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Die Phantasie lässt keinen Wunsch offen - aber sie erfüllt auch keinen. Faszinierend ist ihre Grenzenlosigkeit, doch das macht sie auch zu einem diffusen und ambivalenten Begriff: Sie ist Vorstellungsvermögen, Einbildungskraft, Idee, Imagination, Traumgebilde, Trugbild. Ohne Phantasie entsteht nichts - keine Kunst, kein Unternehmen, kein Produkt, keine neue Erkenntnis, kein bahnbrechendes Forschungsergebnis. Aber um zur Welt zu kommen, braucht sie auch Vorgaben, Disziplinierung, Wissen, Handwerk, Formgebung, Tatkraft. Kunst und heutige Kreativbranchen haben die Phantasie nicht exklusiv gepachtet, sondern auch in der Wirtschaft und Wissenschaft spielt sie eine grundlegende Rolle. Die ganze Bandbreite der Phantasie - als unseren guten Genius, aber auch Dämon - beleuchten in diesem Buch Unternehmensgründer und Philosophen, Naturwissenschaftler und Meinungsforscher, Psychoanalytiker, Werbe- und Medienfachleute, Kreative, Kulturmanager und Künstler. Mit Beiträgen von Christian Bartenbach, Rudolf Bretschneider, Bazon Brock, Rudolf Burger, Erhard Busek, Felix de Mendelssohn, Peter Edelmann, Dietmar Ecker, Hannes Erler, Maximilian Fliessbach gen. Marsilius, Olga Flor, Heidi Glück, Marianne Gruber, Reinhard Haller, Sonja Hammerschmid, Oliver Handlos, Markus Hinterhäuser, Angelika Kofler, Rainer M. Köppl, Brigitte Kössner-Skoff, Christoph Mader, Hellmuth Matiasek, Renée Schroeder, Michael Thurow, Karlheinz Töchterle, Valentine Troi und Peter Zoller.
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Seitenzahl: 213
Veröffentlichungsjahr: 2013
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Erna Lackner (Hrsg.)
Phantasie in Kultur und Wirtschaft
Band 12 der Reihe „Kultur und Wirtschaft“, herausgegeben von Erhard Busek
Erna Lackner (Hrsg.)
Gedächtnisstiftung Peter Kaiser (1793–1864), Vaduz
© 2013 by Studienverlag Ges.m.b.H., Erlerstraße 10, A-6020 Innsbruck
E-Mail: [email protected]
Internet: www.studienverlag.at
Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie, Mikrofilm oder in einem anderen Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.
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ISBN 978-3-7065-5728-3
Buchgestaltung nach Entwürfen von Kurt Höretzeder
Satz: Studienverlag/Roland Kubanda
Umschlag: Studienverlag/Karin Berner
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Erhard Busek
Vorwort
Ein Plädoyer
Kapitel 1Zur Lage. Und die Aussichten. Die Eröffnungsrede
Bazon Brock
Phantasie in der Ohnmacht – Wirklichkeitssinn durch Möglichkeitssinn
Kapitel 2Der zündende Funke
Marianne Gruber
Einleitung: Was aber ist Phantasie?
Felix de Mendelssohn
Die Freud’schen vier Urphantasien
Oliver Handlos
Eine Idee zu haben ist nicht schwer, sie umzusetzen jedoch sehr
Markus Hinterhäuser
Ein Rest Geheimnis bleibt immer
Kapitel 3Phantasieprodukte in der Wirtschaft
Brigitte Kössner-Skoff
Einleitung: Wie funktioniert Kreativität?
Christian Bartenbach
Phantasieprodukte brauchen Vorgaben und Ausdauer
Hannes Erler
Haben wir genug Phantasie, um eine gute Zukunft zu gestalten?
Heidi Glück
Phantasie und Kreativität in Kommunikation und Politik
Valentine Troi
Peer Gynt, die Triebfedern und der Schweiß
Michael Thurow
Creative Turnaround Now!
Kapitel 4Die Rolle der Phantasie in der Kunst
Hellmuth Matiasek
Einleitung: Die Kunst, ein Phantasie-Gipfel?
