichwort, das der Interviewer haben wollte.

»Tatsächlich?«, tat Homer Angulin erstaunt. »Ich habe geglaubt, es heißt Geheime Arkonidische Front für Infiltration und Freibeuterei.«

Tydon von Tramis wollte doch tatsächlich handgreiflich werden und musste von einem Aufsichtsroboter zur Räson gebracht werden. Das alles wurde natürlich in Bild und Ton festgehalten. Ein Fressen für die Zuschauer.

Und wiederum hatte Homer Angulin den Beifall auf seiner Seite, denn das Gerücht, dass Atlan eine geheime arkonidische Organisation nach dem Muster der USO betrieb, hielt sich hartnäckig in der Milchstraße. Und Tydon von Tramis, einer der glühendsten Verehrer des einstigen Kristallprinzen, hatte es durch seine Reaktion ganz gewiss nicht entkräften können.

Aber trotz dieses schönen Teilerfolges war Homer Angulin nicht ganz bei der Sache. Schließlich näherte sich die CROMAGNON allmählich der ehemaligen Wüste Gobi – und somit Terrania und einem vorläufigen Höhepunkt. Wenn ganz Terrania mit seinem gigantischen Raumhafen alle seine Lichter einschaltete, dann war das wirklich etwas Wahrhaftiges! Und über Terrania sollten zusätzlich echte Feuerwerkskörper entzündet werden.

Und Homer Angulin erwartete sich von Terrania eine echte Chance, sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf des Gesellschaftsklatsches zu ziehen. Wenn er eine Verbindung mit Perry Rhodan bekam, dann könnte er beweisen, was wirklich in ihm steckte. Perry Rhodan konnte für ihn zum Sprungbrett einer Karriere als galaktischer Berichterstatter werden und seinen Traum eines »Reporters von ES« erfüllen.

Auf diesen Augenblick hatte sich Homer Angulin gewissenhaft vorbereitet. Er hatte nicht vor, Rhodan über seine Privatsphäre zu befragen, sondern wollte mit ihm ein sachliches Gespräch über die aktuelle politische Situation führen. Zu Perry Rhodans, der Nummer 1 in der Milchstraße, Ruhm und Ehre und seiner eigenen Profilierung.

Diesem Augenblick fieberte Homer Angulin entgegen.

Endlich erreichte die CROMAGNON Terrania um Punkt Mitternacht. Und während über der terranischen Megapolis das komplette Laserprogramm ablief, wartete Homer Angulin im Regieraum ungeduldig darauf, dass die Verbindung mit Perry Rhodan zustande kam. Endlich erfolgte das so sehnlich gewünschte Okay-Zeichen. Die Verbindung mit Rhodan stand. Aber gleichzeitig übermittelte ihm einer seiner Mitarbeiter die schlimme Nachricht:

»Rhodan will mit einem wie dir nichts zu schaffen haben.«

2.

Reginald Bull

1189–1199 NGZ

Endlich finde ich wieder Zeit, meinen Explorerneigungen nachzugehen. Die Vorbereitungen haben einige Jahre in Anspruch genommen. Das hing mit der Finanzierung und der Beschaffung der technischen Ausrüstung zusammen. Die Kosmische Hanse hat es schließlich möglich gemacht. Dank dir, Homer. Nun ist es endlich so weit.

Wir sind am 3. Oktober 1189 mit drei Raumschiffen aus dem Solsystem gestartet. Es handelt sich um meine CIMARRON, Julian Tifflors PERSEUS und dem Experimentalschiff FORNAX. Letzteres ist der Prototyp einer neuen Baureihe von Fernraumschiffen, die für Expeditionen wie diese eingesetzt werden sollen.

Es hat eine Länge von 250 Metern und annähernd die Form eines linguidischen Delphins, wirkt insgesamt nur etwas gedrungener, bulliger und stumpf und seine Hülle ist mit allen möglichen Aufbauten, hyperphysikalischem Gerät modernster Hightech, überladen. Die beiden aus dem hinteren Schiffsbauch ragenden Gelenkarme sind Träger der beiden Grigoroffs, des herkömmlichen und des vektorierbaren. Frage mich niemand, wozu es gut sein soll, wenn Grigoroffs beweglich sind, die Techniker jedenfalls bezeichneten dies als geradezu geniale Lösung.

Die Verantwortung teilen uns Tiff und ich. Wissenschaftlicher Leiter und Befehlshaber über die FORNAX ist der Professor für Höhere Kosmologie Jan Ceribo, der von der Mannschaft Zerberus genannt wird. Kein unpassender Spitzname, wenn man den von ihm gepflegten Umgang mit anderen Leuten als Maßstab heranzieht; er ist ein ungeduldiger, mürrischer Choleriker, gegenüber dem ich mir wie ein mustergültiger Duckmäuser vorkomme.

Die Dauer unserer Expedition ist mit fünf Jahren veranschlagt worden. Diese Zeit müsste reichen, um alle Forschungsaufträge zu erfüllen. Wir sollen zu den Galaxien des Fornax-Clusters fliegen, rund 70 Millionen Lichtjahre von der Lokalen Gruppe entfernt, was für eine Richtung einer reinen Flugzeit von dreizehn Monaten entspricht. NGC 1398, NGC 1399 und NGC 1316, auch unter der Bezeichnung Fornax A bekannt, sind unsere Hauptziele.

Bei der Gelegenheit sollen wir auch einen Teil des Eridanus-Sektors vermessen. Homer hat uns großzügigerweise gestattet, dass wir unser Hauptaugenmerk nicht auf die Erschließung neuer Märkte zu legen brauchen. Die wissenschaftliche Nutzung soll im Vordergrund stehen.

Auf unserer Route liegt unter anderem auch die Galaxis NGC 1400, im Sektor Eridanus gelegen und rund 22 Millionen Lichtjahre von der Milchstraße entfernt. Diese ist unser erstes Etappenziel, denn sie liegt bereits außerhalb der 50-Millionen-Lichtjahresphäre des Kosmonukleotids DORIFER.

Eine unserer Hauptaufgaben besteht nämlich darin, das für diesen Nachbarsektor zuständige Kosmonukleotid zu lokalisieren und es und seinen Einflussbereich zu vermessen. Es geht uns vor allem darum, mehr über den Moralischen Kode des Universums und die kosmologischen Zusammenhänge zu erfahren – und vielleicht auch den einen oder anderen Hinweis auf die Dritte Ultimate Frage zu finden. Ein ehrgeiziges Unternehmen fürwahr. Perry hätte uns diese Mühen ersparen können, wenn er damals in der Tiefe nicht davor zurückgeschreckt wäre, die Antwort auf die 3. Frage entgegenzunehmen. Aber andererseits hätte ich dann vielleicht meinem Entdeckertrieb nicht nachgeben können.

Wer hat DAS GESETZ initiiert und was bewirkt es? Das arbeitet in den Köpfen der Kosmologen mit Zerberus an der Spitze.

Wir können nicht unbedingt damit rechnen, die Bekanntschaft anderer Superintelligenzen zu machen – aber wer weiß? Wenn wir nur gründlich genug nachforschen, stoßen wir vielleicht auf die Mächte des potentiellen Kosmonukleotids, das wir vorab FORNAX-A getauft haben. Nimmt man den Standort von DORIFER zum Vergleich, welches Kosmonukleotid seinen Sitz in der Mächtigkeitsballung Estartu und damit nicht im absoluten Zentrum seines Einflussbereichs hat, geben wir auch NGC 1316 gute Chancen, der Sitz eines Kosmonukleotids zu sein. Darum haben wir es nach diesem Cluster prophylaktisch FORNAX-A genannt.

Fünf Jahre sind für dieses ehrgeizige Projekt gewiss nicht zu hoch angesetzt. Schon der Flug nach NGC 1400 kostete uns ein ganzes Jahr, obwohl die Reisezeit nur mit 4 Monaten veranschlagt war. Aber einige Zwischenfälle, auch Zusammenstöße mit Fremdvölkern, haben uns unerwartet viel Zeit gekostet.

Der letzte dieser Zwischenfälle ereignete sich Ende August in einer bislang unbekannten Zwerggalaxis im Vorfeld von NGC 1400. Sie bekam den Namen Rumpelstilz.

