Play with me 2: Feuer frei - Julia Will - E-Book

Play with me 2: Feuer frei E-Book

Julia Will

5,0

Beschreibung

Mike hat eine Leidenschaft. Role-Play-Games, kurz RPGs. Und am liebsten spielt er zusammen mit Chain. Er kennt ihn schon seit eineinhalb Jahren, aber eigentlich weiß er überhaupt nichts von ihm. Chain will keinen privaten Kontakt, doch durch eine Verkettung (un)glücklicher Ereignisse, hat Mike jetzt immerhin Chains Nummer. Mit Nick, den er vor Kurzem wiedergetroffen hat, läuft alles super und sogar Leon, der Freund seiner besten Freundin Hannah, fügt sich scheinbar endlich in die Clique ein. Wenn Chain sich nun noch zu einem Treffen überreden lassen würde, wäre alles perfekt! In der zweimonatlich erscheinenden Serie von Julia Will sind bislang erschienen: Band 1: Der Prinz auf der Erbse Band 2: Feuer frei Band 3: Streng geheim Band 4: Ungeküsst Band 5: Dance with me Band 6: Verbotene Früchte Band 7: Déjà-vu Band 8: Happy birthday Band 9: Ich bin hier!

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Seitenzahl: 153

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Play with me

Band 2:

Feuer frei

Julia Will

© 2019 Amrûn Verlag Jürgen Eglseer, Traunstein

Lektorat: Susanne Pavlovic, TextehexeUmschlaggestaltung: cover & books Buchcoverdesign

Alle Rechte vorbehalten

ISBN TB – 978-3-95869-394-4Printed in the EU

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet unter http://dnb.d-nb.de abrufbar

v1 19

Wenn das Leben dir Zitronen gibt …Schnapp dir Tequila und mach dich

bereit für den Bodyshot deines Lebens!

Am nächsten Morgen bin ich immer noch aufgekratzt. Also, ich habe geschlafen, ziemlich gut sogar, nachdem ich mir Chains Nachricht angehört und es mir dazu nochmal gemacht habe. Gott, diese Töne ... Nach dem Aufwachen war er sofort wieder in meinem Kopf und ich habe direkt WhatsApp geöffnet und glücklich auf den Chat gestarrt.

Gespeichert habe ich ihn unter Chain. Auch wenn ich erst nicht sicher war, ob nicht Josuha besser wäre. Im Prinzip ist es egal: Ich habe endlich seine Nummer!

Geschrieben habe ich ihm auch schon. Ein einfaches ›Danke! *___*‹

Antwort kam leider keine mehr. Auch im RPG nicht mehr. Und selbst jetzt, als ich nachsehe, ist da kein weiterer Post.

Das ist ein bisschen schade und ich fühle mich, als hätten wir einen One-Night-Stand gehabt und er wäre danach mitten in der Nacht einfach abgehauen.

Aber! Ich habe seine Nummer!

Grinsend steige ich aus dem Bus und laufe die paar Meter zum Campus. Dort stehen bereits Hannah und Tim, die mir entgegenkommen, als sie mich sehen.

»Dein Ernst?!«, quietscht Hannah, der ich vorhin einen Screenshot von dem Chat geschickt habe.

Genauso wie Tim.

»Alter, verarscht du uns? Du hast jemand anderes umgespeichert, oder? Gib`s zu!«, lacht er, boxt mir gegen die Schulter und bekommt den harten Schlag postwendend zurück.

»Du Arschloch, natürlich nicht! Das ist seine Nummer! Und ratet, was das für ne Sprachnachricht ist«, singe ich fast und könnte platzen vor lauter Euphorie!

»Keine Ahnung, was ist es?«, will Hannah wissen, hibbelt aufgeregt von einem Bein auf das andere.

»Ne Liebeserklärung?«, schlägt Tim vor und ich schnaube. Sein Ernst?

