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Ein fröhliches Kinderbuch über Freundschaft, Familie und die Kunst, aus allem das Beste zu machen Dieses Buch über die beiden besten Freundinnen Millie und Juna ist die ideale Lektüre für Kinder ab 10 Jahren. Die spaßigen Abenteuer der beiden Mädchen eignen sich auch als perfektes Geschenk für Kinder ab der 4. Klasse. Geplatzte Ferienpläne und Hundechaos – Millie und Juna meistern alle Herausforderungen! Juna Pfeff und Millie Minze sind immer füreinander da. Und darum ist es für Juna Ehrensache, dass sie ihrer besten Freundin zur Seite steht, als die Urlaubspläne von Familie Minze ins Wasser fallen. Statt einer Campingtour nach Italien gibt es dann eben Zelten im Stadtpark. Das macht genauso Spaß! Wären da nicht ein merkwürdiger Zeltnachbar, ein paar fiese Kinder und zu allem Überfluss noch die Pudel vom Hundeverein »Rausch im Flausch«, die den beiden Freundinnen das Leben schwer machen ... Zum Glück haben Pfeffer & Minze immer die besten Ideen. Und so wird aus einem anfangs verkappten Urlaub doch noch ein ganz großes Campingabenteuer! - Unterhaltung für Teenager: Mit den Themen Freundschaft, Schule, Familie humorvoll und spannend aufbereitet - So macht Lesen Spaß: Kurze, aufgelockerte Textabschnitte in modernem Tagebuchstil - Starke Erzählstimme: Die schüchterne Millie und ihre mutige Freundin Juna gehen gemeinsam durch dick und dünn - Lesevergnügen für Kinder ab 10: Lustiger Kinderroman von Humorexpertin Sarah Welk - Extra-Motivation: Zu diesem Buch gibt es ein Quiz bei Antolin Über das Buch: Eine humorvoller Kinderroman für alle Abenteurer:innen ab 10 Jahren von der unvergleichlichen Kinderbuchautorin Sarah Welk.
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Veröffentlichungsjahr: 2023
Zusammen sind wir einfach genial
Sarah Welk
arsEdition
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Vollständige eBook-Ausgabe der Hardcoverausgabe München 2023
© 2023 arsEdition GmbH, Friedrichstraße 9, D-80801 München
Alle Rechte vorbehalten
Text: Sarah Welk
Covergestaltung: Sandra Taufer, München, unter Verwendung von Illustrationen von Thorsten Saleina und Vignetten von © Shutterstock/Kateryna Skorokhod, Irina Vaneeva, krisArt, Bibadash und © Wilde Mae Studio/Creativemarket Innenvignetten: Thorsten Saleina
Dieses Werk wurde vermittelt durch die Autoren- und Projektagentur Gerd F. Rumler, München
ISBN eBook 978-3-8458-5590-5
ISBN Printversion 978-3-8458-4607-4
www.arsedition.de
Alle Rechte vorbehalten. Unbefugte Nutzungen, wie etwa Vervielfältigung, Verbreitung, Speicherung oder Übertragung können zivil- oder strafrechtlich verfolgt werden.
Für Mila, Martha, Mats und Kalle
Dieses Tagebuch gehört:
Millie Minze
WARNUNG DES TODES!
Das hier ist mein TAGEBUCH. Falls du es aus Versehen aufgeklappt hast, MACH ES WIEDER ZU. SOFORT!!!!
Wenn du jetzt trotzdem umblätterst, passieren dir LAUTER SCHLIMME SACHEN und wahrscheinlich fallen dir sogar die Fußnägel ab. Wegen Karma, das ist so eine Art Straf-Pechsträhne, sagt Juna.
Eiheilefei Genthentlefent Lichhichlefich Sollhollevoll Ichhichlefisch Hausrausdiemaus Aufschnaufdiekauf Gahalefa Benhenlefen Mahalefa Chenkennlefenn, Ahalefa −
Nee, also das ist mir jetzt doch zu doof. Juna hat gesagt, am besten schreibt man Tagebuch in Geheimschrift, weil dann nämlich feststeht, dass niemand außer einem selbst das lesen kann. Aber da brauche ich ja 100 Jahre für jeden Satz.
Nächste Woche fangen die Herbstferien an. ENDLICH!!! Nur noch drei Mal schlafen. Dann ist Montag und Mama und ich verreisen NACH ITALIEN!!!
