POLYGLOTT Reisebuch: Hiergeblieben! -  - E-Book

POLYGLOTT Reisebuch: Hiergeblieben! E-Book

0,0
26,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

In weiter Ferne so nah: Die Altschlossfelsen im Pfälzerwald erinnern an den Antelope Canyon in Arizona, der kristallblaue Eibsee in Bayern an Kanadas Wildnis, die gläserne Pyramide in Ulm könnte man glatt mit dem Louvre in Paris verwechseln und die Burg Hohenzollern weckt Assoziationen zum Mont Saint-Michel. Mal ist die Ähnlichkeit überraschend offensichtlich, mal erst auf den zweiten Blick – Deutschlands Sehenswürdigkeiten bergen faszinierende Parallelen. »Hiergeblieben: Über 60 unvergessliche Reiseziele in Deutschland« liefert mehr als 60 Gründe für das Reisen vor der Haustür und nimmt den Leser mit auf eine Reise zu den unvergesslichsten Orten Deutschlands – kompakt, inspirierend und voller Überraschungen. - Nachfolgeband der beiden gleichnamigen Bestseller »Hiergeblieben!« - Über 60 grandiose Landschaften, Sehenswürdigkeiten, Orte und Geschichten, die jedes Fernweh heilen - Wenn man schon einmal da ist: Die spannendsten POIs in der Umgebung und Tipps für eine unvergessliche Zeit

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 260

Veröffentlichungsjahr: 2025

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Unsere eBooks werden auf kindle paperwhite, iBooks (iPad) und tolino vision 3 HD optimiert. Auf anderen Lesegeräten bzw. in anderen Lese-Softwares und -Apps kann es zu Verschiebungen in der Darstellung von Textelementen und Tabellen kommen, die leider nicht zu vermeiden sind. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Impressum

Alle Angaben in diesem Reisebuch sind gewissenhaft geprüft. Für ihre Vollständigkeit und Richtigkeit kann der Verlag jedoch keine Haftung übernehmen. Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird in diesem Buch bei Personenbezeichnungen das generische Maskulinum verwendet. Es gilt gleichermaßen für alle Geschlechter.

© eBook: 2024 GRÄFE UND UNZER VERLAG GmbH, Postfach 860366, 81630 München

© Printausgabe: 2024 GRÄFE UND UNZER VERLAG GmbH, Postfach 860366, 81630 München

POLYGLOTT ist eine eingetragene Marke der GRÄFE UND UNZER VERLAG GmbH, www.gu.de

1. Auflage 2024

ISBN 978-3-8464-1044-8

GuU 8-1044 10_2025_02

Alle Rechte vorbehalten. Weiterverbreitung und öffentliche Zugänglichmachung, auch auszugsweise, sowie die Verbreitung durch Film und Funk, Fernsehen und Internet, durch fotomechanische Wiedergabe, Tonträger und Datenverarbeitungssysteme jeder Art nur mit schriftlicher Zustimmung des Verlags.

Konzept: Jens van Rooij

Autoren: Jens van Rooij, Andrea Lammert, Renate Nöldeke, Ralf Johnen, Moritz Schumm, Larissa Köpp, Gerhard von Kapff, Wilhelm Klemm

Redaktion und Projektmanagement: Belinda Potucek, Benjamin Happel

Lektorat: Susanne Maute, mcp concept GmbH, Kolbermoor

Bildredaktion: Fabian Riedel, Katja Klinger

Umschlaggestaltung und Layout: Independent Medien Design, München, Horst Moser (Artdirection)

Illustration/Kartografie: mcp concept GmbH, Kolbermoor

eBook-Herstellung: Teresa Klocker

Bildnachweis

Coverabbildung: Alamy Stock Photo

Fotos: Alamy Stock Photo, Andreas Vogel; AWL Images: ClickAlps, John Coletti, Gavin Hellier, Sabine Lubernow, Maurizio Rellini; Stiftung Bauhaus Dessau/Foto: Meyer, Thomas, 2019/Ostkreuz; Tina Merkau/Biosphäre; Deutsches Salzmuseum; Getty Images; Dr. Andreas Hänel; Huber Images: Christian Bäck, Jürgen Buse, Francesco Carovillano, Franco Cogoli, Cornelia Dörr, Hans-Georg Eiben, Olimpio Fantuz, Günter Gräfenhain, Hallberg, Marc Hohenleitner, Peter Huber, Sabine Lubenow, Frank Lukasseck, Hans-Peter Merten, Micklitza, Rainer Mirau, Maurizio Rellini, Reinhard Schmid, Hans-Peter Szyszka, Luigi Vaccarella, Sebastian Wasek; imageBROKER: Michael Nitzschke, Karl F. Schöfmann; Imago Images, Chromorange, Schšning, Rainer Weisflog; Interfoto: Hanna Wagner, Jürgen Weginger; iStock; Jalag: Klaus Bossemeyer, Gerald Hänel, Arthur F. Selbach; Karl-May-Spiele Bad Segeberg; Dominik Ketz; Laif: Amin Akhtar, Francis Cormon, Jean-Pierre De Mann, Tobias Gerber, Peter Hirth, Christian Kerber, Bibikow Walter; Lookphotos: Brown Cannon, Thomas Grundner, Robert Harding, S. Lubenow, Jürgen Richter, Jörn Sackermann; Mauritius Images, Werner Dieterich, GrafPhotography, Falk Herrmann, John Kellermann, Pitopia, Joern Sackermann, Alexander Schnurer, Dave Stevenson, Erwin Streit, Steve Taylor, Val Thoermer, Ingo Wandmacher, Janita Webeler, Ernst Wrba; Picture-Alliance: Oliver Dietze, Klaus-Dietmar Gabbert, Uta Poss, Armin Weigel; Prisma: Peter Widmann; Jan Rathke/Klimahaus; Walter Schmitz; Seasons Agency: Klaus Bossemeyer, Peter Hirth, Philip Koschel, H.&D. Zielske; shutterstock; Sole-Therme Bad Harzburg; stock.adobe.com; Unsplash: Hansjörg Keller; Götz Wrage

Unser E-Book enthält Links zu externen Webseiten Dritter, auf deren Inhalte wir keinen Einfluss haben. Deshalb können wir für diese fremden Inhalte auch keine Gewähr übernehmen. Für die Inhalte der verlinkten Seiten ist stets der jeweilige Anbieter oder Betreiber der Seiten verantwortlich. Im Laufe der Zeit können die Adressen vereinzelt ungültig werden und/oder deren Inhalte sich ändern.

