Plus One - Seite an Seite - Jennifer Lyon - E-Book

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Jennifer Lyon

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Beschreibung

Ein eigenes Geschäft zu eröffnen, war für Kat Thayne ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Unabhängigkeit. Der verführerische Milliardär Sloane Michaels hat überdies eine Leidenschaft in ihr angefacht, die sie nie für möglich gehalten hätte. Doch dann entdeckt Kat eine dunkle Seite an Sloane, die sie beide ins Verderben stürzen könnte.

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Seitenzahl: 391

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Inhalt

Titel

Über dieses Buch

Widmung

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Epilog

Danksagung

Über die Autorin

Die Romane von Jennifer Lyon bei LYX

Impressum

JENNIFER LYON

Plus One – Seite an Seite

Roman

Ins Deutsche übertragen von

Michaela Link

Über dieses Buch

Als Konditorin Kat nach der Arbeit von zwei Unbekannten angegriffen wird und ihr der attraktive UFC-Kämpfer Sloane Michaels zur Hilfe kommt, verändert sich ihr ganzes Leben. Zugegeben, sein Angebot, ihr Selbstverteidigungstechniken beizubringen, wenn sie im Gegenzug seine Geliebte wird, ist so unverschämt, dass Kat es sofort ausschlagen müsste. Doch was hat sie schon zu verlieren? Schnell wird ihr klar, dass Sloane für sie die einzige Chance ist, ihre Ängste für immer zu überwinden – und das größte Geschenk, das ihr je gemacht wurde: In seinem Trainingsraum fühlt sie sich schon bald so sicher wie in ihrer Bäckerei und in seinen Armen so stark und geliebt wie nie zuvor in ihrem Leben. Kat kann sich nicht vorstellen, jemals wieder ohne Sloane zu sein. Doch je wichtiger er für sie wird, desto bewusster wird ihr auch, dass sie die Grenzen ihrer Abmachung längst überschritten haben und sich viel zu nah gekommen sind. Mit jedem Blick in Sloanes Seele spürt Kat, dass er Geheimnisse vor ihr hat – Geheimnisse, die mehr als nur ihre Liebe zerstören könnten …

Widmung

Allen Lesern, Bloggern, Rezensenten und Freunden ein gigantisches Dankeschön! Ich habe die Geschichte von Kat und Sloane geschrieben und veröffentlicht, weil ich sie von ganzem Schriftstellerherzen liebe. Sie sind in einer sehr schwierigen Zeit in mein Leben getreten und haben mich gelehrt, an die Macht der Liebe und des Heilens zu glauben.

Womit ich aber nicht gerechnet habe, das seid IHR, meine Freunde. Ihr habt den ersten Band gelesen und euch so sehr mit den Figuren identifiziert, dass ihr sie überall bekannt gemacht habt. Ich nehme das in großer Demut hin und liebe euch alle dafür, dass ihr es der Welt kundtut, wenn euch ein Buch gut gefällt!

Und wisst ihr was? Kat und Sloane hatten recht – auf jeden von uns warten Liebe und Heilung.

Lebt, liebt und esst mehr Cupcakes!

In aller Liebe

Jen

P.S. Aber esst bloß nicht Sloanes Zitronencupcakes, die teilt er mit niemandem!

1

Nachdem Kat sich den Schweiß von Gesicht und Brust gewischt hatte, trank sie gierig den Rest Wasser aus ihrer Flasche. Es war Mittwochnachmittag, und auch als sie wieder zu Atem kam, hatte sie nicht einmal mehr die Kraft zu murren, dass Sherry Moreno nicht wenigstens anstandshalber so tat, als sei sie ebenso erledigt wie Kat. Sie blickte auf die Uhr an der Wand und war überrascht, dass sie anderthalb Stunden trainiert hatte. »Wenn ich morgen früh aus dem Bett steige, werde ich dich verfluchen.«

Sherry stopfte ihr Handtuch in die Tasche und erhob sich zu ihrer vollen Größe. Sie war etwa zwei oder drei Zentimeter kleiner als Kat. »Hast du mich am Montag verflucht?«

Kat zuckte zusammen und erinnerte sich an den spätnachmittäglichen Übungskampf am Sonntag. Sherry nahm ihre Kampfkunst ernst. »Ich hatte vor, dich kaltzumachen.« Kat warf ihre leere Wasserflasche in den Müll. Der private Trainingsraum in Sloanes Fitnessstudio fühlte sich langsam so vertraut an wie ihre Konditorei, nur dass Kat sich hier nicht so versteckte, wie sie es einst in der Küche von Sugar Dancer getan hatte. Nein, hier trainierte Kat, um zu leben, nicht um sich zu verstecken. Ihre Schmerzen und Wehwehchen waren willkommene Erinnerungen daran, dass sie stärker wurde. »Aber ich hatte zu starken Muskelkater, um den Plan in die Tat umzusetzen.«

Sherry zog die Augenbrauen hoch. »Das glaube ich dir nicht. Du hast genauso ausgeteilt, wie du einstecken musstest. Ich habe John die Prellung an meinem Oberschenkel von deinem Kniestoß gezeigt. Er war beeindruckt.«

Kat zog die Nase kraus. »Das tut mir leid.«

»Das muss es nicht. Ich habe dich am Sonntag unterschätzt. Den Fehler mache ich nicht ein zweites Mal.« Sie hob ihre Tasche hoch und schüttelte ihren blonden Schopf. »Spätestens da wusste ich, dass du wirklich etwas lernen willst.«

»Das will ich.« Nachdem sie sich ihre Tasche gegriffen hatte, folgte sie Sherry aus dem Raum. »Ich bin mir ziemlich sicher, dass Sloane, sobald diese Sache zwischen ihm und mir beendet sein wird, wohl kaum noch weiter mit mir trainieren will. Deshalb habe ich mir überlegt, ob ich dich dann engagieren kann.«

Sherry schnaubte und bog in den öffentlichen Bereich ein. Musik wummerte aus versteckten Lautsprechern, aber der Flur war menschenleer. »Du würdest mich bezahlen?«

»Natürlich.« Sie wollte sie auch jetzt bezahlen, aber als Kat das bei ihrer Trainingsstunde am Sonntag erwähnte, hatte Sherry gesagt, Sloane habe das bereits geregelt. »Es gefällt mir überhaupt nicht, dass Sloane dich bezahlt. Das ist irgendwie krass.«

»Ja, das ist es, nicht wahr?« Sie strahlte fröhlich.

Kat lehnte sich an die Wand. »Wie viel nimmst du pro Stunde? Ich werde dich bezahlen, und ich werde es Sloane mitteilen. Was ihm wohl egal sein wird.« Was eine Lüge war. Ihm würde eine Ader platzen oder sonst was, aber er würde halt sehen müssen, wie er damit klarkam.

