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Beschreibung

Für jedes Pferd den richtigen Sattel finden

Werden auch Sie häufig mit Problemen bei Pferd und Reiter konfrontiert, die auf einen unpassenden Sattel zurückzuführen sind? Dieses Buch bietet Ihnen fundiertes Wissen zur Sattelanalyse – leicht verständlich und anschaulich illustriert: Alle wichtigen anatomischen Grundlagen des Pferderückens sowie die Biomechanik beim Pferd sind ausführlich beschrieben. Sie erfahren, welche Ursache-Folge-Ketten ein unpassender Sattel auslöst und welche Anforderungen der Sattel erfüllen muss. Alle Satteltypen werden vorgestellt. Das Buch zeigt Ihnen auch, mit welchen Maßnahmen und Übungen es Ihnen gelingt, Beschwerden bei Pferd und Reiter zu beheben.

Jederzeit zugreifen: Der Inhalt des Buches steht Ihnen ohne weitere Kosten digital in der Wissensplattform VetCenter zur Verfügung (Zugangscode im Buch).

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Seitenzahl: 410

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Pferd - Sattel - Reiter

Angewandte Anatomie und Sattelkunde - Befundung und Behandlung

Beatrix Schulte Wien, Elke Kurz

Dagmar Rümens, Pia Ernst

320 Abbildungen

Vorwort

Der Sattel ist ein wichtiger Bestandteil des für den Reitsport erforderlichen Equipments und sollte das Bindeglied zwischen Reiter und Pferd darstellen.

Häufig ist dies jedoch nicht der Fall: Ein unpassender Sattel kann das Pferd massiv stören und eine Vielzahl an Problemen auslösen. Sowohl gesundheitliche Störungen beim Pferd, wie z.B. Blockierungen der Facettengelenke der Wirbelsäule, als auch reiterliche Probleme, die auftreten, wenn der Sattel den Reiter ungünstig positioniert, können aus einem unpassenden Sattel resultieren.

Viele der bei einer Pferdebehandlung festgestellten Befunde, egal mit welcher Methode diese durchgeführt wird, resultieren aus einem unpassenden Sattel. Daher sollte der Sattel bei der Behandlung eines Pferdes immer als mögliche Ursache für Probleme in Betracht gezogen werden.

Die meisten Reiter sind mit dieser komplexen Problematik überfordert und benötigen hier Hilfe durch Fachleute.

Da der Ausbildungsberuf des Sattlers ein Handwerksberuf ist, in dem Anatomie und Biomechanik des Pferdes nicht gelehrt werden, ist es für viele Sattler schwer, einen Sattel korrekt anzupassen. Dies ist v.a. dann der Fall, wenn das Pferd ein für die Sattelanpassung schwieriges Exterieur, wie z.B. eine kurze Sattellage oder einen sehr ausgeprägten Widerrist, aufweist.

Zeigt das Pferd dann Rittigkeitsprobleme, so wenden sich die Pferdebesitzer oft an Pferdetherapeuten.

Auch kommt es bei Pferdebehandlungen sehr häufig vor, dass der Therapeut feststellt, dass die diagnostizierten Befunde vermutlich aus einem unpassenden Sattel resultieren. Hier ist nun eine Analyse der Situation nötig: Resultieren die Befunde aus Problemen des Pferdes, des Sattels, des Reiters oder aus all diesen Faktoren gleichzeitig?

Bei den Kursen im Deutschen Institut für Pferdeosteopathie (DIPO) stellen wir immer wieder fest, dass viele angehende Pferdeosteotherapeuten beziehungsweise -physiotherapeuten kaum Vorkenntnisse zum Thema Sattel und dessen Beurteilung mitbringen und dies im Verlauf des Kurses zu vermitteln ist.

Dieses Wissen ist für die Pferdebehandlung jedoch enorm wichtig, um die aus dem unpassenden Sattel resultierenden Probleme dauerhaft zu beheben: Wird die Sattelproblematik nicht berücksichtigt, so wird das Pferd nach der Behandlung zwar eine kurzfristige Besserung zeigen, jedoch werden sich die Symptome bei weiterem Einsatz des unpassenden Sattels bald wieder einstellen.

Daher braucht der Therapeut diesbezüglich ein gewisses Grundwissen, um den Pferdebesitzer kompetent beraten zu können.

Mit diesem Buch möchten wir Therapeuten das nötige Wissen vermitteln, um die anatomischen und biomechanischen Zusammenhänge zwischen Pferd und Sattel besser verstehen zu können. Außerdem werden Ansätze zur Behandlung der aus den Passformabweichungen resultierenden Ursache-Folge-Ketten beim Pferd vorgestellt. Es werden auch Übungen für den Reiter aufgezeigt, die der Therapeut dem Reiter empfehlen kann, um diesen lockerer auf dem Pferd sitzen zu lassen.

Wir hoffen, dass wir mit dem vermittelten Wissen zahlreichen Pferden helfen können. Im Laufe unserer beruflichen Tätigkeit haben wir immer wieder Pferdepatienten angetroffen, die jahrelang unter Schmerzen mit einem unpassenden Sattel geritten wurden und dadurch zum Teil irreversible Schädigungen aufwiesen. Dieses Schicksal möchten wir möglichst vielen Pferden ersparen.

Wir haben uns mit vier Autorinnen zusammengefunden, zwei Tierärztinnen und zwei Physiotherapeutinnen, die alle auch Pferdeosteotherapeutinnen sind. Beatrix Schulte Wien ist auch Humanosteopathin, Sportphysiotherapeutin und Amateurreitlehrerin, Dr. med. vet. Elke Kurz ist zusätzlich Pferdewirtschaftsmeisterin, Chiropraktikerin für Tiere und zertifizierte Sattelexpertin, Dr. med. vet. Dagmar Rümens ist Fachtierärztin für Pferde und seit über 20 Jahren Dozentin beim DIPO und Pia Ernst ist zertifizierte Sattelexpertin und schwerpunktmäßig auf dem Gebiet der Sattelberatung und Anpassung tätig.

Jede Autorin hat ihre Schwerpunktthemen für dieses Buch bearbeitet, das auch eine Brücke bilden soll von der Sattelbeurteilung über die Therapie zum Training.

Diesen Weg beschreitet auch die mehrfache Mannschaftsolympiasiegerin und Reitmeisterin Ingrid Klimke mit, die nicht nur für ihre Pferde, sondern auch für sich selbst ein gezieltes Gesundheitsmanagement betreibt und sich dankenswerter Weise für die Fotos zur Reiterbeweglichkeit und Koordination zur Verfügung gestellt hat.

Das Buch ist bewusst so gestaltet, dass jedes Kapitel auch einzeln lesbar und verständlich ist, sodass der Leser bei speziellen Fragestellungen nicht zwingend das gesamte Buch durchlesen muss, sondern gezielt im jeweiligen Kapitel nachschlagen kann. Dadurch ergeben sich an einigen Stellen Überschneidungen beziehungsweise Wiederholungen im Text.

16. April 2021

Beatrix Schulte Wien

Elke Kurz

Geleitwort

Die enge Verzahnung, die Symbiose aus Training und Therapie sollte eigentlich in jeder Sportart eine Schlüsselrolle einnehmen. Doch in wohl keiner anderen spielt sie eine so entscheidende Rolle, wie im Reitsport, wo Mensch und Pferd gleichermaßen als Athleten zu betrachten sind, wo beide sich hohen körperlichen Anforderungen aussetzen und beide – bestenfalls – sportliche Höchstleistungen erbringen.

Das Pferd ist der Partner des Reiters, nicht sein Sportgerät.

Dreh- und Angelpunkt der direkten Verbindung zwischen Reiter und Pferd ist der Sattel. Auch hier gilt, dass er den Bedürfnissen beider gleichgestellten (!) Partner dieses Sports gerecht werden muss. Und das selbstverständlich unabhängig von der jeweiligen Reitdisziplin. Nicht nur ist der Sattel maßgeblich entscheidend für den sportlichen Erfolg. Bei falscher Passform kann er zu einem ernsthaften Problem werden. Schränkt der Sattel die Bewegungsabläufe des Pferdes beispielsweise so stark ein, dass es schmerzbedingt nicht zum richtigen Absprung kommt, kann dies besonders im Gelände zu schweren Stürzen mit verheerenden Verletzungen bei Mensch und Tier führen.

Auch in weniger dramatischen Situationen sind die Auswirkungen eines falsch sitzenden Sattels deutlich sichtbar, z.B. durch Kopfschlagen sowie Stellungs- und Biegungsschwierigkeiten usw. Letztlich betreffen solche Einschränkungen natürlich auch den Reiter, dem das Mitschwingen der Pferdebewegungen erschwert wird, wodurch es mitunter zu erheblichen Disharmonien im gesamten Bewegungsablauf kommt und Pferd und Reiter keine Einheit mehr bilden (können).

Wenn ein Pferd zudem dauerhaft Schmerzen erleiden muss, verringert sich logischerweise seine Compliance dem Reiter gegenüber insgesamt, sodass es sein volles Potenzial nicht entfalten kann. Hierin zeigt sich abermals die Unverzichtbarkeit des ganzheitlichen Pferde-Managements, für das adäquates Equipment eine Grundvoraussetzung darstellt.

Die gute Nachricht ist, dass qualitativ hochwertige Ausrüstung bei entsprechender Pflege sehr langlebig ist und sich daher mittelfristig immer bezahlt macht. Doch nützt einem der beste Sattel nichts ohne das richtige Zubehör. Im Sinne der bereits erwähnten Ganzheitlichkeit müssen auch Schabracke und Gurt konsequent den Bedürfnissen des Pferdes und seines Exterieurs sowie der sportlichen Disziplin angepasst sein. So setze ich beispielsweise bevorzugt den klassischen Kordelgurt ein, bei Pferden mit Empfindlichkeiten in der Gurtlage oder des Brustbeins hingegen ergonomisch geformte Lammfellgurte.

