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Weihnachten steht vor der Tür, und Donna Maria ruft die Familie zu den Feierlichkeiten nach Siena. Doch das Fest wird davon überschattet, dass ausgerechnet ihre Lieblingstochter Francesca und Lilly, die Freundin ihres Sohnes Sergio, nicht kommen können. Lilly bricht von Köln aus mit dem Auto auf, um nach Siena zu reisen. Doch sie gerät unterwegs in ein heftiges Unwetter und der Kontakt zu Sergio bricht abrupt ab. Was ist mit ihr geschehen? Die Familie Bernardi und die Freunde Julia und Jacques sind außer sich vor Sorge. Zusätzlich muss Donna Maria hinnehmen, dass Francesca die Weihnachtsfeiertage im fernen Köln bei Hugo verbringt. Donna Maria spürt, dass ihre Tochter unglücklich ist, und legt alles daran, ihr zu helfen. Wird es den Bernardis trotz aller Widrigkeiten gelingen, doch noch ein fröhliches und besinnliches Weihnachtsfest zu erleben?
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Seitenzahl: 147
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Claudie Elling
PICI E AMORE
Fröhliche Weihnachten
ROMAN
Über das Buch
Weihnachten in Siena: Die Stadt ist voller Leben, Musik und Lichterglanz. Donna Maria lädt die Familie Bernardi wie jedes Jahr zu den Weihnachtsfeierlichkeiten ein, doch diesmal droht das Fest aus dem Gleichgewicht zu geraten. Francesca, ihre Lieblingstochter, bleibt fern und verbringt die Feiertage bei Hugo in Köln. Doch damit nicht genug: Lilly, Sergios Freundin, gerät auf dem Weg nach Siena in ein heftiges Unwetter. Der Kontakt bricht ab, und stundenlang fehlt jedes Lebenszeichen von ihr. Sergio ist außer sich vor Sorge und fühlt sich hilflos angesichts der Situation. Seine Familie und die Freunde Julia und Jacques stehen ihm bei, doch die Anspannung steigt. Wird es gelingen, das Weihnachtsfest zu retten? Und wird Lilly es schaffen, den wichtigsten Abend der Weihnachtszeit in Siena zu verbringen?
Über die Autorin
Claudie Elling, 1968 in Köln geboren, hat eine besondere Leidenschaft für die Toskana, vor allem zur Weihnachtszeit. Diese Liebe teilt sie nun auch mit ihren Leserinnen und Lesern in diesem Weihnachtsspecial der Reihe PICI E AMORE. Gemeinsam mit ihrer Familie und Hund Theo lebt sie in Bergisch Gladbach.
Die Handlung und alle Personen, die in diesem Roman vorkommen, sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen wären rein zufällig. Alle Rechte an den im Buch enthaltenen Inhalten sind vorbehalten.
Bereits erschienen:
Band 1: PICI E AMORE – Das Glück wartet in Siena (2025) / Taschenbuch ISBN: 978-3819784620, E-Book ISBN: 978-3819778605
Coverfoto: Aliona & Pasha | https://www.pexels.com/de-de/foto/nebelige-hugel-3892172/ (12.12.2025)
1. Auflage 2025
Texte: ©2025 Copyright by Claudie Elling, c/o IP-Management #6240, Ludwig-Erhard-Straße 18, 20459 Hamburg, [email protected]
Umschlaggestaltung: ©2025 Copyright by Claudie Elling, c/o IP-Management #6240, Ludwig-Erhard-Straße 18, 20459 Hamburg
Herstellung: epubli - ein Service der neopubli GmbH, Köpenicker Straße 154 a, 10997 Berlin
Kontaktadresse nach EU-Produktsicherungsverordnung: [email protected]
Inhaltsverzeichnis
1 Neubeginn
2 Aufbruch
3 Unwetter
4 Malu
5 Abendessen
6 Mitternacht
7 Natale
8 Bescherung
9 Tombola
10 Geister
11 Monte Amiata
12 Sehenswürdigkeiten
13 Überraschung
14 Der weiße Wal
15 Fröhliche Weihnachten
Donna Marias Rezept: Vin Brulè
Nachwort
Sergio strich das Wohnzimmer seiner Wohnung, wobei er sehr darauf achtete, keine Farbe auf den Boden zu kleckern. Doch so sehr er sich bemühte, immer wieder spritzte Farbe auf das Malervlies, das er vorsorglich ausgelegt hatte.