Bei Interesse an maßgeschneiderten B2B-Produkten: [email protected]

Bei Interesse an Anzeigenschaltung: KV Kommunalverlag GmbH & Co. KG Tel. 089/928 09 60 oder [email protected]

GRÄFE UND UNZER Verlag

Grillparzerstraße 12

81675 München

www.graefe-und-unzer.de

VORWORT

KITZELT SIE DIE REISELUST? Sehnen Sie sich nach skandinavischweiten Fjordlandschaften, temperamentvollen Samba-Klängen oder einer romantischen Gondelfahrt? Dann bleiben Sie einfach hier: Zwischen Alpen und Ostsee finden sich viele exotische oder zumindest überraschend ungewöhnliche Orte und Landschaften. Manche kennt man, einige sind weltberühmt, andere wiederum glänzen bescheiden im Verborgenen und warten darauf, entdeckt zu werden: Denn bei jeder dieser Attraktionen fühlt man sich wie in einem fernen Land, mitunter sogar wie am anderen Ende der Welt! Und alle haben sie spannende oder kuriose Geschichten zu erzählen.

Im westfälischen Hamm, am Rande des Ruhrgebiets, ragt einer der größten hinduistischen Tempel Europas in den Himmel. Im thüringischen Erfurt erinnern die bunten Fachwerkhäuser auf der Krämerbrücke an die berühmte Ponte Vecchio in Florenz stehen. Wenn im Frühjahr in der südlichen Pfalz die Mandelbäume in ihrem rosaroten Blütenkleid erstrahlen, scheint plötzlich vergessen, dass es mit dem ersehnten Mallorca-Urlaub in diesem Jahr mal wieder nicht geklappt hat, und was verbindet eigentlich das prächtige Sankt Petersburg mit der Kleinstadt Schleswig? Manchmal ist es verblüffend, wie sehr berühmte Landschaften oder Bauwerke rund um den Globus ihren deutschen Pendants oder Doppelgängern ähneln. Und manchmal braucht man eben ein wenig Fantasie. Zwar ist die »Golden Gate Bridge vom Rhein« nicht ganz so lang wie ihre große Schwester, aber ein eindrucksvoller Hingucker. Auch nach der Mona Lisa sucht man in der Glaspyramide von Ulm vergeblich. Und der Mississippi-Dampfer in Hamburg? Schippert immerhin an der Elbphilharmonie vorbei. Wenn das kein Pluspunkt ist!

Übrigens haben wir in diesem Buch zu allen Orten eine Auswahl der schönsten Ausflugsziele in der Umgebung zusammengestellt. Also hiergeblieben – und viel Vergnügen auf Ihren Weltreisen durch die Heimat!

Jens van Rooij, Autor und Buchidee

DER NORDEN

Wussten Sie, dass an der Lübecker Bucht Keramik nach uralter japanischer Handwerkstradition hergestellt wird? Und im Westmünsterland Flamingos brüten? Nach Holland ist es von hier nicht weit, doch wer Amsterdam im Kleinformat erleben möchte, wird auch in Potsdam fündig – und staunen, wie gut hier »Poffertjes« und »Pannenkoeken« schmecken. Wer sich nach der Wildnis der Everglades sehnt, der wird im von Wasserläufen durchzogenen Spreewald fündig. Und exzellente Weine kommen nicht nur aus den südafrikanischen Winelands, das Gebiet Saale-Unstrut muss sich hier nicht verstecken.

Das Innere des Globus bietet Platz für bis zu zwölf Personen. Man kann um den runden Tisch in der Mitte Platz nehmen, durch den die Erdachse führt, und den mit figürlichen Darstellungen ausgeschmückten Sternenhimmel bewundern, der nach dem barocken Original detailgetreu rekonstruiert wurde.

GOTTORFER GLOBUS IN SCHLESWIG

54° 30‘ 42“ NORD / 9° 32‘ 27“ OST

Übersichtskarte

DIE GANZE WELT DREHT SICH UM – Schleswig, die Kleinstadt an der Schlei, dem tief ins Land greifenden Ostseearm. Wer daran irgendwelche Zweifel hegt, kennt den Gottorfer Globus nicht – das weltweit erste Planetarium!

Das Wunderwerk der Barockzeit fasziniert damals wie heute: Die begehbare Kugel mit einem Durchmesser von 3,10 m zeigt auf der Außenseite die im 17. Jh. bekannte Welt, auf der Innenseite den Sternenhimmel und dreht sich um eine Achse, deren Neigung der Lage Schleswigs auf 54° 30‘ nördlicher Breite entspricht.

Die Herzöge, die im Schloss Gottorf residierten, herrschten über Holstein und Schleswig, trugen die dänische Krone, stellten schwedische Könige sowie russische Zaren. Unter Friedrich III. entwickelte sich das Herzogtum Schleswig-Holstein-Gottorf zu einem der bedeutendsten Fürstenhöfe und kulturellen Zentrum in Nordeuropa. Dem wissenschaftlichen Interesse des Herzogs ist der Globus zu verdanken, dessen Ausführung der Hofmathematiker Adam Olearius verantwortete. 1654 bezog der fertige Riesenglobus das eigens dafür inmitten von Gartenterrassen erbaute Haus.