Wir wollten Rumpelstilz nur einer oberflächlichen Untersuchung unterziehen, als wir plötzlich Hyperfunksignale empfingen. Wir gingen den Signalen bis zu ihrer Quelle nach und gelangten in ein Sonnensystem mit drei Planeten. Planet Nummer zwei war eine Sauerstoffwelt mit viel Vulkanismus und einer rauchgeschwängerten Atmosphäre, die man gerade noch ungefiltert einatmen konnte, ohne ernste gesundheitliche Schäden zu riskieren.

Von dort kamen die Funksignale.

Und dort fanden wir Menschen.

*

Wir orteten die Signalquelle und funkten sie auf großer Frequenzbreite und allen bekannten Kontaktkodes an. Was für eine Überraschung, als uns in Interkosmo geantwortet wurde.

»Hier Hansekontor Ofen. Chef Masoukas Karlin und seine Crew heißen euch willkommen. Bringt ihr uns Grüße aus der Milchstraße oder Nachschub für unsere Lager? Wir warten seit tausend Jahren darauf.«

Wir ließen die drei Schiffe im Raum des zweiten Planeten zurück und landeten mit zwei Space-Jets und einem Shift.

Beim Landeanflug entdeckten wir am Fuß eines rauchenden Vulkans das Wrack eines Keilraumschiffs von 900 Metern Länge: ein Schwerer Holk der Kosmischen Hanse.

Die Siedlung der Hanseaten bestand aus rund fünfhundert Gebäuden und lag in einer überraschend fruchtbaren Ebene, die mit Getreide bebaut war. Daneben gab es auch eine Weide, auf der einige hundert offenbar einheimische Tiere grasten, die wie eine Mischung aus Schwein und Ziege aussahen; sie waren kalbgroß, gehörnt und hatten eine graue borstige Haut.

Ein paar tausend Siedler, darunter Frauen und jede Menge Kinder, erschienen zu unserer Begrüßung auf dem Landeplatz, der groß genug für einen Leichten Holk gewesen wäre, außerhalb der Siedlung. Es handelte sich durchwegs um Menschen. Sie waren einfach, aber sauber gekleidet.

Eine kleines, verhutzeltes Männchen mit nabellangem Graubart kam auf uns zu und stellte sich als Chef Karlin vor. Als ich meinen Namen nannte, zeigte er keine Reaktion. Aber es war nicht verwunderlich, wenn selbst die Namen der Großen der Milchstraße im Laufe von tausend Jahren der Isolation in Vergessenheit gerieten.

Chef Karlin bat uns in sein Kontor. Trotz der hochtrabenden Bezeichnung handelte es sich bei diesem um eine ziemlich windschiefe Lagerhalle. Er bot uns Sitzgelegenheiten, Essen und Getränke an und erzählte uns die Geschichte seiner Hanseaten.

»Wir sind im Jahre dreihundertundfünfzig NGZ ...«, begann er, doch ich unterbrach ihn mit dem Hinweis, dass sich irgendwo in seiner Rechnung ein Fehler eingeschlichen haben musste, denn es passte nicht zusammen, dass sie, wenn sie im Jahre 350 von der Milchstraße gestartet waren, bereits tausend Jahre hier lebten, da man erst das Jahr 1200 schrieb.

»Tausend Planetenjahre, Freund Bull«, klärte er mich auf. »Unser Jahr hat lediglich dreihundertundachtunddreißig Tage zu je zweiundzwanzig Stunden. Das macht tausend Jahre, die wir ausharren.« Er sah mich herausfordernd an, als warte er geradezu auf einen Widerspruch, um mich danach in die Mangel nehmen zu können. Aber ich rechnete nicht nach.

»Alles klar«, sagte ich. »Du kannst fortfahren.«

»Danke.« Er brachte durch tiefes Luftholen seinen Rauschebart in Bewegung. »Also, wir sind in besagtem Jahr mit einem Schweren und einem Leichten Holk zu einer Fernreise aufgebrochen. Das Wrack des Schweren Holks habt ihr vermutlich bei der Landung entdeckt. Bekam bei einem Fremdkontakt mit Stänkerern einiges ab, und wir konnten uns damit gerade bis hierher retten. Haben zum Glück von den Rowdys nie mehr was gehört. Der Leichte Holk ist gerade auf Kontaktflug in NGC vierzehnhundert unterwegs. Diesmal handelt es sich aber um überaus friedfertige Fremde, deren Freundschaft wir zu gewinnen hoffen. Aber davon später.«

Es lohnt nicht, die Mittelpassage von Chef Karlins Geschichte wortgetreu wiederzugeben. Die Hanseaten richteten sich auf der Vulkanwelt, die sie schlicht Ofen tauften, erst einmal häuslich ein. Zuerst taten sie es in der Absicht, lediglich ein Kontor zu eröffnen und Kontakte zu Handelspartnern zu suchen. Aber im Lauf der Jahre verbrauchten sie die mitgeführten Waren selbst, so dass ihr Ziel, mit einer Erfolgsmeldung in die Milchstraße zurückzukehren, in immer weitere Ferne rückte.

Schließlich verwischten sich ihre ursprünglichen Absichten immer mehr, sie wurden auf Ofen sesshaft und ließen es darauf ankommen, ob man aus der Milchstraße nach ihnen suchte und sie fand. Als Wegweiser für ein Suchkommando dienten die Hyperfunksignale, die wir zufällig empfangen hatten. Eine reine Alibihandlung, aber wennschon.

»Seid ihr das erwartete Suchkommando?«, erkundigte sich Chef Karlin.

»Nicht direkt«, gestand ich. »Eigentlich sind wir eine Forschungsexpedition mit dem Ziel Fornax-Cluster ...«

»Ofen«, berichtigte Chef Karlin.

»Ja, ich weiß, Fornax heißt Ofen«, sagte ich, ein wenig eingeschnappt über diese unnötige Belehrung. »Wie gesagt, das ist unser Ziel. Aber wir haben auch vor, einen Abstecher nach NGC vierzehnhundert zu machen. Ihr könntet uns für dieses Unternehmen möglicherweise wertvolle Tipps geben. Dafür würden wir uns erkenntlich zeigen.«

»Nichts da!«, herrschte Chef Karlin mich an und hieb entschlossen auf den wackeligen Tisch, um den wir saßen. »Ihr werdet um die Galaxis der Arachnoiden einen weiten Bogen machen.«

»Arachnoiden?«, fragte ich interessiert. »Du meinst Spinnenwesen?«

»Sehr wohl.«

»Bloß Arachnoiden?«, hakte ich nach. »Nur eine Artbezeichnung? Habt ihr ihnen keinen Eigennamen gegeben?«

»Das steht uns nicht zu«, sagte Chef Karlin ehrfürchtig. »Wir warten, bis wir erfahren, wie sie sich nennen. Dann haben wir ihren Namen.«

»Vielleicht könnten wir euch in irgendeiner Weise helfen«, bot ich mich an. »Wir haben erfahrene Xenologen unter uns, die ...«

»Vergiss es!« Er sah mich streng an. »Ihr habt nicht die Sensibilität, um mit diesen feinfühligen Wesen Kontakt aufzunehmen.« Seine Stimme wurde fast flehend, als er hinzufügte: »Ihr dürft uns das nicht vermasseln, Chef Bull. Wir haben so lange und geduldig an dieser Kontaktaufnahme gearbeitet, dass wir es nicht verwinden könnten, wenn ihr uns so nahe vor dem Ziel in die Quere kämt.«

»Schon gut, es ist nicht unsere Absicht, euch zu schaden«, beschwichtigte ich ihn. »Fremdkontakte sind auch gar nicht unsere primäre Aufgabe. Sie dürfen sich höchstens nebenbei ergeben. Wir sind eher an kosmologischen Geheimnissen interessiert.«

»Kosmologische Geheimnisse?«, wiederholte er misstrauisch. »Und mehr nicht? Ehrenwort?«

»Ich schwöre es!«, sagte ich feierlich.

»Dann ist es gut.«

Nachdem dies geklärt war, taute er merklich auf und begann über die Arachnoiden aus NGC 1400 zu schwärmen.

Wir blieben ein paar Tage auf Ofen. In dieser Zeit erfuhren wir alles über diese Arachnoiden, was die Hanseaten wussten oder sich in den letzten Jahren über dieses geheimnisvolle Volk zusammengereimt hatten. Und diese Mischung aus Fakten und Fiction war es vermutlich, die ansteckend auf mich wirkte, so dass ich unwillkürlich eine ähnliche Zuneigung für diese unbekannten Spinnenwesen zu empfinden und eine nicht minder starke Faszination für sie zu entwickeln begann wie Chef Karlin und seine Ofener Hanseaten.