»Che palle!«, fluchte er laut und fuhr sich mit der Hand durch die braunen Haare, die wirr vom Kopf abstanden.
Doch das machte die Sache nicht besser, denn mit dem nächsten Rollenstrich landete ein noch größerer Farbklecks auf dem Boden.
»Mannaggia la miseria!«, murmelte er und begriff, dass er selbst schuld an der Misere war. Er war mit der Rolle viel zu tief in den Eimer geraten und hatte vergessen die überschüssige Farbe abzustreifen.
Vielleicht hätte er doch seinen Bruder Paolo um Hilfe bitten sollen, der praktisch alles selbst erledigte, was in seiner Wohnung zu tun war.
Paolo war Commissario in Siena und mit der lebhaften Susanna verheiratet. Sie lebten in einer großen Wohnung im Stadtgebiet außerhalb des historischen Zentrums von Siena. Bei dem Gedanken daran, wie Susanna die handwerklichen Aufgaben an Paolo delegierte und lautstark überwachte, dass sie erledigt wurden, musste er grinsen. Paolo war älter als er, schon Ende vierzig, und hasste sportliche Aktivitäten ebenso wie Maler- oder Gartenarbeiten. Doch er war ein Familienmensch, und wenn jemand aus der Familie Bernardi seine Hilfe brauchte, war er sofort zur Stelle.
Gerade das machte es Sergio jedoch unangenehm, sich vor dem mehr als zehn Jahre älteren Paolo eine Blöße zu geben. Wenn er jedoch mit dem Streichen der Wohnung fertigwerden wollte, bevor Lilly nach Siena zurückkehrte, würde er Hilfe benötigen. Viel Zeit blieb ihm nicht mehr. In zwei Tagen war Heiligabend, und bis dahin musste alles erledigt sein.
Sergio war als Medico di famiglia in Siena tätig. Er hatte Allgemeinmedizin in Düsseldorf studiert und dort auch länger in einer Klinik gearbeitet. Doch mit sechsunddreißig Jahren hatte ihn die Sehnsucht nach Italien und seiner Familie wieder zurück nach Siena getrieben. Es hatte sich durch Zufall ergeben, dass eine Praxis im historischen Zentrum von Siena zur Übernahme stand, weil sich der Arzt in den Ruhestand verabschiedete.
Nach seiner Rückkehr hatte er Tag und Nacht gearbeitet, froh und dankbar, dass ihn die Patienten erwartungsvoll und freundlich aufnahmen. Außerdem sprach es sich in Siena wie ein Lauffeuer herum, dass ein Bernardi-Sprössling die Praxis übernommen hatte.
Erst als er vor einigen Wochen Lilly kennenlernte, die das Schicksal von Deutschland nach Siena verschlagen hatte, veränderte sich sein Leben schlagartig.
Nie hätte er geglaubt, dass er sich noch einmal so sehr in eine Frau verlieben könnte. Und sie war so wunderschön! Mamma mia! Lillys strahlende blaue Augen, ihr Lachen, ihr Wesen… Bei dem Gedanken an Lilly wurde ihm warm.
Und – was er nicht zu hoffen gewagt hatte - auch Lilly hatte sich in ihn verliebt. Nicht auf den ersten Blick, aber spätestens auf den zweiten.
Er dachte lächelnd daran zurück, wie er ihr den Hof gemacht hatte – immer darauf bedacht, sie nicht zu bedrängen, aber dennoch konsequent.
Schließlich, während der Hochzeitsfeier von Julia und Jacques, hatte er ihr seine Liebe gestanden und sie gefragt, ob sie mit ihm zusammen sein wollte.
Es war für ihn ein Wunder gewesen, dass sie »Ja!« gesagt hatte, und seit dieser Stunde waren sie unzertrennlich. Und genau diese Frau sollte eine perfekte Wohnung vorfinden, wenn sie zu ihm zog!