»Darf ich dabei sein, wenn du es ihm sagst? Ich werde dich kostenlos unterrichten, nur um zu sehen, wie du ihm die Stirn bietest.«

Kat zog eine Augenbraue hoch. Sherry sah wie das typische amerikanische Mädchen aus: kein Make-up, die Haut leicht gerötet von der Anstrengung und im Kontrast dazu ihr blondes, schulterlanges Haar. Wahrscheinlich brachte sie alle Männer mit einem Fingerschnippen dazu, sie beschützen zu wollen, ohne zu begreifen, und sie begriffen nie, dass sie ihnen in den Hintern treten und dabei lachen konnte. »Sloane macht dir keine Angst, oder?«

»Nein. Obwohl er auf die meisten Menschen einschüchternd wirkt. Aber was dich von ihnen unterscheidet, ist die Tatsache, dass du wirklich nicht willst, dass er zahlt.«

Das machte Kat traurig. Sie wusste genau, was Sherry meinte. Sloane machte Sex und Beziehungen zu einer Geschäftssache. Diejenigen, die Sloane so kannten, dachten wahrscheinlich, dass er kalt und hartherzig sei. Sie hatten jedoch nichts verstanden. Tief im Innern glaubte er nämlich nicht, dass eine Frau ihn auf lange Sicht lieben konnte. Also machte er das Ganze zu einer Vertragsangelegenheit, um sich selbst zu schützen, und kaufte sich vorübergehende, bedeutungslose Beziehungen. Es tat ihr weh, sich vorzustellen, dass er so durchs Leben ging.

Sie konzentrierte sich wieder auf Sherry. »Was Sloane mir gegeben hat, kann man für Geld nicht kaufen.« Es war ein Geschenk, eins, das sie für immer behalten konnte, selbst wenn das, was zwischen ihnen war, endete. Und es würde enden. Im Moment interessierte er sich für sie. Höchstwahrscheinlich war sie aus dem Grund, den Sherry genannt hatte, anders als seine bisherigen Begleiterinnen. Aber auf lange Sicht würde sie nicht in der Lage sein, das Interesse von Sloane Michaels aufrechtzuerhalten. Aber vielleicht konnte sie ihm helfen, von seinen emotionalen Wunden zu genesen. Denn Kat glaubte nicht, dass ihre »Beziehung« bedeutungslos war. Und dann würde er jemanden finden …

Ihre Brust schnürte sich zusammen. Ja, es war das Beste, diesen Gedanken nicht zu Ende zu denken.

»Was hat er dir denn gegeben?«

Wie sollte sie das erklären? Es war die Art, wie er sie dabei unterstützte, zu der Frau zu werden, die sie sein wollte. Also gab es darauf nur eine Antwort. »Mich. Er hat mir das Selbstbewusstsein gegeben, einfach ich selbst zu sein.«

Sherry sog den Atem ein. »Drake hatte recht, was dich betrifft.«

Kat konnte dieser plötzlichen Wendung des Gesprächs nicht folgen. »Sloanes Freund Drake?«

»Er mag dich. Er meinte, du würdest Sloane guttun. Er würde dir etwas bedeuten. Drake will, dass ich heute Abend mit dir zum Dinner rüberkomme.«

Das kam so überraschend, dass ihr ganz schwindlig wurde. »Abendessen in Sloanes Haus mit Drake? Aber Sloane ist nicht da. Ich glaube nicht, dass das eine gute Idee ist.«

»Drake wohnt ebenfalls dort. Er kann jeden einladen, den er will. Ich werde kochen, es wird bestimmt ganz lustig werden.«

Kat schüttelte den Kopf. »Danke, und sag auch Drake in meinem Namen Danke. Aber ich kann nicht mitkommen.« Es gab Grenzen … quasi. Und dass Kat sich im Leben seiner Freunde einnistete, kam nicht infrage. Das wusste sie. Es war eine Sache, Sherry zu engagieren, um sie in Selbstverteidigung zu unterrichten – das war eine geschäftliche Angelegenheit. Aber mit seinen Freunden zu Abend zu essen, in seinem Haus, und er hatte kein Wörtchen dabei mitzureden? Nein. »Aber danke für die Einladung. Ich weiß das wirklich zu schätzen.« Sie würde Drake ein paar Muffins oder irgendetwas schicken, dafür, dass er an sie gedacht hatte.

Als sie zu ihren Autos gingen, fragte Sherry: »Bist du dir sicher, dass ich dich nicht umstimmen kann?«

Verdammt, sie wollte gern mit ihnen zu Abend essen. Gar keine Frage. Obwohl sie und Kellen geplant hatten, heute Abend etwas zusammen zu unternehmen. Aber war es jetzt schon so weit, dass sie ihre eigenen Freunde vernachlässigte? Sie mochte Sherry und Drake, aber sie waren Sloanes Freunde, nicht ihre. »Ich bin mir sicher. Und ich wünsche euch viel Spaß.«

Kat hatte sich noch nicht sehr weit vom Fitnessstudio entfernt, als ihr Handy klingelte. Als sie auf das Display schaute, war sie überrascht. Sie antwortete über Bluetooth und sagte: »Sloane. Hey. Ich bin in meinem Wagen, kannst du mich hören?«

»Ja. Sherry hat mich angerufen.«

Das trainingsbedingte Stimmungshoch wurde von leichter Anspannung überlagert. »Gerade eben?« Verdammt, diese Frau war schnell. Erstattete sie etwa Bericht über Kats Fortschritte oder was?

»Kat, wenn du mit Drake und Sherry zu Abend essen willst, nur zu. Und wenn Sherry die Margaritas mixt, dann schläfst du halt in meinem Bett.«

Ein Schauder überlief sie. »Da kann ich ohne dich nicht schlafen.« Es war einfach nicht richtig.

»Hast du mir nicht gesagt, ich könne bei dir zu Hause schlafen, nachdem du zur Arbeit gegangen warst?« Seine Stimme war ganz leise.

»Ich …« Genau das hatte sie gesagt. »Du bist nicht geblieben.«

»Hätte es dir etwas ausgemacht, wenn ich geblieben wäre?«

Das war eine Falle. Das war ihr wohl klar, jedoch nicht, wie sie ihr ausweichen sollte. »Nein.«

»Mir macht es auch nichts aus. Hast du Lust, den Abend mit Sherry und Drake zu verbringen?«

Kat bog in die Straße ein, in der sie wohnte, und holte tief Luft. »Diego hat heute Nachtdienst. Kel und ich wollen uns Essen kommen lassen und einen Film ansehen.«

»Bring Kellen mit.«

Das hörte sich alles so einfach an. Sie fuhr in die Garage. »Warum bedrängst du mich so? Du bist nicht einmal hier, und …« Sie musste daran denken, wie sehr sich Drake über die Muffins gefreut hatte. Und dann die Trostlosigkeit in Sloanes Augen, als er den väterlichen Freund beobachtet hatte. »Es geht hier um Drake, nicht wahr?« Okay, das verstand sie. »Ich werde das regeln und hingehen. Was mag Drake denn gern? Was ist sein Lieblingsdessert?« Bei allem, was Sloane für sie getan hatte, würde sie das mit Freuden für ihn tun. Kellen würde es verstehen. Oder, wenn sie zurückkam, konnten sie …

Ein Klopfen an ihr Fenster ließ sie zusammenzucken. Sie wandte sich zur Seite, in der Annahme, dass Kellen gehört hatte, wie sich die Garage öffnete, und … Mist, verdammter. »David.«

»Bei dir? Jetzt? Wo bist du?«

Sloanes Worte, die wie aus der Pistole geschossen kamen, halfen ihr, sich zu beruhigen. »In meiner Garage, ich habe die Tür nicht abgeschlossen.«

»Bleib bei geschlossenen Türen im Auto sitzen«, befahl Sloane.