Der erste Kontakt war vor 10 Jahren zustande gekommen. Damals wurden die Hanseaten durch eine ungewöhnliche Energiequelle auf der Oberfläche von Ofen auf ein fremdes Objekt aufmerksam. Als man jedoch zu jener Stelle kam, war keine Spur mehr des ausgemachten Objekts zu sehen. Nur ein einzelnes Spinnenwesen irrte sterbend durch die Gegend. Offenbar war es beim fluchtartigen Aufbruch des Raumschiffs, dessen Ursache die Ofener waren, nicht mehr an Bord gelangt. Und jetzt litt der Arachnoide unter der für ihn giftigen Atmosphäre.

Die Hanseaten hatten alles versucht, um den Arachnoiden zu retten, aber er starb ihnen unter den Händen. Sie begruben ihn beim Wrack des Holks.

»Nein, du schändest sein Grab nicht!«, erklärte Chef Karlin, als ich den Anlauf zu einer Exhumierung nahm.

Als das Raumschiff zurückkehrte, um den zurückgelassenen Artgenossen zu suchen, kam es zu einem Funkkontakt. Es stellte sich heraus, dass die Arachnoiden die Ofener schon längere Zeit aus der Ferne beobachteten und eingehend studiert hatten. Sie hatten einen Translator gebaut, mit dem sie sich auf Interkosmo verständigen konnten. Und sie schickten Chef Karlin ein Gegenstück zu diesem Translator, der es ihm oder jedem beliebigen Ofener erlaubte, sich mit ihnen in ihrer Sprache zu unterhalten.

»Die Sprache der Arachnoiden ist die schönste Sprache des Universums«, behauptete Chef Karlin. Im selben Atemzug herrschte er mich an, ohne dass ich irgendeinen Wunsch geäußert hätte: »Verlange nicht, dass ich dich einweihe. Ihr bekommt alle Unterlagen von uns. Aber zuerst müssen wir den Erstkontakt über die Bühne bringen. Endlich scheint es so weit zu sein.«

Die Arachnoiden mussten technisch ein sehr hoch entwickeltes Volk sein. Aber sie waren noch mehr den schönen Künsten zugeneigt. Sie maßen alles mit der Sensibilität von Künstlern. Sie betrachteten die gesamte Schöpfung als ein einziges gewaltiges Kunstwerk. Aber auch jeder Baustein dieses Universums, von den Galaxienhaufen über die einzelnen Galaxien, die Sonnen und Planeten bis hinab zu den kleinsten Bausteinen, den Atomen, waren nach ihrem Verständnis Kunstwerke für sich.

Auch ihre Technik war Ausdruck und Mittler ihres künstlerischen Schaffens. Sie saßen und handhabten alles unter dieser Perspektive. Jedes noch so unnütz erscheinende Körnchen in diesem Universum war für sie kostbar.

»Die Arachnoiden sind die höchste Lebensform dieses Universums«, versicherte Chef Karlin.

Ich war geneigt, ihm zu glauben, auch wenn er sich seine Meinung nur aus Vermutungen gebildet hatte. Ich hatte sogar den Verdacht, dass diese Wesen etwas von sich auf den Geist der Hanseaten übertragen hatten, so dass selbst er, Hansechef Karlin, dieser ruppige und gar nicht eloquente Pionier, in so schönen und treffenden Worten über sie sprechen konnte. Ich hätte in diesen Tagen viel darum gegeben, die Arachnoiden kennen zu lernen und mich mit ihnen unterhalten zu können.

»Der Holk ist unterwegs zu einer ihrer Welten«, sagte Chef Karlin. »Ich beneide die Mannschaft um die Wunder der Ästhetik, die sie schauen dürfen. Aber irgendwann wird auch mir das vergönnt sein. Ich muss geduldig sein.«

Am fünften Tag kam eine Hyperkomnachricht vom Leichten Holk, der sich offenbar im Anflug auf den zweiten Planeten befand. Denn der Kommandant fragte geradezu hysterisch an, was die fremden Schiffe hier zu suchen hätten. Chef Karlin klärte ihn über die Situation auf.

»Schick sie weg!«, verlangte der Kommandant. »Ich habe unsere Freunde zu einem Besuch unserer Welt überreden können. Sie werden umkehren wollen, wenn sie die Fremden entdecken.«

»Ihr müsst jetzt weiterfliegen«, verlangte Chef Karlin. »Du musst die Scheu der Arachnoiden verstehen. Wenn ihr von eurer Expedition zurückkehrt, wird alles ganz anders aussehen.«

Ich verstand und wusste, wie er es meinte. Aber es lief dann nicht so, wie er es sich vorgestellt hatte.

*

Wir setzten unsere Expedition fort. Über unsere Erlebnisse und unsere Forschungsergebnisse wird an anderer Stelle berichtet. Hier geht es um ganz andere Dinge. Auf dem Rückflug in die Milchstraße machten wir jedenfalls einen Abstecher nach Rumpelstilz.

Niemand antwortete auf unsere Funksprüche, als wir Ofen anflogen. Den Grund für diese Totenstille erfuhren wir nach der Landung. Anstelle der Siedlung fanden wir einen großen verkohlten Krater. Die Häuser waren verfallen, die Felder verwildert, Tiere waren keine mehr zu sehen. Wir fanden keinen einzigen Überlebenden.

Bei der Durchsuchung des wracken Holks fanden wir ein menschliches Skelett. Neben ihm lag eine Art metallene Maske, der Sicht-Sprech-Maske eines Nakken nicht unähnlich. Skelett und Maske nahmen wir zur eingehenden Untersuchung an Bord. Es stellte sich heraus, dass es mit ziemlicher Sicherheit das Skelett von Chef Karlin war. Er musste bald nach unserer Abreise gestorben sein, etwa zur gleichen Zeit, als die Siedlung mit allen Ofenern vernichtet worden war.

Ich machte mir schwere Vorwürfe, dass ich so rücksichtsvoll gewesen war und auf Chef Karlin gehört hatte. Hätte ich meiner Neugierde nachgegeben und auf das Eintreffen der Arachnoiden gewartet, dann hätten sie es vielleicht nicht gewagt, die Ofener zu vernichten.

Oder aber sie hätten mit uns ebenfalls kurzen Prozess gemacht.

Wir fanden auch das Grab des Arachnoiden und nahmen das, was von ihm übrig geblieben war, den Schädel, den Chitinpanzer und die paar Beinreste, zur Untersuchung an Bord.

Da wir auf der Oberfläche des Planeten keine Wrackstücke des Leichten Holks fanden, durchsuchten wir das All. Aber wir fanden keine Spuren des Raumschiffes mehr. Es musste wohl atomisiert oder in die Sonne bugsiert worden sein.

Es stellte sich uns daraufhin die Frage, ob wir den Heimflug fortsetzen sollten, als ob nichts vorgefallen wäre, oder ob wir der Sache auf den Grund gehen wollten.

Ich wollte unbedingt herausfinden, was in die Arachnoiden gefahren sein mochte, dass aus so friedfertigen, ätherischen Geschöpfen plötzlich gnadenlose Mörder geworden waren.

Ich setzte, mit Tiffs Unterstützung und ohne großen Widerstand der Wissenschaftler unter Zerberus, meinen Willen durch.

3.

Perry Rhodan

1. Januar 1200 NGZ

Wenn der letzte Ritter der Tiefe gegangen ist, werden alle Sterne erlöschen ...

Es war seltsam, dass Perry Rhodan gerade jetzt, nach so vielen Jahren, wieder an diese alte Prophezeiung erinnert wurde. Davor war sie ihm nur zweimal in Erinnerung gerufen worden.

Das erste Mal vor 26 Jahren, in Zusammenhang mit der Verwirrung von ES. Das zweite Mal war er vor 13 Jahren damit konfrontiert worden, als er in der Galaxis Norgan-Tur gewesen war und Lethos-Terakdschan und Jen Salik im Dom Kesdschan kontaktiert hatte.