Zwar war Lilly nach der Hochzeit wieder mit Julia und Jacques zurück nach Köln geflogen, aber nur, um ihre Wohnung aufzulösen und schon bald ganz nach Siena zu ziehen.
Nachdem Lilly in den vergangenen Monaten auf einen Heiratsschwindler hereingefallen war, mit dem sie zeitweise in dieser Wohnung gelebt hatte, hielt sie dort nichts mehr.
Jack, so hieß der Schurke, hatte sie nach Siena gelotst und ihr dort übel mitgespielt, indem er sie betäubt und bestohlen hatte. Später war er sogar ein weiteres Mal in Siena aufgetaucht, um sich wieder an Lilly heranzumachen. Doch diesmal hatten ihn Jacques, Paolo und Sergio gemeinsam überwältigt, bevor er weiteren Schaden anrichten konnte. Die Polizei hatte ihn quer über die Piazza del Campo abgeführt, und Jack hatte mit seinem Geschrei ein jämmerliches Bild abgegeben.
Jacques hatte kürzlich schmunzelnd behauptet, dass seine Hand noch immer leicht blau und grün sei, denn er hatte Jack als Erster mit einem gewaltigen Kinnhaken zu Boden gebracht.
Soweit Sergio wusste, war Jack nach Deutschland überstellt worden und wartete dort nun auf seinen Prozess. Er hatte nicht nur Lilly betrogen, sondern mehrere Frauen, und war auch sonst kein unbeschriebenes Blatt.
Lilly und er hatten beschlossen, sich nicht mehr mit Jack zu befassen. Lilly hatte Anzeige erstattet und ihre Aussage gemacht, aber nun sollte dieses Kapitel endgültig abgeschlossen sein, damit sie sich auf ihr gemeinsames Leben konzentrieren konnten.
Sergio wollte auch heute keinen Gedanken mehr an diese Geschichte verschwenden. Stattdessen wischte er sich einen Farbspritzer von der Schläfe und sah auf die unfertige Wand. Das war ja noch nicht alles. Die anderen Räume mussten auch noch gestrichen werden.
Seufzend griff er nach seinem Handy.
Paolo meldete sich: »Pronto, Sergio! Was gibt’s? Ist alles in Ordnung?«
»Ciao, Paolo. Ja, alles gut. Es geht nur ums Streichen.«
»Brauchst du Hilfe?«, fragte Paolo ohne Umschweife.
»Ja, ich habe mich überschätzt, Paolo. Ich komme nicht voran. Wenn du heute Abend vielleicht… nur für eine Stunde…«
Paolo fiel ihm ins Wort: »Sergio, vor Weihnachten habe ich eigentlich keine Zeit. Aber … für Lilly. Und weil du es bist. Va bene, ich komme heute Abend. Aber nur, wenn du die beste Pizza von ganz Siena organisierst – mit doppelt scharfer Salami.«
Sergios Anspannung löste sich. »Deal, Paolo! Die beste Pizza, versprochen. Danke! Wirklich!«
»Ja, ja«, brummte Paolo. »Bis später!«
Wenig später klingelte Sergios Handy. Es war Alessandro, einer seiner Neffen.
»Ciao, Zio Sergio«, sagte er. »Paolo hat gesagt, dass Marco und ich dir heute Abend beim Streichen deiner Wohnung helfen sollen. Ich wollte nur fragen, ob du alles da hast? Farbe, Pinsel…«
Sergio dankte Paolo im Stillen und sagte: »Ja, ich habe alles hier.« Ihm fiel ein, dass er mit Paolo gar keine konkrete Zeit ausgemacht hatte. »Wann könntet ihr denn hier sein?«
»So gegen siebzehn Uhr«, erwiderte Alessandro.
Sergio wollte noch sagen, dass es Pizza gäbe, aber Alessandro hatte schon aufgelegt.
Am späten Nachmittag meldete Sergios Sprechstundenhilfe, dass Paolo vorbeigekommen war, um den Schlüssel zu holen.