»Katie, mach die Tür auf.« David klopfte abermals gegen die Scheibe. »Ich habe den Stick.«

Sie ließ das Fenster etwa vier bis fünf Zentimeter runter. »Welchen Stick?«

»Den, worum du deine Eltern gebeten hast. Die Bilder von dir im Krankenhaus. Wozu willst du die?«

Kat versuchte, ihm zu folgen. Sie hatte ihren Dad nach den Bildern gefragt. Anna wollte ein oder zwei für das Video; Kat wusste allerdings nicht, ob das eine gute Idee war. Aber in diesem Moment galt es einfach nur, David loszuwerden. »Schön. Reich ihn mir rein und verschwinde.«

Er zögerte und runzelte die Stirn. »Wozu brauchst du das? Du hast noch nie zuvor darum gebeten, dir die Bilder ansehen zu dürfen.«

Das stimmte, aber sie würde das jetzt nicht mit ihm diskutieren. Sie hatte versucht, ihn dazu zu bringen, ihr die Wahrheit über jenen Abend zu sagen, und er hatte sich geweigert. Wann immer sie darüber nachdachte, machte es sie nur noch wütender. Sie brauchte ihn, um die Leerstellen in ihrem Kopf auszufüllen, die ihre massive Angst verursachten. »David, gib mir den Stick und geh.«

»Sie haben gehört, was sie gesagt hat«, sagte Kellen, der in diesem Moment in die Garage kam.

David schob den Stick durch den Spalt im Fenster. Sein Blick war betrübt. »Kellen braucht mich nicht so anzublitzen. Ich bin gleich wieder weg. Ich wollte mich entschuldigen. Als ich dich an jenem Morgen vor deiner Konditorei getroffen habe, war ich gestresst und müde. Diese Männer, die uns überfallen haben, sind nie gefasst worden, und ich habe das Gefühl, dass du die Sache unnötig aufwühlst und uns damit nur Ärger einhandelst. Es ist das Beste, die Angelegenheit einfach auf sich beruhen zu lassen.«

»Du hast das Gefühl, ich würde uns nur Ärger bescheren?« Sie hatte es so satt, dass sie ihren Sicherheitsgurt löste und die Tür aufstieß.

David stolperte zurück und stieß gegen die Garagenwand. »Himmel, Katie. Was ist bloß in dich gefahren?«

Ihr Mitbewohner stellte sich schützend vor sie. »Sie machen sie nur sauer, Sie Genie. Kat will Sie nicht hier haben. Gehen Sie.«

Kellens T-Shirt war keins der Modelle, das den Betrachter über seine beeindruckenden Muskeln im Zweifel ließ. Plötzlich flammte in ihr der Wunsch auf, Kellen zu beschützen, denn er musste sich immer noch von seiner Stichverletzung erholen. Es war an der Zeit, selbst in die Schlacht zu ziehen.

Kat trat um Kellen herum, um sich vor David aufzubauen.

Die grünen Augen ihres Exverlobten weiteten sich, und sein linkes Auge zuckte. Früher war dieser Tick nur zum Vorschein gekommen, wenn er zu lange gearbeitet hatte und übermüdet war. War es inzwischen chronisch geworden?

David holte tief Luft, seine Schlüsselbeine zeichneten sich unter seinem Hemd ab. »Katie, bitte, sei einfach vorsichtig. Die Bilder auf diesem Stick …«, er zeigte mit der geballten Faust darauf. »Ich will dich nie wieder in so einem Zustand sehen.« Er schloss die Augen. »Du warst so jung und schön, so süß, und sie haben dich gebrochen.«

Gebrochen. Das war es, was ihre Eltern und David glaubten. Und lange Zeit hatte Kat es ebenfalls geglaubt. »Sie haben mir ein paar Knochen gebrochen oder sogar zertrümmert und mir eine Gehirnerschütterung eingebrockt. Das ist es, was sie meinem Körper angetan haben.«

David öffnete die Augen.

»Aber sie haben mich nicht gebrochen, David. Sie haben die Hülle gebrochen, die mich gefangen gehalten hat.«

Er nahm seine Brille ab und rieb sich die Augen. »Ich habe mir Sorgen gemacht, weil du diese Bilder sehen wolltest. Aber jetzt glaube ich, du solltest sie dir anschauen.« Er setzte die Brille wieder auf und fügte hinzu: »Sieh dir an, was wir durchgemacht haben, und lass es dabei bewenden. Streich es aus deinem Gedächtnis. Es war ein willkürlicher Raubüberfall, sie haben deinen Verlobungsring mitgenommen, und nun ist es an der Zeit, dass wir das Ganze hinter uns lassen. Lass dich von deinem gesunden Menschenverstand leiten, es sei denn, du willst wieder überfallen werden.«

Kellen schob sich weiter schützend vor sie. »Raus mit Ihnen.«

Kat legte Kellen eine Hand auf den Arm. Seine Muskeln spannten sich vor Zorn an. Sie wusste, dass er gleich die Beherrschung verlieren würde, aber ihr erging es nicht anders. »Du drohst mir?«

David rieb sich mit einer Hand den Nacken. »Ich drohe dir nicht …« Das Aufheulen eines Motors unterbrach ihn. Ein Kleinlaster kam schlitternd zum Stehen, und John Moreno sprang heraus.

»Kat, alles okay mit Ihnen?«

John trug ein weißes T-Shirt, Jeans und hatte einen Ausdruck im Gesicht, der klarmachte, dass mit ihm nicht zu spaßen war. Sein plötzliches Auftauchen verwirrte Kat. »Ja, aber woher wussten Sie …? Oh. Sloane hat Sie angerufen.« Wahrscheinlich in der Sekunde, in der er erfahren hatte, dass David in ihrer Garage war. »Wie sind Sie so schnell hierhergekommen?«

»Ich war im Büro des Fitnessstudios.«

Das ergab ebenso viel Sinn wie alles andere, was ihr widerfuhr, seit sie Sloane kennengelernt hatte. Das Fitnesscenter war in der Nähe von Kats Wohnung.

Er funkelte David an. »Und das wäre dann Dr. Arschloch?«

Sloanes Spitzname für David schien einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht zu haben. »Ja, Dr. David Burke. Er wollte gerade gehen.«

David drehte den Kopf hin und her. »Katie, wer ist das?«

»Geht dich nichts an. Fahr nach Hause.« Ihre Garage füllte sich mit Männern. Kat fragte sich, wer als Nächstes auftauchen würde, wenn sie es nicht schaffte, ihren Exverlobten loszuwerden.

David streckte die Hand nach ihr aus. »Bist du dir sicher, dass das eine gute Idee ist?«

»Nicht. Fass mich nicht an.« Kat sprang zurück, doch ihr Knie spielte nicht mit. Sie stolperte und streckte die Arme nach vorn.

Kellen ergriff ihr Handgelenk und gab ihr Halt. Ihr schlug das Herz bis zum Hals vor lauter Schreck. Sie blinzelte, um die aufkommende Panik niederzuringen.

»Wenn Sie noch einmal versuchen, sie anzufassen, werden Sie ihre Hand nie mehr gebrauchen können. Ich wiederhole mich nicht, Burke. Machen Sie, dass Sie hier wegkommen, und halten Sie sich von Kat fern.«

Johns kalter Tonfall riss sie aus ihrer Panik heraus. Er war vor sie hingetreten, hatte den Kopf vorgestreckt und die Arme drohend angewinkelt.