Generell habe ich die Erfahrung gemacht, dass es grundsätzlich von Vorteil ist, sowohl auf Material zu vertrauen, welches sich über Jahrzehnte bewährt hat, als auch aufgeschlossen gegenüber sinnvollen Ergänzungen und Weiterentwicklungen zu bleiben. Und das natürlich immer zum Wohle des Pferdes, versteht sich.

Leider liegt gerade in der Auswahl des richtigen Equipments, im Speziellen des Sattels, eines der größten Probleme für viele Pferdebesitzer: Woran erkenne ich, was eine sinnvolle Weiterentwicklung ist und was nur reine Marketingversprechen? Wie unterscheide ich altbewährt von überholungsbedürftig?

Die Flut an sich teils stark widersprechenden Informationen und Verkaufsargumenten auf allen Kanälen stellt (nicht nur für Amateurreiter) eine immense Herausforderung dar und mündet so nicht selten in größter Verunsicherung.

Umso begrüßenswerter ist es, dass Beatrix Schulte Wien, Dr. med. vet. Elke Kurz, Dr. med. vet. Dagmar Rümens und Pia Ernst sich mit diesem Buch der Komplexität der Sattel-Thematik annehmen, sie stückweise bearbeiten und ihre Erkenntnisse verständlich darlegen. Entstanden ist ein hilfreicher und längst überfälliger Leitfaden zur Beurteilung der Sattelanpassung, dem ich zum Wohle des Pferdes eine breite Leserschaft wünsche und den bestenfalls jeder Pferdebesitzer vor der Neuanschaffung eines Sattels gelesen haben sollte!

Ich wünsche eine aufschlussreiche Lektüre.

Herzlichst Ihre

Ingrid Klimke

Inhaltsverzeichnis

Titelei

Vorwort

Geleitwort

Teil I Grundlagen

1 Einleitung

2 Angewandte Anatomie und biomechanische Zusammenhänge

2.1 Angewandte Anatomie

2.1.1 Für die Besattelung wichtige Knochenpunkte

2.1.2 Muskulatur in der Sattellage

2.1.3 Faszien in der Sattellage

2.1.4 Nerven in der Sattellage

2.1.5 Haut in der Sattel- und Gurtlage

2.2 Biomechanische Zusammenhänge

2.2.1 Halswirbelsäule

2.2.2 Brustwirbelsäule, Rippen und Brustbein

2.2.3 Lendenwirbelsäule

2.2.4 Kreuzbein und Iliosakralgelenk

2.2.5 Schwanzwirbelsäule

2.2.6 Schultergliedmaße

2.2.7 Beckengliedmaße

2.3 Der Schwerpunkt des Pferdes und die Platzierung des Reiters

2.3.1 Statischer Schwerpunkt

2.3.2 Dynamischer Schwerpunkt

2.3.3 Verlagerung des Schwerpunktes mit dem Muskelaufbau

2.3.4 Platzierung des Reitergewichts an den Schwerpunkt des Pferdes

2.3.5 Sattelgröße

2.3.6 Reitergewicht und Reitergröße

2.4 Symmetrie des Pferdes

2.4.1 Weideschrittpräferenz als Ursache für eine Asymmetrie

2.4.2 Zahnerkrankungen als Ursache für eine Asymmetrie

2.4.3 Traumatisch bedingte Asymmetrien

2.4.4 Schmerzbedingte Asymmetrien

2.4.5 Induzierte Asymmetrie durch den Menschen

2.5 Veränderungen der Sattellage im Laufe des Pferdelebens

2.5.1 Die Entwicklung vom Fohlen zum adulten Pferd

2.5.2 Das adulte Pferd

Teil II Der Sattel

3 Sattelbestandteile

3.1 Der Sattelbaum

3.1.1 Der Holz-Stahlfederbaum

3.1.2 Der Lederbaum

3.1.3 Der Kunststoff-Stahlfederbaum

3.1.4 Der Kunststoffbaum

3.2 Die Sturzfeder

3.3 Die Sattelkissen

3.4 Die Gurtstrupfen

3.5 Sattelblätter und Pauschen

4 Satteltypen

4.1 Geschichte des Sattels

4.2 Westernsättel

4.2.1 Entwicklung

4.2.2 Bestandteile

4.3 Iberische Sättel und Barocksättel

4.3.1 Iberische Sättel

4.3.2 Barocksättel

4.4 Endurance-Sättel und Wanderreitsättel

4.4.1 Endurance-Sättel

4.4.2 Wanderreitsättel

4.5 Englische Pritschensättel

4.5.1 Springsättel

4.5.2 Dressursättel

4.5.3 Vielseitigkeitssättel

4.5.4 Islandsättel

4.6 Flexsättel

4.7 Baumlose Sättel

Teil III Untersuchung und Beurteilung

5 Untersuchung des Pferdes

5.1 Anamnese

5.2 Adspektion

5.3 Ganganalyse

5.4 Palpation

5.5 Gelenkfunktionsprüfung

5.5.1 Beweglichkeit der Wirbelsäule

5.5.2 Beweglichkeit der Skapula

5.6 Fazit

6 Sattelbeurteilung

6.1 Pferd

6.1.1 Überprüfung des Sattelbaums

6.1.2 Leitkriterien zur Sattelbeurteilung

6.1.3 Fazit der Sattelbeurteilung

6.1.4 Fallbeispiele

6.2 Reiter

6.2.1 Leitkriterien zur Beurteilung von Reiter und Sattel

6.2.2 Fazit der Sattelbeurteilung

7 Sattelzubehör

7.1 Sattelgurte

7.1.1 Passform des Sattelgurts

7.1.2 Beschaffenheit des Sattelgurts

7.1.3 Länge des Sattelgurts

7.2 Sattelunterlagen (Satteldecken und Schabracken)

7.2.1 Formen der Sattelunterlagen

7.2.2 Größe der Satteldecken und Schabracken

7.2.3 Beschaffenheit der Sattelunterlagen

7.3 Pads

7.4 Hilfsriemen

7.4.1 Schweifriemen

7.4.2 Vorderzeug

7.4.3 Steigbügelriemen

7.5 Pflege des Sattelzubehörs

Teil IV Therapeutische Maßnahmen

8 Therapie von Pferd und Reiter

8.1 Therapeutische Maßnahmen beim Pferd

8.1.1 Therapieformen

8.1.2 Manuelle Behandlungsformen

8.1.3 Physiotherapie

8.1.4 Akupunktur

8.1.5 Hufformveränderungen

8.1.6 Fazit

8.2 Therapeutische Maßnahmen beim Reiter

8.2.1 Symptome bei Pferd und Reiter während der Pferd-Sattel-Reiter-Analyse

8.2.2 Die Entwicklung des physiologischen Reitsitzes

8.2.3 Der ausbalancierte Reiter

8.2.4 Auswirkungen des Sattels auf den Reiter

8.2.5 Anforderung an die Becken- und Wirbelsäulenhaltung des Reiters

8.2.6 Muskulatur, Faszien und Nervenvernetzung

8.2.7 Die Organe und die funktionelle Bedeutung des Zwerchfells im Bewegungssystem

8.2.8 Okziput-Atlas-Axis-Region

8.2.9 Os hyoideum (Zungenbein) und Articulatio temporomandibularis (Kiefergelenk)

8.2.10 Geometrie und Natur

8.2.11 Die Durchblutung der Körpergewebe

8.2.12 Die Schiefe von Pferd und Reiter

8.2.13 Muskel- und Faszien-Dehnungen für Reiter

8.2.14 Koordinationsübungen mit Hilfsmitteln

Teil V Sattelkauf und -änderungen

9 Vermessung des Pferderückens

9.1 Wann ist es sinnvoll, einen Pferderücken zu vermessen?

9.2 Messmethoden

9.3 Ausmessen des Pferderückens mithilfe einer Messschlange

9.4 Ausmessen des Reiters

9.5 Erfassung der für die Anfertigung eines Sattels relevanten Daten

10 Sattelkauf

10.1 Möglichkeiten des Sattelkaufs

10.1.1 Gebrauchte Sättel

10.1.2 Konfektionssättel

10.1.3 Teilmaßsättel

10.1.4 Maß-Konfektionssättel

10.2 Woran erkenne ich einen kompetenten Sattelverkäufer?

11 Satteländerungen

11.1 Wann sind Sattelkontrollen/Satteländerungen notwendig?

11.1.1 Junge Pferde

11.1.2 Auftrainieren nach Trainingspause

11.1.3 Breitenzunahme des Pferderückens

11.2 Häufige Änderungen des Sattels

11.2.1 Kopfeisen

11.2.2 Sattelkissen

11.2.3 Gurtstrupfen

11.3 Sattelpflege

Teil VI Anhang

12 Literatur

Autorenvorstellung

Herausgeber

Autoren

Anschriften

Sachverzeichnis

Impressum/Access Code

Teil I Grundlagen

1 Einleitung

2 Angewandte Anatomie und biomechanische Zusammenhänge

1 Einleitung

Pia Ernst, Elke Kurz, Dagmar Rümens, Beatrix Schulte Wien

Dieses Buch stellt die funktionellen Grundlagen von Pferd und Reiter dar. Sie sind Bedingung für die Harmonie zwischen diesen anatomisch unterschiedlich gebauten und sich bewegenden Lebewesen. Das Bindeglied zwischen beiden ist der Sattel. Sein Aufbau und seine Funktion auf dem Pferderücken sowie für den Reiter bildet den Kern des Buches.