Sergio beeilte sich, seine letzten Patienten zu versorgen und fand dann in seiner Wohnung Paolo, Alessandro und Marco vor, die gerade ihren ersten Rundgang durch die Räumlichkeiten beendet hatten.
»Du möchtest alle Räume streichen?«, fragte Paolo mit fachkundigem Blick.
»Ja, ich möchte, dass Lilly die Wohnung in einem neuen und frischen Look vorfindet. Sie hatte sich an den teilweise schon etwas grauen Ecken in den Zimmern gestört.«
»Die Frauen!«, lachte Paolo. »Deine Lilly ist anscheinend auch nicht viel anders als meine Susanna!«
Sergio grinste und sagte: »Ja, das befürchte ich auch!«
Alessandro und Marco stimmten in das folgende Gelächter ein.
Sergio zeigte ihnen, wo das Material stand, und die Männer nahmen sich die Farbeimer, Rollen und Pinsel.
»Ich schlage vor, dass wir beide«, er deutete auf Sergio und sich selbst, »uns den Wohnbereich und die Küche vornehmen. Ihr beiden«, dabei blickte er Alessandro und Marco in die Augen, »werdet die kleinen Zimmer streichen.«
»Ja, alles klar, Zio Paolo«, sagte Marco und ging voraus. Breitbeinig trottete Alessandro hinterher. Beide hatten ihre Caps verkehrt herum aufgesetzt, den Riemen quer über der Stirn.
Wenige Minuten später dröhnte fröhliche Weihnachtsmusik aus Sergios Schlafzimmer, und sie hörten die beiden laut mitsingen, während sie Möbel verschoben und die Kisten, die Sergio vorsorglich gepackt hatte, in den Flur trugen.
»Toll, dass sie an die Musik gedacht haben«, schmunzelte Paolo. »Damit lässt es sich viel leichter arbeiten.«
Sergio nickte und erwiderte: »Komm, lass uns anfangen!«
Die Männer packten konzentriert zu. Jeder Handgriff saß, als hätten sie schon oft Seite an Seite gearbeitet.
Am Abend klingelte der Bote der besten Sieneser Pizzeria und brachte neben dem Essen auch noch einige Flaschen Bier mit.
Paolo nahm sich ein Stück Pizza, trank einen Schluck aus der Flasche und sagte: »Köstlich … Schon dafür hat es sich gelohnt. Ich habe den ewigen Salat satt!«
Die anderen mussten unwillkürlich lachen.
Susanna hatte Paolo eine strikte Diät verordnet, seit ihm seine Uniformhosen nicht mehr passten und zusehends immer tiefer nach unten rutschten. Er freute sich über jede noch so kleine Gelegenheit, der strengen Kontrolle zu entgehen.
Nach einer kurzen Pause ging es weiter und kurz vor Mitternacht hatten sie es endlich geschafft: Alle Räume erstrahlten in frischem Weiß und waren bereit für Lillys Einzug.
Die Männer umarmten sich und klopften sich bei der Verabschiedung auf die Schultern.
»Zio Sergio, wir kommen morgen wieder vorbei und helfen dir beim Aufräumen. Einverstanden?«, fragte Alessandro, und Marco nickte.
Sergio lächelte dankbar und nickte. Er schloss die Tür hinter ihnen und blickte sich seufzend um. Wo in diesem Chaos sollte er schlafen?
Kurzerhand stopfte er einige Sachen und eine Decke in eine Tasche und machte sich auf den Weg zur Praxis, wo es neben einem gemütlichen Sofa auch eine Dusche gab.
Am nächsten Morgen wurde Sergio davon geweckt, dass die Sprechstundenhilfe den Kopf zur Tür hineinsteckte und laut »Buongiorno!« rief.
Nach einem Blick auf die Uhr fuhr er hoch, faltete die Decke zusammen und stopfte sie in einen Schrank. Hastig zog er sich an, wusch sich das Gesicht, strich sich die Haare glatt und schlüpfte in den weißen Kittel.