Ich kann das selber noch gar nicht glauben, weil eigentlich fahren wir sonst nie weg, höchstens mal drei Tage in den Harz oder so. Aber jetzt können wir uns den VW-Bus von Mamas Kollegin leihen, und deshalb ist der Urlaub nicht so teuer, und das geht schon alles, hat Mama gesagt. Wir können dann in Italien eben nicht so viel Geld ausgeben, aber das ist überhaupt kein Problem. Wir schlafen nämlich einfach im Bus und nehmen auch einen Campingkocher mit und dann können wir uns ja an den Strand stellen.
Ich habe mir gerade extra so einen Kalender gebastelt, an dem ich jeden Tag einen Streifen abschneide, und wenn der Kalender weg ist, ist die Schule auch weg sozusagen, hihi.
Jetzt hat Mama gerade gerufen und dann den Kopf durch die Tür gesteckt, und zwar OHNE ZU KLOPFEN.
»Hast du deine Hausaufgaben fertig, Millie?«, hat sie gefragt.
»Mama«, habe ich geantwortet und die Augen nach ganz oben verdreht. »Erstens: Du brauchst dich um meine Hausaufgaben nicht zu kümmern, ich bin kein Baby mehr, ich mach das selber. Und zweitens: Du hast schon wieder nicht geklopft.«
»Sorry, Millie«, hat Mama gesagt. »Ich vergesse das immer. Aber wir wollen doch gleich noch zu Rosi.«
Und da habe ich geantwortet, ja, alles klar, ich beeile mich, und jetzt TSCHÜS.
Also, das mit dem TSCHÜS habe ich nicht gesagt, dann hätte Mama wahrscheinlich direkt wieder zu viel gekriegt und geantwortet, ich soll mich ein bisschen zusammenreißen und dass das frech war, und wenn ich meinen Ton nicht ändere, nimmt sie mir mein Handy weg für zehn Minuten.
MOAA, echt jetzt, das ist doch megaungerecht. Warum dürfen Eltern das? Warum dürfen die ihren Kindern einfach die Handys wegreißen und oben auf den Kühlschrank legen und dabei mit so einer Schnippi-Schnappi-Stimme sagen: »Tja, Millie, das hast du dir jetzt selber zuzuschreiben. Wenn du dich so verhältst, habe ich einfach das Gefühl, dass dieses ständige Auf-den-Bildschirm-Geglotze dir nicht guttut.«
GAAAARRRRGGGGEL. Also wenn ich mal Kinder habe, dürfen die immer am Handy sein. Das steht schon mal fest.
PS: Falls ich das mit der Geheimschrift doch mal irgendwann brauche, schreibe ich jetzt schnell auf, wie die funktioniert.
Also: Man teilt die Wörter einfach in lauter einzelne Silben und dann hängt man irgendeinen Reim hintendran: Eiheilefei Genthentlefent Lichhichlefich Sollhollevoll Ichhichlefish Hausrausdiemaus Aufschnaufdiekauf Gahalefa Benhenlefen Mahalefa Chenkennlefenn, Ahalefa heißt also: Eigentlich soll ich Hausaufgaben machen, a…
Die Sprache hat Juna erfunden, die interessiert sich im Moment mega für solche Themen. Also nicht für Kinder-Detektivbanden oder so, ist ja klar, sondern für echte Spione. Juna hält in der Schule sogar freiwillig ein Referat über Virginia Hall, das ist eine echte Geheimagentin von früher.
»Die war so krass, Millie«, hat Juna gestern gesagt, »echt jetzt, die hatte ein Holzbein und alles. Die musste immer in Geheimsprache funken und war die wichtigste Spionin von ganz Amerika.«
Na ja, und deshalb redet Juna jetzt auch manchmal in Geheimsprache mit mir, sicher ist sicher, sagt sie, denn wenn man das im Notfall mal braucht, muss man das natürlich schon können.
Mannometer. Jetzt habe ich schon zwei Seiten geschrieben und noch überhaupt keinen Steckbrief gemacht. Das vergesse ich jedes Mal, wenn ich ein neues Tagebuch anfange, obwohl der eigentlich ganz am Anfang stehen muss, finde ich.
Na ja, dann kommt er eben jetzt:
Millie Minze. Das ist mein echter Name, auch wenn immer alle denken, dass das ein Spitzname ist. Aber Mama heißt auch so. Also Minze, meine ich natürlich, mit Vornamen heißt Mama Nina. Papa heißt Bernd Bröker, aber das ist eigentlich auch egal, der wohnt nämlich sowieso woanders. Irgendwo in Süddeutschland, glaube ich, und er hat eine neue Frau, und auf jeden Fall habe ich den schon RICHTIG lange nicht mehr gesehen. Mama und er haben sich getrennt, als ich noch ganz klein war, und eigentlich weiß ich gar nicht richtig, warum.