Damit das Pferd den Reiter tragen kann, muss es in der Lage sein, über den Rücken zu gehen, d.h., es muss den Rücken aufwölben und mit der Hinterhand unter den Schwerpunkt treten können. Dies ist notwendig, um seine Gesundheit bei reiterlicher Nutzung dauerhaft zu gewährleisten. Das Pferd muss an die Reiterhand herantreten. Dadurch spannt es die Bauchmuskulatur an und dehnt die Rückenmuskulatur. Die Dornfortsätze entfernen sich dabei voneinander, Bauch- und Rückenmuskulatur arbeiten in Synergie. Es kann so vermehrt Last auf die Hinterhand aufnehmen. In der Folge wird die Vorhand entlastet und das Sternum (Brustbein) angehoben. Bewegt sich das Pferd in dieser Haltung, heißt es in der hippologischen Terminologie: "Das Pferd trägt sich". Dabei wird die Muskulatur gekräftigt, die Gelenke arbeiten physiologisch und das Pferd findet seine Balance unter dem Reiter. Dazu muss der Sattel sowohl in seiner Länge als auch seiner Breite und Auflage zum Pferd passen und v.a. den Reiter korrekt positionieren.

Der Sitzpunkt für den Reiter muss im Sattel so positioniert sein, dass er im Bereich des 15. Brustwirbels des Pferdes liegt, denn dort kann es die Gewichtsbelastung am besten tolerieren. Liegt der Sitzpunkt dahinter, also kaudal des 15. Brustwirbels, ist das Pferd auf Dauer nicht mehr in der Lage, den Rücken aufzuwölben, weil die Belastung zu groß ist. Es kann nicht mehr über den Rücken gehen und entzieht sich der Belastung, indem es den Rücken wegdrückt. Losgelassenheit unter dem Reiter im Sinne der Skala der Ausbildung ist dann nicht mehr möglich.

Persistiert diese Hyperextension des Rückens, so entwickeln sich Verspannungen der Rückenmuskulatur. Es kann sogar zu Blockierungen diverser Facettengelenke kommen, die in ihrer Folge zur Entstehung eines Kissing-Spine-Syndroms führen können.

Auch für den Sitz und die Einwirkung des Reiters hat der Sattel eine große Bedeutung, denn er nimmt über die Positionierung des Reiters wesentlichen Einfluss auf dessen koordinierte Hilfengebung.

Der Reiter kann nur in einem für ihn passenden Sattel zwanglos einen korrekten Grundsitz einnehmen. Der Sattel soll den Reiter dicht an den Widerrist setzen, dorthin, wo das Pferd den Menschen auch platziert, wenn er ohne Sattel auf seinem Rücken sitzt. Aus dieser natürlichen Sitzposition fallen die Oberschenkel zwanglos nach unten, sodass das Lot – so wie die Natur es vorgibt – vom Ohr des Reiters über seine Schulter und das Hüftgelenk bis zur Ferse verläuft. Genau diese Aufgabe hat ein funktionell korrekter Sattel zu erfüllen.

Nur wenn der Reiter im Sattel einen korrekten, unverspannten Grundsitz einnehmen kann, ist er in der Lage, mit der Bewegung des Pferdes mitzuschwingen und korrekte Hilfen zu geben.

Merke

Ein für das Pferd und den Reiter unpassender Sattel wird zu Störungen in den Bewegungsabläufen des Pferdes und des Reiters führen. Der unabhängige Sitz mit der sensiblen Verbindung der Reiterhand zum Pferdemaul, so wie er in den klassischen Reitlehren beschrieben wird, ist dem Reiter dann nicht mehr möglich.

Mit diesem Buch sollen dem Leser die Grundlagen der angewandten Anatomie und biomechanische Zusammenhänge des Bewegungsapparates vermittelt werden, um gestörte Funktionsabläufe zu verstehen. Außerdem erfährt er Grundlegendes über die Bestandteile des Sattels, unterschiedliche Satteltypen und das Sattelzubehör.

Daran anschließend werden Möglichkeiten zur Befundung des Pferdes und der Sattelpassform für Pferd und Reiter erläutert.

Auch Behandlungsmöglichkeiten für Pferd und Reiter werden aufgeführt und es wird aufgezeigt, welche Folgen ein unpassender Sattel haben kann.

Es ist das Anliegen der Autorinnen, dass wir dem Leser mit diesem Buch eine Hilfestellung bei der Beurteilung des Sattels geben können. Weiterhin soll er wichtige Kriterien für die Anschaffung eines passenden Sattels kennenlernen.

2 Angewandte Anatomie und biomechanische Zusammenhänge

Dagmar Rümens

2.1 Angewandte Anatomie

2.1.1 Für die Besattelung wichtige Knochenpunkte

Für die Besattelung wichtige tastbare Knochenpunkte werden in ▶ Abb. 2.1 dargestellt.

Abb. 2.1 Schematische Darstellung des Skeletts mit tastbaren Knochenpunkten, die für die Lage des Sattels und des Gurtes von Bedeutung sind. 1 Schulterblattknorpel, 2 Ellenbogenhöcker, 3 18. Rippe, 4 14. Brustwirbel, 5 18. Brustwirbel , 6 Hüfthöcker.

(Quelle: Foto: Horst Streitferdt, Grafik: Yvonne Oppert, Falkensee)

2.1.1.1 Schulterblatt, Skapula

Das Schulterblatt (Skapula) des Pferdes ist ein flacher dreieckiger Knochen, dessen Lateralfläche durch die Schulterblattgräte (Spina scapulae) in zwei Flächen geteilt wird (Fossa supraspinata und Fossa infraspinata). Die Spina ist gut zu ertasten und bei relativ schwach ausgebildeter Muskulatur häufig auch sichtbar.

An seinem proximalen Ende besitzt das Schulterblatt einen großen Knorpelaufsatz, der nahezu bis an den Widerrist reicht. Die obere Begrenzungslinie des Schulterblattknorpels wird als Dorsalrand (Margo dorsalis) bezeichnet und kann über seine gesamte Länge palpiert werden ( ▶ Abb. 2.2). Der vordere und der hintere Rand des Schulterblattes (Margo cranialis, Margo caudalis) können jeweils nur im proximalen Bereich ertastet werden. Die Lage des Kaudalrandes zu bestimmen, ist im Zusammenhang mit der Position des Kopfeisens wichtig. Das Kopfeisen sollte nicht an den Schulterblattknorpel grenzen, sondern ungefähr zweifingerbreit dahinter liegen. Durch eine falsche Lage des Kopfeisens kann die Bewegung des Schulterblatts Richtung kaudal erschwert werden, wodurch das Vorführen der Schultergliedmaße beeinträchtigt ist.

Merke

Das Kopfeisen muss zweifingerbreit hinter dem Kaudalrand des Schulterblatts liegen!

Abb. 2.2 Skapula.

Abb. 2.2a Schulterblatt mit Schulterblattknorpel.

(Quelle: Dr. Peter Vitzky)

Abb. 2.2b Schulterregion mit Dorsal- und Kaudalrand des Schulterblattknorpels.

2.1.1.2 Ellenbogengelenk, Articulatio cubiti

Das Ellenbogengelenk besteht aus dem distalen Ende des Oberarms (Humerus) und den proximalen Enden von Speiche (Radius) und Elle (Ulna). Der Ulnakopf (Olekranon) mit seinem Ellenbogenhöcker (Tuber olecrani)ist deutlich zu palpieren und liegt am weitesten kaudal und dorsal ( ▶ Abb. 2.3). Zwischen Haut und Tuber olecrani befindet sich in der Regel ein Schleimbeutel (Bursa subcutanea olecrani). Liegt eine Reizung dieses Schleimbeutels vor, ist das durch eine Verdickung am Ellenbogenhöcker erkennbar.

Praxistipp

Der subkutane Schleimbeutel kann durch eine falsche Lage des Gurtes oder durch eine schlechte Gurtqualität gereizt werden und sich entzünden. Ein Gurt mit einem deutlichen Ellenbogenausschnitt verhindert die mechanische Reizung des kaudalen Ellenbogenbereichs.

Merke

Der Sattelgurt darf nicht zu nah am Ellenbogenhöcker liegen!

Abb. 2.3 Ellenbogengelenk mit Lage der Oberarm- und Unterarmknochen. 1 Oberarm unter dem M. triceps, 2 Unterarm, Radius , 3 Unterarm (Ulna), 4 Ellenbogenhöcker.

Abb. 2.3a Ellenbogenregion, Lateralansicht.

Abb. 2.3b Ellenbogenregion.

2.1.1.3 Brustwirbelsäule, Columna thoracica

Die Brustwirbelsäule des Pferdes besteht aus 18 Wirbeln. Das markanteste Merkmal dieses Wirbelsäulenabschnitts sind die Dornfortsätze (Processus spinosi), die eine sehr unterschiedliche Länge besitzen. Der 3.–8. (10.) Dornfortsatz formen den Widerrist, wobei der 5. Dornfortsatz in der Regel den höchsten Punkt des Widerrists bildet. Die kranialen Dornfortsätze sind sehr lang, im kaudalen Teil der Brustwirbelsäule besitzen die Dornfortsätze nahezu die gleiche Länge wie die der Lendenwirbel.

An den Brust- und Lendenwirbeln eines normal bemuskelten und ernährten Pferdes sind nur die Enden ihrer Dornfortsätze zu palpieren, da Wirbelköper und Querfortsätze von Muskulatur und Bindegewebe bedeckt sind ( ▶ Abb. 2.4). Die ersten beiden Dornfortsätze erreichen die dorsale Rückenlinie nicht, sodass der erste palpierbare Dornfortsatz in der Regel der dritte ist. Wenn ein Brustwirbelsegment genau lokalisiert werden muss, müssen die Brustwirbel von kaudal, beginnend am 18. Brustwirbel, nach kranial gezählt werden. Der Übergang zwischen Brust- und Lendenwirbelsäule ist dadurch zu bestimmen, dass die letzte Rippe aufgesucht wird. In ihrem Verlauf wird diese so weit wie möglich nach dorsal verfolgt und in Verlängerung die Brustwirbelsäule erreicht. Der Untersucher gelangt dann in den Zwischenraum zwischen dem 17. und 18. Dornfortsatz ( ▶ Abb. 2.1, ▶ Abb. 2.4). Richtung kaudal folgt der erste Lendenwirbel.