Die Arbeit fiel ihm schwer, denn ein ungewohnter Muskelkater breitete sich in seinem Körper aus, und jede Bewegung schmerzte. Hinzu kam, dass er sich mit seinen ein Meter achtzig nicht auf dem Sofa ausstrecken konnte und die Nacht mit angezogenen Beinen verbracht hatte.
Als Lilly gegen neun Uhr anrief, vergaß er seine Schmerzen einen Moment. Doch als er sich auf den Stuhl sinken ließ, zog der Schmerz heftig durch seine Muskeln. Keuchend griff er zum Handy.
»Tesoro, ist alles in Ordnung?«, fragte Lilly besorgt.
»Ja, alles bestens«, behauptete er rasch. »Ich habe mich nur versehentlich auf mein Stethoskop gesetzt.«
Die gestrichenen Räumlichkeiten sollten eine Überraschung für Lilly bleiben.
Lilly lachte. »So sehr bringe ich dich noch aus dem Konzept? Das ist ein schönes Kompliment.«
Sergio lachte ebenfalls und seine dunkelbraunen Augen leuchteten. »Sì, bellissima. Das wird ein Leben lang so bleiben!«
»Wir werden sehen«, sagte Lilly vergnügt und wurde dann ernst. »Du, ich werde in wenigen Minuten losfahren. Wurden meine Sachen schon geliefert?«
»Ja, die Kartons stehen für dich bereit.«
»Wie schade, dass meine Couch nicht in deine Wohnung passt«, sagte Lilly mit Bedauern in der Stimme. »Sie ist so gemütlich.« In der Tat war die cremefarbene Couch mit den weißen Kissen so groß und einladend, dass man sich sofort hinlegen und einkuscheln wollte, wenn man auf ihr Platz nahm.
»Ich habe großes Glück mit dem Käufer meiner Wohnung«, fuhr Lilly fort. »Er möchte die gesamte Einrichtung übernehmen und auch die Pflanzen. Na ja, mein Herz hängt nicht besonders daran. Du weißt ja, dass die Wohnung eher Repräsentationszwecke hatte und nach der Sache mit Jack…«.
Lilly stockte. Mist! Sie hatte Jacks Namen nicht mehr aussprechen wollen. Aber in der Kölner Wohnung war er immer noch allgegenwärtig. Sie war froh, wenn sie dieses Kapitel ihres Lebens endlich hinter sich lassen konnte.
Sergio fiel ihr rasch ins Wort: »Lass uns einfach gemeinsam eine neue Couch aussuchen. Es gibt einige tolle Einrichtungsgeschäfte in der Umgebung.«
»Ja, so machen wir es«, bestätigte Lilly.
»Was machst du mit den Katzen?«, fragte Sergio. Er wusste, wie sehr Lilly an Louis und Coco hing, den beiden Britisch-Kurzhaar-Katzen, die Jack ihr geschenkt hatte.
»Sie sind bei Leticia«, antwortete Lilly. »Sie hat mich gefragt, ob sie sie behalten könnte, wenn ich nach Italien ziehe.« Ihre Stimme zitterte. »Es fällt mir unendlich schwer, aber ich werde sie Leticia überlassen. Dort sind sie in den besten Händen. Sie würden mich immer an ihn erinnern. Es ist erstaunlich, mit welchen Mitteln Jack mein Leben beeinflusst und mich gesteuert hat.«
»Es ist bestimmt die richtige Entscheidung. Bei Leticia haben sie es gut und du kannst trotzdem immer hören, wie es ihnen geht.«
Leticia war Lillys langjährige Haushaltshilfe. Sie würde nicht nur die Katzen, sondern auch die fröhliche Art der Brasilianerin vermissen. Vielleicht konnten sie über die Katzen den Kontakt halten.
