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Ein Plädoyer für die Freiheit in unfreien Zeiten!
In einer Ära des Klimasozialismus, Neomarxismus, Genderismus und der völlig irrationalen staatlichen Maßnahmen in der Corona-Krise rücken die Freiheitsgedanken des großen Universalgelehrten und Nobelpreisträgers Friedrich August von Hayek wieder in den Vordergrund und sind aktueller denn je.
Das profunde Autorenkollektiv des Hayek-Clubs Salzburg trägt mit seiner eindrucksvollen Sammelschrift dazu bei, die Tradition des »freien« Denkens fortzuführen, das heute durch vielfältige staatliche Restriktionen ernsthaft in Gefahr ist. Der Band enthält brisante Argumente, mutige Positionen und fachwissenschaftliche Standpunkte mehrerer brillanter Denker zu den verschiedensten »Perspektiven der Freiheit«, die gerade in der heutigen Zeit nicht in Vergessenheit geraten dürfen. Ebenso werden nachvollziehbare Wege aus der Krise aufgezeigt.
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Veröffentlichungsjahr: 2021
Es ist mir eine Freude und Ehre, ein paar Worte zu dieser – in den heutigen Zeiten des Denkchaos und des unentschuldbaren Vergessens – sehr wichtigen Sammelschrift beitragen zu dürfen.
Friedrich von Hayek war für mich – zusammen mit Ludwig von Mises und anderen Repräsentanten verschiedener Generationen der »Österreichischen Schule der Nationalökonomie« – eine der wichtigsten Persönlichkeiten, die mein Denken (und meine Lebensorientierung) beeinflusst haben.
Ich habe ihn leider nur einmal kurz und passiv gesehen. Die Umstände dessen waren fast unglaublich. Als junger Akademiker nahm ich im August 1968 zum ersten Mal an den Alpbacher Hochschulwochen (heute Europäisches Forum Alpbach) teil. Dort habe ich die Zeit der Okkupation meiner Heimat, der damaligen Tschechoslowakei, durch die Truppen des Warschauer Paktes ungewollt verbracht – ich hatte das Gefühl, etwas Wichtiges verpasst zu haben. Am nächsten Tag hielt mein Idol, Friedrich Hayek, in Alpbach eine Vorlesung. Ich musste dorthin gehen, doch in meinen Gedanken war ich in Prag. Die Vorlesung konnte ich deshalb fast nicht mitverfolgen.
Schon damals war Hayek für mich ein Symbol der Freiheit und des freien Denkens. Nicht nur für mich, sondern auch für meine damaligen Freunde und Kollegen in der kommunistischen Tschechoslowakei. In diesem politischen Umfeld war es für uns nicht einfach, Hayeks Schriften zu bekommen, aber sein Werk Der Weg zur Knechtschaft war bei uns in den 1960er-Jahren in vielen inoffiziellen Übersetzungen relativ gut bekannt und verbreitet. Darüber hinaus waren die tschechischen Volkswirte mit Hayeks ökonomischen Büchern und Theorien gut vertraut.
Hayek war in der Geschichte des letzten Jahrhunderts mehrfach relevant – und relevant ist er auch noch heute:
Seit den 1930er-Jahren hat er den protektionistischen Kapitalismus (und Keynes) bekämpft.
In den 1930er-Jahren war er – zusammen mit Mises – die Hauptfigur des Streites mit den Sozialisten über die Unmöglichkeit (oder Undurchführbarkeit) des Sozialismus.
Während des Krieges war sein Werk Der Weg zur Knechtschaft ein Symbol des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus und den Kommunismus.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war er der schärfste Kritiker des Finanzkapitalismus nach US-amerikanischem Modell und des schuldeninduzierten Wohlfahrtsstaates in Westeuropa.
Auch nach dem Fall des Kommunismus war er für mich und für uns bei der Vorbereitung unseres Transformationsprojektes sehr wichtig. Wir wollten die Hayek’sche Liberalisierung der ganzen Gesellschaft, aber keinen neuen Dirigismus und Konstruktivismus. Ganz zufällig hatte ich am Vorabend des Falls des Kommunismus bei uns (am 16. November 1989) eine Rede an der Johannes-Kepler-Universität in Linz gehalten. Dort teilten mir die Professoren der ökonomischen Fakultät ganz freundlich mit, Hayek befände sich nicht mehr auf der »Reading List« für die Studenten. In einer vollen Aula der Universität sagte ich daraufhin Folgendes: »Wenn Hayek in Österreich tot ist, werden wir ihn in Prag bald wiedererwecken.« Selbstverständlich konnte ich in diesem Moment nicht wissen, was am nächsten Abend in Prag geschehen würde.
In der heutigen Ära der massiven Leugnung von Geschichte, Vernunft, Wahrheit (und Kapitalismus), einhergehend mit dem Siegeszug der Ideologien des Environmentalismus (und des Klimasozialismus), des Neomarxismus, des Human-Rightismus und des Genderismus sowie mit den Konsequenzen der Irrationalität der Corona-Krise sollten wir Hayek wieder lesen. Dort steht alles drin.
Hayek wird mit uns bleiben. Wir brauchen ihn (und seine Nachfolger, die die Österreichische Schule der Nationalökonomie weiterentwickeln). Wir werden diese Ideen noch lange Zeit brauchen.
Herbst 2020
Václav Klaus
Wer von Hayek, von Mises, Baader und andere große sozialphilosophische Denker der Österreichischen Schule liest, ist immer wieder erstaunt über die in der Retrospektive sichtbar werdende Treffsicherheit ihrer Voraussagen. Baaders Beschreibung der Finanzkrise, ihrer Entfaltung, ihrer »Bekämpfung« durch die Druckerpresse und des absehbaren Scheiterns aller Rettungsversuche, geschrieben Jahre vor den Ereignissen, die uns seit 2007 beschäftigen, lässt jedem Kundigen den Atem stocken ob der Treffsicherheit seiner Prognose.
Die Prognosen der keynesianischen Zauberlehrlinge geldsozialistischer Planwirtschaft hingegen scheitern selbst dann mit traumwandlerischer Sicherheit, wenn sie, um der Realität nachzuhelfen, das ihnen zu Gebote stehende Gewaltmittel der »Geldpolitik« auf experimentelle Weise zum Einsatz bringen. Das ist seit Jahrzehnten der Fall. Ihr verzweifeltes Anstrampeln gegen das beschworene Gespenst der Deflation, ihr fortgesetztes Scheitern, mit einer Geldflut die ersehnte Inflation zum Anspringen zu bringen, ihr lernbefreites Verharren in der Wiederholung erfolgloser Experimente macht sie zu traurigen Gestalten ihres trügerischen Dogmas.
Woran liegt das? Warum ist der Unterschied zwischen dem Eintreffen der Prognosen libertärer Denker und dem Mainstream einer von der Politik finanzierten, um nicht zu sagen gekauften akademischen Amtsträgerschaft und ihrer Theorieschule so augenfällig?
Das liegt am Wesenskern echter Wissenschaft.
Wissenschaft macht überprüfbare Voraussagen. Das gilt letztlich auch für die Volkswirtschaft. Während die Physik solche nachprüfbaren, empirisch belegbaren oder widerlegbaren Aussagen jedoch in ihren abgegrenzten Systemen in unmittelbarer Ursache-Wirkung-Beziehung darzustellen vermag, kann die Volkswirtschaft dies nicht. Sie kann dies deshalb nicht, weil die Komplexität menschlichen Handelns und die Wechselwirkung des Handelns von Millionen Individuen zu groß ist. Sie schafft ein System, welches in seiner unmittelbaren zeitlichen Wirkung nicht voraussehbar reagiert.
Die sozialphilosophischen Wissenschaften müssen sich daher auf das Verständnis sehr langfristiger Wirkungszusammenhänge beschränken. Man braucht also etwas Geduld, bis man herausfindet, ob man empirisch richtig oder falsch gelegen hat. Dafür ist das Ergebnis dann umso eindeutiger.