Peter Edelmann
Von den Tönen im Kopf des Sängers zu den Schwingungen im Zuhörer
Maximilian Fliessbach gen. Marsilius
Phantasie und Kreativität als Spiel mit der Inspiration
Olga Flor
Fantasie als eine schöne Kunst betrachtet (nur in der Print-Version enthalten)
Kapitel 5Der Reiz des Bösen in der Phantasie
Christoph Mader
Einleitung: Was ist die menschliche Natur?
Rudolf Burger
Zur Ästhetik des Bösen
Dietmar Ecker
Das Böse und das Kurzzeitgedächtnis
Reinhard Haller
Das Böse aus der Sicht der Psychiatrie
Rainer M. Köppl
Austria vampyriosa. Maria Theresia, Dracula und Freud
Kapitel 6Phantasie in Wissenschaft und Technik – Ergänzung oder Widerspruch?
Rudolf Bretschneider
Einleitung: Was diszipliniert die Phantasie?
Karlheinz Töchterle
Phantasie gehört zum Wesen der Wissenschaft
Peter Zoller
Die Querverbindungen sind entscheidend
Renée Schroeder
Wissensschaffung braucht Vorstellungskraft und kontrollierte Phantasie
Sonja Hammerschmid
Kreative Kombination erzeugt Mehrwert
Kapitel 7Ergebnisse einer Repräsentativ-Studie der GfK Austria Sozialforschung
Angelika Kofler
Denken, Fühlen und Wollen in Kunst, Wissenschaft und Wirtschaft
Das österreichische Verständnis von Phantasie
Kapitel 8Die Abschlussdiskussion
Personenverzeichnis
Danksagung
Erhard Busek
Wer über Kultur spricht, muss selbstverständlich wissen, welche bedeutende Rolle die Phantasie darin spielt. Wir hätten kein künstlerisches Schaffen und keine Musik, keine Bilder, keine Romane, kein Theater, gäbe es nicht die Begabung zur Phantasie, für Träume oder auch die Wege ins Irreale.
Aber was hat Phantasie mit Wirtschaft zu tun? Natürlich sehr viel. Gerade auch die Wirtschaft braucht Phantasie, um ihre Aufgaben zu erfüllen. Es geht dabei nicht nur um die Phantasie, wie man Märkte erschließen kann, das ist nur ein vordergründiges Beispiel, sondern auch um die Phantasie, wie man neue Produkte und Dienstleistungen erfindet, entwickelt und anbietet. Auch Forschung und Wissenschaften stehen am Anfang dieser Kette, in der sich die Phantasie in vielen Gestalten manifestiert: vom Geistreichtum und Genieblitz über Ideen und Innovationen bis hin zum kaufmännischen Talent.
Der Erfolg der Wirtschaft im Lauf der Menschheitsgeschichte ist nichts anderes als das Ergebnis von umgesetzter, realisierter und materialisierter Phantasie. Phantasie gehört eben nicht nur zu den schönen Künsten, sondern sie gestaltet auch das Wirtschaftsgeschehen und unseren Alltag auf eine beachtliche Weise mit.
Kultur und Wirtschaft als einen Gegensatz zu denken, ist daher unangebracht. Vielmehr brauchen wir die permanente Auseinandersetzung über die Wechselwirkungen zwischen den beiden Bereichen. Dazu trägt die Reihe „Kultur und Wirtschaft“ des Europäischen Forums Alpbach mit Unterstützung der Gedächtnisstiftung Peter Kaiser (1793–1864) seit Jahren bei und vertieft jeweils ein aktuelles, vom Programmkomitee als wichtig erachtetes Thema, um mit dessen speziellen Aspekten die Beziehungen zwischen den beiden Welten auszuleuchten. Diesmal also: Phantasie in Kultur und Wirtschaft.
Denn gerade in Zeiten der vielfach beschriebenen Krise gehört der Phantasie in Wirklichkeit ein noch größerer Raum gegeben! Wer befürchtet, dass mit Phantasie Realitätsverlust verbunden sei, dem muss entgegengehalten werden, dass eben das Phantasievolle oder gar das Phantastische uns neue Wirklichkeiten eröffnet – die wir notwendig brauchen.