Praxistipp Palpation

Zum Auffinden der Brustwirbel 3–18 orientiert man sich an der letzten Rippe.

Die Dornfortsätze sind leichter am aufgewölbten Rücken zu palpieren.

Merke

Der Sattel darf nicht auf den Dornfortsätzen aufliegen, damit das Aufwölben und die Seitneigung der Brustwirbelsäule möglich ist!

Abb. 2.4 Tastbare Knochenpunkte der Brustwirbelsäule. Türkis: 5. Brustwirbeldornfortsatz, höchster Punkt des Widerrists, Gelb: 15. Dornfortsatz, antiklinaler Wirbel (Umkehr der Dornfortsatzrichtung), Grün: 18. Brustwirbeldornfortsatz.

Abb. 2.4a 2. Brustwirbel bis 2. Lendenwirbel, Lateralansicht.

Abb. 2.4b Widerrist- und Brustwirbelsäulenregion.

(Quelle: Horst Streitferdt)

2.1.1.4 Rippen, Costae

Der knöcherne Thorax besteht neben der Brustwirbelsäule aus den Rippen und dem Brustbein (Sternum). Die Zahl der Rippenpaare entspricht der Anzahl der Brustwirbel und beträgt in der Regel 18. In ihrem proximalen Abschnitt ist jede Rippe mit der Brustwirbelsäule über 2 Gelenke verbunden.

Die erste Rippe ist einer Palpation nicht zugänglich. Die Rippen 2–5 sind nur durch das Vorschieben der flachen Hand zwischen Ellenbogengelenk und Rumpf in kranialer Richtung ertastbar. Diese Palpation wird unter Umständen erschwert durch eine verkürzte Brustmuskulatur und bodenenge Gliedmaßenstellung. Die 6.–18. Rippe und ihre Interkostalräume sind leicht zu ertasten, die 6. Rippe liegt unmittelbar hinter dem Ellenbogengelenk ( ▶ Abb. 2.5). Die sichere Identifizierung einer Rippe ist nur über die Lokalisierung der letzten Rippe und der anschließenden Palpation Richtung kranial möglich. Die Palpation der Rippen ist hilfreich, um den 18. Brustwirbel aufzufinden. Der 18. Brustwirbel markiert das hintere Ende des Sattels.

Merke

Die Rippentätigkeit darf nicht durch ein zu enges Anziehen des Sattelgurtes behindert werden.

Abb. 2.5 Rumpf mit deutlich sichtbaren Rippen.

Abb. 2.5a Lage der 6., 12., 14. und 18. Rippe

Abb. 2.5b Kaudalansicht des ventralen Brustkorbs. 1 Brustbeinkörper, 2 Schaufelknorpel, 3 Rippenknorpel, 4 Rippenknochen, 5 Rippenfuge.

2.1.1.5 Brustbein, Sternum

Das Brustbein bildet zusammen mit der Brustwirbelsäule und den Rippen den knöchernen Brustkorb ( ▶ Abb. 2.5). Es ist ventral kielförmig ausgebildet und kann in drei Abschnitte eingeteilt werden. Der vordere Teil des Brustbeins wird als Habichtsknorpel (Cartilago manubrii) bezeichnet. Diesem schließt sich der mittlere Teil, der Brustbeinkörper (Corpus sterni), unmittelbar an. Der kaudale Anteil des Sternums ist der Schaufelknorpel (Cartilago xiphoidea). Dieser ist stark abgeplattet und fest mit der straffen Bauchdecke verbunden, wodurch die genaue Abgrenzung palpatorisch erschwert wird. Der Habichtsknorpel kann am oberen Ende der mittleren Brustfurche ertastet werden. Auch der Brustbeinkörper ist, abhängig von der Ausbildung der Brustmuskulatur, gut palpierbar ( ▶ Abb. 2.6). Im Bereich des Brustbeinkörpers befindet sich die Gurtlage.

Praxistipp

Eine breite Auflagefläche des Gurtes auf dem Brustbein ermöglicht eine gute Druckverteilung.

Praxistipp Palpation

Der Habichtsknorpel kann am oberen Ende der mittleren Brustfurche palpiert werden.

Abb. 2.6 Ventrale Thoraxregion. 1 Habichtsknorpel, 2 Brustbeinkörper, 3 1. Rippe, 4 Rippenknorpel, 5 proximaler Oberarm, 6 mittlere Brustfurche, 7 8. Rippe, 8 Olekranon mit Ellenbogenhöcker, 9 Schaufelknorpel, 10 Rippenfuge, 11 Rippenbogen, 12 Humerus, 13 Radius, 14 Vena thoracica superficialis.

Abb. 2.6a Brustbein mit Habichtsknorpel und ersten Rippen, Ansicht von kraniolateral.

Abb. 2.6b Brustregion mit Lage des Habichtsknorpels am Ende der mittleren Brustfurche, Ansicht von kraniolateral.

Abb. 2.6c Ventrale Thoraxregion, Ansicht von lateral.

Abb. 2.6d Ventrale Thoraxregion, Ansicht von ventrolateral.

2.1.1.6 Lendenwirbelsäule, Columna lumbalis

Die Lendenwirbelsäule des Pferdes besteht aus 6 Lendenwirbeln ( ▶ Abb. 2.7). Esel und Maultiere besitzen nur 5 Lendenwirbel ▶ [73]. Pferde mit besonders langem Rücken, wie der Achal Tekkiner, weisen oft 7 Lendenwirbel auf. Der erste Lendenwirbel kann über die Palpation der letzten Rippe lokalisiert werden. Folgt man dem Verlauf der letzten Rippe bis zur Wirbelsäule, gelangt man in den Raum zwischen dem Dornfortsatz von 17. und 18. Brustwirbel. Kaudal davon lassen sich dann die Dornfortsätze der Lendenwirbel ertasten. Die Lendenwirbel können auch über die Palpation des Spatium interarcuale lumbosacrale (s. Zusatzinfo) lokalisiert werden.

Zusatzinfo Spatium interarcuale lumbosacrale

Das Spatium interarcuale lumbosacrale befindet sich zwischen dem letzten Lendenwirbel und dem ersten Kreuzwirbel. Es entsteht durch eine Umkehr der Dornfortsatzrichtung zwischen diesen beiden Wirbeln. Die weite Öffnung zwischen den Dornfortsätzen ermöglicht eine große Flexions- und Extensionsamplitude. Das Spatium interarcuale lumbosacrale ist ca. 20mm kaudal des letzten Lendenwirbels und 40mm kranial der Kreuzhöcker als eine flachgrubige Vertiefung zu spüren ▶ [73].

Praxistipp Palpation

Die Lendenwirbel können sowohl von kranial als auch von kaudal lokalisiert werden.

Abb. 2.7 Tastbare Knochenpunkte und Strukturen im lumbosakralen Bereich. 1 Spatium interarcuale lumbosacrale, 2 letzte Rippe, 3 Lage der Lendenwirbel 1-6, L1 Lendenwirbel 1, L6 Lendenwirbel 6, S1 Kreuzwirbel 1.

Abb. 2.7a Lendenwirbelsäule und Kreuzbein, Lateralansicht.

Abb. 2.7b Lage der Lendenwirbel 1–6.

2.1.1.7 Becken, Pelvis

Das Becken des Pferdes besteht aus den beiden Hüftbeinen (Ossa coxae), die sich ventral in der Beckenfuge (Symphysis pelvina) verbinden. Jedes Hüftbein setzt sich aus drei Beckenknochen zusammen: Darmbein (Os ilium), Schambein (Os pubis) und Sitzbein (Os ischii) ▶ [160]. Am Becken gibt es sechs palpierbare Knochenpunkte ( ▶ Abb. 2.8). Am Darmbein können die lateral liegenden Hüfthöcker (Tubera coxae) und die beiden Kreuzhöcker (Tubera sacralia), die nahe der Medianlinie liegen, palpiert werden. Das Auffinden der Kreuzhöcker kann durch gut ausgebildete Kruppenmuskulatur erschwert sein. Die Sitzbeinhöcker (Tubera ischiadica) befinden sich im kaudolateralen Teil der Kruppe und sind hier durch den M. semitendinosus hindurch zu palpieren.

Zusatzinfo

Die Palpation der Knochenpunkte des Beckens kann von Bedeutung sein, wenn die Symmetrie des Beckens beurteilt werden soll. Ein einseitiges Absinken eines Hüfthöckers kann nach Abheilen einer Fraktur in diesem Bereich zurückbleiben.

Praxistipp

Die Lokalisation der Hüfthöcker ist für die Lage von Sattelunterlagen von Bedeutung. Schabracken, Pads und Numnahs sollten nicht bis an die Hüfthöcker heranreichen, da dies, insbesondere in Wendungen, störend sein kann.

Praxistipp Palpation

Die Kreuzhöcker liegen ca. 20mm kaudal des Spatium interarcuale lumbosacrale links und rechts der Medianen und sind ca. 2–3cm voneinander entfernt. Erleichtert wird die Palpation der Kreuzhöcker durch das Anlegen der Hand am Hüfthöcker und die Verlängerung der kaudalen Linie nach dorsal.

Abb. 2.8 Tastbare Knochenpunkte der Beckenregion. 1 Hüfthöcker, 2 Kreuzhöcker, 3 Dornfortsätze Kreuzbein, 4 Sitzbeinhöcker, 5 letzte Rippe, 6 Dornfortsätze Lendenwirbel.