Keynes, dem dies durchaus bekannt und bewusst war, ging dem einzigen empirisch wirklich belegbaren Zeithorizont des komplexen Systems »menschliche Gesellschaft« jedoch aus dem Weg mit dem arroganten Satz: »In the long run we are all dead« (langfristig sind wir alle tot). Er und seine Schüler, welche heute auf der ganzen Welt an den Schalthebeln der Politik und der Geldpolitik sitzen und damit absolute Macht ausüben, bringen nicht die erforderliche Geduld auf, um das langfristig Richtige zu tun. Sie müssen kurzfristigen Erfolg haben, und je länger sie mit dem für diesen kurzfristigen Erfolg nötigen Mittel – dem Kaufen von Zeit – die Gesellschaft im Rausch des billigen Geldes einlullen, desto größer werden die Ungleichgewichte, die sich langfristig aufstauen und gegen die sie mit immer größeren Geschützen zu Felde ziehen müssen. Konnte man sich früher mit einem kleinen Konjunkturprogramm ein paar Jahre Zeit erkaufen, so braucht man heute für ein paar Monate Atempause bis zur nächsten Großkrise schon Billionenbeträge.
All das wird am Eintreten von Hayeks Vorhersagen nichts ändern. Denn seine Analyse, seine prophetische wissenschaftliche Gabe reicht viel tiefer in die Substanz, das Gefüge und die Matrix der wirtschaftlichen Realität hinein.
Er stellte nie die Frage: »Was passiert nächste Woche?«
Er stellte viel wichtigere Fragen:
»Was sind die Erfolgsvoraussetzungen einer prosperierenden Gesellschaft?«
»Welche Institutionen müssen wir schaffen, damit diese Erfolgsvoraussetzungen gegeben sind?«
»Welche gesellschaftlichen, politischen Prozesse und Strömungen greifen diese Institutionen an?«
»Wie stehen die Säulen, die diese Institutionen zur Grundlage der freien und wohlhabenden Gesellschaft machen, zueinander in Wechselbeziehung?«
Hayek erkannte, dass angesichts der Antworten auf diese Fragen jede relevante gesellschaftliche Auseinandersetzung auf die Frage »Freiheit oder Sozialismus?« reduziert werden kann. Es ist die Fähigkeit freier Individuen, in einer freien Gesellschaft spontan Ordnung zu erzeugen. Das kybernetische Wesen sozialer Dynamik sorgt für eine inhärente Stabilität, die durch die quasi automatischen Feedbackschleifen auch ein sehr komplexes System langlebig macht. Vor allem aber ist es der Superhyperquantencomputer namens Markt, dessen Rechenkapazität permanent, simultan und ohne Unterlass die für jedes Individuum notwendigen Informationen für die besten Entscheidungen in Form der Preise bereitstellt.
Die Gesellschaft im Hayek’schen Sinne ist so gesehen eine gigantische Maschinerie parallel verlaufender Informationsverarbeitung. Ihre Dezentralität hat Voraussetzungen und Folgen. Die Funktionsvoraussetzungen sind ein schlanker Staat, Gleichheit aller vor dem Gesetz, Rechtsstaatlichkeit, Vertragsfreiheit, Schutz evolutionär entstandener und daher langlebiger Institutionen, Traditionen und Werte (Ehe und Familie, Eigentum, Individualität etc.) sowie die Bereitschaft des Einzelnen, seinen Wünschen die eigene Leistung, den eigenen Fleiß und die eigene Sparsamkeit vorausgehen zu lassen.
Die Folge der daraus erwachsenden Ordnung der Freiheit ist die maximale Realisierung von millionenfachen individuellen Plänen freier Menschen. Diese maximale Realisierung findet ihren ökonomischen Ausdruck in dem abstrakten, daher oft schwer vermittelbaren Begriff der optimalen Faktorallokation beziehungsweise optimalen Ressourcenallokation.
Dank Hayek und anderen Vertretern der Österreichischen Schule wissen wir heute: Nur eine Ordnung der Freiheit erschafft Wohlstand für eine Gesellschaft. Das Entziehen der für sie konstitutiven Erfolgsvoraussetzungen durch die Versuchungen des Sozialismus, seiner Philosophie der Beraubung und der Mühelosigkeit, der Weigerung einzusehen, dass in einer Welt der Knappheit die Redewendung »per aspera ad astra« (Durch Strebsamkeit gelangen wir zu den Sternen) unvermeidlich, zwingend, ja charakterformend ist, bewirkt daher ebenso zwingend das Gegenteil.
Alle Ideen, Maßnahmen und politischen Entscheidungen unserer neosozialistischen Eliten folgen diesem Grundgedanken der Dekonstruktion der Freiheit durch die Zerstörung ihrer institutionellen Voraussetzungen. Ist der abschüssige Pfad erst einmal beschritten, so halten den Sozialismus in seinem Lauf »weder Ochs noch Esel« auf. Hayek hatte erkannt, dass die Freiheit zuerst in kleinen, dann in größeren Schritten und am Ende des Weges mit Siebenmeilenstiefeln erodiert wird. Der beraubende Steuerstaat legt die Fesseln der Gängelei immer enger um seine Opfer. Der Taschendiebstahl der Geldpolitik legt die Maske der ehrenwerten Ziele Vollbeschäftigung und Konjunkturpolitik an und legt sie auf der Zielgeraden der Totalenteignung auch nach Belieben wieder ab.
Die schädlichen Wirkungen dieser Politik sind langfristiger Art. Warum ist das so? Weil der funktionierende Kapitalismus ein Land mit unvorstellbaren Reserven ausstattet, wenn man ihn eine Weile wirken lässt. Erst wenn der Sozialismus, die Planwirtschaft, der Steuerstaat, der Beraubungsfiskus und die Gelddruckerei diese Reserven bis auf den letzten Cent ausgepresst haben, kommt es zur Stunde der Wahrheit.
»Langfristig sind wir alle tot«, konstatierte Keynes. Und langfristig ist unser Gemeinwesen tot, weil unsere Eliten es geschafft haben, der Mehrheit des Volkes einzuimpfen, dass »langfristig« so weit in der Zukunft liegt, dass es für sie nicht mehr relevant sein würde. Eine Versuchung in einer kinderlosen Gesellschaft ohne Bindung und ohne Mut.
Aber langfristig ist jetzt. Die Stunde der Wahrheit ist da. Hayek und seine Mitstreiter in der Österreichischen Schule haben recht behalten.
Ist dies das Ende der Geschichte? Nein, das ist es nicht. Denn die einzig den Namen Wissenschaft verdienende Schule der Volkswirtschaft, die Hayek mitbegründet hat, hat uns auch mit dem Rezept versorgt, wie wir wieder aus dem Schlamassel herauskommen. Erst im totalen Scheitern werden die hungrigen Massen die Propheten des Marktes und der Freiheit zum Zuge kommen lassen.
Wenn es so weit ist, sollte allerdings eines klar sein: Wir müssen die Freiheit in einer neuen Verfassung so tief verankern, dass der nächste Angriff des Sozialismus es nicht mehr so leicht haben wird, egal, ob das Schreckgespenst zu seiner Machtergreifung die irrige sozialistische Verelendungshypothese, das Schreckgespenst des imaginierten Klimawandels, die Bedrohung durch Viren oder eine erfundene kosmische Gefahr sein wird.
Es ist diese Verfassungsdebatte, auf die sich die Schüler und Nachfolger Hayeks nun intensiv vorbereiten müssen. Diese Krise birgt eine enorme Chance. Lassen wir sie nicht verstreichen!
Der Hayek-Club Salzburg wurde 2014 gegründet – zum 40-jährigen Jubiläum der Verleihung des Alfred-Nobel-Preises für Wirtschaftswissenschaften an Friedrich August von Hayek – den Namenspatron des Clubs. Aus einem gut besuchten Gesprächskreis entwickelte sich der Hayek-Club Salzburg schnell zu einem Verein mit regelmäßigen Vortragsveranstaltungen und Diskussionszirkeln.
Der Hayek-Club hat zum Ziel, zeitaktuelle Themen anzusprechen und diese aus der Perspektive der Österreichischen Schule der Nationalökonomie zu diskutieren. Dadurch sollen freiheitsorientierte Sichtweisen und Alternativen gegenüber den Hauptstrommedien, keynesianischen Wirtschaftstheorien und freiheitsfeindlicher Propaganda geboten werden.