Der Gottorfer Globus in der Kunstkammer

Sankt Petersburg, Russland

59° 56‘ 30‘‘ Nord / 30° 18‘ 16‘‘ Ost

Die Blüte Schleswigs fiel in die Zeit der Gründung von Sankt Petersburg durch den russischen Zaren, endete jedoch mit dem Nordischen Krieg. Nach der Niederlage der Gottorfer aufseiten der Schweden gegen die verbündeten Dänen und Russen, forderte Peter der Große 1713 den Gottorfer Globus als Geschenk. Er sollte die Sensation der neuen Kunstkammer in Sankt Petersburg werden, dem aus seiner Sammlung hervorgegangenen ersten Museum Russlands. Zweimal musste der Globus wiederhergestellt werden: Nach einem Brand Mitte des 18. Jh. wurde die Weltkarte aktualisiert, nach dem Zweiten Weltkrieg die Erdachse neu justiert, um ihn als russisches Werk erscheinen zu lassen. Original erhalten geblieben ist nur die Eingangstür mit dem Wappen der Gottorfer Herzöge.

Sankt Petersburg 60°, Schleswig 54° 30‘ – heute stimmen Breitenangabe und Achsneigung wieder mit dem Ursprungsort überein. Doch statt an die Newa zu reisen, können Besucher den Riesenglobus in Schleswig bewundern. Der originalgetreue Nachbau von 2005 steht im eigens errichteten Globushaus im Barockgarten nördlich der Schlossinsel.

www.gottorfer-globus.de

Das Herzogtum Schleswig-Holstein Gottorf war vom 16. bis ins 18. Jh. ein nordeuropäisches Machtzentrum. Die barocke Prachtresidenz entstand zwischen 1697 und 1703 an der Stelle einer alten Renaissancefestung.

MUSEUMSINSEL SCHLOSS GOTTORF

Online-Karte

Das Schloss beherbergt zwei schleswig-holsteinische Landesmuseen: das Museum für Archäologie mit Funden von der Stein- bis zur Eisenzeit (darunter zahlreiche Moorleichen) sowie das Museum für Kunst und Kulturgeschichte mit Werken vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Sehr sehenswert ist auch der Barockgarten mit dem Globushaus darin als besonderes Highlight.

www.schloss-gottorf.de

WIKINGERMUSEUM HAITHABU

Online-Karte

Haithabu war vom 9. bis zum 11. Jh. eines der wichtigsten Handelszentren Nordeuropas. Neben dem Museum rekonstruierte man im Freigelände sieben Wikingerhäuser, Wallanlagen und eine Landebrücke des Hafens. Bei Vorführungen, die die damalige Lebensweise anschaulich machen, lassen sich Bootsbauer, Bäcker, Bogenmacher oder Schmiede bei der Arbeit zusehen.

www.haithabu.de

DANEWERKMUSEUM

Online-Karte

Der Danewerk ist eine mittelalterliche dänische Grenzbefestigung zwischen der Schlei und dem ca. 15 km entfernten Fluss Treene, mit dem dänische Wikingerreiche jahrhundertelang ihr Territorium nach Süden sicherten. Reste des Hauptwalls gibt es auch am Museum zu sehen, das die Geschichte dieses UNESCO-Weltkulturerbes vom 7. bis 11. Jh. dokumentiert.

www.danevirkemuseum.de

EISENKUNSTGUSS MUSEUM BÜDELSDORF

Online-Karte

Erstaunlich, welch spannende Geschichten altes Eisen erzählen kann. Ob Personendenkmal, Kohlenkasten, Ofenplatte oder Kaffeemühle – das Museum bei Rendsburg, gut 30 km südlich von Schleswig, zeigt rund 180 Exponate aus der Kunstgeschichte und dem täglichen Leben. Viele stammen aus der Carlshütte, dem 1827 gegründeten (und 1997 stillgelegten) ersten Industrieunternehmen der Herzogtümer Schleswig und Holstein, auf dessen Gelände sich das Museum befindet. Darüber hinaus werden gusseiserne Produkte anderer wichtiger Industriestätten präsentiert, die aus den Königlich Preußischen Eisengießereien oder auch aus russischen Hütten wie Kasli stammen.

www.das-eisen.de

Im Nord-Ostsee-Kanal fahren die Schiffe rund um die Uhr durch die Schleuse Kiel-Holtenau.

NOK – SCHLEUSE KIEL-HOLTENAU

Online-Karte

Der Nord-Ostsee-Kanal erspart Schiffen den nicht unerheblichen Umweg von 250 Seemeilen. Jährlich passieren ihn etwa 30.000 Schiffe und 12.000 Sportboote aus aller Welt, die auch durch die Schleusen zur Nordsee in Brunsbüttel und zur Ostsee in Kiel müssen. Von der Aussichtsplattform Wik blickt man auf eine der größten Schleusenanlagen der Welt. Zusätzlich erklären Infotafeln und Modelle die Funktion der Schleusen und die Geschichte der Wasserstraße.

www.wsa-kiel.wsv.de

Lust auf ein Fischbrötchen? Der Husumer Binnenhafen ist touristischer Hotspot des Städtchens. Für die maritime Wirtschaft spielt er keine Rolle mehr – Frachter und Krabbenkutter legen am industriellen Außenhafen an.