Abb. 2.8a Becken und Kreuzbein, Dorsalansicht.

Abb. 2.8b Lenden- und Beckenregion, Dorsalansicht, schräg.

2.1.2 Muskulatur in der Sattellage

Die Sattellage wird über folgende Faktoren definiert:

Form der Brustwirbelsäule

Form der Lendenwirbelsäule

Form der Schulter

Ausbildung der Muskulatur

Ausbildung der Faszien

Die Kenntnis der tastbaren Knochenpunkte und der Muskulatur ist wichtig im Hinblick auf die korrekte Lage des Sattels. Zusätzlich ist sie wesentlich, um schmerzhafte Regionen und eine Hypersensibilität zu erkennen, die durch Verspannungen und Druckstellen entstehen können. In diesem Kapitel wird auf die an der Sattellage beteiligte Muskulatur eingegangen. Darüber hinaus werden die Muskeln vorgestellt, die besondere funktionelle Bedeutung für die Stabilisierung der Wirbelsäule haben.

Die Sattel- und Gurtlage wird muskulär geformt durch:

M. longissimus dorsi

M. iliocostalis

M. trapezius

M. spinalis

M. latissimus dorsi

Mm. intercostales

Mm. pectorales et abdominales

In der Hautschicht befindet sich außerdem der M. cutaneus trunci (Bauchhautmuskel, ▶ Abb. 2.14).

Abb. 2.9 Schematische Darstellung der Muskulatur und der Faszien nach Entfernung des Bauchhautmuskels. 1 Fascia thoracolumbalis, 2 M. trapezius, 3 M. latissimus dorsi, 4 M. serratus dorsalis caudalis, 5 M. serratus ventralis, 6 Mm. intercostales, 7 M. obliquus externus abdominis, 8 M. pectoralis profundus, 9 M. brachiocephalicus und M. omotransversarius, 10 M. sternomandibularis, 11 M. splenius, 12 M. triceps, 13 M. glutaeus medius, 14 M. glutaeus superficialis, 15 M. biceps femoris, 16 M. semitendinosus, 17 M. tensor fasciae latae.

(Quelle: Yvonne Oppert, Falkensee)

2.1.2.1 M. longissimus dorsi, langer Rückenmuskel

Steckbrief M. longissimus thoracis et lumborum

Ursprung: Dornfortsätze des Kreuzbeins und der Brust- und Lendenwirbel, Brustlendenfaszie, Darmbein

Ansatz: Gelenk-, Zitzen- und Querfortsätze der Brustwirbel, Rippen

Funktion: durch Grundtonus Stabilisierung der Wirbelsäule, Strecken der Wirbelsäule, mitbeteiligt am Aufrichten des Vorderkörpers, bei einseitiger Kontraktion auch Seitneigung der Wirbelsäule

Faserverlauf: kranioventral und lateral

Antagonisten: Bauchmuskeln, innere Lendenmuskeln

Palpation: Der Muskel liegt unter der Haut, der oberflächlichen Faszie und der Brustlendenfaszie. Er ist im thorakolumbalen Bereich zwischen Hüfthöcker und Schulterblatt von der dorsalen Rückenlinie bis zu seinem lateralen Rand auf dem Rippenbogen zu tasten.

Am M. longissimus können folgende Anteile unterschieden werden: M. longissimus capitis et atlantis (Kopfportion), M. longissimus cervicis (Halsportion), M. longissimus thoracis (Brustportion), M. longissimus lumborum (Lendenportion) ( ▶ Abb. 2.9, ▶ Abb. 2.10, ▶ Abb. 2.11). Der Muskel setzt sich zusammen aus vielen Einzelsegmenten. Die Brust- und Lendenportion bilden die Grundlage für die Bildung der Sattellage.

Abb. 2.10 Dorsale und laterale Muskulatur im Schulter- und kranialen Rumpfbereich. 1 Schulterblattknorpel, 2 Schulterblattgräte, 3 Rückenband mit Widerristkappe, 4 Fascia spinocostotransversalis, 5 M. rhomboideus, 6 M. splenius, 7 M. serratus ventralis cervicis, 8 M. spinalis, 9 M. longissimus, 9b tastbare Rinne am Lateralrand des M. longissimus thoracis, 10 M. iliocostalis mit Ansatzsehnen, 11 Mm. intercostales externi.

Abb. 2.10a Mittlere Schicht der Rumpfmuskulatur in der Widerristregion.

(Quelle: Prof. William Pérez, Facultad de Veterinaria, Uruguay)

Abb. 2.10b Mittlere Schicht der Rumpfmuskulatur im Bereich der kranialen und mittleren Brustwirbelsäule nach Entfernung des Schulterblatts.

(Quelle: Prof. William Pérez, Facultad de Veterinaria, Uruguay)

Abb. 2.11 Oberflächliche Schicht der Rücken- und Kruppenmuskulatur nach Entfernung der Brustlendenfaszie, des Bauchhautmuskels und des M. trapezius, Ansicht von kaudodorsal. 1 M. longissimus dorsi, 2 M. gluteus medius, 3 Verbindung des M. gluteus medius mit dem M. longissimus dorsi, Lendenzacke, 4 M. spinalis.

(Quelle: Dr. Ivana Ruddock-Lange, Equine Anatomy In Layers)

Funktionelle Bedeutung des M. longissimus thoracis et lumborum

Der M. longissimus dorsi ist der wichtigste Strecker der Wirbelsäule und ebenfalls beteiligt an der Seitwärtsbiegung. Sein hoher Gehalt an Typ-II-Muskelfasern weist auf seine wichtige Bewegungsfunktion hin. Die Muskelaktivität des langen Rückenmuskels ist in den verschiedenen Gangarten unterschiedlich stark ausgeprägt. Im Schritt zeigen sowohl der lange Rückenmuskel als auch sein Gegenspieler, der M. rectus abdominis, keine deutliche Aktivität. Die wesentliche Funktion des langen Rückenmuskels im Schritt wird in der Begrenzung der Lateralbewegung der Wirbelsäule gesehen. Im Trab steigert sich die Muskelaktivität des M. longissimus dorsi, bleibt aber wechselseitig. Im Galopp weist der M. longissimus dorsi die höchste Muskelaktivität auf, linker und rechter Muskel arbeiten gleichzeitig. Sowohl der M. longissimus dorsi als auch der M. rectus abdominis zeigen ebenfalls bei Bergauf-Bewegung gesteigerte Aktivitäten, was auf die erhöhte Kraftentwicklung der Beckengliedmaßen und deren Übertragung auf den M. longissimus dorsi zurückzuführen ist ▶ [69].

Die Charakterisierung des langen Rückenmuskels als reiner Bewegungsmuskel wird seiner Funktion aber nicht ausreichend gerecht. Über seine gesamte Länge hat er eine große Bedeutung für die axiale Stabilität. Die Ursprünge und Ansätze aller Anteile des M. longissimus dorsi (Lende, Brust, Hals und Kopf) überlappen sich, wodurch eine gute Stabilisierung der Körperlängsachse entsteht. Die Lendenportion ist besonders kräftig entwickelt und die Einzelmuskelbäuche des Rückenmuskels überspringen hier weniger Segmente als weiter kranial, wodurch die Lende besonders stabilisiert wird ▶ [151]. Dadurch kann das Gewicht der Baucheingeweide in der Lendenregion, in der Brustbein und Rippen als stabilisierende Faktoren fehlen, getragen werden. Der lange Rückenmuskel wird bedeckt von der Brustlendenfaszie (Fascia thoracolumbalis) und verschmilzt mit ihr ( ▶ Abb. 2.13). Die Faszie kreuzt in der Lendengegend über die Mittellinie zur gegenüberliegenden Körperseite, wodurch eine kreuzweise Verspannung beider Körperseiten entsteht. Beim jungen Pferd wird der lange Rückenmuskel während der Arbeit in die Tiefe gedehnt und gekräftigt und so auf das Tragen von Kopf und Hals in der Aufrichtung beim ausgebildeten Pferd vorbereitet.

Praxistipp

Die höchste Muskelaktivität des M. longissimus dorsi und seines Antagonisten, des M. rectus abdominis, ist im Galopp und beim Bergauf-Training messbar ▶ [16]▶ [69]. Die größte Bewegungsamplitude des Rückens in Beugung und Streckung (ca. 15°) wird in der Gangart Galopp gemessen, da sich der Rücken beim Vorschwingen der Beckengliedmaßen aufwölben muss. Im Vergleich dazu wird im Schritt (ca. 7°) und im Trab (max. 4,9°) ein deutlich geringeres Bewegungsausmaß in Flexion und Extension erreicht. Bei Pferden mit Rückenproblemen kann es deshalb sinnvoll sein, nach der Aufwärmphase im Schritt die Lösung des Pferdes durch Galopparbeit zu erreichen. Im Galopp fällt es den Pferden leichter ihren Rücken aufzuwölben, da durch das weite Vorschwingen der Beckengliedmaßen das Becken abkippen muss. Dafür ist ein hohes Maß an Aktivität der Bauch-, Lenden- und Rückenmuskulatur erforderlich.