Im Sinne von Hayek und weiteren Denkern der Austrians wird die freiheitliche Philosophie einer ökonomischen Ordnung vertreten.
Hierzu zählen zum Beispiel: eine Regelgerechtigkeit (also gleiche Regeln und Gesetze für alle – keine Bevorzugung oder Benachteiligung Einzelner), Entscheidungsfreiheit des Einzelnen am Markt, freies Unternehmertum, unantastbares Recht auf persönliches Eigentum (auch auf den Ertrag der persönlichen Arbeitsleistung, insbesondere auf die Unantastbarkeit des eigenen Körpers) sowie ein sich natürlich entwickelndes Preissystem, verbunden mit einem freien oder zumindest wertgedeckten Währungssystem.
Mittlerweile darf der Hayek-Club Salzburg auf eine umfangreiche Anzahl spannender und interessanter Vortragsveranstaltungen zurückblicken, die von großartigen Gastreferenten abgehalten wurden. Um all diese wichtigen Beiträge, Argumente, Positionen und fachwissenschaftliche Standpunkte nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, wurde dieser Band zusammengestellt und gefüllt mit verschiedensten Perspektiven der Freiheit. Darum sind in diesem Band ausschließlich Beiträge von Referenten des Hayek-Club Salzburg zu finden.
Die hier gesammelten Beiträge wurden teilweise in Form eines Essays, bei dem bewusst auf Zitate, Fußnoten etc. verzichtet wurde, teilweise aber auch in Form eines wissenschaftlichen Fachartikels mit Quellenverzeichnis erstellt. Die Entscheidung über die Form des Artikels wurde den Autoren selbst überlassen. Entscheidend jedoch ist die stringente und logische Argumentation zu den jeweiligen Themengebieten, und diese Anforderung wurde von allen Autoren erfüllt.
Zum Schreibstil sei noch angemerkt, dass fast alle Autoren auf einen Genderschreibstil verzichtet haben – dieser würde den Text verunstalten und den Lesefluss stören. Diesbezüglich gab es ebenso keine Vorgaben, denn es ist selbstverständlich, dass die Verwendung der deutschen Sprache in ihrer korrekten Form keine Geschlechter bevorzugt oder benachteiligt.
Der Hayek-Club sieht sich als Forum unterschiedlicher Sichtweisen von freiheitsorientierten und liberalen Positionen, insbesondere aber, wie bereits erwähnt, von Positionen der Österreichischen Schule. Daraus ergibt es sich, dass die Autoren in diesem Band auch unterschiedliche Perspektiven der Freiheit beschreiben können, die in manchen Punkten vielleicht auch voneinander abweichen. Das ist durchaus so gewollt. Wesentlich bedeutender sind die gemeinsamen Überschneidungen der freiheitlichen Sichtweisen.
Diese freiheitlichen Sichtweisen können unter anderem argumentative Positionen des Neoliberalismus, Ordoliberalismus, klassischen Liberalismus, der Naturrechtslehre, der Christlichen Soziallehre und schließlich auch des Anarcho-Kapitalismus (Privatrechtsgesellschaft) vertreten oder auch eigene, davon unabhängige Überlegungen beinhalten. Was alle Referenten des Hayek-Clubs, ebenso wie die Autoren und Positionen in diesem Band, jedoch eng miteinander verbindet, ist ihr aufrichtiges Engagement, ihr Einsatz und Wunsch nach Freiheit. Dieses ehrliche und verbindende Bestreben macht den vorliegenden Band besonders wertvoll, um Freiheit aus unterschiedlichen Perspektiven möglichst objektiv und umfangreich zu erörtern.
Dazu gehört nicht zuletzt, auf die Gefahren eines drohenden Freiheitsverlustes hinzuweisen und vor wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fehlentwicklungen zu warnen. Hierbei sind die Prognosen der Austrians besonders treffsicher. Ebenso werden aber auch Auswege aus der Krise aufgezeigt.
Ziel ist es, die unterschiedlichen Stimmen und Perspektiven der Freiheit unter einem gemeinsamen Nenner miteinander zu verbinden. Wir sind der Überzeugung, dass jeder Schritt in Richtung Freiheit allen Menschen zum Nutzen gereicht. So wie in der Entwicklung der Menschheit scheinbar eine andauernde Diskrepanz zwischen Krieg und Frieden, Gut und Böse, Armut und Wohlstand vorherrscht, gibt es insbesondere auch den über allem stehenden Konflikt zwischen Freiheit und Unfreiheit.
Freiheit ist womöglich der positivste wünschenswerte Zustand, vergleichbar mit anderen positiven Begriffen wie Liebe, Friede, Wohlstand oder Selbstverwirklichung.
All diese positiven Zustände sind – zumindest indirekt – miteinander verbunden: In einer Gesellschaft, in der Liebe vorherrscht (gemeint ist Respekt vor dem Menschen und dessen freier Entfaltung – also Freiheitsrechte), herrscht automatisch auch Freiheit vor. Und wo Freiheit besteht (also auch freie Marktwirtschaft), entwickelt sich automatisch unermesslicher Wohlstand.
Im Umkehrschluss bedeutet das, dass nur dort, wo keine Liebe (Respekt, Menschen- und Eigentumsrechte) vorherrscht, eine Beschneidung der Persönlichkeitsrechte (Verlust von Freiheit) möglich ist, woraus auch zwangsläufig eine Verarmung und der Verlust von Wohlstand folgt.
Dieser Indikator lässt sich überall auf der Welt gleich gut anwenden und ist auch leicht zu beobachten: Je mehr Armut in einem Land vorherrscht, umso unfreier sind im Regelfall die Menschen. Und je regelmäßiger oder stärker eine Wirtschaftskrise auftritt, umso unfreier ist das zugrunde liegende System, in dem diese verursacht wird.
Regierungen fällt es leicht, Freiheiten zu beschneiden, wenn dies von der Allgemeinheit akzeptiert wird. Allerdings ist es umgekehrt extrem schwierig, verlorene Freiheiten wieder zurückzugewinnen. Darum ist es entscheidend, sich der Bedeutung des hohen Gutes der Freiheit bewusst zu werden, aber auch ebenso notwendig, deren möglichen kontinuierlichen Verlust zu erkennen.
Ich hoffe, liebe Leser, dass auch für Sie in diesem Band eine oder mehrere Positionen behandelt werden, die für Sie ansprechend und überzeugend sind und Ihnen als Impulsgeber für eine freiheitliche Sichtweise dienen.
Die Freiheit braucht Unterstützung und (friedliche) Verteidiger. Lassen Sie sich von diesem Band inspirieren, der eine schöne Breite und Tiefe von Perspektiven der Freiheit bietet, aber auch auf deren Feinde und Bedrohungen hinweist.
Die »Österreichische Schule« war lange Zeit die dominierende wirtschaftswissenschaftliche Lehrmeinung. Die Vordenker der Österreichischen Schule, die in den USA als Austrians bezeichnet werden, orientieren sich an den Grundsätzen des klassischen Liberalismus und betonen die ethische Bedeutung von Markt und Wettbewerb – als Voraussetzung für Wohlstand, der wiederum die persönliche Freiheit des Einzelnen sichert. 1
Fast schon vergessen, aber dennoch aktueller und bedeutender als jemals zuvor – diese Definition trifft wohl präzise auf die sogenannte »Österreichische Schule der Nationalökonomie«, auch »Wiener Schule« genannt, zu.
Diese philosophische und ökonomische Denkschule hat zahlreiche große und bekannte Denker hervorgebracht, dennoch wird sie heute an Universitäten, in Wirtschaftsstudien oder in öffentlichen Medien kaum gelehrt, bestenfalls am Rande erwähnt – und dies meist mit negativer Konnotation. Selbst den meisten Ökonomieprofessoren der Gegenwart sind die Theorien der Österreichischen Schule kaum geläufig, da in erster Linie die Thesen des »Deficit Spending« und des staatlichen Interventionismus von John Maynard Keynes beziehungsweise von dessen inhaltlichem Vordenker, Silvio Gesell, gelehrt werden. Diesen Theorien stehen die klassisch-liberalen Ansätze der Austrians, dessen bekanntester Vertreter wohl Friedrich A. v. Hayek war, fundamental entgegen.