HUSUMER BINNENHAFEN

54° 29‘ 02“ NORD / 09° 03‘ 36“ OST

Übersichtskarte

NOT UND FRUST machen erfinderisch. Und die dänischen Bauern im Husumer Umland hatten die Faxen einfach dicke. So erzählt es zumindest der Volksmund. Schlimm genug, dass ihr Königreich 1864 den Deutsch-Dänischen Krieg und mit ihm Nordfriesland an Preußen verloren hatte. Jetzt wollte man ihnen auch noch ihre Heimatliebe nehmen! Seit der Besetzung waren dänische Flaggen in der Öffentlichkeit jedenfalls tabu. Widerstand zwecklos? Nicht ganz. Denn den Landwirten gelang tatsächlich eine kleine Revolte: Sie züchteten einfach eine neue Schweinerasse – mit krausem, rot-weißem Fell. Es dauerte bis zur Jahrhundertwende, dann tummelten und suhlten sich die zum Leben erweckten dänischen Nationalfarben für jedermann sichtbar in den Bauerngärten. Leider ist das »Rotbunte Husumer Schwein« mittlerweile ausgestorben. Dass es existierte, ist jedoch historisch belegt. Und noch heute steckt in Nordfriesland jede Menge Dänemark. Im hübschen Husum spürt man das besonders deutlich. Der malerische Binnenhafen des Städtchens mit seinen bunten Giebelhäusern, den vielen Cafés und Kneipen wirkt wie eine Miniaturausgabe des berühmten Nyhavn in Kopenhagen. Den schönsten Blick auf die Boote und Silhouette an der Hafenstraße hat man vom neuen Rathaus. Doch Husum und Nyhavn ähneln sich nicht nur in punkto Architektur und Flair: An beiden Orten, nur einen Steinwurf vom Wasser entfernt, lebten und wirkten Mitte des 19. Jh. berühmte Dichter. Am Nyhavn war es Hans Christian Andersen, in Husum der nur zwölf Jahre jüngere Theodor Storm. Beide faszinieren Leser bis heute mit ihren Gedichten und Geschichten, die in unzählige Sprachen übersetzt wurden. Theodor Storms Wohnhaus (www.storm-gesellschaft.de) kann man in der Wasserreihe 31 besuchen. Sehr sehenswert ist aber auch das Husumer Schloss – das einzige Residenzschloss Nordfrieslands – mit herrlichem Park, der sich im Frühjahr in ein Meer aus blühenden Krokussen verwandelt.

www.husum-tourismus.de

Nyhavn, Kopenhagen, Dänemark

55° 40‘ 47“ Nord / 12° 35‘ 26“ Ost

FLENSBURG

Online-Karte

Beim Namen Flensburg bekommen sportliche Autofahrer häufig Schnappatmung. Schließlich ist die nördlichste Stadt der Republik vor allem für das hier ansässige Kraftfahrt-Bundesamt und seine Verkehrssünderkartei bekannt. Die Stadt darauf zu reduzieren, greift freilich viel zu kurz. Ohnehin spielt sich das Leben hier mehr auf und am Wasser ab. Den Stadtbummel beginnt man am besten am Historischen Hafen. Dort, und im benachbarten Schifffahrtsmuseum (www.schifffahrtsmuseum-flensburg.de), erfährt man alles über Flensburgs Geschichte als Handelsdrehkreuz und maritimes Tor zur Welt. Bis 1864 gehörte die Stadt zu Dänemark und war im 18. Jh. wichtiger Stützpunkt der dänischen Westindienflotte, die in der Karibik gebrannten, rohen Rum nach Flensburg schipperte. Von den hiesigen Rumfabrikanten wurde er verschnitten und weiterverkauft. Heute beherrschen hier nur noch zwei Rumhäuser das Handwerk des Destillateurs. Eines davon, das Wein & Rumhaus Braasch (www.braasch.sh), befindet sich in der Roten Straße, die neben dem Holm zu den schönsten Flaniermeilen der Altstadt zählt. Das Umland und die Flensburger Förde erkundet man am besten mit dem Fahrrad und folgt dazu dem Ostseeküstenradweg. Aber nicht zu schnell in die Pedale treten. Und möglichst ohne Rum im Blut! Sie wissen schon – das KBA liegt gleich um die Ecke.

www.flensburger-foerde.de

Typisch für Sankt Peter-Ording sind die hölzernen Pfahlbauten am Strand, in denen meist Restaurants untergebracht sind.

SANKT PETER-ORDING

Online-Karte

Rund 12 km Länge und bis zu 2 km Breite misst der Megastrand, der sich an der Westspitze der Halbinsel Eiderstedt zwischen Nordsee und der Gemeinde Sankt Peter-Ording ausdehnt. An manchen Tagen wirkt diese gigantische Sandbank wie eine Wüste – und das Meer und die funkelnden Priele wie märchenhafte Fata Morganen. Wer entspannen möchte, macht es sich in einem der vielen bunten Strandkörbe gemütlich oder lässt sich bei einem Spaziergang die salzige Brise um die Nase wehen. Fotografen frohlocken beim Anblick der für die Gegend typischen hölzernen Pfahlbauten. Nicht zuletzt ist Sankt Peter-Ording ein Dorado für Surfer und Strandsegler. Wer auf drei Rädern selbst einmal durch den Wind düsen möchte, kann bei der Nordsport Strandsegelschule Kurse buchen (www.strandsegeln-spo.de).

www.st-peter-ording.de

FRIEDRICHSTADT

Online-Karte

Südlich von Husum verzaubert das schmucke Friedrichstadt mit viel holländischem Flair: Farbenfrohe, schmale Häuschen mit steilen Treppengiebeln säumen Gassen und Marktplatz, und etliche Grachten, über die sich malerische Brücken spannen, durchziehen den Ort. Zu Wasser – bei einer Bootstour oder mit dem SUP – lässt sich das Städtchen denn auch am schönsten erkunden. Das »nordfriesische Amsterdam« wurde 1621 von Friedrich III. von Schleswig-Holstein-Gottorf gegründet. Um seinen Traum von einer potenten Handelsmetropole zu verwirklichen, warb er vor allem niederländische Exulanten an. Die kamen, mit viel Heimat im Gepäck, und halfen dem Herzog beim Aufbau seiner Stadt. Im Gegenzug durften sie unbehelligt ihre Religion ausüben.

www.friedrichstadt.de

Wind, Watt und die weiten Wiesen von Pellworm sind perfekt für alle, die Ruhe und Entschleunigung suchen.