Zusatzinfo Muskelfasertypen

Es gibt verschiedene Muskelfasertypen, die durch einen unterschiedlichen Stoffwechsel charakterisiert sind. Typ-I-Fasern (slow twitch fibres) besitzen viel Myoglobin und viele Mitochondrien, sind gut durchblutet und haben einen überwiegend aeroben Stoffwechsel. Typ-II-Fasern (fast twitch fibres) haben dagegen nur wenige Mitochondrien, wenig Myoglobin und ihr Stoffwechsel läuft vorwiegend anaerob ab. Muskeln mit einem hohen Anteil an Typ-I-Fasern werden also gut mit Sauerstoff versorgt. Diese Fasern ermüden langsamer und werden vermehrt in Muskeln gefunden, die Haltearbeit leisten. Muskeln mit einem hohen Anteil an Typ-II-Fasern können schnell starke Kräfte entwickeln, ermüden aber auch schnell, da sie nur wenige Mitochondrien besitzen und weniger gut durchblutet sind ▶ [148]. Die meisten Muskeln besitzen eine Kombination aus beiden Fasertypen, aber je nach Funktion kommen bei einem Bewegungsmuskel mehr Typ-II-Fasern und bei einem Haltemuskel mehr Typ-I-Fasern vor. Der lange Rückenmuskel hat vorwiegend Typ-II-Fasern, dies belegt, dass dieser Muskel wichtige Bewegungsfunktion hat, aber auch schnell ermüdet ▶ [64].

Funktionelle Aspekte

Der M. longissimus dorsi ist der längste Muskel im Pferdekörper. Er ist ein wichtiger Bestandteil der dorsalen Muskelkette, die von der plantaren Zehenfaszie bis zum Kiefergelenk verläuft. Über diese Kette können Verspannungen über die gesamte Körperlänge bis in den Kopfbereich weitergeleitet werden und insbesondere das Kiefergelenk beeinflussen ( ▶ Abb. 2.27). Störungen im Verlauf der dorsalen Muskelkette können die Ursache für mangelndes Kauen, Maulaufsperren oder Zungenspiel während der Arbeit sein. Schon bei den alten Reitmeistern galt die „Beweglichkeit des Unterkiefers“ als ein Kriterium für ein losgelassenes Pferd ▶ [105]. Neben den bereits beschriebenen Funktionen hat der lange Rückenmuskel eine Schlüsselfunktion bei der Kraft- und Schwungübertragung von der Hinterhand auf den Rücken. Die Verbindung des M. longissimus dorsi zur Beckengliedmaße erfolgt einerseits durch die Fascia glutea und andererseits durch die Lendenzacke des Kruppenmuskels, die am ersten Lendenwirbel inseriert ( ▶ Abb. 2.11). Der M. glutaeus medius (Kruppenmuskel) überdeckt in diesem Bereich den M. longissimus lumborum und verbindet sich auch mit dessen Fasern. Ist der lange Rückenmuskel durch Fehlbelastung in der Sattellage verspannt, können Schwung und Kraft nicht in Richtung kranial weitergeleitet werden. Das Pferd geht mit festgehaltenem Rücken.

2.1.2.2 Mm. multifidi, vielfach gefiederte Muskeln

Steckbrief Mm. multifidi

Ursprung: Gelenk- und Zitzenfortsätze vom Kreuzbein bis zum 3. Halswirbel

Ansatz: an kranial gelegenen Dornfortsätzen, im Brustbereich auch an kranial gelegenen Querfortsätzen

Funktion: Stabilisation, Streckung, Rotation der Wirbelsäule, Propriozeption

Faserverlauf: kraniodorsal und medial

Antagonisten: M. rectus abdominis, M. longus colli

Palpation: nicht möglich

Die Mm. multifidi bilden die tiefste Schicht der Rückenmuskulatur ( ▶ Abb. 2.12). Sie sind ebenso wie der lange Rückenmuskel segmental gegliedert, wobei vom Ursprung bis zum Ansatz mehrere Segmente übersprungen werden.

Abb. 2.12 Tiefe Schicht der Rückenmuskulatur nach Entfernung des M. longissimus dorsi und des M. spinalis, Präparat in rechter Seitenlage, Ansicht linke Körperseite von schräg dorsal. 1 Mm. multifidi, 2 M. iliocostalis, 3 Rippen, 4 Interkostalmuskulatur, 5 Hüfthöcker, 6 Lig. supraspinale.

(Quelle: Dr. Ivana Ruddock-Lange, Equine Anatomy In Layers)

Funktionelle Bedeutung der Mm. multifidi

Die Hauptfunktion der Mm. multifidi wird häufig aufgrund ihres hohen Gehalts an Typ-I-Muskelfasern in der Stabilisation der Wirbelsäule gesehen.

Die Mm. multifidi lassen sich, ähnlich wie der M. longissimus dorsi, aber nicht nur auf die Kategorie Halte- oder Bewegungsmuskulatur reduzieren. Diese Einteilung ist nicht nur abhängig von dem vorwiegenden Gehalt an Typ-I- oder Typ-II-Fasern, sondern auch von der Architektur des Muskels. Die Architektur der Mm. multifidi wird bestimmt durch die Länge der Muskelfasern und ihre Ansatzrichtung. Eine kurze Faserlänge bedeutet eine höhere Stabilität mit einem geringeren Energieverbrauch ▶ [40]. Längere Fasern ermöglichen eine höhere dynamische Kraft des Muskels. Im thorakolumbalen Bereich, ab dem 12. Brustwirbel in Richtung kaudal, sind die Muskelfasern eher kurz und überbrücken 2–4 Segmente, was maßgeblich zur Stabilisierung der Lendenregion beiträgt. Vor dem 12. Brustwirbel weisen die Muskelfasern eine größere Länge auf und überbrücken bis zu 8 Segmente ▶ [40]. In der thorakalen Region besitzen die Mm. multifidi deshalb eine hohe Rotationskapazität. Neben der Stabilisation der gesamten Wirbelsäule und der Rotation unterstützen die Mm. multifidi den langen Rückenmuskel bei der Streckung der Wirbelsäule.

Eine weitere wichtige Funktion dieser tiefliegenden Muskeln ist die Körperwahrnehmung. Die Mm. multifidi enthalten eine hohe Zahl an speziellen Rezeptoren, den Propriozeptoren, die Informationen über die Lage der Wirbelsäule an das Gehirn melden. Dies zeugt von der hohen neuromotorischen Kontrollfunktion dieser Muskeln für die Wirbelsäule ▶ [137]. Sind die tief liegenden Mm. mulifidi gut trainiert, verfügt das Pferd über eine gute Wirbelsäulenstabilität und Balance.

Definition Propriozeption

Propriozeption ist die Fähigkeit, Ort, Lage, Ausrichtung und Bewegung des Körpers wahrzunehmen. Die Wahrnehmung erfolgt durch mechanosensible Nervenendigungen, wie z.B. die Muskelspindeln, die Ruffini-Körperchen oder das Golgi-Sehnenorgan. Die Rezeptoren befinden sich in der Haut, den Muskeln, den Sehnen und den Gelenken ▶ [119].

Zusatzinfo Rehabilitation der Mm. mulitifidi

Bei Pferden mit Rückenproblemen wurde eine signifikante Abnahme der Muskelmasse der Mm. multifidi festgestellt. Dies belegt den Zusammenhang zwischen Rückenschmerz und Muskelatrophie ▶ [58].

Die Mm. multifidi können nach Rückenerkrankungen als Rehabilitationsmaßnahme mit gezielten täglichen Übungen aufgebaut werden. Nach einer dreimonatigen dynamischen Mobilisation der Mm. multifidi zeigte sich eine signifikante Verbesserung der Symmetrie und eine Größenzunahme der Muskeln in der thorakolumbalen Region ▶ [136].

2.1.2.3 M. iliocostalis, gemeinschaftlicher Rippenmuskel

Steckbrief M. iliocostalis

M. iliocostalis lumborum

Ursprung: Crista iliaca, Querfortsätze der Lendenwirbel

Ansatz: Kaudalrand der letzten Rippe

M. iliocostalis thoracis

Ursprung: Proximalende der Rippen

Ansatz: Kaudalrand der Rippen 1–15, Querfortsatz des letzten Halswirbels

M. iliocostalis

Funktion: Seitwärtsbiegen und Stabilisation der Brust- und Lendenwirbelsäule, Hilfsexspirator

Faserverlauf: kranioventral und lateral

Palpation: Der Muskel ist nicht palpierbar. Allerdings ist der Übergang zwischen dem M. longissimus dorsi und dem M. iliocostalis in Form einer Rinne tastbar ( ▶ Abb. 2.10, 9b, 10).

Der M. iliocostalis besteht aus vielen Muskelfaserbündeln, die in eine Lenden- und eine Brustportion eingeteilt werden ( ▶ Abb. 2.10).

Der M. iliocostalis gehört neben dem M. longissimus zu den segmental gegliederten langen Rückenmuskeln. Er besitzt lange sehnige Ansätze, die 3–4 Segmente überspringen, bevor sie kaudal an den Rippen inserieren. Durch den Ansatz an den Kaudalrändern der Rippen ist der Muskel auch an der Ausatmung beteiligt. Bei einseitiger Kontraktion wird die Wirbelsäule zur Seite gebogen. Durch die vielen Einzelsehnen stabilisiert er die Brust- und Lendenwirbelsäule in der Längsachse und verbraucht durch seinen hohen sehnigen Anteil dabei nur wenig Energie.

Praxistipp

Die Sattelkissen dürfen nicht über den Lateralrand des M. longissimus hinausgehen, da sie ansonsten die Ansatzsehnen des M. iliocostalis irritieren können und die Biegung zur betreffenden Seite für das Pferd unangenehm machen.

2.1.2.4 M. spinalis thoracis et cervicis, Dornfortsatzmuskel

Steckbrief M. spinalis thoracis et cervicis

Ursprung: sehnig an den Dornfortsätzen aller Lendenwirbel, Dornfortsätze der Brustwirbel 12–18, Sehne des M. longissimus dorsi

Ansatz: Dornfortsätze der Brustwirbel 6–1, Tubercula dorsalia der Halswirbel 7–3

Funktion: Streckung und Stabilisation der Wirbelsäule, bei einseitiger Kontraktion: Seitwärtsbieger von Rücken und Hals, bei beidseitiger Kontraktion: Heber des Halses

Antagonisten: Brustmuskulatur, Bauchmuskulatur

Palpation: Der Muskel ist nicht direkt palpierbar. Im Widerristbereich bildet der M. spinalis den muskulären Unterbau des M. trapezius.