Die Österreichische Schule entstand im späten 19. Jahrhundert. Zu dieser Zeit war Wien ein Zentrum bedeutungsvoller intellektueller Aktivitäten und Figuren, deren wissenschaftliche Erkenntnisse eine prägende Wirkung hatten. Beispiele hierfür sind Sigmund Freud (Psychologie), Gustav Klimt (Kunst), Arnold Schönberg und Gustav Mahler (Musik), Theodor Billroth (Medizin) oder Ludwig Wittgenstein (Philosophie). Aber darüber hinaus wurde zu dieser Zeit in Wien auch die moderne Ökonomie entwickelt. Das einzelne freie Individuum mit seinen konkreten Handlungen auf der mikroökonomischen Ebene steht im Mittelpunkt dieser ökonomischen Theorien.
Eine Gruppe führender Ökonomen, Carl Menger, Eugen Böhm von Bawerk und Friedrich Wieser, definierte die ökonomischen Prinzipien neu. Diese Denker vertraten die Sichtweise einer natürlichen Ordnung durch den Markt, wo die Bedürfnisse und Wünsche der einzelnen Individuen optimal befriedigt würden. Methodisch lehnten sie die damals bei ihren Kollegen vorherrschenden mechanisch-deterministischen Ansätze und Methoden ab und bevorzugten pure Wirtschaftswissenschaft, also die methodische Untersuchung des Handelns von Menschen und deren Vorlieben. Impulsgeber hierzu war Carl Menger mit seinem 1871 erschienenen Werk Theorien der Volkswirtschaftslehre2 , in dem er die Theorien des Grenznutzens ausarbeitete.
Die damals dominierende ökonomische Lehrmeinung war die »Deutsche Schule« oder »Historische Schule«, als dessen Hauptvertreter Prof. Gustav Schmoller galt. Deren Methodik war rein induktiv, unwissenschaftlich und lehnte jegliche Theorie ab. Nach dieser Lehre konnten Erkenntnisse nur aus der Beobachtung gezogen werden. Um jedoch an »Forschungsgelder« zu gelangen, sprachen Vertreter der Deutschen Schule dem Regenten oft das Wort und versuchten für gute oder schlechte Handlungen der Herrschaft im Nachhinein »wissenschaftliche« Begründungen zu geben. Schlussendlich entwickelten sie sich in eine stark linkslastige Denkrichtung und orientierten sich sogar an Karl Marx. Aus diesen Gründen kam es auch zu einem akademischen Konflikt mit Carl Menger und seinen Nachfolgern, woraus die Bezeichnung »Österreicher«, »österreichisch« oder »Wiener« stammt. Diese Bezeichnung war argwöhnisch und abwertend gemeint. Doch das Blatt drehte sich schnell, als die Deutsche Schule immer mehr an Einfluss verlor und nunmehr die Österreichische Schule wegen ihrer präzisen Voraussagen stark an Zuspruch gewann.
Die Theorien der Österreicher (oder Austrians) wurden von zahlreichen nachfolgenden Vertretern weiterentwickelt, überprüft und bewiesen. Vermutlich hat die Österreichische Schule mehr für die Entwicklung von Wohlstand beigetragen als irgendeine andere Denkrichtung jemals zuvor. Die meisten wichtigen Themen heutiger wirtschaftlicher Diskussionen drehen sich rund um Ideen, die von der Österreichischen Schule bekannt gemacht wurden.
Die Österreichische Schule gilt als die wichtigste philosophisch-ökonomische Lehre, die dem Geld wieder einen festen Wert zuspricht und es nicht deckungslos vermehren möchte, wie es heute der Fall ist. Dieser zentrale Aspekt hinter all unseren Problemen wird immer noch zu wenig in der Öffentlichkeit angesprochen.
Des Weiteren vertritt die Österreichische Schule den Aspekt einer Regelgerechtigkeit in einer freien Wirtschaftsordnung und kritisiert staatliche Regulierungen des Wirtschaftsflusses. Diese führen nachweislich, über den Weg von Bevorzugung oder Benachteiligung einzelner Individuen oder Gruppierungen, zwangsläufig immer zu einer Verarmung der Gesellschaft. Hierzu zählen neben anderen Regulierungsformen insbesondere Zwangsenteignungen durch überbordende Steuer- und Abgabensysteme oder falsche Geldpolitik.
Es wird dargestellt, dass im Gegensatz zur Meinung und Vorgehensweise unseres aktuellen Systems Wirtschaft – und somit Wohlstand – nicht in erster Linie durch Konsumation, sondern zuerst durch Produktion entsteht. Hierfür ist die Freiheit des Unternehmertums und des Warenverkehrs notwendig. Eine Beeinflussung durch staatliche Anreize, wie etwa Zinsmanipulationen (Zinssenkungen, um den Konsum zu fördern), Geldumverteilungen, zum Beispiel von erfolgreichen auf nicht erfolgreiche Sektoren, oder die künstliche Vermehrung des Papiergeldes (»Fiatgeld«), ruiniert die Wurzeln des natürlichen Wohlstandsflusses einer Gesellschaft.
Bekannte Vertreter dieser Schule waren u. a. Carl Menger (1840–1921), Eugen Böhm von Bawerk (1851–1914), Friedrich v. Wieser (1851–1926), Ludwig von Mises (1881–1973), Joseph A. Schumpeter (1883–1950), Leo Schönfeld-Illy (1888–1952), Gottfried Haberler (1900–1995), Oskar Morgenstern (1902–1977) oder Fritz Machlup (1902–1983).
Auch heute gibt es zahlreiche Ökonomen der Österreichischen Schule, die ihre Erkenntnisse weltweit publizieren. Hierzu zählen Gerd Habermann, Peter Boettke, Jörg Guido Hülsmann, Jesús Huerta de Soto, Philipp Bagus, Steven Horwitz, Hans Hermann Hoppe, Thorsten Polleit, Markus Krall und viele mehr.
Der populärste Repräsentant dieser Denkschule war beziehungsweise ist vermutlich Friedrich August von Hayek (1899–1992), nicht zuletzt deshalb, da ihm 1974 der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften verliehen wurde. Hayek lieferte, neben seinen Vorgängerkollegen, wie zum Beispiel Ludwig von Mises, einen fundamentalen ökonomischen und sozialphilosophischen Beitrag als Wegbereiter einer freien Gesellschaft.
Und so wie Mises der argumentative Gegner von Karl Marx war, so gelten Hayeks Erkenntnisse als Gegenpol zur aktuell praktizierten schuldeninduzierten Wirtschafts- und Währungspolitik und zu deren Vordenker John Maynard Keynes.
Unter Hayeks zahlreichen Büchern und Publikationen gilt The road to serfdom (1944), dessen deutsche Übersetzung Der Weg zur Knechtschaft 1945 erschien, als sein bekanntestes Werk. Dieses populärwissenschaftliche Werk, das er speziell »den Sozialisten in allen Parteien« gewidmet hat, ist das Ergebnis von Hayeks Bemühen, seine freiheitsphilosophischen Erkenntnisse der Allgemeinheit zugänglich zu machen und verständlich aufzubereiten. Speziell die Einsicht, dass Freiheit nicht schlagartig, sondern schleichend unterminiert wird und schließlich verloren geht, gepaart mit der durchaus gut gemeinten Absicht, soziale Ziele zu erreichen, ist eine wichtige Aussage dieses Werkes. Die Indikatoren des Freiheitsverlustes werden klar und verständlich definiert. Interessant ist ebenso, dass das Buch wegen seiner anti-sowjetischen Haltung auch 1947 noch im Westen verboten war.
In dieser fundamentalen Analyse bleiben nur zwei Optionen bestehen, entweder:
Markt (also Freiwilligkeit und in der Folge Wohlstand aller Individuen), oder
Befehl (Unterordnung und Knechtschaft, schließlich modernes Sklaventum).
Vermutlich hat aus diesem Grund auch Hayeks Schüler, Roland Baader, eine seiner zahlreichen Buchpublikationen genau mit diesem Titel versehen: Markt oder Befehl3 .
Aus unserer Perspektive bieten Hayek und die Vertreter der Österreichischen Schule die richtige Antwort.