Mama redet nur ganz selten von ihm und die beiden verstehen sich auch nicht gerade gut. Vor Kurzem habe ich gehört, dass sie im Schlafzimmer geschrien hat: »Dir ist schon klar, wie viel Geld ich eigentlich von dir kriege, oder?« Und da wusste ich genau, dass sie mit Papa telefoniert, obwohl sie den eigentlich nie anruft, und dass sie dachte, ich schlafe schon. Aber ich habe sie hinterher trotzdem nicht gefragt, was da los war. Weil, weil … keine Ahnung, wieso. Weiß ich selber nicht so richtig.
13 (also fast)
- Wolle Wurst am Computer spielen, da muss man immer so vorbeifliegende Bockwürstchen abschießen, und das ist megalustig. Ich bin schon in der Smaragd-Liga, danach kommt nur noch die Rubin-Liga, aber dafür muss man richtig viel trainieren, weil die Würstchen im Rubin-Level megaschnell fliegen und sogar Loopings machen.
- Mit Juna treffen, also eigentlich mit Pfeffer. Juna ist meine beste Freundin und geht in meine Klasse und heißt mit Nachnamen »Pfeff«.
Echt jetzt, erst habe ich das gar nicht kapiert, aber in der fünften Klasse saßen wir zufällig nebeneinander, und da hat Herr Flöter (das ist unser Mathelehrer) gesagt: »Juna Pfeff und Millie Minze, soll ich euch vielleicht einen Pfeff-er-Minz-Tee machen?«
Ha, ha, zum Totlachen, Herr Flöter denkt immer, er macht die besten Witze, dabei sind die null lustig. Danach haben Juna und ich dann aber auf jeden Fall den »Pfeff-er-Minze-Beste-Freundinnen-Club« gegründet, und wir nennen uns auch gegenseitig so und unser geheimes Kennzeichen ist Pfefferminzkaugummi kauen.
Bei Juna zu Hause ist das genau wie bei mir, nur andersrum. Also sie wohnt mit ihrem Vater zusammen, und ihre Mutter lebt richtig weit weg, ich glaube in Mexiko. Obwohl, eine Sache ist bei Juna doch anders: Ihre Eltern haben sich zwar getrennt, aber überhaupt keinen Streit. Und Juna macht richtig oft Videokonferenzen mit ihrer Mutter und in den Ferien fährt sie da sogar manchmal hin.
- Hunde. Leider habe ich keinen eigenen, aber Juna und ich kümmern uns ziemlich oft um Romeo. Das ist ein richtig lieber Kampfhund ohne Zähne, und der gehört Rocco.
- Lieblingsessen: Pommes mit Spezialsoße (Die gibt es nur bei Rosi im Imbiss.) Ach so, übrigens: Rocco ist Rosis Sohn. Aber der ist schon erwachsen.
- Hassessen: Alles mit Vollkorn. Mama ist total für gesunde Ernährung, das kommt bestimmt, weil sie Krankenschwester ist. Sie kauft immer nur Vollkornbrot und Vollkornnudeln und Vollkornreis. Einmal hat sie sogar MILCHREIS aus Vollkornreis gekocht, aber zum Glück fand sie den dann auch eklig und hat alles ins Klo gekippt.
»Millie«, hat Mama gerade im Flur gerufen. »Können wir jetzt langsam los, verdammt? Wir müssen doch mit dem Bus zu Rosi fahren, und ich hab morgen Frühdienst, deshalb kann ich nicht so spät ins Bett gehen.«
Äh, Mama, es ist noch nicht mal sechs.
Ich dreh durch.
Echt jetzt, das kann doch alles nicht wahr sein. Warum, WARUM können die Sachen bei uns NIE, NIE, NIE so funktionieren wie in normalen Familien???
Am liebsten würde ich gerade an die Wand treten, und zwar volle Lotte, oder auf meinen Füller, dass er in tausend Teile bröselt.
ICH! BIN! SO! WÜTEND!!!
Ich versuche jetzt trotzdem aufzuschreiben, was gerade passiert ist (mit Uhrzeiten):
Also. Um zwanzig nach sechs sind Mama und ich mit dem Bus zu Rosi gefahren, mit dem normalen Linienbus, meine ich, nicht mit dem Super-Urlaubsbus von ihrer Kollegin.