Nicht, dass Perry Rhodan abergläubisch war, aber eigenartig war das Zusammentreffen so vieler ungewöhnlicher Ereignisse zu Neujahr doch. Es handelte sich bloß um Kleinigkeiten, und Rhodan dachte nicht im Entferntesten daran, dass sich die Prophezeiung erfüllen könnte. Es war ja bloß ein Spruch, der wohl kaum wörtlich zu nehmen war. Und in die gleiche Kategorie von Sprüchen einzuordnen wie der, dass die nachlassende Drangwäsche der Haluter ein sicheres Zeichen für deren steigende Dekadenz sein sollte. Icho Tolot hatte herzlich darüber gelacht. Alles Humbug.

Wirklich alles? Oder wollte sich ES bemerkbar machen?

Es war eben so, dass, nach über 25 Jahren der Stille, einige Dinge fast gleichzeitig passierten. Sie mussten nicht unbedingt in Zusammenhang miteinander stehen, aber es war nicht leicht, sie einzuordnen.

Perry Rhodan verbrachte den Jahreswechsel mit fast allen im Solsystem befindlichen Zellaktivatorträgern in Terrania. Zusammen mit Reginald Bull, Gucky, Julian Tifflor und Alaska Saedelaere hatten sie sich auf die Dachterrasse des terranischen Regierungsgebäudes begeben. Von hier aus wollten sie das prächtige Feuerwerk und die eindrucksvolle Lasershow genießen. Nur Myles Kantor war auf Titan geblieben; die anderen Unsterblichen waren über die Milchstraße und die Galaxien der Lokalen Gruppe verteilt.

Perry Rhodan erwähnte seinen Freunden gegenüber nicht einmal, dass einer von Homer Angulins Leuten angerufen und von diesem um ein Interview gebeten worden war. Die Angelegenheit war keiner Erwähnung wert. Rhodan hatte zuvor miterlebt, wie der Reporter gegen verschiedene angesehene galaktische Persönlichkeiten sein Gift verspritzt hatte, und wie er schließlich sogar den Galaktischen Rat der Arkoniden Tydon von Tramis angriff. Für Perry Rhodan war dieser Homer Angulin sowieso kein Unbekannter, und er dachte nicht daran, sich für dessen Tiefschläge als Zielscheibe herzugeben. Er hatte die Verbindung kurzerhand unterbrochen, ohne dass die Freunde etwas von dem Zwischenfall merkten.

Obwohl man sich unbekümmert gab, wollte bei der Begrüßung des neuen Jahrhunderts keine rechte Festtagsstimmung aufkommen. Es herrschte eine besinnliche, fast melancholische Stimmung und eine angespannte Atmosphäre. Dies war vor allem auf Bully und Gucky zurückzuführen.

Reginald Bull war mit Julian Tifflor erst vor zwei Monaten von einer zehn Jahre dauernden Forschungsexpedition zurückgekehrt. Bully machte damals einen sehr mitgenommenen Eindruck; er wirkte seelisch krank und schilderte seine Erlebnisse in den düstersten Farben. Selbst der Tatsache, dass man den Forschungsauftrag erfüllt und das Kosmonukleotid FORNAX-A entdeckt hatte, konnte er kaum etwas Positives abgewinnen.

Mit Bully stimmte seitdem einiges nicht. Er neigte zur Melancholie, zeigte regelrecht Symptome von Gemütskrankheit. Auch Julian Tifflor hatten die Erlebnisse dieser langen Reise gezeichnet, wenn auch längst nicht in dem Maße wie Bull. Letzterer neigte auf einmal zur Hypersensibilität, war leichter erregbar als früher, zog sich aber andererseits immer mehr in sich selbst zurück.

Zu Silvester bemühte er sich zwar, sich nichts von den Dingen, die ihn beschäftigten, anmerken zu lassen. Aber Rhodan entging es nicht, dass er in Gedanken immer wieder abschweifte. Das verriet er Rhodan, als er ihm zwischendurch einmal seltsam verklärt anvertraute:

»Ich kann singen wie ein Arachnoide!«

Und Gucky hatte zu Neujahr eine Eingebung.

Er fieberte der Lasershow förmlich entgegen, ohne erklären zu können, warum.

Es hing jedoch mit dem Auftrag zusammen, den Gucky von ES auf Wanderer bekommen hatte. Wie der Mausbiber schon damals berichtete, hatte ES ihm vorausgesagt, dass es an ihm liegen werde, die Träger für die beiden noch freien Zellaktivatoren zu finden, die ES solange in Verwahrung halten wolle.

ES hatte damals jedoch auch eine Frist genannt und erklärt, dass die beiden Aspiranten für die Unsterblichkeit zwar schon geboren, aber erst in 25 Jahren reif sein würden, die Zellaktivatoren zu empfangen. Gucky war von ES' Aussage besonders beeindruckt gewesen, dass er die Zellaktivatorträger daran erkennen würde, weil sie von seiner Art wären. Welcherart genau, das hatte ES nicht verraten, so dass man diesen Hinweis auf verschiedene Weise auslegen konnte.

Jedenfalls hatte diese Aussage in Gucky gearbeitet. Und wer den Mausbiber kannte, der konnte sich vorstellen, wie schwer es ihm gefallen war, sich in Geduld zu üben.

Perry Rhodan war nicht über alle Unternehmungen Guckys in den vergangenen Jahren zur Auffindung der Zellaktivatorträger informiert. Während dieser beschaulichen Silvesterfeier im kleinen Kreis verriet der Mausbiber jedoch, dass er schon vor fast einem Jahr mit Alaska Saedelaere in dieser Sache eine heiße Spur aufgenommen hatte, die vorerst jedoch ins Nichts geführt hatte.

Als die Projektion der Milchstraße über Terrania erstrahlte, behauptete Gucky plötzlich, eine Art Vision gehabt zu haben und nun zu wissen, wo er nach den beiden vorherbestimmten Zellaktivatorträgern suchen müsse. Gucky und Alaska erzählten, was sie damals, im Februar 1199 erlebt hatten, und der Mausbiber erklärte, dass er während der Laserprojektion der Milchstraße eine Parallelität der Fälle erkannt habe. Er ließ es sich nicht nehmen, dass ES ihm ein weiteres Zeichen gegeben hatte.

Dieses Zeichen hatte außer ihm jedoch sonst niemand gesehen.

Gucky und Alaska Saedelaere brachen noch am Neujahrstag mit ihren Begleitern und der Space-Jet GECKO auf und verließen die Erde mit dem Ziel Yolschor-System.

Der Mausbiber war sicher, dass dies der Weg war, der ihn zu den beiden irgendwo in der Milchstraße lebenden Zellaktivatorträgern in spe führen würde.

Von dieser fixen Idee war der Mausbiber nicht abzubringen. Gucky hatte den Auftrag von ES zu seiner Lebensaufgabe gemacht.

Für Perry Rhodan war dies im Nachhinein nur einer von mehreren nacheinander ablaufenden ungewöhnlichen Vorfällen.

*

Perry Rhodan zog sich später am Neujahrstag in die Stille seines Bungalows am Goshun-See zurück.

Und hier wurde er mit dem nächsten ungewöhnlichen Ereignis konfrontiert:

Voltago hatte sich um 180 Grad gedreht!

Eine weitere Nebensächlichkeit, gewiss. Aber es war die Anhäufung solcher ungewöhnlichen Kleinigkeiten, die ihn nachdenklich stimmte.

Da stand Voltago 26 Jahre im Winkel eines der Gästezimmer im Bungalow am Goshun-See. Unbeweglich. Ohne irgendwelche Lebenszeichen von sich zu geben. In eine Starre verfallen, als hielte er Winterschlaf. Oder wenn man so wollte: Er war wie desaktiviert. Er emittierte lediglich minimale energetische Strahlung unbekannter Natur; die Werte lagen im Nanobereich. So gut wie tot, hatten die Fachleute festgestellt.

Und Voltago hatte dies 26 Jahre durchgehalten. Er hatte sich in all den Jahren um keinen Millimeter vom Fleck gerührt. Er hatte in dieser Zeit nicht ein einziges Mal einen erhöhten Energieverbrauch zu verzeichnen gehabt. Hatte bloß mit dem Gesicht zur Wand in der Ecke gestanden. Wann immer Perry Rhodan ihn aufgesucht hatte, bot sich ihm dasselbe unveränderte Bild.