Eine schulische Denkrichtung hat den Anspruch, sich von anderen Denkrichtungen abzugrenzen und sich mit eigenständigen Herangehensweisen zu etablieren.
Die Österreichische Schule sieht ein gesamtwirtschaftliches Resultat als die Summe der kleineren Einzelentscheidungen und Handlungen. Zu deren Ableitung sind rational logische Methoden notwendig. Bei den Untersuchungen stehen die Individuen im Mittelpunkt. Aus Sicht der Austrians führen Ableitungen aus höheren mathematischen Gleichungen zu falschen Rückschlüssen in der Ökonomik.
Eine spezielle Methodik der Österreichischen Schule, die insbesondere auch logische Ableitungen mit einbezieht, nennt sich Praxeologie.
Die Methodik der Praxeologie wurde von Ludwig von Mises entwickelt, in seinem Werk Nationalökonomie4 beschreibt er praxisnah die wissenschaftliche Herangehensweise. Praxeologie hat zum Ziel, Erkenntnisse zu gewinnen, die uns helfen, die Welt allgemein besser zu verstehen. Es wird erklärt, wie Menschen handeln und warum sie dies so und nicht anders tun. Hierbei wird jedoch nur absichtliches Handeln berücksichtigt, reflexartiges oder unterbewusstes Handeln bleibt außen vor.
Nach Mises ist Ökonomik die Wissenschaft des menschlichen Handelns. Mises schreibt: »Das Handeln ist des Menschen Wirkung in der Welt in ihrer unendlichen Fülle und Mannigfaltigkeit. Mit dieser Unendlichkeit und Mannigfaltigkeit haben wir uns in unserer Wissenschaft in der Weise zu befassen, daß wir ihre reine Form betrachten, die von allem Materialen entleert ist und doch alles Materiale umschließt. Die reine Form ist aber nichts anderes als die Gesetzmäßigkeit der Erscheinungen.« 5
Der Sozialphilosoph Hans-Hermann Hoppe erklärt: »Es ist hinreichend bekannt, dass die Österreichische Schule sich von anderen ökonomischen Traditionen – wie etwa der Historischen Schule, den Keynesianern, Monetaristen, Public Choice-Theoretikern, Institutionalisten und Marxisten – grundlegend unterscheidet. Besonders deutlich zeigt sich dieser Unterschied in den ökonomischen Grundsätzen und Methoden. Ungeachtet dessen kommt es zeitweilig zu Allianzen zwischen den ›Österreichern‹ und speziell der Schule von Chicago sowie den Public Choice-Leuten: Ludwig von Mises, Murray N. Rothbard, Milton Friedman und James Buchanan etwa findet man oft als Verbündete, wenn es darum geht, die Ökonomik des freien Marktes gegen seine ›liberalen‹ und sozialistischen Kritiker zu verteidigen.« 6
Man unterteilt die Vertreter der Österreichischen Schule ab der Gründung in drei Hauptgenerationen, danach folgen die neue oder vierte Generation und deren aktuelle Vertreter bis heute.
Gründer:
Carl Menger (1840–1921)
1. Generation (inkl. Carl Menger)
Eugen Böhm von Bawerk (1851–1914)
Friedrich von Wieser (1851–1926)
2. Generation
Ludwig von Mises (1881–1973)
Joseph A. Schumpeter (1883–1950)
Leo Schönfeld-Illy (1888–1952)
3. Generation
Friedrich A. von Hayek (1899–1992)
Gottfried Haberler (1901–1995)
Oskar Morgenstern (1902–1977)
Fritz Machlup (1902–1983)
Neuere Generationen und aktuelle Vertreter:
Murray N. Rothbard (1926–1995)
Roland Baader (1940–2012)
Hans-Hermann Hoppe
Jörg Guido Hülsmann
Thorsten Polleit
Gerd Habermann
u. v. m.
Einige ausgesuchte Vertreter sollen im Folgenden kurz vorgestellt werden.
Als Gründervater der Österreichischen Schule der Ökonomie gilt Carl Menger (1840–1921). Im Jahr 1871 schuf er mit seinem Werk Grundsätze der Volkswirtschaftslehre7 das intellektuelle Fundament für das weitere Schaffen der »Österreicher«. Seine Hauptthese darin besagt, dass der Wert eines Gutes nicht durch objektiv bestimmbare Faktoren entsteht, wie etwa Arbeit oder Materialkosten, sondern durch subjektive Wertschätzungen von Individuen gegenüber dem Produkt. Mit anderen Worten: Der objektive Wert eines Gutes wird nach dem Bedürfnis nach selbigem bemessen, nicht jedoch nach dem Wert der Produktions- oder Materialkosten.
Menger wird als Begründer der Grenznutzentheorie gesehen, auf deren Erkenntnis die gesamte moderne Ökonomie aufbaut.
Im Methodenstreit bezog Menger eine Gegenposition zur Deutschen Historischen Schule, die ökonomische Gesetze leugnete – Menger behielt im Methodenstreit recht.
Als Nachfolger von Carl Menger gilt Eugen Böhm von Bawerk (1851–1914). Mit seinen Publikationen über Kapital- und Zinstheorie etablierte er sich als geistiger Gegner und ökonomischer Widersacher von Karl Marx. Zu seinen bekanntesten Werken zählen Kapital und Kapitalzins. Erste Abteilung8 (1884) und Kapital und Kapitalzins. Zweite Abteilung9 (1889). Er bekleidete Professuren in Wirtschaftswissenschaften an den Universitäten Innsbruck und Wien (WU). Zudem war er dreimaliger österreichischer Finanzminister (1895, 1897–1898, 1900–1904). Sein Hauptziel als Finanzminister war ein ausgeglichener Staatshaushalt. Hierbei achtete er auf eine strikte Einhaltung der Golddeckung der österreichischen Währung.
Böhm von Bawerk war auf der österreichischen 100-Schilling-Banknote abgebildet. Neben Adam Smith ist Böhm von Bawerk somit der einzige Ökonom, der auf einem Geldschein erschien.
Der bekannteste Schüler Böhm von Bawerks und Carl Mengers war Ludwig von Mises (1881–1973). Besonders herausstechend an seinem Schaffen war die Erkenntnis, dass Angebot und Nachfrage nicht nur den Preis von Gütern und Dienstleistungen bestimmen, sondern auch den Preis von Zahlungsmitteln. Dank seiner Erkenntnisse und Einflüsse konnte in den 1920er-Jahren eine Hyperinflation in Österreich abgewendet werden.
Im Mittelpunkt der ökonomischen Erkenntnis steht das menschliche Handeln. Ebenso wie seine Vorgänger hat sich auch Mises als Gegenspieler des Sozialismus behauptet. Bereits in den 1920er-Jahren sagte er prophetisch den Zusammenbruch des Sowjetkommunismus in einer Zeitspanne von 50 bis 70 Jahren voraus.
Der Namensgeber vom Hayek-Club Salzburg, Friedrich August v. Hayek (1899–1992), ist wohl der prominenteste Vertreter der Österreichischen Schule. Insbesondere wohl auch deshalb, da er 1974 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhielt. Den Preis erhielt er für eines seiner früheren Werke Preise und Produktion, in dem er die schädlichen Wirkungen staatlicher Geldpolitik auf die stabile Entwicklung einer Volkswirtschaft darlegte.
Wesentlich bekannter wurde sein Werk The Road to Serfdom (Der Weg zur Knechtschaft)10 , das 1944 erschien. Hierbei hat er bewusst auf einen ausgedehnt wissenschaftlichen Schreibstil verzichtet, um zu gewährleisten, dass die vermittelten Informationen auch für »Nichtökonomen« und für die Allgemeinheit verständlich sind. Anhand seiner Erkenntnisse zeigte er auf durch welche Methoden die Freiheit der Menschen untergraben wird, bis sie sich schließlich in einem totalitären Zwangssystem wiederfinden. Der Weg zur Knechtschaft wurde in vielen Ländern lange Zeit verboten, da das Buch von Sozialisten und Kommunisten (speziell in der Sowjetunion) zensiert wurde.