Unser Auto ist nämlich gerade in der Werkstatt, das ist schon uralt und knallgrün und rostig und ständig kaputt. Ich hoffe echt, dass die das gar nicht mehr reparieren können, weil ich das nämlich megapeinlich finde.
Niemand auf der ganzen Welt fährt mit so einem hässlichen Auto rum wie wir, und dann nennt Mama es auch noch »Fröschlein«, sogar wenn andere das hören, und schlimmer geht es ja wohl echt nicht. Egal, also jetzt sind wir auf jeden Fall Bus gefahren und Mama war irgendwie megalieb.
»Die Schokolade sieht richtig lecker aus«, habe ich an der Haltestelle gesagt und auf die Tafel Vollnuss im Kioskfenster gezeigt.
»Dann kauf sie doch für uns«, hat Mama geantwortet und mir ihr Portemonnaie hingehalten. »Fahrtschokolade hat noch niemandem geschadet.«
»Äh, Mama«, habe ich geantwortet und sie angeguckt, weil irgendwie konnte ich das gar nicht glauben. »Meinst du das ernst?«
Aber da hat Mama nur genickt und mich angestrahlt und kein Wort von gesunder Ernährung gesagt, sondern nur, dass wir jetzt ja sowieso schon zu Rosi fahren und POMMES ESSEN.
Und ich habe mich einfach nur mega gefreut und bin überhaupt nicht misstrauisch geworden, und WIE DOOF KANN MAN DENN SEIN, BITTE.
Also: Ich habe die Schokolade gekauft und im Bus haben wir sie zusammen aufgegessen und eigentlich war alles super.
»Hey Millie, mein Goldstück!«, hat Rosi gerufen, als Mama und ich in den Imbiss gekommen sind. Sie hat mir gewinkt, und irgendwie fand ich das richtig gut. Wenn Mama »Hallo, mein Goldstück« schreien und mir winken würde, fände ich das peinlich, doch bei Rosi ist das irgendwie anders.
Juna und ich gehen fast jeden Tag nach der Schule zu ihr in den Imbiss und wir helfen da auch mit. Wir bringen den Leuten die Pommes an die Tische und räumen ab und solche Sachen. Nur kassieren tut Rosi selber, das ist Chefsache, sagt sie immer.
»Chefinnensache«, murmelt Juna dann, aber das ist eher so aus Gewohnheit, denn Rosi sind solche Sachen nicht so wichtig.
Eigentlich regen Juna und ich uns sonst immer mega da‑ rüber auf, wenn irgendwelche alten Leute zum Beispiel nur »Schüler« sagen und nicht »Schüler-innen«, aber bei Rosi ist das anders, da fühlt sich das gar nicht so schlimm an.
Aber ist ja auch egal jetzt, Rosi hat auf jeden Fall »Hey Millie, mein Goldstück!« gerufen und alle Leute im Imbiss haben zu mir rübergeguckt, und ich glaube, die waren neidisch auf mich, denn Rosi ist ja total cool und begrüßt nur ganz selten Gäste mit Namen.
»Tach, Frau Minze«, hat Rosi dann gesagt und sich die Hände an einem Geschirrhandtuch abgetrocknet. »Wie immer?«
Und da hat Mama genickt und Rosi hat »Zwei Fritten spezial für mein Goldstück und Frau Minze, und zwar ein bisschen flott!« gerufen – und, ZACK, hat Rocco die Pommes ins Frittierfett geworfen, dass es nur so gespritzt hat.
»Millie«, hat Mama gesagt und ihr Kinn auf dem Stammtisch in die Hand gestützt, sodass ihr Mund halb verdeckt war. »Es gibt da noch eine Sache, die wir besprechen müssen.«
»Aha«, habe ich geantwortet und mir eine Pommes in den Mund gesteckt. Irgendwie hatte ich da schon so ein komisches Gefühl. Ich kann das schwer erklären, denn eigentlich hätte Mamas Satz ja alles bedeuten können, dass wir zum Beispiel noch klären müssen, wer von uns beiden die Dosenravioli für den Urlaub einkauft. Oder wo überhaupt unsere Isomatten geblieben sind.
Aber ich wusste sofort, dass jetzt irgendwas Doofes kommt, keine Ahnung, wieso. Vielleicht weil Mama den Kopf so schief gelegt hat und ihre Augen plötzlich so aussahen, als würden sie »Tut uns leid, tut uns leid« rufen.