David trat mit eingezogenen Schultern den Rückzug an. Sein Hemd schlabberte um seinen Körper und machte deutlich, dass er in jüngster Zeit abgenommen hatte. Nostalgische Gefühle krampften ihr die Brust zusammen. All ihre romantischen Gefühle für ihn waren gestorben, aber da war immer noch ein Hauch von Fürsorge da. Sie verabscheute es, den stolzen Selfmade-Wissenschaftler, zu dem sie einst aufgeblickt hatte, zu einem Mann zusammengeschrumpft zu sehen, der in irgendwelchen Schwierigkeiten steckte.

Aber der Schmerz in ihrem Bein erinnerte sie daran, dass es David war, der, was immer das Problem war, ihr das eingebrockt hatte. Selbst das hätte Kat ihm vielleicht verziehen, aber all die Lügen danach, als sie es gebraucht hätte, die Wahrheit von ihm zu hören … das hatte jegliches Gefühl für ihn ersterben lassen.

Kellen schlang ihr einen Arm um die Schultern. »Alles okay, Kit Kat?«

»Ja.« Sie riss den Blick von David, der den Rückzug antrat.

John berührte sie sachte an der Schulter. »Hey, Kat, Sie müssen Sloane anrufen, am besten vor fünf Minuten. Bevor das Sondereinsatzkommando auftaucht.«

»Ich hole dir dein Handy.« Kellen ging zu ihrem Wagen und kam mit dem Handy zurück.

Während sie geistesabwesend das Handy entgegennahm, richtete sie ihren Blick auf John. »Vielen Dank, ich weiß es zu schätzen, dass Sie alles stehen und liegen gelassen haben, um hierherzueilen.« Seine Hand auf ihrer Schulter erlaubte ihr den Blick auf eine kunstvolle Tätowierung auf seinem Unterarm.

Er ließ ein Grinsen aufblitzen. »Keine Ursache. Es gibt mir ein gewisses Gefühl von Wichtigkeit, wenn ich Frauen in Not retten kann.« Er nickte Kellen zu. »Obwohl es so aussieht, als hätten Sie bereits Verstärkung gehabt.« Er ging um Kat herum und streckte die Hand aus. »Ich bin John Moreno.«

»Kellen Reynolds.«

»Sie sind der Physiotherapeut, den Sloane erwähnt hat. Stimmt es, dass Sie auf Sportverletzungen spezialisiert sind?«

Kat fand Sloanes Telefonnummer und wählte sie. Aber ihre ganze Aufmerksamkeit galt John. »Das hat Sloane Ihnen erzählt?«

Der große Mann nickte und drehte sich zu Kellen um. »Ich würde gerne mit Ihnen über Ihre Erfahrungen sprechen. Ich unterrichte Mixed Martial Arts, und ich bin auf der Suche nach einem erfahrenen Physiotherapeuten, mit dem ich zusammenarbeiten kann. Hätten Sie Interesse?«

»Großes Interesse sogar.« Kellens Grübchen blitzten auf.

»Haben Sie Zeit für ein Bier heute Abend? Ich muss zwar auf die Kinder aufpassen, aber wenn Sie vorbeikommen wollen …«

Sloanes Stimme ertönte aus dem Handy. »Kat. Alles okay? Ist John da?«

»Mir geht es gut. Ja, er ist hier. Er spricht gerade mit Kellen. Du hast ihm von Kellens Spezialgebiet erzählt?«

»Ja. Was ist passiert? Hat David dir wehgetan?«

»Nein. Er hat mir nur einen Stick gebracht. Er war ruhiger, hat sich nicht so aufgespielt wie beim letzten Mal.« Kat teilte Sloane die Schnellversion der Begegnung mit, während ihr Blick zu den beiden Männern hinüberglitt, die sich unterhielten. »Was hast du John über Kellen erzählt?«

»Dass wir ihn nach dem, was er bei dir und deinem Bein bewirkt hat, für SLAM in Erwägung ziehen sollten. Kellen hat mir erzählt, dass er sich auf Sportverletzungen spezialisiert hat. Ich habe John nur meine Meinung darüber gesagt, den Rest müssen die beiden unter sich ausmachen.«

Während sie die beiden Männer bei ihrem Gespräch betrachtete, schnürte sich ihr die Kehle zu, so viel Zärtlichkeit empfand sie für Sloane. Sie ging in ihre Wohnung und lehnte sich in ihrer kleinen Waschküche an die Wand. »Du gibst Kellen die Chance seines Lebens. Das ist sehr nett von dir.« Sie lächelte über sein Schweigen und erriet seine Gedanken. »Ich weiß, dass du es nicht für mich getan hast. Es war eine geschäftliche Entscheidung. Das ist ja gerade das Tolle daran. Kellen hat es sich durch seine Leistung verdient.« Dann stieß sie sich von der Wand ab und ging in ihre Küche. »Kel wird heute Abend beschäftigt sein, also, was kann ich für Drake tun?« Sie hatte es nicht vergessen.

»Um mir für Kellens berufliche Chance zu danken?«

Sloanes gefährlich leise Stimme ließ sie neben der Granitinsel in ihrer Küche erstarren. »Ähm, nein.« Sie versuchte, ihren Ärger herunterzuschlucken. »Ich bin, ähm … du hast mich gebeten, es zu tun, also …«

»Den Teufel habe ich getan.«

Die Härchen auf ihren Armen stellten sich auf.

»Diesen kreativen Quatsch hast du dir ganz allein ausgedacht. Ich habe dich nur ermuntert, ein wenig Zeit mit Sherry und Drake zu verbringen, falls du Lust dazu hast. Oh, und du weißt schon, wenn du etwas trinken und dich amüsieren solltest, dann schlaf dort. Das ist es, worum ich dich gebeten habe.«

Sie ließ den Kopf hängen und starrte auf den Küchenboden. Es war genauso gewesen, wie er gesagt hatte. »Entschuldige. Du hast recht. Ich habe einen dummen Gedankensprung gemacht.« Sie holte tief Atem. »Aber ich bin froh zu wissen, dass es kreativ war.«

»Sehr sogar. Und zu deiner Information, wenn ich will, dass du etwas tust, werde ich dich geradeheraus darum bitten.«

»Oder es mir befehlen.« So wie er ihr befohlen hatte, im Notfall John oder Ethan anzurufen. »Du hast John geschickt.« Um sie zu beschützen. Sie musste zugeben, dass es nicht gerade unangenehm war, umsorgt zu werden.

»Hättest du ihn angerufen, wenn ich nicht gerade mit dir telefoniert hätte?«

Kat überlegte, ob sie ihm sagen sollte, was er hören wollte, aber das war töricht. »Es ist alles so schnell gegangen, ich weiß es nicht. Es ist mir nicht einmal in den Sinn gekommen.« Sie ließ sich auf einen der Barhocker sinken.