»So ein Quatsch! Nein! Wir haben gestern wieder gespielt und dann ...« Vertraulich beuge ich mich näher und lege beiden meine Arme um die Schultern. »Dann hat er mir ne Sprachnachricht mit seinem Orgasmus geschickt. «

Ich zucke zur Seite, als Hannah losqietscht vor Begeisterung. Mein Gott, sie ist so ein Fangirl!

»Oh mein Gott! Das hat er echt gemacht! Oh Gott! Darf ich sie anhören? Bitte, Mike!«

Ihr Gesicht leuchtet richtig und ich muss echt lachen, weil das schon ein bisschen gestört ist, aber irgendwie ist es ja schön, dass sie sich so für mich freut.

»Ew, nein! Nein, Mann, ich will das nicht hören!«, wehrt Tim auf der anderen Seite ab.

»Musst du nicht, niemand außer mir wird das hören!«

»Aaawww, das ist gemein!«, jammert Hannah.

»Nope, das ist Respekt! Er würde bestimmt nicht wollen, dass noch jemand außer mir das hört!«

»Haha, so ein Scheiß, du lässt sie immerhin euren Sex lesen! Du bist nur eifersüchtig und willst deshalb nicht, dass sie´s hört!« Tim amüsiert sich köstlich, der Blödmann.

»Eifersüchtig? So ein Blödsinn, warum sollte ich eifersüchtig sein?«

So unrecht hat er gar nicht. Also, eifersüchtig kann man das nicht nennen, aber es stimmt schon. Ich will nicht, dass das außer mir jemand hört. Es ist meins, es gehört allein mir, und auch wenn ich gern die Tatsache teile, dass es die Nachricht gibt, ist sie allein für meine Ohren bestimmt.

»Dennoch find ich das voll gemein!«, lacht Hannah und kneift mich in den Oberarm. »Dann schick mir wenigstens den Sex!«

»Den RPG-Sex schick ich dir heute Abend, wenn ich unseren privaten Kram rausgenommen hab, den anderen nicht. Aber oh Gott, es war so gut!«

»Du bist echt voll gemein, Mike!« Kichernd stupst sie mich mit der Schulter an. Tim neben mir schüttelt nur grinsend den Kopf.

»Bin ich gar nicht, ich bin voll nett!«, erwidere ich und verschränke gespielt beleidigt die Arme vor der Brust.

»Und du musst eure Kommentare dazwischen nicht unbedingt rausnehmen, die stören mich nicht.«

»Ah doch, waren ziemlich viele diesmal. Wir haben uns zwischendurch richtig unterhalten.« Das war einfach nur schön …

Und sie weiß auch, dass das was Besonderes ist, denn sofort wird sie ernst und ihre Augen groß.

»Echt jetzt? Taut er wirklich langsam auf?«

»Scheint fast so ...« Mein Grinsen wird breiter und breiter.

»Toll ... Grade jetzt, wo du Nicklas wiedergetroffen hast.«

Ich zucke nur die Achseln. »Und? Erstens sind Nick und ich nicht zusammen und zweitens werde ich Chain wahrscheinlich eh niemals live kennenlernen. Woher soll ich denn wissen, dass er nicht 500 Kilometer weit weg wohnt?« Sie wiegt nachdenklich den Kopf und nickt dann ebenfalls.

»Stimmt schon. Ist echt bisschen blöd.«

»Jop. Und, wie läuft´s bei dir? Hat sich dein Arsch wieder gemeldet, beziehungsweise sich entschuldigt?«

Sofort legt sich ein seliges Lächeln über Hannahs Gesicht und Tim und ich stöhnen gleichzeitig halb genervt, halb belustigt auf.

»Er hat heute Nacht geschrieben, dass es ihm leidtut und er mich vermisst und vorhin hat er mir einen guten Morgen gewünscht! Das macht er sonst nie!«

»Aww, das freut mich voll für dich!« Tut es tatsächlich, weil es ihr echt schlecht ging, nachdem er sich gestern den gesamten Tag nicht gemeldet hat. Das blöde Arschloch.