Obwohl Hayek als Befürworter eines demokratischen Minimalstaates gilt, warnt er zugleich davor, dass dieser seine Kompetenzen stark ausweiten und somit Freiheitsrechte eindämmen könnte und diese Maßnahmen allgemeine Akzeptanz finden könnten. Im minimalistischen Ansatz einer Demokratie liegt ihm besonders die Gewährung der persönlichen Sicherheit nahe: »Nun kommt es uns ganz gewiss nicht in den Sinn, aus der Demokratie einen Fetisch zu machen. Es kann sehr wohl sein, dass unsere Generation die Demokratie zu viel im Munde führt, ohne genügend die Werte im Auge zu haben, denen sie dienen soll. Von der Demokratie gilt nicht, was Lord Acton mit Recht von der Freiheit gesagt hat, nämlich dass sie kein Mittel zu einem höheren politischen Zweck sei, sondern höchster politischer Selbstzweck, dass sie nicht im Interesse einer guten öffentlichen Verwaltung erforderlich sei, sondern dafür, die Erreichung der höchsten Ziele der bürgerlichen Gesellschaft und des Privatlebens zu sichern.« 11
Hayeks Werk Die Verfassung der Freiheit12 , das 1960 unter dem englischen Originaltitel The Constitution of Liberty erschien, ist der Entwurf einer optimalen Funktionsweise einer demokratischen Gesellschaft.
In weiteren Publikationen, wie zum Beispiel Die Anmaßung von Wissen oder Hayeks letztem Buch Die verhängnisvolle Anmaßung, wird dargelegt, warum nur Individuen für sich selbst die bestmöglichen Entscheidungen treffen können, nicht jedoch Politiker mit ihren Regulierungsinstrumenten wie Marktbeeinflussung oder – in letzter Konsequenz – Planwirtschaft.
Nach dem Studium in Wien lehrte Hayek in London, Chicago, Freiburg und Salzburg. 1947 gründete er die Mont Pèlerin Society.
Friedrich A. von Hayek ist als Ökonom und Sozialphilosoph eine Ausnahmegestalt in der Wirtschaftswissenschaft. Nicht erst seit der Schulden- und Finanzkrise genießen die Arbeiten des Wirtschaftsnobelpreisträgers, die von der Konjunkturtheorie bis zur Theorie der kulturellen Evolution reichen, wieder starkes Interesse.
Hayeks großes, immer wiederkehrendes, von verschiedenen Seiten beleuchtetes Thema war die gesellschaftliche Koordination – und von diesem breiten Spektrum bildet der Markt für den Austausch von Gütern und Leistungen im engeren Sinne nur einen Ausschnitt. Hayek war dementsprechend nicht nur ein Meister der Konjunkturtheorie, der Geldtheorie, der Kapitaltheorie und der Markttheorie, er ersparte sich auch schwierigste psychologische, erkenntnistheoretische und politökonomische Fragen nicht. Eine solche Spannbreite hielt er für unerlässlich.
Hayeks anspruchsvolles, weit gespanntes, aus dem »Mainstream« der Wirtschaftswissenschaften bis heute weit herausfallendes Forschungsprogramm ist wichtiger denn je. Im Gegensatz zu Keynes suchte Hayek nicht kleinteilig und kontextabhängig nach kurzfristig wirksamen Politikoptionen, sondern er rang um ein konsistentes systemisches Verständnis gesellschaftlicher Zusammenhänge.
Von sich selbst sagte Hayek, seine wissenschaftliche Leistung zusammenfassend, er habe in seinem Leben eine Entdeckung und zwei Erfindungen gemacht. Mit den beiden sogenannten Erfindungen meinte er sein Modell eines parlamentarischen Zweikammersystems sowie den Währungswettbewerb. Mit Entdeckung meinte er die Verwertung verstreuten Wissens und damit die entscheidende Rolle des Preismechanismus, der über die Signalwirkung relativer Preise in der Lage ist, ansonsten miteinander unverbundene Entscheidungen und Pläne zu koordinieren und dabei nur dezentral vorhandenes Wissen zusammenzuführen und zu nutzen sowie immer wieder neues Wissen zu generieren.
Aus der Entdeckung der Rolle des Preismechanismus leiten sich alle anderen, auch auf andere Zusammenhänge jenseits der Ökonomie übertragbaren Erkenntnisse ab, die sich wie folgt zusammenfassen lassen:
Konstruktivistische, die Spontaneität gesellschaftlicher Prozesse unterbindende Versuche einer Steuerung lassen bereits vorhandenes Wissen brachliegen und verzichten ganz auf die Generierung neuen Wissens. Sie kommen einer »Anmaßung von Wissen« gleich.
Angesichts der konstitutionellen Unwissenheit der Menschen ist es nicht zu verantworten, die »spontane Ordnung« der Gesellschaft, also die staunenswerte Selbststeuerungsleistung freier und spontaner Interaktionsprozesse, zu unterdrücken.
Jene gesellschaftlichen Regeln und Institutionen, die sich im Zuge der kulturellen Evolution zur Sicherung der persönlichen Freiheit herauskristallisiert haben, verdienen Respekt und Schutz.
Markt, Privateigentum und Gleichheit vor dem Gesetz sind die wichtigsten Elemente einer freiheitlichen Ordnung.
Gesetze dürfen nicht auf Einzelfälle zielen, sondern müssen dem Anspruch genügen, lediglich in der Gesellschaft bereits vorhandene allgemeine, universalisierbare »Regeln gerechten Verhaltens« festzuschreiben.
Die geistigen Irrtümer der Menschheit, die sie dem Machbarkeitswahn verfallen lassen, sind nach Hayek immer auf den gleichen Prämissen aufgebaut: Man hält es für unvernünftig, Regeln oder Grundsätzen zu folgen, die man nicht versteht, die man nicht wissenschaftlich rechtfertigen oder empirisch beweisen kann; oder man hält es zumindest für unvernünftig, einen Weg zu gehen, dessen Zweck nicht ganz spezifisch und dessen Wirkungen nicht im Vorhinein bekannt, beobachtbar und als vorteilhaft einzustufen sind. All dies fußt auf der Angst vor dem Unbekannten und Unberechenbaren. Doch solches Misstrauen ist im Endergebnis schädlich.
Die Österreichische Schule ist heute in der Hochschullandschaft weitgehend von der »Mainstream-Ökonomie« hinausgedrängt worden.
Beispielsweise konnte der Sozialphilosoph Hans-Hermann Hoppe seine Erkenntnisse und folglich seine Karriere als Professor für Soziologie und Ökonomie nur in den USA erzielen. In Deutschland wäre ihm nach eigenen Aussagen die Möglichkeit dazu verwehrt geblieben. Gott sei Dank gibt es eine Vielzahl seiner Werke heute auch auf Deutsch. In den USA hatte er das Vergnügen, Schüler von Murray N. Rothbard zu sein, der ihn von einem überzeugten Sozialisten zu einem überzeugten Anarcho-Kapitalisten umpolte.
Murray N. Rothbard wiederum, dessen Schriften hauptsächlich in englischer Originalsprache erhältlich sind, war Schüler von Ludwig von Mises. Abgesehen von Rothbard war noch ein weiterer Vertreter der Österreichischen Schule, der in seiner Jugend (ebenso wie Hoppe) ein Anhänger des Sozialismus war, ein Schüler von Mises: Friedrich A. v. Hayek.
Als Hayek 1974 seinen Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhielt, war er als Professor an der Universität Salzburg tätig. Es ist allerdings bekannt, dass er sowohl von seinen Professorenkollegen an der Universität also auch von der Universitätsleitung kaum respektiert und – man könnte schon sagen – sogar missgünstig behandelt wurde. Aus internen Kreisen kann man erfahren, dass Hayek zu dieser Zeit sehr unglücklich war, aber seine Arbeit aus idealistischen Motiven fortsetzte.
Ein guter Vertrauter von Hayek war Sir Karl Popper. Sie vertieften ihre Freundschaft während ihrer gemeinsamen Zeit in London. Hayek war in den 1930er- und 1940er-Jahren an der London School of Economics tätig, wo er sich als starker akademischer Gegenpol von John M. Keynes etablierte. Nicht zuletzt durch Hayeks Fürsprache kam Karl Popper in den 1940er-Jahren ebenso nach London und erhielt einen Vertrag an der London School of Economics. Als jedoch Karl Popper in den 1970er-Jahren gleichfalls ein Angebot der Universität Salzburg erhielt, riet ihm Hayek aufgrund seiner deprimierenden Erfahrungen davon ab, diese Stellung anzunehmen. Demzufolge ist es vermutlich maßgeblich der bitteren Erfahrung Hayeks an der Universität Salzburg geschuldet, dass diese auf die Präsenz des wohl wichtigsten Wissenschaftstheoretikers 13 , Karl Popper, verzichten musste.