»Ich mache mir Sorgen um dich, Kätzchen.« Seine Stimme klang angespannt. »Dein Bein und deine Panikattacken machen dich verdammt noch mal zu verletzbar.«

Ihr wurde es eng in der Brust. Er machte ihr nichts vor. Er trieb keine Spielchen mit ihr, manipulierte sie nicht. Er sagte es ihr geradeheraus. »Ich werde nicht in Watte gepackt leben, aber ich werde John oder Ethan anrufen, falls David oder irgendjemand, über dessen Absichten ich mir nicht im Klaren bin, auftauchen sollte, okay?«

»Damit kann ich leben. Außerdem habe ich jetzt Verstärkung, weil Sherry dich auf den Hintern werfen wird, wenn du es nicht tust. Und sie ist nicht so nett wie ich.«

Sie lachte schnaubend auf. »Kurz, ihr seid beide Sadisten.« Kat befingerte den Stick, den sie auf den Küchentresen gelegt hatte. »David hat abgenommen, und sein linkes Auge zuckt. Er hat Stimmungsschwankungen. Heute war er ruhig, aber vor der Konditorei letzte Woche war er wie aufgeputscht.«

»Drogen?«

Kat starrte auf den Stick. »Oder ein Zusammenbruch.« Sie drehte das kleine Plastikteil hin und her. »Wenn David Drogen genommen haben sollte, als wir zusammen waren, würde das erklären, warum er lügt, was den Raubüberfall betrifft, nämlich um sich selbst zu schützen.« Die Sache lag ihr wie ein Stein im Magen. Konnte David Drogen genommen haben, ohne dass sie es bemerkt hatte? »Angenommen, er hat Drogendealern Geld geschuldet, könnten sie sich mich vorgeknöpft haben, um ihn zum Zahlen zu zwingen.«

»Viel wichtiger ist, wie beschützen wir dich? Ich stehe kurz davor, dem Bedürfnis, dich wegzusperren, nachzugeben. Also komm auf den Punkt.«

Sie sollte verärgert sein, aber sie war es nicht. »Wie Marshall schon gesagt hat, ich bin eigentlich aus der Schusslinie. Ich glaube nicht, dass ich in der gleichen Gefahr schwebe wie zur Zeit meiner Verlobung mit David. Aber da Kel vorhat, zu John zu gehen, werde ich zu dir nach Hause fahren und die Nacht dort verbringen.«

Eine kurze Pause entstand, dann fragte er: »Aber?«

»Ich werde morgen früh zur Arbeit und anschließend in meine Wohnung gehen.« Sie holte tief Atem. »Ich werde vorsichtig sein, und ich werde deine Freunde anrufen, falls ich Hilfe brauche, aber ich tu all das, was ich sonst auch tu. Ich kann nicht wieder in Angst leben.«

»Das verstehe ich. Es gefällt mir nicht, aber ich verstehe es.«

Ein Gefühl der Wärme breitete sich in ihr aus und sorgte dafür, dass ihr die Geschichte nicht mehr wie ein Stein im Magen lag. Das war es, was Sloane so sexy machte, er verstand, dass sie stark sein wollte. »Dafür danke ich dir.«

»Lass uns davon sprechen, dass du heute Nacht in meinem Bett schlafen wirst. Wirst du nackt sein? An mich denken? Besser noch …«, seine Stimme wurde tiefer, »… wirst du dich berühren und an mich denken?« Er holte mühsam Atem. »Ich werde mir das heute Nacht in Gedanken vorstellen.«

Ihr Puls raste, und ihr wurde ganz heiß. »Ist das deine Wunschvorstellung?«

»Oh ja. Eine von vielen. Nach einer Reise nach Hause zu kommen, in mein Zimmer zu gehen und dich auf meinem Bett vorzufinden, nackt und masturbierend. Und ich würde dir dabei zusehen, wie du kommst. Würdest du das für mich tun?«

Das Blut stieg ihr zu Kopf. Dieses Szenario törnte sie an. Was sie selbst überraschte. »Ja.« Wie würde es sich anfühlen, direkt unter seinen Augen, während er zusah? Aber sie wusste es – er gab ihr immer das Gefühl, sexy und bei ihm aufgehoben zu sein.

Sie war bereit loszulassen.

Du brauchst nur zu fragen. Wenn du es zulässt, werde ich die Kontrolle übernehmen und auf dich aufpassen. Aber nur, wenn du dazu bereit bist.

Bei der Erinnerung an Sloanes Worte in der Limousine spürte sie Schmetterlinge im Bauch. Alles, was sie zu tun brauchte, war zu fragen. »Sloane?«

»Ja?«

Erregung, Nervosität und Furcht brachten sie ganz durcheinander. Einerseits wollte sie kneifen. Andererseits aber war sie es leid, mit gebremstem Schaum zu leben, immer darauf zu achten, wie sie sein sollte, statt zu sein, wie sie war. Ihr Mund war so trocken, dass sie zum Kühlschrank ging und sich ein Wasser nahm.

Das Handy summte geradezu vor Erwartung an ihrem Ohr.

»Ich will mit dir loslassen.« Nachdem sie einen Schluck von ihrem Wasser genommen hatte, stellte sie die Flasche weg. »Wirst du mir den Hintern versohlen? Ich meine, beim Sex.« Sie starrte die dunklen Adern an, die über die Granitplatte des Tresens liefen. Sie wünschte, er wäre jetzt hier und würde sie berühren, um ihr das Gefühl zu geben, dass es okay war, dies zu wollen.

Er schnappte nach Luft. »Ich habe darauf gewartet, dass du mir das sagst. Ich werde dir zeigen, wie verdammt heiß es ist, wenn du nackt bist und mir ausgeliefert. Du wirst dich in meine Hände begeben und dich unterwerfen.« Er machte ein Geräusch, das durch die Leitung geradewegs bis in ihr Herz ging. »Ich werde mich um dich kümmern. Du brauchst nur loszulassen. Vertrau mir«, sagte er sanft.

»Das tue ich.«

2

Als Sloane am Freitagabend die Tür zu seinem Haus öffnete, erkannte er sogleich die Geräusche, die von dem Fernseher in seinem Wohnzimmer kamen: Sein letzter Meisterschaftskampf.

Nachdem er seinen Koffer fallen gelassen hatte, ging er zum Kühlschrank und griff sich ein kaltes Bier. Er kippte ein Viertel der Flasche in sich hinein und betrachtete den Bildschirm.

Er sah die jüngere, rauere Version seiner selbst. Nur mit Shorts bekleidet sah er das Spiel seiner Muskeln, als der Schiedsrichter seine Hand hob. Sloane »Racheengel« Michaels hatte seinen dritten und letzten Meisterschaftskampf im Schwergewicht gewonnen.

Als die Kamera zu einer Nahaufnahme heranzoomte, loderte in Sloanes Augen das Feuer der Vergeltung.

Ein Gefühl von Nostalgie beschlich ihn. Zu einer Zeit, da er den Moment hätte auskosten und feiern sollen, hatte er nur daran gedacht, seinem ultimativen Ziel einen Schritt näher gekommen zu sein.

Der Rache.

Das Bild fror ein.