***

Zur Mittagspause treffe ich mich mit Tim in der Mensa. Hannah sitzt zwei Plätze weiter mit ihrem Loverboy und sieht so glücklich aus, dass man davon direkt Karies bekommt.

Sie redet und redet auf ihn ein, während er schweigend isst, ihr aber wohl immerhin zuhört.

»Die zwei, ey ...«, brummt Tim, beißt in seinen Burger und verteilt die Soße auf seinem Kinn.

»Jop. Er hat sie echt nicht verdient.«

»Kein Stück«, pflichtet er mir mit vollem Mund bei und ich beiße selbst in meinen eigenen Burger mit doppelt Käse.

»Was wolltest du eigentlich?«, fällt mir spontan wieder ein und sehe ihn fragend an.

»Hm?« Offenbar hat er allerdings schon wieder vergessen, dass er mich gestern noch angeschrieben hat.

»Als du gefragt hast, ob ich noch Zeit habe? Gestern Abend?«

»Ach so! Ja ne, ich wollte nur ... uhm ...« Mir fallen fast die Augen aus dem Kopf, als Tim, Mister Coolkid, dem nichts peinlich ist, tatsächlich rot wird. Krasser Scheiß.

»Okay?« Ich bin jetzt schon total blöd am Grinsen, weil Verlegenheit bei ihm echt ungewöhnlich ist.

»Ja, äh ... also, erinnerst du dich noch an das Mädel von der Party?«

»Welches? Da waren ziemlich viele!«, lache ich, weiß aber eigentlich genau, wen er meint. Es gab nämlich nur eine, mit der er irgendwann knutschend in der Ecke stand.

»Du Blödmann, das weißt du genau! Die Blonde, Celina! Wir haben rumgemacht!«

»Aaaaah, diiiieeee!«

»Ja, die! Jedenfalls ... waren wir essen und dann ...« Oh, jetzt wird es interessant. Was hat er sich geleistet, dass er sogar rot wird? Das ist ja fast niedlich.

»Und dann?«, hake ich neugierig nach.

»Dann war da diese Kellnerin. Das war in diesem einen teuren Restaurant. In der Innenstadt. Im Castello. Wir wollten da letztes Jahr mal hingehen, und dann hatten die aber Ruhetag.«

»Ah, ja, ich weiß, welches du meinst! Das angeblich so geile Steak machen!« Wir haben uns damals echt geärgert, dass der Laden gerade an dem Tag geschlossen hatte und danach haben wir einfach vergessen, es nochmal zu versuchen.

»Ja, genau! Jedenfalls, diese Kellnerin ... Gott, sie war so schön!« Seine Augen glänzen fast fiebrig, als er das erzählt und ich bin mehr von seiner Mimik fasziniert als von seiner Geschichte, denn so habe ich Tim echt noch nie erlebt! »Sie hatte lange, schwarze Haare, so glatt, und die haben so bläulich geschimmert ... Und ihre Augen! Ich hab noch nie so hellblaue Augen gesehen!«

»Warte ... Du warst auf nem Date mit Celina und hast dabei die Kellnerin angeschmachtet?«

Allein der Gedanke ist ziemlich witzig, dem Mädel gegenüber aber leider echt arschig! »Du bist so ein Wichser!«, lache ich, picke eine Kirschtomate aus meinem Salat und werfe sie nach ihm. Er weicht aus und ich treffe den Typen, der hinter ihm sitzt.

»Sorry!« Der ist zum Glück so in seine Rede über keine Ahnung was vertieft, dass er´s nicht mal merkt. »Bist du aber echt!«

»Ja, ich weiß ... Celina war auch nicht begeistert. Hat dann hinterher voll rumgemeckert, was das soll und überhaupt.«

»Verständlich!« Hatte sie jedes Recht der Welt dazu!

»Ja, aber du hättest die Kellnerin sehen sollen! Sie war so wunderschön! Du musst mit mir da hin!«, erklärt er jetzt total verträumt und ich grinse gemein.