PELLWORM

Online-Karte

Ohne seinen Schutzwall wäre Pellworm ein Spielball der Gezeiten: 8 m hoch und 25 km lang ist denn auch der Deich, der die nordfriesische Insel umringt und sie täglich vor den Fluten bewahrt. Sandstrände und Rummel sucht man hier vergeblich. Ökolandbau und sanfter Tourismus prägen das Eiland unter dem Meeresspiegel, das mit viel Wind, Watt, weiten Wiesen und blühenden Rapsfeldern punktet. Entschleunigung ist also garantiert. Pellworm erreicht man am besten mit der Fähre ab Nordstrand (ca. 40 Min., www.faehre-pellworm.de) und steigt dann auf den Drahtesel um. Leihräder gibt’s am Hafen.

www.pellworm.de

BARFUSS DURCHS WATT

Schuhe aus, und rein ins nasskalte Vergnügen! Bei einer Wattwanderung geht man buchstäblich auf Tuchfühlung mit der Natur. Erkundungstouren durch dieses einzigartige Biotop werden von zahlreichen Veranstaltern angeboten. Spannend, lehrreich und unterhaltsam sind die Exkursionen der beiden Biologen und Nationalpark-Wattführer Birgit Andresen und Walther Petersen-Andresen, die ihre Gäste zwischen April und Dezember ab Dagebüll auch zu den Halligen Oland und Gröde entführen. Buchen kann man längere und kürzere Ausflugspakete. Bei letzteren geht es nach Eintritt der Flut mit dem Boot zurück zum Ausgangspunkt.

www.wattwanderungen-halligerlebnis.de

Die bunten Hummerbuden sind Helgolands Top-Attraktion und sehen aus der Ferne fast wie Badehäuschen aus. Wer Sonne und Meer genießen möchte, ist jedoch an den breiten Sandstränden auf Helgolands Nachbarinsel Düne besser aufgehoben.

HUMMERBUDEN AUF HELGOLAND

54° 10‘ 40“ NORD / 07° 53‘ 18“ OST

Übersichtskarte

WER VORHAT, in einer der farbenfrohen Holzhütten auf Helgoland ungestört in seine Badehose zu schlüpfen, sei gewarnt: Das könnte peinlich enden! Anders als am Muizenberg Beach bei Kapstadt werden die Hummerbuden auf der Nordseeinsel nicht als Umkleidekabine genutzt – obwohl man sie von Weitem dafür halten könnte. Früher dienten sie den Fischern als Geräteschuppen, jetzt haben Gastwirte, Händler und Künstler hier schmucke Lokale, Galerien und Souvenirläden eröffnet. Gebaut wurden die Häuschen erst nach 1952, das als »Stunde null« der Inselgeschichte gilt. Schon zur Kaiserzeit war Helgoland wichtiger Militärstützpunkt, und auch die Nazis rüsteten die »Seefestung« vor Englands Haustüre weiter auf. Kein Wunder also, dass die Briten, die nach dem Zweiten Weltkrieg als Besatzer blieben, die ganze Insel am liebsten in die Luft jagen wollten. Was zum Glück nicht gelang. Zwar hinterließ Operation »Big Bang«, bei der 1947 Tausende Tonnen Restmunition per Fernzünder gesprengt wurden, riesige Mondkrater; das Eiland blieb jedoch bewohnbar. Anfang der 1950er-Jahre kehrten die Einheimischen zurück, begannen ein neues Leben und begrüßten bald auch wieder Touristen. Auf wundersame Weise überlebt hat den »Big Bang« ein über 150 Jahre alter Maulbeerbaum nahe der Inselkirche.

Muizenberg Beach bei Kapstadt, Südafrika

34° 06‘ 00“ Süd / 18° 28‘ 00“ Ost

Dass das exotische Gewächs in diesen Breiten überhaupt gedeiht, liegt an den milden Wintern, die Helgoland auch dem Golfstrom verdankt. Im Schatten des Baumes gab sich Mitte des 19. Jh. so manch illustres Liebespaar das Jawort – das See- und Heilbad war damals gefragtes Reiseziel der Noblesse. »Unkompliziert heiraten«, wie es die Kurverwaltung formuliert, kann man noch heute in einer der Hummerbuden, in der ein Standesamt untergebracht ist. Besucher erleben auf Helgoland somit nicht nur Südafrikaflair, sondern können sich auch die Reise nach Las Vegas sparen.

www.helgoland.de

Wahrzeichen in Not: Wind und Wetter bringen die »Lange Anna« langsam zum Einstürzen.

»LANGE ANNA«

Online-Karte

Die »Lange Anna« – nach einer langbeinigen Kellnerin benannt – ist Helgolands vergängliches Wahrzeichen. Die markante, frei stehende Felsnadel im Nordwesten ist Naturdenkmal und beliebter Rastplatz für die Seevögel der Insel. 25.000 t schwer und auf nur 18 qm Fläche stehend, trotzt die stolze Buntsandsteingestalt seit jeher Brandung und Witterung. Doch wohl nicht mehr lange, denn Anna schwankt und kann vermutlich nicht mehr erhalten werden. Unbedingt besuchen!

www.nordseetourismus.de/lange-anna

INSEL DÜNE

Online-Karte

Verführerisch weiße Sandstrände locken viele vom felsigen Helgoland hinüber zur kleinen Nachbarinsel Düne. Das Badeparadies wird im Sommer regelmäßig von Fähren angesteuert. Es lohnt sich jedoch, die Rückfahrt hinauszuzögern: Sind alle Tagesgäste abgereist, kann man Wellen, Wind und Weite in aller Ruhe genießen. Teilen muss man die Düne allerdings zu jeder Tageszeit mit Kegelrobben, die hier seit einigen Jahrzehnten wieder heimisch sind.

www.helgoland.de/duene

LUMMENFELSEN

Online-Karte

Da kann der kleine Flugplatz auf der Düne nicht mithalten: Helgolands wahres Drehkreuz ist der Lummenfelsen am Nordwestufer des Oberlands. Im Sekundentakt starten und landen hier Dreizehenmöwen, Trottellummen, Eissturmvögel und andere Seevogelarten, die an der Steilwand auch brüten. Ein echtes Spektakel ist der »Lummensprung« Mitte bis Ende Juni, bei dem sich die Küken der Trottellummen waghalsig in die Tiefe und ins Leben stürzen. Exkursionen organisiert die Vogelwarte Helgoland (Anmeldung bei der Tourist-Info).