Sloane verlagerte seine Aufmerksamkeit auf Drake, der neben dem Sofa im Fernsehsessel saß. Was wurde hier für ein Spiel gespielt? Wollte Drake zeigen, dass Sloane ein Kämpfer gewesen war und kein Killer? »Fang gar nicht erst wieder damit an.«

»Manchmal geht es nicht um dich.«

Drake sah fürchterlich aus. Seine Augen waren eingefallen, und seine Schulterblätter ragten wie eine obszöne Erinnerung daran, dass der Krebs diesen Kampf gewann, hervor. Sloane ließ den Kopf kreisen und versuchte, die Anspannung im Nacken loszuwerden und den Schmerz, der ihn auffraß, wenn er daran dachte, dass er Drake verlieren würde. Er lief zum Couchtisch, ließ sich aufs Sofa fallen und stützte die Ellbogen auf die Oberschenkel. Seine Knie streiften Drakes. »Erzähl schon.«

Eine nie zuvor gesehene Verletzlichkeit lag in Drakes blauen Augen. »Ich hatte Magenprobleme.«

Sloane hatte Drake einige Male gehalten, während er sich die Seele aus dem Leib gekotzt hatte. Hatte noch öfter seinen abgemagerten Hintern unter die Dusche gehalten. Er wusste, dass es passieren würde. »Wo zur Hölle ist deine Krankenschwester?«

Ein Lächeln umspielte seine Lippen. »Deinem Mädchen und Sherry hat es nicht gefallen, wie sie ihren Job machte, sie haben sie gefeuert und die Agentur, die sie geschickt hat, gleich mit. Sie haben sich zusammen mit Kellen abgewechselt und mir geholfen.«

Sloane wäre um ein Haar sein Bier aus der Hand gefallen. »Mein Mädchen?«

Ein weicher Ausdruck vertrieb die Schatten. »Kat. Sie hat einige ihrer Muffinrezepte abgewandelt und versucht, etwas zu finden, das ich bei mir behalten kann. Ihr Freund Kellen hat Shakes gemacht und mich massiert, um meine Schmerzen zu lindern.«

Sloane öffnete den Mund und schloss ihn wieder. Oh Gott, all das war geschehen, während er weg gewesen war?

»Jetzt bist du sprachlos, was?«

Sloane versuchte, sich zu sammeln. »Warum haben sie die Krankenschwester gefeuert?«

Drake schaute zur Seite. »Nach dem Abendessen am Mittwoch ist mir schlecht geworden, und ich habe es nicht bis zum Badezimmer geschafft. Die Krankenschwester sagte, es sei nicht ihr Job, mich sauberzumachen. Ich dachte ja, Sherry sei die mit dem Temperament. Zum Teufel auch, Sloane, Kat kann ziemlich fuchsig werden, wenn sie wütend ist.«

Seine Gedanken überschlugen sich. Die Tatsache, dass es Drake schlechter ging, zerriss ihm das Herz, und es machte ihn maßlos wütend, dass die Krankenschwester ihn so behandelt hatte. Hinzu kam der Frust darüber, dass er eigentlich vorgehabt hatte, sich mit Kat zu vergnügen, anstatt sich um Drake kümmern zu müssen. Sherry hatte ihm erzählt, dass sie und Kat prima miteinander auskamen, und sie glaubte, dass sie Freundinnen werden könnten.

Aber trotzdem war es schlimm. Sloane hätte hier sein sollen. Ethan war stark genug, um Drake hochzuheben, und der Junge würde den Mann abduschen, ohne mit der Wimper zu zucken. Aber es hätte Sloane sein sollen. Er legte Drake eine Hand auf sein knochiges Bein und sagte: »Ich muss fürs Erste nicht mehr verreisen. Ich werde hierbleiben.« Ganz gleich wie schrecklich es war, zusehen zu müssen, wie der Mann, der wie ein Vater für ihn war, langsam dahinsiechte.

Drake schaltete den Fernseher aus und richtete den Blick auf Sloane. »Wie war es in Brasilien? Du hast mit Marcus trainiert?«

Sloane trank sein Bier aus. »Ja.« Marcus war einer der besten Jiu-Jitsu-Kämpfer der Welt.

»Deinen Rear Naked Choke?«

Sloane war so gut – er konnte einen Löwen mit diesem Würgegriff töten. Er wusste es, seine Trainer wussten es, aber die Öffentlichkeit hatte keine Ahnung. Sloane hatte mit Bedacht das Image aufgebaut, dass er eher für die Kameras trainierte als dafür, im Käfig zu siegen. Die leere Bierflasche zwischen die Schenkel geklemmt sagte er: »Ich habe einen der Sparringspartner ein wenig zu fest in die Mangel genommen.«

»Ist er aus den Latschen gekippt?«

»So schnell, dass er nicht einmal mehr klopfen konnte.« Sloane bezahlte einen Batzen Geld, um mit einem Partner zu trainieren, der erfahren genug war, um zu erkennen, wann er in Gefahr war. »Er war darauf trainiert. Er hätte klopfen sollen.« Die Erinnerung an den Gegner, der in seinem Griff erschlaffte, machte ihm noch immer zu schaffen. Das war einer der Gründe, warum er darauf sensibilisiert war, auf das leiseste Klopfen zu reagieren – bei einem Würgegriff zählten Sekunden.

Als ihm bewusst wurde, dass er zu Boden gestarrt hatte, schaute er auf und begegnete Drakes wissendem Blick. Sloane konnte in seinen Augen lesen wie in einem Buch. »Es ist nicht das Gleiche.« Wenn er seinen Sparringspartner getötet hätte, wäre das ein Unfall gewesen, der Sloane am Boden zerstört hätte.

Drake zog die Brauen hoch. »Was dann?«

Er stellte die Bierflasche beiseite und zwang sich, sich zu beruhigen. »Lee Foster verdient es zu sterben.«

»Das tut er. Was er Sara angetan hat … ich hätte ihn selbst töten sollen. Aber ich hab’s nicht getan.« Drake lehnte den Kopf an das Polster und schloss die Augen. »Ich habe versucht, an jenem Tag das Richtige zu tun. Es war schlimm genug, dass Sara getötet worden war. Ich wollte nicht, dass auch dein Leben zerstört wurde.«

»Du wolltest Foster töten?« In all diesen Jahren hatte Drake das niemals gesagt.

Drake öffnete die Augen, das alte Feuer brannte in den Tiefen seines stahlharten Blicks. »Auf der Stelle. Aber ich war diesen Weg schon einmal gegangen, mein Sohn, und es ist ein höllischer Weg. Stattdessen habe ich versucht, dir einen anderen Weg zu weisen.« Seine Finger krampften sich um die Fernbedienung. »Aber wenn ich dich nicht von deinem Plan hätte abbringen können, dann hätte ich Foster getötet, bevor du es tun konntest.«

Sloane fühlte sich wie vor den Kopf gestoßen. Er sprang auf die Füße und starrte auf den Mann hinab, versuchte die Worte zu verdauen. »Das meinst du nicht ernst.«

»Todernst.«

Nein, das war Wahnsinn. »Sara war meine Schwester. Ich war nicht da, als ich hätte da sein sollen, ich bin ihr das schuldig.« Er hatte ihren Leichnam gehalten und geschworen, dass er sie rächen würde. Er konnte dieses Versprechen ihr gegenüber nicht brechen. Wenn er es tat, dann wäre er genauso wie seine Mutter. Schlimmer als seine Mutter.

Drake nickte langsam. »Ich weiß, dass du das glaubst.«

Sloane schaute durch die bodentiefen Fenster hinaus in die dunkle, kahle Nacht. Wenn er seine eigene Seele sehen könnte, würde sie so aussehen – dunkel und leer.

Genug davon. »Ich gehe duschen, dann werde ich dir etwas zu essen besorgen.« Er ging auf die Treppe zu.