Der M. spinalis thoracis et cervicis ist eine einheitliche Muskelplatte, die den Dornfortsätzen der Lenden-, Brust- und Halswirbelsäule seitlich anliegt und diese miteinander verbindet ( ▶ Abb. 2.10, ▶ Abb. 2.11). Zusammen mit den Ligg. interspinalia (Zwischendornbändern) und dem Lig. supraspinale (Rückenband) bewirkt der M. spinalis eine Längsstabilisierung der Wirbelsäule. Der M. spinalis ist in seinem lumbalen Teil stark sehnig und liegt medial des M. longissimus. Im Brustbereich modelliert der Muskel die Widerristregion und zieht zwischen den Schulterblättern in die Tiefe. Der M. trapezius thoracis liegt ihm im Bereich des Widerrists auf. Im Hals-Brust-Übergang liegt er der Nackenplatte seitlich an. Ähnlich wie die Mm. multifidi und der M. longissimus cervicis wird der tief liegende M. spinalis bei der Vorwärts-Abwärtsarbeit des Pferdes gedehnt. Dadurch kommt es zu einer Stabilisierung des Hals-Brust-Übergangs und langfristig zu einer Unterstützung der Rumpfträger.

2.1.2.5 M. trapezius, Trapezmuskel

Steckbrief M. trapezius

Ursprung: dorsomedian am Funiculus nuchae und am Lig. supraspinale vom 2. Halswirbel bis zum 10. Brustwirbel

Ansatz: Halsportion: aponeurotisch an der gesamten Spina scapulae

Brustportion: aponeurotisch am proximalen Drittel der Spina scapulae

Funktion: Fixierung der Schultergliedmaße am Rumpf, Vorführer der Schultergliedmaße, Abduktion

Palpation: Der flache Muskel liegt oberflächlich unter der Haut, ist aber kaum von seiner Umgebung abgrenzbar.

Der M. trapezius gehört zur oberflächlichen Schultergürtelmuskulatur ( ▶ Abb. 2.9, ▶ Abb. 2.13). Diese Muskelgruppe verbindet die Schultergliedmaße mit dem Rumpf. Der Trapezmuskel besteht aus einer Hals- und einer Brustportion. Beide Anteile sind flache, dünne Muskeln.

Der M. trapezius besitzt einen größeren zervikalen Teil mit kaudoventralem Faserverlauf und einen kleineren thorakalen Teil mit kranioventralem Faserverlauf. Bei seiner Kontraktion wird das Schulterblatt kaudal rotiert und dadurch die Schultergliedmaße vorgeführt. Im Zusammenhang mit hohem Druck durch ein zu enges Kopfeisen des Sattels wird häufig von einer Atrophie des M. trapezius gesprochen. Allerdings handelt es sich hier eher um eine Atrophie des M. spinalis, der unter dem M. trapezius liegt und ein deutlich größeres Muskelvolumen besitzt. Der thorakale M. trapezius ist in der Sattellage nur von der Haut und der oberflächlichen, zarten Faszie bedeckt. Unter dem flachen M. trapezius liegt der Nervus accessorius, der den Muskel innerviert.

Zusatzinfo N. accessorius

Der M. trapezius wird durch den N. accessorius, den 11. Gehirnnerven, innerviert. Dieser liegt unter dem dünnen M. trapezius und kann durch ein zu enges Kopfeisen leicht gereizt werden. Neben dem M. trapezius innerviert der N. accessorius auch den M. brachiocephalicus, der als wichtigster Vorführer der Schultergliedmaße gilt. Durch die Irritation des Nervs, kann die Bewegung der Schultergliedmaße eingeschränkt sein.

Praxistipp

Ein enges oder falsch gerichtetes Kopfeisen kann zu einer Druckatrophie des M. trapezius und des darunterliegenden M. spinalis führen. Auch eine Brückenbildung, die durch Druckspitzen hinter der Schulter und dem Ende der Sattellage gekennzeichnet ist, kann zu einer starken Beeinträchtigung des M. trapezius und damit der Vorhandbewegung führen.

Abb. 2.13 Lateralansicht der Schulterregion und des Rumpfes nach Entfernung der Hautmuskulatur. 1 M. trapezius Pars thoracis, 2 M. latissimus dorsi, 3 Fascia thoracolumbalis, 4 M. pectoralis profundus, 5 M. obliquus externus abdominis, 6 M. serratus ventralis thoracis.

(Quelle: Dr. Ivana Ruddock-Lange, Equine Anatomy In Layers)

2.1.2.6 M. cutaneus trunci, Bauchhautmuskel

Steckbrief M. cutaneus trunci

Ursprung: oberflächliche und tiefe Faszien der Brust- und Bauchregion

Ansatz: oberflächliche und tiefe Faszien der Rücken- und Knieregion

Funktion: Hautspannung und -bewegung zur Insektenabwehr, Wärmeisolierung

Palpation: Der Bauchhautmuskel kann an der seitlichen Rumpfwand palpiert werden. Er reicht Richtung dorsal bis unter die Sattelkissen, bedeckt allerdings nicht den Brustteil des M. trapezius.

Der Bauchhautmuskel ist in die oberflächliche Rumpffaszie eingelagert und hat deshalb eine enge Beziehung zur äußeren Haut ( ▶ Abb. 2.14). Seine Fasern verlaufen von kranioventral nach kaudodorsal. Der Bauchhautmuskel variiert stark in seiner Form und Größe. Kranial strahlt er in die Schulterfaszie und die Fascia axillaris ein, kaudal zieht er vom hinteren Schulterblattwinkel in Richtung Kniefalte. Seine ventrale Begrenzung stellt die V. thoracica superficialis am Übergang von der lateralen zur ventralen Bauchwand dar. Der Bauchhautmuskel besitzt beim Pferd eine Dicke von 1,5–2,7cm ▶ [143]. Er bedeckt einen großen Teil der Gurt- und Sattellage. Der M. trapezius ist jedoch nicht vom Bauchhautmuskel bedeckt.

Eine Reizung der Haut bewirkt im Bereich des Bauchhautmuskels den Panniculus-Reflex. Darüber hinaus bildet er eine wärmeisolierende Schicht und schützt das Pferd vor Kälte.

Zusatzinfo Panniculus-Reflex

Der Panniculus-Reflex wird durch einen äußeren Reiz der Haut ausgelöst und führt zu einer Kontraktion der Hautmuskulatur. Er dient dem Vertreiben von Insekten. Pferde, die unter Sattelzwang leiden, zeigen häufig auch Kontraktionen des Bauchhautmuskels beim Satteln.

Abb. 2.14 Lateralansicht der Schulterregion und des Rumpfes nach Entfernung der Haut. 1 Schulterhautmuskel, 2 Bauchhautmuskel, 3 Gelbe Bauchhaut (Tunica flava abdominis), 4 Fascia thoracolumbalis, 5 Fascia superficialis über dem M. trapezius.

(Quelle: Dr. Ivana Ruddock-Lange, Equine Anatomy In Layers)

2.1.2.7 M. latissimus dorsi, breiter Rückenmuskel

Steckbrief M. latissimus dorsi

Ursprung: Lig. supraspinale vom 3. Brustwirbel bis zum letzten Lendenwirbel, Fascia thoracolumbalis

Ansatz: strahlt ein in den M. tensor fasciae antebrachii, den M. cutaneus trunci und den M. teres major, außerdem an Tuberositas teres major

Funktion: wichtigster Rückführer der Schultergliedmaße, bei fixierten Schultergliedmaßen Vorziehen des Rumpfes

Antagonist: M. brachiocephalicus

Palpation: Der vordere Rand des Muskels ist auffindbar durch die Verlängerung einer Geraden vom Ellenbogenhöcker in Richtung dorsal.

Der M. latissimus dorsi, dem Namen nach der „Breiteste Muskel des Rückens“, gehört zur oberflächlichen Schicht der Schultergürtelmuskulatur. Er verbindet die Schultergliedmaße mit dem Rumpf und liegt direkt unter dem Bauchhautmuskel.

Der M. latissimus dorsi entspringt mit einem breiten Sehnenblatt aus der Brustlendenfaszie. Seine Fasern sind kranioventral gerichtet und laufen konvergierend auf den medialen Oberarm zu. Sein kranialer Rand zieht über den kaudalen Winkel des Schulterblatts hinweg und fixiert dadurch das Schulterblatt am Rumpf. Nur wenn der M. latissimus dorsi dehnbar ist, kann sein Antagonist, der M. brachiocephalicus, die Schultergliedmaße optimal nach vorne führen. Sollte die Brustlendenfaszie, aus der der M. latissimus dorsi entspringt, allerdings schmerzhaft verändert oder in Form einer Kontraktur geschädigt sein, kann dadurch der Bewegungsradius der Schultergliedmaße in kranialer Richtung eingeschränkt sein.

2.1.2.8 Mm. intercostales, Zwischenrippenmuskeln

Steckbrief Mm. intercostales externi, äußere Zwischenrippenmuskeln

Ursprung: Kaudalrand der Rippen

Ansatz: Kranialrand der folgenden Rippen

Funktion: Erweiterung des Brustkorbs, Inspiration

Antagonist: Mm. intercostales interni

Palpation: Die äußeren Interkostalmuskeln sind zwischen den Rippen unter dem M. cutaneus trunci zu tasten.