Im Westen der Insel in der Deutschen Bucht

MUSEUM HELGOLAND

Online-Karte

Hier erfährt man alles über die Geschichte Helgolands und seine Bewohner, zu denen auch Franz Schenksy, ein Wegbereiter der deutschen Fotografie, zählte. Neben seinem Leben und Werk widmet sich der hübsche Innenhof auch dem Helgoländer Kinderbuchautor James Krüss (»Tim Thaler«) und zeigt anhand farbenfroher Nachbauten, wie die berühmten Hummerbuden einst tatsächlich einmal aussahen. Sehr beliebt sind auch die Museumsführungen hinab in die dunklen Tiefen der rund 14 km langen Bunkeranlagen.

www.museum-helgoland.de

LUNG WAI

Vorbei sind die Zeiten, in denen Helgoland gegen seinen zweifelhaften Ruf als »Fuselfelsen« ankämpfen musste. Schnäppchen kann man auf der Insel aber immer noch ergattern, denn sie genießt nach wie vor einen Sonderstatus innerhalb der EU und darf Waren daher zoll- und steuerfrei anbieten. Besonders viele Geschäfte gibt es entlang der Einkaufsmeile Lung Wai. Hier findet man Schmuck, Kosmetik, Mode, Süßwaren und natürlich Tabak und Spirituosen. Insbesondere bei Alkohol und Zigaretten schaut der Zoll dann aber doch genauer hin! Über die Mengenbeschränkungen informiert die Tourist-Info.

www.helgoland.de

Die 29 m hohe Kugelbake von Cuxhaven zeigt die Stelle an, wo die Elbe endet und die Nordsee beginnt.

CUXHAVEN

Online-Karte

Lange Zeit stand Cuxhaven als Außenposten Hamburgs im Schatten der Hansestadt, bis es sich 1816 als Kurort ganz neu erfand. Heute übernachten hier, am Westufer der Elbmündung, jedes Jahr mehrere Millionen Gäste. Neben dem Tourismus hat auch die Fischerei in Cuxhaven eine lange Tradition. Das spürt man vor allem beim Bummel durch den Alten Hafen. Noch immer liefern dort Kutter und Trawler täglich fangfrische Waren an. Sie zu kaufen, zu essen oder auch nur zu beschnuppern macht auf dem Cuxhavener Fischmarkt am meisten Spaß. Wer sich einen Überblick über das Hafengelände verschaffen oder den Schiffen zuwinken möchte, kann das am besten von der etwas nördlich gelegenen Aussichtsplattform »Alte Liebe« – bevor es ins spektakuläre Wrack- und Fischereimuseum »Windstärke 10« geht, in dem man erleben kann, was die Seefahrt seit jeher so abenteuerlich und gefährlich macht.

www.cuxhaven.de

Um im Anagama-Ofen die notwendige Temperatur von rund 1350 Grad zu erreichen, muss Jan Kollwitz vier Tage und Nächte lang Holzscheite nachlegen – und das im Dreiminutentakt! Damit er während dieser Zeit auch hin und wieder schlafen kann, unterstützt ihn dabei ein Assistent.

JAPANISCHE KERAMIK AN DER OSTSEE

54° 11‘ 25“ NORD / 10° 59‘ 10“ OST

Übersichtskarte

»DAS WAR FAST WIE IN EINEM KUNG-FU-FILM«, erinnert sich Jan Kollwitz, Urenkel der Bildhauerin Käthe Kollwitz, und erzählt, wie er sich einst im Herzen Japans, umgeben von den oft nebelverhangenen Bergen der Präfektur Fukui, auf den steinigen Pfad der Erleuchtung begab. Als der damals 25-Jährige zum ersten Mal bei Yutaka Nakamura vorsprach, verspürte der exzentrische Altmeister aus Echizen keine große Lust, den Fremden unter seine Fittiche zu nehmen. Einen Lehrling? Noch dazu aus Deutschland? Doch Kollwitz ließ nicht locker und fand sich im Sommer 1986 tatsächlich in Nakamuras Keramikwerkstatt wieder. Dass sein neuer Schüler das Töpferhandwerk bereits von der Pike auf im Schwarzwald gelernt hatte, beeindruckte den Mentor nicht sonderlich. So musste Kollwitz zunächst wochenlang von morgens bis abends Ton kneten, bis er endlich seinen allerersten Teebecher drehen durfte. Und heute? Ist Jan Kollwitz selbst Meister seines Fachs. Seit über 30 Jahren fertigt er im ostholsteinischen Cismar japanische Teeschalen, Vasen, Tiegel und Töpfe, die so elegant und gleichzeitig urwüchsig wirken, als hätte er sie von einem exotischen Baum gepflückt. Herzstück im Produktionsprozess ist ein traditioneller, hierzulande einzigartiger Anagama-Ofen, den ein japanischer Baumeister 1988 auf dem Werkstattgelände des Künstlers errichtete. Vier Tage und Nächte dauert es, bis die archaische Feuerkammer rund 1350 Grad erreicht und es zur gewünschten Entfesselung der Elemente kommt: Glut und Aschepartikel wirbeln durch den Ofen und verschmelzen mit dem Ton zu einer tropfenden, natürlichen Glasur, die später in reizvoll unregelmäßigen, oft klecksenden Farbverläufen auf der Keramik leuchtet. Bestaunen kann man diese besondere Kunst in Jan Kollwitz’ Galerieräumen, nur einen Steinwurf von der Ostseeküste entfernt. Ob der Meister eines Tages selbst einen Lehrling bei sich aufnimmt – vielleicht sogar aus dem fernen Japan?

www.jan-kollwitz.de

Traditionelle Keramikproduktion, Japan

35° 54‘ 13“ Nord / 136° 10‘ 08“ Ost

Nahtlos reihen sich die prächtigen Altstadthäuser Lübecks an der Trave aneinander und zeugen noch heute von der großen Vergangenheit der Hansestadt.