Und am Neujahrstag stand Voltago auf einmal mit dem Rücken zur Wand. Er hatte sich irgendwann um 180 Grad gedreht, ohne dass die Messgeräte auch nur für den Bruchteil einer Sekunde einen höheren Energieverbrauch registriert hätten. Eine genauere Untersuchung ergab, dass er immer noch, oder schon wieder, Winterschlaf hielt.

Rhodan hoffte, dass diese Kehrtwendung ein erstes Anzeichen Voltagos für eine baldige Rückkehr ins Reich der Lebenden war. Vorerst erfüllte sich diese Hoffnung jedoch nicht.

Rhodan wurde von Voltago abgelenkt, als sein Terminal im Arbeitszimmer anschlug. Anrufer war ein Hanseangestellter, der ihm mitteilte, dass für ihn eine Nachricht ohne Absender eingetroffen sei, und ihn fragte, ob er sie annehmen wolle. Perry Rhodan bejahte, obwohl er von anonymen Sendungen jeglicher Art nichts hielt. Es war reine Intuition, dass er den Empfang dennoch nicht ablehnte.

Gleich darauf stand im Holo seines Terminals folgende Botschaft zu lesen:

Boris Siankow ist ein genialer Allroundwissenschaftler, ein Nexialist aus dem Kantor-Team im Forschungszentrum Titan.

Boris Siankow hat herausgefunden, dass es in den letzten Monaten zu einer Reihe unerklärlicher Störfälle im hyperphysikalischen Bereich gekommen ist. Er hat sie alle aufgezeichnet und in einer Statistik ausgewertet.

Das Ergebnis dieser Auswertung ist Besorgnis erregend. Boris Siankow ist zu dem eindeutigen Schluss gekommen, dass sich im Hyperraum umwälzende Veränderungen abspielen, die sich nachhaltig auf das Standarduniversum auswirken müssen. Es könnte dadurch zu Veränderungen jener universellen Konstanten kommen, die wir als Naturgesetze bezeichnen.

Die Ursachen für diese dramatischen Veränderungen im Hyperraum sind noch ungeklärt, aber Boris Siankow hat eine Reihe möglicher Antworten gefunden, die kein verantwortungsvoller galaktischer Bürger negieren darf. Zusammenfassend kann gefolgert werden:

Durch einen Raubbau an den Kräften des Hyperraums und gewagte hyperphysikalische Experimente auf Titan könnte es zu einer Art Trägheit innerhalb der 5. Dimension gekommen sein, wodurch das Funktionieren der Hyper-Hightech nicht mehr garantiert werden kann.

Die Veränderungen im Hyperraum sind möglicherweise aber in weiterer Folge auch auf das Wirken der Chaotarchen zurückzuführen. Durch die oben genannten Gründe und verschiedene Vorfälle der letzten Jahrhunderte in dieser Mächtigkeitsballung ist es sehr wahrscheinlich, dass die Chaosmächte hier Fuß gefasst haben.

Es ist auch nicht unwahrscheinlich, dass sich in letzter Konsequenz die uralte Prophezeiung erfüllen wird, die besagt: Wenn der letzte Ritter der Tiefe gegangen ist, werden alle Sterne erlöschen! Dies wird sein, wenn die Kräfte des Hyperraums völlig erlahmen.

Boris Siankow sagt weiter: Wenn dieser Fall eintritt, dann haben der Terraner Perry Rhodan und der Arkonide Atlan eine große Mitschuld an dieser Katastrophe. Denn diese beiden Galaktiker waren die letzten Ritter der Tiefe. Doch beide haben sich vor längerer Zeit vom Ritterorden abgewandt. Damit ist die Voraussetzung für das Erlöschen der Sterne erfüllt. Denn es gibt keine Ritter der Tiefe mehr.

Hört auf die Warnungen des Boris Siankow!

Die Botschaft war mit »Ein Freund« gezeichnet. Perry Rhodan konnte sich denken, dass sie von einem rachsüchtigen Reporter stammte, der auf diese Weise seiner Wut über ein verweigertes Interview Luft verschaffte. Perry Rhodan nahm sich dennoch vor, sich mit Myles Kantor über dieses Thema zu unterhalten.

Perry Rhodan konnte seine Absicht, sich mit Myles Kantor in Verbindung zu setzen, jedoch nicht sofort verwirklichen, denn da erreichte ihn ein Hyperkom von Atlan.

Der Arkonide stand gleich darauf als überlebensgroße Laserprojektion vor ihm, zum Greifen nah, lebensecht.

Die Holografie hatte im letzten Vierteljahrhundert einen unglaublichen Aufschwung erlebt. Man brauchte nicht mehr Freunde zu sich einladen, um mit ihnen zu feiern, sondern konnte sich mit ihren holografischen Abbildern begnügen. Das machte kaum mehr einen Unterschied, denn selbst die Illusion von Körperlichkeit konnte simuliert werden.

Der Arkonide war in eine schmucke Kombination von strengem Schnitt und mit militärischen Accessoires gekleidet. Er machte den Eindruck, als wolle er eine Parade abnehmen.

»Du untreue arkonidische Seele«, warf ihm Rhodan mehr im Scherz vor, »wir haben dich in unserer kleinen Runde zum Jahreswechsel vermisst.«

»Ich hatte zu tun«, sagte Atlan knapp; es war ihm anzumerken, dass er nicht anrief, um Neujahrswünsche auszutauschen. »Aber ich habe hier in M 13 nichts Wichtiges versäumt. In den Nachrichten wurde eure Neujahrsshow in Ausschnitten gezeigt. Auch das Interview mit unserem Galaktischen Rat Tydon von Tramis. Kannst du mir sagen, was diese Ratte von einem Reporter eigentlich wollte? Ich will nicht annehmen, dass sich hier eine terranische Hetzkampagne gegen uns Arkoniden zusammenbraut.«

»Wie du schon sagtest, dieser Reporter ist eine Ratte«, erwiderte Rhodan. »Was er über deine angebliche Geheimorganisation äußerte, ist seine Privatmeinung.«

»Aber er hat sie öffentlich kundgetan, so dass die ganze Galaxis sie hören konnte«, sagte Atlan. »Und ich habe vergeblich auf eine offizielle Stellungnahme der LFT gewartet, in der sich die Terraner davon distanzieren.«

Perry Rhodan seufzte.

»Wollen wir das wirklich jetzt und auf diese Distanz diskutieren?«

»Ich bitte darum.«

»Nun«, sagte Rhodan, »man könnte auch sagen, dass dieser Angulin dem Volk nach dem Mund gesprochen hat. Es gibt viele Gerüchte, und nicht nur auf Terra, in denen der GAFIF geheime Umtriebe vorgeworfen werden.«

»An der GAFIF ist überhaupt nichts geheim«, sagte Atlan. »Es handelt sich wirklich nur um eine Organisation, die sich ausschließlich mit Innovation in Wirtschaft, Wissenschaft und Technik beschäftigt.«

»Diese Formulierung lässt der Phantasie breitesten Spielraum«, sagte Rhodan. »Eine genauere Definition gegenüber dem Galaktikum täte Not, um die hartnäckigen Gerüchte über eine arkonidische Nachfolgeorganisation der USO zu entkräften.«

»Das ist doch zu lächerlich, um überhaupt darüber zu ...«

Atlan verstummte. Seine Projektion erlosch. Perry Rhodan hätte sich nichts weiter dabei gedacht. Trotz modernster ausgeklügelter Kommunikationseinrichtungen kam es immer wieder zu Störungen bei der Nachrichtenübermittlung über lichtjahrweite Entfernungen; das Netz war einfach manchmal überlastet, obwohl es permanent ausgebaut wurde. Er hätte diesen Ausfall hingenommen, wenn nicht ein seltsamer Nebeneffekt aufgetreten wäre.

An der Stelle, an der er Atlan hätte sehen müssen, war nun ein seltsames Wallen. Wie von einem Geisterbild, das entsteht, wenn zwei Kanäle einander überlagern. Er sah etwas, das Atlans Schemen sein konnte, aber auch noch etwas anderes, absolut Fremdes. Kein Wesen, kein Ding, sondern einen Zustand. Etwas wie bleierne Starre, eingefrorenes Jetzt, eine konservierte Momentaufnahme von etwas Zukünftigem ... oder sonst etwas irgendwelcher ähnlicher Art. Es war ein schauriger Moment.