»Tja, also«, hat Mama gemurmelt und dabei auf den Salzstreuer vor ihr gestarrt, als hätte sie den Plastik-Kampfhund mit Löchern im Kopf und »S« auf der Stirn nicht schon tausendmal gesehen.
»Was?«, habe ich gezischt.
»Millie«, hat Mama jetzt so richtig tief geseufzt und mich auf einmal wieder direkt angesehen. »Ich kann dir nicht sagen, wie leid mir es tut. Aber wir können nicht nach Italien fahren.«
Und keine Ahnung, wieso, aber in dem Moment war es, als würde der Satz nur Buchstabe für Buchstabe in mein Gehirn klickern.
Also ich habe schon verstanden, was Mama gesagt hat, aber es hat sich alles so angefühlt, als könnte das einfach nicht wahr sein.
»Hä?«, habe ich deshalb gemacht und Mama angestarrt. Ich war mir tausendprozentig sicher, dass sie jetzt sagt, dass das doch gar nicht stimmt. Oder dass das nicht so stimmt, also, dass wir natürlich nach Italien fahren, nur einen Tag später vielleicht oder was weiß ich.
Aber stattdessen hat Mama beide Hände ausgestreckt und sie auf meine gelegt und noch mal ganz tief geseufzt. Und dann hat sie angefangen zu reden und zu reden, und zwar ohne Pause, dass der VW-Bus von ihrer Kollegin nicht durch den TÜV gekommen ist und dass damit wirklich nicht zu rechnen war und dass der TÜV-Prüfer der letzte Idiot ist, aber auf jeden Fall darf man den Bus jetzt nicht mehr benutzen.
»Mama«, habe ich gesagt, und ich konnte selber hören, dass meine Stimme ganz komisch klang. »Aber vielleicht können wir dann ja mit dem Zug fahren.«
Aber da hat Mama einfach nur den Kopf geschüttelt und so ein minibisschen mit den Schultern gezuckt und die Lippen zusammengepresst, und da wusste ich natürlich, was das mal wieder heißt.
Wir haben nicht genügend Geld.
Wir haben noch nicht mal genügend Geld, um mit dem Zug nach Italien zu fahren.
Normalerweise finde ich das gar nicht so schlimm mit dem Geld. Also klaro, manchmal ist es schon nervig, zum Beispiel kaufen wir meine Hosen und Pullover fast immer im Secondhandladen, aber die sehen dann trotzdem noch gut aus, und außerdem ist das sowieso viel besser, wegen Klimaschutz.
Und wir können auch nur ganz selten Pizza bestellen oder so, aber dafür gehen wir ja zu Rosi, da brauchen wir nämlich nicht zu bezahlen, weil Juna und ich bei Rosi so oft mithelfen.
Und ich weiß natürlich, dass Mama nicht so viel verdient als Krankenschwester und dass wir kein Geld von Papa kriegen, und Mama macht deshalb auch eine Zusatzausbildung, aber die dauert richtig lange. Wenn normalerweise also irgendwas zu teuer ist, sage ich eigentlich immer, ja klaro, kein Problem. Weil ich will ja nicht, dass Mama sich schlecht fühlt.
Aber jetzt war mir das egal. Ich habe Mama eine Minisekunde lang angestarrt, ungefähr wie ein Stier von unten nach oben, und dann ist irgendwas in mir drin explodiert. Es hat sich angefühlt, als würde in meinem Kopf ein Luftballon platzen, und schon ist die Wut von hinten in meine Augen geschossen und in meinen Bauch und in meine Arme.
Ich habe, ZACK, meine Hände unter Mamas Händen rausgerissen und bin so schnell aufgesprungen, dass sogar mein Stuhl auf die Erde geknallt ist.
»SCHEISSE!!«, habe ich gebrüllt, und mir war in dem Moment sogar piepegal, dass alle im Imbiss mich anstarren. »Das ist doch totale SCHEISSE, MAMA!!! FAST ALLE ANDEREN aus meiner Klasse fahren weg, Bella-Grace fliegt sogar nach Los Angeles. Nur du kannst immer alles nicht bezahlen!«
»Millie«, hat Mama geflüstert. »Millie. Es tut mir leid. Wirklich.«
»Du KANNST MICH MAL!«, habe ich geschrien – und, ZACK, habe ich mich umgedreht und bin aus dem Imbiss gerannt und habe die Tür so zugeknallt, dass ich echt dachte, die fliegt aus der Wand.