»Lol, damit du ihr zeigen kannst, dass du nicht nur vergeben, sondern auch noch schwul bist?«, ziehe ich ihn auf. Er schlägt nach mir, erwischt mich aber nicht, weil ich schnell genug ausweiche.

»Idiot, das soll kein Date werden!«, mault er, muss dann aber selbst lachen.

»Aber wenn ich drauf bestehe?«, ärgere ich ihn und er zeigt mir seinen Mittelfinger.

»Dann nehmen wir halt Nick auch mit! Oder hat sich das mit euch schon wieder erledigt?«

»Ne, ne, wir haben uns gestern getroffen«, erzähle ich und lächle zufrieden.

»Sag mal, wie kann es sein, dass du glühst wie ein Christbaum auf LSD, sobald es um Chain geht, selbst wenn er nur virtuell gefurzt hat, und dann triffst du jemanden, ihr versteht euch, ihr habt Sex, und das ist so ... nebensächlich?«

»Ich glühe gar nicht!« Der ist doch blöd und labert nur Scheiße!

»Doch, tust du! Du hast dich über seine dämliche Nummer mehr gefreut, als über ... keine Ahnung, wie ein richtig gutes Steak eben?«

»Du meinst wohl eher wie Ramen?«, frage ich sofort begeistert und notiere mir gedanklich, dass ich heute unbedingt mal wieder welche essen gehen muss! Also vor der Arbeit heute Abend. Ich liebe Ramen einfach so sehr! Generell liebe ich die asiatische Küche. Egal ob es einfache gebratene Nudeln sind, japanische Dons mit Reis, Fleisch und Ei, oder Reisnudeln mit Gemüse, das ich im Supermarkt noch nie gesehen habe. Ich könnte mich echt von dem Zeug ernähren, aber Ramen stehen definitiv unangefochten auf Platz eins!

»Depp, nicht sowas! Etwas, was dich richtig happy macht!« Er überlegt kurz, muss dann aber selbst lachen. »Okay, gut, wie deine blöde Nudelsuppe!«

Ich grinse ihn breit an, lehne mich zurück und strecke mich, bevor ich mich wieder zu ihm beuge.

»Das liegt daran, dass Chain meine Nudelsuppe ist. Irgendwie. Nick ist toll, er ist wie ... wie Steak! Er ist besonders und alles, aber er ist eben nur Steak. Keine Nudelsuppe«, erkläre ich und zucke die Schultern. Nudelsuppe ist das Essen fürs Leben. Leicht im Sommer, wärmend im Winter, mit allem kombinierbar … sie macht einfach rundum glücklich.

»Ich glaube, du hast noch nie ein wirklich gutes Steak gegessen, sonst würdest du sowas Bescheuertes nicht sagen«, verteidigt Tim sein heißgeliebtes Fleisch.

»Steak ist okay, aber Ramen sind was anderes! Ich liebe Ramen und die werden für mich immer auf Platz eins stehen!«

Seine Augen werden groß und seine Mimik verrutscht. Ich verstehe einen Moment nicht, was er jetzt hat, denn dass ich Ramen wirklich liebe, weiß jeder, der mich kennt!

»Du liebst ihn?«

»Was?«

»Na, diesen Internettyp?«

»Was? Wann hab ich - ach so! Gott, nein! So hab ich das gar nicht gemeint!« Er ist echt so ein Idiot und ich muss wieder lachen.

Auch wenn ich ... Also, hin und wieder frage ich mich ja schon, ob das normal ist, was ich empfinde. Also, wenn ich mit Chain schreibe. Oder wenn ich darüber nachdenke, wie er aussieht, was er so macht, was für ein Leben er führt, wo er gerade ist ... Ich kann mich damit echt lange beschäftigen, wenn mich nichts ablenkt.

»Na, ich weiß nicht ...« Skeptisch mustert mich Tim.

»Halt die Klappe, so ist das nicht! Das wäre total dämlich und ziemlich sinnlos«, gebe ich zurück, weiß, dass ich Recht habe, und dennoch zwicken meine Worte mir unangenehm in der Brust.