»Willst du wissen, warum ich mir deinen Kampf angesehen habe, als du hereingekommen bist?«

Er hielt inne. »Warum?«

»Du bist wie ein Sohn für mich. Ich hatte fest vor zu verhindern, dass du Foster tötest. Ich wollte immer in diesen Käfig steigen und es für dich tun. Immer. Aber jetzt weiß ich nicht einmal, ob ich noch atmen werde, wenn du dich Foster stellst und deine Entscheidung triffst.«

Die nackte Wahrheit schnürte Sloane die Luft ab. Der gewaltige und siegreiche Kämpfer von einst verlor die größte Schlacht seines Lebens. Der Mann verdiente es nicht, eine bösartige Krankheit zu erleiden, die ihm alles nahm, was er hatte, seine Träume, seine Hoffnung, seine Würde, einfach alles, sogar seinen Atem. Drake hatte einen Fehler gemacht, ja, aber er hatte seither Jahrzehnte damit verbracht, sich um Jugendliche zu kümmern, um die sich sonst niemand scherte. Tiefe Trauer und hilfloser Zorn machten sich in Sloane breit.

»Ich habe mir deine alten Kämpfe angeschaut und mir den Mann angesehen, der mir wie ein Sohn ans Herz gewachsen ist, den Mann, den ich enttäuschen werde, wenn er mich am dringendsten braucht.«

Er wusste nicht, was er sagen sollte. Nichts. Es tat einfach nur verdammt weh. Er hatte nie gewusst, dass Drake so empfand.

Ein Sohn.

Er?

Drake griff nach der Fernbedienung und schaltete den Fernseher ein. Das Grölen der Menge drang aus den Lautsprechern, als Sloane zum dreifachen Champion erklärt wurde.

Warum also fühlte Sloane sich so gar nicht wie ein Champion?

Nach seiner Dusche kam Sloane barfuß durchs Wohnzimmer und hörte, wie die Vordertür geöffnet wurde. Er wandte sich nach links und blieb stehen. »Kat.«

Sie trat ein, beladen mit zwei Einkaufstüten, und erstarrte. »Sloane, oh. Tut mir leid.« Eine leichte Röte zeigte sich auf der zarten Haut über ihren Wangenknochen. »Ich dachte, du würdest erst am späten Abend nach Hause kommen.«

Er nahm ihr die Tüten ab. »Was ist da drin?« Er schaute in eine der Tüten und sah zwei Grillhähnchen, Feinkostbehälter und eine Flasche Ginger Ale. »Das hast alles du besorgt?«

»Ich wollte mal probieren, ob Drake ein wenig Reis mit etwas Hühnerfleisch bei sich behalten kann.« Vor lauter Anspannung waren ihren Lippen fast weiß.

»Was ist los? Tut dein Bein weh?«

»Nicht mehr als sonst. Ich habe nur … Gott, ich komme einfach in dein Haus geschneit. Ich dachte wirklich, du würdest erst gegen Mitternacht zurückkommen, und ich wollte nicht, dass Drake aufsteht, falls er es sich gerade bequem gemacht hat. Sherry hat mit Diegos Hilfe einige neue Krankenschwestern angeheuert, die aber erst morgen anfangen werden. Da dachte ich mir einfach, dass ich so lange bei Drake bleibe, bis Ethan dich abgeholt hat. Aber nun bist du ja hier, dann kann ich ja gehen. Ähm, wie war deine Reise?«

Während sie all das vor sich hinbrabbelte, konnte er den Blick nicht von ihr losreißen. Ihr Haar fiel ihr über die Schultern, die zarten, violetten Strähnen hoben sich von dem Braun ihrer Haare ab, und ihr Gesicht strahlte etwas Frisches aus. Sie roch nach Seife und ganz einfach nach Kat. Seine kleine Bäckerin hatte ihren eigenen unverwechselbaren Duft. Zum Teufel, allein der Klang ihrer Stimme linderte seinen Schmerz. Sloane stellte die Tüten auf ein Tischchen im Flur und zog dann Kat in seine Arme.

Sie war wie für seine Umarmung gemacht. Er nahm ihre Sanftheit in sich auf. Oh Gott, er hatte sie vermisst. Er drückte ihren Kopf ein wenig nach hinten und verlor sich in ihren Augen. »Dass du in mein Haus geschneit bist, ist das Beste, was mir in der ganzen Woche passiert ist. Bitte geh nicht.« Er brauchte sie. Brauchte das hier.

»Dann bleibe ich.« Ihre Stimme wurde weich und ließ sie zu dem süßen und sexy Kätzchen werden, das ihm allmählich immer vertrauter wurde.

Er konnte einfach nicht widerstehen. Er hob sie zu seinem Mund hoch, erpicht darauf, sie zu schmecken, die bittere Verzweiflung mit ihrer Hilfe zu vertreiben.

Sie schlang die Arme um ihn, schob die Finger in sein feuchtes Haar und drückte seinen Mund fester auf ihren. Binnen Sekunden wurde der Kuss stürmisch und entflammte ihr Begehren. Sloane wollte nichts mehr, als sie in sein Zimmer hinaufzutragen und die Welt außen vor zu lassen.

Aber er konnte nicht. Noch nicht. Er löste sich aus ihrem Kuss und lächelte sie an. »Lass uns das Abendessen herrichten.« Er schnappte sich die Tüten und folgte Kat in seine Küche. Und genoss den Blick auf ihren Hintern in den engen Jeans.

Was ihn an ihr Gespräch vor einigen Tagen erinnerte. Nur mit Mühe unterdrückte er ein Stöhnen. Sie hatte ihn gebeten, ihr den Hintern zu versohlen.

Oh Gott, denk gar nicht erst daran. Sonst würde er eine Erektion bekommen. Aber wie zum Teufel sollte er nicht daran denken? Kat vertraute ihm, und ihr Vertrauen war nicht leicht zu gewinnen.

Er stellte die Tüten auf den Küchentresen und schaute hinüber ins Wohnzimmer. Er sah, dass Kat auf der Armlehne von Drakes Sessel hockte und dem älteren Mann eine Hand auf den Arm gelegt hatte. »Was halten Sie von Kirscheis am Stiel?«

Seine Augen leuchteten auf. »Sie haben welches gekauft?«

»Jep. Wenn Sie einige Bissen von dem Reis mit Hühnchen probieren, gehört es Ihnen.«

Drake beugte sich ein wenig vor, um Sloane mit einer Grimasse anzusehen. »Hast du gehört? Das Eis am Stiel ist meins.«

»Wie alt bist du, fünf?« Sloane verfrachtete die versprochenen Leckerbissen in die Tiefkühltruhe.

»Ich bin der Mann, der dir in den Hintern tritt, wenn du mein Eis am Stiel anfasst.«

»Nur zu, Vaughn.« Zum Teufel, was hatte Kat alles gekauft? Cracker, Bananen, verschiedene Nudelgerichte, die nur heißes Wasser brauchten, und alle möglichen anderen Sachen.