Irgendwie hatte Rhodan das Gefühl, als sei eine Instabilität in der Trennwand zwischen den Dimensionen eingetreten, und er könne in einen anderen Bereich blicken, der für seine Sinne nur zu fremdartig war, als dass er etwas hätte erkennen können.

Der Spuk dauerte jedoch nur Sekunden, dann stand wieder Atlans lebensechte Projektion vor ihm. Und der Arkonide fuhr fort, als sei nichts geschehen:

»... diskutieren. Ich bin gerne bereit, dich und jeden Interessierten auf eine Führung durch alle Stützpunkte und Anlagen der GAFIF mitzunehmen. Es gibt zwar einiges, was nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist und einer Geheimhaltung unterliegt. Die Vorwürfe von Forschungs- und Wirtschaftsspionage muss ich allerdings schärfstens zurückweisen. Wir Arkoniden haben es nicht nötig, anderen über die Schulter zu gucken. Wir müssen uns höchstens dagegen schützen, dass andere bei uns abpausen. Dafür gibt es selbstverständlich eine Schutztruppe, aber die Betonung liegt auf Schutz.«

»Ist ja schon gut, ich glaube dir«, sagte Rhodan beschwichtigend. »Ich wollte keineswegs Misstrauen bekunden, geschweige denn Anklage erheben. Immerhin hast du das Thema angeschnitten. Ich meine bloß, dass du ein wenig zu viel der Geheimniskrämerei tust. Was natürlich die Gerüchte nährt.«

»Das kratzt mich nicht«, sagte Atlan lächelnd. »Mein Angebot, dich und eine galaktische Prüfungskommission in die ›Geheimnisse‹ der GAFIF einzuweihen, bleibt bestehen. Aber lassen wir das. Eigentlich wollte ich nur mein Bedauern darüber ausdrücken, nicht zum Jahreswechsel auf Terra gewesen zu sein. Ich mag diesen terranischen Brauch. Erzähle.«

»Du warst nicht der Einzige aus unserem Kreis, der gefehlt hat, Arkonide«, sagte Rhodan. »Außer dass Gucky angeblich eine Eingebung von ES hatte und sich wieder auf die Suche nach den noch ausstehenden Trägern der Unsterblichkeit gemacht hat, gibt es nicht viel zu erzählen. Aber vielleicht interessiert es dich, was mir soeben widerfahren ist.«

Rhodan erzählte von dem Störfall während ihres Hyperkomgesprächs und fügte hinzu:

»Das Seltsamste daran ist, dass du danach lückenlos weitergesprochen hast. Es fehlte nicht ein Wort, kein Bildsegment der Übertragung, obwohl die Störung einige Sekunden dauerte.«

»Ich habe nichts von einer Störung bemerkt«, sagte Atlan nachdenklich. »Ich hatte dich die ganze Zeit über im Bild. Wenn du nicht einer Täuschung zum Opfer gefallen bist, dann ist das allerdings wirklich seltsam. Ob da jemand manipuliert hat?«

»Da ist noch etwas«, sagte Rhodan.

»Ich habe zuvor eine anonyme Nachricht erhalten, in der von einer Fülle solcher unerklärlicher hyperphysikalischer Phänomene gesprochen wurde, die in den letzten Monaten passiert sein sollen. Angeblich gibt es darüber eine Statistik, die ein Nexialist, ein gewisser Boris Siankow aus Myles Kantors Team, aufgestellt hat.«

»Und?«, fragte Atlan.

»Mir ist nichts weiter darüber bekannt«, erwiderte Perry Rhodan. »Ich höre zum ersten Mal von solchen hyperphysikalischen Störfällen. Aber eines ist noch bemerkenswert: Der Unbekannte hat in diesem Zusammenhang auf die alte Prophezeiung hingewiesen, dass alle Sterne erlöschen, wenn der letzte Ritter der Tiefe gegangen ist. Wir waren die beiden letzten Ritter, Atlan.«

»Ich dachte, wir seien es in gewisser Weise immer noch«, meinte Atlan amüsiert. »Du nimmst diesen Unsinn doch nicht ernst?«

»Nein, aber ich werde mich um die Siankow-Statistik kümmern.«

»Tu das«, ermunterte ihn Atlan. »Und lass es mich wissen, wenn du in dieser Sache etwas Interessantes erfahren hast.«

Sie unterhielten sich noch über private Dinge und tauschten noch ein paar Höflichkeiten aus, dann beendete Atlan die Verbindung.

Etwas steht zwischen uns, dachte Perry Rhodan.

4.

Reginald Bull

1189–1199 NGZ

NGC 1400 ist eine elliptische Galaxis mit nur geringer Abplattung, einem Durchmesser von lediglich 10.000 Lichtjahren und einer Masse von rund drei Milliarden Sonnenmassen. Es müsste geradezu ein Kinderspiel sein, auf diesem winzigen kosmischen Fleckchen ein raumfahrendes Volk vom Rang der Arachnoiden zu finden – wenn es sich nicht versteckt und ausgezeichnet tarnt.

Das ist gar nicht mal ironisch gemeint.

Die Sache läuft nämlich so ab, dass man zuerst einmal in den Hyperraum lauscht. Jegliche Hightech basiert bekanntlich auf der fünften Dimension, und die höher entwickelte Raumfahrt sowieso. Ob Transitionstechnik, Linearantrieb oder eine Raumfahrt auf der Basis des Metagravs nützt das Medium Hyperraum, beziehungsweise dessen Librationszonen. Und selbst die Sextadimtechnik hinterlässt ihre Spuren in der 5. Dimension.

Und dann gibt es in den meisten Fällen noch Transmitter und andere stationäre Hyperenergiequellen, die markante Wegweiser sind. Man muss die drei Milliarden Sonnen nur gewissenhaft genug durchmustern und darf sich nicht ausschließlich auf Fernortung verlassen, denn der Hyperraum ist alles andere als ein verlässlicher Ratgeber.

Es gibt auf der unendlichen Bandbreite von Hyperfrequenzen so unzählig viele Signale, dass man oft die gesuchte Botschaft vor lauter verführerischen Einflüsterungen nicht hört. Und je höher entwickelt und sensibler die Ortungsgeräte, desto mehr bekommt man zu hören. Aber es gibt andererseits ausreichend Filtermethoden, die es möglich machen, die Störgeräusche von gezielten Sendungen zu unterscheiden, die natürlichen Sender, wie es die Sterne sind, von den installierten.

Aber mit NGC 1400 war das nicht so einfach. Erstens gab es ungewöhnlich viele Supernovae, und zweitens keinerlei Signale, die sich irgendwie nach Richtfunksprüchen anhörten. Von Strukturerschütterungen und Bebenwellen, wie sie beim Eintreten und Verlassen größerer Körper wie Raumschiffen entstehen, ganz zu schweigen.

Das bedeutete, dass sich die Arachnoiden entweder wirklich gut tarnten, oder dass sie eine so hoch empfindliche und ausgeklügelte Technik verwendeten, dass diese nur wenig Hyperenergie verbrauchte und noch weniger emittierte.

Wir umkreisten die Galaxis im Spiralflug gut ein halbes dutzendmal, schickten eine Unzahl von Sonden aus und machten nicht wenige Stichproben in vielversprechend scheinenden Sonnensystemen, aber alles, was wir fanden, waren junge Novae.

Wir waren schon nahe daran, uns auf ein gewagtes Experiment einzulassen, das heißt, eine Messmethode zu wiederholen, die uns schon einmal beinahe zum Verhängnis geworden wäre.

Das war im Raum von NGC 1316 gewesen, als wir auf die Schnelle den Standort eines mutmaßlichen Kosmonukleotids eruieren wollten. Die FORNAX verfügt nämlich neben dem herkömmlichen auch über einen vektorierbaren Grigoroff. Dieser dient jedoch nicht dazu, die Trennschicht des Multiversums zu durchbrechen und in andere Universen zu gelangen, sondern es war geplant, mit ihm in den Hyperraum einzudringen und diesen von innen her zu erforschen.

Aber leider ist der von Myles Kantor weiterentwickelte Grigoroff noch nicht zuverlässig. Die FORNAX wurde zwischen den Dimensionen hin und her geschleudert, und beinahe hätten wir sie mit Mann und Maus verloren.

Dabei hatte das Leben aller an einem seidenen Faden gehangen.