Die Nobelpreisverleihung Hayeks kam dem Ansehen der Universität bestimmt zugute, obgleich Hayek diese Ehrung zu Beginn gar nicht annehmen wollte – er legte keinen Wert auf öffentliche Ehrungen. Es ist bekannt, dass Hayek durch das Argument überzeugt werden konnte, durch die Verleihung des Nobelpreises würde seinen Forschungen, Philosophien und Erkenntnissen in Zukunft mehr Aufmerksamkeit entgegengebracht werden. Diese Einschätzung hat sich auch bewahrheitet.
Im folgenden Abschnitt wird ein Auszug der wichtigsten Grunderkenntnisse und Positionen im Zusammenhang mit Freiheit, Eigentum und Selbstverantwortung in komprimierter Form veranschaulicht. (Dieser Überblick ist teilweise angelehnt an Gerd Habermann. 14 )
Geld ist nicht neutral, sondern unterliegt den Gesetzen von Angebot und Nachfrage.
Inflation ist eine schädliche Politik und verursacht eine Vermögensumverteilung zugunsten der Reichen (Cantillon-Effekt). Der sogenannte Cantillon-Effekt geht auf den irisch-französischen Ökonomen Richard Cantillon zurück und wurde von den Österreichern aufgegriffen.
Privateigentum und Eigentumsrechte sind wesentlich. Das grundlegendste Eigentum, das man besitzt, ist der eigene Körper, aber auch die Früchte der Arbeit, die er erbringt. Jeder soll selbst entscheiden, was er mit seinem Eigentum macht und wie er damit umgeht, solange man keine Dritten damit schädigt. Daher sind Enteignungen (Steuern und Abgaben) abzulehnen. Drogengesetze entziehen Menschen das Recht, selbst zu bestimmen, wie sie mit ihrem Eigentum umgehen. Umgekehrt wird durch Impfzwang ebenso in das persönlichste Eigentumsrecht massiv eingegriffen, und daher ist dieser ebenso abzulehnen.
In der Ökonomie geht es um Individuen (Subjektivismus, methodischer Individualismus). Im Gegensatz zum sozialistischen Kollektivismus.
Aktionen haben Konsequenzen – gute und schlechte. Auch das Scheitern wird ökonomisch betrachtet, es gibt unterschiedliche Varianten des Scheiterns, das dient auch als Lernprozess.
Aktuell: Rettungsmaßnahmen führen zu moralischen Gefahren. Als aktuelles Beispiel kann man die Bankenrettung betrachten. Ökonomische Selbstverantwortung wird dadurch ausgehebelt, eine Motivation zur kaufmännischen Sorgfalt geht verloren, im Gegenzug steigt die Risikofreudigkeit bei Geschäften, da die öffentliche Hand (Steuerzahler) für eine Rettung aufkommt.
Preise signalisieren Knappheitsgrade und sind für die effiziente Zuweisung von Ressourcen unerlässlich. Das ist eines der wichtigsten Instrumente für richtigen Umweltschutz. Daher ist zu erkennen, dass in westlichen Ländern (relativ freie Marktwirtschaft) die Umwelt immer besser intakt war als in sozialistischen Ländern, in denen die Wirtschaft vom Staat gelenkt wurde. Abgesehen davon kann ein planwirtschaftliches Zentralkomitee niemals die unendlich vielen Faktoren und Bedürfnisse des Marktes erkennen, und daher scheitert Sozialismus immer. Alle Staatseingriffe führen in diese Richtung.
Freies Preissystem: Nach Ansicht der Österreichischen Schule entsteht ein realistisches Preissystem, wenn freie Märkte die Möglichkeit haben zu agieren. Nur im Wettbewerb(-smarkt) kann man optimale Preise für Ressourcen herausfinden und anbieten. Das ist jener Preis, der der beste für beide Seiten ist, für Produzenten und Konsumenten. Eingriffe in den Markt (zum Beispiel Mindestlohn, Förderungen etc.) haben eine Wettbewerbsverzerrung zur Folge.
Fehlerhafte Preissignale von Zentralbanken sind die Ursache für Boom-Bust-Zyklen. Einer der Autoren, die dieses Phänomen allgemein verständlich und punktgenau erklärten, ist Roland Baader mit seinem Werk Geld, Gold und Gottspieler15 . Aktuell kann das Vorgehen der EZB als sehr gefährlich eingestuft werden.
Eine Senkung der Zinssätze führt zu Verzerrungen in der Wirtschaft durch Veränderung der relativen Preise, was eine künstlichen Boom zur Folge hat. Irgendwann können Fehlverteilung und Fehlinvestitionen nicht mehr unterstützt werden, und es kommt zu einem »Bust«, in der diese Fehlallokationen bereinigt werden.
Eine Rückkehr zum gesunden Geld ist notwendig und wird befürwortet. Das heißt entweder eine gedeckte Währung – im Laufe der Geschichte hat sich Gold als geeignetste Deckung für Geld herauskristallisiert – oder, noch besser, freier Währungswettbewerb.
Inflation ist die Zunahme des Angebots an Geld und Kredit.Die »Konjunkturtheorie« besagt: Durch die Manipulation der Geldmenge über künstlich verbilligte oder verteuerte Kredite vonseiten der Zentralbanken entstehen Konjunkturen. Das muss nicht zwangsläufig so sein, zu Zeiten der Goldwährungen waren Zentralbanken oft private Einrichtungen. Die US-FED ist zwar privat, aber trotzdem staatsmonopolistisch, da sie durch den Staat protegiert wird. Der Zins sollte nicht durch staatliches Eingreifen manipuliert werden, er wird als Marktpreis für Zeit definiert.
Grenznutzen und Preis: Diese Erkenntnis wurde von Carl Menger entwickelt. Beispielsweise würde ein verdurstender Mensch in der Wüste wohl alles, was er hat, für ein Glas Wasser bezahlen. Das zweite Glas wäre ihm womöglich schon etwas weniger wert und so weiter. Was ist er schließlich bereit für das hundertste Glas Wasser zu bezahlen? Vermutlich nichts mehr.
Konsumentensouveränität: Nach Wilhelm Röpke erfolgt die Lenkung des Marktes und der Produktionsfaktoren (auch konsumferne Güter zweiter und dritter Ordnung) nicht durch den Produzenten, sondern durch den Letztkonsumenten. Dadurch ergibt sich seine Souveränität.
Wettbewerb (F. A. v. Hayek): Durch den Wettbewerb wird eine Spezialisierung und Arbeitsteilung vorangetrieben, wodurch sich folglich unsere »Gratifikationsbilanz« ebenso kontinuierlich verbessert. Das wiederum erlaubt fortlaufend mehr Menschen, nicht nur zu überleben, sondern auch ihre Lebenssituation zu verbessern.
Unternehmer: Durch sein alltägliches Handeln agiert jeder Mensch als Unternehmer. Der Unternehmer ist professioneller Knappheitsüberwinder und stetig bemüht, Optimierung zu erzielen. Hierzu werden notwendige Informationen gesammelt, ausgewertet und in Ergebnisse umgesetzt.
Subjektive Wertelehre, Opportunitätskosten, eine individuelle Wertigkeit als Wahl: Unterschiedliche Individuen können Gegenständen eine unterschiedliche Wertigkeit beimessen, dieses Prinzip bestätigt sich bei jeder Auktion. Die Österreichische Schule war die erste Lehrrichtung, die Individuen und ihre Präferenzen als aktive Teilnehmer im wirtschaftlichen Prozess beleuchtete. Tatsächlich werden aufgrund der »Österreicher« Märkte anhand dieser Einflüsse bestimmt. Letztendlich läuft es darauf hinaus, dass man den Wert eines Gutes nur mit dem Verlangen danach bestimmen kann.