»Möglich, aber …«

»Sei still! Ich frage Nick, ob er Lust hat, mit uns essen zu gehen.« Bereitwillig lässt Tim mich das Thema wechseln, aber wahrscheinlich auch nur, weil er direkt wieder an die hübsche Kellnerin denkt.

»Sehr geil! Wann?«

»Wann du´s dir leisten kannst? Du zahlst!«, lache ich und beobachte, wie ihm das Gesicht entgleist.

»Was? Du spinnst wohl!«, japst er entsetzt, weil er sich lebhaft vorstellen kann, was da für eine Rechnung auf ihn zukommen würde.

»Ist sie dir das nicht wert«, ziehe ich ihn auf, hole schon mein Handy raus, um Nick zu schreiben, und registriere ganz nebenbei, dass ich keine neue Nachricht von Chain habe. Auch im RPG nicht. Ich meine, das dauert zwei Sekunden, die App zu öffnen, das merkt Tim gar nicht und dann bin ich ja auch schon in Nicks Chat. Halbwegs schaffe ich es sogar, das ekelhafte Ziehen in meinem Magen zu ignorieren. Warum schreibt er nicht?

***

Am nächsten Abend sitzen Tim, Nick und ich im Castello. Nick und ich haben Spaß, während Tim eine Fresse zieht, als hätte man ihm seine PlayStation weggenommen. Und die Xbox. Und sein Handy.

»Ach komm, vielleicht hat sie nur Pause? Oder fängt erst später an?«, starte ich den bestimmt fünften Anlauf ihn zu trösten. Obwohl ich selbst ein paar nette Worte gut gebrauchen könnte, denn Chain hat sich jetzt seit zwei Tagen nicht bei mir gemeldet. Obwohl ich ihn schon dreimal dran erinnert habe, dass es mich gibt. Per WhatsApp und im RPG. Nichts.

»Wir sind seit über einer Stunde hier. Die gesamte Primetime durch. Welcher Kellner hat da - fuck, da ist sie!«

Tim sieht aus, als würde er gleich auf den Tisch schmelzen. Oder sabbern. Oder beides. Nick und ich drehen uns gleichzeitig um, starren ziemlich auffällig in die Richtung, in die Tim grade sein Herz geworfen hat und jetzt wie ein Zombie dahockt und gierig hinterher glotzt. Nur ... sehe ich da keine Kellnerin, nur einen Kellner, der sich elegant zwischen den Tischen durchschlängelt. Ist Tim jetzt auch schwul?

»Eh ...« Dann sehe ich sie und wow, ich stehe echt nicht auf Frauen, aber die junge Dame, die da gerade in engen Jeans, einer lockeren, weißen Bluse mit violetten aufgedruckten Blüten und auf leisen, flachen Schuhen durch das Restaurant geht, ist wirklich eine Schönheit! Ich kann verstehen, dass Tim sie interessanter fand als Celina, auch wenn das dennoch ne scheiß Aktion war.

»Ist sie nicht wunder-wunder-wunderschön?«, haucht er glücklich.

»Ist sie«, stimme ich zu und auch Nick nickt anerkennend.

»Aber wohl nicht im Dienst, gerade«, fügt er an und Tim und ich wiege langsam den Kopf. »Vielleicht fängt sie jetzt erst an?«

»Wäre möglich ...« Auch wenn ich das nicht glaube. Für einen Schichtwechsel ist es eigentlich zu spät. Ich hatte ja selbst schon zig Nebenjobs in der Gastronomie, von daher weiß ich, dass so spät niemand mehr anfängt zu arbeiten, wenn das Hauptgeschäft schon dem Ende zugeht. Und das ist um halb neun Uhr am Abend unter der Woche definitiv der Fall!

Alle drei beobachten wir sie, wie sie zur Bar geht und den Barkeeper mit einem Kuss auf die Wange begrüßt.

Tim schimpft leise vor sich hin. Der ist echt durch!

»Aus!«, lache ich. 

»Der soll die Finger von meiner Zukünftigen nehmen!«, zischt er angefressen und ich lache nur noch lauter.