Wie gesagt, beinahe hätten wir dieses Experiment wiederholen müssen, um die Spuren der Arachnoiden in NGC 1400 aus dem Hyperraum zu verfolgen, doch Zerberus hatte große Bedenken wegen des damit verbundenen Risikos. Der Hyperraum ist wie ein kosmisches Geschichtsbuch, wenn man die richtigen Lesehilfen zur Verfügung hat. Er ist beinahe ein so aussagekräftiger Wissensspeicher wie die Kosmonukleotide, in denen die Informationen über wahre und Welten der Wahrscheinlichkeit, der Vergangenheit und der Zukunft gespeichert sind. Es war zu verlockend, in den Signalen des Hyperraums über das Werden und Vergehen der Sterne und des Lebens zu lesen.

Aber da kam uns der Zufall zu Hilfe und ersparte uns dieses Wagnis. Es war während der Untersuchung der zweiten Nova, dass wir auf eine Art Klangwolke stießen. Plötzlich brandete aus den Lautsprechern der Funkempfänger fremdartige Sphärenmusik. Es war eine schwere, düstere Musik, die in mir Assoziationen von Abschied, Verzicht und Tod erweckte.

Den anderen erging es ähnlich.

Bei der ersten Supernova hatten wir keinerlei ähnliche Entdeckungen gemacht. Wir waren lediglich überrascht, als wir aus den Messergebnissen erfuhren, dass diese erste Nova noch nicht älter als vierzig Jahre sein konnte und sich erst am Beginn der aufsteigenden Kurve befand.

Wären wir nicht von dem ungewöhnlichen Klang gebannt gewesen, der uns in die Gehirne drang, hätten wir an der zweiten Nova die Parallelen zur ersten sofort erkannt. So blieb es Zerberus überlassen, Tiff und mich darauf aufmerksam zu machen. Das lag nicht daran, dass der Kosmologe zu abgebrüht oder unempfänglich für diese Sirenengesänge gewesen wäre, sondern einfach daran, dass die FORNAX nicht von dieser Sendung getroffen wurde, weil sie außerhalb des Richtstrahls stand.

»Diese Nova entstand gleichzeitig mit der ersten«, berichtete Zerberus. »Die Wahrscheinlichkeit, dass beide Ereignisse durch Zufall zum nahezu selben Zeitpunkt ausgelöst wurden, ist eins zu einer Billion.«

Das konnte der erste Hinweis auf das Wirken der Arachnoiden sein. Und nun hatten wir auch eine zweite Fährte. Wo Musik war, musste es auch einen Sender geben. Wir brauchten nur noch den Funkstrahl zu seinem Ursprung zu verfolgen. Das war zwar zeitraubend, aber wir hatten Glück und fanden den Sender in einer Lichtstunde Entfernung.

Es handelte sich um einen kupferfarbenen Kegel von drei Meter Höhe und einem Durchmesser von eineinhalb Metern an der Basis. Zerberus schickte drei Leute aus, die den Kegel untersuchen sollten. Einer von ihnen verlor den Verstand, als er sich an der Spitze des Kegels zu schaffen machte, die beiden anderen blieben daraufhin der Kegelspitze fern und retteten so ihre gesunde Psyche.

Aber sie fanden nichts heraus. Der Kegel ließ sich weder öffnen, noch mit den Handinstrumenten durchleuchten. Er spielte nur einsam vor sich hin. Und plötzlich hörten die Sphärenklänge auf.

Nun war die Versuchung groß, das Ding zur Untersuchung an Bord zu holen. Aber wir entscheiden uns dagegen. Vielleicht handelt es sich um einen Signalgeber, der dazu diente, den Arachnoiden irgendwohin den Weg zu weisen. Vielleicht sollten auch nur Fremde wie wir angelockt werden. Wie auch immer, wir ließen in der Nähe eine robotische Messsonde zurück und folgten der Richtung, die uns der Funkstrahl gewiesen hatte. Dieser führte uns zu einer weiteren Nova, die ebenfalls vor rund vierzig Jahren entstanden war.

Und hier fanden wir eine weitere kegelförmige Jukebox, die noch in Betrieb war. Und deren Sendung führte uns noch tiefer in die elliptische Galaxis hinein und zur nächsten Supernova mit einem weiteren musikalischen Richtungsweiser.

Von dieser entfernten wir uns in einer kurzen Hyperraumetappe nur vierzig Lichtjahre – und siehe da, wir empfingen das Licht einer normalen Soltypsonne. Die Auswertung ergab, dass diese Sonne eine beachtliche Planetenfamilie gehabt haben musste, so zwischen zehn und vierzehn Trabanten.

Nun brauchten wir nur noch in weiteren kurzen Etappen das Licht dieses Sterns zurückzuverfolgen, um die Geburt der Nova optisch beobachten zu können. Dieses Ereignis wurde uns in einer Entfernung von neununddreißig Lichtjahren, zehn Lichtmonaten und neun Tagen geboten. Damit hatten wir den Zeitpunkt vom Sterben dieses Sterns exakt genug bestimmt.

Insgesamt fanden wir 73 solcher Novae, die einst Sonnen mit Planeten gewesen sein mussten. Sie waren über die gesamte Galaxis verstreut und alle fast gleichzeitig vor knapp vierzig Jahren entstanden.

Mit der Auflistung der 73 Novae hatten wir auch die Größe des arachnoiden Sternenimperiums bestimmt.

Aber es musste auch noch ein 74. von den Arachnoiden besiedeltes Sonnensystem geben. Dorthin wiesen uns ebenfalls die Sphärenklänge dieses hier stationierten Musikkegels. Diesen Kegel nahmen wir übrigens mit und verpackten ihn in ein Paratronfeld, damit uns seine Musik nicht verzaubern konnte. Diese Vorsichtsmaßnahme hätten wir uns allerdings schenken können, denn er hörte bald, nachdem wir ihn aufgebracht hatten, zu spielen auf.

Für mich kam diese Maßnahme jedoch zu spät. Ich war den Sphärenklängen längst verfallen.

*

Die Sonne war ein Roter Riese und besaß nur einen einzigen Planeten. Es handelte sich um einen Ringplaneten mit 65.000 Kilometer Durchmesser und einer Methan-Ammoniak-Atmosphäre und somit mit idealen Umweltbedingungen für Maahks. Waren die Arachnoiden ebenfalls Ammoniakatmer?

Der Ring bestand aus kosmischem Staub und den Trümmern eines Himmelskörpers, der einst in etwa die Masse der solaren Venus gehabt haben musste.

Die Zerstörung dieses Mondes war jedoch nicht das Werk der Arachnoiden, und wenn doch, dann mussten sie das vor einer halben Million Jahre getan haben. Und das war unwahrscheinlich, aber andererseits, wer konnte schon sagen, wie alt die Zivilisation der Arachnoiden tatsächlich war?

Wir hofften, bald darüber Aufschluss zu bekommen. Wir machten alle unsere Beiboote klar und flogen mit ihnen voller Erwartungen in die wallende Giftgasatmosphäre von Arachno, wie wir den Planeten getauft hatten, ein. Aber diese Namensgebung erwies sich als Flop, und unsere Erwartungen wurden in keiner Weise erfüllt.

Wir fanden keine Spuren von Zivilisation, keine Gebäude, nicht einmal Anzeichen dafür, dass jemand Eingriffe in die Natur dieser Welt gemacht hatte; nicht einmal das arachnoide Äquivalent einer Coladose.

Natürlich ist es so, dass man eine Welt von dieser Größe nicht zentimeterweise abtasten kann. Aber da der musikalische Wegweiser zu diesem Planeten geführt hatte, hätten wir erwarten dürfen, hier entweder eine Nova vorzufinden oder einen Ort der arachnoiden Zivilisation, der markant genug war, um darüber zu stolpern.

Aber nichts von alldem. Wir ließen in der Atmosphäre etliche fliegende Sonden zurück, die die Oberfläche des Planeten gewissenhafter absuchen sollten, doch versprachen wir uns nicht viel davon. Wir kehrten mit den Beibooten zu den Mutterschiffen zurück. Gerade als ich meinen Shift einschleusen wollte, meldete sich Zerberus, der an Bord der FORNAX geblieben war, um den Planetenring durchzumustern:

»Ich glaube, ich habe im Asteroidengürtel etwas entdeckt. Auf einem der größeren Trümmerstücke, das aussieht wie eine halbierte Banane. Dort gibt es ein beachtliches Vorkommen einer nicht zu analysierenden Metalllegierung. Dabei kann es sich einfach nicht um ein natürliches Vorkommen handeln. Ich gebe die Koordinaten durch ...«

»Bin schon unterwegs!«, sagte ich und ließ den Shift umkehren.