Wir sind zwar sehr phantasievoll im Herbeireden von allen nur möglichen Krisenszenarien, weniger jedoch in der Vermittlung von Lösungen oder gar Hoffnungen. Aber genau diese Perspektive ist von entscheidender Bedeutung, denn nur mit irgendeiner Aussicht, mit einem gewissen Optimismus kann man manche Krisensituation oder Schwierigkeit bewältigen, ja: vielleicht auch nutzen, um zu neuen Ergebnissen und Angeboten zu kommen. Die Themenwahl selbst ist also auch schon ein Plädoyer für Phantasie, der in der öffentlichen Diskussion zu wenig Raum gegeben wird.
Mit zielgerichteten Auseinandersetzungen über die per se unermessliche Phantasie sind dem Europäischen Forum Alpbach an der Leopold Franzens-Universität Innsbruck wieder reichhaltige Tage gelungen. Natürlich liegt es, bei diesem Thema vielleicht noch mehr als sonst, in der Natur der Sache, dass nicht alle Facetten ausgeschöpft werden konnten – aber die weiteren Ergänzungen und Gedankenflüge können wir ruhig auch der Phantasie der Tagungsteilnehmer und der Leser überlassen. Wir freuen uns, diesen Band, den 12. der Reihe „Kultur und Wirtschaft“ präsentieren zu können und danken allen, die es uns wieder ermöglicht haben: den Referenten und Autoren, den Programmgestaltern und Sponsoren, aber insgesamt auch allen Menschen, die bereit sind, der Phantasie freien Lauf zu lassen, um daraus Schöpferisches für unsere Welt zu gewinnen.
Dr. Erhard BusekEuropäisches Forum Alpbach
„Wenn es aber Wirklichkeitssinn gibt, und niemand wird bezweifeln, daß er seine Daseinsberechtigung hat, dann muß es auch etwas geben, das man Möglichkeitssinn nennen kann.
Wer ihn besitzt, sagt beispielsweise nicht: Hier ist dies oder das geschehen, wird geschehen, muß geschehen; sondern er erfindet: Hier könnte, sollte oder müßte geschehn; und wenn man ihm von irgendetwas erklärt, daß es so sei, wie es sei, dann denkt er: Nun, es könnte wahrscheinlich auch anders sein. So ließe sich der Möglichkeitssinn geradezu als die Fähigkeit definieren, alles, was ebensogut sein könnte, zu denken und das, was ist, nicht wichtiger zu nehmen als das, was nicht ist.“
Robert Musil, Der Mann ohne Eigenschaften
In Anknüpfung an das Musil-Zitat kann man sich leicht vorstellen, was bei einer Systematisierung dieses Ansatzes herauskäme: nämlich parallel zur Geschichte bzw. anstelle der Geschichte des faktisch Geschehenen eine Geschichte des Nichtgeschehenen zu setzen.
Diese Geschichte des Nichtgeschehenen bezöge sich aber nicht einfach auf das, was nicht stattfand, sondern vielmehr darauf, was durch eine andere Aktionsform bestimmt wäre, zum Beispiel durch die Aktionsform des Unterlassens als eine Art des Handelns. Denken Sie etwa an die Entwicklungen gegen bestimmte faktische Gegebenheiten im Wirtschaftsleben, sagen wir in der Plutoniumwirtschaft, etabliert in den Atomkraftwerken; denken Sie an die Bewegung dagegen, dann verstehen Sie, was mit der Geschichte des Nichtgeschehenen gemeint ist: die Ereignishaftigkeit dessen, was unterlassen wurde. Wie Sie alle wissen, verlangt das zu Unterlassende oft viel mehr Aktionsfähigkeit oder Phantasie, Vorstellungsvermögen und Aktionslust als das tatsächlich Geschehene. Sie brauchen nur an Ihre Leidenschaft als Raucher zu denken: Zu rauchen ist für den Raucher eine großartige Sache, aber nicht zu rauchen, verlangt ihm eine höhere Anstrengung ab als das Rauchen selbst. Und das gilt prinzipiell für alles historische Tun. Das Unterlassen ist inzwischen die entscheidende Form des Handelns geworden. Es ist nicht: , sondern – wobei wir die ältesten Traditionen, etwa den Buddhismus mit Laotse als Autor rund 500 v. Chr., mit verschiedenen Traditionen anderer Zeiträume ohne Weiteres in Übereinstimmung bringen können.
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