»Du hast noch nicht ein Wort mit ihr gesprochen!«

»Doch natürlich! ›Einmal das Rib-Eye-Steak mit Ofenkartoffel und zu trinken ne große Cola‹ und ›Die Rechnung bitte!‹ Das sind zwei Sätze!«, ereifert er sich und ich muss mir ganz gewaltig das Lachen verkneifen. Tim hat sich noch nie so angestellt, wenn es um ein Mädchen ging. Das ist absolute Premiere.

»Wow, da war sie sicher beeindruckt und überlegt jetzt, wie sie dir nen Antrag machen soll ... «, Oh Gott, Nick!

»Sei still, du Lappen, du hast keine Ahnung«, mault Tim und lässt den Kopf hängen. Nennt man das Liebe auf den ersten Blick?

»Na danke!« Immerhin nimmt Nick es auch mit Humor.

»Lass mich ...«, schmollt Tim jetzt auch noch.

»Wir lassen dich ja! Komm, schreib zumindest deine Nummer auf und gib sie ihr, mehr als nicht klappen kann es ja nicht«, schlage ich vor, aber er sieht nicht wirklich motiviert aus.

»Die interessiert sich im Leben nicht für mich!«

»Aber dann hast du´s wenigstens versucht! Außerdem sind wir doch extra deswegen hierhergekommen«, dränge ich, weiß, dass ich Recht habe, aber er wirkt nicht überzeugt.

»Ja, aber ... Ich weiß nicht, ob ich es ertrage, nen Korb von ihr zu bekommen. Ja, wir sind deswegen hier, aber jetzt weiß ich nicht mehr, ob das so eine gute Idee ist.«

In dieser Sekunde brummt mein Handy in meiner Hosentasche und ich springe beinahe auf vor Schreck. Mit fliegenden Fingern zerre ich es aus dem widerspenstigen Stoff, der es erst nicht hergeben will. Er hat geschrieben! Chain hat mir endlich geantwortet und ich -

Hannah. Ich sinke enttäuscht in mich zusammen.

Mist ... Warum? Warum meldet sich der Bastard nicht mehr?!

Seufzend öffne ich die Nachricht, die ungefähr 5000 Smileys und ein Bild von ihrem Handgelenk enthält, um das ein wirklich hübsches, silbernes Armkettchen liegt.

›Er ist so ein Schatz! Omg, ich bin so glücklich!‹, freut sie sich und ich meine, mich dunkel daran zu erinnern, dass sie mir das Kettchen schon mal in einem Schaufenster gezeigt hat. So vor einem halben Jahr?

›Aaaw, voll hübsch! X3 Gabs nen Anlass?‹, schreibe ich zurück, denn auch wenn ich immer noch ein bisschen geknickt bin, dass nicht Chain mir geschrieben hat, freue ich mich doch ehrlich für sie!

›Nein, einfach so! Bis eben waren wir essen, voll schön mit Kerzenschein! Ich habe eine Rose bekommen und die Kette und jetzt sind wir bei ihm und er duscht gerade.‹

›Oh, oh, oh, Hannah, ich glaube, er bescheißt dich, dein Loverboy … Kein Mann verschenkt einfach so Schmuck, wenn er kein schlechtes Gewissen hat!‹ Ich kann´s einfach nicht lassen, sie zu ärgern.

Nick sieht mein fieses Grinsen.

»Was ist so lustig?«

»Ach, ich ärgere meine beste Hannah. Ihr Freund hat ihr Blumen und Schmuck geschenkt«, erzähle ich.

»Einfach so?«

»Einfach so.«

»Er bescheißt sie!«, sagt er mit so viel Überzeugung, dass ich mich jetzt fast an meiner Cola verschluckt hätte.

»Hab ich ihr gerade geschrieben!«, lache ich, schüttle dann aber den Kopf. »Aber ne, ist nur Spaß. Leon ist nicht der Typ für sowas.«

»Fürs Bescheißen?«, fragt Nick und sieht mich neugierig an.