LÜBECK – WELTKULTURERBE UND THOMAS MANN

Online-Karte

Lübeck ist mehr als eine süße Versuchung. Einst als Freie Hansestadt ein unabhängiger Freistaat, gilt sie heute als Kulturhauptstadt des Nordens. Als solche glänzt sie mit Museen, darunter eines, das einem ihrer berühmtesten Söhne und dessen nobelpreisprämiertem Werk gewidmet ist: Im »Buddenbrookhaus«, das die Vorfahren des Schriftstellers Thomas Mann bis 1891 tatsächlich besessen haben, sind zwei Räume zu einem begehbaren Roman nachgebildet. Dort vermischt sich literarische Fiktion mit Wirklichkeit. Wie übrigens auch in Lübeck selbst, denn jeder Schauplatz des laut Mann »an einem mäßigen Handelsplatz an der Ostsee« spielenden Romans ist wiederzuerkennen. Das Wahrzeichen Lübecks indes ist alles andere als mäßig: Das mächtige, 1478 vollendete Holstentor hatte die auf einer Insel in der Trave gelegene Altstadt abzuschirmen. Auch das spätgotische Rathaus daneben ist mit seinen Türmen, Erkern und der Renaissancelaube ein Schmuckstück, und wie eh und je beherrschen die sieben Türme der mittelalterlichen Kirchen die Stadtsilhouette – kein Wunder, dass die Unesco das einzigartige, verwinkelte Altstadtensemble in Backsteinrot 1987 zum Weltkulturerbe erklärte.

www.buddenbrookhaus.de

EUROPÄISCHES HANSEMUSEUM

Online-Karte

Als Mutter der Hanse, jenem Städte- und Wirtschaftsbündnis, zu dem sich im 12. Jh. niederdeutsche Kaufleute zusammentaten, gilt Lübeck. Daher befasst sich das 2015 eröffnete Museum umfassend wie weltweit kein anderes mit der Geschichte der Hanse. Die perfekte Kulisse bilden ein moderner Neubau, das mittelalterliche Burgkloster und eine in das Museumsareal integrierte archäologische Ausgrabungsstätte. Nachgebaute Szenerien führen über einen Markt in Brügge oder zeigen einen Hansetag im mittelalterlichen Lübeck; lesend und schauend erschließt sich der Rundgang durch die Jahrhunderte.

www.hansemuseum.eu

RATZEBURG

Online-Karte

Auf ihrer eigenen Insel liegt die geschichtsträchtige Domstadt Ratzeburg in einem großen Gewässer; drei Dämme bzw. Brücken verbinden sie mit dem Festland und schaffen so den Ratzeburger, den Dom- und den Küchensee. Hier sollte man die Kathedrale, das Schloss und das dem expressionistischen Künstler Ernst Barlach gewidmete Museum besuchen. Vor dem Gotteshaus steht eine Löwenskulptur, die Braunschweigern bekannt vorkommen dürfte, und richtig: Es ist das Symbol Heinrichs des Löwen, der den Ratzeburger Dom gestiftet hat und den Originallöwen zu seinen Lebzeiten im 12. Jh. errichten ließ. Das Ratzeburger Exemplar ist eine Kopie und 700 Jahre jünger. Ähnlich den Ratten in Hameln führen abstrahierte Pfotenabdrücke zu Sehenswürdigkeiten und historisch bedeutsamen Orten der Stadt.

www.ratzeburg.de

KLÜTZER WINKEL

Wunderschön winkelt sich die Hügellandschaft mit waldiger Steilküste zwischen Trave und Wismar in die Ostsee hinein – der Klützer Winkel ist immer einen Abstecher wert. Am besten dampfend und schnaubend mit »De lütt Kaffebrenner«, einer historischen Schmalspurbahn von Klütz aus. Dort hat man zu Ehren Uwe Johnsons (1934–1984), dem »Dichter beider Deutschland«, ein Literaturhaus errichtet.

www.kluetzer-winkel.m-vp.de;

www.literaturhaus-uwe-johnson.de

FÜNF-SEEN-FAHRT BEI MALENTE

Online-Karte

Ein geschlungener Wasserweg führt etwa 12 km durch fünf Seen mit kleinen Inseln und lieblichen Buchten. Dieksee, Langensee, Behlersee, Höftsee und Edebergsee sind durch die Schwentine verbunden, Schleswig-Holsteins längstem Fluss. Mit 15 km/Std. gleiten die Schiffe gemütlich von Malente-Gremsmühlen über Niederkleveez und Timmdorf bis nach Plön-Fegetasche.

www.5-seen-fahrt.de

Abenteuer am Abend: Seit dem Jahr 1952 werden am Kalberg die Karl-May-Festspiele in Szene gesetzt.

BAD SEGEBERG

Online-Karte

Knallende Colts und wilde Reiter, Feuerzauber und Wildwestromantik: Das sind die Karl-May-Spiele in Bad Segeberg. Dort reiten unterhalb des 91 m hohen Kalksteinfelsens Winnetou und Old Shatterhand jeden Sommer aufs Neue zu ihren Abenteuern.

www.bad-segeberg.de;

www.karl-may-spiele.de

Die weißen Kreidefelsen im Nordosten Rügens sind stolzes Wahrzeichen der Insel. Die Steilküste ist jedoch Regen, Sturm und Strömung nahezu schutzlos ausgeliefert; Jahr für Jahr stürzen daher Teile des Naturwunders zu Boden oder werden weggespült.

KREIDEFELSEN, RÜGEN

54° 34‘ 23“ NORD / 13° 39‘ 45“ OST

Übersichtskarte

KREIDE? Da denkt so mancher mit Schrecken an die eigene Schulzeit zurück. An jenes Schreibgerät, das zwar sanft und zerbrechlich in den Händen lag, an der Tafel jedoch oftmals eine staubtrockene und schier undurchdringliche Materie hinterließ, die es gedanklich zu durchbohren galt: Nominalverteilung, Endoplasmatisches Retikulum, unregelmäßige Verben. Vielleicht gibt es keinen besseren Ort als Rügen, um solche Traumata ein für alle Mal zu überwinden. Am besten funktioniert das auf der nordöstlichen Halbinsel Jasmund im gleichnamigen Nationalpark, der zweifellos zu den schönsten Landstrichen Deutschlands zählt. Kreide gibt es hier tonnenweise; schweift der Blick jedoch über die majestätisch aufragenden, weiß leuchtenden Felsen zur blaugrauen Ostsee, weckt das vor allem Sehnsüchte. Bis heute gilt die grandiose Steilküste Rügens, gesäumt von verwunschenen Buchenwäldern, als Sinnbild der deutschen Romantik, das viele Künstler inspirierte. Eines der populärsten Werke dieser Epoche sind Caspar David Friedrichs »Kreidefelsen auf Rügen« (1818). Der Maler war regelrecht vernarrt in die Insel und erkundete, mit Skizzenblock unterm Arm, nahezu jeden Winkel. Wer diese Begeisterung hautnah nachempfinden möchte, wandert am besten vom Fischerort Lohme in die Stubbenkammer zum 118 m hohen Königsstuhl, dem Superstar unter den weißen Riesen im Nationalpark. Es lohnt sich, früh aufzustehen, weil auf der Aussichtsplattform morgens meist noch wenig los ist und zudem das zarte Farbenspiel des Sonnenaufgangs für Endorphinschübe sorgt. Spektakuläre Kreideklippen gibt es freilich auch in anderen europäischen Ländern. Weltbekannt sind die »White Cliffs of Dover« in Südengland sowie die Kreideküste von Étretat in der Normandie. Oder doch lieber Rügen? Sie wissen schon, damals an der Schultafel im Französischunterricht – die vielen unregelmäßigen Verben!