Steckbrief Mm. intercostales interni, innere Zwischenrippenmuskeln

Ursprung: Kranialrand der Rippe

Ansatz: Kaudalrand der vorhergehenden Rippe

Funktion: Verengung des Brustkorbs, Exspiration

Antagonist: Mm. intercostales externi

Palpation: nicht möglich

Die Interkostalmuskulatur ist in zwei übereinanderliegenden Schichten mit gegenläufigem Faserverlauf angeordnet ( ▶ Abb. 2.9, ▶ Abb. 2.10). Sowohl der gegenläufige Faserverlauf als auch ihre stark sehnige Durchsetzung tragen zur Stabilisierung des Thorax bei. Die oberflächlich liegenden Zwischenrippenmuskeln (Mm. intercostales externi) ziehen kaudoventral und gehören zu den Inspiratoren, während die tiefer liegenden inneren Zwischenrippenmuskeln (Mm. intercostales interni) kranioventral ziehen und zu den Exspiratoren gehören.

Praxistipp

Die Erweiterung des Thorax bei der Einatmung darf nicht durch einen Schmerz auslösenden Sattel oder eine zu große Gewichtsbelastung eingeschränkt sein. Ein zu starkes Anziehen des Gurtes, insbesondere bei elastischen Gurten, muss ebenfalls vermieden werden, damit die Inspiration ungehindert stattfinden kann.

2.1.2.9 Rumpfträger – tiefe Schultergürtelmuskulatur

Zu den Rumpfträgern werden die Muskeln gezählt, die den Rumpf mit den Schultergliedmaßen verbinden. Sie entspringen entweder am Brustbein oder an den Rippen und ziehen zu Schulterblatt, Oberarm und Unterarm. Zu den Rumpfträgern gehören:

M. serratus ventralis

M. rhomboideus

Mm. pectorales

M. subclavius

Der M. subclavius spielt jedoch eine untergeordnete Rolle für die Besattelung, weshalb auf ihn hier nicht eingegangen wird.

M. serratus ventralis, ventraler gezahnter Muskel

Der M. serratus ventralis besteht aus einer Halsportion, dem M. serratus ventralis cervicis, und einer Brustportion, dem M. serratus ventralis thoracis.

M. serratus ventralis cervicis, Halsportion

Steckbrief M. serratus ventralis cervicis

Ursprung: Querfortsätze der Halswirbel 4–7

Ansatz: Medialseite des Schulterblatts (Facies serrata)

Funktion: muskuläre Verbindung der Halswirbelsäule mit der Schultergliedmaße, Rotation der Skapula nach kranial, Rückführen der Schultergliedmaße, Heben des Halses, Seitwärtsbiegen des Halses

Palpation: Der M. serratus ventralis cervicis ist vor und unter dem Schulterblatt von kranial teilweise palpierbar. Er wird vom dünnen M. trapezius bedeckt.

Die Halsportion des M. serratus ventralis liegt dem M. longissimus cervicis lateral an und füllt genau wie dieser die dorsal-konkave Halsbrustkrümmung aus ( ▶ Abb. 2.9, ▶ Abb. 2.10, ▶ Abb. 2.15). Sie ist für die Bewegung des Halses mitverantwortlich. Darüber hinaus führt sie die Schultergliedmaße zurück, da sie das Schulterblatt in Richtung kranial rotiert.

Abb. 2.15 Schematische Darstellung des M. serratus ventralis. 1 M. serratus ventralis cervicis, 2 M. serratus ventralis thoracis, 3 Ansatzflächen auf der Medialseite des Schulterblatts (Facies serratae).

(Quelle: Yvonne Oppert, Falkensee)

M. serratus ventralis thoracis, Brustportion

Steckbrief M. serratus ventralis thoracis

Ursprung: an den ersten 8–9 Rippen

Ansatz: Medialseite des Schulterblatts (Facies serrata)

Funktion: muskuläre Verbindung des Rumpfes mit der Schultergliedmaße, Aufhängung des Rumpfes, Stoßdämpferfunktion in der Bewegung, Rotation der Skapula nach kaudal, Vorführen der Schultergliedmaße, Hilfsinspirator

Palpation: Bei dünnen Pferden sind die Ursprungszacken unter dem Bauchhautmuskel palpierbar ( ▶ Abb. 2.13).

Die Brustportion des M. serratus ventralis verbindet die Schultergliedmaße mit dem Rumpf ( ▶ Abb. 2.9, ▶ Abb. 2.15). Der Muskel bildet einen Tragegurt für den Rumpf zwischen den beiden Schultergliedmaßen.

Der M. serratus ventralis thoracis ist stark sehnig durchsetzt und liegt zwischen zwei großen Aponeurosen, die von der tiefen Rumpffaszie gebildet werden. Er besitzt kurze Muskelfasern, die in einem 45°-Winkel zu seiner Längsachse angeordnet sind. Dadurch ist der Muskel sehr gut geeignet, Kraft zu erzeugen und dabei nur wenig Energie zu verbrauchen ▶ [162]. Im Stand kann so das große Gewicht der Brust- und Baucheingeweide relativ ermüdungsfrei getragen werden. In der Bewegung bedingt die rein myofasziale Verbindung zwischen Schultergliedmaße und Rumpf, die als Synsarkose bezeichnet wird, eine große Elastizität und Stoßdämpfung. Der M. serratus ventralis hat mit seinen beiden Anteilen aber auch eine unterstützende Funktion bei der Bewegung der Schultergliedmaßen. Das Drehfeld des Schulterblatts befindet sich genau zwischen den beiden Ansätzen des M. serratus ventralis (Facies serratae). Während die Halsportion das Schulterblatt nach kranial rotiert und damit die Schultergliedmaße zurückführt, unterstützt die Brustportion durch eine Rotation des Schulterblatts nach kaudal das Vorführen der Schultergliedmaße.

Definition Synsarkose

Als Synsarkose wird die Verbindung zweier Knochen durch Muskulatur bezeichnet. Hierzu zählt v.a. die gelenkfreie Aufhängung des Rumpfes zwischen den beiden Schultergliedmaßen durch die Schultergürtelmuskulatur ▶ [73].

M. rhomboideus, Rautenmuskel

Steckbrief M. rhomboideus

Ursprung: Lig. nuchae vom 2. Halswirbel bis zum 8. Brustwirbel

Ansatz: Cartilago scapulae

Funktion: Heber der Schultergliedmaße und des Halses, mitbeteiligt am Rückführen der Schultergliedmaße

Palpation: Die Pars cervicis ist vom Schulterblatt in Richtung Kopf palpierbar und verjüngt sich in kranialer Richtung. Die Pars thoracis ist nicht palpierbar.

Der M. rhomboideus besteht aus zwei Anteilen, der Pars cervicis (Halsteil) und der kleineren Pars thoracis (Brustteil). Er liegt ventral vom Nackenstrang und wird in kaudaler Richtung stärker ( ▶ Abb. 2.10). Die Muskelfunktion kann durch einen zu weit vorne liegenden Sattel oder ein drückendes Kopfeisen eingeschränkt sein.

Mm. pectorales, Brustmuskulatur

Zur Brustmuskulatur gehören der tiefe Brustmuskel (M. pectoralis profundus) und die beiden oberflächlichen Brustmuskeln (Mm. pectorales superficiales). Bei den oberflächlichen Brustmuskeln wird zusätzlich zwischen dem absteigenden Brustmuskel (M. pectoralis descendens) und dem quer laufenden Brustmuskel (M. pectoralis transversus) unterschieden. Der M. pectoralis profundus ist als Teil der Gurtlage von Bedeutung. Die beiden oberflächlichen Brustmuskeln haben als Rumpfträgermuskulatur große funktionelle Bedeutung für die Besattelung ( ▶ Abb. 2.16).

M. pectoralis descendens, absteigender Brustmuskel

Steckbrief M. pectoralis descendens

Ursprung: Manubrium sterni

Ansatz: Oberarmfaszie, Crista humeri

Funktion: ventrale Verbindung zwischen Rumpf und Schultergliedmaße, Adduktion, mitbeteiligt am Vorführen der Schultergliedmaße, bei fixierten Gliedmaßen: Seitwärtsziehen des Rumpfes

Palpation: Der linke und rechte M. pectoralis descendens können als die vordere Brustkontur palpiert werden. Zwischen den beiden Muskelbäuchen liegt die mittlere Brustfurche.

Abb. 2.16 Brustmuskulatur, Kranialansicht. 1 M. pectoralis descendens, 2 M. pectoralis transversus.

M. pectoralis transversus, quer verlaufender Brustmuskel

Steckbrief M. pectoralis transversus

Ursprung: ventral am Brustbein, 1.–6. Rippenknorpel

Ansatz: Unterarmfaszie

Funktion: Verbindung zwischen Rumpf und Schultergliedmaße, Adduktion, mitbeteiligt am Vor- und Rückführen der Schultergliedmaße, bei fixierten Gliedmaßen: Seitwärtsziehen des Rumpfes

Palpation: Der M. pectoralis transversus bildet die Achselgrube und ist am Übergang von der Schultergliedmaße zum Rumpf palpierbar.

Praxistipp

Eine Verspannung des M. pectoralis transversus hat Einfluss auf die Gliedmaßenstellung und kann eine bodenenge Stellung der Schultergliedmaßen zur Folge haben.

M. pectoralis profundus, tiefer Brustmuskel

Steckbrief M. pectoralis profundus

Ursprung: seitlich am Brustbein und distal an den Rippen 4–9, Tunica flava abdominis

Ansatz: Tuberculum minus des Schultergelenks, Bizepssehne

Funktion: Rumpfträger, Strecker des Schultergelenks, Rückführer der Schultergliedmaße

Palpation: Der M. pectoralis profundus ist direkt hinter der Schultergliedmaße ventral am Rumpf tastbar. Kranial verjüngt sich der Muskel und ist von den oberflächlichen Brustmuskeln bedeckt.

Der M. pectoralis profundus ist an der Bildung der Gurtlage beteiligt ( ▶ Abb. 2.9, ▶ Abb. 2.13).

Funktionelle Bedeutung der Rumpfträgermuskulatur