»Das würde ich ja, aber ich will dich nicht in Verlegenheit bringen, indem du vor deinem Mädchen losheulst.«

Kat schüttelte den Kopf. »Er wird in Tränen ausbrechen, wenn Sie mich weiter sein Mädchen nennen.« Sie kam in die Küche und förderte einen weiteren Gegenstand aus der Einkaufstüte zutage. »Seid ihr einverstanden mit Papptellern?«

Er betrachtete stirnrunzelnd das Päckchen Teller in ihrer Hand. »Du hast den ganzen verdammten Laden leer gekauft.«

Kat sah ihn scharf an. »Warum bist du plötzlich so gereizt? Diese Dein-Mädchen-Bemerkung war ein Scherz.«

Genau das ist es. Sie tut etwas Nettes, etwas so verdammt Kat-mäßiges, und du keifst sie an. Er ging auf sie zu und umfasste ihr Gesicht mit beiden Händen. »Tut mir leid, eigentlich wollte ich mich bei dir bedanken, Kätzchen.« Er küsste sie. »Geh und setz dich. Ich werde die Lebensmittel auf den Beistelltisch stellen. Willst du Wein? Limo? Ein Bier?«

»Wasser. Ich werde es …«

»Setz dich hin und ruh dein Bein aus. Ich mache das.« Sie hatte den ganzen Tag gearbeitet, also musste ihr das Bein wehtun.

»Kommen Sie schon, Kat«, rief Drake. »Erzählen Sie mir, wie Ihre Aufnahmen heute gelaufen sind.«

Kat ließ sich auf das Sofa sinken und drehte sich zu dem älteren Mann um. »Wir sind fertig mit dem Filmen. Jetzt muss ich noch einige Kommentare einsprechen und die Bildauswahl treffen.«

Sloane stellte Huhn, Reis, Kartoffelpüree, Krautsalat, Obst und Brötchen hin. »Meinst du die Bilder auf dem Stick, den Dr. Arschloch dir gebracht hat?« Er reichte ihr eine Flasche Wasser.

Ihre Lippen wurden schmal. »Ja.«

Sloane ließ sich mit seinem Teller neben sie auf das Sofa sinken. »Hast du sie dir angesehen?«

Sie stocherte mit ihrer Gabel auf einem Stück Melone herum und schüttelte den Kopf.

Sloane legte seine Hand auf ihre. »Vergiss die Bilder. Weißt du schon, dass John Kellen den Job angeboten hat?«

Sie hob den Kopf, und ihre Augen glänzten. »Er ist ganz aufgeregt. Und Diego strahlt übers ganze Gesicht. Und seine Leute erst! Sie haben ihn und Diego heute Abend zum Essen ausgeführt, um zu feiern.«

Hatten sie Kat auch eingeladen, und hatte sie das Gefühl gehabt, sie müsse bei Drake bleiben? Oder hatten sie sie ausgeschlossen, obwohl sie und Kellen sich so nahestanden? Er war versucht, sie zu fragen, aber er ließ es auf sich beruhen. Sie freute sich für Kellen. Sloanes Brust füllte sich mit Stolz, dass er einen kleinen Anteil daran hatte. Zwar hatte er es nicht aus diesem Grund getan, aber es war eine gute Dreingabe, sie glücklich gemacht zu haben.

Kat schleuderte ihre Schuhe von den Füßen und machte sich über ihre Speisen her. Zwischen zwei Bissen fragte sie ihn: »Wie war deine Reise? Du hast nie wirklich darüber gesprochen, wenn wir telefoniert haben.«

»Gut. Ich habe die notwendigen Formalitäten erledigt, um einen brasilianischen Kämpfer in die USA zu bringen. Wir ziehen in Erwägung, SLAM-Fitnessstudios in Südamerika zu eröffnen.« Er war hungriger, als er gedacht hatte, und nahm sich noch mehr von dem Huhn.

»Ein Geschäft in einem anderen Land zu eröffnen ist ein kompliziertes Unterfangen.«

»Das erzählen mir die Anwälte und Steuerberater auch. Der ganze bürokratische Aufwand hält sie bis in die Nacht hinein wach.«

Eine Stunde später war Sloane überrascht zu sehen, dass es schon nach neun war. Er hatte Kats Beine auf dem Schoß liegen und massierte sie beide, konzentrierte sich aber auf das rechte. Sie stöhnte tatsächlich, als er die angespannten Muskeln bearbeitete. Sein Schwanz zuckte bei dem Geräusch. Es war so nahe den Lauten, die sie im Bett von sich gab, unmittelbar bevor sie extra für ihn kam. Er zwang sich, den Blick auf die blöde Tanzshow im Fernsehen zu richten, und sagte: »Das einzig Gute an dieser Show sind die Kostüme der Frauen.«

Kat ließ ein Grinsen aufblitzen. »Armer Kerl. Du bist überstimmt, akzeptier es.«

»Du hast Drake mit Eis am Stiel bestochen, um seine Stimme zu bekommen. Das ist geschummelt.« Sloane schaute zum Fernsehsessel hinüber. »Er schläft.«

»Das ist gut.« Kat legte die Hand über seine, die auf ihrem Bein lag. »Er hat etwas Reis und Hühnchen gegessen. Und ein halbes Eis am Stiel. Er scheint es bei sich zu behalten.«

Sie hatte Drake vor einer Stunde umschmeichelt, ihn geneckt und ihn erpresst, damit er kleine Bissen zu sich nahm. Dieser Anblick hatte Sloanes Brust mit einer bittersüßen Wärme erfüllt. Sein Mädchen, wie Drake sie genannt hatte, war von einer Güte, die mit eiserner Entschlossenheit gepaart war und ihm schlichtweg den Atem raubte. »Du hast so viel für ihn getan. Ich hätte das nie von dir verlangt.«

»Ich mag ihn. Was nicht schwer ist, er ist ein interessanter Mann.« Zornesröte stieg ihr ins Gesicht. »Außerdem war die Krankenschwester, die du eingestellt hattest, ein Miststück. Sie hat von ihm verlangt, sich selbst sauber zu machen, nachdem er sich übergeben hatte. Hat ihn bezichtigt, in Anwesenheit zweier hübscher Mädchen viel zu abgelenkt gewesen zu sein, um ihr zuzuhören. Sie ließ ihn wie einen geilen alten Bock dastehen.« Kat sprach in einem ruhigen Flüsterton, aber ihre Beine verkrampften sich vor offenkundiger Wut.

»Ich habe sie nicht engagiert – die Agentur, die Sherry engagiert hat, hat sie geschickt. Ich werde jedoch dafür sorgen, dass sie nie wieder als private Krankenschwester arbeitet.« Gleich als Erstes morgen früh.

»Gut.«

Überrascht lehnte er sich ein wenig zurück und musterte ihr Gesicht. »Hm. Ich dachte, du würdest etwas dagegen haben, dass ich ihre Karriere vernichte.«

»Sie hat es nicht anders verdient. Drake hatte ein klein wenig Spaß. Er hat es genossen. Für einen kurzen Moment war es ihm vergönnt, seine Krankheit zu vergessen, und den Schmerz zu ignorieren, der sein ständiger Begleiter ist. Und sie hat nichts Besseres zu tun, als ihn unflätig zu beschimpfen? Sie braucht eindeutig ein neues Betätigungsfeld, vorzugsweise in einem Kabuff, in dem sie den ganzen Tag Papier hin und her schiebt.«

Ihr Mitgefühl war gar nicht so überraschend, wenn man bedachte, was sie selbst erlitten hatte. »War es so für dich, als du verletzt warst?«

Sie schüttelte den Kopf. »Nein. Ich wusste, dass ich mich erholen würde, das war also etwas ganz anderes. Und niemand war gemein zu mir. Jedenfalls nicht so.«