www.nationalpark-jasmund.de

Étretat, Normandie, Frankreich

49° 42‘ 23“ Nord / 00° 12‘ 24“ Ost

Die Strandkörbe am langen Sandstrand von Binz sind bei den Badegästen im Sommer beliebte Schattenspender und bieten im Frühjahr und Herbst Schutz vor kühlen Ostseewinden.

BINZ

Online-Karte

Eine einzigartige Bäderarchitektur und prachtvolle Villen in der verspielten Architektur des ausgehenden 19. Jh. geben Binz sein unverwechselbares Gesicht. Mondän ist die 3,2 km lange Promenade, die mit dem prächtigen Kurhaus, den Sternerestaurants, Edelboutiquen und exklusivem Kunsthandwerk luxuriöses Flair versprüht. Von der Seebrücke kann man zu den Kreidefelsen und Kap Arkona ablegen oder andere Ostseebäder besuchen.

www.ostseebad-binz.com

ZUGFAHRT ZUM JAGDSCHLOSS GRANITZ

Ein besonderer Ausflug ist die Fahrt mit dem Rasenden Roland (Rügensche Bäderbahn) nach Binz oder Selin (jeweils Haltestelle Jagdschloss), um anschließend eine Wanderung zum Jagdschloss Granitz auf dem Tempelberg (107 m) zu unternehmen. Das zwischen 1837 und 1846 erbaute, luxuriöse Schloss – »Krone Rügens« genannt – war einst Jagdsitz der Putbuser Fürstenfamilie und bietet vom Mittelturm (38 m hoch) beste Aussichten über die Insel bis zur Binzer Bucht.

www.mv-schloesser.de;

www.ruegensche-baederbahn.de

ZICKERSCHES HÖFT MIT PFARRWITWENHAUS

Im Südosten der Insel finden sich die Zickerschen Berge und mit dem 69 m hohen Baken die höchste Erhebung der Halbinsel Mönchgut. Die Panoramawanderung im auch »Zicker Alpen« genannten Gebiet führt zu dem liebenswerten Ort Groß Zicker mit einem der fotogensten Wahrzeichen des Bundeslands Mecklenburg-Vorpommern, dem Pfarrwitwenhaus. Das denkmalgeschützte, im Jahr 1723 erbaute Anwesen diente einst mittellosen Pfarrwitwen als Unterkunft und beherbergt heute ein Museum.

www.moenchgut.m-vp.de/pfarrwitwenhaus-gross-zicker

DOKUMENTATIONSZENTRUM PRORA

Online-Karte

»MACHTUrlaub«, die Dauerausstellung im Dokumentationszentrum Prora, widmet sich der größten baulichen Hinterlassenschaft des Dritten Reichs. Die Organisation »Kraft durch Freude« baute hier, an der Prorer Wiek, in den 1930er-Jahren eine 4,5 km lange Gebäudezeile, bestehend aus acht Blöcken mit einer Länge von jeweils fast 500 m. Das »KdF-Seebad Rügen« sollte für bis zu 20.000 Menschen organisierte Erholung bieten. Neben dieser historischen Auseinandersetzung ist auch der Ort Prora selbst einen Besuch wert. Hier kann man zum Beispiel im Naturerbe-Zentrum von einem 1250 m langen und bis zu 20 m hohen Baumwipfelpfad eine atemberaubende Aussicht genießen.

www.proradok.de

102 Stufen sind es bis zur Aussichtsgalerie des Leuchtturms Dornbusch im Norden der Insel Hiddensee. Das schmucke Wahrzeichen durfte schon zwei Mal eine Briefmarke zieren.

HIDDENSEE

Online-Karte

»Dat söte Länneken« (etwa »das süße Ländchen«) ist der plattdeutsche Kosename von Hiddensee: eine Insel der Ruhe, Besinnung und völligen Entspannung im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft. Von Stralsund kommt man mit der Fähre im Hafen Vitte an, und hier beginnt auch gleich das Loslassen vom Alltag. Unterwegs ist man zu Fuß, mit dem Rad oder der Pferdekutsche. Wanderwege und Trampelpfade verteilen sich anstelle von Straßen auf dem nur 16,8 km² großen Eiland. Maler, Dichter, Schauspieler, Künstler und Intellektuelle machten Hiddensee als Kulturinsel bekannt. Ihren Spuren kann man in den nur vier Dörfern – Vitte, Neuendorf, Kloster und Grieben – folgen. Hiddensee zeigt seine Schönheit im Nordwesten am Leuchtturm Dornbusch, wo die imposante Steilküste aufragt, oder in Kloster, dem kulturellen Zentrum der Insel. Erwandernswert!

www.seebad-hiddensee.de

ROBBENEXPEDITION

Mit ein bisschen Glück entdeckt man seltene Kegelrobben auf einer Fahrt vom Lauterbacher Hafen in den Greifswalder Bodden. Auf der ca. 2,5-stündigen Exkursion informieren Meeresbiologen über die Entwicklung der sympathischen Tiere und integrieren die Teilnehmer in ihre Arbeit an Bord.

www.weisse-flotte.de