Sozialismus ist ein »intellektueller Irrtum« und kann niemalsfunktionieren. Wie bereits erwähnt, ist es unmöglich, eine rationale Kalkulation für alle Marktbedürfnisse und Ressourcen des Marktes zu planen und dann noch den richtigen Preis zu geben (Hayek: Die Anmaßung von Wissen).
Kritik am Wohlfahrtsstaat: Dieser basiert auf Umverteilung durch den Staat, dem zwingend eine gewaltsame Enteignung von Individuen vorausgeht, und entspricht somit einer sozialistischen Ethik. Die Kennzeichen eines Wohlfahrtsstaates sind bürokratische Regulierungen und soziale Umverteilung, dadurch werden unternehmerische Initiativen gehemmt. Das führt irgendwann in den Sozialismus, wie dies auch von Hayek in Der Weg zur Knechtschaft beschrieben wurde. Roland Baader bezeichnet den Wohlfahrtsstaat auch als »Samtpfoten-Sozialismus«, der aber gar nicht so samten beziehungsweise sanft ist.
Kleingruppenethik ist ungeeignet für eine komplexe Gesellschaft. In einer Familie müssen andere Regeln gelten als in der Gesellschaft. Hierarchien und soziale Unterstützung innerhalb der Familie sind überlebensnotwendig. Es ist aber ein Irrtum, diese Verhältnisse auf eine gesamte Gesellschaft zu übertragen.
Regelgerechtigkeit als Gegenpol zum Phantom der »sozialen Gerechtigkeit«, die willkürlich bestimmt wird. Es gibt nur eine Form von Gerechtigkeit: eine Regelgerechtigkeit, das heißt gleiche Regeln für alle, ohne Bevorzugung oder Benachteiligung einzelner. Quotenregelungen, Regulierungen durch Steuern und die Förderung gewisser Gruppen sind das Gegenteil von Regelgerechtigkeit.
Staatsbild: Als Staatsbild wird – wenn überhaupt – ein minimalistisches bevorzugt. Im Kern heißt das: Die Aufgaben des Staates sind herunterzubrechen auf die Gewährleistung von innerer und äußerer Sicherheit. Manche Vertreter der Österreicher würden aber auch diesen Bereich privatisieren, wodurch der Staat per se obsolet wäre. Diese Vertreter werden als »Anarchokapitalisten« oder Vertreter einer »Privatrechtsordnung« genannt. F. A. v. Hayek gehörte nicht zu dieser Gruppe, sondern befürwortete einen Minimalstaat, der sogar kleine soziale Aufgaben übernehmen sollte – allerdings weit entfernt von unserem heutigen Umverteilungs- und Wohlfahrtsstaat.
Hier ist nur eine kleine Auswahl von Sichtweisen zu aktuellen Themen beschrieben. Im weiteren Verlauf dieses Bandes werden aber wesentlich mehr Themen viel tiefgreifender behandelt.
Recht auf Sezession: Es muss legitim sein, freiwillig aus Großstaaten wieder kleine, übersichtliche provinzielle oder regionale Gebilde zu machen oder aus einem Staatenbund freiwillig auszutreten. Als Beispiele können genannt werden Brexit, die Bayernpartei (hat als Ziel den Austritt Bayerns aus der BRD), Öxit. Oder am Beispiel der Schweiz: ein Wettbewerb zwischen den Kantonen durch Föderalismus. Als bekannter Vertreter des Rechts auf Sezession gilt Leopold Kohr mit seinem Buch: Das Ende der Großen16 .
Gleichbehandlungs- und Antidiskriminierungsdiskussion: Diskriminierung ist ein natürlicher Teil des Handelns. Jede Entscheidung ist immer eine Diskriminierung. Entscheidet man sich beim Kauf eines Autos für ein gewisses Modell, so hat man alle anderen Automodelle »diskriminiert«. Stellt man einen Mitarbeiter mit gewissen Eigenschaften ein, so ist das eine freie Entscheidung, bei der man automatisch alle anderen Bewerber »diskriminiert«. Durch »Antidiskriminierungsgesetze« wird die Entscheidungsfreiheit des Menschen, und somit sein freies Handeln, eingeschränkt.
Flüchtlingsproblematik: Insbesondere in Deutschland hat das Staatsmonopol bei der Zuwanderungs- und Grenzkontrolle versagt beziehungsweise fördert eine Massenzuwanderung sogar auf Steuerkosten. Mehr Staat heißt also nicht automatisch mehr Sicherheit, das Gegenteil kann der Fall sein. Ein »Asylrecht« kann aber nur ein »Gastrecht« sein, bis die Gefahr im eigenen Land vorüber ist. Jeder, der eine Aufnahme fordert, muss selbst dafür sorgen, allgemeinen Bestimmungen einer Migration zu entsprechen. Der mögliche Verlust eines »Gastrechts« bei Missachtung allgemein anerkannter gesellschaftlicher Richtlinien und Werte sollte klar sein.
Diese drei Punkte zählen wohl zu den wichtigsten philosophischen Prinzipien der Österreichischen Schule.
Der Mensch hat die Freiheit, alles zu tun, was er will. Es gibt nur eine einzige Beschränkung: Niemand anderem einen Schaden zuzufügen, das heißt Mensch und Natur zu respektieren.
Mein Körper ist mein Eigentum. Mit meinem Körper kann ich machen, was ich will (auch giftige Substanzen konsumieren, wenn das mein Wunsch ist). Eine Verabreichung von Substanzen gegen meinen Willen ist Körperverletzung (beispielsweise bei Impfpflicht).
Alles, was ich mit meiner Arbeit erwirtschafte, geschenkt bekomme oder sonst redlich erwerbe (also nicht stehle), gehört mir. Jeder Eingriff in mein Eigentum ist Diebstahl.
Nur ich darf bestimmen, wem ich mein Eigentum gebe (im Vertrag, als Geschenk oder Erbschaft), sonst niemand.
Jeder ist Unternehmer seines Lebens. Jeder Mensch kann für sich immer am besten entscheiden, da er die persönlichen Wünsche und Bedürfnisse am besten kennt. Fiktiv könnte nur Gott besser entscheiden, aber auch nur dann, falls Gott die persönlichen Bedürfnisse noch besser kennen würde als der einzelne Mensch selbst, keinesfalls aber andere Menschen.
Auch Fehlentscheidungen sind ein Lern- und Entwicklungsprozess. Verantwortung an einen Monopolisten abzugeben ist teuer, ineffizient und hemmt Menschen in der Entwicklung. Zudem ist es unethisch, Menschen die Möglichkeit zu nehmen, eigene Entscheidungen zu treffen, und ein starker Eingriff in deren persönliche Freiheit.
Menschen dazu zu zwingen, Masken zu tragen, wie es derzeit der Fall ist, verstößt gegen alle drei dieser Prinzipien.
Baader, Roland: Geld, Gold und Gottspieler. Am Vorabend der nächsten Weltwirtschaftskrise, Resch-Verlag, Gräfelfing 2005.
Baader, Roland: Markt oder Befehl – 55 Streitschriften für die Freiheit, Lichtschlag, Berlin 2007.
Böhm von Bawerk, Eugen: Kapital und Kapitalzins. Erste Abteilung – Geschichte und Kritik der Kapitalzins Theorien, Wagner, Innsbruck 1884.
Böhm von Bawerk, Eugen: Kapital und Kapitalzins. Zweite Abteilung – Positive Theorie des Kapitales, Wagner, Innsbruck 1889.
Habermann, Gerd: Was verdanken wir der Österreichischen Schule?, 5. aktualisierte Auflage, Friedrich A. von Hayek-Gesellschaft, Berlin 2015.
Hayek, Friedrich August v.: Der Weg zur Knechtschaft, 1. Neuauflage, OLZOG edition, zum 70-jährigen Erscheinen der englischen Originalausgabe The road to serfdom im Jahr 1944. Lau-Verlag, Reinbek/München 2014.
Hayek, Friedrich August v.: Die Verfassung der Freiheit, 3. Auflage, gesammelte Schriften in deutscher Sprache, Mohr/Siebeck, Tübingen 2005.
Hoppe, Hans-Hermann: Ökonomik als Wissenschaft und die Methode der Österreichischen Schule, 2. Auflage, Creative Commons Attributions License 4.0, Wien 2016.