Schon während des Anflugs an den Gesteinsbrocken mit einer Länge von vier Kilometern stellte es sich heraus, dass der Kosmologe fündig geworden war. Die Fernortung zeigte ein künstlich erschaffenes flaches Objekt von fladenartiger Form. Vermutlich handelte es sich um einen Stützpunkt, möglicherweise aber auch um ein gelandetes oder gestrandetes Raumschiff.

»Egal, was du bist«, sagte ich zu mir selbst. »Nur sei arachnoiden Ursprungs.«

Da der Asteroid im Planetenschatten stand und das Objekt zudem noch auf der dem Planeten abgewandten dunklen Seite lag, war optisch noch nicht viel zu erkennen. Aber die Energietaster zeigten beachtliche Werte an.

Das Ding war eine unübersehbare Energiequelle.

Plötzlich gab es in der Energieanzeige jedoch einen deutlichen Phasensprung, der nur auf einen heftigen Energieausbruch zurückzuführen sein konnte. Der Syntron gab Alarm und schaltete automatisch den Schutzschirm ein. Aber für uns bestand keine Gefahr, wir wurden nicht beschossen.

Stattdessen bildete sich im Zentrum des Objekts eine kreisrunde Öffnung und etwas, das durchaus ein Schott sein konnte, wurde unter einer Lichtentladung fortgeschleudert, gefolgt von einer nebeligen Fontäne irgendeiner Atmosphäre.

In Erwartung weiterer Explosionen, die zur Zerstörung des gesamten Objekts führen mussten, bedeckte ich das Gesicht mit den Händen. Wir waren unserem Ziel so nahe gewesen, endlich auf ein intaktes Relikt gestoßen, das Zeugnis über die Zivilisation der Arachnoiden ablegte, da wurde es uns vor der Nase zerstört! Mir kam es geradezu so vor, dass man nur auf unsere Ankunft gewartet hatte, um sich dann vor unseren Augen zu vernichten.

Man sagt mir sicher nicht ganz zu Unrecht nach, dass ich abergläubisch sei. Aber eines lasse ich mir nicht nehmen: Ich glaube an die Macht des Zweckpessimismus! Denn meistens wenn ich schwarzsah, wurde ich angenehm überrascht. So auch diesmal. Es erfolgten keine weiteren Explosionen. Das Ding blieb uns erhalten.

Es handelte sich um ein dreißig Meter langes, zwanzig Meter breites und fünf Meter hohes flaches Oval, das von gleicher kupferner Farbe war wie die Kegelsender, und vermutlich handelte es sich auch um dasselbe Material. Es stellte sich heraus, dass es sich um ein ehemaliges Raumschiff handelte, aus dem der gesamte Antriebsblock fachmännisch entfernt worden war und nun auf dem Asteroiden als Station fest verankert war. Ich funkte die PERSEUS an und bat Tiff, jemanden auszuschicken, um das abgesprengte Schott einzuholen.

Hinter der Schottöffnung herrschte rötlich-dämmeriges Licht. Ich stieg mit drei Mann aus und machte mich an die Durchsuchung des atmosphärelosen Inneren.

Es musste früher mehrere Trennwände gegeben haben, aber die waren alle entfernt worden, so dass eine einzige große Halle entstanden war. Schon der erste Überblick zeigte uns, dass wir auf einen reichen Schatz von Kulturzeugnissen und technischem Gerät gestoßen waren. Die Wände und Gegenstände waren von Resten eines festen Gespinstes beklebt. Nur Lebewesen fanden wir nicht.

Bald darauf erfuhren wir, was aus dem Bewohner dieser kosmischen Klause geworden war. Er hatte sich, ohne einen Raumanzug zu tragen, mitsamt dem Schott abgesprengt. Der Überdruck in seinem Körper hatte ihn im Vakuum förmlich zerrissen. Aber es war dennoch leicht zu erkennen, dass es sich um den Vertreter einer arachnoiden Spezies handelte.

Wir fanden im All auch das Spinnennetz, das mit der entweichenden Atmosphäre ins Freie geschleudert worden war. In diesem hingen die unverdaulichen Überreste eines anderen Arachnoiden und eines vertrockneten Kokons, in dem sich mal die Brut befunden haben musste. Es gehörte wohl nicht viel dazu, sich auszumalen, dass dieser zweite Arachnoide Opfer eines Aktes von Kannibalismus geworden war.

Ich fragte mich, was den kannibalischen Arachnoiden dazu bewogen haben mochte, bei unserer Annäherung Selbstmord zu begehen.

Und warum hatte sein Volk sämtliche besiedelten Planeten in Novae verwandelt? Und was war aus ihnen geworden? Und wie war es möglich, dass dreißig Jahre nach der Auflösung des arachnoiden Sternenreichs die Ofener mit diesen Wesen Kontakt aufnehmen konnten – und von ihnen ausgerottet worden waren? Vielleicht war der Leichnam des letzten Arachnoiden die Antwort darauf.

Wir brachten die sterblichen Überreste der beiden Arachnoiden zur Untersuchung an Bord der FORNAX. Danach hob ein Enterkommando die Station aus der Verankerung und beförderte sie mittels eines Zugstrahls in einen geräumten Hangar des Experimentalschiffs.

Weitere Funde machten wir nicht.

Wir suchten auch nicht weiter.

Es zog uns heim zur Erde.

5.

Perry Rhodan

2. Januar 1200 NGZ

Gleich in aller Frühe rief Perry Rhodan im Forschungszentrum Titan an. Aber man sagte ihm, dass Myles Kantor sich eine Ruhepause gegönnt habe und Reginald Bull mit wichtiger Forschungsarbeit beschäftigt sei, bei der man ihn nicht stören durfte.

Daraufhin ließ er sich mit Julian Tifflor verbinden, doch konnte ihm dieser bei seinem Anliegen, die Arbeit eines Boris Siankow betreffend, nicht weiterhelfen. Tiff schlug ihm vor, einfach zum Saturnmond zu kommen. Rhodan kündigte seinen Besuch für den nächsten Tag an.

Nach Beendigung des Gesprächs sah Rhodan nach Voltago. Aber der Kyberklon hatte kein weiteres Lebenszeichen von sich gegeben und stand immer noch mit dem Rücken zur Wand.

»Was kümmerst du mich schon«, sagte Rhodan herausfordernd zu dem Kyberklon. »Ich habe schließlich wichtigere Probleme zu behandeln.«

Voltago zeigte keine Reaktion, wie nicht anders erwartet. Rhodan zog sich in sein Arbeitszimmer zurück und beschäftigte sich mit dem Thema, das ihm durch die Geschehnisse des Vortags in Erinnerung gerufen worden war.

Wie stand es denn nun mit dieser alten Prophezeiung über die letzten Ritter der Tiefe? Rhodan müsste die Antwort eigentlich kennen, denn er hatte sich informiert ... damals im Jahre 1187 NGZ ...

*

Perry Rhodan hatte sich in den Jahren seit der Neuverteilung der Zellaktivatoren geweigert, ein offizielles Amt zu übernehmen. Dies vor allem deshalb, damit er frei über seine Zeit entscheiden konnte. Er wollte an keinen Dienstplan und nicht an irgendwelche Etikette gebunden sein.

Dennoch war er in den vergangenen fünfundzwanzig Jahren intensiv für die Liga Freier Terraner, das Galaktikum und die Kosmische Hanse tätig gewesen und hatte sich über ein Jahrzehnt kaum einen freien Tag gegönnt.

Es war durchaus möglich, dass Atlans Engagement für sein arkonidisches Volk Rhodan dazu angestachelt hatte, dasselbe für die Terraner und die Galaktiker ganz allgemein zu tun. Er konnte sich diese Frage selbst nicht mit absoluter Sicherheit beantworten, aber was auch immer der Motor für seinen selbstlosen Einsatz gewesen war, es hatte sich gelohnt. Der friedliche Wettstreit kam allen zugute, und die Milchstraße erlebte einen Aufschwung wie nie zuvor. Rhodans Lohn für diesen Einsatz war, dass seine Popularität in einem Maß stieg, das ihn zu ängstigen begann.