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Der Ich-Erzähler lernt im Traume einen Planeten kennen, auf dem er unterschiedliche Personen trifft und somit den Kontrast zu seinem Leben und dem eigenen Planeten erfährt.
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Seitenzahl: 17
Veröffentlichungsjahr: 2016
Planet Freiheit von Madelaine Kaufmann
Impressum
Als die nächtliche Stille sich auf mein Herz und meinen Geist legte, als das tiefe Atmen mich selbst hineinzog in die Unendlichkeit und Ferne der Realität, aber doch in eine Welt, die mit der Realität etwas gemein hat, und sei es nur die Parallele zum Erlebten oder Erwünschten; da offenbarte sich mir etwas, was nicht kennend war, was danach nimmer meinen Weg kreuzte.
Vor mir öffnete sich die Welt eines Planeten, die so reich und schön war, die so freundlich und bunt war, in der frische Luft herrschte und nette Menschen regierten.
Mir wurde fast schwindelig ob all der farbigen Blumen auf weiter Flur – und die Bewohner saßen dort, mit ihren Familien und Freunden und aßen gesellig in liebenswürdigster Runde.
Ich wusste nicht, ob ich geladen war, ob ich angemessen gekleidet war; ich wusste nicht, wie es sich mit meiner Sprache verhielt, geschweige denn mit meinen Manieren – im Traume passiert zumeist Irrsinniges.
Aber ohne Erstaunen oder gar Zorn sah man zu mir herüber, winkte man mir. Trotz dem, dass ich noch schwindelte, wie einem, dessen Gleichgewichtssinn gestört ist, trat ich hinzu und erblickte offene, strahlende Augen.
Man sprach zuerst nicht.
Aber ich sah alles ganz deutlich.
Ich sah ein Volk, welches nichts duldete, was an Boshaftigkeit auf unserem Planeten Erde zugegen ist; ich sah ein Volk, welches nicht bewertete nach „männlich“ und „weiblich“ oder nach „Jude“ oder „Moslem“ - ich sah ein Volk, welches sich nicht scherte um eine dunkle oder helle Hautfarbe; allesamt wurden gleich freundlich behandelt und niemand führte ein böses Wort gegen den anderen. Ich sah Kinder, die nicht eingesperrt waren durch festgesetzte Idealisierung oder sonstige gesellschaftliche Individuenzerstückelung. Ich sah keinen Priester und keinen Mönch, ich sah keine Fassade. Nicht eine einzge Kirche stand im Dorf – wer betete, ging hinaus aufs Feld und sah gen Himmel; nicht einer erhob sich über sie – der König dieses Planeten war der bescheidenste, demütigste Mensch, der mir dort begegnete.
Man lud mich ein, zu bleiben. Ich konnte dem nicht widerstehen und sagte zu, denn ich wollte sie beobachten und schauen, was ihr Geheimnis war, dass ich es vielleicht mitnehmen könnte zu uns.
Ich verbrachte zwei ganze Tage dort.
Tag