Lilly fragte sich im Stillen, ob sie sich selbst schon wieder vergaß, indem sie alles aufgab und zu Sergio und nach Siena zog. »Ach, was für ein Gedanke«, schalt sie sich. »Diesmal ist es doch ganz anders. Ich liebe ihn! Einen Mann wie Sergio werde ich nie wieder finden. Für ihn lohnt es sich, alles aufzugeben und neu anzufangen. Und genau das habe ich mir doch auch gewünscht, nachdem Francis mich verlassen hatte und die Sache mit Jack passiert war.«
Bevor Jack in ihr Leben getreten war, hatte Lilly mit Leidenschaft und Erfolg bei Julia Prinz Fashion als Modemanagerin und operative Partnerin gearbeitet. Doch Julia hatte Jack von Anfang an misstraut und Lilly schließlich unter Druck gesetzt. Der Streit darüber führte zum Bruch, und schließlich kündigte Julia ihr. Als Lilly jedoch in Siena in Not geriet, war Julia die Erste, die sofort mit ihrem Partner Jacques mit dessen Privatjet nach Siena flog, um Lilly zu helfen. Ihre langjährige Freundschaft war niemals wirklich in Gefahr gewesen.
Das bedeutete, dass sie frei war. Es gab nichts, das sie in Köln hielt, und das Schicksal hatte ihr auf wunderbare Art und Weise den Weg geebnet.
»Ein Neubeginn«, dachte Lilly. »Genau so, wie ich es mir gewünscht habe.«
Eine halbe Stunde später fuhr Lilly mit ihrem Porsche 911 Turbo durch die Kölner Innenstadt in Richtung der Autobahnauffahrt. Noch am Tag zuvor hatte sie das Auto in die Werkstatt bringen und mit Winterreifen versehen lassen.
Mit ihren ein Meter siebzig und ihrer schlanken Figur verschwand sie fast hinter dem Steuer des luxuriösen Wagens. Einzig ihre schulterlangen, blonden Haare sowie ihre feinen Gesichtszüge mit den blauen Augen stachen hervor.
Lilly stand eine lange und anstrengende Fahrt bevor, und es würde sicher Abend werden, bis sie ihre Wohnung in Mailand erreichte. Sie wollte jedoch so schnell wie möglich und rechtzeitig zum Cenone della Vigilia in Siena sein und nahm deshalb diese lange erste Strecke nach Mailand in Kauf.
Donna Maria und Sergio hatten ihr die Wichtigkeit des traditionellen italienischen Festessens an Heiligabend ans Herz gelegt. Es läutete die Weihnachtsfeiertage ein. Aus religiöser Überzeugung wurde an diesem Tag kein Fleisch serviert, sondern eine große Auswahl an Fisch- und Meeresfrüchtegerichten. Höhepunkt des Abends war der gemeinsame Besuch der Mitternachtsmesse Messa di Mezzanotte im Dom zu Siena.
Lilly hatte nur das Nötigste eingepackt: etwas warme Kleidung, ihr Beautycase, die Geschenke und Verpflegung für die Fahrt. Einen Teil ihrer Sachen hatte die Spedition nach Mailand geliefert, wo sie sie zunächst übergangsweise im Keller lagern wollte.
Sie blickte mit einer kindlichen Vorfreude auf die kommenden Feiertage und darauf, dass sie endlich eine richtige Familie hatte. Zeit ihres Lebens hatte sie Weihnachten nur mit wenigen Menschen oder sogar allein verbracht. Doch gerade diese Tage, an denen die Menschen mit ihren Verwandten feierten und unter sich blieben, machten Lilly als Mensch ohne Familie bewusst, dass sie allein, wenn nicht sogar einsam war.
Während der gesamten Fahrt war sie in Gedanken bei Sergio und den anderen Mitgliedern der Familie Bernardi, die es ihr so leicht machten, in Siena ein neues Leben mit ihm zu beginnen. Es wirkte so, als sei es ihre Bestimmung.
Lilly vermied es, während der Fahrt Pausen zu machen, weil sie so schnell wie möglich ihre Wohnung in Mailand erreichen wollte. Sie putschte sich mit starkem Kaffee auf, den sie während der Fahrt Schluck für Schluck aus einem großen Thermobecher trank.
Die Fahrt war anstrengend, denn das winterliche Wetter und das durch die Weihnachtsfeiertage erhöhte Verkehrsaufkommen – insbesondere am Gotthardtunnel – führten dazu, dass sie länger als geplant unterwegs war.
Als sie am Abend endlich in die Tiefgarage des Bosco Verticale
